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Full text of "Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene 2.1905"

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Leipzig 1905 
Veriag d. Monatsschrift für 


Harnkrankheiten u. sexuelle Hygiene 


W. Malende 


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Monatsschrift 
Harnkrankheiten 


sexuelle Hygiene. 


Unter Mitwirkung hervorragender Mitarbeiter 
| herausgegeben 
von 


Dr. med. Karl Ries 


in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 


ll. Jahrgang 1905. 
nr rn 


Leipzig 
— Johannisgasse 3 — 
Verlag der Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene 
W. Malende. 
1905. 


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Alle Rechte vorbehalten. 








Druck von August Hoffmannn, Leipzig-Reudnitz. 








Medica 
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Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene. 
Ii. Jahrgang 1905. 


Inhalt. 


I. Originalarbeiten. 


Seite 
Abolitionismus und Hygiene — v. 
P. Meissner-Berlin . . 42 
Abortivbehandlung der Gonorr- 
hoe mittelst Albargin von 
Schourp-Danzig . . . 40 
— der akuten Gonorrhoe von 
Artur Strauß-Barmen . . 25 


Albargin. — Zur Abortivbehand- 
lung der Gonorrhoe mittels 
A.— v.Schourp-Danzig. . . 40 

Anaesthesierung der Nieren und 
oberen Harnwege. Ueber die — 

v. M. Lavaux-Paris . - . 184. 227 

Arhovin’s, Ueber die Anwendung 
des — als Antigonorrhoicum — 


v. James Silberstein . . . . 113 
Arthritis, Bemerkungen über 

gonorrhoische — v. Schuster- 

Aachen . . 21 


Ärzte- und Naturforscher - Ver- 
nung 77. in Meran vom 
eptember 1905. (Ver- 
handlungen cer 25. Abteilung: 
Dermatologie- und Syphilido- 
logie) — v. Freih. v. Notthafft- 
München . . . 2 x... 446 


Bericht über den Il. Kongreß der 
Deutschen Gesellschaft zur Be- 
kämpfung der Geschlechts- 
krankheiten in München, den 
17. und 18. März 1905 — von 
Karl Ries-Stuttgart . 169 

Blase und Harnröhre, Die Lokal- 
anaesthesie in — v. Rob. Lucke- 
Magdeburg . . . 463 

Bubonen, Die Behandlung der -- 
nach der Porosz’schen Methode 
v. Joseph Barabàs . . . . . 302 


Dermato- und Venerologie, Bei- 
träge zur Geschichte der — v. 
M. P. Manassein-St. Petersburg, 
— übersetzt v. Otto Steinborn- 
Thorn . . . . . 467. 494. 537 


Seite 


Endoskopie, Zur Technik der — 
v. Hans Pollock-Freiburg i. B. 
(Mit einer Abbildung). . . 154 
Erreur de sexe, Ein Fall von irr- 
tümlicher Geschlechtsbestim- 
mung — v. Magnus re 


Charlottenburg . . . 53 
Geschlechtsbestimmung, Ein Fall 

von irrtümlicher — Erreur de 

sexe — v. Magnus. SEMER 

Charlottenburg . 53 


Geschlechtskrankheiten, Schutz. 
mittel gegen — v. Otto Große- 
München . . 250 

—, Erwiderung hierauf. — von Blo- 
kusewski - Niederbreisig a. Rh. 315 

—, Entgegnung hierauf — von 
Otto Große-München . . . 491 

— Deutsche Gesellschaft zur Be- 
kämpfung der —, Bericht über 
den Il. Kongreß der D. G. z. B. d. 

G. — München, am 17. und 18. 
März 1905 — von Kari Ries- 
Stuttgart . . 169 

—, Epilog zum Il. Kongreß — vy. 
Freih. v. Notthafft-München . 267 

Geschlechtsverkehr, Die Empfeh- 
lung des illegitimen G. seitens 
des Arztes ist unzuläßig, — v. 
Prof. Benninghoven-Berlin . . 355 
(NB. Wendet sich gegen Max 
Marcuse’s Aufsatz „Darf der 
Arzt zum außerehelichen Ge- 
schlechtsverkehr raten“?) — 
Jahrg. 1904. — 

— Noch einmal: „Darf der Arzt 
zum außerehelichen G. raten?“ 

v. Max Marcuse-Berlin — (Ant- 
wort auf vorstehende Arbeit 
Prof. Benninghovers) — 412 

Gonorrhoe, Zur Abortivbehand- 
lung der — mittels AMATE 
v. Schourp-Danzig . 40 

—, — der akuten — von "Artur 
Strauß-Barmen . » .... 3 


Gonorrhoe, Über die Anwendung 
der Silberpräparate, speziell der 
modernen, bei der — Eine Be- 


trachtung für den Be 
Arzt v. R. Loed-Köln 
—, Zur Behandlung der — von 


Julian Marcuse-Mannheim . 

—, Die Flasche „Simplex“ zu In- 
jektionen bei —v. Artur Strauß- 
Barmen. . 

Gonosan, Klinischer Beitrag zur 
Kenntnis der therapeutischen 
Wirkung des — v. Ferrucio 
Paßarelli-Rovigo 2 

Harnröhre, Keratosis der — von 
Kar! Joos-München . 

—, Ueber Massage der — v. Boß. 
Straßburg i. E. (Mit 3 Abbil- 
dungen) . . 

— und Blase, Die Lokalanaesthesie 
in — v. Rob. Lucke-Magdeburg 


Harnverhaltung, Ueber — von Karl 
Ries -Stuttgart A 
Harnwege, obere — Ueber die 
Anaesthesierung der Nieren u. 
ob. H., v. M. Lavaux-Paris 
Hermaphroditismus, Ein seltener 
Fall von — v. Magnus Hirsch- 
feld-Charlottenburg 
Homosexualität und Prostitution, 
Ueber — Zugleich ein Beitrag 
zur Lehre von den Enthaltsam- 
keitsstörungen von WR 
Hammer-Berlin . . 
Hygiene, und Abolitionismus — `y. 
Meißner-Berlin -. - - - . 


Injektionen bei Gonorrhoe, Die 
Flasche „Simplex“ zu — von 
Artur Strauß-Barmen . 

Jodfersan bei Lues, Ueber — von 
Prof. Benninghoven-Berlin . 


Keratosis der Harnröhre — von 
Karl Joos-München . . 

Kongreß, Il. der Deutschen Gesell- 
schaft zur Bek. der Geschlechts- 
krankheiten in München, den 
17. und 18. März 1905, Bericht 
über den — von Karl nr 
Be Be 

ilog zu diesem Kongreß — 

reih. v. Notthafft-München 


Lokalanaesthesie, Die, in Blase u. 
Harnröhre, — von Rob. UNE 
Magdeburg . ; 


184. 


Seite 


14 
163 


394 


367 
30 


82 


211 


227 


202 


42 


394 
157 


169 
267 


463 


Lues, Ueber Jodfersan bei — v. 
Prof. Benninghoven-Berlin . 


Massage der Harnröhre, Ueber — 
v.Boß-Straßburg i. E.(Mit 3 Ab- 
bildungen) . - .- 

— der Prostata und der Samen- 
blasen, Ueber — von Artur 
Hennig-Königsberg i. Pr. . 


Naturforscher- und Aerzte -Ver- 
sammlung, 77. in Meran vom 
24.—30. September 1905. (Ver- 
handlungen der 25. Aare DE 
Dermatologie und hilido- 
logie), von v. Na ünchen 

Neomalthusianismus, Der. — Die 
fakultative Sterilität in der ärzt- 
lichen Praxis — v. Herm. ige 
leder-Leipz:g . 

Neurasthenie, Ueber sexuelle — 
v. M. A. Stern 309. 37 

Nieren und oberen Harnwege, 
Ueber die Anaesthesierung der 
— v. M. Lavaux-Paris . 

Novargan, Ueber — von Roper 
Lucke-Magdeburg 


Onanie, Ueber die Folgen der — 
v. Mor. Porosz-Budapest . 98. 

—, Zur Naturgeschichte der — v. 
Julian Marcuse -Mannheim 


Prostata und Samenblasen, Ueber 


6. 395. 


Seite 


157 


82 


9. 70 


59. 89. 118 


442 


84. 227 


132. 
37 


Massage der — v. Artur Hennig- 
9. 70 


Königsberg i.Pr.. . 
Prostituierter, Ueber Spracheigen- 
tümlichkeiten Berliner P. 
von Wil/h. Hammer-Berlin . 
Prostitution und Homosexualität, 
Ueber — Zugleich ein Beitrag 
zur Lehre von den Enthaltsam- 
keitsstörungen — von Pr 
Hammer-Berlin . 2 s 


Samenblasen und Prostata, Ueber 
Massage der von Artur 
Hennig-Königsberg i. Pr. 

Silberprāparate, Ueber die An- 
wendung der, speziell der mo- 
dernen, bei der Gonorrhoe. Eine 
Betrachtung für den praktischen 
Arzt v. R. Loeb-Köln a. Rh. . 

Syphilis, Einige dunkle Punkte in 
der gegenwärtigen Lehre von 
der — v. Herbsmann-Rostow, 
übersetzt von m: SIENTOONA: 
Thorn . $ 


218 


9. 70. 


175 


Seite 
Syphilis-Therapie, Ein Beitragzur — 
Prophylaktischer Vorschlag von 


E. Orlipski -Halberstadt . . . 49 


Technik der Endoskopie, Zur — 
v. Hans Pollock-Freiburg i. B. 154 


Ulcus venereum, Ein —, von 
großem Umfange — von Moritz 
Porosz-Budapest doa 492 


Urologie im letzten Jahrzehnt, 
Ueber die Fortschritte der — v. 
G. Brendel-Bad Kreuznach . 2. 66 


Venero- und Dermatologie, Bei- 
trāge zur Geschichte der —, 
v. M. P. Manassein-St. Peters- 
burg, — übersetzt v. Otto Stein- 
born-Thorn . . . . 467. 494. 537 
Versammlung, 77., deutscher Na- 
turforscher und Aerzte in Meran 


vom 24.—30. September 1905 — 
Verhandlungen der 25. Abtig : 
Dermatologie und Syphilidologie 
v: Freih. v. Notthafft-München 

Verschleppung eines 14jähr. Mäd- 
chens in ein reichsdeutsches 
Bordell, Ein Fall von — v. Wilh. 
Hammer-Berlin : ; 

— Bemerkungen zu diesen Aus- 
führungen — von EUELA V. 
Notthafft-München . . 

— Erwiderung hierauf — v. Wilh. 
Hammer-Berlin . f 

— Schlußwort hierzu — von 
Freih. v. Notthafft-München 


Weihnachtsfeier, Eine, im größten 
Dirnenkrankenhause Deutsch- 
lands. Zugleich ein Beitrag zur 
Psychologie der Prostitution — 
v. Wilh. Hammer-Berlin . 


Il. Referate. , 


Abramow, S., Ueber die Verän- 
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Adrian, C. und A. Loeb, Recht- 
fertigt erhöhte molekulare Blut- 
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kungen immer den Schluß auf 
Kranksein beider Nieren? (= Aus 
der Straßburger med. Klinik: 
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Arrese et Motz, Note "sur les 
vessies des prostatiques „sans 
prostate.“ Goldberg - Köln - Wil- 
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der Magensekretion bei einsei- 
seitiger Nierenexstirpation. /7. 
Schwerin-Berlin . . 516 

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of the renal pelves in the 
treatment of Bright’s disease. 

S. Blanck-Potsdam : . . . . 431 


Bakalleinik, Pierre, Traitement 
des retr&ecissements de l’urethre 
sans pression sur les parois 
adjacentes saines, dilatation de 
l'uretère. Goldberg - Köln - Wil- 
dungen - -» : .: 2 220. 


Eee O o o a o 


Bandi und Simonelli, Ueber die 
Anwesenheit der „Spirochaete 
pallida“ in sekundär-syphiliti- 
schen Manifestationen und über 
die zu ihrem Nachweis ange- 


wendeten Färbungsmethoden. 
432 


Steiner- Mannheim . 


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2 


HI 


Seite 


446 


346 


351 
457 
461 


189 


320 
281 


519 


323 


IV 


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Seite 


236 


517 
190 


286 


476 


527 


474 


192 


237 


529 


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475 


385 


326 


241 


197 
194 


233 


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Direktor Geheimrat ARSTI 
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Seite | 


470 


239 


329 


430 
189 


432 


526 


325 


475 


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Seite 


193 


525 


237 


1% 


110 


320 


926 


520 


196 


326 


192 


524 


323 


110 


VI 


und Herzegewina. A. Seelig- 

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außerehelichen Geschlechtsver- 
kehr raten? Steiner-Mannheim 
Kubinyi, P. von, Entfernung eines 
von Blasensteinen umgebenen 
Gänsekieles aus der Harnblase. 
Schwab-Berlin ef 


Seite 


528 


529 


430 


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232 


432 


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spontanees de la prostata. Go/d- 
berg-Köln-Wildungen . : 


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192 


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473 


241 


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27. 328 


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des sogenannten Verandage- 
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Ueber scheinbar mit der Prostata 
nicht zusammenhängende, aber 
dennoch durch Prostatitis be- 
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Bemerkungen über chronische’ 


Prostatitis. Forchheimer-Würz- 
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189 
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molekularen Konzentration des 
Blutes und des Urins bei doppel- 
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empfindliche Methode zum 
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Ravant, P. et Darr&e: Les réactions 
nerveuses au cours des herpes 
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der durch Prostatahypertrophie 
bedingten Harnverhaltung mit- 


telst „Prostatectomia suprapu- 


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188 


= 
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515 | 


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= mg ——ne -a 


bei _ 


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Stejskal, Karl Ritter von, und 
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1898. S. Prißmann-Libau 

Strzyzowski, C., Eine praktische 
leicht ausführbare Harnprobe 
bei Diabetes. S. Prißmann- 
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Studzinski, J.B., Beitrag zur Kennt- 
nis der Wirkung der Essentia 
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Stuertz, Eustrongylus gigas im 
menschlichen Harnapparat mit 
einseitiger Chylurie. Goldberg- 
Köln-Wildungen . ; 

Suarez et Motz, Des hémorrhagies 
spontanées de la prostata. 
Goldberg-Köln-Wildungen 

Svoboda, Ein Fall von Hermaphro- 
ditismus bei einem Kinde. 
Straschnow-Prag ; 


Thelemann, Ueber die Entkap- 
selung der Niere. (Aus der 
Chirurg. Klinik und dem Patho- 
log.-anatom. Institut der Univ. 
in Marburg.) Zf. Schwerin-Berlin 

Thiemich, M., Ueber den Einfluß 
der Kalisalze auf die Eiweiß- 
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Grätzer-Sprottau 

Thimm-Leipzig, Vasenol — eine 
neue Arznei —, Mittelsrundlage 
für Salben, Pasten und Injek- 
tionsflüssigkeiten. (2) ; 


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516 


188 


330 


Sm S A 


a o a e—a e a e e 


Thumim, Leopold-Berlin, Patho- 
genese, Symptomatologie und 
Diagnose der Mündungsano- 
malien einfacher und überzäh- 
liger Ureteren beim Weibe. Nebst 
Mitteilung eines Falles von Cyste 


eines überzähligen Ureters. 
Immerwahr-Berlin . . 
Tichomirow, P. J.-Kasarı, Ueber 


einen Fall von multipler Neu- 
ritis syphilitischen Ursprungs. 
M. Lubowski - Berlin - Wilmers- 
Or: a... oe u ee N ah 
Tobler, L., Ueber funktionelle 
Muskelhypertrophie infolge ex- 
zessiver Masturbation. Grätzer- 
Sprottau E 


Unschuld, Noch eine Mitteilung 
über Balsamum peruvianum. 
Steiner-Mannheim . 

Urata, Tada, Experimentelle Unter- 
suchungen über den Wert des 
sogen. Crédé’schen TORIR 
Drucker-Stuttgart 

Uréthrite staphylococcique par 
coit „ab ore“. (~ Aus der med. 
Klinik in Nantes. —) Palm-Berlin 


Vogel, Julius-Berlin, Die Prophy- 
laxe und Abortivbehandlung der 
Gonorrhoe. /mmerwahr-Berlin 

— , Praktische Ergebnisse aus dem 
Gebiete derNierenerkrankungen. 
Immerwahr-Berlin . 

Völker, Die Gestalt der mensch- 
lichen Harnblase im Röntgen- 
bilde. Steiner-Mannheim 


Wallerstein, J., Ueber die fistula 
urethrae penis congenita vera. 
Schwab-Berlin AE A 

Weber, A. Klinische Unter- 
suchungen über febrile Albu- 
minurie. (::- Inaug.-Diss., Greifs- 
wald 1904. =) Schwab-Berlin 

Widal et Javal, Cure de dechloru- 
ration et albuminurie YE ENSAM 
Palm-Berlin ne : 


Zeuner, W.-Berlin, Neuere Mittel 
zur Verhütung der Geschlechts- 
Krankheiten. /mmerwahr-Berlin 


IX 


Seite 


471 


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195 


194 
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477 
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232 


196 


III. Allgemeines Sachregister. 
Erklärung der Abkürzungen: O.-A. nn Original-Arbeiten, — R. — Referat, — B. = PR DISCDUNE. 


Abdomen und Pleura, Er- 
güsse in* 63. 

Abdominal nephrectomy 
with illustrative cases 
R. 430 


Abolitionismus und Hy- 
giene O.-A. 42. 

Abortivbehandlung der 
akuten Gonorrhoe, Ueber 
den Wert der —* 14 

— der Gonorrhoe mittels 
Albargin O.-A. 40 

— der akuten Gonorrhoe, 
Zur. — (Nach e. Vortr. 
i. d. Sitzg. des Vereins 
rhein.-westfäl. Dermato- 
logen und Urologen). 
O.-A. 25 


Abortive Behandlung * 5. 

—, Zur Frage der* 17. 

- —, Ueber * 17. 

Abortivkuren * 5. 16. 

Abortus * 120. 

Abstinenz, sexuelle * 38. 

—, sexuelle, Schädlichkeit 
der * 89, 

—, Ueber sexuelle, von 
Löwenfeld R. 193. 194. 

Abszesse * 11. 

— der Drüse* 9. 

Aceton und Acetessig- 
säure im Urin, Ueber 
den Nachweis und die 
Bestimmung von — von 
Paul Reiche, R. 384 

—, Neue Reaction zum 
Nachweis von —, samt 
Bemerkungen über Ace- 
tonurie R. 475. 

Acidum camphoricum 
* 67 


— nitricum * 18. 

Acromion * 56. 

Actol * 6. 

Adenombildung in 
Schrumpfnieren, Ueber 
multiple — von Max 
Petrenz, R. 189. 

Adrenalin * 68. 220. 

Adstringentien * 15. 

Affektionen, gonorr- 
hoische * 4 

Agoraphobie * 409. 

Albargin * 4. 6. 14. 27. 


* bedeutet: Zitiertes. 


Albargin, Zur Abortivbe- 
handlung der Gonorrhoe 
mittels — O.-A. 40. 

Albarginlösung * 19. 

Albuminurie, Ein Fall von 
orthotischer, im An- 
schlusse an Nephritis 
von v. Reuß. — R. 188 

— , Febrile* 518. 

—, Ueber physiologische 
und pathologische —, 
von Senator. -- R. 235 

„Alkohol, Der“, Viertel- 
jahrszeitschrift * 123. 

Alkoholismus, Chronischer 

122. 


— und Morphinismus * 90. 

— und Ehe* 123. 

Alig. Wiener med. Zeitung 

* 166. 286. 

Alumen ustum pulverisa- 
tum * 492. 

Alumnol * 6. 

Alypin * 466. 

American Medizine * 190. 

Amicus * 260. 

— Blokusewski’s, —* 386. 

— „Sanitas-Oliven“ * 386. 

— Viro-Tuben * 386. 

Amorkugeln * 196. 197. 

Anästhesie der Ge- 
schlechtsorgane * 12. 

Anästhesierung der Nieren 
und oberen Harnwege, 
Ueber die — O.-A. 184. 

Anastomose * 66. 

Anatomische Einleitung 
v. E. Zuckerkandl (Wien) 
* 336 


Aneson * 464. 

Angulus penoscrotalis * 33. 

Annales des Maladies des 
Organes Génito-Urinai- 
res * 17. 83. 110. 475. 

Antigonorrhoica * 14. 

Antimerkurialisten * 51. 

Antipyrin * 28. 

Anus * 8. 526. 

Anzeigepflicht, Ueber die 
— bei Geschlechtskrank- 
heiten * 171. 

Aorta bei Syphilis, Ueber 
die Veränderungen der — 
R. 476. 


. | Argentamin 


Aphrodite-Kultus * 45. 

Apoplexie * 117. 

Archiv für Dermatologie 
und Syphilis * 239. 302. 
* 412. 412. 

— für Gynaekol. * 96. 96. 

— f.Kinderheilkunde * 233. 


.| — für Klinische Chirurgie 
* 331 


Archives de Med. et de 
Chir. * 22. 

* 6. 14. 27. 

Argentum nitricum * 4. 5. 
16. 19. 2 

— eosolicum * 6. 

— nitr.-Injektionen * 15. 


Arhovin* 7. 114. 

— als Antigonorrhoicum, 
Ueber die Anwendung 
des EE O.-A. 113. 

Arsenik * 477. 

Arteriosklerose, Ueber die 
— der kleinen Organ- 
arterien und ihre Be- 
ziehungen zur Nephritis, 
von Prof. L. Jores, R. 232. 

Art. iliaca interna * 8. 

Arthritis, gonorrhoische, 
o EEEn über — 

1 


Aerzte-Ztg., Dtsche. * 166. 

Asepsis, Die, in der Uro- 
logie — B. 338. 

Asthemospermie * 73. 78. 

Asthenopie * 403. 

Aszendierende Tendenz "2. 

Aetherglykosurie, Ueber 
— * 517. 

Aetiologie und Prophylaxe 
der postoperativen Cys- 
titis * 288. 

Atlas der spez. patholog. 
Histologie von Prof. 
Herm. Dürck * 31. 

Atonia prostatae * 99. 

Atrabilin * 68. 

Atrophie * 78. 

— der Prostata * 73. 

Attentats aux moeurs * 62. 

Ausfluß, Blutiger * 12. 

Ausführungsgänge der 
Drüsenräume * 13 


Auspinselungen * 27. 

Ausspülungen mittelst 
antiseptischer Flüssig- 
keiten „post coitum.“ 
* 130. 


Bakterien * 13. 
—, Die, der gesunden und 
kranken Harnwege, von 


R. Kraus * 338. 
Bakteriurie, Zur Aetiologie 
und Klinik der —, von 


Kornfeld, — R. 190. 518. 
Balsamica * 6. 14. 
— Wirkungsweise der *455. 
Balsamum peruvianum, 
Noch eine Mitteilung 
über, von Unschuld, — 
R. 194 


Basedow’sche Erkrankung 
* 22. 


Beck’sche Methode, Ueber 
die — der Hypospadie- 
Operation. — von C. 
Bötticher. (Aus der 
Chirurg.-Klinik d. Univer- 
sität in Gießen. — Prof. 
Dr. Poppert.) R. 474. 475. 

Becken, Schwere im, — 12. 

Beckenverengerungen, 
Hochgradige * 95. 

Bepinselung der Schleim- 
haut mit Jodtinktur * 36. 

Bericht über den Il. Kon- 
greß der Deutschen Ge- 
sellschaft zur Bekäm- 
pfung der Geschlechts- 
Krankheiten in München 
am 17. u. 18. März 1905. 
O.-A. 169. 

Berlin’s drittes Geschlecht 
von Magnus Hirschfeld. 
— B. 530. 

Berliner Dermatologische 
Gesellschaft. (Vorsitz.: 
Lesser, Schriftführer: 
Bruhns.) R. 197. 198. 

Berufsgeheimnis, Aerzt- 
liches und Geschlechts- 
Krankheiten * 171. 

Beschränkung, Die künst- 
liche der Kinderzahl als 
sittliche Pflicht * 89. 

—, Willkürliche der Kin- 
derzahl * 59. 

Beschwerden im Darm * 12. 

Bettruhe * 14. 


Bibliothek, Moderne ärzt- 
liche, herausgegeben 
von Karewski, — * 111. 

Bibliotheka Wratscha*412. 

Bier’sche Stauung * 7. 24. 

Biologie des Gonokokkus 


Blase, Die * 7. 12. 

—, Die nervösen Erkran- 
kungen der —, von Noth- 
nagel * 226. 

—, Neurose der * 72. 

—, Myosarkom der, * 515. 

— und Harnröhre, Die ner- 
vösen Erkrankungen der 
— von Frankl-Hochwart 
* 340. 

Blasengeschwülste, Zur 
Therapie der—, vonLeo- 
pold Casper (Berlin). 
R. 472 


Blasenlähmung * 117. 
Blasenriß, Introperitonea- 
ler, Zerreißung und Ab- 
reißung des Bauchfells 
von der Blase, — R. 473. 
Blasenscheidenfistel, Über 
die Entstehung einer, — 
durch Unfall. Direktor 
der Univ.-Frauenklinik, 
Leipzig: Geh.-Rt. Zweifel. 
R. 473. 474. 
Blasenschneider * 69. 
Blasentuberkulose, * 523. 
Bleiacetat * 15. 
Bleiwasserumschläge * 25. 
Blennorrhagie et irriga- 
tions d’eau chaude, — 
R. 478. 
Blokusewski’s „Amicus“, 
* 386 


— Apparate * 252. 

— Sanitas-Oliven *109.386. 

— Viro-Tuben * 386. 

— Tropfapparate „Sama- 
riter” * 261. 

— Tropfkelche „Sanitas“ 
* 257. 


Btut-Konzentration, erhôh- 

' te, molekulare, bei Nie- 
renerkrankungen, Recht- 
fertigt diese immer den 
Schluß auf Kranksein 
beider Nieren? R. 234. 

Blutungen, Gefährliche aus 
den Harnwegen während 
der Schwangerschaft, v. 
P. v. Kubinyi. R. 239. 


XI 


Blutungen im Gefolge der 
Massage * 78 
Bordellwesen. — von W. 
Hammer, 346. 457. 
— von v. Notthafft, O.-A. 
351. 461. 
Borsalbenverband * 3. 
Borshomer Mineralwasser, 
”* 523: . 
Boß’s Massage-Apparat für 
die Harnröhre * 84. 
Bottini’sches (Freuden- 
berg) Verfahren * 428. 
— Operation * 245. 289. 
Bougies * 10. 
Braunfärbung des Urins 


63. 

Brom * 143. 

Bryson’sche Incisions-Me- 
thode * 521. 

Bubonen, Die Behandlung 
der — nach der Porosz- 

.. schen Methode O -A. 302. 

— und Absceße, Die Be- 
handlung der — mit2 bis 
50%/,igem Acid. nitr. *302. 

— Beitrag zur Behandlung 

. der — * 307. 

— Beitrag zur chirurg. Be- 
handlung der — R. 192. 

— Einige Worte über die 
chirurg. Behandlung der 
— *302 


— Die Behandlung der — 
„mit Cuprum sulfuricum 


Bucco, Extr. folior. 
(Diosmal) * 7. 

Bund deutscher Frauen- 
vereine * 333. 

Bund für Mutterschutz*413. 

Burney’scher Punkt * 382. 


Cantas * 385. 

Caput gallinaginis * 34. 

Carbollösung, 3/oige * 24. 

Catechu - Einspritzungen 
15 


Centralblatt, Dermatologi- 
sches* 19. 253. 254. 254. 
254. 256. 558. 

— für Gynäkologie * 111. 
239. 470. 

— für innere Medizin *470. 

Centralzeitung, Allgem. 
med. * 166. 

Cervicitis * 117. 


XII 


Chanteurs (Erpresser) — | Cuprargol * 6. 
i Cure de dechloruration et 
albuminurie brightique, 
yor Widol et Javal, 


Charlottenburger Städt. 
Krankenhaus, Aus dem 
| 


- R. 69. . 232. 
Chatelin’sche Methode | Cystitis * 21. 26. 
* 385. —, Aetiologie und Prophy- 


Chinae et quercus * 15. 
Chinolinwismuthrhodanat 
6. 

Chirurgie anatomo — cli- 
nique, Travaux de, (Voies 
uranaire, Estomo) * 241. 

Chloraethyl * 25. 

Chylurie, einseitige * 522. 


laxe der postoperativen 
— * 288. 519. 
—, postgonorrhoische * 67. 
— , tuberkulöse * 67. 
— der Prostatiker * 67. 
Cystititen * 67. 
„Cystoryctes luis Siegel" 
* 450. 


Cleveland Medical Journal, | Cystoskop, retrogrades, 
The * 237. Schlagintweit’s * 69. 
Cocain * 36. Cystoskope, The „as an 


— -Lösungen, Subdurale, 
Einspritzungen von — 
* 67. 


aid in genitourinary sur- 
gery, R. 322. 
Cystospasmus * 187. . 
Cocainum nitricum * 16. 
Coecalcondom * 131. 


Coffeindosen * 92. Darf der Arzt zum außer- 


Coitus condomatus * 126.) ehel. Geschlechtsverk. 
— interruptus * 131. raten? — Noch einmal: 
—, Verdächtiger * 4. — OD. A. 412. 
Colibazillen * 67. Darm, Beschwerden im 
Colliculus seminalis * 397.| *12. 


Defäkationsanomalien* 13. 

Dekapsulation der Nieren, 
Edebohl’s *. 431. 

Deniges’sches Reagens — 


Collod. elasticum * 25. 
Compressor prostatae *79. 
— Urethrae * 


Contrexeviller Mineral- 


“ wasser, * 523. * 384. 
Contribution à l'étude des | Denkschrift über die in 
abscèss * 519. Dcutschland in Bezug 


Cooper’sche Schere * 3. auf das Bordellwesen be- 
Copaiva* 14. 15. 
Copaivabalsam * 6. 
Correspondenzblatt, Württ. 
" Med. * 171. 
Cortex-Einspritzungen * 15. 


Cotarnin, Salzsaures Salz 


sozialen und hygienisch. 
Gefahren. Herausgegeb. 
v. Bunde Deutscher Frau- 
envereine. (Dresden 04.) 


des — * 68. B. 333. 
Cowper’sche Drüsen * 244. | Dermato und Venerologie, 
337. 519. Beiträge zur Geschichte 


Crede’scher Tropfen, Ex- | 


perimentelle Unter- , (St. Pertersburg) * 467. 
suchungen über den; 494. 537. 

Wert der sogen. — R |Dermatologie in Berlin, 
327. Die Entwicklung der, — 


von Paul Richter B. 335. ` 
Desinfektionsversuche an 


Cremasterreflex * 57. 
Cristellen’ scher Schleim- 
strang * 130. | 





Crurin * 6. * 231. 

Cryptorchidism, A case of, ! Detritus * 35. 
von France, R. 189. 

Cubeben * 6. 14. 


u. 


Gonokokken, Ueber — ; 











| 


Deutsche Gesellschaft zur 
Bekämpfung der Ge- 
schlechtskrankheiten, — 
* 44. 47. 49. 

Diabetes * 121. 

— Eine praktisch leicht 
ausführbare Harnprobe 
bei —, v. C, Strzyzowski 
R. 319. 

— mellitus * 95. 

— insipidus, * 523. 

— Zur Prognose des —, 
von Hirschfeld. R. 323. 

— Ueber die Behandlung 
des mit dem Geheim- 
mittel „Djoeat“ (Bauer) 
von Max Dapper R. 326. 

— im Kindesalter, — Bei- 
träge zur Kenntnis der 
— von Langstein, R. 324. 

Diagnostik, Praktische, v 
Kühnemann * 377. 384. 

pidh blande abführende 

4 


Diathese, harnsaure * 523. 

Diday’sche Instillationen 
* 14. 

Digitalis * 92. 

Digitaluntersuchung * il. 

Dilatator * 34. 

Dilatatorium mit Spülvor- 
richtung * 3. 

Dilation der Vorhaut, Un- 
blutige systematische *3. 

Diosmal, Extr.folior. Bucco 
* 7. 


Diphenylamin * 114. 


stehenden Verhältnisse | Dirnen * 149. 
und über seine sittlichen | Dissertat. Moskauer, *327. 


„Djoeat“ (Bauer) von Max 
Dapper R. 320. 

Druckspülungen, Kutner’- 
sche * 7. 

Drüschen, Littre’sche * 156. 

Drüsein,Toto“, Entfernung 
der — * 7. 


der von M. P. Manaßein | — Erhöhte Lebenstätigkeit 


der * 13 
— hypertrophische * 71. 
— Reine Stauungen in der 

—* j1. 

— Turgescenz der * 13. 
— Wiederkehr der — zur 

normalen Funktion * 13. 
Drüsen * 9. 

— Cowper’sche * 337. 


ı Detrusoren, Spasmus der — Littre sche * 33. 34. 35. 
x 


337. 


R y ie a 


Drüsen, Ausführungsgänge 
der * 13. 

— -Gewebe, Hyperplasie 
der — *7. 

— -Nerven, Kräftigung und 
Wiederbelebender-—*13. 

— .Räume, Direkte me- 

ns Entleerung d. 


— 


Durchspülung der vorderen 


Harnrôhre 


Earlet’sches Occlusivpes- 
sar * 445. 

Edebohl’s Dekapsulation 
der Nieren * 431. 

Ehe und Alkoholismus — 
* 123. 

— und Krankheiten B. 111. 

—, Die hygienische Bedeu- 
tung der — B. 111. 

—, Reformierung und Mo- 
ralisierung der — * 64. 

Einfachheit der Behand- 
lung * 14. 

Eingelagerte und einge- 
gesackte Steine B. 331. 

Einreibung mit grauer 
Salbe * 25. 

AnIE DUDBENdE, Neißer’s 

"9 


Einspritzungen mit Ca- 
techu * 15. 

— mit Cortex * 15. 

—, subdurale von Cocain- 
lösungen * 67. 

Eiweißkörper, Zur Kennt- 
nis der — im nephriti- 
schen Urin, von O. Mo- 
ritz R. 319. 

Elephantiasis Arabum 
| 


Elibogen- oder Fußgelenk- 
Verwachsung, knöcher- 
ne * 23. 
Endokarditis * 4. 
Endometritis * 117. 
Endoskop * 32, 35. 
Endoskopie, Zur Technik 
der — (von Hans Pol- 
lock-Freiburg i. Br.) Mit 


einer Abbildung. O.-A. 
154. 

Enthaltsamkeit,  geschl. 
* 529. 


Enthaltsamkeitsstörungen, 
O.-A. 506. 


Entzündungen derSchleim- 
beutel * 4. 
— der Sehnen * 4. 


— der Sehnenscheiden * 4. ! 


— des Periostes * 4. 

— der Knochen * 4. 

— der Nerven * 4. 

— der Nervenzentren* 4. 

Entzündungsfrage, — von 
C. Posner u. L. Rapoport 
R. 329. 

Enuresis * 143. 

—, Die Behandlung der, 
mit epiduralen Injek- 
tionen, von Alfr. Götz] 
R. 190. 

— bei Mädchen, Die Be- 
handlung der — von L. 
Stolper-Wien R. 237. 

— nocturna * 67. R. 516. 

Eosolicum * 19. 

Epidermisierung* 31. 

Epididymitis * 26. 

—, gonorrhoische * 66. 

Epilepsie * 122. 

Epirenan * 68. 464. 

— -Alypinlösung * 466. 

Epispadie, weibliche.R.520. 

Epitheliom * 63. 

Epithelwucherung * 20. 

Eretismus genitalis * 397. 

Erkrankungen, sexuelle, 
besonders Syphilis als 
Indikation für fakultative 
Sterilität * 97. 

Erpresser (Chanteurs) — 
* 50 


Erreur de Sexe, (Ein Fall 
von irrtümlicher Ge- 
schlechtsbestimmung) 
O.-A. 53. 

Erwiderung auf Grosse’s 
Arbeit „Schutzmittel ge- 
gen Geschlechtskrank- 
heiten‘ von Bloku- 
sewski (Niederbreisig) 
O.-A. 315. 

Erythemformen * 4. 

Erythrozyten * 63. 

Esbach’sches Reagens 
* 319. 

Essay on the prinziple of 
population * 60. 

Essentia antimellini com- 
posita bei Diabetes mel- 
litus —, von J. B. Stud- 
zinski R. 238. 

Essigsäure * 36. 


XH 


Esterifizierung der Phenole 
A aromatischen Säuren 

| 14. 

Eustrongylus gigus R. 522. 

Excochleatio der Vorste- 
herdrüse * 8. 

Exhibitionismus, Kasuisti- 
sche Beiträge zur Lehre 
vom von Alfred 
Langen R. 194. 

Expression * 10. 

— und Massage * 76. 

Extract hydrastis canaden- 
sis * 66. 

Extractum Kawa-Kava” 7. 

— Pichi-Pichi * 7. 

— „‚olior. Bucco (Diosmal 

* 7. 


Exstirpation der Prostata, 
Beitrag zur Frage der 
totalen —, von D. N. 
Rosnatowski R. 327. 

Exzemen in venere “ 70. 


Fecondité von Zola * 310. 

Fédération absolitionisti- 
que * 351. 

Federkielpinsel * 27. 

Fehldiagnosen extrageni- 
taler Primäraffekte R. 63. 

Fehling’sche Lösung.* 475. 

Feibes „Protektor" * 256. 

Feleki, modifizierter * 76. 

Fettinfiltration, Ueber, und 
fettige Degeneration der 
Niere des Menschen, von 
M. Löhlein, R. 317. 

Finger, (Zeigefinger) * 9. 

— (Mittelfinger) * 9. 

Fischer’ sche Osazonprobe 
* 324. 

Fistula urethrae penis con- 
genita vera, Ueber die — 
von J. Wallerstein R. 325 

Flasche „Simplex“ zu in- 
jektionen bei Gonorrhoe 

* 395. 

Flüßigkeiten, antiseptisch. 
— , Ausspülung. mittelst, 
„post coitum“ * 130. 

Folia Bucco conc. * 21. 

Formalin * 109. 

Fossa navicularis * 28. 

Fournier'sche Behandlung 
* 120. 

Frage, Die sexuelle, von 
Forel * 426. 


XIV 


Frauen, Die, auf lava, eine | Geschlechtskrankheiten, 


gynaekologische Studie 
125. 


Frauengesundheit und 
Männersittlichkeit, von 
Alfred Sternthal, B. 436. 

Frauenproteste * 251. 

Frenulum * 4. 

Frühgeburten * 120. 

Fußgelenk * 24. 


Gallenfarbstoff im Harn, 


Zur Prophylaxe der, spez. 
des Trippers — * 258. 
‚ Prophylaxe der * 253. 
D54. 256. 258. 
— do., Ein statistischer 
Beitrag zur — * 254. 256. 
—, Zur Verhütung der * 258. 
—, Schutzmittel gegen, — 
von Otto Große (Mün- 
chen), O.-A. 250. 
—, do. Erwiderung auf diese 
Arbeit, von Blokusewski 


Ueber eine empfindliche | (Niederbreisig a. Rh.), 
Methode zum Nachweis „A. 315. 
von, — von Alexander | —, Entgegnung hierauf — 


Raphael, — R. 318. 

Gangrän * 8. 

Gardasee als klimat. Kur- 
ort, * 524. 

Gazette médicale de Pa- 
ris * 

Geburtshilfe, Lehrbuch der 
— von Zweifel * 91. 

Gehirn, Druck im — * 12. 

Geisteskrankheiten * 122. 

Gelenkentzündungen, Go- 
norrhoische * 7. 

Gelenkrheumatismus * 22. 

Genitalsphäre, Erkran- 
kungen der weib- 
lichen — * 411 

— Von Chrobak * 446. 

Geschlechtsbestimmung, 
Ein Fall von irrtümlicher 
—, (Erreur de sexe.) 
0.-A. 53. 

Geschlechtsfunktionen, 
Physiologie der männ- 
lichen, von Sigm. Exner 
B. 337. 

Geschlechts- u. Harnappa- 
rat beim Weibe. R R. 518. 

Geschlechter, Koedukation 
der —* 40. 

Geschlechtskrankheiten 
und ärztliches Berufs- 
geheimnis * 171. 

—, Die Bekämpfung der * 
64. 


—, Die Entwickelung der 
persönlichen Prophylaxe 
der — R. 109. * 16. 

— und Kurpfuscherei, — 
von Kade, R. 286. 

— Neuere Mittel zur Ver- 
hütung der — von W. 
Zeuner (Berlin), R. 196. 


von O. Große (München) 
O.-A. 491. 

—, Ueber die Anzeige- 
pflicht bei — * 171. 
Geschlechtsorgane, Anäs- 

thesie der — * 12. 

—, Parästhesie der — * 12. 

Geschlechtsverkehr,außer- 
ehelicher, Darf der Arzt 
zu solchem raten? * 89. 

—, Noch einmal: „Darf 
der Arzt zum a.e. G. 
raten?, von Max Mar- 
cuse (Berlin), O-A. 412. 

—, von Hirsch, R. 284. 

—, von Koßmann, R. 284. 

—, illegit., Die Empfehlung 
des — seitens des Arztes 
ist unzulässig, von Prof. 
Benninghoven (Berlin). 
(Erwiderung auf Max 
Marcuse’s Schrift: Darf 
der Arzt zum außer- 
eħelichen Geschlechts- 
verkehr raten ?) O.-A. 355. 

Gesellschaft, Deutsche, zur 
Bekämpfung der Ge- 
schlechtskrankheiten *3. 
38. 44. 47. 49. 460. 462. 

—, do. — Bericht über den 
ll. Kongreß in München, 
den 17. u. 18. März 1905. 
O.-A. 169. 

—, do. — Epilog zum Il. 
Kongreß der, — am 17. 
u. 18. März 05 in Mün- 
chen, O.-A. 267. 

—, Deutsche, für Gynäko- 
logie, Verhandlungen 
der — (10. Versammlung 
in Würzburg am 3.—6. 
Juni 1903, B. 288. 289. 


Gesellschaft „Viro"* 130° 
Gicht, Zur patholog. Ana- 
tomie der, — R. 317. 

Glans * 3. 26. 

Gleitmittel und Katheter, 
Ueber * 227. 

Glykuronsäure * 114. 

Glykuronsäureausschei- 
dung, Ueber die Ein- 
wirkung der — auf die 
Acidose, von Julius Baer, 
R. 238 


Gonokokken * 5. 

—, Ueber Desinfektions- 
versuche an — * 251. 
—, Ueber die Widerstands- 
fähigkeit der — * 251. 

Gonokokkensepsis der 
Neugeborenen, Ueber — 
von C. Brehmer, R. 192. 
193. 

Gonokokkus, Biologie des 
—* 4 


—, Neißer’scher * 22. 

Gonorol * 6. 

Gonorrhoe * 252. 

—, Die Abnahme der — 
bei den Dorpater Pros- 
tituierten seit dem Jahre 
898 —, von C. Ströhm- 
berg, R. 328. 

—,. Chronische, Die Be- 
handlung der — * 82. 
—, Chronische, der männ- 
lichen Harnröhre, von 
Prof. F. M. Oberländer 
und Prof. A. Kollmann, 
* 156. B. 386. 387. 388. 

—, Die Flasche „Simplex“ 
zu Injektionen bei —, 

. von Artur Strauß (Bar- 
men), ÖO.-A. 394. 

— bei der Frau, — Die 
präventive Behandlung 

der — * 454. 

‚ Die interne Behand- 

lung der *14. 21. 

—, Ueber den Wert der 
Abortiv-Behandlung der 
akuten — * 14. 

— Zur Abortivbehandlung 

der — nach Blaschko. 

R. 527. 
des Mannes, Ueber 

neuere Mittel und Me- 

thoden zur Therapie und 

Prophylaxe der — * 264. 

— -Prophylaxe * 16. 


— 


Gonorrhoe, Die Prophy- 
laxe und Abortivbe- 
handlung der —, R. 
477 


—, Prophylaktische Be- 
handlung der — * 4. 
—, Die, der Prostituierten 

— von Baermann, * 281. 

—, Subakute * 78. 

— , Ueber die Anwend. der 
Silberpräparate (speziell 
der modernen) bei der 
— 0.-A. 14. 

—, Ueber die Behandlung 
der — mit Gonosan * 185. 

—, Ueber den Wert der 
modernen  Instillations- 
prophylaxe der — * 16. 

—VonR. de Campagnolle. 


R. 282. (Berichtigung) 
* 317. 
—, Zur Abortivbehandlung 


der — mittels Albargin, 
O.-A. 40. 

—, Akute, Zur Abortivbe- 
handlung der — (Nach 
e. Vortr. i. d. Sitzg. des 
Vereins rhein.- westfäl. 
Dermatologen us Uro- 


logen), O.-A. 25. 

—, Zur Behandlung der — 
(von Julian Marcuse- 
Mannheim), O.-A. 163. 

EDS EDORSPIN ZEN. neue 

Gonorrhoische Affektio- 
nen * 4. 

— Infektion * 4. 

— Gelenkentzündungen *7. 


Gonorrhoismus * 22. 
Gonosan * 6. 21. 42. 88. 
164. 186. 
— in Kapseln * 368. 369. 
—, Klinischer Beitrag zur 
Kenntnis der therapeu- 
tischen Wirkung des, — 
un un Paßarelli, 
—, Uie die Behandlung 
der Gonorrhoe mit —, 
“von Boß* 185. 
Goodfellow’s Incisions-Me- 
thode, * 521. 
Grandidier’sche Unter- 
suchungen * 121. 
Grünfeld’scher Tampon- 
träger * 155. 
Gummi Kino * 15. 


Gundelach' sche Röhren — 
428. 
Guyon sche Instillationen 
* 14. 


— Instillationsvorrichtung 
ox 18. 


Guyon’scher Katheter 
+ 117. 
— Kapillar-Katheter * 223. 


— Knopfkatheter * 27. 
— Myomtheorie * 7. 
Gynochrysma * 454. 


Haarfeder- Kielpinsel * 18. 
Haarkur, Laßar'sche * 161. 
Haarschwund, Ursachen u. 
Behandlung des —, v. 
Jeßner, — B. 485. 
Halbmonatsschrift f. Haut- 
Harnkrankseiten 
* 237. 


Hamburger Aerztl. Verein, 
Vortrag im * 

Hämatogen, Homme!’ 
sches * 445. 

Haematurie, Die Diagnose 
der — R. 110. 

Hämophilie* 121. 

Handbuch, klinisches, der 
ya und Sexualorgane 

2 


Handbuch der praktischen 
Medizin, von Ebstein u. 
Schwalbe * 226. 

Handbuch der Therapie 
innerer Krankheiten, v. 
an und Stintzing — 


Harn, Blutiger * 12. 
Ueber eine empfind- 
liche Methode z. Nach- 
weis von Gallenfarbstoff 
im —, v. Alex Raphael 
R. 318. 

—, Chemische Unter- 
suchung des — von ]. 
Mauthner, B. 337. 

— -absonderung, Physio- 
logie der, von H. Köppe 
336. 337. 

— -beschwerden * 214. 
-blase, Entfernung 

eines von Blasensteinen 

umgebenen Gänsekiels 

aus der — R. 111. 

— .organe, die Krank- 
heiten der * 226. 


XV 


Harn und Sexualorgane. 
une Handbuch d. 
— * 8 5 


— .blase, Die Erkrankgn. 
der — von O. Zucker- 
kandl, B. 340. 

‚ Die Gestalt der 
männlichen, im Röntgen- 
bilde R. 430. 

— blase, Die Krankheiten 
der — von P. Güterbock 
* 226 


— — von Ultzmann * 227. 

— -blase und Prostata, 
Klinik der Krankheiten 
der, von Guyon-Mendel- 
sohn * 227. 

Harnblasenwunde beim 
hohen Steinschnitt — 
von P. A. Baratynski, 
R. 320. 

Harnentleerung, Zur Be- 
handlung’der unfreiwil- 
ligen —, von R. Kutner- 
Berlin, R. 236 

—, Ueber die Störungen 
der, bei Prostatahyper- 
trophie, von Güterbock 
* 227 


Harn- und Geschlechts- 
apparat beim Weibe, 
R. 518. 


Harninkontinenz, Behand- 
lung der essentiellen 
nächtlichen — nach der 
epiduralen Methode, — 
von Cantas. — R. 385. 

Harnkrankheiten, Diagnos- 
tik der — von C. Posner 
* 226. 


—, Therapie der — * 80. 
Harnleiter und Nieren, Die 
Verletzungen u. chirur- 


gischen Erkrankungen 
der — vòn Paul Wag- 
ner, — B. 339. 
Harnprobe b. Diabetes, 
Eine praktisch leicht 
ausführbare, — von 
= Strzyzowski, — R. 


Harnröhre, Boß’scher Mas- 
sage-Apparat für die. — 
84 


Harnröhre und Blase, Die 
nervösen Erkrankungen 
der — v. Frankl-Hoch- 
wart, B. 340. 


XVI 


Harnröhre, Durchspülung 
der vorderen — * 5. 
—, Keratosis der — O.-A. 
0 


—, männliche, Die chron. 
Erkrankung der — * 82. 

—, männliche, Die chron. 
Gonorrhoe der * 300. 

—, männliche, Chronische 
Gonorrhoe der — B.* 386. 
387. 388 


—, Die Striktur der — v. 
L. Dittel * 227. 

—, Ueber Massage der — 
mit 3 Abbildungen, O.-A. 


83. 
— -innern, Die Photo- 
graphie des — von 


Prof. A. Kollmann, B. 
* 388. 

—, -stricturen, — v. Chris- 
ten — R. 527. 

Harnsegregatoren * 69. 

Harnsteine, Ueber, B. 331. 

Harnverhaltung, die chro- 
nische — von R. Lucke 
* 226. 

—, Die radikale Heilung 
der durch Prostatahyper- 
trophie bedingten 
mittelst nn 
suprapubica totalis“, 

Rebentisch. 

—, Ueber — v. Karl Ries- 
Stuttgart, O.-A. 211. 

— R. 530. 

—, Ueber chronische, von 
j. Englisch * 226. 

Harnwege, DieKrankheiten 
der, — v. H. Thompson 
* 227. 

‚ obere und Nieren, — 
- Ueber die Anästhesier- 
ung der, — O.-A. 184. 

—, Die Bakterien der ge- 
sunden und kranken, — 
v. R. Kraus, B. 338. 

Harnzucker - Nachweis 
nebst Eiweißmessung, 
von E. Rudeck, 
R. 238. 239. 

—, Ueber quantitative Be- 
stimmung des — unter 
besonderer Berücksich- 
tigung der jodometrisch- 
en Zuckerbestimmung, 

. 475 


Harris’ Separator * 189. 


Haße-Mensinga’sches Oc- 
clusivpessar * 127. 445. 
Hautkranken -Station des 
Städt. Krankenhauses in 
Frankfurt a.M.,Ausder -, 


Oberarzt ; Herxheimer, 
* 385. 

Haut- und Nierentätigkeit, 
R. 517 


Heißluftapparate * 24. 

Helmitol * 67. 

Hematuria as a symptom 
ofHydronephrosis!Neph- 
rectomy Cure von L 


Bolton Bangs-New-York 
R. 189 


—, Renal, R. 520. 

Hemianopsie, Ueber — bei 
Urämie, v. T. Pick, — 
R. 233 


Herba equiseti * 21. 

Heridität, alkoholische, b. 
Kinderkrankheiten * 123. 

Hermann’sches Occlusiv- 
pessar * 129. 

Hermaphroditismus bei 
einem Kinde, — Ein Fall 
von, — v. Svoboda, — 
R. 329 


—, Ein seltener Fall von, 
— v. Dr. Magnus Hirsch- 
feld, O.-A. 202. 


128. Heroinum hydrochloricum 


66. 
——,Das, alsAna- 
phrodisiacum R. 478. 
Herpes progenitalis * 397. 
Herzfehler, welche zur 
fakultativen Sterilität 
Veranlaßung geben * 90. 

en. 22. 

Hetralin 

Hirn * 51. 

Histologie, Atlas der spezi- 
ellen pathologischen, v. 
Prof. Herm. Dürck * 31. 

Hochschule, Techn.i. Char- 
lottenburg, Studierende 
der — * 334. 

Hoden * 12. 

— und deren Adnexe, Zur 
Therapie der Erkran- 
kungen der — * 73.. 

Hodenexstirpation * 66. 

Hodenretention und Ab- 
dominaltumoren, — von 
E. Rademacher, Inaug.- 
Diss., Halle 1904, R. 474. 


Hodge-pessar * 127. 

Hohlkugeln * 129. 

Höllenstein- Instillationen, 
prophylaktische * 16. 

Hommel’sches Hämatogen 
* 445 


Homosexualität und Pros- 
titution, Ueber, — von 
Bi Hammer, Berlin, 

a len Das Er- 
gebnis der statistischen 
Untersuchungen über 
den Prozentsatz der — 
von Magnus Hirschfeld, 
B. 333 


Honey-Jelly, altbekanntes 
oe enes Schutzmittel 
65 


Horsehoe Kidney, a case 
of., R. 515. 
Hydrargyrumoxycyanid- 
lösungen * 18. 
Hydrargyrum salicylicum 
49 


Hydrastis * 123. 
Hydrogen superoxid, * 492. 
Hydrops * 24. 

Hydrurie und Diabetes, 
Ueber, — bei Vögeln 
infolge von Pigüre, 
R. 476. 

Hygiene und Abolitionis- 
mus, O.-A. 42. 

—, Sexuelle, in der Ehe, 
von Fürbringer. (Aus 
Krankheiten und Ehe) — 
"120: 

Hygienische Abteilung, — 
Deutsche auf der letzten 
Ausstellung in Paris 
*310. 

Hyperästhesie * 12. 

—, allgemeine der Pros- 
tata * 72. 

Hyperleucozytose * 165. 

Hyperplasie er Drüsen- 
gewebes * 

Hypertrophia ` glandularis 

8 


Hypertrophie , diffuse * 7. 
Hypertrophien,Myomatõse 
79 


Hypnospadie * 42 
Hypophosphit * 143. 
Hysterie * 122. 


Ichthargan * 4. 6. 14. 


19. | Instillationen: 


Ichthyol-Klystiere mit der | — Diday’'sche * 14. 
Oidtmann’ schen Spritze | — Guyon’sche* 14. 


* 72, 
Imervol’sche Spritzkur, — 
*528 


Implantation des Uretes 
288. 


Impotentia caeundi * 398. 

— virilis * 66. 

Inaugural-Dissertationen: 
Bonn 1903 * 

— Gießen 1904 * 476. 

— Leipzig 1904 * 384. 

— München 1904 * 470. 

— Straßburg 1904 * 325. 

— Tübingen 1904 * 472. 

— Würzburg 1903 * 189. 
239. 

Inchordation * 371. 

Incisor * 8. 

Incisura thyreoidea * 56. 


— in die „pars posterior 
urethrae“ * 68. 

—, prophylaktische von 
Höllenstein * 16. 

Instillationsprophylaxe 
der Gonorrhoe, — Wert 
der modernen (Berichti- 
gung) * 317. 

— v. R. de Campagnolle 
R. 282. 283. 284. 

— der Gonorrhoe, Ueber 
den Wert der modernen 

16 


Instillationsvorrichtung, 
Guyon’sche * 

Institut, Pathol. zu Berlin 
* 317. 

— zu Greifswald * 323. 

— zu Leipzig * 317. 


Incontinence nocturne d’u- | Insuffizienz, Senile”* 7. 


rine, — 
M. Bazy. R. 236. 

Incontinentia urinae * 66. 

Indicatio causalis * 92. 

Indigkarmininjektion * 69. 

Indikation, absolute für 
Neomalthusianismus — 
* 05. 

— ‚Zur, fakultativen Steri- 
lität * 95. 

Infektion, Sennor horie 
beim Manne. 
—, geschlechtl., Der per- 
sönliche Schutz vor, — 
von Feistmantel - Buda- 
pest. R. 385. 

—, Gonorrhoische * 4. 

Infektionskrankheiten, 
Schwere, wie Tuberku- 
lose und Syphilis * 119. 

Injectio Eu Oel: Form. 
Magistr. * 

Injektionen v. 
nitr. * 15. 

—, epidurale, von physio- 
logischer Kochsalzlö- 
sung * 67. 

Injektionen, Ueber. R. 524. 
bei Gonorrhoe, Die 

Flasche „Simplex“ zu 

—, von Artur-Strauß- 

Barmen. O.-A. 394. 

—, prolongierte Neißer’ 
sche * 14. 


argentum 


Sur une nou- | Intramuscular 
velle variété d’— von | 


injections 
ofinsoluble preparations 
of mercury in syphilis, 
von Hermann G. Klotz- 
New-York. R. 432. 

Intrauterinpeßare * 129. 

Iritis* 4. 23 

Irritation der Urethra * 5. 

Itrol * 6. 14. 


Jahrbuch für sexuelle Zwi- 
schenstufen von Magnus 
Hirschfeld. — B. 334. 335. 

Janet’sche Methode * 223. 
526. 

— Spülungen * 7. 14. 17. 
18. 26. 88. 115. 463. 526. 

Jod * 477. 

Jodfersan bei Lues, Ueber 
— von Prof. Benning- 
hoven-Berlin, O.-A. 157. 

Jodipin, 25o ig * 24. 

Jodipininjektionen * 25. 

Jodkali-Klystiere mit der 
na, schen Spritze 

Jodtinktur * 36. 

Journal für medizinische 
Chemie und Organothe- 
rapie, (St. Petersburg 
1905) * 480. 

Judenkrankheit, Die (die 
Zuckerkrankheit), von 
Wilh. Sternberg, B. 246. 


XVII 


| Kaiserschnitt * 95. 
Kali, harzsaures * 165. 
MalBemanganatlösungen 


Kalisalze, Ueber den Ein- 
fluß der — auf die Ei- 
weißausscheidung bei 
Nephritis. R. 188. 

Dun hypermanganicum 

26. 


Kal. permangan. *5.20. 167. 

Kalomel(Kalomelol), Ueber 
lösliches — von Galews- 
ky, — R. 19. 

Kamphersäure, Ueber — 
R. 526. - 

Karewski's moderne ärzt- 
liche Bibliothek * 111. 
Kasernierung der Prosti- 

tution * 172. 
Kastration, doppelseitige 


Kasuistik der Penisver- 
letzungen, Zur —, von 
W.v.Grot. R. 320. 

Kataplasmen * 24. 

Katheter, Guyon’scher 
* 117. 223. 

—, Die keimfreie Aufbe- 
wahrung weicher und 
halbweicher —, von Bert- 


hold Goldberg (Köln) 
R. 237. 

—, mit Wachs bezogene 
(Kelly’sche Methode) 
* 322. 

—-Fieber R. 526. 

— und Gleitmittel, Ueber 
* 220. 227. | 

a enus aseptischer 

Kava * 185. 


Kawa * 185. 185. 
Kawaformtabletten * 7. 
Kawahin * 368. 
Kawa-Kawa * 164. 
—-Extractum * 7. 
Keimplasma * 118. 


Keimstock, atrophischer 
* 58. 
— ‚ hodenartiger * 58. 


Kelly’ sche Methode * 322. 

— "sches Proktoskop * 427. 

Keratosis der Harnröhre 
O.-A. 30. 

— schwere Formen der * 34. 

— der Urethra * 31. 

Kinderschutz * 149. 


XVII 


Kinderzahl, Die künstliche 
Beschränkung der — als 
sittliche Pflicht * 89. 

Kino-Injektionen * 15. 

Klinik, Allgem. med. der 
Kgl. Univ. Palermo * 470. 

—, in Königsberg i. Pr. 
* 496. 


— für Haut- und Ge- 
schlechtskranke in der 
- Neuen Charite in Berlin, 
Prof. Leßer — * 497. 

—, Berliner (Heft 187, S. 
2 ff.) * 469. 

—, Die Deutsche am E. d. 
2. J. 146. Liefg. * 431. 

—, Medizinische * 287. 

—, Medizinische 1905, No. 
4* 472. 476. 

—, Medizinische der Krank- 
heiten der Niere und 
des Nierenbeckens, von 
Mannaberg. B. 339. 

Klystiere — mit der Oidt- 
mann’schen Spritze, von 
Ichthyol * 72. 

— von Jodkali * 72. 

— von Salzwasser * 72. 

Knieellenbogenlage * 10. 

Knochen * 

-—, Entzündungen der * 

Knorpel * 51. 

Kochsalzlösung, 
log, Epidurale 
tionen von — * 

Koedukation der 
schlechter * 40. 

Kokkus, Toximen des * 

Kollargol * 430. 

Kollmann five — glass test, 
The, von G. Th. Mundorff 
(New-York) — R. 238. 

Kollmann’schelnstrumente 
* 238. 243. 

Koma diabetikum, Ein Bei- 
trag zur Lehre vom — 


physio- 
Injek- 
7. 


Ge- 


als Säureintoxikation, 
von Karl Bartscht 

. 323. 
Komitee, Wissenschaftl.- 


humanitäres * 334. 
Kongestion, glanduläre, Be- 
kämpfung der — * 
Kongestionszustände * 12. 
Kongreß, Internationaler 
zur Bekämpfung der 
Tuberkulose * 9. 


Königsberger Klinik * 496. 
Konstitutionskrankheiten, 
Schwere, wie Diabetes 
* 121. 
— und Ehe * 121. 
Kontrollmädchen, Zehn 
Lebensläufe Berliner, — 
. von Wilh. Hammer (Ber- 
lin) (Bd. 23 der Groß- 
stadt-Dokumente, Ber- 
lin) * 460. 
Konzentration des Blutes 
und des Urins bei doppel- 
seitigen Nierenerkran- 
kungen, Bestimmungen 
der molekularen, von 
Fritz Poly. R. 234. 
Krankenpflege, Die, Zeit- 
schrift * 256. 258. 
Krankheiten, Die veneri- 
schen, in der Garnison 


Metz, — von Müller- 
Metz * 451. 

— und Ehe. B. 111. 

— und Ehe — von Ka- 
miner * 94. 

—, geschlechtl., Ein sta- 
tistischer dr, zur 
N der — * 16 

Krebs * 79. 


. | Kreuzschmerz und a 
bei kranken Frauen, von 
C. Polletzer. R. 191. 

Kryoskopie * 69. 

—, Die wissenschaftlichen 
Grundlagen der — in 
ihrer klinischen Anwen- 
dung. B. 111. 

| Krypten, Morgagni'sche 

35. 

Kryptorchismus, doppel- 
seitiger * 

—, Zur operativen Be- 
handlung des, — von 
A. Hermann. R. 326. 

Kunstbuch, — von Otto 
Mankiewicz. B. 198. 

Kurorte für Blasenleiden- 
de: Madeira—Gardasee 
* 524 


Kurpfuscherei und Ge- 
schlechtskrankheiten, 
von Kade. 86. 

Kurpfuschertum, Unter- 
drückung des — * 3. 

Kutner’sche Druck- 
spülungen * 7. 


Lagerung bei der Unter- 
suchung * 10. 
Lageveränderungen des 
Uterus, Künstliche Her- 
vorbringung von —* 125. 
Lancet, The * 315. 411. 
Landstreicher * 149. 
Lanolin, Liebreich’sches 
* 87. 
Largin * 6. 14. 27. 
Laßar'sche Haarkur * 161. 
Lavage of the renal pelves 
in the treatment of 
Brights disease, von 
Winfield Ayres (New- 
York. R. 431. 
Lebensversicherung und 
Syphilis, v. A. Blaschko- 
Berlin. 286. 
Lecithin * 427. 
Le Fort’scher 
theter * 220. 
Lehrbuch der Geburtshilfe, 
von Zweifel * 91. 
— der inneren Krankheiten 
von Mering * 384. 
Leinsamenthee * 21. 
Leipziger Universitätskli- 
nik, Prof. Riehl * 539. 
Lepra * 22. 43. 
Lesbierinnen * 508. 509. 
510. 511. 
Leukoplakia urethralis, Zur 
Therapie der — R. 109. 
Leukozyten * 29. 63. 


Metallka- 


Leven, Het — in Neder- 
landsch Indie, von Vedt 
* 126. 


Libido sexualis * 61. 251. 

Lichtheilverfahren, Das, bei 
chronisch. Gonorrhoe *7. 

Liebreich'sches Lanolin 
* 87. 

Littre’sche Drüsen * 33. 34. 
35. 156. 337. 519. 

Lokalanaesthesie, Die — in 
Blase und Harnröhre. 
O.-A. 463. 

Lues * 53. 79. 120. 

—, Ueber Jodfersan bei — 
(von Prof. Benninghoven- 
Berlin). O.-A. 157. 

— spinalis, Beitrag zur 
Casuistik der. R. 529. 

Lumbosakralteil * 23. 

Lungenleiden, schwere *92. 

Lymphangitis * 25. 

Lymphgefäße * 4. 


M. detrusor vesical uri- 
nariae * 5 

Madeira als Kurort für 
Blasenleidende * 524. 


Magensekretion. R. 516. 

Mamillae * 56. 

Männersittlichkeit und 
Frauengesundheit, von 


Alfred Sternthal. B. 
436 


Manubrium sterni * 56. 

Massage der Harnröhre, 
Ueber — Mit 3 Abbild. 
O.-A. 82. 

— der Prostata und der 
Samenblasen, Ueber — 
0. -A.9. 


ade der Prostata 


— pia Samenblasen * o, 
—, urethrale * 84. 
Massage- Apparat für die 
Harnröhre * 84. 
Masturbation * 70. 133. 
Medical News * 19. 123. 
189. 237. 322. 430. 432. 
Medical Record * 189. 238. 
Medikamente, Schäffer’- 
sche „vergleichsweise 
Zusammenstellung der | — 
wirksamsten antigonor- 
rhoischen M.“ * 263. 
<, Wirksamste antigonor- 
rhoische * 252 
Medizinalzeitung, Deutsch. 
A * 166.” 190. * 238. 


Medizin. Klinik * 191. 
Medizinische Woche * 17. 
Mempbranacea * 34. 
Mensinga-Haße’sches Oc- 
clusivpessar * 93. 127. 
Meßinger - Huppert’sche 
Methode * 384. 
Metallarbeiter, Berl. * 334 
Metalle, Die elektro-kata- 
Iytische Kraft der — 
von H. Schade-Kiel. — 
478. 


B. 
Metaplasie * 31. 
Methode, Kelly’sche * 322. 
Metlachowski's System 


"503. 
Metylenblau * 67. 
Meyer’scher Ring* 128. 
Mikroorganismen, Hand- 
n der pathogenen 


Mineralwasser: Contre- 
ville, Borshom oder 
Vichy * 523. 


Mitteilungen, kasuistische, 
von J. Steinhardt. R. 233. 

Mitteilungen, St. Peters- 
burger, (S. Petersburg- 
skija Wjedomosti) * 480. 

Mittel, Anwendung von, 
die Befruchtung bekäm- 
pfenden * 61. 

— baktericide * 5. 

— Neomalthusianische — 
* 124. 

Mittellappen * 7. 

Monatsberichte, Urolog. — 
* 109. 233 

Monatshefte für praktische 
Dermatologie * 17. 17. 
18. 83. 


— Therapeutische * 63. 83. 
385. 
— für Urologie * 18. 19. 


Monatsschrift für Harn- 
krankheiten u. sexuelle 


Hygiene * 17. 19. 21. 
165. 291. 

— für Kinderheilkunde 
* 188. 195. 


für Unfallheilkunde 03, 
No. 12 * 473. 
Moral restraint * 60. 

— Sexuelle B. 64. 
Moralisierung und Refor- 
mierung der Ehe * 64. 
Morgagni’sche Krypten — 

+33. 35 


Morphinismus und Alko- 
holismus ° 90. 

— Chronischer * 122. 

Münchener med. Wochen- 
schrift * 17. 18. 63. 109. 
166. 

Muskelatrophie * 4. 

Muskelhypertrophie, Ueber 
funktionelle, infolge ex- 
zessiver Masturbation, — 
von L. Tobler. R. 195. 

Mutterrecht, Frauenfrage u. 
Weltanschauung * 415. 

Mutterschutz, Zeitschrft 
für sexuelle Reform. 

* 412. 413. 

a und Arzt — 

Myelitis * 117. 
mit Paraplegie und 

Blasenlähmung * 117. 


XIX 


Myomtheorie Guyon’s * 7. 
Myosarkom der Blase. — 
R. 515. 


Naphthol-Aluminium, Sul- 
fosaures * 6. 
Naturforscher- u. Aerzte- 
Versammig. in Meran. 
O.-A. 446. 
Naturheilkundige * 15. 
Nebenhoden * 12. 
— gumma *454. 
Nebennierenextrakte * 68. 
Nebennierentuberkulose, 
Ueber die Häufigkeit und 
die Bedeutung der iso- 
lierten primären — von 
O. Elsäßer. R. 472. 
Need, The, of sexual edu- 
cation, — vonE.L.Keyes 


(New-York). R. 433. 
Neißer’s Einreibungskur 
51. 


— scher Gonokokkus * 22. 
— sche prolongierte Injek- 
tionen * 14. 

— sche Poliklinik, — Sta- 
tistik derselben * 422. 

Neißerose * 22. 

Nekrospermie * 73. 78. 

Neomalthusianische Mittel 
* 124. 

Neomalthusianismus, Der, 
— O.-A. 59. 89. 118. 

—, Der durch die Verer- 
DE see bedingte, 

- 18. 

Neophrolithiasis, Hydro- 
und Pyonephrose, Ueber 
Behandlung der, von ]. 
Dzirne. R. 233. 

Nephrectomy. R. 520. 

Nephritis * 63. 

—, Schwere nach Einrei- 
bung eines Skabiösen 
mit Perubalsam, R. 63. 

— complicating Mumps, — 
von James Alexander 
Miller (New-York R. 431. 

—, Ueber die Ausschei- 
dung des Chlors u. des 
Stickstoffs bei — von 
H. Künzel. R. 470. 

—, Ueber die Wirkungen 
subkutaner Kochsalzin- 
fusionen bei mit 
Rücksicht auf die neue- 


3 


XX 


ren Theorien über den 
Wert des Kochsalzes bei 
den Krankheiten der 
Nieren; von Luigi 
Ferranuini. R. 470. 
Nerven, Entzündungen der 
4. 


— zentren, — der * 4. 
Nervenkrankheiten, Die 
wichtigsten, in Einzel- 
darstellungen für den 
praktischen Arzt — von 
Georg Flatau, B. 332. 
—, Schwere 122. 
Nervenscheiden * 22. 
Nervensubstanz * 51. 
Neurasthenie, Sexuelle — 
* 73. 78. 131. 
—, Ueber — von M. A. 
Stern, O.-A. 309. 376.395. 
442 


Neuritis syphilitischen Ur- | — 
sprungs, Ueber einen Fall 
von multipl., von 
P. L. Tichomirow in Ka- 
san, R. 

Neurose der Blase * 72. 

Neurosen der Blase und 
Prostata * 78. 

Niere des Menschen, Ueber 
Fettinfiltration und fet- 
tige Degeneration der — 
von M. Löhlein, R. 317. 


—, Ueb. die Entkapselung | 
. 316. 


der — R. 31 

—, Kongenitale Lage und 
Bildungsanomalie 
linken — von O. Orth, 
R. 470. 

— und des Nierenbeckens, 
Medizinische Klinik der 
Krankheiten der — von 
Mannaberg, B. 339. 

Nieren und Harnleiter, Die 
Verletzungen und chirur- 
gischen Erkrankungen 
der — von Paul Wagner, 
B. 339. 

— und oberen Harnwege, 
Ueber die Anästhesie- 
rung der — O.-A. 184 
227 


— u. Hauttätigkeit, R. 517. 
Nierenepithel * 63. 
Nierenerkrankungen, Prak- 
tische Ergebnisse aus 
dem Gebiete der — von 
Jul. Vogel-Berlin, R. 323. 


der | 


Nierenexstirpation, R. 516. 


Nierentuberkulose, Zur 
Diagnostik und Therapie 
der — von Leopold Cas- 
per, R. 

—, Zur Diagnose und The- 
rapie der — von Kümmel, 
R. 384 

Nirvanin * 464. 

Noch einmal: „Darf der 
Arzt zum außerehelichen 
Geschlechtsverkehr ra- 
ten?“ von Max Marcuse- 
Berlin, O.-A. 412. 

Nosophobia * 409. 

Nouveaux medicaments, 
Les * 166. 

Novargan * 14. 

‚ Ueber von Rob. 

Lucke (Magdeburg), 

O.-A. 299. 


-lösung * * 19. 


Obdach, Berliner Städt 
(Prof. Behrend) * 502. 
— für syph. Frauen * 498. 

Occlusivpeßare von: 
— Earlet* 445. 
— Haße-Mensinga * 93. 
127. 445. 
— Hermann * 129. 
Oedem der Glans und des 
Präputiums * 26. 
Offenbarungsrecht * 171. 
Officine ou répertoir géné- 
ral de pharmacie pra- 
tique, von Dorvault * 185. 
Oidtmann’sche Spritze* 72 
Okklusivpessar * 120. 
Oleum cedri atlanticae* 7. 
— Santali ligni * 164. 
Onanie, Ueber die Folgen 
der, von Mor. 
Porosz-Budapest. O-A. 
8. 132. 


.— 


—, Zur Naturgeschichte 
der — O.-A. 37. 

Operationsmethode, Kon- 
servative * 8. 


.| Organes Geénito-Urinaires 


de l'homme, von Henri. 
Hartmann, B. 241—246. 

Organotherapie* 8. 

—, Rationelle, mit Berück- 
sichtigung der Urosemi- 
ologie B 

Orificium urethrae * 10. 


Origine dyspeptique des 
petitsaccidents du brigh- 
tisme, v. M. Chryssover- 
gis, R. 232. 

Orvosti Hetilap * 302. 

— Ujsag, Bpesti * 302. 

Os sacrum * 24. 

Osazonprobe, Fischer’'sche 
* 324 


Ovulum 118. 


Pachydermie* 31. 
Palpatorisch * 11. 
Panaritien* 63. 
Paraffinum liquidum * 49. 
Paralyse * 122. 
Paraphimose * 3. 
Paraplegie mit Myelitis u. 
Blasenlähmung * 117. 

Parästhesie d.Geschlechts- 
organe * 12. 

Pars prostatica * 2. 7. 34. 

Patella * 24. 

Pathognose, Symptomato- 
logie und Diagnose der 
Mündungsanomalien ein- 
facher und überzähliger 
Ureteren beim Weibe. — 
Nebst Mitteilung ‚eines 
Falles von Cyste eines 
überzähligen Ureters, — 
v. Leopold EBEN 
lin, — R. 4 

Pathologie a Therapie, 
Lehrbuch der speziellen 
— Bd. Il. — Eichhorst 
* 384. 

Pektoskop v. Zickel* 111. 

Penis, Retraktion des er- 
schlafften — * 127 

— -Verletzungen, Zur Ka- 
suistik der, — v. W. v. 
Grot, R. 320. 

Perikarditis * 4. 

Perineum * 12. 

Periostes, Entzündungen 
der * 4. 

Periprostatis * 9. 

Pessar: Hafße- Mensinga’ 
sches Occlusivpessar 
* 127. 

— Hodge-Pessar * 127. 

Peßare: . 

— Intranterinpessare * 129, 

— Mensinga's Occlusiv- 
pessar * 93. 

— Zephirpessar *93. 128. 


Pester Med.-Chirurg. Preße 
* 307 


Pezzoli’ sches Prostata- 
Massage-Instrument* 80. 

Pfeifensteine. B. 331. 

Phallokos * 253. 260. 

Phenole, Esterifizierung 
der — mit aromatischen 
Säuren * 114. 

Phimose E3, 

— im Kindesalter * 3. 

Phimosis acquisita, Ueber. 
R. 524. 


Phlegmone * 23. 
Phloridzin - Injektion, sub- 
kutane * 69. 
Physiologie der Harnab- 
sonderung, v. H. Köppe 
* 336. 337. 
der männlichen Ge- 
schlechtsfunktionen, v. 
Sigm. Exner, — * 337. 
Pichi-Pichi-Extractum * 7. 
Picrokarmin * 19. 
Piper methysticum * 185. 
aeS Seelenleben, Aus 
35 


Plethora, allgemeine * 70. 
Pleura und 
.  güsse in * 63. 
Pleuren * 22. 

Pleuritis * 4. 
Poehl-Sperminum * 482. 
a Max 


Pulmonary Tuberculoce, 
v. Rosenberg, R. 1%. 

Preße, Deutsche Medizin. 
* 196 


Preße, med., La (1904 No. 
79) * 385 


Primäraffekte, Fehldia- 
poan extragenitaler, | — 


= syphilitische * 49. 
Progrès medical, Le * 322. 
478 


Proktoskop, Kelly’sches 
* 427. 

Prophylactic, The, value of 
normal Marriage, von 
Andrew H. Smith-New- 


York, — R. 433. 
Prophylakticum „Viro“, 
Das —* 4. 


— v. Steinmetz * 253. 

Prophylaktol * 4. 

Prophylaxe der geschlecht- 
lichen Krankheiten, Ein 
A SS Beitrag zur 
16. 


— der postoperativen Cy- 
stitis bei Frauen. R. 519. 


bdomen, Er- | — der Geschlechtskrank- 


heiten, Die Entwicklung 
der persönlichen P. d. G. 
* 16. R. 109. 

—, Stat. Beitrag zur —* 19. 


Joseph’s | — ' der Geschlechtskrank- 


heiten * 253 


Polyarthrite puerperale de] — der Trippers, Zur — 
* 253. 


nature gonococcique, v. 
M. Mosny, R. 240 
Polyarthritis gonorrhoica 
* 25. 
— , Gonorrhoische * 22. 
Polynevrite blennorrha- 
gique terminée par la 
mort, Sur un cas de — 
von M. Ménétrier R. 241. 
Polypes, Les, de l’urethre 
- chez la femme R. 110. 
Porosz’schen Methode, Die 
Behandlung d. Bubonen 
nach der — O.-A. 302. 
Postpubische Zeit * 54. 
Poupert’sches Band * 237. 
Präpubische Zeit * 53. 
Präputialsteine. B. 331. 
Rräputium * 3. 26. 
Presence of Tubercle Ba- 
cills in the Urine of 


POPRI a S Lehrbuch der 
— (S. 595) * 411. 

Prostata * 9. 10. 

—, Des hémorrhagies pon- 
tanées de la — v. Motz 
et Suarez — R. 475. 

—, allgemeine Hyperåästhe- 
sie der * 72. 

—, Atrophie der — * 73. 

—, Beitrag Zur Frage der 
totalen Exstirpation der 
— R. 327. 


—, Isolierung der * 8. 
—, Krankheiten der — von 
H. Thompson * 226. 
—, — von A. Socin * 227. 
= Rektale Massage der 
9. 


— u. Samenblasen, Ueber 
Massage der, O.-A. 9. 9. 


Patients suffering with | Prostataabszeß * 12. 71. 


XXI 


e Allypenrophle * Je 


—, Die, v. O. Mankiewicz- 
Berlin (Neuere Anschau- 
ungen über die Aetiolo- 
gie und Behandlung), 
R. 287. 


, Die Behandlung der — 
mit Röntgenstrahlen, v. 
Moszkowicz u. Stegmann 
R. 427. 

—, Die spät auftretenden 
Erscheinungen der — v. 
Mortier, R. 322. 

—, Ueber die verschiede- 
nen klinischen Formen 
der — und über ihre Be- 
handlung, v. G. Nicolich- 
Triest, R. 321. 

een * 12. 

Prostatasekret 

— von C. Paie und L. 
Rapoport, R. 324. 

Prostatectomy, R. 521. 

—, The technic of peri- 
neal von George 
Ryerson Fowler -Brook- 
lyn, R. 430. 

Prostatektomie, Suprapu- 
bische * 7. 

—, Perineale * 7. 

Prostatic Hypertrophy 
from every surgical 
standpoint, edited and 
compiled by S. C. Martin 
B. 289. 


Prostatiques, Note sur les 
vessies des „Sans 
prostate“, R. 522 

Prostatis, Akute * 9. 

Prostatitis * 26. 

—, Akute * 78. 

—, 'einfache unkomplizierte 
katarrhalische * 71. 
—, subakute * 71. 

—, chronische * 71. 

Prostatopexie, Subperine- 
ale” 8. 

Prostatorrhoe * 66. 

Prostituierten, Die Gonorr- 
hoe der — v. Baermann 
R. 281. 

Prostituiertenkontrolle à 
Erstmalig. Versuch eines 
Nachweises d.Leistungs- 
fāhigkeit der mikrosko- 
pischen Untersuchung 
bei der — * 451. 


XXII 


Prostituierter, Berliner —, 
Ueber Spracheigentüm- 
lichkeiten, von Wilhelm 
Hammer, O.-A. 278. 

Prostitution * 44. 

—, Die, ihre Geschichte u 
ihre Beziehungen zum 
Verbrechen, von Wilh. 
_ Fischer, B. 435. 436 

„ Kasernierung der — 


= Ueberwachung der 


und Homosexualität, 

Ueber, — von Hammer. 

O.-A. 506. 

— und Schlafgängerwesen, 
Die Wohnungsmißstände 
im — und ihre gesetzl. 
Reform, — von Kampf- 
meyer. — R. 285. 

Protargol * 6. 14. 26. 167 

Protargolcr&öme, — v. der 
Gesellschaft „Viro“ ver- 
trieben * 

Protargolinstillationen *16 

Protein * 6. 

Protektor * 4. 

— von Feibes * 256. 

Be nach Gersuny 


Prozeß Wiese- Hamburg 
* 149. 

Prurus vitulvae * 400 

Psoriasis vulgaris * 404. 

— squamosa* 405. 

Psychiatrie 1891 (S. 32.) 

* 402. 

Psychrophor,, Der, 
Winternitz * 

Pubertäts albuminurie 
R. 516. 


Punktion * 24. 
Pyelitis* 67 
Pyelonephritis 


von 


“fl: 


Quecksilber * 2. 
Quecksilberätiologie der 
Tabes. Zur Behauptung 
von der —* 177. 
Quecksilberchlorid * 51. 
Quecksilber-, Silber- und 
Eisen-Therapie, Eine 
neugewonnene experi- 
mentelle Grundlage für 
die g arung der, 


Quecksilberwirkung, 
Ueber, — von v. 
ring. R. 194. 

Quercus et chinae* 15. 


Radal * 253. 260. 

Radoe vatanhiere * 15. 

Réactions nerveuses, Les, 
au cours des herpes gé- 
nitaux, von P. Ravant et 


Düh- 


Darré. R. 241. 
Reagens, Denigès'’sches 
* 384 


—, Esbach’sches * 319. 

Rectalgonorrhoe, Ueber — 
bei Vulvovaginitis infan- 
tum, — von Karl Flügel- 
Frankfurt a. M., 29. 

Rectum * 9. 

Reformierung und Morali- 
sierung der Ehe* 64. 

Regurgitieren* 2. 

Reichs- Medizinal- Anzeiger 

41. 

Reichs - Strafgesetzbuches, 
Zum 8 218 des — von 
C. TEET, R. 196. 

Reinkultur * 

Report, J., of a case of ob- 
stinate phosphatic dia- 
thesis cured by syste- 
matic dilatations of the 
posterior urethra, — von 
George Theodore Mun- 
dorff-New-York. R. 237. 
238. 

Reposition * 3. 

Residualharn’s, Die symp- 
tomatische Bedeutung 
und Therapie des — von 
C. Casper * 227. 

Retraktion des erschlafften 
penis * 127. 

Richter’sche Schutzmittel 
* 256. 262. 


Riedel's Gonosan — * 368. 
369. 


Rima pudendi* 56. 
Röhren, Gundelach’sche — 
* 428. 


Rotwein-Einspritzungen — 
*15 


Rückenlage * 10. 

Rückenmark * 24. 

Rudolfinerhaus, Wien *326. 

Rundschau, Pharmakolo- 
gische und therapeuti- 
sche * 192, 


Rundschau, Wiener kli- 
nische * 

Russkij medizinskij Wjest- 
nik (Russ. mdizin. Bote) 


* 467. 494. 537. 


Salbe, graue * 25. 
Salbeninjektionen * 36. 
Salizylpräparate * 24. 

Sa AUEERSIIDERIIEREON 


Salol* 114. 

Salosantal * 6. 

Salz, salzsaures, des Co- 
tarnins * 68. 

Salzwasser- Klystiere mit 
der Oidtmann’schen 
Spritze * 

„Samariter“, Blokusewski- 
sche Tropfapparate * 261. 

Samenblasen * 13 

—, Indikationen für die 
Massage der — * 77. 

—, Massage der — * 9.73. 

— , Expression u. Massage 
der—z. Heilzwecken *76. 

— und Prostata, Ueber 
Massage der — O.-A. 9. 

Sandelöl * 185. 

—, Ostindisches * 6. 
— in Glutoidkapseln * 6. 

Sandelholzöl * 28. 

Sänger’ sche Dilatation der 
Urethra * 

„Sanitas"-Tropfkelche von 
Blokusewski * 257. 

ae Blokusews- 
ki’s * 109. 

Sarcom * 79. 

Sauerstoffinfusionen, — 


Säureintoxikation, Ein Bei- 
trag zur Lehre vom Koma 
diabetikum als — von 
Karl Bartscht, R. 323. 

Säuren, aromatische * 114. 

Schädlichkeitder sexuellen 
Abstinenz * 89. 

Schäffer’sche „vergleichs- 
weiseZusammenstellung 
der wirksamsten anti- 
gonorrhoischen Medika- 
mente, * 263. 

==- Untersuchungen * 264, 

Scheidenpulverbläser mit 
a PESES Pulvern 

130. 


Schlagintweit’s retrogra- 
des Cystoskop * 69. 

Schleimbeutel, Entzün- 
dungen der — * 

Schleimhaut-Bepinselung 
mit Jodtinktur * 36. 

Schleimstrang, Cristellen’- 
scher * 

Schmerz, Der, ein wich- 
tiges diagnostisches 
Hilfsmittel, von Ad. Alf. 
Michaelis. — B. 291 

Schutzbesteck, Richter!’- 
sches * ; 

Schutzmittel gegen Ge- 
schlechtskrankheiten, — 
von Otto Große O.-A. 250. 

— Erwiderung auf diese 
Arbeit, — von Bloku- 

i nn 


— — Engeening hierauf — 

von ©. Große O.-A. 491. 
, Richter'sche * 262. 

— , Blokusewski'sche* 261. 
—, englisches „Honey- 
Jelly“ * 265. 

Schutzperlen * 255. 

„Schütze Dich" (Große’- 
sches Schutzmittel)* 265. 

Schwammhalter,  Sims’- 
scher, — * 155. 

Schwangerschaft, Ueber 
die Gefährlichkeit der — 
bei Herzfehlern, Tuber- 
kulose usw. — von D. M 
Günzburg. — * 444. 

Schwefel * 477. 

Schwere im Becken * 12. 

Schwindsucht, Mit- 
teillungen über die Erb- 
lichkeit und Infektiosität 


der — * 119. 
Sectio alta * 7. 
Sehnen = 22: 
‚ Entzündungen der * 4. 
—, -scheiden, — der” 4. 
Sekret * 2. 
Sekretion, dünnflüssige, 


milchige * 29. 
Sekretuntersuchung * 11. 
Selbstbeherrschung, sitt- 

liche * 60. 
„Selbstschutz“ (Große- 

sches Schutzmittel, her- 

gestellt von der Adler- 

Apotheke in München) 

* 265. 


Semaine méd. * 236. 240. 
241. 241. 

Sepsis, Puerperale * 63. 

Sexual necessity, The, von 
E. L. Keyes (New-York). 
R. 433 


Sexuale, Das — * 13. 

Sexualempfindung, Die, 
von Mann und Weib * 64. 

Sexualhygiene, Frauenpro- 
teste und Libido sexu- 
alis * 251. 

Sexualtrieb und -Leben des 
Menschen, Vorlesungen 
über — von Rohleder 


Sicherheitsschwämmchen 
®R 

Silber, Tiefenwirkung des 
*19 


Silbereiweißpräparate * 14. 

Silberpräparate, Experi- 
mentelle Untersuchgn. 
über die Wirkungen 
einiger S. — auf die 
Harnröhre des Kanin- 
chens * 19. 

—, Ueber die Anwendung 
der (speziell der moder- 
nen) un der Gonorrhoe, 


Silbersalze * 5. 

—, Organische * 5. 

Silbertherapie * 14. 

„Simplex“ (Flasche zu 
Injektionen bei Gonorr- 
hoe), von Artur Strauß, 
O.-A. 395. 

Sims’ Schwammhalter — 
* 155. 

Sittengesetze, — Fakulta- 
tive Sterilität ohne Ver- 
letzung der — * 124. 

Smegma * 57. 

Society, American, of 
Sanct ary and Moral 
Prophylaxis * 433. 

— of Moral and Social 
Prophylaxis * 433. 

Solutio Zinci sulfurici * 41. 

Spaltung, galvanokaus- 
tische * 8. 

Spasmus des Sphincter 
und der Detrusoren * 72. 

Spermatitis fibrosa * 78. 

Spermatocystitis, Akute 
* 79 


—, Chronische * 77. 


XXIII 


Spermatocystitis, Einfache 
komplizierte katarrha- 
lische * 77. 

—, Subakute * 77. 

Spermatorrhoe * 66. 

Sperminum-Poehl * 482. 

Sphincter externus * 2. 

— internus* 2. 

— spermatocystae* 145. 

Se Spasmus des 


„Spirochaete pallida“, 
Ueber die Anwesenheit 
der — in sekundär syphi- 
litischenManifestationen 
und über die zu ihrem 
Nachweis angewandten 
Färbungsmethoden, 
von Bandi u. Simonelli, 
R. 433 


—, Ueber das Vorkommen 
der — bei Syphilis, — 
von C. Fraenkel, R. 432. 

Spondylitis, die — * 23. 


Spracheigentümlichkeiten 
Berliner Prostituierter, 
Ueber, — von Wilh. 


Hammer, O.-A. 278. 
Spritzkur nach Imervol — 


Spüldehner * 3. 
— -Vorrichtung, Dilatato- 
rium mit — * 3. 
Spülkatheter für die Blase 
* 456. 


Spülungen, Janet’sche — 
*7.14. 17.18. 26.463.526. 
‚ Kutner’sche Druck- 
spülungen — * 7. 
Staatskinder oder Mutter- 
recht?, v. Ruth Bré —*425. 

Stagnation * 11. 

Staphylokokken * 67. 

Stauungen, Reine in der 
Drüse — * 11. 

Steckel’ sche Urethrophor- 
tube * 253. 

Steine, Eingelagerte und 
eingesackte, B. 331. 331. 

Steinmetz Prophylakti- 
cum * 

Sterilisation des sondes en 
gomme, — Un nouvel 
appareilpourla,— R.525. 

Sterilität, Fakultative* 127. 

—, Die fakultative, in der 
ärztlichen Praxis, O.-A. 
59. 89. 118. 


XXIV 


Sterilität, fakultative, ohne 
Verletzung der Sittenge- 
setze * 124. 

—, fakultative, Indikation 
zur — 

— , Pathologie und Thera- 
piec i männl. und weibl. 


Stien. Das „post partum“ 
* 125 


Strafbarkeit der Ankündi- 
gung von Schutzmitteln 
zur Verhütung von Ge- 
schlechtskrankheiten — 
* 174 


Stratkammer für Renitente 
im Berliner städt. Ob- 
dach * 503. 

Strebel’ E Urethrophor- 
tube * 

Streptokokken - - Urethritis 


Strikturen * 219. 
Strofantusdosen * 92. 
Styptizin * 68. 
Styptol in d. urolog. Praxis, 
v. Georg Berg, R. 190. 
—, Ueber, und seine An- 
wendung bei Blutungen 
der Harnorgane, von R. 
Kaufmann, R. 190. 
Sublimat * 5. 
— -Bäder bei Syphilis * 527. 
Suprarenin * 36. 68. 
Suspensorium, Teufel- 
sches * 41 
Symphose* 56. 
Symptome, Subjektive * 32. 
Symptomenlehre, Allge- 
meine, von O. Zucker- 
kandl, — B. 339. 
Syphilide, Die, — Il. Teil: 
Therapie, von Jeßner, 
433 


Syphilis * 119. 

—, Beiträge z. Geschichte 
der — von ]. K. Proksch- 
Wien, B. 2%. 

— Einige dunkle Punkte 
in der gegenwärtigen 
Lehre vonder, O.-A. 175. 

— hereditäre des Säug- 
lings, R. 527. 

— als Indiktion für fakul- 
tative Sterilität * 97. 
—, Ueber Aetiologie, Pa- 

thologie und ätiologische 


Syphilis, Die Nachbehand- 
lung bei, R. 476 

— Ueber die Veränd. der 

Aorta bei, — R. 476. 

‚ Unsere Resultate in 

der Serumtherapie der, 

* 453 


—, Die, deren Wesen, 
Verlauf u. Behandlung, 
nebst kurzer Bespre- 
chung des Ulcus molle 
und der Gonorrhoe —, 
von Schuster, B. 

—-Rehandlung, Therapeu- 
tische, Notizen zur — 
von Lieven, R. 194. 


—.Diagnose, Die Frage 
‚der Wertung der Anam- 
nese in der — * 175. 

—-Fåälle, idie gegen 
Quecksilber refraktär 
sind, — Wasseranwen- 
dungen bei — 


— of the liver, sclero- 
gummatous type, von 
John Funke (Philadel- 
phia), R. . 

— -Therapie, Ein Beitrag 
zur — Prophylaktischer 
_ Vorschlag, O -A. 49. 

— -Virus-Hydrargyr. Sali- 
cyl., “oi 

und Lebensversiche- 


290. | Tonsillarschanker 


Therapeutische Monats- 
hefte * 41. 166. 
Therapie der Gegenwart 
* 19. 40. 82. 82. 166. 
Therapie der Harnkrank- 
heiten * 80. 
Thermalbäder * 22. 
Thymol * 114. 
Thymolbenzoösäure, Este- 
rifizierte * 7. 114. 
Tonerdeumschläge , Eßig- 
saure * 41. 
* 63. 


Toxinen des Kokkus * 4. 

Traité des maladies des 
reins * 520. 

Traité de Thérapeutique et 
de matière médicale, v 
Trousseau und Pideau 

Tripper, Zur präventiven, 
abortiven und Frühbe- 
handlung des — * 17. 

— Zur Prophylaxe des 
* 259. 

Trippermetastasen d.Mann. 
Zur Behandlung der, — 

von R. Lucke. — R. 192 

Tropfapparate, Blokusews- 
ki'sche „Samariter“ 
* 261. 


Tropfkelche „Sanitas“ 


* 257. 


rung, v. Blaschko-Berlin, | Tuberkulose * 22. 78. 79. 
119 


R. 286. 
— und Tabes, R. 528. 
Syphilitic pseudoparalysis, 
A case of, — von Jacob 
Sobel, — R. 432. 


Tabes dorsalis, Die, von 
Georg Flatau. — B. 332. 

— und Syphilis — R. 528. 

Talisman von Weil * 253. 

ee Grünfeld’- 
scher * 

Tannin * 15. 

Tastgefühl * 9. 

Technik der Endoskopie, 
Zur — (von Hans Pol- 
lock-Freiburg, Br.) Mit 
einer Abbildung. O.-A. 
154. 

Teufel'sches 
rium * 41. 


Suspenso- 


Therapie der — * 446. 453. |Thallium sulfuricum * 20. 


== „Kongreß, International. 
zur Bekämpfung der — 
93 


—, Ueber die des Harn- 
u. Geschlechtsapparates 
beim Weibe, R. 518. 

u urethroskopischer 

2 


Tumeur, volumineuse, du 
serotum etc R. 525 

Tumoren * 9. 79. 

Tupfer von Gaze und Zell- 
watte * 

Tupferhalter * 155. 

Turgescenz der Drüse * 13. 

Typhusbazillen * 67. 


Ueber die Bedingungen, 
welche die Ausschei- 
dung der Alkalien im 
Harn begünstigen, 
von Max Fischer, R. 239. 


Ueber scheinbar m. d.Pros- 
tata nicht zusammen- 
hängende, aber dennoch 
durchProstatitisbedingte 
Schmerzen nebst einigen 
Bemerkungen über chro- 
nische Prostatitis, von 
Albr. Frhr. von Notthafft, 
R. 239. 

Ueberimpfungen, Experi- 
mentelle von Gono- 
kokken auf kleine Labo- 

‘ ratoriumstiere und sero- 
therapeutische Ver- 
suche, von Moskalew 
(Kiew), R. 327. 

Ueberwachung der Prosti- 
tution * 3. 

Uicus molle * 43. 
venereum, Ein, von 

großem Umfange, v. M. 

Porosz (Budapest) — 

O -A. 492. 

Unguentum Credé.* 66. 

— Heyden mitius * 193. 

— Paraffini * 

Universitäts - Frauenklinik 
in Heidelberg * 470. 

— -Frauenklinik zu Leipzig. 


— 


Dir.: Zweifel * 473. 
—-Klinik zu Leipzig, 
Dir.: Prof. Riehl * 539. 


Unruhe, Nervöse, im Kör- 
per * 

Unterdrückung des Kur- 
pfuschertums * 3. 

Untersuchungsmethoden, 
Klinische, von v. Frisch, 
B. 338. 

Urämie, Ueber Hemianop- 
sie bei —, von T. Pick, 
R. 233. 


Ureter, A Report of Six 
Cases of Calculus in the 
Pelvie Portion ofthe —, 
von G. E. Brewer (New- 
York), R. 237. 

Ureter’s Implantation des 
— * 288. 

Ureterenchirurgie, Beitrag 
zur, R. 515. 

—-kystoskop, Ein neues 
für den Katheterismus 
eines oder beider Ure- 
teren, von A. Freuden- 
berg (Berlin), R. 325. 

Urethra. anterior * 7. 

— posterior” 7. 


Urethra, Irritation der * 5. 

—, Keratosis der — * 31. 

Urethralinfektion, gonorr- 
hoische, Ueber Versuche 
z.Verhüt ung der — * 54. 

Urethralinjektionen * 14. 

Urethre, Traitement des 
retrecissements de — 
R. 526. 

Urethrite staphylococci- 
ues par coit „ab ore“ 
= aus der med. Klinik 
zu Nantes =), * 241. 

Urethrites anterior * 7. 

—, Streptokokken -U. * 3. 

Urethritis, Eine primäre, 
nicht gonorrhoische, — 
mit auffallend reich- 
lichen Influenzabazillen, 
— von Paul Cohn, R. 385. 

— posterior * 26. 115. 

Urethritis A gonocoques, 
Traitement des — R. 526. 

Urethroskop * 30. 

Urethrotom zur Behandlig. 
zweier Strikturen * 456. 

Urethrometer * 34. 

Urethrophortube nach 
Strebel (München) * 129. 

—, Steckel’sche * 253. 

Urin, Braunfärbung des 
—* 63. 

—, Zur Kenntnis der Ei- 
weißkörper im nephri- 
tischen, — von O. Moritz, 
R 319. 

Ueber den Nachweis 
und die Bestimmung von 
Aceton und Acetessig- 
säure im —, von Paul 
Reiche, R. 384. 

Urinbeschwerden * 13. 

Urologie, Die Asepsis in 
der — von O. Zucker- 
kandl, B. 338. 

—, Handbuch der, — von 
A. v. Frisch u. O. Zucker- 
kandi, #227. B. 335—340. 

—, Lehrbuch der, (von S. 
Casper) * 226. 

— im letzten Jahrzehnt, 
Ueber die nie 
der — O.-A 

Urosemiologie, D 480. 

Urotropin * 67. 
als Prophylacticum 

gegen Scharlachnephri- 

tis, — R. 63. 


XXV 


Uterus, — Künstliche Her- 
vorbringung von Lage- 
verändrgn. des — * 125. 


Vaginalsuppositorien 
von Kleinwächter * 130. 

Vaginitis * 117. 

Vas deferens * 66. 

Vasa deferentia * 8. 

Vasenol * 330. 

Venero- und Dermatologie, 
Beiträge zur Geschichte 
der — O.-A. 467. 494. 
537. 

Verabreichung, Interne == 
von Balsamicis * 21. 

Verandageschwür des 
Anus. R. 526. 

Verbrecher * 149. 

Verdickungen, Fibröse* 24. 

Verein für innere Mission 
in Berlin * 324. 

Verein rhein.-westfäl. Der- 
matologen und Urolo- 
gen * 

Vererbungsgesetze * 118. 

Verhandign. der Dtschn. 
Dermatolog.Gesellschaft 
IV. und V. Kongreß 
* 251. 

Verhandlungen der „Deut- 
schen Gesellschaft für 
Gynäkologie”. Zehnte 
Versammlung in Würz- 
burg am 3.—6. Juni 1903. 
Herausgegeben von M. 
Hofmeier und J]. Pfannen- 
stiel, — B. 288. 289. 

Versammlung, 77te, deut- 
scher Naturforscher und 

. Aerzte in Meran, vom 
24.—30. September 1905. 
(Versammign. der 25. 
Abtig.:Dermatologie und 
Siphilidologie), — von 
Freih. v. oa (Mün- 
chen). 

TAE er 4. 

— eines I4jährigen Mäd- 
chens in ein reichsdeut- 
sches Bordell, Ein Fall 
von — von Wilh.Hammer 
(Berlin) — (zugleich eine 
Erwiderung auf Freih.von 
Notthaffts Ausführun- 
gen in Heft 6 der Monats- 
schrift). O.-A. 346. 


XXVI 


Verschleppung, Bemer- 
kungen zu diesen Aus: 
führungen — von Freih. 
von Notthafft (München) 

= 0O--A. 351. 

—, Erwiderung zu diesen 
Ausführungen von 
Wilh. Hammer, O.-A.457. 

— Schlußwort zu dieser 
Erwiderung — von Frhr. 
von Notthafft, O.-A: 461. 

Verwachsung, Knöcherne 
— eines Ellbogens oder 
Fußgelenkes * 23. 

Vichy * 523. 

Vierteljahrsschrift für ge- 
richtliche Medizin (1904, 
Heft 1), * 473. 

Virchow’s Archiv * 93. 317. 
476. 

Viro * 253 

— Gesellschaft * 130. 

—, Das Prophylaktikum *4. 

Voie hypogastrique * 244. 

Voics urinaires, Estomo 


" Volkmann’scherLöffel*306. 

Vollbäder, Heiße * 24. 

Vorhaut, Unblutige syste- | — 
matische Dilation der — 


— Schürzenbildung der — 
% 3. 


Vorlesungen über Sexual- 
trieb undSexualleben des 
Menschen * 59. 

Vorsteherdrüse, 
leatio der — * 

Vortrag im „Offizier-Kasi- 
no“ für Aerzte und Of- 
fiziere zu Budapest, am 
7. Mai 1905. — * 385. 

Vulvoganitis infantum, 
Ueber Rectalgonorrhoe 
bei — von Karl Flügel 
(Frankfurt a.M.) — R.329. 


Excoch- 


Wachswaschseifen-Cre- 
mes * 

Wechselduschen * 80. 

Weihnachtsfeier, Eine im 
größten Dirnenkranken- 
hause Deutschlands. — 
Zugleich ein Beitrag zur 
Psychologie der Prosti- 
tuierten. — O.-A. 104. 

Weil’s Talisman * 253. 


Wertheim‘ sche Operation ' Zeitschrift für Augenheil- 
* 289. 


Wiener allgem. med. Ztg. 
* 166. 286. 
— mediz. Blätter * 17. 
— klin. Rundschau * 110. 
191. 192. 
— Medizin. Presse * 63. 331. 
Winternitz’scher Psychro- 


phor * 
Wirbelsäule, Miterkran- 
kungen der — 
Wijedomosti, St. Peters- 


burgskija (St. Peters- 
burger Mitteilungen v. 
25. Januar 1905) * 

Wiestnik, Russkijmedizins- 
kij (Russ. med. Bote) 
* 467. 494. 537. 

Wochenschrift, Berliner 
klinische * 41. 166. 177. 
234. 323. 329. 471. 475. 
477 

—, Deutsche med.* 19. 
234. 235. 237. 238. 258. 
323. 324. 326. 331. 385. 
474. 475. 

—, Klinisch-therap. * 446. 

‚ St. Petersb. medizin. 
* 318. 319. 320. 328. 

—, Münch. med. * 17. 18. 63. 
109. 166. 193. 194. 194. 
194. 264. 427. 428. 430. 
432. 456. 478. 

—, Wiener klinische * 188. 
233. 321. 326. 

—, Wien. med. * 190. 316. 
329. 385. 386. 

Wohnungsmißstände, Die, 
— im Prostitutions- und 
Schlafgängerwesen und 
ihre gesetzliche Reform, 
von Kampfmeyer, R. 285. 

Wratsch. Rußki * 327. 

—, Praktitscheski * 446. 

Wratschebnaja Gazetta 
* 40. 41. 175. 319. 320. 
327. 330. 

Wucherungen, papilloma- 
töse * 37. 

Württ. Med. Corresp.-Blatt 
* 169. 


Yangonin * 368. 
Yohimbebaum, Rinde des 


Yohimbin * 66. 


kunde * ? 
— für Bekämpfung der 
Geschlechtskrankheiten 
* 193 281. 282. 285. 285. 
286. 316. 412. 
— SDR 330 
— „für ärztl. Fortbildung 
* 236. 
— für klin. Medizin * 238. 
Zellstoffwatte * 155. 
Zentralblatt für 
Chirurgie * 325. , 
— Gynäkologie * 9%. 


480. | — die Krankh. d. Harn- u 


` Sexualorgane * 190. 331. 
— die ges. Therapie * 190. 
331. 


— Dermatologisches * 19. 
491. 491. 
Zephirpessare * 93. 128. 
Zickel's Pektoskop * 111. 
Zinci sulfurici, Solutio * 41. 
Zincum * 20. 
Zinkchlorid * 5. 
Zinkvitriol * 15. 
Zittmann’sche Kur” 434. 
435 


Zu den Ausführungen des 
Freih. von Notthafft-Mün- 
chen (in Heft 6 und 8 
der Monatsschrift), betr. 
„Ein Fall von Verschlep- 
pung eines 14 jährigen 
Mädchens in ein reichs- 
deutsches Bordell“, 
von Wilh. Hammer (Ber- 
lin), O.-A. 457. 

Zucker's, Der qualitative 
Nachweis des, im Urin 
— v. J. Straßburger (Nach 
W. S. Haines) R. 191. 

Zuckerkrankheit, Neue 
Mittel und Wege zur 
Heilung der — von Fr. 
Hißbach. — B. 198. 

Zusammenstellung, Ver- 
gleichsweise, der wirk- 
samsten antigonorrho- 
ischen Medikamente — 
* 252. 

Zweigläserprobe * 2. 

Zwischenstufen, sexuelle, 
Jahrbuch für, VI. Jahrg. 
— von Magnus Hirsch- 
feld. — B. 334. 335. 

Zylinder ° 63. 


IV. Namen- Register. 


Bei den Namen der Verfasser von Original-Arbeiten ist: O.-A. vor der Seitenzahl vermerkt, — 


» Referaten = 
Besprechungen — „ 


” ” n ” ’ 


» B: 
Alle weiteren (auch durch andere Schrift Sehsinzeichneten) Namen sind: nur zitierte. 


Abramow, S. 476. 
Abramowitz 523. 
Adrian, C. 234. 
Ahlström 27. 
Albarran 7. 82. 189. 
Alexander, Carl 251. 422. 
Allen 77. 
Allingham 189. 
Arnold 385. 
Arzberger 80. 

Asch 288 


Aufrecht 258. 316. 

Augspurg, Anita 271. 

Ava 185. 

Aya, Winfield (New-York) 
1 


Bab 324. 
Baisch-Tübingen 288. 
P 525. 

Bandi 43 

Bangs New-York) 189. 
Baer, Julius 238. 
Baermann 231. 
Barabäs, Josef, O.-A. 302. 
Baratynski, P. A. 320. 
Bärensprung 176. 335. 
Bartisch, Georgius 198. 
Bartring 8. 

Bartscht, Karl 323. 
Bazy, M. 236. 

Beard 131. 

Beck 289. 


Behrend, G. 498. 502. 503. 


Behrmann 254. 

Benard 320. 

Bendix 517. 

Bennin Bo, Prof. (Ber- 
lin) 157. 355. 

—, 166. ie. 412. 413. 414. 
416 417. 418. 420. 421. 

Berg, Georg 190. 

Berger 83. 83. 

Bernhard (Berlin) 174. 

Bernstein 270. 

— (München) 171. 

Bettmann 16. 17. 18. 27. 28. 

Bier 24. 

Biermann 16. 

Birbaum 132. 

Blanck, S., (Potsdam) 17. 
R. 197. 198. 238 286. 
287. 289. 290. 430. 431. 


431. 432. 432. 432. 432. 
433. 433. 433. 

—, B. 198. 289. 290. 291. 
331 332. 

Blandin 326. 

Blaschko, A. (Berlin) 17. 
27. 30. 41. 172. 173. 198. 
271. 272. 273. 276. 286. 
412. 421. 498. 527. 

Bloch, Iwan (Berlin) 197. 
476 


Block, Felix (Hannover) 
R. 63. 527. B. 334. — 
Blokusewski (Niederbrei- 

sig) O.-A. 315. 

—, 4. 16. 109. 253. 254. 
255. 257. 258. 261. 263. 
266. 282. 284. 386. 

Blumenreich 132. 

Bohn 270, 271. 

un 40. 259. 

N en bare Els.) 


— 14. 2 164. 165. 168. 
185. 187. 
Bötticher, C. 474. 


Bottini 8. 225. 245. 289. 
428. 429. 


Bouchet 122. 

Boyer 320. 

Brandt, Thure 9. 

Brandweiner 453. 

Braun, H. 465. 

Bré, Ruth 425. 

Brehmer, C. 192. 

Brendel, G. (Bad Kreuz- 
nach) O.-A. 2. 66. 

G. E. (New-York) 


‚Brödel 520. 


Brodie 225. 
Brügel, Carl 31. 
Bruhns 197. 
Brunner, Alfred 158. 
Bryson 521 
Buckle 422. 
Bulbus 27. 
Bulkley 405. 

Bum 12. 78. 
Bunge 188. 
Burchard 114. 
Burg, van der 125. 
Burgdorf 529. 


Burkhardt 527. 
Burney, Mac. 382. 
Buschke 83. 
Busse 323. 


cabo Follen (New-York) 


e R. de 16. 

283. 284. 316. 317. 

Capellmann 124. 

Caspary (Königsberg i. Pr.) 
468. 495. 


Casper 20. 155. 215. 216. 
218. 387. 

—, C. 227. 

—, Leopold Berlin) 226. 
234. 472. 498. 

Cathelin 67. 237. 524. 

Charcot 273. 

Charlot 176. 

Charrière 84. 

Chas 78. 

Chelwood 9. 

Chotzen (Breslau), 171. 270, 

Christen 527. 

Chrobak, Prof. 400. 411. 
443. 446. 


Chryssovergis, M. 232. 
Chrzelitzer 41. 

— (Posen) B. 290. 
Chute 77. 
Ciechanowski 287. 
Citron, H. (Berlin) 475. 
Cohn, J. 82 

Paul, R. 385. 
Cellans 74. 76. 78. 
Colombini 78. 
Copolliva (Genua) 453. 
Cornutin 143 
Cowper 244. 337. 
Crede 16. 66. 430. 
Crippa, v. 454. 
Cristellen 130. 


' Crothers 123. 


Cuzent 368. 
Dapper, Max 326. 
Darre& 241. 


Delageniere 244. 
Delbanco (Hamburg) 450. 
454 


Deniges 384. 
Diday 14. 


XXVIII 


Dieulafoy 377. . 
Dimlafoy, M. 232. 
Dithmar 284. 
Dittel, L. 227. 


Dommer (Dresden) 456. 


Dorvault 185 
Dreser 337. 


Droste (Hönningen) R. 386. 
ne (Stuttgart) R. 192. 


Drysdale 60. 132. 
Dubot 78. 
Dufaux 79. 
Duhot 77. 


Dühring, von 194. 270. 271. 
275 


Dührssen 61. 

Dupouy 186. 

Dürck, Prof. Herm. 31. 
Düring (Kiel) 173. 
Dzirne, J. 233. 


Earlet 445. 
Eastman 289. 
Eastmann 79. 


Ebermann 9. 78. 79. 79. 79. 
Eberskirchen, Johanna 64. 


Ebstein 226. 317 
Eckstein 67. 

Edeboh! 431. 

Eichhorst 309. 376. 402. 
Eichwald, Prof. von, 481.. 
Elsäßer, O. 472. 
Engelbreth 16. 17. 28. 
Engelmann, George 310. 
Englisch, J. 226. 331. 
Erb 89. 131. 287. 333. 
Erdély 302. 307. 
Erdmann 521. ° 
Esbach 319. 

Eulenburg 61. 132. 309. 
Ewald 376 377. 

Exner, Sigm. 337. 


Fabry 173. 270. 271. 
Fehling 97. 475. 


Feibes 256. 258. 259.262.284. 


Feistmantel. 316. 385. 492. 
Feleki 76. 79. 


Ferdy 60. 89. 124. 125. 126. 


132. 
Fere 122. 
Ferguron 289. 
Ferranuini, Luigi 470. 
Finger 70. 82. 175. 
180. 186. 
400. 411. 
452. 459. 


179. 
287. 396. 399. 
447. 449. 450. 


Fischer 324. 

—, Max 239, 

—, - Wilhelm 435. 436. 
Flatau, Georg 332. 

Flesch 61. 171. 269. 270. 
u Karl(Frankfurta.M.) 


Forchheimer, R. 239. 515. 
525. 

— B. 333. 530. 530. 

Forel 426. 

Fournier 120. 435. 477. 

Fowler, George Ryerson 
(Brooklyn) 430. 

France 189. 

Frank 4. 16. 80. 242. 253. 
259. 260. 282. 283. 

— B. 241—246. 

Fraenkel, C. 432. 

Fränkel 64. 382. 

Frankl-Hochwart 72. 340. 

Franz (Halle) 288. 

Freud 132. 

Freudenberg, A. (Berlin), 
R. 189. 190. 237. 385. 

— B. 111. 

— 225. 325. 428. 526. 

Frey, Prof. Ludwig 335. 

Freyer 7. 288. 429. 

Friedländer 166. 

—, Benedict 335. 

—, (Berlin) 187. 

Frisch, A. v., 71. 72. 72. 72. 
78. 78. 82. 155. 227. 

Fritzsch 91. 

Frommer, Victor (Berlin) 
475. 

Fuchs 17. 41. 

Fuller 74. 77. 78. 245. 289. 

ns John (Philadelphia) 

2 


| Fürbringer 13. 73. 82. 127. 


132. 309. 
Fürth, Frau (Frankfurt) 1793. 
271. 275. 


Füth, H. 473..515. 


Galewsky 193. 451. 452. 
455. 456 

Garre 209. 

Gaudier 525. 

Gerber (Königsberg i. Pr.) 
496. 

Gersuny (Wien) 66. 326. 

Goebell 431. 

Goldberg, R. 110. 475. 516. 
519. 522. 525. 526. 526. 

— B. 335—340. 


N m e nn nn 


Goldberg 20. 237. 240. 
Goldenberg 80. 
Goldenscheider 186. 
Goodfellow 521. 

Götzl, Alfr. 190. 

Grandidier 121. 

E go Protan R. 63. 
188. 195. 196. 233. 
327. 7 528. 

Groos 337. 

Grosglik 9. 

Große, Otto, Kunden 
O.-A. 250. 491 

Grot, Ten v. 320. 

Grouven 450. 

AOE M. (München) 


— 170. 271. 273. 275. 

Grünfeld 155. 

Guber 451. 

Gueillot 74. 

Guepin 71. 72. 73. 

Guiard 26. 526. 

Guiteras 73. 80. 289. 

Gundelach 428. 

Günzburg, D. M. 444. 

Güterbock 226. 227. 

Gütschow 520. 

Guyon 7. 14. 18. 21. 27. 
67. 72. 73. 75. 82. 117. 
216. 217. 222. 223. 243. 


530. 
Guyon-Mendelssohn 227. 


Haines, W. S. 191. 

Hamburger, C. 196. 

Hammer, Wilhelm (Berlin) 
O.-A. 104. 278. 346. 
457. 506. 


. 291. 292. 
— 270. 271. 351. 460. 461. 
aa (Stuttgart) 169. 
173. 


Hammond 309. 406. 

Hansemann 318. 

Hartmann, Henry, 241. 

Haße-Mensinga, 59. 60. 
127. 445. 

Hausmann 16. - 

Haußmann 282. 

Hegar 61. 132. 

Helbing 443. 

Heller 498. 

Hellpach 272. 

Hennig, Artur EDEL 
i. Pr.) O--A. 9. 70. 

Hensen 125. 

Herbart 351. 


Herbsmann, (Rostow am 
Don) O.-A. 175. 

Hermann 129. 233. 302. 
307. 326. 

Herrmann, Emil 192. 

Heuck 197. 

Hippe 270. 271. 272. 

— R. A. (Dresden) 172. 

Hirsch 285. 412. 412. 524. 

Hirschfeld, F. (Berlin) 323. 

Hirschfeld, Magnus (Char- 

lottenburg) O.-A. 53. 202. 

333. 334. 334. 335. 530. 

Hißbach, Fr. 198. 

Hochwart-Franke 340. 

Hodge 127. 

Hödimoser 528. 

Hoff, Van 111. 

Hoffmann 197. 

Hogge 78. 79. 

Holzknecht 337. 

Hönigschmidt 158. 

Hopf 271. 

Hottinger 73 


Ihlienworth-Stille 60. 

‘ Imervol 528. 

Immerwahr (Berlin) R. 196. 
197. 322. 323. 329. 472. 
475. 478. 478. 


Jsrael 189. 519. 

Jacobson, L. S. 529. 

—, Nathan N.Y. 430. 

Jadassohn 281. 412. 

Janet 5. 14. 17. 18. 25. 82. 
88. 243. 463. 

Jankau-Nobiling 411. 

Jastrowitz 358. 

Javal 232. 

Jesionek 284. 

Jessner 184. 433. 434. 435. 

Jones, L., Prof. 232. 

Jooß, Kar! (München), 
O 30 


„A. 30. 
Joseph, Max 16.40. 155.498, 


Kade 286. 

Kakowski 482. 
Kaminer 94. 

Kamp 61. 132. 
Kampffmeyer 172. 285. 
Kant 89. 


Kaposi 176. 177. 
Kasas 539. 540. 
Kaufmann, 190. 190. 
Kelly 322. 427. 

— (Rutherford) 401. 


Kepler 61. 89. 132. 
Keyes, E. L. (New-York) 
433. 433. 


Kiefer 328. 

Kilus 79. 

Kiomenoclu 451. 

Kirchner 93. 

Kisch 61. 

Klausmann 270. 271. 

Kleinwächter 130. 

Klemperer 520. 

Klotz 19. 

— Herm. G. (New-York) 
432 


Kobert, Prof. 482. 

Koch 119. 

— Robert 253. 

Köhler, G. 476. 

Kohlhaas, Mediz. Rat 169. 

Kohn 177. 271. 

Kolle 252. 

Kollmann 75. 155. 156. 238. 
238. 243. 386. 3837. 388. 
396. 

Kopp 16. 264. 451. 

Köppe, H. 336. 337. 

Koranyi 337. 

Körbitz 506. 538. 539. 

Kornfeld 158. 166. 190. 518. 

Koßmann 284. 285. 412. 

Krafft-Ebing, v. 61. 177. 
309. 397. 406. 

Kraepelin 410. 412. 

Kraus, F. 402. 

— R. (Wien) 446. 447. 449. 
450. 451. 


Kren 453. 

Kromayer 197.543. 544.545. 

Kubinyi, P. v. 239. 

Kühnemann 377. 

Kuljabko, Prof. 482. 

Kümmel 384. 

Künzel, H. 470. 

Küsel (Moskau) 187. 

Kusnitzki, 406. 

Kußmaul 380. 

Kutner 13 13. 13. 236. 
239. 240. 346. 350. 396. 
454. 455. 456. 457. 458. 
459. 460. 


Landau jun. 210. 
Landsteiner 318 
Lang 78. 

Lange 16. 

Langen, Alfred 197. 
Langstein 324. 
Laßar 161. 469. 498. 


XXIX 


Laurence, Daniel 287. 

Lavaux, M. (Paris) O.-A 
184 227. 

Ledermann 16. 498. 

Le Fort 220. 

Lehmann, 475. 

Lepler 132. 

Leppmann 123. 

Leßer (Berlin) 174. 197. 270. 
271. 272. 497. 498. 499. 

Leube, Geh.-Rat 234. 

Lewin 185. 186. 230. 368. 

Lewis 289. 

Lichtenstein 176. 

Liebreich 87. 

Lieven 194. 

Lion (Mannheim) 174. 

Lippmann-Wulff 197. 

Littré 33—34. 156. 337. 

Loeb, A. 234. 

Loeb, (Köln) O -A. 14. — 

—, R. 233. 234. 283. 284. 

—, 19. 20. 254. 

—, (Mannheim) 454. 

Löhlein 91. 317. 

Lohnstein 6. 19. 20. 166. 

Lombroso 273. 

Lommel 516. 

Lörch 518. 

Losdorffer 449. 

Lott 444. 

Löw 270. 271. 337. 

Löw (Wien) 452. 

Löwenfeld 61. 193. 412. 

Löwy, A., Prof. 482. 

Loyd 78. 

Lubowski, (Berlin -Wil- 
mersdorf) R.327. 328.331. 

Lucas 78 

Lucke, Robert (Magdeburg) 
O.-A. 299. 463. 

—, 14. 16. 17. 18. 19. 192. 
226. 

Lühmann, Gertrud von 426 


M.: B. 198. 246. 

—, R 189. 190. 194. 195. 
234. 238. 239. 239. 323. 
384. 385. 478. 518. 519. 

Mac-Gill 23. 

Macdonald 91. 

Maisonneuve 220. 

Malthus, Thomas Robert 
59. 60. 

Mannaberg 339. 
Manaßein, .M. P. (St. 
Petersburg), O.-A. 467. 

494. 537. 


XXX 


Mankiewicz, O. 198. 287. 
T Julian (Mann- 
heim), O.-A. 37. 163. 

—, B. 64. 197. 436. 

—, Max (Berlin), O.-A. 412. 

—, 89. 284. 355. 356. 358. 

Marschalko 16. 

Martin, S. C. 289. 

Matzenauer 120. 

Mauriac 241. 

Mauthner, J. 337. 

Mayer (Simmern), 473. 

Meißner, P. (Berlin), 

„A. 42. 

Mendel, Prof. 177. 

Mendoza, Suarez de 22. 

Menetrier, M. 241. 

Mensinga (Flensburg) 59. 
60. 60. 89. 93. 96. 97. 
124. 127 127. 

Mering 309. 377. 383. 411. 

Merk 448. 449. 450. 

Merzbach 166. 168. 

— B. 112. 335. 335. 

Messinger-Huppert 384. 

Meyer (Neapel) 75. 76. 77. 
78. 128. 187. 369. 

a Ad. Alf., 291. 


292. 

Michels 284. 

Mill, James Stuart 60. 

Miller, James Alexander 
(New-York) 431. 

Miskhailoff 525. 

Mochlau 83. 

Moli 89. 412. 415. 

Moritz, O. 319. 

Morris 189. 289. 

Mortier 322. 

Morton 77. 78. 79. 

Moskalew 327. 

Mosny, M. 240. 

Moszkowicz 427. 

Motz et Arrese 522. 

— et Bartrina 519. 

— et Suarez 475. 

Mucha 318. 

Müller 271. 451. 452. 455. 
526. 

Mundorff, George Theo- 
dore 237. 515. 

Murphy 289. 


Naegeli 93. 

Narich, Bélisaire 478. 
Naunyn, Prof. 234. 238. 
Neelsen, Prof. 387. 


Neißer 4. 14. 14. 16. 22. 
51. 78. 82. 98 171. 251. 
252. 254. 270. 281. 299. 
333. 422. 435. 

—, Prof. (Frankfurt) 385. 

Nelaton 320. 

Neugebauer, von (War- 
schau) 210: 335 

Neumann 477. 

Neustädter (München) 174. 

Newman 189. 

Nicolich, C. (Triest) 321. 

Nikulin 406. 

Nitze 387. 498. 

Nobl 526. 

Noorden, Prof. v., 326. 

Nothnagel 226. 340. 

Notthafft, Freiherr von, 
(München) O. -A. 267.351. 
446. 461. 


— 239. 240. '346. 350. 396. 
454. 455. 456. 457. 458. 
459. 460. 


Oberländer 30. 31. 82. 155. 
156. 301. 386. 387. 

Oefele, von, 132. 

Oidtmann 72. 

Oppenheim 448. 

Oppenheimer 384. 


Orgler 318. 
Orlipski, E., (Halberstadt) 
O.-A. 49. 


—, 175. 176. 
Orth 112. 470. 
Orttel, 527. 
Ostwald 194. 
Otis 289. 
Otto 132. 


:(A.P.): R. 43 
Bin (Berlin) R. 5 232. 
236. 240. 241. 241. 241. 
Parent-Duchatelet 352. 
Park 289. 
Passarelli, Ferrucio (Ro- 
vigo) O -A. 367. 
Paulus, Frau 271. 
Pawlowski, A-D. (Kiew) 328. 
Pelikan 337. 
Penzoldt 227. 
Petersen 78. 
Petrenz, Max 189. 
Pezzoli 79. 80. 
Phillips, George M. 289. 
Pick, T. 233. 
—, Walter 19. 
Pideau und Trousseau 185. 


Piorkowsky 228. 

Place, Francis 60. 61. 

Placock 91. 

Platen 335. 

Poehl, A. v., Prof., 480. 
481. 482 


Polletzer, C. 191. 


Pollock, i EL SERUE 


i. Br.) O.-A. 
‚R.: 191. E >36, 237. 
288. 473. 476. 477. 
—, B.: 478—480. 
Polotebnow 405. 
Poly, Fritz 234. 

Porosz, Moritz (Budapest) 
„A. 98. 132. 492. 
‚16. 17. 18. 302. 304. 

306. 308. 

Posner 77. 79. 80. 80. 82. 
226. 324. 498. 523. 

Poupert 237. 

Prätorius, Numa 335. 

Prißmann, S. (Libau) R. 
318. 319.320. 321. 329. 
523. 523. 524. 529. 

Proksch, J. K. (Wien) 290. 

Proust 244. 


R.: R. 109. 

Rademacher, E. 474. 
Raphael, Alexander 318. 
Rapoport 324. 

Ravant 241. 

Rayer 520. 

Rebentisch 428. 429. 
Reclus 189. 

Rehfisch 78. 

Rehfleisch 74. 

Reiche, Paul 384. 
Reineboth 545. 

Reißner 166. 187. 

Renzi 176. 

Reuß, v. 188. 

Reyer, J. 245. 

Richter 254. 256. 262. 284. 
— Paul 335. 

— P. F. 482. 

Ricord 2 176. 444. 
Riedel 8 

Rieder 430. 

Riehl 539. 540. 542. 
ve Na (Stuttgart) O.-A. 


— 9, in 174. 269. 457. 530. 
Riffel 119. 

Rille 449. 450. 455. 524 
Ripke 122. 

Rißo 453. 


Robert 78. 

Robin 483. 

Rochet 244. 

Röder 515. 

Rohleder (Leipzig) O.-A. 
59. 89. 118. 


— R. 189. 322. 521. 522. 

— 096. 397. 398. 445. 

Römer, von (Amsterdam) 
334. 335. 


Röntgen 68. 

Roscher 197. 
Rosenbach, Fr. 317. 
Rosenberger 1%. 
Rosenheim 376. 
Rosenstein 519. 
Rosnatowski, D. N. 327. 
Roßbach 379. 
Rotschild 287. 

Rovsing 7. 233. 287. 
Rudeck, E. 238. 
Rudnik '(Salzerbad) 456. 


Saalfeld 166. 198. 228. 456. 
498. 

Sahil 114. 

Salen’ 209. 

Salge 527. 

Samter, O. use i. 
Pr.) 470. 

Samuel, Pech. 997. 

Sänger61. 132.237.282.411. 

Sanne 186. 

Sarcany (Craiova) 197. 

Schade 194. 478. 

Schäfer 251. 252. 263. 264. 

Schaeffer 400. 

Scharff 80. 80. 80. 

Schenck 520. 

Scheven, Frau il) 
171 270. 271. 

Schiff 452. 

Schlagintweit 69. 

Schlokow 114. x 

Schlößer 264. 

Schmidt 166. 

— .Mounard 123. 

Scholtz 88, 

Scholz 155. 252. 

Schoondermark 132. 

Schourp, (Danzig) O -A.40. 

Schreder, Prof. 469. 

Schulze, Bernhard (Kiel) 
R. 237. 


— 258. 259. 260. 
Schuster, (Aachen) O-A. 


— 290. 


Schwab (Berlin) R. 111. 
232. 239. 317. 318. 325. 
326. 473. 474. 470. 470. 
471. 472. 473. 474. 474. 
476. 476. 515. 518. 519. 
520. 529. 

Schwalbe 226. 377. 

Schweninger, Prof. (Berlin) 


Schwerin, Hans (Berlin) 
R. 234. 235. 236. 238. 
323. 324. 325. 326. 384. 
474. 475. 476. 515. 516. 
517. 527. 

Scudder, L. 77. 78. 

Seelig, A. (Königsberg i. 
Pr.) R. 110. 191. 192. 192. 
518. 524. 526. 527. 529. 

Segalow 523. 

Segond-Dittel 72. 

Sehlen, von 78. 

Seligmüller 402. 543. 543. 

Senator 235. 520. 

Siebert (München) 454. 

Siegel 449. 450. 

an J, O.-A. 113. 


Simanowski, 271. 

Simon . 

Simonelli 432. 

Simpson 91. 

Sims 155. 

Singer (Wien) B. 332. 

Smith, Andrew H. (New- 
York) 433. 

Sobel, Jacob (New-York) 
432. 


Socin, A. 227. 

Sokal (Lemberg) 187. 
Somogyi 307. 
Sonnenberg 79. 

Spier 166. 187. 227. 449. 


Saroy nennen) 173. 

— 270. 2 

Steckel 353. 

Stegmann 427. 

Steinborn (Thorn) O.-A. 
(resp. Uebersetzung) 175. 
467. 494. 537. 

Steiner (Mannheim) R. 69. 
110. 193. 194 194 194. 
194. 281. 282 283. 284. 
429. 430. 432. 433. 

— 317. 

Steinhardt 233. 

Steinheil (Paris) 241. 


XXXI 


Steinmetz 253. 
Steinschneider 251. 
Stern, M. A., O.-A. 309. 
376. 395. 
— 442. 
Sternberg, Wilhelm, 246. 
Sternthal, Alfred 436. 
Stieglitz, N. von, 480. 
Stille 132. 
—-jhlienworth 60. 
Stinzing 227. 
Stöckel 288. 
Stöcker, Frin. Helene: 272. 
273. 413. 415. 
Stolper, L. (Wien) 237. 
Straatz, H. 125. | 
Straschnow (Prag) R. 188. 
190. 321. 322. 329. 
Straßburger, J. 191. 
Strauß, Artur (Barmen) 
O.-A. 25. 394. 
B. 386—388. 
— 216. 227. 478. 524. 
Strebel (München) 129. 284. 
Ströhmberg 273. 328. 
Strümpell 309. 
Strzyzowski, C. 319. 
Studzinski, J. B. 238. 
Stuertz. 522. 
Svoboda 329. 


Tannhauser (Stuttgart), B 
434. 435 


Tarchanoff, 


Fürst von, 
Prof. 480. 481. 
Tardieu 62. 


Tarnowskaja 273. 

Tarnowsky, Prof. 273.. 396. 

Tauffer, Hofrat Prof. 239. 

Taumann 337. 

Tausig 226. 

Taylor 75. 77. 

Teßier 237. 

Thal, Max 415. 

Thiemich, M. 188. 

Thimm, P. 330. 443. 

Thompson, 132. 220. 221. 
226. 227. 

Thumim, Leopold 471. 

TIER omIOm . L. (Kasan) 


Toblers, L. a 
Tomaczewsky 448 

Touton (Wiesbaden) 171. 
Trendelenburg 244. 
Trousseau 79. 

— & Pideau 185. 


XXXII 


Ullmann 17. Wachs, P. 480. 
Ultzmann 227. 243. Wagner, Paul 339. 
Unger-Pick 209 Waitz 274. 

Unna 477. Wallerstein, J. 325. 


Unschuld 194. 
Urata, Tada 327. 


Valentine 26. 289. 


Weber 518 


Waltor 194. 
Wassermann 252. 328. 


Wechselmann 197. 


a Saßburg) 170. 172. 


Wolff, vu (Berlin) 49. 
Wölzl 267. 


Zabludowski 66. 73. 73. 
Zechmeister (Pola) 187. 


198. | Zeißl 2. 16. 77. 82. 337. 


Valleix 382. Weil 253. Zeuner, W. (Berlin) 19%. 

Vedt 126 Weinstein 186. Zickel 111. 

Vertun 80. Weismann 118. Zittmann 434. 435. 

Verworn, Prof. 483. Welander 16. 17. 282. 284. | Zola 310. 

Vidal 320. ' | Wertheim 289. 328. Zondeck 206. 

Vieth 455. Wessner 91. Zuckerkandl, E. (Wien) 82. 

Virchow 30. 209. 287. 432. | Wichmann 288. 213. 214. 336. 

Vogel (Aachen) R. 288. 289. | Widal 232. Otto (Wien) 72. 237. 
—, Julius (Berlin) 323. 477. | Winternitz 80. 445. 335. 338. 339. 340. 340. 

Völker 430. Wirz, Prof. Caspar, 335. | Zweifel 61. 62. 9%. 91. 92. 

Volkmann 131. 132. 306. | Witzel 3. 473. 


V. Bücherbesprechungen. 


Seite 


Englisch, Jos.-Wien: Ueber Prae- 
putialsteime 
Blanck-Potsdam 331. 
—, Ueber eingelagerte und einge- 
sackte Steine der Harnröhre. 
Blanck-Potsdam 331. 
—, Ueber eingesackte Harnsteine. 
Steine des prostatischen Teiles 
der Harnröhre. 
Blanck-Potsdam 331. 
—, Ueber Pfeifensteine. 
Blanck-Potsdam 331. 
—, Eingesackte Steine der Harn- 


blase. 

Blanck-Potsdam 331. 
Exner, Sigm.: Physiologie der 
männlichen Geschlechtsfunk- 
tionen. 
B.Goldberg-Wildungen (Köln). 


332 


332 


332. 
332 


332 


337 


Fischer, Wilhelm : Die Prostitution, 
ihre Geschichte und ihre Bezieh- 
ungen zum Verbrechen. 

Marcuse-Mannheim 

Flatau, Georg: DieTabes dorsalis. 
Die wichtigsten Nervenkrank- 
heiten in Einzeldarstellungen für 
den praktischen Arzt. Heft 2. 

Singer-Wien 

Frankl-Hochwart: Die nervösen 
Erkrankungen der Harnröhre und 
En Blase. 

B. Goldberg-Wildungen (Köln) 


332 


Seite 


Frisch, von: Klinische Untersu- 
chungsmethoden. 
B.Goldberg-Wildungen (Köln) 338. 339 
— und Otto Zuckerkandl: Hand- 
buch der Urologie. 3 Bde. 
Goldberg-Wildungen (Köln). 335-340 


Hartmann, Henri: Organés Géni- 
to-Urinaires de ’homme. Avec 
412 fig. dans le texte. 

Ernst R. W. Frank-Berlin 241—246 

Hirschfeld, Magnus- Charlotten- 
burg: Berlins drittes Geschlecht 
(Großstadt-Dokumente, Bd. 3). 

Forchheimer, Würzburg 5. 

— Das Ergebnis der statisti- 
schen Untersuchungen über 
den Prozentsatz der Homose-. 
xuellen. 

Felix Block-Hannover 33. 

— Jahrbuch für sexuelle Zwischen- 
stufen. VI. Jahrgang. — 

Merzbach Berlin 334. 

Hißbach, Fr.: Neue Mittel und 

Wege zur Heilung der ST 


krankheit. 198 


Jessner: Des Haarschwunds Ur- 
sachen und Behandlung. — (Der- 
matolog. Vorträge für Praktiker. 
Heft 1.) 

Tannhauser-Stuttgart 


Seite 
Jessner, Die Syphilide. (Syphilis 
der Haut- und Schleimhaut). 


— Il. Teil, Therapie. (Der- 
matolog. Vorträge für Prak- 
tiker, Heft 12.) 


Tannhauser-Stuttgart 433 


Köppe, H.: Physiologie der Harn- 
absonderung. 
Goldberg-Wildungen (Köln) 336. 337 
Koränyi, A. von — Budapest: Die 
wissenschaftlichen Grundlagen 
der -Kryoskopie in ihrer kli- 
nischen Anwendung. 
A. Freudenberg-Berlin 111. 
Kraus, R.: Die Bakterien der ge- 
sunden und kranken Harnwege. 
B. Goldberg-Wildungen (Köln) 338 


Mankiewicz, Otto: Kunstbuch, der- 
innen ist der gantze gründliche 
vollkommene rechtgewisse be- 
richt und erweisung vund Lehr 
des Hartenn Reissenden 
Schmertzhafftigenn Peinlichen 
Blasen Steines verfasset und 
beschrieben durch Georgium 
Bartisch vonn Koenigsbrück. 

Blanck-Potsdam 198. 

Mannaberg: Medizinische Klinik 
der Krankheiten der Niere und 
des Nierenbeckens. 

B. Goldberg-Wildungen (Köln) 339 

Mauthner, J.: Chemische Unter- 
suchung des Harns. 

B. Goldberg-Wildungen (Köln) ` 337 

Michaelis, Ad. Alf.: Der Schmerz, 
ein wichtiges diagnostisches 
Hilfsmittel. Eine Schmerztheorie. 

Wilh. Hammer-Berlin 291. 292 


Oberländer, Prof. F. M. und Prof. 
A. Kollmann: Die chronische 
Gonorrhoe der männlichen 
Harnröhre und ihre Komplika- 
tionen, Teil II u. IH. Mit 98 Ab- 
'bildungen und 8 Tafeln. 
A. Strauß-Barmer 386 — 388 


Phillips, George M. and forty di- 
stinguished authorities: Prosta- 
tic Hypertrophy from every sur- 
gical standpoint, Edited and 
compiled by S. C. Martin. 
Blanck-Potsdam 289 


XXXIII 


Seite 


Poehl, A. v., Fürst v. Tarchanoff 
und P. Wachs: Rationelle Or- 
ganotherapie, mit Berücksichti- 
gung der Urosemiologie. (Aus 
den „St. Petersburger Mittei- 
lungen“ = St. Petersburgskija 
Wijedomosti. ==). 

N. von Stieglitz 480—483 

Proksch, J. K.-Wien: Beiträge zur 
Geschichte der Syphilis. 

Blanck-Potsdam 2%. 291 


Richter, Paul: Die Entwicklung 
der Dermatologie in Berlin. 
Merzbach-Berlin 335 


Ries, Karl-Stuttgart : Ueber Harn- 
verhaltung. 
Forchheimer-Würzburg 530 


Schade, H.-Kiel: Die elektro-ka- 
talytische Kraft der Metalle. 
Eine neugewonnene experimen- 
telie Grundlage für die Erklärung 
der Quecksilber-, Silber- und 
Eisen-Therapie. 
Pollock-Freiburg i. Br. 418—480 
Scheven, Katharina: Denkschrift 
über die in Deutschland in Be- 
zug auf das Bordellwesen be- 
stehenden Verhältnisse und über 
seine sittlichen, sozialen und 
hygienischen Gefahren. Heraus- 
gegeben vom Bunde Deutscher 
Frauenvereine (Dresden 1904) 
Forchheimer-Würzburg 
Schuster: Die Syphilis, deren 
Wesen, Verlauf und Behandlung, 
nebst kurzer Besprechung des 
Ulcus molle und der Gonorrhoe. 
4. Aufl. 


333 


Crzelitzer-Posen 2% 


Senator und Kaminer : Krankeiten 


und Ehe. 

Merzbach-Berlin 112 
Sternberg, Wilh.: Die Judenkrank- 

heit, die Zuckerkrankheit, eine 

Folge der rituellen Küche und 

orthodoxen Lebensweise der 


Juden? 
M. 246 


'Sternthal, Alfred: Männersittlich- 


keit und Frauengesundheit. 
A. 436 


Thal, Max: Sexuelle Moral. 
J. Marcuse-Mannheim 64 


XXXIV 


Verhandlungen der „Deutschen 
Gesellschaft für Gynäkologie“. 
Herausgegeben von M. Hof- 
meier und jJ. Pfannenstiel, — 
10. Versammlung in Würzburg, 
am 3. bis 6. Juni 1903. — 

Vogel-Aachen 288. 


Wagner, Paul: Die Verletzungen 
und chirurgischen Erkrankungen 
der Nieren und Harnleiter. 

B. Goldberg-Wildungen (Köln) 


Zuckerkandl, E.-Wien: Anatomi- 
sche Einleitung. 


B. Goldberg-Wildungen (Köln) 


Seite 


289 


339 


336 


Zuckerkandl, O., Die Asepsis in 
der Urologie. 


B. Goldberg-Wildungen (Köln) 
"base Erkrankungen der Harn- 
a 
B. Goldberg-Wildungen (Köln) 


= Bremen: Symptomenlehre. 
B. Goldberg-Wildungen (Köln) 


— und von Frisch, Handbuch der 
en e. — Wien 1903—1905, 


Seito 


338 


340 


339 


de. 
Goldberg-Wildungen (Köln) 335—340 


VI. Literatur. 
Seite 226, 227, 384, 411, 412, 446. 


VII. Vermischte Nachrichten. 
Mitteilung von W. Grünfeld-Wien, betr. seine Arbeit „Zur Abhaltung populär- 


medizinischer Vorträge 


Mitteilung, betr. Æ. Graetzer (Sprottau) : 
Uebertragung in’s englische durch den New-Yorker Kinderarzt Herm. 


B. Cheffield 


' „Vademecum für die Kinderpraxis“, 


Berichtigung, betr. die Arbeit von J008-München über „Keratosis der Harn- 


rõhre" (in Heft 1 von 1905 der Monatsschrift für H. u. sex. 
Aufruf vom „Bund für Mutterschutz" ES TAISEele- CTAN TAT USPEO ETI W, 
i 149. 


Leipzigerstraße 24) 


Hyg.) . 


VII. Deutscher Samaritertag am 1. 1. u. 2. juli 1905 in Kiel . : 
Mitteilung von Wo/ff- Metz, betr. „Verwendung des Gonosan bei Oro- 
genital-, speziell der Blasentuberkulose" . . u 


VIII. Redaktionelle Mitteilungen. 
Seite 64. — Schlußwort sowie Register zum ll. Jahrgang (1905). 


IX. Inserate. 


Seite 151, 


3%, 391, 392, 437, 438, 439, 440, 484, 485, 486, 487, 





Monatsschrifi für Harnkrankheiten 


und sexuelle Hygiene. 
Unter Mitwirkung hervorragender Mitarbeiter 
herausgegeben von Dr. med. Karl Ries in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 


Preis des Jahrgangs (12 Hefte): 8 Mark (im Ausland 10 Mark.) 
Zu beziehen durch die Post, alle Buchhandlungen des In- und Auslandes sowie direkt 
von der Verlagsbuchhandlung W. Malende in Leipzig, Johamnisgasse 3, I. Et. 


112 


148 
148 


150 
293 


152, 199, 200, 247, 248, 293, 294, 295, 296, 341, a 344, 389, 





Monatsschrift tür MHarnkrankheiten 
und sexuelle Hygiene. 


Unter Mitwirkung hervorragender Mitarbeiter 


herausgegeben 
von 


Dr. med. Karl Ries in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 


Monatlich ein Heft. Preis des Jahrgangs (12 Hefte) M. 8.— (im Ausland M. 10.—) 
Zu beziehen durch die Post, alle Buchhandlungen des In- und Auslandes sowie 
direkt von der Verlagsbuchhandlung W. Malende, Leipzig, Johannisgasse 31. 


Heft 1. Januar 1905. Jahrgang Il. 


Inhaltsübersicht. 
I. Originalarbeiten: 

1. G. Brendel-Bad Kreuznach: „Über die Fortschritte der Urologie im 

letzten Jahrzehnt.“ 

2. A. Hennig-Königsberg i. Pr.: „Ueber Massage der Prostata und der 

Samenblasen.“ 

3. R. Loeb-Köln a. Rh.: „Ueber die Anwendung der Silberpräparate (spe- 
ziell der, nodernen) bei der Gonorrhoe.“ | 
Schuster-Aachen: „Bemerkungen über gonorrhoische Arthritis.“ 

A. Strauß-Barmen: „Zur Abortivbehandlung der akuten Gonorrhoe.“ 

K. Joos-München: „Keratosis der Harnröhre.“ Mit 2 Abbildungen. 

J. Marcuse-Mannheim: Zur Naturgeschichte der Onanie.“ 

G. Schourp - Danzig: „Zur Abortivbehandlung der Gonorrhoe mittels 

Albargin. 

9. P. Meißner-Berlin: „Abolitionismus und Hygiene.“ 

10. E. Orlipski-Halterstadt: „Ein Beitrag zur Syphilis-Therapie.“ 

11. M. Hirschfeld-Charlottenburg: „Ein Fall von irrtümlicher Geschlechts- 
bestimmung (Erreur de sexe).“ 

12. H. O. Rohleder-Leipzig: „Der Neomalthusianismus.“ 

13. Wilhelm Hammer-Berlin: „Weihnachtsabend auf der größten Prosti- 
tuiertenstation Deutschlands“ (erscheint — wegen Platzmangels — erst 
in Heft 2.) 


ll. Referate: 


1. K. Patschkowski: „Urotropin als Prophylacticum gegen Scharlach- 
nephritis.“ (Aus dem Charlottenburger Städt. Krankenhause). 

2. A. Gaßmann-Basel: „Schwere Nephritis nach Einreibung eines Skab- 
iösen mit Perubalsam.“ 

3. Nobl: „Fehldiagnosen extragenitaler Primäraffekte.“ 


u roe 


Il. Besprechungen: 
1. Max Thal: Scxuelle Moral. 


ir 9: 


l. Originalarbeiten. 


Uber die Fortschritte der Urologie im letzten 
Jahrzehnt. 


Von Dr. G. Brendel-Bad Kreuznach. 


Die Urologie, so lange Zeit die vernachlässigte Tochter der Chi- 
rurgie, hat sich erst in den letzten Dezennien zu einer selbstständigen 
Disziplin der medizinischen Gesamtwissenschaft emporgeschwungen. 
Es ist dies das Verdienst einer Anzahl hervorragender Männer, welche 
ihre Kraft voll und ganz in den Dienst dieses Spezialfaches stellten. 
In der Tat hat deshalb kein anderes Gebiet der Medizin derart enorme, 
auf einen so kurzen Zeitraum zusammengedrängte Fortschritte zu ver- 
zeichnen. Diese Errungenschaften, sowohl für die Harnorgane selbst, .als 
auch für die Wechselbeziehungen derselben zum Gesamtorganismus 
von außerordentlicher Wichtigkeit, brachten uns sowohl eine bedeutend 
erweiterte Erkenntnis der pathologischen Vorgänge bei den Erkrankungen 
der Harnwege, als auch im Änschlusse daran eine erhebliche Bereicherung 
der therapeutischen Maßnahmen. Demjenigen, welcher nicht in der 
Lage ist, die einzelnen Entwickelungsphasen zu verfolgen, dürfte von 
Zeit zu Zeit ein kurzer Überblick wohl nicht unerwünscht sein. 

Entgegen den älteren Anschauungen, daß sich die angefüllte Blase 
trichterförmig in die „Pars prostatica“ erweitere, daß sonach der 
„Sphincter externus“ als der wirksame Verschlußmuskel der Blase 
zu betrachten sei, fand Zeissl seine Ansicht von der Unrichtigkeit dieser 
Theorie durch Versuche an der Leiche bestätigt. Der scharfe Abschluß 
der mit Quecksilber angefüllten Blase gegen die Harnröhre durch den 
„Sphincter internus“ und das Fehlen einer Trichterbildung ließen 
sich im Röntgenbilde deutlich ersehen. Eine praktische Bedeutung hat 
dieser Befund namentlich für die Zweigläserprobe. Da anscheinend ein 
Regurgitieren des Sekretes der hinteren Harnröhre in die Blase nicht 
stattfindet, so würde also eine Trübung der zweiten Portion auf eine 
Blasenerkrankung zurückzuführen sein. 

Auch die Frage, ob bei gleichzeitiger Erkrankung der Blase und 
der Nieren eine aszendierende Tendenz, also eine Verschleppung der 
Krankheitskeime aus dem tieferen in die höher gelegenen Organe an- 
zunehmen sei, wird jetzt zumeist in dem Sinne erledigt, daß in der 
Niere stets das primäre Leiden zu suchen, die Blase also erst sekun- 


= 3 


där infiziert sei. Denn auch bei extremster Füllung der Blase ist ein 
Zurückfließen des Inhaltes derselben durch die Ureteren nicht möglich. 

An Stelle der Operation der Phimose im Kindesalter wird von 
verschiedenen Seiten die unblutige, systematische Dilatation der Vor- 
haut empfohlen. Dieses Verfahren wird solange angewandt, bis das 
Praeputium sich über die Glans zurückziehen läßt; die nun gebildete 
Paraphimose läßt man eine zeitlang unter Borsalbenverband bestehen. 
Nach der Reposition ist ein Vor- und Rückwärtsschieben des Praepu- 
tiums leicht möglich; das Verfahren ist unblutig und ohne Narkose 
durchführbar. Bei älteren Knaben sind manchmal kleinere Inzisionen 
in die Vorhaut nötig. 

Um Schürzenbildung der Vorhaut und das Entstehen von Narben 
im Sulcus bei der Operation der Phimose zu vermeiden, empfiehlt 
Witzel, mit der Cooper’schen Schere ein dreieckiges Stück aus 
der dorsalen Fläche des Praeputiums zu exzidieren. 

Über die Ausführung des aseptischen Katheterismus ist eine 
sehr reichhaltige Literatur entstanden; ich verweise auf die diesbezüg- 
lichen Ausführungen im ersten Jahrgange dieser Zeitschrift. 

Das Instrumentarium für die Harnröhre wurde um ein sehr 
brauchbares Stück vermehrt, den Spüldehner, welcher ein Dilatato- 
rium mit Spülvorrichtung darstellt, aber statt der bisher üblichen zwei 
mit vier Branchen versehen ist. 

Einem eingehenden Studium wurde in der letzten Zeit die Strepto- 
kokken-Urethritis unterzogen, welcher wegen der Langwierigkeit des 
Heilungsvorganges und des Vorkommens von Komplikationen keine 
günstige Prognose zu stellen ist. 

Weitaus das größte Interesse nahmen naturgemäß die gonor- 
rhoischen Erkrankungen für sich in Anspruch. Die Erkenntnis von der 
Wichtigkeit und Bedeutung dieser Krankheiten auf sozialem Gebiete 
hat sich immer mehr Bahn gebrochen. Es wird eine unabweisliche 
Pflicht des Staates sein, Hand in Hand mit den Ärzten zur Besserung 
der. sanitären Verhältnisse energische Schritte zu tun und. die Vor- 
schläge, wie sie namentlich von der „Deutschen Gesellschaft zur Be- 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten“ ausgehen, in die Tat umzusetzen. 
Durch Aufklärung und Belehrung, Unterdrückung des Kurpfuschertums, 
Überwachung der Prostitution u. s. w., wird wohl in absehbarer Zeit 
eine Eindämmung dieser verbreitetsten sexuellen Erkrankung zu er- 
zielen sein. 


Die vielfachen Arbeiten des letzten Jahrzehntes über das Wesen 
1* 


en 


der gonorrhoischen Affektionen, über die Biologie des Gonokokkus 
Neisser etc., hatten zum Teil eine ganz erhebliche Umgestaltung 
unserer bisherigen Ansichten im Gefolge. Es gelang, den Gonokokkus 
einwandfrei, d. h. durch Reinkultur in den verschiedensten Organen 
des Körpers, oft weit entfernt vom ursprünglichen Krankheitsherde, 
nachzuweisen und so eine Reihe von Krankheiten auf gonorrhoische 
Infektion zurückzuführen, deren Vorhandensein man vorher nicht ein- 
mal vermutet hatte; so bei den Entzündungen der Schleimbeutel, 
Sehnen, Sehnenscheiden, des Periostes, der Knochen, der Nerven und 
Nervenzentren; ferner bei Pleuritis, Peri- und Endokarditis, Iritis, 
Muskelatrophie, verschiedenen Erythemformen u. s. w. Die Bahnen, 
auf welchen der Gonokokkus von den primär erkrankten Schleim- 
häuten in die entfernteren Organe gelangt, sind noch nicht sicher er- 
mittel. Wahrscheinlich sind die Lymphgefäße als die Ursachen dieser 
Verschleppung anzusehen. Manche erklären das Auftreten dieser Er- 
krankungen als eine Infektion, welche von den im Körper gebildeten 
Toxinen des Kokkus ihren Ausgang nimmt. 

Die prophylaktische Behandlung der Gonorrhoe hat eine wesent- 
liche Bereicherung erfahren durch den Vorschlag Blokusewski’s, 
sofort nach dem verdächtigen Coitus einige Tropfen einer zweipro- 
zentigen Lösung von „Argentum nitricum“ in die Harnröhrenmündung 
und an das „Frenulum“ zu applizieren. E.R. W. Frank empfiehlt — 
statt des, Schmerz und starke Reizung verursachenden Höllensteins — 
das „Prophylaktol“, eine zwanzigprozentige Mischung von Protargol und 
Glyzerin, eventuell mit Zusatz vom Sublimat 1:2000, um auch etwa 
. vorhandene andere pathogene Keime zu vernichten. Das Prophylak- 
tikum „Viro“ ist eine Glyzerin-Gelatine mit 20 %, Protargol in kleinen 
Zinntuben, „Protektor“ besteht aus einer gallertigen Masse, einer kon- 
zentrierten Lösung von salizilsaurem Quecksilber; andere verwenden 
Giyzerinlösungen mit 10°%, Ichthargan oder 20°% Albargin. Diese 
Vorschläge haben sich im Ganzen sehr gut bewährt, da die Lösungen 
trotz der hohen Konzentration sehr gut vertragen werden; sie haben 
jedoch nicht in genügender Weise Verbreitung gefunden, um auf den 
Prozentsatz der gonorrhoischen Infektion einen wahrnehmbaren Einfluß 
üben zu können. Leider wird eben die Gefahr der Krankheit immer noch 
unterschätzt und auch heute sind die Fälle sehr häufig, wo der Patient 
erst nach wochen-, ja monatelangem Bestehen des Leidens den Arzt 
konsultiert. 

Für diejenigen Fälle, welche jedoch früher, etwa bis zum 4. oder 


Tr e 


5. Tage nach der Infektion zum Arzte kommen, hat die abortive Be- 
handlung warme Lobredner gefunden. Die meisten Urologen verwerfen 
jedoch diese Methode gänzlich, weil die Harnröhre zu stark gereizt, 
das Hinzukommen von Komplikationen gefördert und in den wenigsten 
Fällen eine Heilung erzielt werde. Das ist auch bei den früher an- 
gewandten Mitteln, wie Argentum nitricum, Zinkchlorid, Sublimat etc. 
zutreffend, tritt aber jedenfalls bei den Silbersalzen, auch bei hoch- 
prozentigen Lösungen, weit seltener in die Erscheinung. Es ist daher 
in der letzten Zeit von verschiedenen Seiten empfohlen worden, die 
Abortivkuren unter diesem Gesichtspunkte aufs Neue einer eingehenden 
Prüfung zu unterziehen. | 
Ein anderes abortives Verfahren, angegeben von Janet, besteht 
in einer zweimal täglich (4—6 Tage) vorzunehmenden ausgiebigen Durch- 
spülung der vorderen Harnröhre mit einer Lösung von „Kal. permangan.“ 
1 : 5000—2000. Die Methode bezweckt sowohl die mechanische Ent- 
fernung des kokkenhaltigen Sekretes, als auch vor allem eine seröse 
Durchtränkung und Aufquellung der Mucosa, um den Kokken einen 
ungünstigen Nährboden zu schaffen und dadurch deren Gedeihen zu 
beeinträchtigen. Die Resultate dieser Methode sind jedoch sehr 
schwankend und Verschlimmerungen des Katarrhes und Komplikationen 
kommen dabei nicht selten zur Beobachtung. Über ein ideales Mittel, 
welches allen Ansprüchen genügt, verfügen wir also bis jetzt nicht. 
Seit der Entdeckung des Krankheitserregers durch Neisser hat 
sich das Bestreben der Urologen darauf gerichtet, bei der eigentlichen 
Behandlung der Gonorrhoe solche Mittel in Anwendung zu bringen, 
welche im Stande sind, die Ausbreitung der Kokken zu hindern, resp. 
dieselben zu töten. Von den baktericiden Mitteln, hat das „Argentum 
nitricum“ von jeher einen hervorragenden Platz eingenommen. Da das- 
selbe jedoch durch den Kochsalz- und Eiweißgehalt der Körpergewebe 
sofort gefällt wird, so ist der Effekt der Einwirkung nur von kurzer 
Dauer, namentlich auf die tieferen Schichten der Schleimhaut, Drüsen- 
gänge und die Drüsen selbst, wohin die Gonokokken eingewandert sind. 
Dazu kommt noch die ätzende und daher die empfindliche Harnröhren- 
schleimhaut stark reizende Eigenschaft des Mittels. Man begrüßte 
daher die Entdeckung der organischen Silbersalze als einen hervor- 
ragenden therapeutischen Fortschritt. Da dieselben durch Eiweiß oder 
Kochsalz nicht gefällt werden, so glaubte man, daß dadurch einesteils 
die Irritation der Urethra vermieden, andernteils die Möglichkeit ge- 
geben würde, die Lösungen längere Zeit in der Harnröhre zu belassen, 


s 6 5 


dadurch intensiver auf die Kokken einwirken und namentlich die tieferen 
Schichten der Schleimhaut mit dem Medikament durchtränken zu 
können. Diesen Bestrebungen verdanken ihre Entdeckung eine große 
Anzahl von Präparaten, so Argonin (4,7%, Silber 4 Casein), Argen- 
tamin (Aethylendiaminsilberphosphatlösung 10°,,), Itrol (Citronensaures 
Silber), Largin (11,5%, Silber + Protalbin), Cuprargol, Actol (Argent. lac- 
ticum), argentum eosolicum, Protargol (8,3%, Silber + Protein), Ichthar- 
gan (30°, Silber + Ichtyolsulfosäure), Albargin (15°, Silber resp. 23,6°%,, 
Silbernitrat 4 Gelatose) u. a. Von diesen Präparaten haben sich nur die 
drei letztgenannten vorerst einen hervorragenden Platz sichern können. 
Die Behauptung, daß Protargol besonders große Tiefenwirkung besitze, 
stützte sich nur auf Versuche bei totem tierischen Gewebe und wurde 
von Lohnstein durch eingehende histologische Untersuchungen an der 
Urethalschleimheit lebender Kaninchen widerlegt. Es stellte sich sogar 
heraus, daß die längere Anwendung dieses Mittels zur Entwickelung von 
Rundzelleninfiltraten in der Mucosa und Submucosa führt und geringere 
Tiefenwirkung besitzt, als „Argent. nitric.“ und die beiden anderen Silber- 
salze. Beim Albargin kommt noch als hervorragendes Moment in Be- 
tracht, daß es durch tierische Membranen dialysiert. 

Von den adstringierenden Präparaten, welche besonders im mu- 
cösen und serösen, gonokokkenfreien Stadium zur Anwendung ge- 
langen, konnte sich das Alumnol = sulfosaures Naphthol-Aluminium 
keinen dauernden Platz erwerben; das Crurin = Chinolinwismuthrhodanat 
hat jedoch, und zwar auch für das akute Stadium der Gonorrhoe, viel- 
fach Anerkennung gefunden. 

Bei der Behandlung der gonorrhoischen Erkrankungen sind seit 
langem die Balsamica unentbehrlich geworden. Von den älteren Prä- 
paraten konnte sich nur das reine ostindische Sandelöl behaupten, 
weil es weit seltener wie Copaivabalsam und Cubeben den Magendarm- 
kanal und die Nieren reizt. Da die Ausscheidung der Harnsäuren 
durch die Nieren einen gewissen hyperämischen Zustand dieser Organe 
hervorruft, so liegt die Vermutung nahe, daß eine etwa schon vor- 
handene Reizung der Nieren ungünstig beeinflußt werde. Man hat 
deshalb eine große Anzahl von Modifikationen und Kombinationen ge- 
schaffen, welche eine Verbesserung in dieser Hinsicht bedeuten sollen. 
‚ Diesen Bestrebungen verdanken ihr Entstehen: Gonorol (gereinigtes 
Sandelöl), Salosantal ('', Salol, * ,„Sandelöl), Arheol (gereinigtes Sandelöl), 
Gonosan (0,06 Kawaharz 0,24 Sandelöl), Sandelöl in Glutoidkapseln, 
welchen den Magen ungelöst passieren etc. Diesen anzureihen sind: 





s T 


Oleum cedri atlanticae, Extractum Kawa-Kawa, Extractum Pichi-Pichi, 
Extr. folior. Bucco (Diosmal), Kawaformtabetten (Kawaharz -- Hexa- 
methylentetramin) Arhovin (Additionsprodukt des Diphenylamins und 
der esterifizierten Thymolbenzo&säure und andere. 

Von den therapeutischen Maßnahmen bei chronischer Gonorrhoe 
haben sich die Janet’schen Spülungen gut bewährt. Sie bewirken 
eine gründliche Entfernung des Sekretes, durch die starke Dehnung 
der Schleimhaut werden alle Falten ausgewaschen und behandelt gleich- 
zeitig die Urethra anterior, die meist mitergriffene Urethra posterior 
und die Blase. 

Im subakuten und chronischen Stadium der Urethritis anterior 
leisten auch die Kutner’schen Druckspülungen ausgezeichnete Dienste. 
Die Medikamente gelangen in alle Schleimhautfalten, der Compressor 
Urethrae kontrahiert sich bei starkem, kurzdauernden Drucke reflek- 
torisch und verhindert das Eindringen von Flüssigkeit in die Pars pro- 
statica oder Blase. 

Die Bier’sche Stauung hat auch in der Behandlung der gonor- 
rhoischen Gelenkentzündungen rasch Aufnahme gefunden. Die Resul- 
tate sind als sehr günstige zu bezeichnen: die Schmerzhaftigkeit im 
Gelenke verschwindet sehr bald und der Erguß gelangt zur spontanen 
Resorption. 

Erwähnt sei noch der Versuch, bei chronischer Gonorrhoe das 
Lichtheilverfahren mittels Einführung sondenartiger Instrumente in die 
Urethra in Anwendung zu bringen. 

Im Gegensatz zu der Myomtheorie Guyon’s verficht Rovsing 
die Anschauung, dafl die Prostatahypertrophie auf einer Hyperplasie 
des Drüsengewebes beruht. Er sieht darin nur den rein reflektorischen 
Versuch der Natur, eine beginnende senile Insuffizienz zu kompen- 
sieren durch Vermehrung des Prostatasekretes, wodurch eine Ver- 
Vergrößerung der Drüse zu Stande kommt. 

Von den blutigen Eingriffen bei der Prostatahypertrophie bevor- 
zugt Freyer die suprapubische Prostatektomie, welche in „Sectio alta“ 
und Entfernung der Drüse in „toto“ ohne Kapselverletzung besteht. 
Dies Verfahren erscheint besonders von Vorteil, wenn der Mittellappen 
sehr stark hervortritt oder gestielt ist. Eine stärkere Verletzung der 
„Pars prostatica“ ist dabei oft nicht zu umgehen. 

Die perineale Prostatektomie brachte Albarran wieder zu Ehren 
und empfahl sie besonders bei diffuser Hypertrophie der Lappen und 
bei günstigem Allgemeinzustande. 


= e 


Als eine konservative Operationsmethode kam die subperineale 
‚Prostatopexie zur Einführung. Sie besteht in Freilegung und Isolierung 
der Prostata zum Zwecke der Verlagerung nach vorn und unten, dicht 
über den „anus“. Ob dieses Verfahren dauernde Resultate zur Folge 
hat, muß erst die Zukunft lehren. 

Ein sehr aussichtsreiches Verfahren stellt die „Excochleatio“ der 
‚Vorsteherdrüse nach Riedel dar, eine intrakapsuläre Auslöffelung, bei 
welcher eine Verletzung der Urethra jedoch schwer zu vermeiden ist. 

Unter den sexuellen Operationsmethoden zur Beseitigung der 
Prostatahypertrophie sind solche zu verstehen, welche auf eine Ver- 
ödung der Genitalien und eine daran sich anschließende Schrumpfung 
der drüsigen Bestandteile der Prostata hinzielen. Sie kommen also 
nur bei der „Hypertrophia glandularis“ in Betracht. Die anfängliche 
Begeisterung für diese Operationen hielt nicht lange an und heute 
redet ihnen fast niemand mehr das Wort. Es wurde ausgeführt: die 
doppelseitige Kastration, die doppelseitige Unterbindung der „Art. iliaca 
interna“ und die doppelseitige Durchschneidung der „Vasa deferentia“, 
welch letzterer Eingriff noch der harmloseste war. Die Wirkung dieser 
Operationen war sehr unbeständig und meist nur vorübergehend, stand 
jedenfalls in keinem Verhältnisse zur Größe der Gefahr. 

Eine ganz hervorragende Stellung hat sich das schon 1874 von 
Bottini angegebene Verfahren erobert, bei welchem eine galvano- 
kaustische Spaltung des hypertrophischen Teiles mit einem, durch die 
Harnröhre eingeführten Instrumente (Incisor) vorgenommen wird. Da- 
durch entsteht eine Rinne, durch welche der Urin freien Abfluß ge’ 
winnt. Diese schon fast vergessene Operationsmethode hat neuerdings 
in Freudenberg einen warmen Lobredner gefunden, welcher sich 
durch vielfache Verbesserungen des Instrumentariums und genaue Aus- 
bildung der operativen Technik große Verdienste erworben hat. Die 
Operation kann auch bei schlechtem Ernährungszustande des Patienten 
vorgenommen werden, wie es bei den blutigen Verfahren meist nicht 
der Fall ist. Die Erfolge sind wohl sehr ermutigend, doch wird in 
den zahlreichen Publikationen auch über manchen Mißerfolg berichtet; 
auch kann es bei dieser Operation zur gefahrvollen Blutung und zur 
Gangrän kommen. 

Die Versuche mit der Organotherapie bei Prostatahypertrophie 
wurden nicht lange fortgeführt, da absolut keine Einwirkung zu er- 


sehen war. — 
(Schluß folgt.) 


DE: 


Über Massage der Prostata und der Samenblasen. 
Von Dr. Artur Hennig-Königsberg i. Pr. 


Seit den ersten Veröffentlichungen über die rektale Massage der 
Prostata von Ebermann und Thure Brandt anfangs der neunziger Jahre, 
ist dieselbe — wie im Anschluß an sie die Massage der Samenblasen — nun 
im großen und ganzen Allgemeingut der Urologen geworden und zwar 
sowohl zwecks Untersuchung dieser Organe und ihrer Sekrete wie 
auch zur Therapie; nur ganz vereinzelt tauchen noch Stimmen auf, 
die den Wert derselben wesentlich einschränken, ja teilweise vollständig 
leugnen wollen. (Grosglik, Chelwood). Studiert man jedoch eingehend 
die einschlägige Literatur, so fallen einem die großen "Differenzen der 
Ansichten der Autoren in bezug auf Indikationen und Kontraindikationen 
wie besonders der Technik auf und man darf leider behaupten, daß in 
diesem wichtigen Kapitel eine große Reihe von Fragen noch lange nicht 
genügend geklärt sind; diese wollen wir nun heraussuchen, kritisch be- 
leuchten und unsere langjährigen Beobachtungen mitteilen. 

Es wird immer noch von mancher Seite behauptet, daß man 
nicht imstande sei, die Prostata in ihrer Totalität, wenigstens nicht 
genau den oberen Rand der Basis abzutasten; dieser Behauptung muß 
entschieden entgegen getreten werden, solange es sich um normale 
oder um nur mäßig vergrößerte Drüsen handelt, nur bei enormen 
Vergrößerungen, wie bei der akuten Prostatis und Periprostatis, bei 
sehr ausgedehnten Abscessen der Drüse oder ihrer Umgebung und bei 
Tumoren derselben, gelingt es bisweilen nicht ohne Narkose, die ganze 
Drüse auch in ihren oberen Abschnitten abzutasten, doch sind dies 
Ausnahmen. Wenn ich von einer Abtastung spreche, so verstehe ich 
darunter lediglich die Untersuchung des betreffenden Organs mit dem 
Finger und zwar mit dem Zeige- und nicht mit dem Mittelfinger der 
rechten Hand, wie Kis vorschlägt, ohne jedes Instrument und hieran 
anschließend, will ich sogleich die Technik derselben wie die der Mas- 
sage besprechen. Eine feinere Untersuchung kann nur mit dem Finger 
stattfinden, denn nur in der Fingerbeere haben wir das wohlausgebil- 
detste Tastgefühl, das uns Aufschluß über Größe, Form, Konsistenz, 
Sensibilität, Sitz der Erkrankung geben kann, und aus diesem Grunde 
empfehle ich die Prostata stets und immer ohne Condom, ohne 
irgend eine schützende Decke direkt mit dem Finger zu unter- 


suchen; fettet man den Zeigefinger tüchtig ein, führt ihn langsam ohne 


jede Gewalt und ruhig tastend, schonend per anum in das rectum ein, 


so gelingt es bis auf wenige Fälle wohl stets und immer, die Prostata 
in ihrer ganzen Ausdehnung sorgfältig zu betasten behufs Stellung der 
Diagnose sowie in diagnostischer oder therapeutischer Hinsicht die 
Expression und Massage auszuführen; gewöhnlich gelingt es mit dem 
rechten Index, beide Lappen abzutasten, doch kommen auch Fälle vor, 
in denen es vorteilhafter ist, den rechten Lappen mit dem rechten und 
den linken mit dem linken Zeigefinger zu untersuchen resp. zu behan- 
deln. In betreff der Lagerung bei der Untersuchung gehen die An- 
sichten gleichfalls bedeutend auseinander, doch halte ich es nicht für 
richtig, in diesem Punkte bestimmte Vorschriften zu geben, weil sich 
manche Fälle am besten in Rückenlage, andere in vornübergebeugter 
Stellung, noch. andere in Knieellenbogenlage oder gar in seitlicher 
Lagerung untersuchen resp. behandeln lassen. 

Ob man bei voller oder leerer Blase untersucht, ist irrelevant, 
doch gelingt es leichter, die Drüse bei mäßig gefüllter Blase auch ohne 
Einführung eines Bougies abzutasten, zumal wir bei der Untersuchung 
ja auch gleichzeitig auf das Sekret derselben ein besonderes Gewicht 
zu legen haben; erscheint das Sekret nach kräftiger Abtastung der 
Drüse resp. Expression am „orificium urethrae‘‘, so empfiehlt es sich, 
bei — im übrigen bezüglich der Untersuchung sich gleichbleibenden Ver- 
hältnissen — von vornherein die vornübergebeugte Stellung oder die 
Knieellenbogenlagerung einnehmen zu lassen; erscheint kein Sekret bei 
der Expression am „orificium“, so kann es direkt in die Blase geflossen 
sein, und wir werden dasselbe dann mit Leichtigkeit im Sediment des 
nach der Expression gelassenen Harnes auffinden. 

Wenden wir uns nun der Technik der Prostatamassage selbst 
zu; in betreff der Lagerung gilt dasselbe wie für die Untersuchung 
im allgemeinen, doch hat man, meiner Überzeugung nach, die meiste 
Kraft, resp. kann man dieselbe in feinster Weise ganz besonders in der 
Rückenlage des Patienten dosieren und zwar dann, wenn Patient mit 
gespreitzten Beinen, heraufgezogenen Knieen und tiefliegendem Ober- 
körper auf einer festen Unterlage in der Höhe eines Operationstisches 
liegt. Der Masseur setzt dann das rechte resp. linke Bein auf einen 
Stuhl, je nachdem er mit der rechten oder linken Hand massiert, den 
Ellbogen stützt er in die betreffende Inguinalgegend und geht in dieser 
Stellung, nachdem er sich schonend bis zur Drüse getastet, langsam, 
zart und vorsichtig zur Massage über; in manchen Fällen wird sich 
vielleicht die vornübergeneigte Stellung oder die Knieellenbogenlage 
besser als die eben angegebene Position eignen, das muß eben in 


s e = 


jedem einzelnen Falle der besonderen Einsicht eines geübten Operateurs 
überlassen bleiben. 

Die Massage ist sehr verschieden auszufūhren, je nach dem er- 
wünschten Effekt; zur Sekretuntersuchung genügt es im allge- 
meinen: vollständig, kurze Zeit streichende, glättende und zirkelförmige 
Bewegungen zu machen, bis ev. Sekret am „orificium“ erscheint, und 
zwar empfiehlt es sich, stets ganz systematisch vorzugehen, erst einen 
Lappen, dann den andern zu massieren resp. zu exprimieren und den 
ev. Ausfluß auf eine untergehaltene Glasscheibe aufzufangen, weil schon 
häufiger auf diese Weise festgestellt werden kann, ohne daß die exakte 
Digitaluntersuchung wesentlichere Unterschiede in beiden Lappen er- 
gibt, welcher von beiden erkrankt ist, zumal es oft vorkommt, daß 
nur der eine Lappen pathologische Veränderungen aufweist, während der 
andere normal ist. Handelt es sich dagegen um Abscesse, so wird man 
selbstverständlich in der Expression und Massage, die natürlich nur dann 
ausgeführt werden darf, wenn man fühlt und sieht resp., wenn sich aus der 
diagnostischen Untersuchung ergeben hat, daß das Sekret in die Harn- 
röhre resp. Blase abläuft, die Drüse sich unter dem massierenden Finger ver- 
kleinert, so lange fortfahren, bis kein Sekret am „orificium“ erscheint, oder 
man keine weitere Verkleinerung des Organs palpatorisch wahrnimmt. 

In ähnlicher Weise wird man bei reinen Stauungen in der 
Drüse vorgehen, in denen es durch Überdehnung insuffizient gewördener 
Drüsengänge zur Stagnation gekommen ist; man wird zunächst immer 
mit leisen, reibenden Bewegungen auf der Oberfläche der Drüse und 


“ in ihrer nächsten Umgebung den Lymph- und Blutstrom etwas ent- 


lasten und dann erst qualitativ wie quantitativ auf die Drüse selbst 
einzuwirken suchen; bei dieser Form der Drüsenerkrankung fühlt man 


'stets weichere Stellen, die sich leicht eindrücken lassen im Gegensatze 


zu anderen, härteren Partieen, die der Massage resp. der Expression 
widerstehen; auf diese hat man jedoch ganz besonders sein Augen- 
merk zu richten, weil hier gerade der Herd der Erkrankung zu sitzen 
pflegt. Ganz verfehlt wäre es nun, mit grober Gewalt diese Stellen 
zur Lösung resp. Verkleinerung zu bringen, sondern im Gegenteil muß 
man in diesen Fällen langsam, schonend, vorsichtig und stets einge- 
denk der kausalen Indikation im allgemeinen vorgehen, hier zeigt sich 
der Meister der Massage in der Beschränkung und der feinsten Dosierung 
seiner Kraft; stets muß darauf Rücksicht genommen werden, daß durch 
die Behandlung dem Kranken nicht Schmerzen zugefügt, sondern seine 
Beschwerden erleichtert werden, der Kranke muß sich nach jeder 


Fr a 


Sitzung freier, leichter, frischer, energischer, weniger krank fühlen. 
Treten jedoch nach einer Prostatamassage resp. Expression der Drüse 
körperliches Unbehagen, vermehrte Beschwerden im Darm, am Perineum, 
in der Drüse selbst, der Blase, Urethra, Hoden oder Nebenhoden, 
Schwere im Becken, nervöse Unruhe im Körper, alle möglichen Hyper- 
ästhesien, Druck im Gehirn, blutiger Ausfluß oder blutiger Harn (geringe 
Blutbeimengungen im Expressionsekret finden sich öfters beim Prostata- 
abszeß und sind ganz irrelevant) auf, so ist entweder in einem unge- 
eigneten Falle oder viel häufiger in ungeeigneter Weise massiert 
worden, eine Beobachtung, die ich in letzter Zeit leider häufiger an 
Patienten gemacht habe, die in sinnwidriger Weise behandelt worden 
waren. Die Prostata-Massage ist kein irrelevanter, kein harmloser Ein- 
griff und kann, in verkehrter Weise ausgeführt, große Gefahren und 
Nachteile dem Kranken bringen, Nachteile, die auch der intelligenteste 
Urologe bisweilen nicht wieder gut machen kann und daher kann 
schon an dieser Stelle nicht genug gewarnt werden vor der von 
manchen Praktikern jetzt häufiger geübten sinn- und maßlosen Prostata- 
massage, denn auch sie verlangt, wie Bum richtig betont, präzise 
Indikationsstellung und genaueste Kenntnis der Effekte. 

Mit besonderer Vorsicht muß endlich die Massage der Drüse 
bei einfachen Kongestionszuständen derselben oder als Teiler- 
scheinung bei allgemeiner Blut- und Lymphüberfüllung, bei Stauung 
in dem gesamten Sexualgebiete, bei Hyper-, An- und Parästhesien der 
Geschlechtsorgane ausgeführt werden; unmöglich ist es natürlich, eine 
genaue Dosierung der Stärke wie der Zeitdauer der einzelnen Sitzungen 
anzugeben, weil sich gerade bei diesen Fällen jeder Schematismus 
aufs schwerste rächt und nur individualisierend vorgegangen werden 
darf und muß; wir sehen also bei der Behandlung der betreffenden 
Krankheiten sich enorme Schwierigkeiten auftürmen, die für einen allge- 
meinen Praktiker schier unüberwindlich sind, zumal alle diese Erkran- 
kungen noch eine ganze Reihe rein spezialistisch-urologischer Maßnahmen 
erheischen, bei denen die Prostatamassage nur ein Glied, allerdings ein 
sehr wichtiges, in der langen Kette des therapeutischen Ringes bildet. 

Ich hoffe nun im großen und allgemeinen die Krankheitsgruppen 
skizziert zu haben, in denen wir erfahrungsgemäß die Prostata-Ex- 
pression und Massage mit günstigem Erfolge auszuführen im stande 
sind und will jetzt noch, bevor ich auf die Indikationen zur mecha- 
nischen Behandlung der Vorsteherdrüse übergehe, die Wirkungen 
derselben kurz besprechen. 


— 13 — 


Dieselben bestehen: 

1., in der Bekämpfung der glandulären Kongestion und 
zwar sowohl der endothelialen, der interstitiellen wie der periglaudulären 
und deren Folgezustände, wodurch eine Abschwellung der Prostata 
bewirkt, der Blut- und Lymphstrom reguliert, nervöse Störungen be- 
seitigt, Urinbeschwerden etc. behoben werden; die Turgescenz der 
Drüse wird herabgesetzt (Kutner); 

2., in derdirekten mechanischen.Entleerung der Drüsen- 
räume wie der Ausführungsgänge derselben von dem in den 
erweiterten Drüsengängen stagnierenden entzündlichen Sekret einschließ- 
lich der Bakterien und dadurch hervorgerufen eine energischere Kraft- 
entfaltung der Drüsengänge, Verminderung und Aufhören der subjek- 
tiven Klagen, Wiederkehr der Drüse zur normalen Funktion; 

3. in der Kräftigung und dem Wiederbeleben der 
Nerven der Drüse selbst wie der benachbarten Organe, besonders 
Samenblasen und Blase, dadurch erhöhte Lebenstätigkeit der Drüse 
(Kutner) und der Veränderung des Prostatasaftes in seiner Wirkung 
auf die Spermatozoen (Fürbringer). 

Fassen wir den Inhalt dieser drei Punkte kurz zusammen, so 
wird nach Beseitigung der Turgescenz der Drüse, der Anbahnung eines 
normalen Blut- und Lymphstromes, der Entleerung der Drüse von 
pathologischen Sekreten und der Anregung der Nerven zu normaler 
Tätigkeit ein erhöhter Stoffwechsel stattfinden, „wodurch die Drüse 
leichter ihre physiologische Aufgabe erfüllen, aber auch 
die pathologischen Bestandteile schneller fortschaffen kann“ 
(Kutner). 

Die Prostatamassage ist indiziert: 

1. zur Diagnose, 
2. zur Therapie. 

Was den ersten Punkt anbetrifft, so wird sie noch lange nicht 
genügend für diesen Zweck in Anwendung gezogen; ich stehe nicht 
an zu behaupten, daß es notwendig ist, bei jeder Erkrankung des Sexuale 
wie aber auch bei einer Reihe von Klagen, die sich auf die Nierenge- 
gend, den Unterleib im allgemeinen, auf Defäkationsanomalien etc. 
beziehen, die Prostata einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen, 
und zwar hat sich dieselbe nicht allein auf eine etwaige Volumszunahme 
oder sonstige digital nachweisbare Veränderungen der Drüse selbst zu 
beschränken, sondern auch in jedem einzelnen Falle ist das Sekret 
der Drüse ev. wiederholt zu untersuchen. (Fortsetzung folgt.) 


m A 


Über die Anwendung der Silberpräparate (speziell 
der modernen) bei der Gonorrhoe. 


Eine Betrachtung für den praktischen Arzt. 
Von R. Loeb, ‚Arzt für Harnleiden, Köln a. Rhein. 


Seitdem Neißer und seine Schule (vom Jahre 1897 an) die 
Silbereiweißpräparate in die Behandlung der Gonorrhoe eingeführt 
haben, seitdem auch die größte Mehrzahl der Autoren sich ganz im 
Sinne Neißers durchaus günstig für die neue Therapie ausgesprochen 
haben, sind die Silberpräparate bei der Mehrzahl der deutschen Ärzte 
die beliebtesten und meist angewandten Antigonorrhoica geworden. 
Erst in den letzten Jahren haben wieder einzelne Autoren gegen die 
Silbertherapie Stellung genommen und erklärt, daß man mit den alten 
Methoden ebensogut und ebensoschnell voran käme; manche ganz 
radikale wollen schon wieder von den anfänglichen Injektionen nichts 
wissen und reden der alten expectativen Therapie das Wort. Ich will 
hier von Litteraturangaben absehen und nur auf 2 Arbeiten dieser 
Zeitschrift, die ihrerseits teilweise Litteraturangaben enthalten, ver- 
weisen: „Interne Behandlung der Gonorrhoe“ von S. Boß-Straßburg 
(Jahrg. I, Heft 1, 2). — „Über den Wert der Abortiv-Behandlung der 
akuten Gonorrhoe“ von R. Lucke-Magdeburg (Jahrg. I (1904), Heft 9 
der „Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene“). 

Trotz aller Silbermittel, trotz Protargol, Argentamin, Largin, 
Ichthargan, Argonin, Albargin, Itrol, Novargan ist demnach die Behandlung 
der Gonorrhoe noch keine leichte geworden, auch trotz aller verbesserten 
Technik der Urethralinjektionen nicht, wie da sind: neue Gonorrhoe- 
spritzen mit teilweise größerer Kapazität, Janet’sche Spülungen, 
Guyon’sche und Diday’sche Instillationen, prolongierte Neißer’sche 
Injektionen etc. etc. Auch auf dem Gebiete der Technik differieren 
die Ansichten ebenso wie bezüglich der einzelnen Mittel, nur in bezug 
der Dauer vieler Gonorrhoeen hört man von allen Seiten das Zuge- 
ständnis, daß dieselben sich oft über 2 Monate hin ausdehnen 
können. 

Greifen wir nun einmal zu den betreffenden Lehrbüchern und 
Handbüchern älteren Jahrganges (vor der Entdeckung des Gonococcus) 
und gehen wir gar bis auf die Mitte resp. Anfang vorigen Jahrhunderts 
zurück, so erfaßt uns Erstaunen ob der Einfachheit der Behandlung: 
Bettruhe, blande abführende Diät; innerlich Balsamica, Copaiva, Cubeben, 


er le; 


später Tannin, Zinkvitriol, Bleiacetat, argentum nitr.-Injektionen; kei 
den noch älteren Autoren Einspritzungen mit Rotwein, Catechu, Cortex 
(quercus et chinae, gummi kino, radic. Ratanhiae etc.). Mittel, die noch 
heute, viel mehr als man ahnt, von Kurpfuschern mit mehr oder minder 
Erfolg angewandt werden und Naturheilkundigen, die ihre Kenntnisse 
— wie allbekannt — weniger aus der Natur, als aus diesen alten Büchern 
beziehen, während wir modernen Ärzte oft zu unserem Nachteil diese 
historischen Quellen zumeist mehr vernachlässigen, als sie es in der 
Tat verdienen. 

Die Dauer des akuten Trippers wird in diesen alten Büchern 
auf 10—30 Tage angegeben (??), nur bei falscher Behandlung (2) soll 
der akute schnell und leicht heilende und dankbar zu behandelnde (?) 
Tripper in das chronische Stadium übergehen, dem allerdings die da- 
maligen Ärzte ziemlich ratlos gegenüberstanden, weshalb auch noch 
heute im Volke die vielfach verbreitete Ansicht herrscht, der chronische 
Tripper sei unheilbar. l 

Wenn wir auch nicht verpflichtet sind, unseren alten Kollegen alles 
aufs Wort zu glauben — fehlte ihnen vor allem das Mikroskop, um 
das Vorhandensein oder Fehlen von Gonococcen überhaupt zu beur- 
teilen —, so können wir ihnen doch unmöglich abstreiten, daß sie 
mittelst Bettruhe, mittelst Copaiva, Catechu und Kino-Injektionen viele 
Fälle von akutem Tripper ebenso schnell zur Heilung gebracht haben, 
wie wir Modernen. 

Angesichts dieser historischen Tatsache, angesichts des Wider- 
streits der Meinungen der modernen Autoren und Spezialisten, drängt 
sich dem nicht voreingenommenen die Frage auf: Können wir denn 
nicht ebensogut auf unsere ganze Silbertherapie verzichten oder be- 
deutet sie doch einen Fortschritt gegenüber unseren alten Methoden? 

Wie allgemein bekannt, sollen die Silberpräparate die Gonococcen 
direkt töten im Gegensatz zu den Adstringentien, die zunächst auf die 
Entzündung der Schleimhaut lindernd und so erst indirekt gonococcen- 
tötend wirken sollen. Ohne mich auf theoretische Untersuchungen 
dieser Art einzulassen, will ich gleich zur Beantwortung unseres Themas 
schreiten und hier gleich vorwegnehmen, daß ich von meinem Stand- 
punkte trotz allen Skeptizismus die Frage des Fortschrittes 
der modernen Gonorrhoebehandlung seit Einführung der 
Silberpräparate bejahen muß (ich rechne selbstverständlich den 
alten Höllenstein mit hierher zu den Silberpräparaten im Gegensatz zu 
den Adstringentien.. Den besten Beweis hierfür liefern mir die allge- 


=. TE = 


mein anerkannten Fortschritte, welche wir auf dem Gebiete der 
Gonorrhoe-Prophylaxe und der Abortivkuren durch Einfüh- 
rung der Silbermittel gemacht haben — war doch vorher 
von Prophylaxe kaum die Rede! (Vergleiche: Blokusewski „Die 
Entwicklung der persönlichen. Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten‘‘ 
(Monatsberichte für Urologie Bd. IX, Heft 11, 1904). 

Daß prophylaktische Instillationen von Höllenstein und anderen 
Silberpräparaten unmittelbar ‚post cohabitationem‘‘ das Entstehen von 
Gonorrhoe überhaupt aufhalten können, haben viele Untersuchungen 
und Arbeiten in den letzten Jahren bestätigt; ich erinnere an die Ar- 
beiten von Cred&, Lange, Hausmann, Blokusewski, Neißer, 
M. Joseph, Kopp, Ledermann, Marschalko, Frank, Welander, 
Strebel, Biermann, von Zeißel, Bettmann, Engelbreth, 
Porosz, Lucke etc. etc.; ich verweise desgleichen auf meine Arbeit 
„Ein statistischer Beitrag zur Prophylaxe der geschlecht- 
lichen Krankheiten“ von R. Loeb (Dermatologisches Zentralblatt 
No. 11, V. Jahrgang) und eine in diesem Monat schon teilweise er- 
schienene Arbeit: „Über den Wert der modernen Instillationsprophy- 
laxe der Gonorrhoe“ von R. de Campagnolle (Zeitschrift zur Be- 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten Bd. 3, No. 1, 1904/05) — Arbeiten, 
in denen zum ersten Mal ein ausgedehnteres statistisches Material für 
den Nutzen der prophylaktischen Injektionen beigebracht wird. Die 
Ergebnisse meiner Statistik sind folgende: „Von 45 positiv be- 
weisenden mit 20%, Protargolinstillationen behandelten Fällen kamen 
nur 4 Infektionen mit Gonorrhoe zu stande; von 32 mit 2%, arg. 
nitr.-Instillationen zwei Infektionen; von 33 Fällen, die mit pro- 
phylaktischen Instillationen meiner kombinierten Lösung (argent ni- 
tricum, cocainum nitricum 2°/,) behandelt wurden, kam nur eine 
Gonorrhoeinfektion vor. — — — Positiv sind für mich „unter dem 
Gebrauch der Prophylaxe lange durch Monate und Jahre hindurch be- 
obachtete Patienten, womöglich solche, die ohne die Prophylaxe 
früher vielfach während ihres sexuellen Lebens Infektionen ausgesetzt 
waren“, zu verstehen. 

Campagnolle kommt zu ganz ähnlichen Resultaten wie ich: 
„6 Männer, die mit notorisch, 29, die mit wahrscheinlich gonorrhoisch 
erkrankten Frauen koitierten, sind durch die Prophylaxe vor Infektion 
geschützt worden; in 5 Fällen trat Infektion ein.“ „Vielleicht ist 
diese etwas erhöhte Ziffer im Vergleich zur Statistik Loebs zufällig, 
sagt Campagnolle. jedenfalls haben Campagnolle und ich an 


= i7 e4 


einem statistischen Material den Nachweis erbracht, daß die Schutz- 
kraft der prophylaktischen Injektionen immerhin als eine beträchtliche 
zu bezeichnen ist. Der Schluß der Arbeit von Campagnolle ist noch 
nicht erschienen. 

Von den prophylaktischen Injektionen gehe ich zur Abortivbe- 
handlung über. Es darf nicht verschwiegen werden, daß noch heute 
viele, ja die meisten Autoren sich jeglicher Abortivbehandlung ab- 
lehnend, zum mindesten skeptisch gegenüber verhalten; andererseits 
haben jedoch in der letzten Zeit sich viele wiederum zu. gunsten der 
Abortivbehandlung ausgesprochen: ich verweise nur auf Blaschko, 
Fuchs, Engelberth (Monatshefte für prakt. Dermatologie 39, No. 2) 
— Annales de mal. de org. genito — urin. 1904), — Bettmann (Mün- 
chener med. Wochenschrift 1904, No. 28), — Porosz (Monatsschrift für 
Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene, Jahrg. I, Heft 9), ferner: Ull. 
mann, Zur präventiven, abortivren und Frühbehandlung des Trippers 
(Wiener mediz. Blätter 1897 (43—46), — Welander, Zur Frage der 
abortiven Behandlung (Monatsh. f. pr. Dermat. 1887, Nr. 4), — Blank, 
Über abortive Behandlung (Med. Woche 1900, Nr. 17). 

Unter den Abortivmitteln stehen die Silbermittel entschieden oben- 
an. Auch ich habe sie vielfach und mit Erfolg zu Abortivkuren an- 
gewandt; und das wird. meines Dafürhaltens jeder etwas geschickte 
und geübte Techniker, wenn er sich nur die richtigen Fälle für Abortiv- 
kuren aussucht, d. h. solche, die möglichst frisch sind, höchstens 
1—2 Tage alte „post infectionem“ (nach Lucke ist bis zum 6. Tage 
noch Aussicht auf Erfolg vorhanden). Oft genügen 2—3, oft erst 
8—10 dieser Injektionen; nicht immer, aber häufig ist noch eine Nach- 
behandlung des Katarrhs vonnöten. Vorsichtig angewandt, speziell 
nur auf die vordere Harnröhre ausgedehnt, rufen diese Instillationen 
hie und da wohl stärkere Reizerscheinungen, starke Schmerzen, profuse 
Eiterungen, Schwellungen, Harnverhaltungen und Blutungen hervor; 
aber ich habe niemals tiefergehende Störungen, wie Cystitiden, Epidi- 
dymiditen, längere Harnverhaltungen bemerkt, wie mir solche nach 
Janet’schen Spülungen und Injektionen mit größeren Spritzen unter 
Druck wohl zu Gesicht gekommen sind. Bricht man nach diesen Reiz- 
erscheinungen dann mit der Abortivkur ab, verordnet strikte Ruhe, Eis, 
eventuell Narcotica, so gehen die akuten Reizerscheinungen baldigst 
zurück — — die Abortivkur ist zwar mißglückt, aber man erlebt meisten- 
teils die Freude, daß die Gonorrhoe milder verläuft als sonst. Auch 
Bettmann und Lucke bestätigen dies. Sonst sind starke Reizer- 

2 


Ei J8 


scheinungen und profuser Eiter allein nicht immer Kontraindikation, 
die Abortivkur einzuleiten, speziell dann nicht, wenn die Gonorrhoeen 
erst 1—2 Tage alt sind (hier trifft man, allerdings seltener, ja auch 
hie und da schon reichlich Gonococcen mit Eiter).. In 3—4 solcher 
Fälle, an die ich anfangs nur mit Zagen und auf Zureden der Patienten 
herantrat, ist mir wider Erwarten ein Koupieren des Proceßes auffallend 
schnell geglückt (vergleiche: Bettmann (Münch. med. Woch. 1904, 
No. 28), der sich ähnlich ausspricht. Ich hebe noch hervor, daß 
Bettmanns wie Luckes Statistiken doch sehr günstig sind, erstere 
spricht von 47°/,, letztere von 41°,, geglückten Abortivkuren; 
meine Statistik (Zahlen kann ich z. Z. noch nicht genau angeben) 
dürfte ein ähnliches Resultat haben. 

Auf die Technik der Instillationen selber einzugehen, liegt ja 
eigentlich nicht mehr im Rahmen dieser Untersuchung, doch einiges 
. sei der besonderen Wichtigkeit halber hier noch erwähnt. Ob wir uns 
nach Bettmann eines sterilisierbaren Haarfederkielpinsels (bezogen von 
der Firma Kroll in Heidelberg), oder — wie die meisten Autoren (so Lucke 
und ich) — der Guyon’schen Instillationsvorrichtung mit einem Instil- 
lationskatheter 11—14 Filiere Charriere bedienen, ist nach meinen Er- 
fahrungen gleichgiltig, zumal: da die innige mechanische Berührung, 
auf die Bettmann mit Recht ein Hauptgewicht legt, auch mittels 
des am Ende knopfförmig verdickten Instillationskathetors 
erreicht werden kann, besonders wenn man Harnröhre a 
Bougie und Finger noch gründlich massiert. K 


Daß ich Janet’sche Spülungen auch mit Silberlösungen ihre, 


Gefährlichkeit halber verwerfe (Epididymitis Cystitis!), habe ich schon 
ausgeführt; von Kalipermanganat- und Hydrargyrumoxycyanidlösungen 
habe ich zu Abortivzwecken nie viel erfreuliches gesehen. Das 
Sublimat wirkt nicht nur zu reizend, sondern steht dem argentum auch 
weit hintenan; kommen doch heute, wo das Sublimat ein so popu- 
läres Mittel geworden ist und in so viel unberufene Hände gelangt, 
vielfach Patienten zu uns, die sich „post coitum“ eine recht starke 
Sublimatinjektion gemacht haben und — nebst einer eitrigen Harn- 
röhrenentzündung — einen frischen Tripper aufweisen. 

Als Abortivmittel stehen demnach die Silbersalze allen anderen 
weit voran, nur wird allerjüngst von Porosz dem „argentum nitri- 
cum“ das 1—2°/, „acidum nitricum“ vorgezogen (Monatshefte für Urol. 
1904, No. 2. — Monatshefte für Dermatol. Bd. 38, No. 10), hinüber 
fehlen bisher eigene Erfahrungen. Es ist die weitere Frage zu 


j 
N 


! 





stellen, welches der Silbermittel — es werden ja bald unend- 
liche — verdient den Vorzug? 

Ich persönlich bevorzuge immer noch die alte Höllenstein- 
lösung; sie hat wohl das Unangenehme stärkerer Reizbarkeit 
und ist deshalb in der Konzentration einer 1—2°/,-Lösung leider oft 
nicht anzuwenden; aber wenn man mit Höllenstein experimentieren 
kann, so habe ich wenigstens mit meinen Abortivkuren immer mehr 
` Glück gehabt, als wenn ich eine 20°/, Protargollösung anwandte (ver- 
gleiche auch: R. Loeb, Stat. Beitrag zur Prophylaxe [Dermat. 
Zentralblatt V, No. 11]. Eine 8%, —15%, Albarginlösung scheint 
mir dem Protargol vorzuziehen zu sein; dazu hat das. Mittel noch 
andere Vorzüge, ist weniger leicht zersetzbar und beschmutzt Hände 
und Wäsche weit weniger (vergleiche: Walter Pick — Therapie der 
Gegenwart 1903; — Klotz; — Medical News 1902). — Lucke zieht 
neuerdings 15°/, Novarganlösung vor (Monatsschrift f. Harnkrankh. u: 
sex. Hygiene, Jahrg. I, Heft 9). 

Diese klinischen Erfahrungen der Praxis sehe ich zu meiner 
großen Freude bestätigt durch eine allerjüngst erschienene, sehr wert- 
volle experimentelle Untersuchung von Lohnstein (Experimentelle 
Untersuchungen über die Wirkungen einiger Silberpräparate 
auf die Harnröhre des Kaninchens. Monatshefte für Uro- 
logie 1904, Heft 8, Bd. 9). Autor hat die Harnröhre von Kaninchen 
durch 2—8 Wochen hindurch mit verschiedenen Silberpräparaten irri- 
gieren lassen, mit „argentum nitricum“, „eosolicum“, „Protargol“, 
„Albargin“, „Ichthargan“, dann die Tiere getötet, die zu mikroskopieren- 
den Schnitte mit Picrokarmin gefärbt und bei der Untersuchung auf 
folgende 3 Dinge sein Hauptaugenmerk gerichtet: 

1. Auf das Vorkommen und die Verteilung des Silbers in und 
auf der Schleimhaut, also auf die Tiefenwirkung des Silbers. 

2. Auf das Verhalten des Epithels, ob dasselbe stark verbreitert, 
alteriert, nekrobiotisch — oder vielmehr gleichmäßig erhalten blieb; 
was das günstigere erstrebenswerte ist. 

3. Das Verhalten des bindegewebigen Anteils der Schleimhaut, 
insbesondere auf das Vorherrschen 'von Rundzellen Infiltrationen in 
der Schleimhaut: diese sind Teilerscheinung der Entzündung, dürfen 
also nicht vorhanden sein. | 

Es stellte sich nun heraus, daß das „argentum nitricum“ die 
intensivste Tiefenwirkung hatte, daß ihm höchstens das „Ich- 
thargan“ nahe kam, während beim Protargol die Tiefen- 

2% 


ze. ‚Ode 


wirkung gleich Null war (!); dabei schont das argentum das Epithel, 
speziell in der posterior (vergleiche: die klinische Erfahrung der Vor- 
züglichkeit des argentum bei Gon. posterior und Cystitis!) — führte aber 
bei längerer Anwendung zur Epithelwucherung. Das Protar- 
gol hat keine Tiefenwirkung, führt zur Epithelverbreiterung und Rund- 
zelleninfiltration. Das Albargin hat Tiefenwirkung in der anterior, nicht 
In der posterior und führt in der anterior zu keiner Epithelver 
“ breiterung (beruht darauf, daß Albargin für die anterior erfahrungsgemäß 
nicht reizend wirkt: und ein gutes Antigonorrhoicum für die Anfangs- 
zustände darstellt, aber ein schlechtes für die hintere Gonorrhoe ? ?) 
Ähnlich verhält sich — auch nach den Untersuchungen von Gold- 
berg — das Ichthargan. (Ausführlicheres enthält Referat in dieser 
Zeitschrift von R. Loeb.) 

Nach dieser kurzen Abschweifung gelange ich zum zweiten Teile 
meiner Arbeit — zur Anwendung der Silberpräparate speziell der 
"modernen Eiweißpräparate, bei der akuten und chronischen 
Gonorrhoe innerhalb deren Verlauf selbst. 

Ich möchte dringend davor warnen, nun von der theoretischen 
Anschauung aus (speziell im Hinblick auf die schöne experimentelle 
Arbeit Lohnsteins) etwa gar den aprioristischen Schluß zu ziehen 
(trotzdem letzerer fast selbstverständlich erscheinen könnte), was das 
beste Prophylacticum, das beste Abortivmittel darstelle, das müsse not- 
gedrungen auch das beste, das einzige Arzneimittel für die Krankheit 
selbst sein! Nein! es ist das ein ganz neues Kapitel, an das wir 
ganz ohne Voreingenommenheit, ganz als Empiriker herantreten 
müssen. Mit viel Liebe und Zuversicht habe auch ich, gleich man- 
chem Spezialkollegen, mich innerhalb der letzten 5 Jahre an einem 
ziemlich reichen Material der neuen Silbertherapie zugewandt, auf 
eine Zeitlang die Erfahrungen meiner Assistentenzeit unter meinem 
hochverehrten Chef, Herrn Professor Dr. Casper, fast vergessen, trotz- 
dem ich damals genug Gelegenheit hatte, mich von der Vorzüglich- 
keit der älteren Präparate zu vergewissern: das „Thallinum sulfuricum‘“, 
das „Zincum‘‘' und „kali permanganicum‘' und vor allem die alte, viel 
gebrauchte Höllensteinlösung nicht zu vergessen! 

Und das Facit meiner Erfahrungen? Es ist kurz folgendes: Ge- 
wiß, unsere modernen Silbermittel leisten viel und ich möchte sie 
nicht mehr entbehren; sie sind eine ungeheure Bereicherung un- 
seres Arzneischatzes —, aber andererseits müssen wir auch offen zu- 
gestehen: der akute Tripper dauert noch eben so lange wie früher, 


(von den Abortivkuren ist selbstverständlich abgesehen!) und der Komp- 
likationen gibt es noch eben so zahlreiche. Ich möchte sogar glauben, 
daß man, wo es anläßlich, mit einer expectativen Therapie in dem 
Anfangsstadium — in Verbindung mit internerVerabreichung von 
Balsamicis, z. B. des vorzüglichen Gonosans —, mit einer sanft 
adstringierenden Therapie in den späteren Wochen ebenso 
schnell, wenn nicht oft schneller, zum Ziele kommt. (confer. Boß: 
„Die interne Behandlung der Gonorrhoe‘. Monatsschrift f. Harnkr. u. sex. 
Hyg., Jahrg. I, 1904, Heft 2, 3), auch Leinsamenthee „Herba equiseti“, 
„Folia Bucco conc“. wirken hier günstig. in den ganz späten Stadien 
der akuten Gonorrhoe, speziell aber bei der Gonorrhoe posterior 
und chronischer Gonorrhoe, der Cystitis gebe ich nach meinen 
Erfahrungen der alten Höllensteinlösung entschieden den Vorzug 
vor allen modernen Silberpraeparaten (vergleiche die zitierte Lohn- 
steinsche Arbeit). Hier wirken intensive Höllenstein-Injektionen 0,03— 
0,1:200 resp. 1—2%, Instillation nach Guyon oft Wunder (ebenso 
wie bei Cystitiden nicht gonnorrhoischen Ursprungs!) 

Selbstvorständlich kann und will ich hier nicht auf die Therapie 
des Trippers in seinen Einzelheiten eingehen; mir lag ja nur die Er- 
örterung der Frage am Herzen, ob außer den Silbermitteln auch noch 
unsere alte expectative und adstringierende Therapie der Beachtung 
durch den Praktiker verdient. Diese Frage glaube ich entschieden 
bejahen zu müssen. 

Angesichts der täglich neu auf den Markt kommenden Silber- 
weißpräparate, dies in in einer besonderen Arbeit festzustellen, erschien 
mir nicht ohne alle Bedeutung. Erfreuen wir uns der modernen Silber- 
präparate, aber vergessen wir ebensowenig die alte Therapie! 


Bemerkungen über gonorrhoische Arthritis. 


Von Dr. Schuster-Aachen. 


Von den beiden sogenannten Geschlechtskrankheiten Syphilis und 
Gonorrhoe können wir sagen, daß sie noch Jahre nach ihrem Entstehen 
ihre Visitenkarte abgeben und zwar nicht so gar selten auch nach ein- 
gegangener Ehe, als Beweis, daß weder die eine, noch die andere gründ- 
lich zur Heilung gekommen war. Obzwar dies bei beiden geschehen 


‚kann, und zwar bei der Gonorrhoe viel eher, als bei der Syphilis, well 


wir bei ersterer das rechte Wesen im Gonokokkus kennen gelernt haben 


= 22 


und mit dessen Abhandensein die Heilung annehmen können, so werden 
dennoch gar zu häufig Heiraten eingegangen, ehe die volle Heilung 
vom Arzte konstatiert war. Die Syphilis meldet sich dann — wir 
sehen hier bei ihr, wie bei der Gonorrhoe, von der möglichen Über- 
tragung auf die schwächere Ehehälfte ab — in der Form der einen 
oder anderen Organerkrankung, die Gonorrhoe meist in Form des 
Gelenkrheumatismus. Viele der wegen ihres Gelenkrheumatismus die 
verschiedenen Thermalbäder jährlich besuchenden Kranken weisen so- 
genannte Tripperfäden und Prostatahypertrophie auf als Wahrzeichen 
des gonorrhoischen Ursprungs der Arthritis. 

Die Bezeichnung gonorrhoische Gelenksentzündung oder Arthritis 
an Stelle von Tripperrheumatismus hat sich immer mehr eingebürgert. 
Wir verstehen darunter die Entzündung eines größern Gelerikes oder 
auch die mehrerer Gelenke während eines akuten oder auch chronischen 
Verlaufes und infolge der Gonorrhoe. Nach den aus Universitätskliniken 
stammenden Berichten ist die Erkrankung eines Gelenkes, meist des 
Knies die Regel, die vieler Gelenke die Ausnahme. Das ist aber ein 
Irrtum. Die chronische gonorrhoische Polyarthritis findet sich eben 
viel häufiger in der Privatpraxis. Diese schon lange vor der Ent- 
deckung des Gonokokkus bekannte Erkrankung ist durch den Befund 
des Gonokokkus in den Gelenksexsudaten als vom Tripper bedingt zweifel- 
los geworden. Ja, wir wissen durch den Nachweis des Neißerschen Gono- 
kokkus im Blute usw., daß dieser aus der Urethra ins Blut und da- 
mit auf die verschiedenen serösen Häute, in die Sehnen, Nerven- 
scheiden, Herzklappen, Pleuren gelangen und sie krank machen 
kann. Für solche, wenn auch im Vergleiche zur Häufigkeit des 
Trippers selteneren Allgemeinerscheinungen, habe ich die Bezeichnung 
„Gonorrhoismus“ vorgeschlagen. In dem Novemberheft der „Archives 
de Méd. et de Chir.“ hat dessen Herausgeber, Dr. Suarez de Mendoza, 
für die Trippererkrankung, sowohl für die lokale Urethritis gonorrhoica 
wie für ihre Folgen, die Bezeichnung „Neißerose“ vorgeschlagen und 
gebraucht. Hätte der verdienstvolle Entdecker des Gonokokkus die 
Gonorrhoe als solche zuerst entdeckt, so wäre sie als neu entdeckte 
Erkrankung wert gewesen, mit dem Namen ihres Entdeckers benannt ' 
zu werden, ähnlich wie z. B. die Basedowsche Erkrankung. Aber eben- 
so wenig wie man die Lepra, die Armauer Hansenose oder die Tuber- 
kulose jetzt die Kochose benennen wird, ebensowenig dürfte wohl die 
Bezeichnung „Neißerose“ die der Gonorrhoe oder des Trippers ins Ge- 
dränge bringen. 


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Es bedarf noch der Erwähnung, daß eine, wenn auch nicht 
häufige Komplikation der gonorrhoischen Arthritis die „Iritis“ ist. 

Je nach der Beschaffenheit des Gelenksexsudates wird auch der 
Verlauf sich in bezug auf die Heilung gestalten. Es findet sich nach 
König entweder seröses, serofibrinöses oder eitriges Exsudat vor, 
letzteres zuweilen mit „Phlegmone“ gepaart. Dieser Autor hebt auch 
die ganz besondere Tendenz der gonorrhoischen Arthritis zur Anky- 
losierung hervor. Diese wird ganz gewiß gefördert durch immobile 
Gipsverbände, zu denen die oft bestehende Schmerzhaftigkeit bei 
leisen Bewegungen und Lageverschiebungen den Arzt nötigt. Wer 
aber auch nur einmal solch knöcherne Verwachsung eines Elibogen- 
oder Fufßgelenkes gesehen hat, der wird den Gipsverband nur unter 
der Bedingung seiner leichten Abhebbarkeit gutheißen können. 

Bei Erkrankung vieler Gelenke werden diese meist nacheinander 
und oft sprungweise befallen. Man könnte da annehmen, wenn zunächst 
ein größeres Gelenk sekundär infiziert ist, daß dieses nun die Krank- 
heitsquelle für die anderen wird. Da man aber immer ein gleichzeitiges 
Fortbestehen, seies einer abundanten oder spärlichen Urethralgonorrhoe 
feststellen kann, so liegt die Annahme näher, daß, wenn einmal der 
Gonokokkus von der Urethra aus seinen Eingang in die Blutzirkulation 
gefunden hat, er diesen Weg bei dem bekannten oft lange Zeit fort- 
bestehenden Urethralprozeß auch wiederholt einschlagen wird. Hieraus 
folgt dann auch bei bestehender gonorrhoischer Arthritis die Not- 
wendigkeit der Heilung der gonorrhoisch kranken Urethra und der 
etwa gonorrhoisch miterkrankten Nachbarorgane, wenn man diese 
Arthritis heilen und den Kranken vor ihren nicht so seltenen Rezidiven 
schützen will. Hierzu stimmt auch die Beobachtung, daß der einmal 
von Tripperrheumatismus Befallene bei jeder neuen gonorrhoischen 
Urethralinfektion auch wieder einen neuen Anfall von Gelenkserkrankung 
erleidet; ähnlich verhält es sich mit der Iritis. 

Eine Komplikation der gonorrhoischen Arthritis, die ich in fünf 
Fällen angetroffen habe, ist die Miterkrankung der Wirbelsäule, die 
Spondylitis ; betrifft diese den Halsteil, so erscheint der Kopf, in seiner 
Unfähigkeit sich zu bewegen, wie angenagelt; ist der Lumbosakral- 
teil mitbefallen, so ist ein Wenden des Körpers sehr erschwert. Wie hart- 
näckig auch diese Komplikation ist, so ist sie doch der Heilung 
zugängig. 

Bei der akuten Form der gonorrhoischen Arthritis ist das 
Fieber selten sehr hoch; bei der chronischen Form fehlt es gewöhn- 


=, IA a 


lich. Immerhin kann die lange Dauer der schmerzhaften Erkran- 
kung in ihrer Verbindung mit Schlaflosigkeit Abmagerung bis zur . 
Skeletterscheinung bringen, auch bei etwaiger Mitbeteiligung des 
Herzens, der Pleura, des Rückenmarkes lebensgefährlich werden. Meist 
ist die Prognose „quoad vitam“ eine günstige, aber an den erkrankten 
Gelenken bleiben -— abgesehen von knöchernen Verwachsungen — 
zuweilen fibröse Verdickungen, Schmerzempfindungen bei vermehrten 
Anstrengungen zurück. 

Was nun die Behandlung betrifft, so nötigen die akuten Fälle 
zur Ruhigstellung der entzündeten Gelenke. Bei hohem Fieber paßt 
der Eisbeutel; sonst aber erreicht man bei Erkrankung einzelner großer 
Gelenke oft durch intensive Wärmeanwendung, Kataplasmen, Heiß- 
luftapparate gute Besserung; auch wird man die innerliche Anwen- 
dung der Salizylpräparate nicht unversucht lassen. 

Ist der Hydrops sehr groß, so kommt die Punktion mit folgender 
. Ausspülung mittels 3%% iger Carbollösung in Frage. Eitrige Exsudate, 
insbesondere wenn sie mit Phlegmone verbunden sind, verlangen ernste 
chirurgische Hülfe. M 

Bei chronischer Entzündung der Fuß-, Knie- oder Hand- und 
Ellenbogengelenke, "wo Heißluftanwendung, transpirierend wirkende 
heiße Vollbäder nicht helfen, muß die von Bier in die Praxis einge- 
führte venöse Stauung versucht werden; sie wird tagsüber ausgeführt, 
nachts beseitigt, der wenn auch oft langsam eintretende Erfolg ist 
manchmal ein vollständiger. 

Aus meinen Erfahrungen kann ich insbesondere bei chronischen 
Formen heiße, von 35°C bis 40 und 42° gesteigerte, etwa 20 Minuten 
dauernde Vollbäder mit nachfolgendem Schwitzen, bei gleichzeitigem 
Gebrauche von subkutaner Einspritzung von 10—20 g 25°/, Jodipins 
nahe den erkrankten Teilen sehr empfehlen. Diese Einspritzungen 
passen nicht allein bei den Erkrankungen der großen Gelenke, sondern 
auch da, wo man die Biersche Stauung nicht ausführen kann, z. B. 
am Hüft- und Schultergelenke, am Clavicularansatz, bei Erkrankung 
der Wirbelsäule, sowohl im Nacken, als am „os sacrum“, resp. da, 
wo die Wirbel erkrankt sind. Es gibt eine Reihe von gonorrhoischen 
Arthritisformen, nach deren Besserung — wiez.B. am Knie, unterhalb der 
Patella, am Fußgelenke — nur eben merkbare Schwellungen zurückge- 
blieben sind, die, wenn sie auch keine große Funktionsstörung be-. 
dingen, dennoch durch ihr sehr langes Fortbestehen sowie wegen der 
wenn auch nicht gerade sehr starken Schmerzhaftigkeit den Patienten , 





u DH, je 


belästigen, um so mehr, als sie zuweilen bei größeren Anstrengungen 
exazerbieren. Hier sind die Jodipininjektionen nahe den erkrankten 
Teilen sehr am Platze. 

Wenn man seiner aseptischen Nadel und seines hellen Jodipins, 
das vor der Injektion leicht erwärmt wird, sicher ist, wenn man 
in dic durch Chloraethyl unempfindlich gemachte und sterilisierte 
Hautstelle so einsticht, daß das Öl subkutan zu liegen kommt, die 
Stichöffnung dann mit Collod. elasticum und reiner Watte schließt, so 
wird man nicht leicht eine unangenehme Nachwirkung haben. Immer- 
hin ist es empfehlenswert, bei Injektionen um das Knie, das Fufgelenk 
den Patienten 24 Stunden im Bette zubringen zu lassen. Früher ließ 
ich den Kranken sehr bald nach der Injektion herumgehen, das scheint 
aber zuweilen zu Schwellungen bis zu Lymphangitis Veranlassung zu 
geben, das würde dann erst recht Bettruhe, Bleiwasserumschläge, Ein- 
reibung. mit grauer Salbe erforderlich machen. Gewöhnlich kann die 
Injektion an einem Gelenke alle 2—3 Tage vorgenommen werden. 
Die Besserung tritt gewöhnlich am dritten bis vierten Tage nach der 
Injektion ein. 

In den Fällen von Polyarthritis gonorrhoica, wo viele Gelenke, ins- 
besondere die Wirbel mit befallen sind, wo heiße Bäder und Jodipin- 
injektionen zwar gebessert, aber nicht geheilt haben, kann ich nach den 
vielen günstigen damit erzielten Erfolgen den Mitgebrauch von Ein- 
reibungen mit Quecksilbersalbe, methodisch täglich durchgeführt, nur 
immer wieder empfehlen. | i 

Während also vor nicht vielen Jahren die Behandlung der Pcly- 
arthritis gonorrhoica in ihren verschiedenen Lokalisationen sehr viel 
zu wünschen gab, sind wir heute mit erfolgreicherem Rüstzeug gegen 
sie versehen. 


Zur Abortivbehandlung der akuten Gonorrhoe. 
Von Dr. Arthur Strauß-Barmen. 


Nach einem Vortrag in der Sitzung des „Vereins rheinisch-westfälisclier 
Dermatologen und Urologen“ in Düsseldorf am 4. Dez. 1904. 


So vorzüglich sich Spülungen mit übermangansaurem Kali (Janet) 
bei der subakuten und, namentlich unter gleichzeitiger Benutzung von 
Spülsonden, bei chronischer Gonorrhoe bewähren, so wenig geeignet 
erweisen sie sich für die Abortivkur der akuten; nicht nur wegen ihrer 


— i m 


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Schmerzhaftigkeit und der mit ihnen oft verbundenen Steigerung der 
Entzündung (Ödem der Glans und des Präputiums, Blutungen) und 
Gefahr von Komplikationen (Urethritis posterior, Epididymitis, Prosta- 
titis, Cystitis), sondern auch wegen ihrer Mißerfolge. Es ist mir nie 
gelungen, in einigen Tagen mit ihnen die Gonorrhoe zu kupieren, 
selbst wenn ich Gelegenheit hatte, die Behandlung unmittelbar nach 
dem Erscheinen des ersten Tropfens, etwa am 3. oder 4. Tage nach 
der Infektion, zu beginnen; und auch nach einer Durchführung der 
Spülungen über 1 bis 2 Wochen hinaus habe ich vor der üblichen 
Injektionstherapie bezüglich der Abkürzung der Behandlung keine Vor- 
teile gesehen. Im Gegenteil nur Nachteile, die ich schon erwähnte. 
Diese Kur ist aber auch für den Kranken und den Arzt sehr um- 
ständlich, zwingt dem Patienten einen ein- bis zweimaligen täglichen 
Besuch beim Arzte auf und verursacht ihm dadurch — was hervor- 
zuheben ist — überflüssige pekuniäre Opfer. Mit Rücksicht auf die 
Enttäuschungen, welche diese Methode der Abortivbehandlung, auch bei 
der Anwendung schwacher Lösungen nach Guiards und Valentines 
Vorschlag, gebracht hat, wäre es nun zu schroff, wenn man sich auf 
den Standpunkt derjenigen Ärzte stellen würde, die jede Abortivkur 
prinzipiell verwerfen, weil sie ihre Möglichkeit bezweifeln. 

Bei der Beobachtung der notwendigen Indikationen kann tatsäch- 
lich die beginnende Gonorrhoe in einigen Tagen im Keime erstickt 
werden, und zwar ohne Unbequemlichkelt für den Kranken. Die 
Zweifler sollten nur einmal die Dankbarkeit eines Geheilten sehen, 
dem nach einer Kur von drei Tagen und einer darauf folgenden be- 
handlungsfreien Beobachtungszeit von etwa 1'/, Wochen die Gewißheit 
gegeben werden kann, daß seine Gonorrhoe beseitigt ist. Sie würden 
zu entschiedenen Anhängern der Abortivkur werden und künftig auf 
ihre Kranken belehrend einwirken, daß sie bei den ersten verdächtigen 
Zeichen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Das Publikum 
über die Möglichkelt der abortiven Behandlung der frischen Gonorrhoe 
bei den allerersten Anzeichen aufzuklären und den großen Wert so- 
fortiger ärztlicher Hilfe hervorzuheben, scheint mir ein dankbares 
und bedeutsames, längst nicht genug gewürdigtes Gebiet der Prophy- 
laxe zu sein. 

Die Schmerzhaftigkeit und Gefahr der Janet’schen Spülungen wird 
nun keineswegs gemindert, wenn man sich statt des Kalium hyper- 
manganicum des Argentum nitricum oder seiner in den letzten Jahren so 
zahlreich erstandenen organischen Ersatzmittel, wie des Protargol, 


i D, a 


Largin, Albargin, Argentamin usw. bedient. Bei diesen Spülungen läßt 
sich eben ein mechanisches Moment nicht ausschalten, die Spannung 
und Dehnung ‘der entzündeten Schleimhaut, BIST vor allem die 
Schmerzhaftigkeit bedingen. 

Wir bleiben daher auf jene Methoden angewiesen, welche eine 
übermässige Spannung mit ihren Folgezuständen vermeiden lassen, ent- 
weder auf Injektionen mit der Tripperspritze oder auf Auspinselungen, 
oder endlich auf Instillationen mit dem Guyon’schen Knopfkatheter. 
Dem letzteren gebe ich den Vorzug, weil er die Einführung der Lö- 
sungen ohne jede Spannung der Schleimhaut gestattet; sodann, weil er 
die sichere Deponierung des Medikamentes bis zum Bulbus und nicht 
darüber hinaus ermöglicht, und endlich, weil er den Krankefl am 
wenigsten belästigt; weniger als eine einfache Injektion resp. als die 
Einführung eines urethroskopischen Tubus mit nachfolgender Auspinse- 
lung oder eines durch eine Gummikappe cachierten Federkielpinsels, 
wie ihn Bettmann empfohlen hat. 

Welches Mittel ist nun das für die Abortivkur geeignetste® Das 
wohl am meisten benutzte, mit bestem Erfolg von anderen Autoren 
(u. a. Ahlström, Blaschko) erprobte und auch nach meinen Erfahrungen 
empfehlenswerteste Medikament ist das Protargol. In den letzten Jahren 
habe ich mindestens 50 Fälle abortiv behandelt und !/, derselben mit 
vollem Erfolge. Hätte ich das Verfahren, wie ich es hier schildere, 
bei allen Fällen und nach sorgfältigerer Auswahl derselben und strengerer 
Indikationsstellung ausgeführt, so würde der Prozentsatz der en 
sicher ein noch größerer sein. 

Ehe ich die Methodik meiner Behandlung beschreibe, will ich 
kurz die Gesichtspunkte aufführen, die für die Auswahl der Fälle maf- 
gebend sein sollen. 

Geeignet für die Abortivkur ist jeder frische Fall, der am 
dritten, vierten oder fünften Tage nach der Infektion zur Beobachtung 
kommt, sofern das Urinieren nicht schmerzhaft, der Ausfluß nicht 
rein eitrig und das Orificium nicht inflammiert ist. Am günstigsten 
liegen die Verhältnisse, wenn bei höchstens dreitägiger Inkubationszeit 
die Kur unmittelbar, nachdem die Infektion dem Kranken durch ein leich- 
tes Prickeln und den ersten serösen Tropfen zum Bewußtsein gekommen 
ist, unternommen wird. Man findet dann mikroskopisch Eiterzellen und 
in geringerer Zahl Epithelien, sowie intra- und extracellu-läre Gono- 
kokken in noch nicht sehr reichlicher Zahl. Leider sind diese Fälle 
selten. In der Regel dauert die Inkubation vier bis sieben Tage, ja 


er DR a 


noch länger. Auch in solchen Fällen kann die Abortivkur noch mit 
Erfolg durchgeführt werden, wenn der Ausfluß einen bis höchstens 
zwei Tage lang besteht, noch gonokokkenarm ist und keine Anzeichen 
einer subepithelialen Entzündung vorliegen. Diese ist, wie Engelbrecht 
hervorgehoben hat, durch eine Inflammation des Orificiums charakterisiert. 
Sie ist aber auch kenntlich an der Schmerzhaftigkeit bei der Miktion und 
der rein eitrigen Beschaffenheit des schon sehr gonokokkenreichen Aus- 
flusses. Bei solchen Symptomen hat, auch wenn der Ausfluß erst am 
Tage vorher in die Erscheinung trat, die Abortivkur keine Aussichten 
mehr auf Erfolg. 

Daß irgendwelche Komplikationen, z. B. eine Entzündung der 
hinte®fen Harnröhre, ebenfalls eine Abortivkur contraindizieren, : dürfte 
selbstverständlich sein. 

Die Kur wird nun in folgender Weise durchgeführt: Nachdem der 
Kranke uriniert hat, wird ein Knopfkatheter von 14 Charriere bis zum 
Bulbus eingeführt und, während der Kranke die Harnröhre komprimiert, 
1 -2 ccm einer 10 °% tigen Protargollösung, der Antipyrin 4 %/, tig zuge- 
setzt ist, injiciert. Das Antipyrin setzt die Empfindlichkeit außerordent- 
lich herab. Der Lösung Glycerin zuzufügen, wie es Bettmann empfiehlt, 
halte ich nicht für nützlich, weil es die Reizwirkung steigert, ohne die 
Aussichten auf einen Erfolg der Kur zu erhöhen. Während der Einsprit- 
zung wird der Katheter langsam hervorgezogen. Der Rest wird in der 
„Fossa navicularis“ derart deponiert, daß das Orificium von der Lösung 
bespült ist. Der Kranke bleibt nun fünf Minuten liegen, läßt dann 
die Lösung ausfließen und erhält in derselben Weise eine zweite In- 
stillation, die wiederum fünf Minuten in der Harnröhre festgehalten 
wird. Diese Einspritzungen werden an den beiden folgenden Tagen wieder- 
holt. Weiterhin verschreibe ich in einer Simplex-Flasche (s. Anm. unten) 
200 g einer 1 °/, tigen Protargollösung mit einem Zusatz von 2g Antipyrin. 
Mit dieser hat der Patient zuhause dreimal täglich je zwei, jedesmal 
fünf Minuten in der Harnröhre zu belassende Injektionen zu machen. 
Den Erstinfizierten muß man sie lehren und zwar, bevor man die In- 
stillationen macht. Nachher würde die eingespritzte schwächere Lösung 
die Nachwirkung der instillierten stärkeren beeinträchtigen. Nebenher 
gebe ich innerlich Sandelholzöl und lasse strengste Diät innehalten. 

Bei günstigem Verlauf wird nun folgendes beobachtet: Die erste 
Instillation verursacht zunächst ein stärkeres Brennen in der Eichel. 
Dieses läßt aber, während die Lösung in der Harnröhre festgehalten wird, 
allmählich nach und wird auch bei der zweiten Instillation kaum 


ei I: e 


empfunden. Die während des Tages vorgenommenen Injektionen ver- 
ursachen keine besondere Empfindlichkeit. Dagegen ist das Urinieren 
jedesmal, wenn auch nicht schmerzhaft, so doch empfindlich. Meist 
tritt eine dünnflüssige, milchige Sekretion auf, die, wenn auch in 
geringerem Maße, an den beiden nächsten Tagen bestehen bleibt. 
Sie verschwindet in der Regel sofort, wenn die Behandlung abgebrochen 
wird. Das Urinieren verursacht an den beiden folgenden Tagen keine 
besondere Empfindlichkeit mehr. Das dünnflüssige Sekret zeigt mikros- 
kopisch Leucocythen, Schleim, Epithelien, keine Gonokokken. Vom 
vierten Tage an wird keine Instillation und keine Injektion mehr vor- 
genommen. 

Es zeigen sich in den nächsten Tagen dann meist noch Fäden 
im Urin, die mikroskopisch zu untersuchen sind. Schließlich verlieren 
sich auch diese. Nach einer Beobachtungszeit von etwa einer Woche 
wird der Alkoholgenuß wieder gestattet und, wenn auf ihn keine Reak- 
tion eintritt, die Heilung angenommen. Um ganz sicher zu gehen, 
ließ ich die Kranken nach 14 Tagen nochmals zu mir kommen, oder mir 
schriftlich bestätigen, daß kein Sekret wieder aufgetreten sei. Ein Reci- 
div zeigt sich entweder sofort nach dem Aussetzen der Kur oder erst 
nach einigen Tagen, resp. nach dem ersten Alkoholgenuß durch eitrigen 
Ausfluß und gesteigerte Empfindlichkeit bei der Miktion. 

Wie verhält es sich nun bei von vornherein ungünstig verlaufen- 
der Kur? 

Hier möchte ich gleich hervorheben, daß keineswegs ein heftiges 
Auflodern der Gonorrhoe mit großer Schmerzhaftigkeit beobachtet wird, 
wenn man nicht unnützer Weise die Kur gewaltsam durchzuführen 
sucht. Man kann vielmehr den Zustand mit einem unter der Asche 
glimmenden Funken vergleichen. Die Gonorrhoe ist wie niedergeschlagen. 
Der Ausfluß ist gering, enthält Schleim, Leucocythen und Epithelien. 
Der Zustand ist äußerlich oft kaum von demjenigen zu unter- 
scheiden, der sich bei gelingender Kur darstellt und kann, wenn man 
nicht sorgfältig mikroskopische Untersuchungen vornimmt, leicht zu der 
irrtümlichen Annahme einer abortiven Heilung verleiten. Auffällig ist es 
stets, wenn Einspritzungen und Miktion an den beiden nächsten Tagen 
sehr empfindlich bleiben. Sieht man gar am zweiten oder dritten Tage 
noch Gonokokken, so soll man die Kur sofort abbrechen; denn einc weitere 
Fortsetzung derselben würde zu keiner abortiven Heilung führen. Sie 
würde nur eine stärkere entzündliche Schwellung der Schleimhaut mit 
gesteigerter Empfindlichkeit bei der Miktion veranlassen und die Durch- 


‚30 — 


führung der Injektionstherapie erschweren. Die Gonokokken sind dann 
schon zu tief in die Schleimhaut eingedrungen. 

Kompflkationen habe ich bei dem geschilderten Verfahren nie 
beobachtet und ich kann nur hervorheben, was auch Blaschko aus- 
drücklich ‘betont hat, daß die Fälle, in denen die Abortivkur nicht ge- 
lingt, keineswegs einen schlimmeren Verlauf nehmen, als gewöhnliche; 
manchmal habe ich sogar eine auffallend milde und schnelle Heilung 
gesehen. Die Kranken erleiden daher, auch wenn die Abortivkur ver- 
sagt, keine Nachteile. Und gerade dadurch, daß das hier beschriebene 
einfache Verfahren das „nihil nocere“ erfüllt, gewinnt es an Bedeutung, ` 
und ich kann nur empfehlen, es in jedem geeigneten Fall von akuter 
Gonorrhoe nach sorgfältigster Indikationsstellung anzuwenden. 


Anm.: Auf die Einfachheit dieser Flaschen erlaube ich mir bei dieser 
Gelegenheit aufmerksam zu machen: 

Den Verschluß derselben bildet eine in sie hineinragende Glashülse, 
in welcher die Spritze hängt. Die Glashülse dient gleichzeitig als Behälter für 
die jeweilig einzuspritzende Menge. In Folge dieser Anordnung beanspruchen 
Flasche (von flacher Form), Behälter und Spritze nicht mehr Raum als eine 
gewöhnliche Flasche allein und können bequem in der Tasche getragen werden. 
Die Spritze kommt nie mit der Stammlösung in Berührung und desinfiziert 
sich in der Hülse stets von selbst. 

Macht man auf dem Rezept den Zusatz „In Flasche Simplex“, so 
ordiniert der Apotheker die Lösungen in der Flasche mit Spritze und Behälter. 
Vorrätig sind Flaschen mit 200 und 100 g Inhalt. 

== Bezugsquelle für die Apotheker: Chirurg. Glaswarenfabrik 
Herm. Käsemodel in Ilmenau in Thüringen. = 


Keratosis der Harnröhre. 


Von Dr. Karl Jooß, Spezialarzt für Urologie (München). 


Die Keratosis ist eine Erkrankung der Urethra, die in früheren 
Jahren ganz unbekannt war, da sie erst mit dem Urethroskop beim 
Lebenden diagnostiziert werden konnte. Während die alten Lehrbücher 
der Urethroskopie nur schwache Schilderungen der Keratosis enthalten, 
schildert erst Oberländer (welchen wir mit Recht den Begründer der 
modernen Urethroskopie nennen können) diese Epidermisierung der 
Harnröhre sehr eingehend. 

Er und andere gebrauchen nach dem Vorbilde Virchow’s bei 
der Schilderung dieser Krankheitsform meistens den Namen „Pachy- 


s 31 


dermie“, -- ein Name, der nach meiner Ansicht dem Krankheitsbild 
durchaus nicht gerecht wird und zu falschen Anschauungen führen 
dürfte. Unter Pachydermie versteht der Dermatologe das in seinen 
gröbsten Graden als „Elephantiasis Arabum“ bezeichnete Krankheitsbild, 
bestehend in Infiltrierung der gesamten Haut und ihrer Unterlage, also 
Verdickung der Epidermis und des Unterhautzellgewebes. Besondere 
Neigung zur Hornbildung liegt aber dabei durchaus nicht vor, eben- 
sowenig eine Wucherung des Epithels. Anders verhält es sich bei 
der Keratosis der Urethra. Die dem Unterhautzellgewebe ent- 
sprechende Submucosa ist gewiß ebenfalls oft in Mitleidenschaft ge- 
zogen, doch ist diese Verdickung durchaus nicht erforderlich zu dem 
Begriff. der Keratosis. In sehr vielen Fällen ist die Submucosa nicht 
beteiligt, sondern es handelt sich nur um eine ausgesprochene Epidermis- 
wucherung und — worauf bisher noch nirgends Gewicht gelegt wurde — 
um starke Verhornung der obersten Zellschichten, d. h. Ablagerung 
von Hornsubstanz in den Zellen. Wir haben also, außer der Verdickung 
der Schleimhaut, histologisch eine deutliche Metaplasie des Epithels 
und eine metabolische Tätigkeit, d. h. eine ihrer ursprünglichen Funk- 
tion fremde Tätigkeit der Zellen. 

Noch näher auf diese interessanten pathologischen und histolo- 
gischen Details einzugehen, ist hier nicht der Ort. Ich habe sie nur 
gestreift, um den Namen „Keratosis“ zu rechtfertigen. 

Eine genauere Schilderung der Epidermisierung gibt uns 
Oberländer. — Eine erschöpfendere Beschreibung der histolo- 
gischen Details enthält der „Atlas der speziellen pathologischen Histo- 
logie“, von Prof. Dr. Herm. Dürck, und über den Vorgang. der 
Metaplasie hat sich vor kurzer Zeit Dr. Brügel*) in einer Mono- 
graphie ausgesprochen. 

Doch scheint mir der Vorgang der Verhornung der Harnröhren- 
schleinhaut klinisch und therapeutisch noch nicht genügend ge- 
würdigt zu sein. An unserem Körper tritt Verhornung überall da ein, 
wo sich unser Organismus schützen will gegen irgend einen schädi- 
genden Reiz, sei er nun mechanischer oder chemischer oder thermischer 
oder selbst infektiöser Natur. 

So entsteht die dicke Hornbildung an unseren Fußsohlen, so ent- 
stehen die Schwielen der Handwerker an der Hand, so entsteht auch 


*) Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der mediz. 
Fakultät zu München — vorgelegt von Dr. phil. Carl Brügel. 


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| 


— 32 — 


(obgleich das nicht rationeli erscheint) über einem in die Haut einge- 
drungenen Fremdkörper (z. B. einem großen Holzsplitter oder dergleichen 
eine mächtige Schwiele und so entstehen auch bei den Infektionen am 
Nagelbett (Paronychia) die . mächtigen MNETUNEEN der Hornschicht 
der benachbarten Haut. 

Auch bei der Harnröhrenschleimhaut sind es ursprünglich infek- 
tiöse Reize, die die Epidermisierung veranlassen. In einem Falle dauert 
es nur einige Wochen, in anderen Fällen wieder mehrere Monate, bis 
es zur Hornbildung in dem Epithel der Harnröhre kommt. Meist sind 
dann nicht nur die infektiösen Reize die Ursache dieser Keratosis, 
sondern es kommen noch chemische Reize (Infektionen etc.) hinzu. 

Die subjektiven Symptome sind bei den leichten Formen der 
Keratosis sehr gering (d. h. nur durch den Entzündungsprozeß verur- 
sacht), während in den schweren Fällen, wenn also die ganze Harn- 
röhre von einem hornhaltigen Epithel bedeckt ist, das Gefühl der 
Schwere den Patienten ängstigt. Außerdem stellt sich dann auch 
da die Elastizität der Harnröhre zum größten Teil zu Verlust gegangen 
ist, nach dem Urinieren etwas Harnträufeln ein. 

Objektiv finden wir bei den schweren Formen kleinkörnige Trü- 
bung in der ersten Urinportion und nach dem Urinieren können wir 
aus der Harnröhre einige Tropfen Urin herausstreichen, die mit weiß- 
gelblichen krümmeligen Massen vermischt sind. Die Harnröhre läßt 
sich in diesen Fällen von außen abnorm deutlich abtasten und fühlt 
sich als ein relativ unförmiger, dicker Strang an. — Darauf die Diag- 
nose oder Therapie aufbauen zu wollen, wäre verfehlt. Hierzu gibt 
uns ‚nur das Endoskop genügende Klarheit und zwar nicht nur bei 
schweren Fällen, sondern auch in dem Anfangsstadium. 

Fast bei jeder Gonorrhoe, die länger als 5—6 Wochen dauert, 
können wir die Anfänge der Verhornung mit dem Endoskop beobachten. 
Namentlich gegen den Bulbus zu nehmen die kleinen Auflagerungen, | 
die bei durchscheinender Schleimhaut rot, im Profil gesehen, grauweiß Ze 
erscheinen, immer mehr zu, um dann nach längerer Dauer des Pro- \ 
zesses die ganze Harnröhrenwand förmlich auszupflastern. Solange 
sie dünn sind, werden sie ungemein leicht übersehen; man sieht sie 
dann nur an der Kuppe der Umschlagsfalten bei der Zentralfigur, weil 
man für gewöhnlich nur hier die Schleimhaut im Profil sieht. Will 
man jedoch größere Flächen der Schleimhaut auf Keratosis untersuchen, 
so tut man gut, den Schleimhauttrichter, welcher bekanntlich dadurch 
entsteht, daß die von dem Tubus auseinander gedrängten Harnröhren- 











— 33 — 


wände sich hinter demselben wieder einander nähern, möglichst aus- 
zuziehen. Man zieht also, wenn man hinter dem „angulus penoscrotalis“ 
endoskopiert, an der Peniswurzel nach vorn und oben oder, wenn man 
vor dem „angulus“ endoskopiert, an der Glans kräftig nach vorne. Man 
erreicht dadurch eine Streckung und Anspannung der Urethra, wodurch 
es dann möglich wird, die Schleimhaut ganz von der Seite aus anzu- 
sehen. Dabei erkennt man die Niveaudifferenzen derselben viel besser, 
als wenn der Blick senkrecht oder im stumpfen Winkel auf sie fällt. 
Man sieht dabei oft kleine Drüschen oder andere kleine Erhebungen 
im Epithel (also kleine Wucherungen oder kleine geschwellte Lymph- 
follikelchen, unter dem Epithel), die bei einer anderen Art der Be- - 
trachtung vollständig übersehen werden. . Ferner öffnet man sich da- 
mit die Morgagni’schen Krypten und bringt sie leichter zur Änsicht, 
desgleichen die Ausführungsgänge der Littre’schen Drüsen. Daß man 
durch kräftiges Ziehen die Hyperämie und damit die rote Farbe der 
Mucosa zum Schwinden bringt, ist nur zu begrüßen, da das Bild da- 
bei an Deutlichkeit gewinnt. Daß ferner dadurch die Lichtreflexe ganz 
schwinden, ist gewiß ebenfalls eine angenehme Zugabe. Schmerzen 
infolge dieses Zuges an der Urethra habe ich noch nie äußern hören, 
wobei ich erwähnen will, daß ich in jedem Falle vorher cocainisiere. 

Die ersten Anfänge der Keratosis kann man selbstverständlich 
ganz: ignorieren, sie kommen und gehen mit der Entzündung. Dauert: 
der Prozeß schon länger, also vielleicht drei Monate, so kann die 
ganze Harnröhre von der Keratosis eingenommen sein. Die Mündungen 
der Drüsen machen meist den Eindruck von kleinen Fistelgängen und 
wie bei Fisteln, die auf die äußere Haut münden, sind auch hier die 
Öffnungen von einem Walle von verhornten Zellen umgeben, die dann 
gegenüber der Umgebung mehr grauweißß erscheinen, während die klaf- 
fenden Lumina selbst mit ihrer dunkelroten Farbe stark davon ab- 
stechen. Bei diesen Formen der Keratosis ist es viel weniger der Bul- 
balteil, sondern mehr die „Pars pendula“, welche von der Epidermisierung 
betroffen ist. Namentlich die in der Nähe des „Angulus“ und die hinter 
der „Fossa navicularis“ liegenden Drüsen sind von einem starken Walle 
umgeben, der uns warzenartige Wucherungen vortäuscht. 

Auch hier ist es noch nicht nötig, die Hornablagerung bei der 
Therapie besonders zu berücksichtigen. — Die gewöhnliche Therapie 
gegen die Entzündung und Infektion, also namentlich die Dilationen 
und Injektionen genügen, um mit der chronischen Entzündung auch 
die Keratosis zum Schwinden zu bringen. 

3 


ie BA. 


Erst dieschweren Formen der Keratosis bedürfen einer spe- 
ziellen Behandlung. Ist die Hornbildung dabei über die ganze vordere 
Harnröhre ausgebreitet, so fühlt sich dieselbe, wie schon erwähnt, rein 
äußerlich als ein dicker, derber Strang an. Beim Einführen des En- 
doskoptubus merkt man einen gleichmäßigen oder auch bei ungleich- 
mäßiger Ausbildung der Epidermisierung, einen in seiner Intensität 
schwankenden abnormen Widerstand, der nicht etwa durch Beginn der 
Strikturilerung der Harnrähre hervorgerufen zu sein braucht, sondern 
auch fühlbar ist, wenn die Harnröhre bedeutend weiter als der ein- 
geführte Tubus ist. 

Dieser Widerstand rührt einesteils daher, daß die Keratosis die 
Urethralschleimhaut ungemein rauh macht und dadurch das Darüber- 
gleiten des Tubus behindert, anderenteils hauptsächlich daher, dass 
die abnorm dicken und starren Wände der Urethra nur durch einen 
gewissen Kraftaufwand aus ihrer Lage zu bringen sind. 

Dieser Verlust der Elastizität und die dadurch verminderte Be: 
weglichkeit der Harnröhrenwände machen sich auch geltend beim 
Urinieren des Patienten. Am Schluß legen sich die dicken Wände 
nur langsam wieder aneinander und nur langsam fließen daher die 
jetzten Reste aus dem starren Rohr wieder heraus. Es entsteht das 
den Patienten oft sehr störende und ängstigende Harnträufeln. 

Ist die hochgradige Keratosis nur circumscript, also ringförmig 
oder fleckenförmig, so kann sie uns beim Einführen des Tubus eine 
Striktur vortäuschen. Bei einer Prüfung des Harnröhrenlumens mit 
dem Urethrometer oder Dilatator finden wir aber nicht selten, daß eine 
wirkliche Verengerung nicht vorliegt. 

Die höchsten Grade der Keratosis sind in der Nähe des „angulus 
peno-scrotalis“. 

Die Pars prostatica und membranacea sind überhaupt 
selten ergriffen. Doch habe ich in drei Fällen von totaler Keratosis 
der „Pars anterior“, die ich in der letzten Zeit zu beobachten Gelegen- 
heit hatte, neben leichter Beteiligung der „Pars membranacea“ immer 
eine starke Entzündung des „Caput gallinaginis* gefunden und scheint 
es mir, als ob erst daraufhin allgemeine Keratosis folgen könne, 
während Entzündungen anderer Stellen der Harnröhre, also Littre’scher 
Drüsen etc., nur immer die nächste Nachbarschaft zur Epidermisierung 
veranlassen. 

Da aber durchaus nicht in jedem Falle von Beteiligung des „Caput 
gallinaginis“ allgemeine Keratosis eintritt, so müssen wir annehmen, 





2,36, 2 


dass entweder persönliche Disposition zum Zustandekommen derselben 
nötig ist oder, was mir das Wahrscheinlichere ist, dass dabei auch 
Zirkulationsstörungen, wahrscheinlich Stauungsvorgänge im ganzen Be- 
reich der vorderen Harnröhre vorhanden sein müssen, u 
Im Endoskop haben wir ungefähr folgendes Bild: Da ..die 
Schleimhaut infolge des Verlustes der Elastizität sich nicht mehr in 
kleine radiäre Fältchen zusammenlegt, sondern. vordere und hintere 
Wand sich’ aneinanderlegen, so sehen wir keine Zentralfigur, sondern 
einen querstehenden etwas klaffenden Spalt, während an beiden Seiten, 
wo die Hornbildung geringer ist, noch einige plumpe Längsfalten vor- 
handen sind. In der Tiefe dieser Falten liegt eine gelbliche krümmelige 
Masse, Detritus, bestehend aus den abgestoßenen obersten Schichten 
der Hornzelien, die hier liegen bleiben, weil der Harnstrom bei der 
Unelastizität der Wandung nur in der Mitte des Harnröhrenlumens 
fließt und in die Tiefe dieser Schleimhautfalten nicht eindringt. Die Farbe 
der Schleimhaut ist grauweiß bis gelblich und eigentümlich glänzend, 
wie von einer Lackmasse überzogen. Man wird manchmal fast an 
das Innere der „Aorta“ erinnert. Wie Fistelgänge sich ansehende Mün- 
dungen der Littr&’schen Drüsen oder Morgagni’schen Krypten, manch- 
mal auch kleine warzenförmige Wucherungen unterbrechen das Bild. 
Ist schon dilatiert worden, so zeigen klaffende Risse die Stellen an, 
wo der Widerstand der Schleimhaut am stärksten war. Alle feineren 
Details verschwinden, wie unter einem dick aufgetragenen Firniß. 
Gegen diese Arten von totaler Keratosis oder von sehr starker 
circumscripter Keratosis ist unsere gewöhnliche Gonorrhoetherapie 
ziemlich machtlos. Injektionen fließen über die epidermisierte Schleim- 
haut hin, ohne wesentlichen Eindruck zu machen. Die stärksten 
Lösungen verursachen so gut wie keinen Schmerz, haben aber auch 
so gut wie gar keine Wirkung. Die Dilatationen, die bei der 
Keratosis leichten Grades günstig wirken, lassen uns hier deshalb im 
Stich, weil die Elastizität der Wand ganz geschwunden ist. Gleich- 
mäßige Spannung der Mucosa und gleichmäßiiger Druck auf die Sub- 
mucosa mit ihrer, der Massage ähnlichen, günstigen Wirkung auf die 
"Blutzirkulation, können wir deshalb nicht erzielen, weil die leder 
ähnliche Schleimhaut an der engsten Stelle starken Widerstand ent- 
gegensetzt, den wir einfach, wenn wir das Instrument nicht zerbrechen 
wollen, nicht überwinden können. Die eine Stelle wird stark gezerrt 
oder auch zerrissen, die anderen Stellen bleiben ganz unbeeinflußt von 
der Dehnung. An den Stellen wo die Schleimhaut reißt, entsteht ein 
3* 


a 36 ze 


starrer klaffender Riß, der sich bald wieder schließt und sich in kurzer 
Zeit wieder mit Hornschicht bedeckt. 

Mit zwei meiner Fälle hatte ich über ein jahi mit einem über 
einhalb Jahr gekämpft ohne große Wirkungen zu erzielen. Ich ver- 
‚suchte es mit Dilatationen, Sondeneinführungen, Instillationen, Bepinse- 
lung der Schleimheit mit Jodtinktur, Salbeninjektionen und häuslichen 
Injektionen und unterließ es nicht, daneben die „Prostata“ und das „Caput 
gallinaginis“ zu behandeln. Ja ich: ging sogar soweit, die Hornschicht 
vor der Behandlung mit Essigsäure zu erweichen, alles ohne großen 
Effekt zu erzielen. Ich kam zu der Überzeugung, daß eben die Horn- 
schicht jeden therapeutischen Erfolg verhindert. An ihr prallten, wie 
an einem Panzer, all’ meine therapeutischen Geschosse ab. 

Da kam ich auf die Idee — analog der Entfernung von Horn- 
wucherungen der äußeren Haut —, auch die Hornschicht in der Harn- 
röhre mit dem scharfen Löffel zu entfernen. Ich ließ mir nach meinen 
Angaben einen scharfen Löffel machen, der die nötige Länge hat, 
‚ um damit, wenn nötig, selbst .bis in die hintere Harnröhre fahren 
zu können, der ferner geschützt ein- und ausgeführt werden kann, 
ohne dabei das „Orificium externum“ zu verletzen.*) 











Stiefenhofer 
YıGr. 


Injiziert man in die Harnröhre eine Mischung von Suprarenin 
und Cocain, so erreicht man vollständige Anämie und Anästhesie. Circa 
10 Minuten nach der Injektion betrachten wir nochmals rasch die 
‚Harnröhre mit dem Endoskop, merken uns genau die am meisten 
betroffenen Stellen, entfernen den Endoskoptubus und führen dann 
den scharfen Löfel durch den Obturator gedeckt ein. Den Obturator 
entfernt man dann am besten vollständig und schabt dann die ganze 
‚Harnröhre gründlich aus und zwar ohne Scheu, herzhaft und kräftig. 
Blutung tritt infolge der Suprareninanwendung nicht ein. Um aber. 
nach dem Aufhören der Suprareninwirkung eine etwaige Nachblutung 
zu verhindern, spült man noch die vordere Harnröhre mit einer starken 
Lösung von „Argentum nitricum“ (bis zu 1 %,) kurz aus. Nach einigen 


*) Angefertigt von der Firma Stiefenhofer, chirurgische Instrumenten- 
fabrik, München, Karlsplatz No. 6. 


s 97 


Tagen ist aller Reiz vorüber und wir können dann ruhig wieder dehnen,, 
wobei wir bemerken, daß der Widerstand der Schleimhaut .ein viel 

geringerer geworden ist. Der Effekt der Dehnung auf die hauptsächlich. 
erkrankte Submucosa ist infolgedessen ein viel besserer. Dass die, 
Keratosis nach der Ausschabung wiederkehrte, habe ich bisher nicht- 
bemerkt; sollte es aber einmal der Fall sein, so würde ich keinen 
Anstand nehmen, die Ausschabung zu wiederholen. 

Nach den guten Erfahrungen die ich mit dem scharfen Löffel 
bei der Keratosis gemacht habe, hielt ich es für kein großes Wagnis, 
ihn auch bei anderen Erkrankungen der Schleimhaut ‚der Harnröhre 
anzuwenden, so einmal bei kleinen papillomatösen Wucherungen, einige- 
mal bei der Form der Erkrankung der Littr&’schen Drüsen, bei welcher 
die geschwellten oder cystenartig gefüllten Drüschen wie kleine ge- 
schwellte Lymphfollikel direkt unter dem Epithel liegen. Ich glaube 
dadurch die Behandlungsdauer entschieden abgekürzt zu haben, werde 
aber, bevor ich ein endgiltiges Urteil abzugeben wage, noch genauere 
Resultate abwarten. | 

Jedenfalls stellt der scharfe Löffel eine Bereicherung 
unserer therapeutischen Hilfsmittel dar. Ich habe durch 
seine Anwendung (selbstverständlich nur nach Injektion einer Mischung 
von einer 2%, Kokain- und einer 1%, Suprareninlösung) nie einen 
Schaden entstehen sehen, öfter aber eine Abkürzung der Behandlung 
erzielt, — in drei Fällen nur durch ihn Heilung erzwungen. 


Zur Naturgeschichte der Onanie. 


Von Dr. Julian Marcuse-Mannheim. 


Das Sexualproblem, das noch bis vor wenigen jahren nahezu 
ein Klausurthema geblieben war, dem allein Ärzte, Naturphilosophen 
und ein oder der andere Sozialpolitiker sein Interesse zuwandte, be- 
herrscht heute — unter dem Einfluß der Propaganda zur Bekämpfung 
der Geschlechtskrankheiten — die öffentliche Diskussion und drängt sich 
mit elementarer Gewalt in all unsere ethischen, sozialen, ärztlichen und 
volkshygienischen Betrachtungen. Und diese werden um so folgen- 
schwerer, als in engstem Zusammenhange mit ihnen die Frauenfrage 
aufgerollt, das Jahrtausende lang mißachtete Recht des Weibes pro- 
klamiert und in seiner äußersten Konsequenz die Keuschheit des 








gg 


— 38 — 


Mannes verlangt wird. Die sexuelle Abstinenz ist heute zu einem 
stürmischen Postulat eines in Geistesart und Zahl durchaus nicht zu 
unterschätzenden Flügels der Frauenbewegung geworden und mit ge- 
radezu leidenschaftlichem Bemühen werden alle Momente ethischer und 
rechtsphilosophischer wie physiologischer und hyglenischer Natur her- 
angezogen, um diese Forderung wissenschaftlich zu begründen. Es 
ist nicht meine Aufgabe und Absicht, an dieser Stelle in den lebhaft 
hin und herwogenden Streit der Meinungen einzutreten, vor allem auch 
nicht, die Frage zu erörtern, inwieweit die Folgen sexueller Abstinenz 
schädlich auf das Individuum einwirken können oder nicht, beziehungs- 
weise inwieweit der Sexualtrieb beim Manne im besonderen psycho- 
logisch und physiologisch von dem des Weibes differiert und in dieser 
seiner, man könnte fast sagen, biologischen Aktivitätseigenart das weib- 
liche Lustgefühl weit überragt. Mir kommt es vielmehr darauf an, 
eine Abart der Befriedigung des Geschlechtstriebes zu charakterisieren, 
die als Onanie im Menschengeschlecht — übrigens ist sie ja auch bei 
einer Reihe von Tierarten nachgewiesen worden — eine so außer- 
ordentlich weit verbreitete Rolle spielt und insofern auch mit den ein- 
gangs erwähnten Bestrebungen zusammenhängt, als sie eine Begleit- 
erscheinung des Erwachens des Geschlechtstriebes darstellt und in 
dieser ihrer zeitlichen wie ursächlichen Entstehung entschieden An- 
haltspunkte für die Beurteilung eines so mächtigen, alles überragenden 
Triebes gewährt. Denn mit dem Anathema des Lasters, der Unzucht, 
der irregeleiteten und durch schlechte Umgebung verführten Jugend 
‚allein, ist es in dieser Frage nicht gethan, wenn auch zugegeben werden 
muß, daß sinnlich gefārbte Außenreize in einem körperlich wie ethisch 
noch unentwickelten Individuum wenig Hemmungen vorfinden: Allein 
auf der anderen Seite sind Beispiele genug, wo ein an sich tadelfreier 
Lebenswandel, guter Verkehr wie genügende Aufsicht doch nicht im- 
stande waren, die aufwallenden Triebe zu zūgeln. Und die elementare 
Kraft, mit der sich dieser Trieb durch alle Schichten der. Gesellschaft 
Bahn bricht, iäfßt einen Schluß zu, ob es denkbar ist, die sexuelle 
Abstinenz — natürlich auf dem Boden realer zeitgenössischer Verhält- 
nisse gedacht — durchzuführen und selbst wenn dies möglich wäre, 
ob nicht dieser Preis erkauft würde durch ein noch intensiveres und 
noch gefährlicheres Überhandnehmen der Onanie, als sie jetzt schon ist. 

Zu ihrer Verbreitung und ihrem ursächlichen Entstehen einiges 
Beobachtungsmaterial zu sammeln, war mein Bestreben, als ich von 
dem ersten Kongreß der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der 





— 39 — 


Geschlechtskfankheiten heimkehrte. Von diesem Zeitpunkt an habe 
ich in allen, an mich beruflich herantretenden Fällen von Neurasthenie 
und verwandten Erscheinungen, - aber auch überall da wo Geschlechts- 
.krankheiten in Frage kamen, auf onanistische Exzesse in der Jugend 
inquiriert und folgende Resultate erhalten: Unter 210 Fällen insgesamt 
wurde meine Frage 196 mal mit ‚‚Ja‘' beantwortet, in den übrigen .14 Fällen 
verneint, bezw. ausweichend beantwortet; das ist also ein Prozent- 
satz von 93,3. | 

Sozial verteilen sich diese 210 Fälle derart, daß 128 den arbeiten- 
den Klassen der Bevölkerung angehörten, 82 den besser situierten, 
und daß diese ersteren in 120 Fällen, die letzteren in 76 Fällen von 
196 vertreten waren, also in der sozialen Gruppierung kaum ein Unter- 
schied. 

Wegen örtlicher Beschwerden im Kreuz, am Perineum, urethra etc., 

die sie auf die frühere exzessive Onanie. zurückführten, kamen in Be- 
handlung 14 Fälle, wegen allgemein neurasthenischer Erscheinungen 
mit demselben ätiologischen Moment als hypothetischer Angabe 22 Fälle. 
Vier Fälle reiner Spermatorrhoe wurden ebenfalls auf die Onanie als 
schädigende Ursache zurückgeführt, von einer großen Reihe weiterer 
wurde dieses Moment wohl berücksichtigend mit herangezogen, aber 
doch nicht mit einer solchen Entschiedenheit als maßgeblich hinge- 
stellt, wie bei den vorstehenden. Das Lebenalter, in dem sie begonnen 
wurde, schwankt in weiten Grenzen: Die letzten Schuljahre, die Lehr- 
jahre, ja in einigen Fällen sogar das Lebensalter zwischen 20 und 
25 Jahren, also nach im allgemeinen beendetem Lehrgang wurden ge- 
nannt. Über die primären veranlassenden Momente konnten mir wenige 
einen einigermaßen sicheren Aufschluß geben; natürlich spielen schlech- 
tes Beispiel, schlechte Lektüre, Alkoholgenuß eine sehr häufig wieder- 
kehrende Rolle, allein bei einer wenn auch kleinen Reihe von Patienten, 
deren Angaben aber durchaus den Eindruck der Zuverlässigkeit machen, 
wurde dies entschieden verneint und als ausschlaggebender Faktor der 
Eintritt der Pubertät mit der hochgradig gesteigerten Erregbarkeit und 
Sinnlichkeit ‚sui generis‘‘ dafür angesehen. 

Unter den der arbeitenden Klasse Angehörigen waren sehr robuste 
Individuen mit schwerster körperlicher Arbeit (Getreide- und Kohlen- 
arbeiter) vertreten, zwei von ihnen litten noch in dem Alter von 32 
bezw. 34 Jahren an sehr häufigen Pollutionen, 

Von sämtlichen, also auch den nicht sexuell belasteten Patienten 
wurde übereinstimmend die subjektiv empfundene schädigende Wirkung 


= 40 ze 


der Onanie betont: Schlaffheit, Mattigkeit, ziehende unangenehme Em- 
pfindungen bezw. Schmerzen in der urethra, der Kreuzbeingegend, 
Störungen der Arbeitsfähigkeit, allgemeine Unlustempfindungen, Kopf- 
schmerzen; ja manche gingen sogar so weit, zu behaupten, daß sie 
noch Tage lang unter dem Eindruck dieser Unlustempfindungen standen. 

Für die Frage der Beurteilung der Onanie als „krankmachen- 
dem“ Vorgang, der ja nach Jahrhunderten starker Übertreibung augen- 
blicklich der Gefahr der Unterschätzung wieder unterliegt, von Be- 
deutung und im Zusammenhang mit anderweitigen Beobachtungen zu 
Schlußfolgerungen wohl geeignet. | 

Daß frühzeitige Belehrung und Aufklärung über die schädlichen 
körperlichen und psychischen Wirkungen der Onanie, daß eine vernunft- 
gemäße Erziehung mit starker Berücksichtigung des Sports und der 
körperlichen Erholung, daß veränderte Lebens- und Arbeitsverhältnisse 
mit der Schaffung eines Lebensinhalts, daß die Regelung des Nahrungs- 
regimes mit der Ausmerzung des Alkohols bestimmend auf die Expan- 
sion der Onanie einwirken können, ist klar und sie anzustreben not- 
wendig. j 

Aber alle noch so tiefgehenden Reorganisationen und Reformie- 
rungen der Gesellschaft, einschließlich der Koedukation der Geschlechter, 
wie der aus sich selbst herauswachsenden höheren Achtung vor dem 
weiblichen Geschlecht, werden wohl umstimmend, nüancierend wirken, 
nie aber physiologische Grundeigenschaften des Organismus, wie 
die mit der Ausstoßung gereifter Keimteile verbundenen Gefühlser- 
regungen, dem Prinzip der Gleichheit zuliebe ausrotten können! 


Zur Abortivbehandlung der Gonorrhoe mittels 
Albargin. 


Von Dr. Schourp-Danzig. 


Seitdem aus Dr. Max Joseph’s Poliklinik Bornemann über 
Gonorrhoebehandlung mit Albargin berichtete (,, Therapie der Gegenwart‘, 
1901, März), hat diese Verbindung von salpetersaurem Silber mit Gela- 
tose verbreitete Anwendung gefunden. Als Vorzüge des Präparates 
werden allgemein anerkannt: die starke bakterizide Wirkung auf die 
Gonokokken, die fast völlige Reizlosigkeit des Mittels, die baldige Herab- 
setzung entzündlicher Erscheinungen, die reinliche Handhabung der 


Zee A a 


die Finger und die Wäsche nur sehr wenig beschmutzenden Lösung, :' 
der billige Preis des Präparates, welches an und für sich wohlfeil ist 
und dazu gewöhnlich in Lösung von geringer Konzentration verordnet 
wird. Während nun die meisten Berichterstatter die Injektionen an- 
fangs mit einer 0,1—0,25 prozentigen Lösung vornehmen lassen, um 
nach einer Woche 0,5 prozentige und sodann 1,0 prozentige Lösung 
bei einer Durchschnittsbehandlung von 30 Tagen zu verordnen, wiesen 
Blaschko („Berliner klinische Wochenschrift 1902, Nr. 19%) und Fuchs 
(„Therapeutische Monatshefte 1903, Oktober“) auf die Brauchbarkeit 
des Albargins in 2 prozentiger bezw. 4 prozentiger Lösung als Abor- 
‘ tivmittel der Gonorrhoe hin. Des weiteren betonte Chrzelitzer 
(„‚Reichs-Medizinalanzeiger 1904 No. 3“), daß die Gonorrhoe schnell zu 
beseitigen sei, wenn man die Anfangsdosis des Albargin höher nimmt. 
Er applizierte dem Patienten bei der ersten Konsultation eine 1—5 pro- 
zentige Albarginlösung von 10—15 Minuten langer Einwirkung und 
ließ, um die dabei entstandenen großen Schmerzen zu lindern, im 
Teufelschen Suspensorium 2 prozentige essigsaure Tonerdeumschläge 
machen. Die Gonokokken verschwanden dabei schon häufig nach 
einer Sitzung. Trat aber .doch wieder eitriger Ausfluß ein, so erhielt 
der Pätient in der Sprechstunde alle 2 Tage eine immer schwächer 
werdende Albarginlösung und injizierte zu Hause zweimal täglich ‚„Solutio 
Zinci sulfurici“ 0,1:1150. Durchschnittlich trat in drei Wochen völlige 
Heilung ein. Auf Grund dieser Erfahrung verwandte Chrzelitzer so- 
dann eine 20 prozentige ÄAlbargin-Gliyzerinlösung, welche er gleichzeitig 
als Prophylaktikum empfiehlt. — Diese Mitteilungen veranlaßten mich, 
eine Änderung in meiner bisherigen Albargintherapie bei der „Gonorr- 
hoea acuta anterior“ einzuführen, wobei ich von dem Gedanken ausging, 
einerseits eine möglichst schnelle und glatte Heilung der Gonorrhoe 
zu erreichen, andererseits aber dem Patienten möglichst wenig’ Schmer- 
zen zu bereiten. Denn gerade der mit Gonorrhoe infizierte Kranke 
ist bisweilen unter bestehender psychischer Depression überaus schmerz- 
empfindlich und so ängstlich, daß er jede stark schmerzende Behand- 
lung scheut. Nach meinen Erfahrungen wird eine 3 prozentige Albar- 
ginlösung fast allgemein als erträglich empfunden und der hervorge- 
rufene Schmerz durch Umschläge um die ‚Pars pendula penis‘ leicht ge- 
hoben. Diese Lösung leistet bei 8—10 Minuten langer Einwirkung 
auf die vorher durch eine Spülung von Albargin 2:1000 ‚Aqu. dest.“ 
gereinigte Harnröhrenschleimhaut durch schnelle Abtötung der Gono- 
kokken und Abnahme des Fluor gute Dienste. Namentlich wirkt sie 


L ee e a a a un M 


ed 


geradezu überraschend bei Patienten, bei welchen folgende Voraus- 
setzungen zutreffen: erstmalige Infektion; Zeit nach der Infektion 
3—5 Tage, Zeit nach Auftreten des ersten Fluor 1—2 Tage; einwand- 
freier Befund Gonokokken; Mangel an Komplikationen und Hem- 
mungsbildung (Hypospadie). 

Indem ich von der Anführung von Krankheitsgeschichten absehe, 
möchte ich den therapeutischen Erfolg dahin zusammenfassen, dass 
es durch eine, je einmal an 2 aufeinanderfolgenden Tagen vorgenom- 
mene Injektion von 3 prozentiger Albarginlösung in 16 von 18 Fällen 
akuter „Gonorrhoea anterior‘ gelang, die Gonokokken dauernd zum Ver- 
schwinden zu bringen. In den folgenden Tagen ließ ich die Patienten 
abwechselnd zweimal täglich zu Hause eine Injektion von Albargin 
0,3:100 bis 150 bis 200 ‚„‚Aqu. destill.‘‘ und von ‚„Injectio composita‘'-Form. 
Magistr. — vornehmen; in durchschnittlich 10 Tagen verschwand der Fluor 
völlig und in durchschnittlich 16 Tagen wurde völliges Abheilen des 
Krankheitsprozesses erreicht. In keinem der 16 Fälle kam es zu 
Komplikationen, trotzdem die Kranken ihre berufliche Tätigkeit, welche 
bei zwei Patienten mit täglichem, mehrstündigen Reiten verbunden 
war, in keiner Weise einschränkten; in 6 Fällen verordnete ich neben- 
bei — weil innerliche Medikamentation ausdrücklich gewünscht wurde — 
noch 3—4 mal täglich 0,6 Gonosan, ohne daß hierdurch eine auf- 
fällig günstigere Wirkung erzielt wurde. 


Abolitionismus und Hygiene. 
Von Dr. P. Meissner-Berlin. 


Motto: Si duo faciunt idem, 
non est idem. 

Das zwanzigste Jahrhundert, das Jahrhundert der Aufklärung, und 
des wissenschaftlichen Fortschrittes hat eine Reihe von Bestrebungen 
gezeitigt, deren Möglichkeit man vor 30 Jahren für mindestens zwei- 
felhaft, wenn nicht ausgeschlossen, erachtet hätte. Unter diesen Be- 
wegungen, welche sich sowohl auf eine Förderung der körperlichen 
wie geistigen Gesundheit der Bevölkerung beziehen, nimmt in den 
letzten Jahren die Bestrebung, die Geschlechtskrankeiten, zu bekämpfen, 
eine hervorragende Stelle ein. Daß die Geschlechtskrankheiten von - 
Jahr zu Jahr zunehmen und wenn auch nicht an Intensität, so doch an 


a. AI: we 


Frequenzen den Charakter von Volksseuchen aufweisen, wird niemand 
bestreiten wollen. Das immer mehr und mehr zustandekommende 
Umsichgreifen der Geschlechtskrankheiten liegt in den sozialen Ver- 
hältnissen begründet, erscheint aber in seinen Konsequenzen und im 
Hinblick auf die Vermehrung und gesunde Fortpflanzung der Be- 
völkerung, in höchstem Maße bedenklich. Wir kennen zwei Geschlechts- 
krankheiten, welche hier in Frage kommen: die Syphilis und die Go- 
norrhoe. Eine dritte, das Ulcus molle hinzuzurechnen, hat für die uns 
hier interessierende Frage keine Bedeutung, da diese Affektion ohne 


- erhebliche konstitutionelle Schädigungen mehr als PaEee septische 


Erkrankung“ aufzufassen ist. 

Die Geschichte lehrt uns in Bezug auf die Syphilis, daß deren 
Existenz in Europa neueren Datums ist. Scheint es doch heute un- 
zweifelhaft festzustehen, daß die von Amerika zurückkehrenden Matro- 
sen des Kolumbus aus Haiti diese Krankheit nach Spanien importier- 
ten, eine Krankheit, die, soweit man nachweisen kann, seit undenk- 
lichen Zeiten in Haiti endemisch war. Wie und wann die Gonorrhoe 
die europäischen Völker befallen hat, ist aus dem Grunde historisch 
kaum nachweisbar, weil diese Erkrankung keine dauernden Merkmale 
an den einzig perennierenden Teilen des menschlichen Körpers, an den 
Knochen, hervorzurufen pflegt. Es ist aber anzunehmen, daß auch 
die Gonorrhoe eingeschleppt ‘worden ist, denn wir finden historische 
Denkmäler, die Berichte über diese Erkrankung bei sonst Hopere 
ausgeprägter Gründlichkeit vermissen lassen. 

Es ist eine Erfahrungstatsache, daß alle Seuchen gewissen, oft 
über Jahrhunderte sich hinziehenden Schwankungen in ihrem deletären 
Charakter unterworfen sind. Es hat eine Zeit gegeben, in welcher 
die Lepra den Charakter einer schweren Seuche zeigte, eine Zeit, von 
der uns heute nur noch die Reste alter Leprosorien berichten. Auch 
die Syphilis hat einen Höhepunkt in ihrer, die Gesundheit gefährden- 
den Eigenschaft im Beginn ihres Auftretens in Europa durchgemacht. 
Es ist auch heute eine uns wohlbekannte Tatsache, daß wenn ein 
Völkerstamm, der bisher von Syphilis frei war, mit dieser Krankheit 
infiziert wird, dieselbe einen erheblich schwereren Charakter anzu- 
nehmen pflegt, als wir das im allgemeinen kennen lernen. So war am 
Ende des 15. Jahrhunderts die über Europa hereinbrechende Syphilis 
von einer, Tausende dezimierenden MHeftigkeit, die wir heutzutage uns 
kaum vorstellen können. In einer Zeit, wo der Begriff der Immuni- 
sierung alltäglich geworden ist, Kann es nicht schwer sein, über die 


= jA 


allmähliche Intensitätsabnahme der Syphilis ins Klare zu kommen. 
Es handelt sich dabei offenbar um eine langsame, aber unabwendbar 
fortschreitende Immunisierung der Bevölkerung gegen das Syphilis-Virus. 

Es muß als ein humaner Gedanke erster Ordnung bezeichnet 
werden, Schritte zu unternehmen, um die Geschlechtskrankheiten in 
ihrem, das allgemeine Wohl bedrohenden Fortschreiten aufzuhalten und 
so hat denn die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- 
schlechtskrankheiten den Ruhm mit Recht für sich in Anspruch zu 
nehmen, auf einem vor 30 Jahren kaum öffentlich zu behandelnden 
Gebiete die Initiative ergriffen zu haben. 

Jedoch die Motive der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten 
können verschiedene sein. Daß die Deutsche Gesellschaft lediglich 
den praktischen, wenn ich so sagen soll, ärztlichen Zweck verfolgt, 
die Geschlechtskrankheiten genau so wie die. Tuberkulose, die Pocken 
etc. zu bekämpfen und zwar sowohl durch Sanierung der hierbei in 
Frage kommenden hygienischen Verhältnisse wie durch Warnung vor 
drohenden Gefahren gegenüber dem Publikum, wie endlich durch 
Empfehlung und Prüfung zur Heilung geeigneter Mittel, liegt auf der 
Hand und die Deutsche Gesellschaft wird lediglich von diesen Ge- 
sichtspunkten aus den Kampf unternehmen und, wie man heute wohl 
sagen kann, -— wenn auch in langer Zeit — nicht ohne Sieg bestehen. 
Jedoch die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hängt auf das 
allerengste mit einer anderen Frage zusammen, deren soziale Bedeu- 
tung von niemandem verkannt werden kann und deren sanitäre so- - 
wohl wie moralische Lösung zu den schwierigsten, ja vielleicht zu den 
unmöglichen Aufgaben gehört. Es ist das die Frage der Prostitution. 

Bei ruhiger und von keiner Gefühlsregung getrübter Überlegung 
wird man zugeben müssen, daß die Prostitution weder das Produkt 
einer Überkultur, noch das Resultat einer grenzenlosen Entsittlichung 
ist, denn die Geschichte lehrt mit unabweislicher Klarheit, dafß es 
die Prostitution zu allen Zeiten gegeben hat. Es wäre falsch, aus 
dieser historischen Tatsache den unlogischen Schluß zu ziehen, daß 
deshalb die Prostitution etwas achtenswertes, etwas durch das Alter 
ihres Bestehens legitimiertes wäre. So falsch dieser Schluß wäre, so 
richtig ist aber der andere, daß die Ursachen der Prostitution offen- 
bar so tief begründet im Leben und Treiben der Menschen sind, daß 
man ohne weiteres eine Beseitigung weder für möglich, noch für aus- 
sichtsreich halten kann. 

Es sei gestattet, einen kurzen Rückblick auf die geschichtliche 


u. cd, s 


Entwicklung der Prostitution zu tun. Wenden wir uns dabei dem klassi- 
schen Altertum zu, so sehen wir die überraschende und mit unseren 
heutigen Begriffen kaum zu vereinbarende Auffassung, daß die Prosti- 
tution eine ihre Vertreter nicht nur nicht schändende, sondern sogar 
ehrende Beschäftigung darstellt. Die Gründe für diese eigentümilche 
Stellung der Prostitution im Altertum liegen wohl im Großen und 
Ganzen in einem, mit besonderer Sorgfalt und Hingabe gepflegten 
Aphrodite-Kultus. Jedoch auch in der späteren Zeit, ja bis zu dem 
Jahre 1493, hatte die Prostitution eine absolut andere Stellung, als 
nach jenem Jahre. Wenn auch die Vertreterinnen derselben nicht be- 
sonders geehrt, gefeiert wurden, so standen ihnen doch bis zu jener 
Zeit Rechte zu, die wir heute besonders verdienstvollen Mitbürgern zu 
vindizieren gewohnt sind. Schritthaltend mit dieser Auffassung, lag 
auch in der Benutzung der Prostituierten der damaligen Zeit nichts, 
was der Schande und der Verachtung glich, im Gegenteil: man be- 
trachtete den Verkehr mit Prostituierten als etwas ganz selbstverständ- 
liches, unabweisliches und als etwas, das zu einer eingehenderen Kritik 
keine Veranlassung gab. 

Erst mit dem Jahre 1493, der Rückkehr der bereits erwähnten 
Matrosen des Kolumbus und der Verschleppung der Syphilis nach 
Europa, begann — sit venia verbo — der Niedergang der Prostitution. 
Der Grund hierfür lag in der körperlichen Schädigung, welche ihre 
Benutzer in Form der Syphilis davontrugen und so gewöhnte man sich 
daran, die Prostituierten, anstatt sie als kranke Menschen, was nach 
dem bisherigen Gebahren wohl logisch gewesen wäre, zu bedauern, 
zu verachten und sie auf jede mögliche Weise einzuschränken, 
zu quälen, rechtlos und verworfen zu machen. So haben wir die 
interessante Tatsache, daß eine Berufsklasse durch eine ihr widerfahrene 
gesundheitliche Schädigung in ihrer sozialen Stellung vollkommen 
ruiniert und vernichtet wird. 

Die Schlußfolgerung, daß an der Verbreitung der Geschlechtskrank- 
heiten in erster Linie die Prostitution Schuld sei, ist ganz fraglos 
richtig. Nun kann man vielleicht das Motiv rechtfertigen, die Be- 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten auch erreichen zu wollen durch 
eine Bekämpfung der Prostitution. Dieses Motiv kennt die Deutsche 
Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten nicht. Sie 
hat wohl etwas mit der hygienischen Sanierung der Prostitution zu 
tun, aber nie mit ihrer Bekämpfung als solche. Stehen dieser Ge- 
sellschaft nur praktische Motive zur Seite, so wird die Bekämpfung 


-— 46 — 


der Prostitution von moralischen Bestrebungen diktiert. Es hat sich 
nun seit langen Jahren eine Internationale Vereinigung gegründet, 
welche als abolitionistische Föderation bezeichnet werden kann und 
die — neben allen möglichen anderen moralischen Bestrebungen — auch 
die Bekämpfung der Prostitution und den Kampf gegen die Frequen- 
tierung der Prostitution auf ihre Fahne geschrieben hat. Diese Abo- 
litionisten, wie sie sich nennen, verfolgen also in allererster, ja viel- 
leicht in einziger Linie sittliche Zwecke. Daß derartige Bestrebungen 
die intensivste Förderung sowohl von Seiten der menschlichen Ge- 
sellschaft wie von Seiten des Staates verdienen, braucht wohl nicht 
besonders betont zu werden. jedoch die Frage, ob das Vorgehen der 
Abolitionisten in jedem Falle zweckdienlich genannt werden kann, ist 
nicht ohne weiteres zu bejahen. Ich stehe vielmehr auf dem Stand- 
punkt, daß gerade die abolitionistischen Bestrebungen in hygienischer 
Beziehung, wenn auch nicht direkt ein Schaden, so doch erhebliche 
Erschwerung veranlassen. Wenn eine Gesellschaft den Kampf gegen 
die Geschlechtskrankheiten aufnimmt oder wenn man, ganz allgemein 
gesprochen, gegen irgend eine Seuche von Seiten der Allgemeinheit 
vorzugehen gedenkt, so ist die erste und wichtigste Forderung, über 
alle diese Seuche betreffenden Tatsachen, ihre Entstehung, ihr Vor- 
kommen, die sie fördernden, die sie schädigenden Momente klar zu 
sehen. Man wird also auch bei der Bekämpfung der Geschlechts- 
krankheiten rücksichtslos das Licht nüchterner, vom Gefühl nicht be- 
einflußter Forschung in alle Ecken und Winkel dieses weit verzweigten, 
oft recht dunklen Gebietes leuchten lassen müssen, um daraus die 
Schlüsse zu ziehen, die uns befähigen, einen wirksamen Kampf in 
Szene zu setzen. Nun ist aber die große Gefahr bei einem solchen 
Vorgehen dann gegeben, wenn Gefühlsmomente und moralische Ent- 
rüstung das klare Erkennen und ruhige Abwägen der erkannten Tat- 
sachen erschweren. Und diese Gefahr stellt der Abolitionismus für die 
praktische Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten dar und, da diese 
nichts anderes ist, wie ein Teil der sozialen Hygiene, so ist, wie. wir 
sehen werden, der Abolitionismus in gewisser Beziehung auch eine 
Gefahr für die Hygiene. 

Wenn in ein Haus ein Wildbach einbricht und Bewohner wie 
Gebäude zu zerstören droht, so wäre ganz fraglos das rationellste 
Mittel, den Wildbach, dort wo er entspringt, abzuleiten. Dieses Be- 
ginnen, unmöglich in der Ausführung, ist aber sinnlos, so lange dem 
Haus und den Bewohnern Gefahr droht. In diesem Falle heißt es, 


==. A == 


zunächst Haus und Bewohner schützen und dann erst kann man an 
die Beseitigung der die Gefahr veranlassenden Ursache gehen. So 
steht es mit der Prostitution und der Bekämpfung der Geschlechts- 
krankheiten. Die Geschlechtskrankheiten, die hygienisch sanitäre 
Schädigung der Bevölkerung, sind der Wildbach dort, wo er in das 
Haus eingebrochen ist. Seine Quelle ist die Prostitution. Es ist sinn- 
los, die Prostitution bekämpfen zu wollen, ehe wir die von ihr verur- 
sachte, vor Augen liegende Gefahr zunächst abgewandt haben. Des- 
wegen ist der moralisch sittliche Kampf gegen den Begriff der Pros- 
titution, so anerkennenswert er auch sein mag, doch unpraktisch, denn 
während dieser Kampf, um es gleich zu sagen, mit absoluter Aus- 
sichtslosigkeit geführt wird, gehen so und so viele Mitmenschen der 
Gefahr der: Infektion nach wie vor entgegen. Es entspricht daher den 
praktischen Zielen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der 
Geschlechtskrankheiten, sich um die Prostitution erst in zweiter Linie 
zu kümmern und in erster Linie ihre hygienische Sanierung ins Auge 
zu fassen. 

Die Abolitionisten predigen: „Es ist sittenlos, eine Prostituierte 
zu benutzen, eine Prostituierte als solche ist ein unsittliches Geschöpf, 
es ist unmoralisch, den aufßerehelichen Beischlaf auszuüben“. Ja, 
würde diese Predigt den Nutzen und Effekt haben, daß die Prosti- 
tuierten ihren Beruf aufgäben und die jungen Leute keusch blieben, 
dann hätten die Abolitionisten recht. Die Praxis hat aber gezeigt und 
bewiesen, daß das nicht der Fall ist und wenn man zu dieser Über- 
zeugung gekommen ist, dann gibt es nur einen Weg, der zu einem 
Nutzen führen kann und das ist der, alle Seiten — und seien sie noch 
so düster und traurig — der Prostitution ans Licht zu zerren, dem ganzen 
Schaden bis in das einzelne hinein nachzugehen und zu überlegen, 
wie das Übel am geringsten zu gestalten sei. Es gibt enragierte Abo- 
litionisten, die — „incredibile dictu“ — die Geschlechtskrankheiten als 
Mittel ansehen, ihren Zweck zu fördern, in dem Glauben, daß die 
Furcht vor den Geschlechtskrankheiten die Menschen zur Moral treiben 
wird. Natürlich können solche Auffassungen nur in dem fanatischen 
Hirn unreifer Menschen entstehen, denn mit der Tatsache, daß der 
und jener aus Angst vor den Geschlechtskrankheiten nicht zu einer 
Prostituierten geht, wird keiner der Unglücklichen, die Syphilis acqui- 
rierten, gesund, und es geht bei dieser Frage nicht nach dem Satz, 
daß der eine reuige Sünder besser sei wie tausend Verdammte. Im 
Sinne einer sozialen Hygiene kann es nur liegen, die Krankheit zu be- 


eu. AR 


kämpfen, nicht die unmoralische Anwandlung, die zu ihrer Acquirierung 
geführt hat. Das liegt nicht im Sinne einer sozialen Hygiene, das 
mag ein sehr schönes Ziel sein, aber es darf bei der Erreichung des- 
selben nicht der praktische Zweck gehindert werden. Ich-stehe daher 
auf dem Standpunkt, daß der Abolitionismus gewiß eine, wie ich schon 
sagte, intensiv zu fördernde Bestrebung ist, solange hygienische Maß- 
nahmen gegenüber den Schäden der Prostitution durch denselben 
nicht gehindert werden. | 

Begreiflicherweise wird bei einer Auffassung rein vom moralischen 
Standpunkt die öffentliche Diskussion über "Fragen der Prostitution 
perhorresciert werden. Man wird geneigt sein, eine Vogelstrauspolitik 
zu treiben, weil man es für unmoralisch hält, überhaupt über derartige 
Dinge zu sprechen. Gerade dieser Punkt ist aber das bedenkliche, 
denn wenn man erst anfängt, bei irgend einer Sache — aus welchen 
Gründen ganz gleichgültig - sich Tatsachen zu verschweigen, dann wird 
man den klaren Blick verlieren und wird infolgedessen auch nicht die 
zweckdienlichen Mittel finden, um zu bessern. Lange Jahre hat es 
gedauert, bis man so weit gekommen ist, über derartige Fragen in 
der Gesellschaft und in der Öffentlichkeit diskutieren zu können. Um 
so mehr ist es bedenklich, durch oft fanatische, rein auf moralischen 
Gründen basierende Verfechtungen der Anschauung die praktischen 
Ziele und ihre Erreichung in Frage zu stellen. 

Ich glaube daher, und darin liegt kein Vorwurf, daß der Aboli- 
tionismus bezüglich der Prostitution — bekanntlich gibt es Abolitio- 
nismus auch in Bezug auf andere Schäden der Gesellschaft — nicht 
geeignet ist, in der heutigen Zeit nennenswerte Erfolge auf dem Ge- 
biete der sozialen Hygiene zu zeitigen. Seine Bestrebungen können 
sich nur auf die Zukunft erstrecken und zwar, wie dies auch mit 
vollem Recht geschieht, auf eine Besserung der sozialen Verhältnisse 
überhaupt, die andererseits die Befriedigung natürlicher Triebe im 
Rahmen der staatlich und durch die Religion sanktionierten Ehe er- 
möglichen und die dann allerdings den aufßerehelichen Beischlaf mit 
Recht als vermeidbar bezeichnen würden. Heute aber den aufßerehe- 
lichen Beischlaf, nur weil man ihn: perhorresziert, als unnötig, als 
nicht vorhanden, zu bezeichnen, heißt sich selbst betrügen und heute 
kann ein hygienischer Fortschritt nur unter Würdigung der bestehen- 
den Verhältnisse erreicht werden. Nur die bewufßtte Kenntnißnahme 
von dem Vorhandensein der Prostitution ermöglicht, sie hygienisch zu 
sanieren. Nur die völlige Klarheit über das Vorkommen des außer- 


a AG 


ehelichen Beischlafes gibt die Mittel und Wege an die Hand, die Be- 
kämpfung der Geschlechtskrankheiten erfolgreich zu betreiben. Der 
Abolitionismus soll in keiner Weise beschränkt werden. Sollte er, was 
ich nicht glaube, in absehbarer Zeit, seine Ziele erreichen, um so 
besser. Bringt er es dahin, daß die Prostituierten aus Beschäftigungs- 
losigkeit ihren Beruf aufgeben, so wird gewiß mit Freude die Deutsche 
Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten als zwecklos 
ihre Tätigkeit aufgeben. Ich glaube nicht an diese Zukunftsmusik und 
so lange diese Tatsache nicht erreicht ist, kann es für uns nur ein 
praktisches Ziel geben und das ist: das der Deutschen Gesellschaft 
vom rein nüchternen praktischen Standpunkt aus, ohne moralische Be- 
denken, ohne sentimentale Regungen, der Wahrheit furchtlos ins Ge- 
sicht blickend und nicht zurückscheuen vor Tatsachen, die dem Ein- 
zelnen vielleicht in moralischer Beziehung entsetzlich und furchtbar 
erscheinen mögen. Derartige Überlegungen dürfen bei einer so huma- 
nen und hygienisch wichtigen Bestrebung niemals in Frage kommen! 


Ein Beitrag zur Syphilis-Therapie. 
Prophylaktischer Vorschlag 
von Dr. med. E. Orlipski, Spezialarzt in Halberstadt. 


Erfolge, welche ich in den letzten Jahren bei syphilitischen Pri- 
märaffekten mit Modifikation der Salizylquecksilberinjektion im Sinne 
einer wertvollen Prohibitivkur erzielte, veranlassen mich zu folgendem 
Bericht: 

Ich verwende die auch sonst übliche Suspension „Hydrargyrum 
salicylicum“ 1 gramm in 10— 15 gr. ‚„Paraffinum liquidum.‘‘ Dieses Quan- 
tum wird nun nicht in 8—12—15 vollen Spritzen (die Spritze zu 1 ccm 
gerechnet) verbraucht, sondern: ich injiziere nur '/,—'/, des Spritzen- 
inhalts, vervielfältige aber die Anzahl der Injektionen um das 4—6 
fache, so daß schließlich doch als Gesamtergebnis die Einverleibung 
von 1 gr. Hydr. salicyl., also die auch sonst für eine Kur durchschnitt- 
lich verlangte Menge, herauskommt. | 
Was ich damit erreicht zu haben glaube, ist: 

1) in negativer Beziehung 
a) die viel sicherere Vermeidung von Infiltrationen und Absce- 
4 


ln. 
at 


‚-— O0 — 


dierungen, von Schmerzhaftigkeit und Unerträglichkeit am Orte der 
Einspritzung; 

b) die größere Gewähr gegen unerwünschte merkurielle Wirkungen 
am Orte der Ausscheidung: (Mund, Darm, Haut, Niere). 

Ich habe mich oftmals gefragt: warum treten die ersten Hg.- 
Vergiftungserscheinungen mit Vorliebe gerade an Stellen auf, wo Hg. 
erfahrungsgemäß den Körper verläßt? 

Mir wollte es immer scheinen, als wäre dies eine Art Mene Tekel 
der Natur, das uns zuruft: denket daran, daß es bei der Hg.-Wirkung 
sehr wesentlich -auch auf die Größe der Ausscheidung ankommt, auf 
die Mengenverhältnisse, in welchen Hg. den Körper verläßt! — Da 
nicht jede, auch die denkbar kleinste Hg.-Gabe toxisch wirkt, so ist 
anzunehmen: es gibt eine physiologische Reiz-Zeit-Breite, innerhalb 
welcher die ausgeschiedene Menge nicht toxisch: wirkt. Erst wenn 
dieser normale physiologische Reizschwellenwert überschritten wird, 
erst wenn mehr als das Maß des für die betr. Organe Erträglichen 
zur Ausscheidung gelangt, erst dann treten unerwünschte, i. e. toxische 
Nebenwirkungen an diesen Ausscheidungsplätzen ein. — Wenn ich 
0,1 gr. Hg. salicyl. dem Körper auf einmal zuführe, so bringe ich ihn 
in eine Gefahr, die daraus folgt, daß es möglich ist, daß die Gesamt- 
zufuhr auch auf einmal den Körper verläßt und an dem Orte der 
Ausscheidung schwere Schädigung setzt. 

Aber selbst angenommen, daß die Ausscheidung des auf einmal 
zugeführten O, 1 gr Hg. in Etappen vor sich geht, nach und nach, pro 
Tag etwa in einem gewissen Bruchteil nur der Zufuhrsmenge, so bleibt 
doch eine Gefährdungsmöglichkeit bestehen aus dem Grunde, weil die 
ausscheidenden Organe gewissermaßen auf 2 Seiten, in ihren ausführenden 
Kanälen und in ihren Blutbahnen Hg-Moleküle führen, diese Teile also 
sich wie zwischen zwei Feuern befinden, von innen und von außen 
her von Hg-Lösungen bespült werden und darum weit intensivere 
merkurielle Wirkungen an dem Organ der Ausscheidung eintreten 
können. — Ein Mittel, die Ausscheidungsmengen des zugeführten Hg. 
ganz nach Wunsch zu regulieren, kennen wir nicht; und kennten wir 
es auch, so würde doch immer die letzterwähnte verderbliche Mög- 
lichkeit der „zwei Seiten-Wirkung“ des Hg. bestehen bleiben. Darum 
sehe ich nicht, wie man dieser Gefährdung der Ausscheidungsorgane 
anders oder besser vorbeugen könnte, als durch eine Methode, bei der 
wir pro Tag nur so viel Hg. zuführen, als der Körper ungestraft pro 
Tag auszuscheiden in der Lage ist. 


= 5 


c. eine größere Sicherung gegen Deponierung von unberechen- 
baren Hg.-Mengen an anderen und zwar solchen Teilen des Körpers, 
welche, wie Knochen, Knorpel, Hirn, Nervensubstanz, Heimstätten für 
metallisches Hg. unter Umständen sollen werden können. Bekannt- 
lich hört man von den Antimerkurialisten immer noch zeitweise die 
Behauptung, daß .ein gewisser mäßiger Prozentsatz des zu Heilzwecken 
eingeführten Hg. überhaupt nicht zur Ausscheidung, sondern zur 
dauernden Ansiedlung an gewissen Praedilektionsstellen kommen soll, 

Diese Behauptung ist nun allerdings durch nichts bewiesen: 
enthielte sie aber auch nur ein Körnchen Wahrheit, so hat die vor- 
geschlagene Modifikation, wie leicht ersichtlich, unleugbare Vorteile, 

Hg. ist ein Fremdstoff, der Körper hat das Bestreben, sich dieses 
Fremdstoffes zu erwehren. Führe ich nun ein Hg.-Quantum auf 
einmal ein, größer als das, welches der Körper in gegebener Frist be- 
wältigen kann, so besteht die Gefahr, daß von dem längere Zeit in der 
Blutbahn kreisenden und auf Ausscheidung harrenden Fig. Teilchen 
verschleppt und an oben angegebenen Orten angesiedelt werden. Darum 
bedeutet die Modifikation kleinerer, aber zahlreicherer Injektionen meines 
Erachtens einen Vorzug auch nach dieser Richtung hin. 


2) in positiver Beziehung glaube ich mit meiner Modifikation dieses 
erreicht zu haben; | 

a) eine intensivere Einwirkung auf das Syphilis-Virus: Mydrargyr. 
Salicyl. kommt bekanntlich nicht als solches zur Wirkung, sondern 
nach Umwandlung in Quecksilberchlorid als dieses. Nach chemischen 
Analogien ist es sehr wahrscheinlich, anzunehmen, daß dieses in 
„Statu nascendi“ am wirksamsten ist. Status nascendi = Status 
maximi effectus. Je häufiger nun durch die Behandlung dieser Zustand 
höchster Wirksamkeit herbeigeführt wird, je öfter wir dem Körper zum 
„Entstehen“ von Hg.-chlorid Gelegenheit geben, um so mehr und 
öfter wird Syphilis-Gift gebunden werden können. Daraus resultiert 
eine höhere Wirkung fraktionierter, aber häufigerer Injektionen. 

b) eine über längere Zeit, möglichst die ganze sog. zweite In- 
kubationszeit (d. h. bis in den Beginn der Sekundärperiode hinein) 
sich erstreckende Zufuhr von Syphilis bekämpfenden Hg. — Die 
meisten heute üblichen Hg-Kuren, sind, was ihre zeitliche Begrenzung 
anlangt, willkürlich (cf. Neißer „Einreibungskur“). Wenigstens für 
Prohibitiv-Kuren, eingeleitet zu dem bewußten Zwecke, den Ausbruch 
von Allgemeinerscheinungen zu verhüten, kann das wohl kaum be- 

f i 


zu. 6: 


'stritten werden. Vielleicht rührt die noch immer vorhandene Gegner- 
‚schaft gegen prophylaktische Kuren überhaupt davon her, daß diese 
‘gewöhnlich über einen zu kurzen Zeitraum sich erstrecken, dann zu 
-Mißerfolgen führen. — Den einzig gerechtfertigten Maßstab für "die 
‘Dauer einer derartigen Kur gibt die empirisch festgestellte Dauer der 
sog. zweiten Inkubationszeit, d. i. der Zeit, die vergeht zwischen dem 
"Primäraffekt und dem ersten Auftreten des spezifischen Exanthems; 
.über diesen Zeitraum muß sich eine Prohibitivkur, soll anders sie Er- 
folg haben, erstrecken. Und auch dieser Punkt scheint mir nicht ohne 
"Bedeutung: Sei es, daß von der Eingangspforte her im Laufe von 
:8—10—12 Wochen nach und nach Syphilis-Erreger in die Blutbahn 
gelangen und in dieser Zeit den Körper allgemein inficieren, sei es, 
daß die an der Stelle des Primäraffektes fest verankerten Erreger 
= Toxine absondern, welche im Laufe der empirisch festgestellten Dauer 
‘der sog. zweiten Inkubation durch Cumulation vergiftend wirken, jedenfalls 
‘denke ich mir die Generalisierung der Syphilis aus zahlreichen Einzel- 
akten zusammengesetzt, und darum erscheint mir als iogische Folge, 
daß ich einer dergestalt vor sich gehenden Durchseüchung des Körpers 
am besten auch durch eine in zahlreichen Einzelaktionen sich ab- 
spielende Gegengift-Zufuhr entgegentrete. 

Vorstehende Gesichtspunkte leiteten mich zu meiner modifizierten 
Injektionsmethode, die mir in Wahrheit als Prohibitivkur sicheren Er- 
folg gewährte. 

Die Unbequemlichkeit der vermehrten Arbeitslast findet einen 
genügenden Ausgleich in der sicheren Kontrole des Kranken, dem ge- 
radezu moralisch-suggestiven Einfluß, welchen eine derartig intensiv er- 
scheinende und insonderheit doch so milde Kur auf die Lebensführung 
‘der Patienten während und auch nach der Kur ausübt, und „last not 
least“ in dem sicheren Vermeiden übler Nebenwirkungen, welche oft die 
ganze moderne Syphilis-Behandlung in Mißkredit bringen, darum ge- 
radezu gemeinschädlich und doch aufs einfachste, wie gezeigt,. ver- 
meidbar sind. 

Eine ‚ausführliche Bearbeitung dieser „vorläufigen Mitteilung“ be- 
‚halte ich mir vor. 


ei. I ea 


Ein Fall von irrtümlicher Geschlechtsbestimmung 
(Erreur de sexe). 


Beobachtet und beschrieben von Dr. Magnus Hirschfeld. 


A. Vorgeschichte: a) Abstammung. 


‚Friederike S. wurde im Frühjahr 1861 auf einem Dorf in Bayern 
geboren. Die Eltern, welche sich mit Landwirtschaft beschäftigen, 
leben noch, sind über siebzig Jahre alt und gesund. Sie sind nicht 
blutsverwandt, die Mutter ist zwei Jahre älter, als der Vater, beide 
sind sittenstrenge, sehr fromme und biedere Leute und führen eine. 
glückliche. Ehe. | | 

Friederike hat zwei Geschwister, die verheiratet sind, Kinder 
haben und stets kräftig und gesund gewesen sein sollen. 

In ihrer engeren und weiteren Familie sind ihr keine Fälle von 
geistigen Störungen, mangelhafter Körperentwickelung, Bruch, Kropf, 
Lues, Alkoholismus, Tuberkulose bekannt, auch kamen in der Ver- 
wandtschaft keine Selbstmorde vor. 

Eine Belastung im degenerativen Sinne ist nicht nachweisbar. 


b) Präpubische Zeit. 


Friederike lernte rechtzeitig gehen und sprechen. Die erste und 
zweite Zahnung verlief normal; sie litt weder an Kopfschmerzen, noch 
an Krämpfen, Bettnässen oder anderen Störungen. Von den Eltern, 
die niemals mit ihr über geschlechtliche Verhältnisse sprachen, wurde 
sie streng und etwas prüde erzogen. Besonders wundert sie sich, daß 
die Mutter sie niemals „nach dem Unwohlsein gefragt hat“. Sie zog 
im allgemeinen Knabenspiele vor, vor allem kletterte sie gern auf 
Bäume, lernte aber auch alle Handarbeiten. In der Schule machte 
sie gute Fortschritte; große Vorliebe hatte sie für Naturwissenschaften 
und Geographie, auch für Rechnen, weniger für Religion. Im 13. 
Lebensjahr zeigten sich die pubes, die Brüste blieben völlig unver- 
ändert, Menses traten nicht ein, im 17. Jahr veränderte sich die 
Stimme. Im Beginne der zwanziger kamen Barthaare an Oberlippe 
und Kinn, welche sie anfangs mit der Scheere, später mit dem Rasier- 
messer entfernte. Ziemlich früh, ihrer Erinnerung nach schon vor 
der Reife, begann sie durch Friktionen an der „clitoris“ zu mastur- 
bieren und hat diese Manipulationen, allerdings vielfach mit monate-, 
jangen Unterbrechungen, bis in die jetzige Zeit fortgesetzt. 


— 54 — 





c) Postpubische Zeit. 

1. Geistige Eigenschaften: Die Patientin macht einen ernsten, 
ruhigen Eindruck, sie lacht wenig, ist sehr schamhaft, mißtrauisch 
und ängstlich. Anderseits liegt aber auch viel Liebenswürdigkeit und 
Gutmütigkeit in ihrem Wesen. Sie gibt an, daß sie ziemlich leicht 
heftig wird und wenn sie verletzt ist, sehr rachsüchtig sein kann. 
Abergläubisch ist sie gar nicht, sie kann sich „ordentlich aufregen“, 
wenn ihre Mitarbeiterinnen vom Traumdeuten und Kartenlegen sprechen. 
Familiensinn ist nur in geringem Grade vorhanden, ein Kind möchte 
sie nicht besitzen, Tiere hat sie sehr gerne, sie ist sehr opferwillig 
- und könnte für eine Freundin „ihren ganzen Verdienst hingeben“. 
Sie ist unstet, etwas lässig und von wenig festem Willen. Rohheiten 
und besonders Zoten sind ihr zuwider; sie trinkt und raucht gern 
und kann 4 halbe Liter „Echtes“ oder eine Flasche Wein gut ver- 
tragen. 

Ihre Intelligenz ist bedeutend, sie besitzt eine für ihren Stand 
umfangreiche Bildung. Das Gedächtnis ist gut, sie beobachtet und 
prüft scharf. Sie hat Vorliebe für Musik und Malerei, geht gern in 
die Museen; vor allem liebt sie das Theater, von den Bühnenkünstlerm 
schätzt sie am meisten Clara Ziegler, von männlichen Persönlichkeiten 
ist König Ludwig Il. von Bayern „ihr Ideal“. Sie interessiert sich 
für Altertümer, auch für Kriege und Politik, in der Zeitung fesseln 
sie am meisten die Selbstmorde. Für die Mode hat sie gar kein in- 
teresse, sie liest gern wissenschaftliche Werke, niemals Romane. Sie 
kann kochen, versteht Haus- und Handarbeiten, doch gibt sie männ- 
: lichen Beschäftigungen den Vorzug. Sie besitzt einen Revolver und 
scharfe Patronen, schießt gern, kann auch reiten und rudern. Sie 
wäre am liebsten Kunstreiterin geworden, auch Malerin, sie zeichnet 
häufig Damenköpfe, auch hätte sie gern als Soldat gedient, sie liebt 
aber das Militär nur im Ausmarschanzug, nicht im „Sonntagsstaat“. 
In ihrer Kleidung zieht sie einfache, anliegende Gewänder vor, am 
angenehmsten ist ihr die englische Façon (Reitkleid), sie hat Abrnei- 
gung gegen Schmuck, Vorliebe für hohe Kragen und Herrenhüte, doch 
trägt sie, um weiblicher auszusehen, einen großen Federhut, ein Sammt- 
‚band um den Hals, das den Adamsapfel verdeckt, Bluse mit Broche, 
Korsett mit Brusteinlage und Tournüre. Auf Maskenbällen ist sie zu 
ihrer großen Freude einigemale als Mann gegangen. Ohrringe, die sie 
ebenfalls früher getragen hat, sind ihr verhasst, ebenso Armbänder, 
Fächer, Parfüms, Puder und Schminke. Wegen ihres bescheidenen 





= 55 


liebenswürdigen Charakters ist sie überall wohl gelitten, doch sind 
ihr größere Gesellschaften unangenehm, am liebsten ist sie zu zweien. 
Ihre Schriftzüge sind groß, fest und sicher, 

2. Der Geschlechtstrieb. Die ersten geschlechtlichen Re- 
gungen traten im 13. Lebensjahr auf. Die Richtung des Geschlechts- 
triebes war immer dieselbe und zwar wandte sie sich von Anfang an 
dem weiblichen Geschlecht zu. Die Liebesträume bezogen sich stets 
auf das Weib, sie träumte, daß sie. ein Mädchen küßte und an. sich 
drückte, wobei Erektionen der „Clitoris“ eintraten. Dieselben be- 
merkte sie auch schon früh beim Berühren oder Umarmen ihrer 
Schulfreundinnen. Dem Manne gegenüber besteht in sexueller Hinsicht 
Gleichgültigkeit, vor dem „coitus‘‘ mit ihm Widerwillen. Vier Heirats- 
anträge, welche ihr im Laufe der Jahre gemacht wurden, lehnte sie 
ab, zweimal gab sie dem Verlangen von Männern, welche mit. ihr 
cohabitieren wollten, nach, fühlte sich aber nach dem „inter femora“ 
vorgenommenen Akt sehr unbefriedigt. Auf die Frage, was sie am 
Manne abstößt, antwortete sie: „es ist kein Reiz da“. 

Ihre Neigung erstreckt sich besonders auf 18 bis 24 jährige Mäd- 
chen mit vollen Brüsten und starken Armen, und zwar mehr sanft- 
mütige und gebildete Personen. Eine große Vorliebe hat sie für 
schöne Hände. Anderweitige fetischistische, sadistische oder maso- 
chistische Anomalien sowie Neigung zu geschlechtsunreifen Personen 
waren niemals vorhanden. Zweimal hatte sie ein Freundschaftsbündnis 
von längerer Dauer, jedesmal etwa 3 Jahre, sie war sehr eifersüchtig, 
bezeichnet aber diese Jahre als die glücklichste Zeit ihres Lebens. 
Die Art ihres Begehrens ist männlich aktivisch, die Stärke ihres Ge- 
schlechtstriebes groß, nach dem Verkehr mit einer Frau fühlt sie 
sich erfrischt und gesundheitlich gefördert. Wenn die Gelegenheit 
lange fehlte, griff sie zur Selbstbefriedigung. Sie fühlte sich oft sehr 
unglücklich, litt an Lebensüberdruß, kaufte sich einen Revolver, hat 
aber keinen Selbstmordversuch gemacht. Am liebsten wäre sie „als 
Mann geboren“, angekämpft gegen ihre Natur hat sie nicht, weil sie 
es für aussichtslos hielt. Trotz sehr religiöser Erziehung hat sie ihren 
Glauben verloren, weil „in der Bibel steht, Ihr sollt Euch vermehren 
und sie .nicht an einen Gott glauben kann, der so unvollkommene 
Geschöpfe geschaffen habe, wie sie eines sei“. 

B. Status praesens. Patientin ist 1.72 m groß, wiegt 156 Pfd., 
ihre Knochen sind stark, die Körperkonturen nicht abgerundet, sondern 
eckig, Oberarm und Oberschenkel abgeflacht, Fettpolster sehr gering, 


— 56 — 


Muskeln abgesetzt und kräftig, sie hebt mit einer Hand 1!/, Zentner, 
trāgt 2 Zentner auf dem Rūcken, mich selbst (90 Kilo) hob sie ziemlich 
leicht empor, Hände und Füße sind groß, besonders die Hände ungewöhn- 
lich kräftig, das Fleisch fühlt sich fest an, sie turnt gern, tanzt auch 
gern „als Herr*, ihre Schritte sind ziemlich kurz, ihr Gang ist gerade, 
doch dreht sie sich etwas in den Hüften, schon als Kind konnte sie 
„wie ein Bube“ pfeifen. Der Kehlkopf. ragt sehr stark hervor, was 
durch ein Sammtband sehr geschickt verborgen wird. Die Stimme ist 
tief und rauh, Halsumfang 37 cm, die Länge des Halses beträgt, von der 
„incisura thyreoidea“ bis zum „Manubrium sterni‘ 10 cm. Die Schlüssel- 
beine ragen vor. Thoraxumfang über den „Mamillae‘ gemessen, bei der 
Inspiration 98, . in Exspirationsstellung 91 cm. Der Atmungstypus ist 
abdominal. Der Warzenhof hat einen Durchmesser von 1?/, cm, ist 
ein wenig umhaart. Mammagewebe nicht nachweisbar. Auf der 
linken Seite befindet sich, genau in der Mitte der 28 cm langen Ver- 
bindungslinie, welche von der Brustwarze bis zum Nabel gezogen 
werden würde, eine kleine überzählige Brustwarze. Die Hüftbreite ist 
bedeutend schmäler wie die Schulterbreite; der Schulterumfang beträgt 
— unter dem „Acromion‘‘ genommen — 106 cm, der Hüftumfang da- 
gegen, am oberen Endpunkt der ‚„rima pudendi‘‘ gemessen, 98 cm, zieht 
man nur die Vorderseite in Betracht, so ist die Schulter vom Aeromion 
zum Acromion 50 cm, die Hüfte in der Mitte zwischen Nabel und 
Symphyse von einem Oberschenkel zum andern 44 cm breit. Das 
Becken selbst hat einen völlig männlichen Charakter. 

Der Schädel ist kräftig, die hohe Stirn wird durch die nach 
unten gekämmte Haarfrisur um ein wesentliches verkürzt; das Kopf- 
haar reicht jetzt aufgelöst bis zur Mitte der Schulterblätter und ist 
nicht sehr dicht, bis zum 20. Jahr wurde es in zwei Zöpfen getragen, 
welche damals bis zur Taille reichten. Jetzt wird es in moderner 
Damenfrisur getragen. Der Bartwuchs ist sehr stark; der Bart wird an der 
Oberlippe und am Kinn täglich rasiert, die Supercilien sind ziemlich 
stark. Der Gesichtsausdruck ist im ganzen männlich, besonders die 
Nasen- und Mundpartie, die Züge grob, nur der Blick ist innig, mehr 
weiblich, ihre Bekannten sagten, sie hätte einen „verliebten Blick“, 
in der Wange befinden sich tiefe Grübchen, die Ohren sind zierlich, 
die Ohrläppchen von kleinen Löchern durchbohrt. 

Die Haut ist ziemlich zart und fast unbehaart, nur am Unter- 
arm und Unterschenkel befindet sich ein leichter Flaum. Die Schambe- 
haarung trägt den weiblichen Typus. Die Schmerzempfindlichkeit der 


u SE. 


Haut ist groß. Patientin will immer gesund gewesen sein, so daß 
sie noch niemals bei einem Arzt gewesen ist. 

Die Geschlechtsteile: Die äußeren Geschlechtsteile zeigen 
auf oberflächlichen Anblick eine weibliche Form. Man sieht zwei stark 
entwickelte große Labien, weiche sich nach dem Damm zu verbreitern, 
ziemlich reichlich behaart sind und an der Innenseite prominente Talg- 
drüsen aufweisen. Die hintere Commissur der großen Labien grenzt 
sich nach oben zu scharf ab, während die Labien nach dem Damme 
zu ineinander übergehen. Der letztere ist ziemlich lang und ist an 
seinem analen Ende mit Hämorrhoidalknoten besetzt. In der oberen 
Schamlippe ist ein hühnereigroßes, hodenartiges Gebilde deutlich pal- 
babel. Von demselben geht ein Strang aus, der sich wie ein „vas 
deferens‘' anfühlt. Cremasterreflex nachweisbar. Die linke Schamlippe 
ist leer, doch gelingt es, von der Unterleibshöhle aus durch den linken 
Leistenkanal ein hodenartiges Gebilde von der Größe eines Taubeneies 
herabzudrücken. Es wird angegeben, dafi bei dem Geschlechtsverkehr 
mit Weibern, welcher teils nach Art des normalen Coitus, teils als 
Cunnilingus vorgenommen wird, im Orgasmus ein schleimiges Sekret 
„etwa ein Fingerhut voll“ entleert wird, welches aus einer anderen Öff- 
nung als der Harn hervorquillt. Dasselbe geschieht bei der Mastur- 
bation. Auf eine Untersuchung dieses Ejaculats auf Spermatozoen 
mußte Verzicht geleistet werden. 

In dem zwischen den großen Labien befindlichen Spalt treten 
die stark entwickelten Schleimhäute der kleinen Labien zutage. Oben 
bilden sie ein weithervorragendes Präputium, nach dessen Zurückstreifen 
erst die undurchbohrte Clitoris sichtbar ist. 

Diese ist von Smegma bedeckt, zeigt deutlich eine Glans, einen 
„sulus corronarius‘, ist in der Ruhe 4, in „statu erectionis‘‘ 7 cm lang. 
An der Spitze findet sich ein seichtes Grübchen, welches sich nach 
unten in einer Furche fortsetzt, die in den schmalen Scheidenspalt 
übergeht. 

6 cm unterhalb der Penisspitze mündet in diese Rinne der 
Urethralkanal, Hymen ist nicht vorhanden, in die Scheide kann weder 
mit dem Finger, noch mit einer Sonde eingedrungen werden, da 
diese Manipulationen mit zu großen Schmerzen verknüpft sind, und in 
Chloroformnarkose nicht untersucht werden konnte. Zieht man die 
kleinen Labien weit auseinander, so scheint es, als ob die blutigrote 
Scheide in einer Tiefe von 3 cm blind endigt. 

Bei der rectoabdominalen Untersuchung fand ich nichts, was als 


— 58 — 


Uterus, Tube oder Ovarien gedeutet werden konnte, dagegen einen 
wallnussgroßen Körper, der nach Form und Lage den Eindruck einer 
Prostata hervorrief. 


Epikrise: 


Bei der 40 jährigen Friederike Schmidt, die seit ihrer Geburt als 
Weib lebt und, abgesehen von der in Rede stehenden Abnormität, 
völlig gesund ist, zeigt sich ein absolut männlicher, stark auf das Weib 
gerichteter Geschlechtstrieb, der sich in-seiner Richtung niemals ver- 
ändert hat. Ihre geistigen Eigenschaften und Neigungen sind von 
Jugend an überwiegend männlich, trotzdem sie im Laufe der jahre man- 
cherlei weibliche Gewohnheiten . angenommen hat. Die sekundären 
Geschlechtscharaktere sind fast ausnahmslos rein männlich, nur die 
Scham- und Kopfbeharung zeigt weiblichen Typus, doch besteht da- 
neben reichlicher Bartwuchs. Kehlkopf, Brüste, Becken sind absolut 
viril. Menses waren nie vorhanden. - 

Was die primären Geschlechtscharaktere anlangt, so läßt sich, 
entsprechend dem Geschlechtstrieb und den Geschlechtszeichen zweiter 
Ordnung, ein hodenartiger Keimstock nachweisen, von dem ein samen- 
strangartiges Gebilde ausgeht; im linken Leistenkanal steckt ein atro- 
phischer Keimstock unbestimmten Charakters. Der Geschlechtshöcker 
nimmt eine Mittelstufe zwischen Penis und Clitoris ein. Große und 
kleine Schamlippen sind vorhanden, welche eine kurze, blind endigende 
Scheide begrenzen. Im Übrigen sind weibliche Organe, vor allem ein 
Uterus, nicht nachweisbar, dagegen scheint eine Prostata vorhanden 
zu sein. 

Wenn auch in diesem Fall eine ganz sichere Geschlechtsdiagnose 
erst bei der Sektion möglich ist, so läßt sich, trotzdem eine mikro- 
skopische Untersuchung des Sexualsekretes auf Spermatozoen, sowie 
eine Exploration in Chloroformnarkose nicht vorgenommen werden 
konnte, mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit sagen, 
daß es sich hier um eine irrtümliche Geschlechtsbestimmung (erreur 
de sexe) handelt, indem die als Weib lebende Friederike Schmidt in 
Wirklichkeit männlichen Geschlechtes ist. Der Irrtum wird dadurch 
verständlich, daß wahrscheinlich bis zur Pubertät doppelseitiger Krypt- 
orchismus bestand, so daß die leeren großen und kleinen Schamlippen 
oder richtiger Geschlechtsfalten und Wülste in Verbindung mit dem 
hypospadaeischen, sehr kleinen Membrum in der Tat den absoluten 
Eindruck weiblicher Geschlechtsteile hervorriefen, zumal ja die bei der 





=, 56, == 


Geburt noch völlig indifferenten sekundären und tertiären Geschlechts- 
charaktere für die Diagnose nicht in Betracht kommen konnten. 

Meinen Vorschlag, ihre Metrik zu ändern und als Mann weiter 
zu leben, lehnte die Patientin ab, da sie das mit dieser Umänderung 
verknüpfte Aufsehen scheute und fürchtete, die ihr angenehm gewordene 
geschäftliche Stellung zu verlieren. 


Der Neomalthusianismus. 
Die facultative Sterilität in der ärztlichen Praxis. 
Von Dr. Rohleder-Leipzig. 


Das Kapitel des Neomalthusianismus ist bei den Ärzten ein recht 
stiefmütterlich behandeltes. Die meisten Kollegen mögen von diesem 
Gebiete, gleichwie von dem der Masturbation — aus Gründen der 
Schicklichkeit, des Anstandes(!), wie mir einmal ein Kollege zur 
Antwort gab, nichts wissen. 

Ist auch die Lehre von der fakultativen Sterilität „per se ipsam“ 
eine solche, die mehr den Nationalökonomen angeht, als den Arzt, so 
schneidet sie doch so tief ein in das Gebiet der Hygiene und der 
praktischen Medizin, daß eine kurze Erläuterung vom medizinischen 
Standpunkt aus vielen Ärzten nicht unerwünscht sein dürfte; habe ich 
doch schon früher in meinem Werke ‚Vorlesungen über Sexualtrieb 
und Sexualleben des Menschen‘ (Berlin, Fischers mediz. Verlag 1901) 
gezeigt, daß die facultative Sterilität heutzutage zu einem integrierenden 
Bestandteil der „Vita sexualis‘‘ und der sexuellen Hygiene und damit zu 
einem gewichtigen, dem Arzt notwendigen Rüstzeug seines medizini- 
schen Wissens und therapeutischen Könnens herangewachsen ist. 

Unter Neomalthusianismus versteht man: „Willkürliche Beschrän- 
kung der Kinderzahl“, oder um mit Hasse-Mensinga zu reden —, die 
„fakultative Sterilität“, d. h. das Bestreben, beim Geschlechtsverkehr 
Vorkehrungsmafßregeln zu treffen, welche eine Befruchtung verhindern, 
ohne Störung des Ablaufs des normalen Coitus und ohne Störung der 
Gesundheit der ihn Ausübenden. 

Ich will hier nicht näher eingehen auf die geschichtliche Ent- 
wickelung des Neomalthusianismus, nur kurz anführen möchte ich, daß 
der Name herstammt von Thomas Robert Malthus (1756 — 1834), 


— 60 — 


einem Geistlichen der anglikanischen . Kirche, der 1798 in seinem 
„Essay on the prinziple of population“ (letzte 6. Auflage 1826), wenn 
auch nicht als erster, so doch in bestimmter Form, vom sozialpoliti- 
schen Standpunkt aus auf diese Frage näher einging, allerdings unter 
einem anderen Gesichtswinkel, als wir heute. Er fordert nicht eine 
Einschränkung der Kinderzahl durch Vorbeugungsmittel, sondern die 
sogenannte „moral restraint“, d. h. sittliche Selbstbeherrschung bis zur 
Ehe, die möglichst spät geschlossen werden soll. Dieser Malthusianis- 
mus ist direkt im Laufe der Zeit ins. Umgekehrte umgeschlagen. 
Der Neomalthusianismus fordert möglichst frühzeitig geschlossene Ehen 
und dann in der Ehe nicht sexuellen Verkehr ad libitum ohne Vor- 
beugung (wie Malthus wünscht), sonst empfängnisvorbeugenden Ver- 
kehr. Der Neomalthusianismus müßte eigentlich demnach Antimal- 
thusiasmus heiflen, wenn man unter diesem Ausdruck nicht die den 
 Neomalthusianismus bekämpfenden Bestrebungen verstehen würde. 

Der englische Nationalökonom James Stuart Mill (1818), dann 
Francis Place (1822), und in der Jetztzeit besonders Charles Drysdale 
in London, haben diese Lehre ausgebaut. In Deutschland sind es be- 
sonders zwei Männer gewesen, die für die Lehre eingetreten sind, 
Hans Ferdy, der mehr vom sozialökonomischen, jedoch auch medi- 
zinischen, und Mensinga-Flensburg, der nur vom medizinischen, i. e. 
hygienischen Standpunkt die fakultative Sterilität behandelte, ersterer 
noch heute, letzterer anfangs (Pseudonym Hasse) pseudonym. Auch 
Stille-Ihlienworth ist in Deutschland ein eifriger Verfechter dieser 
Lehre. 

Es ist hier nicht meine Aufgabe, auf die volkswirtschaftliche 
Bedeutung dieser Lehre einzugehen, zu zeigen, wie weit dieselbe hier 
eingedrungen und ob mit Recht oder nicht; uns interessiert hier einzig 
und allein der medizinische Standpunkt, i. e. die medizinische Be- 
rechtigung der Lehre. Nur kurz erwähnen möchte ich, daß 
Malthus die Lehre aufstellte, daß allen lebenden Wesen, also auch den 
Menschen, die Tendenz angeboren sei, sich stärker zu vermehren, als 
die Nahrungsmittel der Erde gestatten. Die Bevölkerung schreite in 
geometrischer, die Nahrungsmittelgewinnung in arithmetischer Pro- 
gression fort, sodaß sich erstere zur letzteren en ee ee 

i l. 2.3.4. 5. 6. 
und so fort verhalten würde. Die Unhaltbarkeit dieser Lehre, sowie 
die soziale und praktische Undurchführbarkeit der Malthus’schen Vor- 
schriften, wie möglichst geschlechtliche Enthaltsamkeit vor der Ehe 





— 6 á — 


(undurchführbar infolge der gerade in dieser Jugendzeit besonders stark 
entwickelten ‚Libido sexualis‘‘ des Menschengeschlechtes), dann möglichst 
Jange Hinausschiebung der Ehe (aus sozialen u.v.a. Gründen oft 
undurchführbar) wurden sehr bald eingesehen und schon Place 
schwenkte zum Neomalthusianismus, d. h. zur Anwendung von die Be- 
fruchtung bekämpfenden Mitteln über. | 

Über die medizinische Berechtigung des Neomalthusianismus 
sprechen sich aber heute die Autoren noch sehr verschieden aus. | 


Während Sänger, Zweifel, v. Krafft-Ebing u. a. Gegner sind, sind 
Dührssen, Kisch, Hegar, Flesch, Eulenburg, Löwenfeld, Kamp, Kepler 


u. v. a. Anhänger derselben. Ä 
Wer hat Recht, wird der Praktiker fragen? Die möglichst un- 


parteiische Beleuchtung dieser Frage erlaube ich mir, vom rein 
medizinischen Standpunkt, der für uns als Ärzte hier allein 


in Betracht kommen kann, im Folgenden. 
Es kommen hier zwei Fragen in Betracht: 

I. Haben wir denn überhaupt das Recht, unseren Pa- 
tienten den Praeventivverkehr (den die Gegner, wie Zweifel, als 
in seinen Folgen „entsittlichend“ genannt haben) zu empfehlen? 

ll. Wenn ja, in welchen Fällen sind wir, sei es thera- 
peutisch, sei es hygienisch-prophylaktisch dazu berech- 
tigt, resp. verpflichtet? 

I. Haben wir das Recht, den Praeventivverkehr an- 
zuraten? 

Um für uns Ärzte die Frage überhaupt entscheiden zu können, 


"müssen wir unterscheiden zwischen N. aus sittlichen und N. aus ego- 


istischen Gründen. 

Einen N. aus sittlichen Gründen nenne ich denjenigen, den der 
Arzt als durch die Erkrankung der Frau (resp. des Mannes) bedingt, 
oder prophylaktisch im Interesse der Nachkommenschaft anordnet. 


"Wenn also.so schwer wiegende ärztliche Bedenken gegen eine erneute 


Schwangerschaft vorliegen, daß das gesundheitliche Interesse irgend 
eines Menschen dabei Schaden nehmen kann, so meine ich, ist es 
sittliches Vorgehen des Arztes, einen solchen Schaden zu ver- 
hüten, umsomehr, als ein solches Vorgehen einem Menschen ja 
keinen Schaden zufügt, sondern einen solchen nur verhindert. Hier 
handelt der Arzt nicht nur prophylaktisch, sondern therapeutisch: Ja, 
ein Arzt, der durch ein vorbeugendes Mittel Verschlimmerung einer Er- 
krankung, unendliche Qualen und Schmerzen, sicheres Siechtum, viel- 


ir Id 


leicht gar den Tod einer Frau verhindern kann und es nicht tut, 
der handelt unsittlich. Ein Neomalthusianismus aus sittlich 
zwingenden Gründen kann daher nicht nur nicht erlaubt sein, 
sondern muß Pflicht eines gewissenhaften Arztes sein. Also unsere 
Stellung als Arzt, als Jünger der Heilkunde, die uns das Diplom eines 
approbierten Arztes von Staatswegen gewährt, berechtigt uns aus 
medizinischen Gründen nicht nur, sonen VerpLIEINEN uns sogar 
` zur event. Anwendung des N. 

Worin die entsittlichenden Folgen da bestehen sollen, das ver- 
stehe, wer kann. Wenn eine Handlung an sich nicht .entsittlichend 
ist, können es auch deren Folgen nicht sein. Die Handlung ist einzig 
und allein naturwidrig, d.h. sie verhindert den natürlichen Zweck 
eines jeden Coitus, i. e. Befruchtung, i. e. die Schaffung eines leb. 
Wesens. Aber ist da nicht jeder ‚Coitus post conceptionem“ natur- 
widrig?, — ist nicht das gesamte Prostitutionswesen, ein event. künstlicher 
Abort noch viel naturwidriger? Und wer bestreitet in gewissem Falle 
das Recht zu einem solchen? Ist etwa ein Abort, der als lebensrettender 
Akt ärztlich auch von den Gegnern vorgenommen wird, eine unsitt- 
liche Handlung?, und er ist doch ein eingreifenderes und rück- 
sichtsloseres Vorgehen, als etwa ein „Coitus condomatus‘“. Oder 
nun gar eine Zerstückelung eines Kindes wegen Gebärunmöglichkeit? Ist 
der N. in unserem Falle in seinen Folgen, Verhinderung der Schaffung 
eines Lebewesens derselben Gattung, entsittlichend, so müssen wir uns 
auf den Standpunkt der Hindus stellen, die die Mädchen mit dem 
12. Jahre, jedenfalls vor Eintritt der Menstruation, verheiraten, damit nicht 
ein Eichen verloren geht, was nach ihrer Religion ein Verbrechen dar- 
stellt. Ich möchte meinen verehrten Lehrer Zweifel und seine Anhänger 
hier nur an die Worte Tardieu’s (,‚des attentats aux moeurs‘‘) erinnern: 
„Aucune misère physique ou morale, aucune plaie, quelque corrompue 
qw'elle soit, ne doit effrayer celui qui cest voué à la science de Phomme 
et le ministère sacré du médicin en obligeant à tout voir, lui per- 
met aussi de tout dire.“ 

(Fortsetzung folgt.) 


ll. Referate. 


K. Patschkowski: Urotropin als Prophylacticum gegen Schar- 
lachnephritis. == Aus dem Charlottenburger Städt. Krankenhause. == 
(Therap. Monatshefte 1904, Nr. 12.) 

Urotropin wurde in 32 Scharlachfällen gegeben, die einer äußerst bös- 
artigen Epidemie angehörten. Von diesen 52 Fällen wurde bei 8 das Uro- 
tropin 10—21 Tage lang hintereinander in Dosen von 0,25 bei Kindern, 0,5 
bei Erwachsenen, 3 mal täglich gegeben. In den übrigen 44 Fällen erhielten 
die Patienten das Mittel 3 mal je 4 Tage lang mit bestimmten Unterbrechungen 
in denselben Dosen, und zwar: .erstens am 1. bis 4. Tage, zweitens am 9. 
bis 12. Tage und drittens vom 17. bis 20. Tage, wobei der Tag der Einliefe- 
rung ins Krankenhaus als 1. Tag gerechnet wird. In der bei weitem größten 
Anzahl der Fälle wurden die Patienten vor Ablauf des 3. Krankheitstages 
eingeliefert. 

Von allen jenen 52 Kranken bekamen nun 2 (=3,8°/,) Nephritis, ob- 
wohl andere schwere Komplikationen zahlreich auftraten. Schädlich wirkte 
Urotropin niemals ein. 

Jetzt wird das Mittel bei jedem zur Behandlung kommenden Scharlach- 
fall ordiniert. Es wäre vielleicht zweckmäßig, auch bei septischen Prozessen 


(z. B. puerperaler Sepsis) Urotropin prophylaktisch gegen Nephritis anzu- 
wenden. Grätzer (Sprottau). 





Dr. A. Gaßmann-Basel: Schwere Nephritis nach Einreibung 
eines Skablösen mit Perubalsam. (Münch. med. Wochenschrift 1904, 
No. 30.) | 

Ein 26 jähr. Patient wurde der üblichen Perubalsamkur unterworfen jede 
| Einreibung =25g. P.). Am 2. Tage nach der Entlassung Braunfärbung des 
Urins, allgemeine Ermattung, Husten, Oedem des Gesichtes und der Beine, 
Abdomen aufgetrieben. Ergüsse in Pleura und Abdomen, feuchtes Rasseln 
über den Lungen, 38,2. Eiweiß 3%, Zylinder, Leuko- und Erythrozyten, 


Nierenepithel. Verfasser führt Erkrankung auf Idiosynkrasie zurück. 
Steiner - Mannheim. 


Nobl: Fehldiagnosen extragenitaler Primäraffekte. (Wiener 
Medizinische Presse, 1904, Nr. 17 u. 18). 

Primäraffekte am Finger werden leicht für Panaritien gehalten und 
durch Operation behandelt, die leicht zum Verluste von Fingergliedern 
führen kann. Ein Schanker der Unterlippe wurde als Epitheliom keilförmig 
excidiert, wodurch ein enormer Defekt entstand, ein desgleichen am Mund- 
winkel als Abszeß inzidiert, und hierdurch eine Vereiterung der Unterkiefer- 
drüse herbeigeführt. Durch Incision eines für einen Abszeß gehaltenen Ton- 
sillarschankers zerfiel die Mandel nekrotisch. In solchen fälschlich operativ 
behandelten Fällen von Primäraffekten treten auch die Sekundärerscheinungen, 


wohl infolge von komplizierenden Infektionen, besonders schwer auf. 
Felix Block-Hannover. 


— 64 — 


Il. Besprechungen. 





Sexuelle Moral. Von Dr. Max Thal. 82 S. (Breslau, Verlag von 
Wilhelm Koebner.) l 
= Zwei in jüngster Zeit erschienene Aufsätze, die in ihren Voraus- 
setzungen und Forderungen sich diametral gegenüberstehen — die Broschüre 
von Johanna Elberskirchen „Die Sexualempfindung von Mann und Weib“ und 
der Vortrag von Prof. Fränkel „Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten® 
— 'aben den Verfasser zu obiger Arbeit angeregt. Sein Standpunkt ist ver- 
mittelnd, weder tritt er der These, daß es einen Unterschied zwischen 
männlichem und weiblichem Geschlechtsempfinden überhaupt nicht gebe, 
noch der Anschauung von der doppelten Moral, wie sie Fränkel fixiert hat, 
bei. Verf. sucht vielmehr, von der wissenschaftlich feststehenden Tatsache 
der Differenz des sexuellen Empfindens von Mann und Weib ausgehend, den 
Schwerpunkt der bestehenden wirtschaftlichen und sittlichen Schäden in den 
herrschenden Anschauungen über sexuelle Moral. „Reformierung und Morali- 
sierung der Ehe“, lautet sein Rezept; so nur kann die vom sittlichen Stand- 
punkt aus völlig unbegründete doppelte Moral aufgehoben werden. Die 
kleine Arbeit enthält viel Beherzigenswertes, auch viel Wärme der Empfin- 
dung: In die Tiefen der vorliegenden Frage ist sie aber nicht gedrungen- 
Dies setzt ihrem Wert seine Grenzen. J. Marcuse (Mannheim). 





Unsere Monatsschrift 


glaubt in dem verflossenen I. Jahrgang. den Nachweis ihrer Daseinsberech- 
tigung geführt zu haben, indem sie es als ihre vornehmste Aufgabe be- 
trachtete, dem Praktiker das schwierige Gebiet der Harnkrankheiten zugäng- 
licher zu machen, als dies bisher möglich war. 
Der I. Jahrgang brachte: 43 Originalartikel, 121 Referate, 27 Bücher- 
besprechungen sowie eine Reihe kleiner Notizen aus der Tagesgeschichte etc. 
BE Ausführliches Inhalts-Verzeichnis (Sach- und Namen-Register) vom 
/. Jahrgang 1904 wird auf Wunsch_überallhin_gratis_ und portofrei versendet. 


== Fleg. Einbanddecke zum I. Jahrgang ist für Mk. 1,25 zu haben, — 


== eleg. gebundene E; Exemplare vom 1. Jahrgang kost kosten 10 Mk. 

aF Auch im II. Jahrgang soll derselbe Weg, ver unserer ‚„Monatsschrift'" 
viel Anerkennung und Verbreitung verschaffte, eingehalten werden, — eine 
große Reihe interessanter und wichtiger Arbeiten, die für den Il. Jahrgang 
vorgernerkt sind, wird unsere Monatsschrift zu einer für den Praktiker kaum 
entbehrlichen Zeitschrift gestalten. 

Mögen sich den alten Freunden unserer Monatsschrift recht viele 
neue zugesellen! . 

Stuttgart und Leipzig. 


| Redaktion und Verlag 
der Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene. 


Verantwortlich für die Redaktion: Dr. med. Karl Ries, Stuttgart. 
Für den Inseratenteil: Oskar Gottwald, Leipzig. — Druck von August Hoffmann, Leipzig-Reudnitz. 


Monatsschrift tür Harnkrankheiten 


und sexuelle Hygiene. 


Unter Mitwirkung hervorragender Mitarbeiter 


herausgegeben 
von 


Dr. med. Karl Ries in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 


Monatlich ein Heft. Preis des Jahrgangs (12 Hefte) M. 8.— (im Ausland M. 10.—) 
Zu beziehen durch die Post, alle Buchhandlungen des In- und Auslandes sowie 
direkt von der Verlagsbuchhandlung W. Malende, Leipzig, Johannisgasse 31 


Heft 2. Februar 1905. Jahrgang Il. 





Inhaltsübersicht. 
Originalarbeiten: 


1. G. Brendel-Bad Kreuznach: „Über die Fortschritte der Urologie im 
letzten Jahrzehnt.“ (Schluß.) 

2. A. Hennig-Königsberg i. Pr.: „Über Massage der Prostata und der 
Samenblasen.“ (Schluß.) 

3. Boß-Straßburg i. Elsaß: „Über Massage der Harnröhre“. Mit 3 Ab- 
bildungen. 

4. H. O. Rohleder-Leipzig: „Der Neomalthusianismus.” (Fortsetzung.) 

5. Moritz Porosz-Budapest: „Über die Folgen der Onanie“. 

6. Wilhelm Hammer-Berlin: „Eine Weihnachtsfeier im größten Dirnen. 
krankenhause Deutschlands". = Zugleich ein Beitrag zur Psychologie 
der Prostituierten. = 


. Referate: 


l. A. Blokusewski-Niederbreisig a. Rh.: „Die Entwickelung der person; 
lichen Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten“. 

2, Ludwig-Frankfurt a. M.: „Zur Therapie der Leukoplakia urethralis“. 

3. Mr. Gregoir: „Les polypes de l’ure&thre chez la femme". 

4. Hirt Willi: „Die Diagnose der Haematurie“. 

5. P. von Kubinyi: „Entfernung eines von Blasensteinen umgebenen Gänse- 
kieles aus der Harnblase“. 


II. Besprechungen: 


< 


1. A. v. Koränyi-Budapest: „Die wissenschaftlichen Grundlagen der Kryos- 
kopie in ihrer klinischen Anwendung“. 
2. Senator und Kaminer: „Krankheiten und Ehe“. 


. Notizen: 


Grünfeld-Wien: „Zur Abhaltung populär-medizinischer Vorträge‘. 


u ee 


I. Originalarbeiten. 


Uber die Fortschritte der Urologie im letzten 
Jahrzehnt. 


Von Dr. G. Brendel-Bad Kreuznach. 
(Schluß.) 


Bei der äufßerlichen Behandlung der gonorrhoischen Epididymitis 
fanden Unguentum Cred&e und 25°, ige Guajacolsalbe, welch letztere 
auch schmerzstillend wirkt, vielfache Anwendung. 

Die männliche Sterilität ist fast immer verursacht durch eine 

obliterierende Entzündung der Ausführungsgänge des Hodens, speziell 
_ im Schwanze des Nebenhodens. Um nun die Passage wieder frei zu 
machen, hat man versucht, zwischen Nebenhoden, respektive Hoden 
und „Vas deferens“ eine Anastomose zu bilden, indem man einen Teil 
des Nebenhodens resezierte, das „Vas deferens“ 1 cm. lang aufschlitzte 
und mit dem Hoden vernähte. Diese interessanten Versuche ver- 
dienen gewiß in hohem Maße die Beachtung der Chirurgen. 

Erwähnt sei noch, daß nach Hodenexstirpation häufig, um eine 
psychische Depression des Operierten zu verhüten, eine Prothese nach 
Gersuny angelegt wird, bestehend in Ausfüllung der Höhlung mit 
Hartparaffin. ' 

Das Verdienst, die Massage in die Therapie der „Impotentia virilis“ 
und der Hodenerkrankungen eingeführt zu haben, gebührt Zablu- 
dowski, dem wir auch eine genaue Ausarbeitung der hierbei anzu- 
wendenden Methoden verdanken. 

Zur Bekämpfung der männlichen Impotenz, welche auf neu- 
rasthenisch-psychischer Grundlage beruht, wurde in Yohimbin, einem 
in der Rinde des Yohimbehebaumes enthaltenen Alkaloide, ein wert- 
volles Mittel entdeckt. Dasselbe übt eine gefäßlerweiternde, also die 
Erektion befördernde Wirkung auf die sexuellen Blutbahnen aus und 
bewirkt eine direkte Reizung des Erektionszentrums im Lendenmark. 

Gegen sexuelle Neurasthenie, welche sich in Prostatorrhoe und 
Spermatorrhoe äußert, fand neben Ergotin und „Extract. hydrastis 
canadensis“ auch das Heroinum hydrochloricum = salzsaurer Morphin- 
diessigsäureester von einigen Seiten Anerkennung. 

Bei der „Incontinentia urinae“ der Frauen empfahl Gersuny die 
Injektion von sterilem „Unguentum Paraffini“ (Schmelzpunkt 45°C.) in 


— 67 — 


die Blasenschleimhaut um die Blasenöffnung herum, um dadurch eine 
Verengerung des Blasenhalses zu erzielen. Zur Vermeidung von 
Lungenembolie wird es sich empfehlen, nach dem Vorschlage Eck- 
stein’s Paraffin mit höherem Schmelzpunkte zu verwenden. 

Zwecks Bekämpfung der „Enuresis nocturna“ wurden vielfach die 
allmähliche Dilatation und nachfolgende Ätzung der Urethra mit „Argent. 
nitr.“ empfohlen. Cathelin berichtete aus der Klinik Guyon’s über 
erfolgreiche Kuren bei Enuresis durch epidurale Injektionen von physio- 
logischer Kochsalzlösung. Ebenso wurden günstige Erfahrungen bei 
subduralen Einspritzungen von Cocainlösungen veröffentlicht. Durch 
die dadurch erzielte Rückenmarksanästhesie soll die Narkose bei 
Operationen an den Harnorganen vermieden werden. Das Verfahren 
erscheint jedoch bedenklich, weil auch bei strengster Aseptik die In- 
fektionsgefahr besteht und weil die bei der Anwendung auftretenden 
Nebenwirkungen höchst unangenehm und unberechenbar sind. 

Um auf den Blasenurin durch interne Behandlung antiseptisch 
einwirken zu können, war man bisher, außer den oben besprochenen 
Balsamicis, fast nur auf die Salicylpräparate, besonders Salol, ange- 
wiesen, ohne nenrienswerte Erfolge zu verzeichnen. Auch Methylen- 
blau und „Acidum camphoricum“ hatten wenig Einwirkung. Ein großer 
Umschwung in diesem Zweige der Therapie trat ein, als man in dem 
Formaldehyd ein Mittel entdeckte, welches ohne schädliche Neben- 
wirkung nach der Passage durch den Körper erst im Urin ausge- 
schieden 'wird und in der Blase durch seine große antiseptische Kraft 
die Vernichtung oder doch die Entwicklungshemmung der pathogenen 
Keime herbeiführt. Die erste derartige Verbindung, das „Urotropin = 
Hexamethylentetramin“, wurde bald von Helmitol = Hexamethylenamin- 
verbindung der Anhydromethylenzitronensäure und neuerdings besonders 
von Hetralin = Dioxybenzolhexamethylentetramin übertroffen, weil bei den 
letzteren Mitteln die Formaldehydabspaltung im stark ammoniakalischen 
Harne rascher zu stande kommt und deshalb auch bei schweren 
Phosphaturien eine deutlichere Wirkung erzielt wird. Die Formal- 
dehydpräparate haben sich besonders bewährt bei Cystititen, verursacht 
durch Staphylokokken, Colibazillen, Typhusbazillen, Cystitis der Pro- 
statiker, häufig auch bei postgonorrhoischer Cystitis, nicht jedoch bei 
tuberkulöser Cystitis, bei Pyelitis tuberkulöser und anderer Natur; sie 
finden ferner Verwendung als „Prophylactica* vor operativen Eingriffen 
im Bereiche der Harnwege, besonders noch in Fällen, welche auf 
Kathetereinführung stets mit Temperatursteigerungen, resp. Schüttel- 


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frost, reagieren. Die neuerdings aufgestellte Behauptung, daß die Formal- 
dehydverbindungen bei Scharlach das Hinzutreten von Nephritis zu ver- 
hüten imstande sind, wird man wohl mit einiger Skepsis aufnehmen dürfen. 
Auch die geniale Erfindung Röntgen’s hat die Urologie sich zu- 
nutze gemacht, indem man mittels Durchleuchtung leicht einen Fremd- 
körper oder Steinbildungen in den Harnwegen nachweisen kann. Sehr 
wichtige Aufschlüsse hat man auch erhalten, indem man Silberdrähte 
oder Bleidrähte, mit Antimon überzogen, innerhalb der Ureterenkatheter 
bis zum Nierenbecken emporführte und dann das Bild auf eine Röntgen- 
platte projizierte. Man konnte daraus sehr genau den Verlauf der 
Ureteren feststellen und dadurch die diagnostischen Hilfsmittel über 
Abnormitäten in den Ureteren und im Nierenbecken vermehren. 
Blutungen aus den Harnwegen, besonders aus der hinteren Harn- 
röhre und der Blase, wurden durch innere und örtliche Anwendung des 
Styptizins, des salzsauren Salzes des Cotarnins, günstig beeinflusst. 
Eine größere Bedeutung kommt jedoch den Nebennierenextrakten 
(Adrenalin, Suprarenin, Epirenan, Atrabilin etc.) zu, welche vermöge 
ihrer Eigenschaft, den Blutdruck zu erhöhen und lokale Anämiesierung 
zu erzeugen, vorteilhaft in Form von Spülungen 1 : 10000 angewandt 
werden bei endourethralen und endovesikalen Operationen, bei urethraler 
und vesikaler Hämaturie; eventuell auch, um bei Neigung zum Bluten 
die Anwendung des Cystoskopes zu ermöglichen und ein deutliches 
Bild vom’ Blaseninnern zu gewinnen; ferner zur Hintanhaltung der 
Blutung vor der Sondierung sehr enger Strikturen und vor dem Ka- 
theterismus, wenn wegen starker Hypertrophie der hyperämischen Pros- 
tata Blutungen zu befürchten sind. Auch bei akuter kompletter Anurie in- 
folge ödematös vergrößerter Prostata haben Instillationen (1 : 1000) in die 
„pars posterior urethrae“ oft Erfolg; es ist jedoch anzunehmen, daß 
hierbei auch die psychische Beeinflussung eine Rolle spielt. Bei An- 
wendung der Infiltrationsanästhesie für Operationen verbindet man zweck- 
mäflig die Wirkung des Cocains mit der eines Nebennierenpräparates. 
Eine größere Wertschätzung hat die cystoskopische Untersuchung 
auch für die Nierenkrankheiten erfahren, seit man gelernt hat, aus 
gewissen Veränderungen der Einmündungsstelle des Ureters auf Er- 
krankungen der betreffenden Niere, z. B. solche tuberkulöser Natur, 
zu Schließen und so häufig eine frühzeitigere Diagnose zu stellen, als 
es mit den anderweitigen Hilfsmitteln möglich wäre. 
Von Neuerungen ist zu erwähnen, daß es gelang, mit Hilfe des 
Cystoskopes Photogramme vom Blaseninnern aufzunehmen; für Lehr- 


zwecke ist das Demonstrationscystoskop sehr geeignet, welches eine 
gleichzeitige Benützung des nämlichen Instrumentes für Lehrer und 
Lernenden gestattet; eine praktische Modifikation steht uns zur Ver- 
fügung im retrograden Cystoskope Schlagintweit’s; mit Hilfe dieses 
Instrumentes sind wir in den Stand gesetzt, uns über die Beschaffen- 
heit des Blasenhalses genau zu orientieren. 

Der Ureterenkatheterismus hat uns eine ganz hervorragende Be- 
reicherung und Verfeinerung unserer differenzialdiagnostischen Methodik 
bezüglich der Nierenerkrankungen gebracht und uns die Beantwortung 
lebenswichtiger Fragen an die Hand gegeben. Die Gefrierpunkts- 
bestimmung des Harnes der einzelnen Niere, die Menge der künst- 
lichen Zuckerausscheidung auf jeder Seite nach subkutaner Phloridzin- 
injektion geben uns, in Verbindung mit der Kryoskopie, ein genaues 
Bild über die Arbeitskraft jeder Niere und verleihen dem Vorgehen 
des Chirurgen eine früher nie geahnte Sicherheit. 

Die vielfachen Vorschläge, das Auffangen des Harnes jeder Niere 
durch sogenannte Harnsegregatoren oder Blasenscheider zu bewerk- 
stelligen, sind nicht rationell, weil das Verfahren unsicher und schmerz- 
haft ist. Auch die Versuche, mittels subkutaner Indigkarmininjektion 
den aus dem Ureter tretenden Harnstrahl zu färben und aus dem 
Ausscheidungstypus etc. diagnostische Schlüsse zu ziehen, können 
den Ureterenkatheterismus nicht ersetzen, da wir über das wichtigste, 
die Leistungsfähigkeit der betreffenden Niere, keinen sicheren und un- 
trüglichen Aufschluß erhalten können. 

Durch Einlegen des Ureterenkatheters ist es jetzt auch möglich, 
die früher so häufigen Verletzungen des Ureters bei Vornahme gynä- 
kologischer Operationen gänzlich zu vermeiden. 

Zum Schlusse bleibt noch übrig, des hohen Aufschwunges Erwähnung 
zu tun, welchen die Ureterenchirurgie im letzten "ahrzehnt genommen hat. 

Während früher bei Harnleiterverletzung und bei der infolgedessen 
zurückbleibenden Fistel als „ultimum refugium“ die Exstirpation der be- 
treffenden Niere zur Anwendung kam, hat die der Neuzeit entstammende 

- Ureteroplastik uns den richtigen Weg gezeigt, diese verstümmelnde 
Operation zu vermeiden. Sowohl die direkte Vereinigung der Harn- 
leiterenden (Invagination des zentralen Endes in das stumpf dilatierte 
periphere), als auch die Implantation des zentralen Harnleiterstumpfes 
in Darm, Bauchwunde, Blase oder Nierenbecken wurden erfolgreich 
ausgeführt und auf diese Weise mancher Zustand, der früher an und 
für sich als unheilbar galt, glücklich bekämpft, respektive beseitigt. 





Über Massage der Prostata und der Samenblasen. 
Von Dr. Artur Hennig-Königsberg i. Pr. 
(Schluß.): 


So manche allgemeine, unbestimmte Klage, so manches als 
Neurasthenie oder chronischer Rheumatismus aufgefaßte Krankheits- 
bill, so manche vermeintliche Nierenaffektion ist lediglich auf eine 
chronische Erkrankung der Prostata zurückzuführen, und wir können 
nur die feinsten pathologischen Veränderungen dieses Organs mit 
Sicherheit erkennen, wenn wir uns durch eine fortgesetzte Untersuchung 
des normalen Organs eine gewisse Sicherheit in der Beurteilung des- 
selben angeeignet haben; gelingt es uns, die ersten minimalsten patho- 
logischen Veränderungen der Drüse selbst wie des Sekrets frühzeitig 
u erkennen, so werden wir auch im stande sein, vielen schweren 
Erkrankungen von dieser Seite rechtzeitig zu begegnen und die großen 
Gefahren, die sonst unvermeidlich sind, wesentlich zu mindern, ja viel- 
leicht oftmals vollständig und frühzeitig zu beseitigen. Wir müssen 
uns als Spezialisten aber besonders schon deshalb üben, auch selbst 
die geringsten Abweichungen von der Norm durch unsere klinischen 
Untersuchungsmethoden kennen zu lernen, da die pathologische Ana- 
tomie uns hier im großen und allgemeinen ganz und gar im Stiche 
läßt; was wir wissen, verdanken. wir in erster Linie dem rastlosen 
Forschen und der geistreichen Feder eines Finger. 

Die Massage der Prostata wenden wir dann ferner therapeu- 
tisch in einer großen Reihe von Krankheiten an, die ich nun in folgen- 
dem, soweit sie sich auch meiner Meinung nach als geeignet für die 
Behandlung erwiesen haben, kurz skizzieren werde: 

1. bei einfachen Kongestionszuständen, wie wir sie in- 
folge von Masturbation, bei Exzemen in venere, aber auch in baccho, 
in einer Reihe von Infektionskrankheiten, besonders bei der Influenza, 
bei allgemeiner Plethora, nach übermäfßigem Reiten, Radfahren, bei 
chronischer Obstipation, bei Erschlaffungszuständen in dem gesamten 
Sexualgebiete, speziell bei der Erschlaffung der Prostata, bei Lymph- 
und Blutstauungen in diesem Gebiete, im ersten wie im zweiten 
Stadium der Prostatahypertrophie, bei sexueller Neurasthenie etc. häufig 
zu sehen bekommen. In allen Fällen empfiehlt es sich, gleich im An- 
schlusse an die Prostata-Massage, gleichgültig, ob es sich um Er- 
krankungen der Vorsteherdrüse handelt, die auf septischer oder rein 
entzündlicher Grundlage beruhen, gründliche Ausspülungen der 


— 71 — 


Urethra wie der Blase und zwar lediglich mit der Spritze ohne 
Einführung eines Instruments vorzunehmen; 

2. bei der einfachen unkomplizierten katarrhalischen 
Prostatitis, bei der Hypersekretion ohne manifeste Infektion (Gu&pin); 
3. bei der subakuten Prostatitis, die sich im Anschlufe an 
eine Urethritis posterior gonorrhoica entwickelt hat oder bisweilen in- 
folge eines Traumas entstanden ist, jedoch mit größter Vorsicht, scho- 
nend und zart in kurzen Sitzungen und nicht zu häufig; 

4. beider chronischen Prostatitis, und zwar der aseptischen 
Form; 

5. bei der chronischen Prostatitis, die nicht durch Gono- 
coccen hervorgerufen ist und zwar sowohl bei der durch andere 
Mikroben (Staphylo-Streptococcen etc.) verursachten Form. als Se- 
kundärinfektion bei einem Tripper wie nach Strikturen der Harnröhre, 
die descendierend von einer Cystitis oder Pyelonephritis oder von einer 
Intestinalerkrankung abhängig ist; 

6. bei der chronischen Prostatitis, die auf Gonococcen- 
Infektion beruht; diese Form dürfte unter allen Prostatiden den 
ersten Platz, was Häufigkeit und Bedeutung anbetrifft, einnehmen, 
und in der Behandlung gerade dieser Affektion durch geeignete Massage 
sind wohl mehr oder minder alle Urologen einig. Sie ist die eigent- 
liche Domäne für die mechanische Behandlung der Vorsteherdrüse und 
gerade bei ihr feiert die technisch sachgemäss ausgeführte Massage 
— mit Hinzuziehung anderer therapeutischer Maßnahmen — die 
größten und schönsten Triumphe; 

7. bei der chronischen Prostatitis in einer AYDERLIE phischen 
Drüse (v. Frisch), wie auch umgekehrt ; 

8. beim Prostataabscefl. Schon oben deutete ich an, unter 
welchen Bedingungen die Massage hier indiziert und wie sie ausgeführt 
werden soll. Handelt es sich um kleine multiple, in den atonischen 
Drüsengängen befindliche Abscesse, so leuchtet es schon a priori ein, daß 
durch zart und vorsichtig ausgeführte Massage der Inhalt der Absceß- 
höhlen aus der Drüse exprimiert werden kann, ja man darf sogar auch 
bei rein interstitiell gelagerten Abscessen den vorsichtigen Versuch einer 
Massage machen; fühlt man, daß der Absceßß sich verkleinert, ohne 
daß unter den kunstgerecht ausgeführten streichenden, glättenden und 
drückenden Bewegungen des Fingers nennenswerte Beschwerden auf- 
treten, so kann man ruhig fortfahren. Gar oft wird man die Freude 
haben, während der Massage den Abscefßinhalt, vielleicht leicht sang- 


da RO 

uinolent gefärbt, am orificium erscheinen zu sehen, in anderen Fällen 
gelingt es durch die mikroskopische Untersuchung des Sediments den 
erhofften Erfolg direkt nachzuweisen; an Stelle der an der Drüsen- 
oberfläche prall gespannten Buckel und Erhöhungen fühlt man dann 
nach gelungener Massage linsen- bis erbsengroße Dellen. Doch nur, 
wenn sich die Abscesse leicht und ohne größere Kraftanwendung ver- 
kleinern, ist der Eingriff gestattet. Im Anschlusse an dieselbe em- 
pfiehlt es sich dann auch sofort, wie oben, Harnröhre und Blase 
sründlich auszuspülen, länger anhaltende kühle, meist jedoch warme 
bis heiße Darmspülungen zu machen, den Kranken so viel als möglich 
im Bett zu halten, und wenn der Darm sich beruhigt hat (oftmals 
tritt heftigster Stuhldrang auf), kleine Salzwasser-, Ichthyol- oder 
Jodkali-Klystiere mit der Oidtmann’schen Spritze zu geben. 

Bei größeren Abscessen gelingt es wohl auch hin und wieder, 
durch vorsichtige Massage einen Durchbruch oder eine Ableitung in 
die Urethra zu erzielen, doch sollte nur ein mit dieser Methode sehr 
Vertrauter diesen Versuch wagen, das Gros der Ärzte wird immer 
zum Messer greifen müssen und den Absceß am besten nach Segond- 
Dittel vom Damme aus eröffnen, wenngleich auch die Guyon’sche 
Methode, die direkte Eröffnung des Abscesses vom Darme aus — bei 
günstiger Lage desselben und großer Vorsicht bei der Nachbehandlung 
— immerhin recht gute Resultate zeitigt. 

Gelegentlich kommen uns Patienten zur Behandlung, bei denen 
sich ein Prostataabsceß schon von selbst in die Urethra oder Blase 
geöffnet hat, wie man aus der exakten Untersuchung und im An- 
schlusse an die Anamnese mit Sicherheit diagnostieren kann; diese 
eignen sich gewöhnlich sehr gut zur Massage und sind in betreff des 
Erfolges sehr dankbar. In der ersten Zeit dürfte man alle 2—3 Tage 
eine Wiederholung der Entleerung der Absceßhöhlen mit nachfolgender 
vorsichtiger Massage der Prostata wie deren nächster Umgebung, mit 
darauffolgenden Blasen- und Darmspülungen und Kiystieren, wie schon. 
angegeben, vorzunehmen haben, später etwas seltner, etwa alle 
4—7 Tage; 

9. bei Neurose der Blase (v. Frisch, v. Frankl-Hoch- 
wart, O. Zuckerkandl), und zwar: 

a) bei allgemeiner Hyperästhesie der Prostata (Gu&pin, 

v. Frisch), 
b) bei Spasmus des Sphincter und der Detrusoren (v. 
Frisch) 


wur 7 


und zwar in Gemeinschaft mit Massage des gesamten Sexuale, wie 
sie in so vollendeter Form von Zabludowski ausgearbeitet und em- 
pfohlen worden ist („Zur Therapie der Erkrankungen der Hoden und 
deren Adnexe“); 

10. bei sexueller Neurasthenie, die auf chronischer Prosta- 
titis beruht und zwar sowohl der rein katarrhalischen wie der in- 
fektiösen (Hottinger) in Verbindung mit allgemeiner Massage des 
Sexuale (Zabludowski); 

11. bei Asthemo- und Nekrospermie (Fürbringer, Guyon); 

12. bei der Atrophie der Prostata (Guiteras). Derselbe 
Autor hat auch in einem Falle von absolutem Fehlen der Prostata 
durch Massage der Stelle, an der die Drüse liegen sollte, das Wachs- 
tum der Drüse angeregt und ist der Überzeugung, daß eine geeignete 
und länger fortgesetzte Massage die Drüse wieder produzieren kann. 

Kurz anschließen möchte ich hier gleich, daß es sich jedoch in 
fast allen oben angeführten Punkten nicht allein nur um eine sach- 
gemäß und dem Falle entsprechende Prostata-Massage handeln darf, 
wodurch die betreffenden pathologischen Zustände gebessert werden 
können, sondern daß sie nur eine Teilerscheinung, wenn auch 
allerdings eine sehr wichtige, in der Behandlung dieser Affektionen ist, 
und daß neben ihr noch eine mehr oder minder große Zahl therapeutischer 
Eingriffe aufgeboten werden muß und zwar meist spezifisch-urologischer 
Art, um einen endgiltigen Erfolg zu erzielen. 

Schließe ich nun obigen Betrachtungen gleich meine Beobach- 
tungen über die Massage der Samenblasen an. Aus . verschie- 
denen, und zwar sehr stichhaltigen Gründen hätte ich zwar beide Organe 
gemeinsam behandeln können, da sich sowohl bei der Indikations- 
stellung der Massage der Samenblasen wie auch bei der häufigen Mit- 
beteiligung eines Organs bei der Erkrankung des anderen vieles deckt, 
doch fürchtete ich, in den alten Fehler vieler Urologen zu verfallen, 
d. h. die Samenblasen nur so nebenbei zu behandeln, während ich 
gerade bei dieser Gelegenheit ein ganz besonderes Gewicht 
auf die Erkrankungen dieses Organs, wie auf die Behandlung 
durch die Massage legen wollte. Vorsteherdrüse und Samen- 
blasen sind nicht streng von einander getrennte Organe, sondern stehen 
in inniger Beziehung zu einander, und daher müssen bei Affektionen 
der Prostata die Samenblasen, soweit es angängig ist, immer mit- 
behandelt werden (Gu&pin). Und gerade auch weil die Erkrankungen 
der Samenblasen sich leider im allgemeinen einer großen Unbekannt- 


— 74 — 


schaft bei den Ärzten erfreuen, ist es immerhin vorteilhafter, dieselben 
gesondert zu behandeln. | 

Gelingt es im allgemeinen, die Prostata mit seltenen Ausnahmen — 
und zwar nur bei pathologisch sehr veränderter Drüse — in ihrem ganzen 
Umfange mit dem Finger abzutasten, exakt zu untersuchen und zu 
behandeln, so. kann ein gleiches von den Samenblasen nicht gesagt 
werden.. Das leuchtet aber auch schon a priori durch die anatomische 
Lagerung derselben nach oben und außen von dem basalen Prostata-- 
rande ein, und es ist in der Tat nicht möglich — und zwar in einer nicht 
gerade ganz kleinen Zahl von Fällen — die Samenblasen selbst im nor- 
malen Zustande vollständig digital (Fuller) abzutasten — wenigstens nicht 
die oberen Abschnitte. Aber schon hieraus, wie überhaupt aus der 
Möglichkeit der Palpation derselben, sofort eine Erkrankung der Samen- 
blasen folgern zu wollen — wie Gueillot, Rehfleisch und andere be- 
haupten —, geht entschieden zu weit; andererseits kommt es aber auch 
vor, daß die Samenblasen bisweilen gar nicht palpabel und trotzdem 
krank sind, wie Collans aus dem Sekret resp. Sediment festgestellt hat, 
in dem er — neben Spermatozoen — Eiterkörperchen und Gonokokken 
häufiger fand, was ich voll und ganz bestätigen kann; im allgemeinen 
sind natürlich krankhaft vergrößerte Samenblasen — wenigstens in ihren, 
der Prostata zugewandten Abschnitten — leichter zu fühlen, als absolut 
normale; bald sind sie mit derben Knoten durchsetzt, bald fühlt man 
sklerotische Stränge durch, in anderen Fällen erweichte, leicht ein- 
drückbare Stellen, häufig sind sie auch bei stärkerem Drucke fast ganz 
unempfindlich, gewöhnlich dagegen rufen selbst leichtere Expressions- 
versuche in krankhaft veränderten Samenbläschen heftige Schmerz- 
äußerungen an verschiedenen Stellen des Sexualapparates hervor. 

Mißlingt es nun schon bisweilen, die normalen Gebilde einer 
regelrechten Palpation in allen Dimensionen zu unterziehen, so ist, das 
natürlich sehr viel schwieriger bei irgend einer nennenswerten .Ver- 
größerung der Prostata; wie ich schon oben andeutete, stehen Sarnen- 
blasen und Prostata sowohl im normalen, wie auch im pathologisghen 
Zustande in innigster physiologischer und 'pathologisch-anatomisqher 
Relation, und daher wird es bedeutend schwieriger, eine erkrankte 
Samenblase — i. e. eine vergrößerte Drüse — in allen ihren Abschnikten 






beteiligung der Prostata vor; und dann ist es im allgemeinen leicht 


_— 5 — 


möglich, sie in allen ihren Abschnitten genau zu untersuchen. In dieser 
Hinsicht sehen wir nun einen scharf ausgeprägten Unterschied 
zwischen Prostata und Samenblasen, und ohne weiteres ergiebt sich 
schon aus der einfachen Unmöglichkeit, letztere in vielen Fällen exakt 
abzutasten, eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit in der Diag- 
nosestellung. Da ich mich aber seit Jahren geübt habe, in fast jedem 
einzigen Falle neben der Prostata auch die Samenblasen aufzusuchen, 
.wie auch Kollmann es regelmäßig tut, ob ein direkter Grund vorliegt 
oder nicht, so kann ich mit Bestimmtheit behaupten, daß es mir jetzt 
schon sehr viel häufiger wie früher gelingt, die Organe in ihrer Totali- 
tät dem tastenden Finger entgegenzuführen, genau wie es auch schon 
früher von Guyon und in letzter Zeit besonders von Meyer betont 
worden ist, und zwar fand ich folgende Punkte dabei wertvoll und 
berücksichtigungswert: Der Mastdarm muß völlig leer sein, die Blase 
mäßig gefüllt (Taylor), eine zu starke pralle Spannung erschwert die 
Palpation, der Zeigefinger — und nicht wie von anderer Seite geraten 
wird, der Mittelfinger — und die radiale Seitenfläche der Mittelhand 
muß tüchtig mit Fett eingestrichen sein und zwar bis zum Daumen, 
dann gelingt es sehr oft, wenn man den Index langsam und schonend 
durch den Anus an der vorderen Darmwand entlang über die rektale 
Fläche an der Prostata. vorschiebt, die Samenblasen nicht nur zu er- 
reichen, sondern sie bis zu ihren oberen Rändern hin in allen Teilen 
abzutasten, ganz besonders, wenn man den zu Untersuchenden ruhig 
atmen läßt und mit der anderen Hand reibende, zirkelförmige Bewegungen 
über der Blasengegend macht und zwar am leichtesten ist es, das 
rechte Samenbläschen mit dem rechten Index, das linke mit dem 
linken, zu untersuchen. Wie bei der Prostatauntersuchung, läßt sich 
keine bestimmte Regel für die Lagerung aufstellen, denn bei einem 
Patienten führt die Palpation in der Rückenlage, bei einem anderen 
in Knieellenbogen-, bei dem dritten in vornübergeneigter Stellung zum 
Ziele, resp. fühlt man am meisten, das muß bei jedem einzelnen — 
genau wie oben angegeben — ausprobiert werden. 

Mit Absicht habe ich eingangs — bei der Besprechung der 
Prostatamassage — der sehr verbreiteten Ausführung derselben mit sog. 
Massage-Instrumenten keine Erwähnung getan, weil ich denselben 
auch nur einen ganzen minimalen Wert beimesse, doch möchte ich 
hier in kurzem auf dieselben hinweisen, weiter unten soll dann noch 
eine Aufzählung einer Reihe derselben erfolgen. Man hat den Vor- 
schlag gemacht, da der Finger nicht immer ausreicht, auch die Pal- 


=> JO we 


pation mit einem derartigen Massage-Instrument vorzunehmen; ich habe 
mich lange Zeit nach dieser Richtung hin beschäftigt, doch bin ich 
zu der Überzeugung gekommen, daß wenigstens die bis jetzt bekannten 
Instrumente nicht imstande sind, auch nur annähernd den Finger zu 
ersetzen oder gar mehr zu leisten; nur ganz ausnahmsweise gelingt 
es, sich durch Sondierung mit einem solchen Stabe ein einigermaßen 
zutreffendes Bild über die Gröflenverhältnisse derselben zu machen, 
eher noch kann es uns Aufschluß über die Empfindlichkeit geben. 
Wir sehen, daß auch in diesem Punkte der Wert dieser Instrumente 
vollständig versagt und unter keinen Umständen auch nur annähernd 
mit der Digitaluntersuchung konkurrieren oder sie gar in ihrem Werte 
übertreffen kann. e 

Eine Reihe von Fällen werden wir also nicht exakt untersuchen 
können, was ja aber auch nur bei pathologisch-veränderten Samen- 
blasen ins Gewicht fällt, bei denen nun aber gerade unsere letzhin 
wesentlich erweiterten klinischen Kenntnisse uns häufig ganz untrüg- 
liche Schlüsse zur Sicherung der Diagnose gestatten. 

Zunächst werden wir auch hier die Expression und die Massage 
zur Diagnose und dann erst in zweiter Linie zur Therapie in An- 
wendung ziehen. Was den ersten Punkt anbetrifft, so muß man, um 


das Sekret der Samenblasen ganz allein zu erhalten — was übrigens 
oftmals recht schwierig ist und eine außerordentliche Technik erfordert, 
die erst in jahrelanger Uebung gewonnen werden kann —, zunächst der 


vollständigen Expression der Prostata peinlichste Blasen- und Urethral- 
reinigung mit sterilem Wasser folgen lassen, und erst dann kann man 
— nach mäßiger Füllung der Blase mit sterilem Wasser — an die Expression 
und Massage der Samenbläschen behufs Gewinnung des Sekrets gehen; 
in gewissen Fällen wird es von Wert sein festzustellen, ob beide oder 
nur eine erkrankt ist, und man wird dann zuerst eine Samenblase ex- 
primieren, die Urinblase entleeren, ausspülen, frisch füllen und dann 
die andere in gleicher Weise behandeln (Collans). Die mikroskopische 
Untersuchung des Sekrets resp. des Sediments wird uns dann häufig 
genauen Aufschluß über die ursächliche Erkrankung der Organe geben 
und damit gleichzeitig den therapeutischen Weg weisen. 

Wenden wir uns nun der Expression und Massage der 
Samenblasen zu Heilzwecken zu, so schließt sich ihre Technik 
genau der Untersuchung zur Diagnostik an und wird ebenfalls lediglich 
mit dem Finger (Meyer) — und nur ganz ausnahmsweise in besonders 
‚geeigneten Fällen mit einem Massierstabe (modifizierter Feleki) — in der 


nn - — 


für den Masseur bequemsten Lage vorgenommen; es empfiehlt sich, 


‚ zunächst leicht reibende, glättende und drückende Bewegungen auszu- 


führen, dann zirkelförmige und endlich streichende und klopfende — von 
unten nach oben oder umgekehrt — folgen zu lassen. Man wird niemals 
alle diese verschiedenen Manipulationen der Reihe nach in schematischer 


Form zur Anwendung bringen, sondern nur diejenigen, die für den 


vorliegenden Fall sich als besonders geeignet erweisen, worüber nur 
die technische Erfahrung des Arztes entscheiden kann. Im übrigen 
verweise ich noch auf die allgemeinen Ausführungen über die Prostata- 
Massage, die auch hier ihre volle Gültigkeit, wenn auch in etwas ver- 
änderter Form, haben. 

Als Indikationen für die Massage der Samenblasen gelten 
im großen und allgemeinen dieselben Erkrankungen, wie wir sie bei der 
Prostata kennen gelernt haben, und der besseren Übersicht und Ein- 
heitlichkeit wegen wollen wir auch hier jener Anordnung folgen: 

1. Einfache Kongestionszustände, wie ich sie oben bei der 
Prostata näher beschrieben habe; 

2. Einfache unkomplizierte katarrhalische Spermato- 
cystitis ohne jede manifeste Infektion (Fuller); 

3. Die subakute Spermatocystitis, die sich im Anschlusse 
an eine Urethritis posterior subakuta gonorrhoica und in Verbindung 
mit einer Prostatitis entwickelt hat; 

4. die chronische Spermatocystitis, und zwar die aseptische 
Form, wie aber auch die nach Gonokokken-Invasion, die zwar nicht 
so häufig wie chronische Prostatitis nach Gonokokken-Infektion auf- 
tritt, aber immerhin. sehr viel häufiger vorhanden ist, als ge- 
meinhin angenommen wird (Zeißl, Taylor, Posner, Morton, 
Scudder, Allen und Andere). 

Meyer fand in 31 Fällen von gonorrhoischen oder postgonor- 
rhoischen Erkrankungen 14 Fälle, in denen die Samenblasen erkrankt 
waren = 45%; | 

Chute unter 540 Kranken mit Affektionen der Harn- und Sexual- 
organe 60 >< eine Entzündung der Samenblasen. 

Duhot konstatierte bei 60 Autopsien von Individuen jeden Alters 
sehr häufig krankhafte Veränderungen der Samenblasen und ist der 
Überzeugung, daß die Spermatocystitis viel häufiger vorkommt, 
als man annimmt, und zwar am häufigsten in Folge von Gonokokken- 
Invasion; ferner können alle Eiterbakterien besonders das bacterium 
coli und Staphlykokken, dann Trauma, Entzündungen der Blase, der 


- B — 


Prostata, des Rektums, Katheterismus, Harnröhrenstriktur in ätio- 
logischer Beziehung zum Zustandekommen einer Spermatocystitis bei- - 
tragen. Rehfisch hält die Gonorrhoe — nächst dem Abusus sexualis 
und Trauma — für die häufigste Ursache der akuten Spermatocystitis; 
desgleichen Collan, Lang, Neisser, von Sehlen, Loyd, Lucas, 
Petersen (4%), Colombini besonders im Zusammenhange mit gonor- 
rhoischer Epididymitis; in allerjüngster Zeit betonen die Häufigkeit der 
Samenblasenentzündung nach Gonorrhoe Morton, Chas, L. Scudder, 
Robert, Dubot; 

5. die Spermatitis fibrosa, wenn derbe, zum Teil schmerz- 
hafte Stränge in der Samenblasengegend zu fühlen sind (Meyer); 

6. der Absceß, den in seinen höchsten Graden Meyer Samen- 
blasenempyem zu nennen vorschlägt; 

7. die Neurosen der Blase und der Prostata; 

8. die sexuelle Neurasthenie; 

9. die Asthemo- und Nekrospermie; 

10. die Atrophie; und endlich 

11. die Tuberkulose (Fuller). Ob diese Indikation gerecht- 
fertigt ist, dürfte höchst strittig sein; man darf wohl eher annehmen, 
daß auch selbst eine sehr vorsichtig ausgeführte Massage die Tuberkel- 
bazillen propagieren und den Entzündungsprozeß zur Exacerbation 
bringen könnte. 

Haben wir jetzt schon eine stattliche Zahl von Indikationen für 
die Prostata- und Samenblasen-Massage kennen gelernt, so dürfte sich 
der Kreis derselben in Zukunft — bei weiterer Vertiefung in das Studium 
dieser Organe — noch wesentlich erweitern; je früher wir bei irgend 
welchen Erkrankungen der Sexualorgane unser Augenmerk auf diese 
Drüsen lenken werden, um so mehr werden wir die Behandlung schon 
vom prophylaktischen Standpunkt aus vorzunehmen haben. 

Als Kontraindikationen der Prostata-Massage gelten im 
allgemeinen: 

1. Die akute Prostatitis (Hogge), und zwar wegen zu großer 
Schmerzhaftigkeit und Zunahme der subjektiven Empfindungen (v. 
Frisch, Morton, Ebermann); 

2. Die subakute Gonorrhoe (v. Frisch); 

3. Blutungen, die im Gefolge der Massage auftreten (Morton) 

4. Prostatahypertrophien (Bum), die hart und trocken 

sind, folglich keine resorbierfähigen Elemente in sich enthalten 
(Ebermann); 


— 79 — 


. Tuberkulose (Posner, Morton, Ebermann); 
Lues; | 

. myomatöse Hypertrophien (Ebermann); 

. bösartige Tumoren, Krebs, Sarcom (Ebermann); 

und der Samenblasen-Massage: 

1. Die akute Spermatocystitis, besonders der Schmerzen 

wegen und ev. Verschlimmerung des Prozesses (Morton); 

2. Blutungen (Morton); 

3. Tuberkulose (Morton); 

4. bösartige Tumoren. 

Was nun die schon oben berührte Instrumentenfrage anbetrifft, 
so müssen wir hier solche unterscheiden, die lediglich zur Massage 
der Prostata und der Samenbläschen dienen, von einer anderen Reihe, 
die gleichzeitig als Elektroden zur elektrischen Behandlung der be- 
treffenden Organe konstruiert sind und schließlich von den als Kühl- 
resp. Doucheapparat für das rectum im Gebrauche befindlichen. 

Der erste Apparat zur Prostatamassage ist wohl von Feleki im 
Jahre 1895 (s. Zentralblatt für die Krankheiten der Harn- und Sexualorgane 
1895, p. 5/6) angegeben und noch bis auf den heutigen Tag bei vielen 
Urologen in Anwendung und beliebt. Mannigfache Modifikationen 
sind bis in die jüngste Zeit an ihm vorgenommen worden, aber auch 
in diesen veränderten Formen kann ich mich nicht, wie ich schon 
oben sagte, für ihn begeistern und keinem kann ich einen wirklichen 
Wert inbezug auf die Wirkung, die er ausüben soll, zusprechen, wenigstens 
was die Prostata anbetrifft; etwas günstiger in der Beurteilung kommen 
diese Apparate als Massage-Instrumente bei den Samenblasenerkrankungen 
fort. Aenderungen des Feleki’schen Instrumentes sind gemacht von _ 
Pezzoli, besonders zur Expression der Samenbläschen, von Kilus 
Eastmann in Form eines Fingerhutes zur Massage der Samenblasen, 
von Hogge in Gestalt eines Fingerlings, an dessen Volarseite ein 
Platinplättchen isoliert ist, als negativer Pol einer galvanischen Batterie 
besonders empfohlen zur elektrischen Massage der Prostata, von 
Sonnenberg ein nach Art eines Handschuhfingers aus Metall herge- 
stelltes, innen hohles Instrument, das genau wie ein Handschuhfinger 
aufgestreift, an seinem peripheren Teil mit Blei gefüllt wird, von 
Trousseau — alscompressor prostatae bezeichnet — ein an seinem Ende 
olivenförmig abgerundetes Stäbchen, von Dufaux in Form eines 
langgestreckten römischen S mit fingerartiger Beschaffenheit seines 
Vorderteils aus Metall, mit einer Schicht weichen Gummis überzogen, 


o NDO 


von Vertun als isolierte Rektal- Elektrode wie gleichzeitig zur 
Massage geeignet, von Scharff, der das neue Pezzoli’sche Prostata- 
Massage-Instrument mit Leitung und Polklemme versehen hat, zur gleich- 
zeitigen Applikation von elektrischen Strömen, und von einigen anderen. 

Überschaut man die lange Reihe der Indikationen zur Prostata- 
und Samenblasenmassage, so entdeckt man jedoch sehr bald, daß diese 
Therapie allein bei den meisten dieser Erkrankungen durchaus noch 
nicht genügt, und daß noch eine ganze Zahl anderer Maßnahmen 
spezifisch urologischer Art, allgemein hygienisch-diätetischer Natur, elek- 
trische und hydrotherapeutische Kuren vorgenommen werden müssen, 
um einen vollen Erfolg — und leider auch den sehr häufig nicht einmal — 
dauernd zu haben. Im Rahmen dieser Arbeit liegt es natürlich nicht, 
auf diese erweiterte Therapie näher einzugehen, nur erwähnen möchte 
ch noch, daß die Massage der Prostata wie der Samenblasen ganz 
wesentlich durch hydrotherapeutische Prozeduren — wie: hohe kalte resp. 
warme Kiystiere, Wechselduschen, die Anwendung von Kühlapparaten 
etc. nach Winternitz, Arzberger, Goldenberg, Frank, Scharff, 
Guiteras und andere — günstig unterstützt werden und besonders in 
richtiger Nutzanwendung derartiger Prozeduren und Apparate vor oder nach 
jeder Massage resp. in den freien Intervallen wird sich der denkende 
und feingebildete Spezialist ganz besonders bekunden. Gerade über 
diese Punkte behalte ich mir weitere Veröffentlichungen vor. 

Meine Ausführungen kann ich jedoch nicht schließen, ohne 
mich leider mit unserem verdienstvollen Förderer und Forscher auf 
urologischem Gebiete, Posner, in einem Punkte in Widerspruch zu 
setzen. 

In der dritten Auflage seiner „Therapie der Harnkrankheiten“ 
(1904) sagt Posner bei der Besprechung der chronischen Prostatitis (pag. 
78:79): „Ich habe diese Erkrankung etwas eingehender besprochen, weil mir 
scheint, daß ihr selbst heute noch, wo ihre Kenntnis sich wesentlich 
mehr verbreitet hat, noch immer nicht die genügende Aufmerksamkeit 
zugewandt wird und weil ihre Behandlung, bei der die spezialistische 
Technik doch immerhin nur eine untergeordnete Rolle spielt, so recht 
in das Gebiet des allgemeinen Praktikers fällt.“ 

Dieser Satz darf nicht unwidersprochen bleiben. Ist die Massage 
der Prostata und der Samenblasen schon selbst für den geübteren 
Urologen in vielen Fällen schwierig und erheischt sie vor allen 
Dingen eine sehr subtile Diagnose, so dürften die mit derselben zu- 
sammenfallenden mikroskopischen Untersuchungen der Sekrete und 








=. Bi 


' 


Sedimente, wie die auch noch außerdem notwendigen spezifisch-uro- 
logischen Maßnahmen, die fast in jedem Falle einer Prostatitis und Sper- 
matocystitis erforderlich sind, eine völlige terra incognita für den 
Praktiker sein und bleiben, — und schon aus diesem Grunde sollten die 
„allgemeinen Praktiker“ derartige Erkrankungen und therapeutischen 
Eingriffe als ein noli me tangere betrachten, zumal durch unvorsichtig 
und an falscher Stelle ausgeführte Massage der Vorsteherdrüse und 
der Samenblasen sicherlich mehr geschadet als genützt wird. Ich 
gehe aber noch viel weiter, da die Prophylaxis jeder Krankheit viel 
dankbarer ist als die Theraphie, und als unser erstrebenswertestes Ziel uns 
stets und immer die Verhütung von Krankheiten vorschweben soll und muß. 
Ich behaupte: daß nur deshalb die Gonorrhoe so unendlich verbreitet ist, 
und daß so viele matrimonale Infektion besteht, weil die akute Gonorr- 
hoe gerade in ihrem Anfangsstadium von den allgemeinen Praktikern 
in unzweckmäßiger Weise behandelt wird; alle unsere Maßnahmen zur 
Verhütung oder Einschränkung der Gonorrhoe — wie aber selbstver- 
ständlich auch der Syphilis — sind vollständig illusorisch, solange der 
alte Schlendrian in der Behandlung bleibt, so lange jeder praktische 
Arzt der Meinung ist, mit der Tripperspritze nebst einigen Rezepten 
für Harnröhreninjektionen und grauer Salbe im Stande zu sein, den 
Kampf gegen die schlimmsten Feinde der Menschheit erfolgreich auf- 
nehmen zu können. Diese Krankheiten, speziell die Gonorrhoe, sollten 
ein noli me tangere für den allgemeinen Praktiker bleiben, sofern er 
sich nicht eingehender wenigstens mit den Anfangsgründen der exakten ` 
Untersuchung beschäftigt hat, sofern er nicht in der Lage ist, durch 
das Mikroskop den Fortgang des Prozesses zu überwachen (Scholtz), 
sofern er nicht imstande ist, die ersten Anfänge einer Komplikation 
richtig .zu erkennen und derartige Fälle sofort dem Spezial-Kollegen 
zur Behandlung zu überweisen. jahrelange, durch alle Untersuchungs- 
methoden gestützte, wiederholte und immer wieder vorgenommene 
Untersuchungen einer großen Reihe von Fällen haben mir den abso- 
luten Beweis gegeben, daß die akute Gonorrhoe — richtig und sorgfältig 


von ihrem ersten Auftreten behandelt — eine verhältnismäßig leicht und 


in relativ kurzer Zeit zu heilende Krankheit ist, und daß die Mehrzahl 

der ungeheilten und fast unheilbaren Fälle von Tripper, gemeinhin 

der leichtfertigen oberflächlichen und falschen Behandlung in der ersten 

Zeit, der mangelhaften Aufklärung der Patienten durch die behan- 

deinden Aerzte, die allgemeinen Praktiker, zugeschrieben werden müssen. 

Diese Worte sind hart, sehr hart, aber ich glaube — im wohlverstandenen 
2 


zur 82 


Interesse der Kranken wie der Ärzte selbst, diese Ansicht einmal offen 
und ehrlich aussprechen zu müssen; und zwar in der festen Über- 
zeugung, daß wir hier zuerst reformieren müssen, um unsägliches 
Elend von unseren Mitmenschen fernzuhalten. Dann werden auch die 
großen Verdienste eines Neisser, Fürbringer, Posner, eines v. Frisch, 
Finger, v. Zeissl, Zuckerkandl, eines Guyon, Albarran, Janet 
und vieler Anderer um die Gonorrhoefrage und Therapie, die rechten, die 
schönsten Früchte tragen. — | 


Über Massage der Harnröhre. 
Von Dr. Boß-Straßburg 1. Elsaß. 
Mit drei Abbildungen. 


Von allen chronischen Erkrankungen der Harnröhre entfallen auf 
die chronische Gonorrhoe ungefähr 90°%,. In früherer Zeit ist man 
inbezug auf die dauernde Ausheilung des chronischen Trippers sehr 
pessimistisch gewesen. Heute ist es uns auf Grund der Fortschritte 
in der Kenntnis der Pathologie und Therapie dieses hartnäckigen chro- 
nischen Leidens doch möglich, weitaus den größten Teil der chronischen 
Tripper auszuheilen. Bekanntlich kann die Krankheit sich allein auf 
der Schleimhaut lokalisieren oder auch in die Tiefe dringen und dort 
Infiltrationen weicher oder harter Natur hervorrufen, wir haben dem- 
gemäß zwischen einer „urethritis superficialis‘‘ und „profunda‘ zu unter- 
scheiden. Von größter Wichtigkeit ist die Trennung dieser beiden 
Krankheitsformen, da jeder eine ganz verschiedene Behandlungsweise 
zukommt. Über das Prinzip, wie die infiltrative Urethritis zu behandeln 
sei, ist man sich heute einig. Wohl die meisten Autoren reden der 
instrumentellen Behandlung, sei es mit Sonden oder Dilatatoren, das 
Wort. In der Tat muß zugegeben werden, daß man mit der von Ober- 
länder!) angegebenen und von seinen Schülern vervollkommneten Me- 
thode der Dilatation auffallend gute Resultate erzielt. Fragen wir uns 
nach der Wirkungsweise der Dilatation, so gibt uns J. Cohn’) in 
seiner Arbeit „Die Behandlung der chronischen Gonorrhoe“ hierauf 
eine sehr befriedigende Antwort. Unter Dilatation haben wir nicht einen 


1) Die chron. Erkrankung der männlichen AHEONTE: (Klinisches Hand- 
buch der Harn- und Sexualorgane). 
?) Therapie der Gegenwart, August 1902. 





— 83 — 


schweren, mechanischen Eingriff zu verstehen, der das neugebildete 
Narbengewebe mit Gewalt zersprengen muß, der künstlich einen großen 
Riß und hierdurch große Blutungen hervorrufen würde. Durch die 
Dilatation übt man nur einen leichten Reiz auf die Schleimhaut aus, 
der das Narbengewebe in eine weichere Masse verwandelt auf dem 
Wege des entzündlichen Prozesses. Die narbige Masse soll in eine 
frische, mäßige Entzündung versetzt werden. Die Produkte können 
sich alsdann resorbieren und zurückbilden. Es handelt sich also bei 
der Dilatation um eine urethrale Massage. 

Sind ‚aber die vorzüglichen Heilresultate lediglich auf Massage- 
Wirkung zurückzuführen, dann lag der Gedanke sehr nahe, nicht auf 
dem Umwege der Dilatation, sondern durch hierzu geeignete Instru- 
mente die Urethral-Massage auszuüben. In der Tat sind von Bar- 
tring!) und von Berger?) Methoden zur Massage der Harnröhre an- 
gegeben worden. 

Bartring empfiehlt das Verfahren für die Behandlung chronischer 
Urethritis und von Strikturen. Er führt es in der Weise aus, daß er 
auf einem Metallbouge ca. 5 Minuten die Urethra, besonders infiltrierte 
und strikturierte Stellen, massiert. 

Es ist naturgemäß schwer zu beurteilen, wie viel von seinen guten 
Resultaten auf Rechnung der einfachen mechanischen Bougiebehand- 
lung, wieviel auf die Massage zu setzen ist, wenngleich der Autor der 
Massage einen großen Wert beilegt. Die Massage zur Behandlung an 
diesen Punkten hat sich bisher nicht sehr eingebürgert, trotzdem die 
Richtigkeit ihrer Anwendung an dieser Stelle nicht zu bestreiten ist, 
und bei vorsichtiger Anwendung Schädigungen kaum eintreten dürften. 
(Buschke)?). 

Diese manuelle Massage, welche übrigens auch von Mochlau‘) 
in ähnlicher Weise ausgeübt wurde, wird von Berger?) verworfen. Zu- 
nächst läßt sich die Penis-Massage wegen bald eintretender Erektion 
nicht gut ausführen, des Weiteren aber hat sie den Nachteil, daß bei 
chronisch entzündlichen Affektionen der Urethraldrüsen die in diesen 
sitzenden Pfröpfe nicht nur nicht entfernt, sondern durch diese Art 
Massage noch tiefer in das Drüsenlumen hineingedrückt werden. 


1) Annales des maladies des organs genit. urin. 1903, 10. 
2) Monatshefte für prakt. Dermatologie. 1902, 5. 
3) Referat in der „Therapie der Gegenwart.“ 1903, August. 
1) Therapeutische Monatshefte. 1900, 8. 
2* 





zu: BA Ze 


Berger hat daher ein besonderes Instrumentarium für die Massage 
der Urethra angegeben. 

Ein 16 cm. langes Metallrohr mit Trichteransatz nach Art der 
Endoskope hat an seinem vorderen Ende vier Längsschlitze von 7 cm. 
Länge und 2 mm. Breite. Wird das Instrument, dessen sorgfältige 
- Ausführung jede scharfe Kante vermieden, in die Urethra eingeführt, 
so fällt die Schleimhaut, wie man sich durch einen Reflektor über- 
‘zeugen kann, in die Längsschlitze hinein und bildet vier in das Lumen 
des Rohres vorspringende Leisten. Als mittlere Stärke des Rohres 
‚hat sich am zweckmäßigsten No. 20—21 Charriere erwiesen. 

Hat man nunmehr das Instrument gut eingefettet dem Patienten 
in liegender Stellung eingeführt, dann gießt man von oben in den 
. Trichter 3—4 ccm. einer aus gleichen Teilen Wasser und Glycerin be- 
stehenden Flüssigkeit, welcher man Medikamente, wie salpetersaures 
Silber, Jod, Ichthyol u. a. zusetzen kann. Indem man jetzt mit den 
Fingerspitzen der linken Hand ganz lose die „Glans penis“ umfaßt, führt 
man mit der rechten am Trichterrande nicht zu brüske Drehungen 
mehrere Minuten aus und bringt dann den geschlitzten Teil des In- 
struments eventuell an eine andere zu massierende Stelle. Auf diese 
Weise wird die bei den Umdrehungen stets in die Schlitze hinein- 
springende Schleimhaut von den stumpfen Rändern der Spangen ohne 
die geringste Schmerzempfindung, nur mit Gefühl einer Reibung 
massiert. — i 

So ingeniös und praktisch auch diese Methode sein mag, die 
Massage der Harnröhre hat sich bis heutigen Tages nicht einbürgern 
können. Und doch ist es verwunderlich, daß ein therapeutisches Mittel 
von solcher Bedeutung, von so wirkungsvollem Effekt bei der Behand- 
lung der chronischen Gonorrhoe nicht in Anwendung gebracht wird. 

. Die Dilatation bezweckt doch nur, durch einen auf die Schleim- 
hautwand ausgeübten Druck die Infiltrate der „Mucosa“ und „Submuco- 
sa‘, die Granulationswucherungen, die epithelialen Anhäufungen und 
Verdickungen, die Strikturen etc. zum Schwinden zu bringen. Dieser 
-durch Sonden oder Dilatatoren erzeugte Druck ist aber ein ruhender,- 
stabiler. Kommt nun außerdem Friktions- und Vibrationsmassage hin- 
zu, dann muß der durch diese Kombination auf die Schleimhaut aus- 
geübte Reiz von energischer, heilkräftiger Wirkung sein. Von diesem 
Gedanken ausgehend, habe ich einen Massage-Apparat für die Harn- 
röhre konstruiert, über dessen Verwendbarkeit in der Praxis ich folgen- 
des anführen möchte. 





aa g 


Zunächst die Beschreibung des Apparates. 

Er besteht aus einem Vinkelormigen Massier - Handstūck und 
den Sonden. 

Das Handstück setzt sich zusammen aus dem Massierkörper-: 
träger M und dem dazu senkrecht stehenden Griffteil g, an dessen 
unterem Ende die mit dem Massierkörperträger M in metallischer Ver- 
bindung stehende Stromzuleitungsklemme k angebracht ist. 

In dem Massierkörperträger be- 
findet sich die Welle W, an deren einem 
Ende das Gewindefutter f angebracht 
ist,- in welchem Massiersonde S einge- 
schraubt und mittelst Contremutter e 
gesichert werden. 

Die Sonden haben eine Länge von 
21 cm. und tragen vorn eine Olive. 
Vorläufig werden sie in den Stärken 
21, 23, 25, 27 Charriere jedem Appa- 
rat beigegeben. - Sie lassen sich leicht 
in den Massierkörperträger einschrau- 
ben und geraten während des Gebrau- 
ches in rotierende Bewegung im Sinne 
des in die Figur eingezeichneten Pfeiles, 
also um ihre Längsachse. Infolge der 
Länge und der am Ende der Sonde 
angebrachten Olive, außerdem infolge 
ihrer Elastizität und exzentrischen La- 
gerung gerät das Ende der Sonde in Schwingungen, welche sich dem 
massierten Körperteil mitteilen. Die Sonden bestehen aus Metall, wo- 
durch sich eine leichte Reinhaltung und Sterilisierung derselben er- 
möglichen läßt. 

Will man den Apparat in Tätigkeit setzen, wird zunächst das 
Handstück der biegsamen Welle eines Elektromotors am hinteren Ende 
MH des Massierkörperträgers aufgesteckt. Beim Aufstecken greift die 
flache Stahlzunge der Welle in die gabelförmig ausgefeilte Achse des 
Handstückes, wodurch letztere gezwungen wird, an der Rotation teil 
zu nehmen. Diese wird bewirkt durch einen Elektromotor, dessen 
Tourenzahl durch einen Rheostaten bequem reguliert werden kann. 
Zum Antrieb des Elektromotors dient ein Akkumulator oder die SEKE 
rische Lichtleitung. 





ze, 86. = 


Der Holzgriff dient dazu, den Apparat bequem in der Hand zu 
halten, um die Sondenvibrationsmassage an der Stelle der Harnröhre 
ausüben zu können, wo dies erforderlich scheint. Zur genauen Diag- 
nostizierung ist urethkoskopische Untersuchung der Harnröhre not- 
wendig. — 

Da die hervorragendste Wirkung der Massage in der Verstärkung 
des abführenden Venen- und Lympfkreislaufes besteht, so findet sie 
vornehmlich da Anwendung, wo wir eine erhöhte Resorption erreichen 
wollen. Auf die Vermehrung des Venenkreislaufes folgt sekundär ein 
verstärkter arterieller Zufluß, der eine gesteigerte Ernährung zur Folge hat. 

Bei der Massage der Urethra beabsichtigen wir somit, haupt- 
sächlich die Residuen entzündlicher Prozesse, wie Verdickungen des 
Epithels, Infiltrationen und Vernarbungen zu lösen und zu beseitigen. . 

Es ergeben sich daher für die Harnröhrenmassage folgende 
Indikationen: | 

1. Zur Beseitigung der weichen Infiltrationen der Schleimhaut; 

der Krypten, Follikel, Drüsen und der Schwellkörper; 

2. Zur Beseitigung der harten Infiltrationen, also- der Strikturen; 

3. Zur Behandlung der chronischen Prostatitis von innen aus; 

4. Zur Hebung der Impotenz, wenn sie durch chronische Er- 

krankung der Harnröhre bedingt ist. 

In den beiden letztgenannten Fällen wird neben Massage gleich- 
zeitig Elektrizität in Anwendung gebracht. Zu diesem Zweck wird 
die Kathode einer konstanten Batterie oder eines Induktions-Apparates 
an. der Schraube des Holzgriffes befestigt. Die Anode kommt auf das 
Lendenmark oder den Damm. 


Klinische Beobachtungen: 


Seit 1'/, Jahren habe ich in meiner Praxis Versuche mit dem 
angegebenen Massage -Apparat angestellt und ich muß gestehen, daß 
sie durchweg günstig ausgefallen sind. Zunächst ist vorauszusenden, 
daß der Apparat nur bei chronischen Fällen von Gonorrhoe zu ver- 
wenden ist. 

Zur Vornahme der Massage legt sich Patient auf das Unter- 
suchungssopha und hält mit beiden Händen seinen Penis fest. Man 
beginnt zuerst mit Sonde Ch. 21 und gelangt allmählich zu höheren 
Graden. Die Sonden werden zweckmäßig mit Salben bestrichen. Am 
besten hat sich mir nach langem vielen Ausprobieren eine Salbe be- 
währt, deren ‚Zusammensetzung folgende ist: 





— = ud 


Rp. Bismuth. subnitric. 3—4 gr. 
Zinc. sulfocarbolic. 1—2 gr. 


Eucain £ 0,5—1 gr. 
Lanolin anhydric. - 40,0 gr. 
Mfung. 


Von allen Salbengrundlagen ist das Liebrei ch’sche Lanolin die 
beste, da es, einmal in die Schleimhaut einmassiert, bis zum nächsten 
Tage an derselben haftet. Die Verwendung der neueren Silberpräparate 
in Form von Salben habe ich aufgegeben, da sie sich leicht zersetzen 
und. Reizzustände unangenehmer Art hervorrufen können. 

Hat man die dick mit Salbe bestrichene Sonde in die Harnröhre 
eingeführt, schaltet man den Strom ein und läßt die Sonde mit ziem- 
licher Geschwindigkeit längs der Harnröhre bis zum ‚‚muscul. compressor 


urethrae“ auf- und abrotieren. Hierbei wird diese nicht ‚bloß. durch die 


antiseptisch-adstringierend wirkende Salbe, sondern vornehmlich durch 


die Friction und Vibration günstig beeinflußt. Auffällig ist die geringe 


Schmerzhaftigkeit des ganzen Verfahrens; selbst empfindliche Patienten 
ertragen die Massage ohne Beschwerden. Die Dauer der Prozedur 
beträgt je nach Erfordernis 2—3 Minuten. 2 

Nach jeder Massage stellt sich eine geringe Reaktion ein, be- 
stehend in einer unbedeutenden Sekretion, die aber nach kurzer Zeit, 
meist nach 3—4 Stunden, verschwindet. 

Die Anwendung der Massage erfolgt wöchentlich 1—2 Mal 
und wird so lange fortgesetzt, bis alle Krankheitserscheinungen be- 
seitigt sind. 

Ganz vorzüglich sind zunächst die Erfolge, wenn es sich um ein- 
fache Infiltrationen in der Schleimhaut der Harnröhre handelt. Die- 
selben verschwinden nach 4—5 maliger Massierung. 

Besonders ins Auge fallen die günstigen Wirkungen bei harten 
Infiltraten, also bei Verengerungen der Harnröhre. Es ist die Regel, 
daß die Striktur, falls sie nicht unter 21 Ch. liegt, was im Allgemeinen 
selten ist, schon bei der ersten Massage nachgibt, indem die Olive 
der Sonde infolge der Rotation um die Längsachse leicht über die 
Striktur gleitet. Allmählich schreitet man zu den stärkeren Sonden, 
worunter zu verstehen ist, daß nur die Oliven die Nummern 23, 
25, 27, der Charritre’sche Skala aufweisen. Auch die Oliven 
werden naturgemäß mit der oben angegebenen Lanolin-Salbe dick be- 
strichen. Auf diese Weise lassen sieh Strikturen nach mehrmaliger 
Massage vollkommen beseitigen, indem das Narbengewebe erweicht 


zu) IR, 
und zur Resorption gebracht wird, ohne daß man eine neue Entzün- 
dung wie bei der Dilatation hervorruft. 
In gleicher Weise beeinflußt die Vibrationsmassage die Ver- 
härtungen der Schwellkörper, wenn auch hierbei der Erfolg langsamer 
einzutreten pflegt. 
Weiterhin kann die Massage in Anwendung gebracht werden bei 
Erkrankungen des hinteren Teiles der Harnröhre, da die gerade Sonde 
durch die Rotationen leicht den Compressor-Muskel überwindet und 
nach hinten gleitet. Angezeigt ist dieses Verfahren bei weichen und 
harten Infiltrationen der hinteren Harnröhre. 
Endlich gewährt der Apparat auch die Möglichkeit, die Impotenz 
bedingt durch chronische Erkrankungen des Samenhügels, der Vor- 
steherdrüse und Samenbläschen in Verbindung mit dem konstanten 
oder induzierten Strom günstig zu beeinflussen. — Die Vorzüge der 
Urethral-Massage gegenüber der Dilatation bestehen darin, daß 
1. die Massage eine einfachere und leichter zu handhabende 
Methode darstellt, 

2. daß Blutungen nicht vorkommen, 

3. daß das Verfahren schmerzlos und in seiner Wirkung der 
Dilatation überlegen ist. 

Die Verwendung der Massage bei akuten Fällen ist ausgeschlossen. 
Subacute Entzündungen des vorderen und auch des hinteren Teiles der 
Harnröhre dürfen erst dann in Angriff genommen werden, wenn die 
Entzündungserscheinungen vollständig zurückgegangen sind und die 
urethroskopische Untersuchung mucöse Schwellungen oder harte Infil- 
trate ergibt. | 

Sekretion aus der Harnröhre, sofern sie in geringem Maße sich 
geltend macht, bildet keine Kontraindikation. Die mit Ausfluß einher- 
gehenden Fälle von chronischen Gonorrhoeen werden durch innerliche 
Darreichung von Gonosan oder durch Janet’sche Spülungen — in Ver- 
bindung mit der Massage — sehr günstig beeinflußt. Ist die Sekretion 
geschwunden, erzielt man rasch Heilung lediglich durch Massage, wo- 
bei man den Heilungsprozeß durch Verabfolgung von Gonosan unter- 
stützen kann. — 

Seit 1'/, Jahren habe ich den Massage-Apparat in Verwendung 
und damit eine große Anzahl von Gonorrhoeen zur Heilung gebracht. 
Wenn ich mich entschlossen habe, den Apparat der Öffentlichkeit zu 
übergeben, so geschah dies, weil ich überzeugt bin, daß ein jedes 
neues Verfahren bei der Behandlung der hartnäckigen chronischen 


Gonorrhoe immerhin als ein Fortschritt anzusehen ist, falls diese neue 
Methode mehr leistet, als die bisher übliche. Aber selbst wenn man 
eine Verbesserung oder Vervollkommnung der jetzigen Behandlung 
durch Massage negiert, so bleibt sie doch ein wichtiges therapeutisches 
Mittel, das überall da am Platze ist, wo ein Erfolg mit der ein- 
geschlagenen Therapie sich nicht erzielen läßt. 

Die Alleinfabrikation - dieses Massage-Apparates hat die elektro- 
technische Fabrik von Reiniger, Gebbert und Schall in Erlangen 
übernommen. Sie iiefert den Apparat mit 4 Massiersonden in einem 
kleinen Nußbaumgehäuse zum Preise von 30 Mk. 


Der Neomalthusianismus. 
Die facultative Sterilität in der ärztlichen Praxis. 
Von Dr. Rohleder-Leipzig. 
(Fortsetzung.) 


Ferdy hat in seinem Werke: „Die künstliche Beschränkung 
der Kinderzahl als sittliche Pflicht“ vom Standpunkte des Nationalöko- 
nomen auf Grund der Prinzipien von Kants autonomer Moral die Be- 
rechtigung des N. nachzuweisen versucht. Doch dies kommt für uns 
Ärzte nicht in Betracht. Mensinga stellt sich, wie er mir in einem 
Briefe privatim mitteilt, nicht auf den Standpunkt des Nationalöko- 
nomen, sondern auf den des Hygienikers, er will seine Bestrebungen 
für die fakultative Sterilität nur als hygienische aufgefaßt wissen. 
Übrigens zeigen die Autoren in der Medizin jetzt mehr ein Verlassen 
des allzu scrupulösen Standpunktes (ich verweise nur auf den ersten 
Jahrgang vorlieg. Zeitschrift: „Marcuse: „Dürfen wir zum außerehelichen 
Geschlechtsverkehr raten?“), auf Molls diesbezügl. Standpunkt „wenn 
nur nicht die Rechte dritter Personen verletzt werden“, Keplers An- 
schauung über N., daß nur die Ehe mit einer castrierten Frau als 
Idealehe anzusehen sei, Erbs Anschauung von der Schädlichkeit der 
sexuellen Abstinenz u. v. A.). 

Die Begründung für unsere Berechtigung der Anempfehlung neo- 
malthusianischer Vornahmen beim geschlechtlichen Verkehr gibt ‚uns 
aber erst die 2. Frage: | 

ll. Gibt es Erkrankungen, welche den Arzt, sei es pro- 


phylaktisch, sei estherapeutisch-hygienisch, hierzu zwingen? 
und welche sind dies bejahenden Falles? Ja, es gibt eine 
Menge Erkrankungen, welche die schwerwiegendsten Bedenken für eine 
Schwangerschaft seitens der Frau darbieten und ganz energisch N. 
verlangen, eine solche Menge, auch seltenerer Erkrankungen, (wie Osteo- 
malacie, Morbus Addisonii), daß ich hier nicht jede einzelne bis ins Detail 
hinein in ihren Beziehungen zum N. schildern kann, sondern nur eine 
kurze Gruppierung der hauptsächlichsten diesbezüglichen Erkrankungen 
geben will, den medizinischen Neomalthusianismus, was bisher nicht 
geschehen, in ein System bringen will. 

l. Seitens der Frau sind Zustände, welche bei Schwanger- 
schaft event. die größte Gefahr resp. den sicheren Tod derselben 
bedeuten können und zur fakultativen Sterilität verpflichten 

1. Schwere Herzleiden 
. Schwere Lungenleiden 
. Schwere konstitutionelle Erkrankungen 
. Hochgradige Beckenverengerungen 
. Schwere Nierenleiden 

6) Geschlechtsleiden. Ä 

ll. Seitens der Nachkommenschaft sind Zustände, welche 
durch Vererbungsgesetze, sei es vom Vater oder von der Mutter, zu 
neomalthusianistischen Prinzipien zwingen: 

1. Schwere Infektionskrankheiten (Tuberkulose, Syphilis). 

2. Schwere Konstitutionskrankheiten (Diabetes, Haemophilie). 

3. Schwere Nerven- und Geistesstörungen. 

4. Einige chronische Vergiftungen (Alkoholismus und Morphinismus). 

1. Die Herzfehler, welche zur fakultativen Sterilität Veranlassung 
geben können, sind organische Klappenfehler, Myokarditiden in hoch- 
gradigen Stadien, welche, sei es während der Schwangerschaft, sei es 
durch die Geburt, durch Überanstrengung bei derselben, eine gefahr- 
volle Bedrohung der Herztätigkeit herbeiführen könnten. 

Ich habe bei diesen Leiden in einem relativ hohen Prozentsatz 
(bisher 19 Fällen) zum N. meine Zuflucht genommen. Hochgradige 
Komplikationen, welche chronische Herzkrankheiten durch Schwanger- 
schaft erfahren, zwingen dazu, obwohl auch heute noch die Gynäko- 
logen sich durchaus ablehnend verhalten. Zweifel (Zentralblatt für 
Gynäkologie 1900, No. 20, Seite 534—35), der sich als echter Anti- 
neomalthusianer zeigt, sagt: „Es ist doch klar, dal die Praxis von 
antikonzeptionellen Mitteln irgendwelcher Art nur (sic! Verf.) der 


na wm 








sr OP s 


Lüsternheit dienen soll und sich in den Dienst einer solchen Tendenz. 
zu stellen, muß jedem Arzt die Sorge um die soziale Achtung ver- 
bieten. Derjenige, welcher darin am meisten leistet, hat auch die 
soziale Achtung verloren,“ gibt aber auf der anderen Seite selbst die 
Schädigungen des Herzens durch die Gravidität zu. Lehrbuch der 
Geburtshilfe, II. Aufl. 1889, Seite 91: „Das Herz bekommt durch die 
Erhöhung des intraabdominellen Druckes eine Arbeitsvermehrung. Die 
Folge ist eine leichte excentrische Hypertrophie des linken Ventrikels, und 
diese Druckerhöhung erklärt vollauf manche Zirkulationsstörung im 
späteren Verlauf der Gravidität (Herzklopfen, Schwindelaffektionen und 
Kongestionen nach dem Kopf) und Seite 274: „Herzkrankheiten sind 
überhaupt für alle davon Befallenen eine unheimliche Bescheerung, ein 
wahres Damoklesschwert ... . ja, ich bin der Ansicht, daß sie (i. e. 
„die Schwangeren“. Verf.) dabei gefährdeter sind als sonst.“ ... 
Daß hierbei die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett nur 
ungünstig wirken können, ist begreiflich.... . Wir haben an Vitium 
cordis 2 Todesfälle (i e. bei Schwangerschaft, Verf.) gesehen. Der 
eine Fall endete ganz plötzlich. Ich hebe dies hervor, weil Wessner 
in seiner sehr verdienstlichen Dissertation die Plötzlichkeit der Störungen 
mit Unrecht in Frage zieht.“ Gleich daneben sagt Zweifel: „Die 
Prognose und Therapie ist die gleiche wie bei Herzfehlern ohne kom- 
plizierende Gravidität.* Mir ist diese Schlußfolgerung resp. Inkonse- 
quenz allerdings unverständlich. 

Es ist ferner auch heute noch die Frage einer gleichsam „physio- 
logischen“ Schwangerschaftshypertrophie noch nicht gelöst, wird doch 
von Macdonald, Placock u. a. eine Hypertrophie des Herzens in der 
Schwangerschaft als beständig hingestellt, was allerdings Gynäkologen, 
wie Löhlein, Fritzsch u. a., bezweifeln. 

Simpson hat den Fall einer Ruptur der Aorta während der 
Entbindung mitgeteilt. Zu vergessen ist aber dabei nicht, daf be- 
sonders die letzten Monate durch die Erhöhung des Blutdruckes, des 
intraabdominellen Drucks eine ganz bedeutend erhöhte Tätigkeit an die 
Herzmuskulatur herantritt, die für ein schwaches krankes Herz wohl 
zum Shok während der Geburt führen kann. Aus der Praxis möchte 
ich einen Fall, den ich loko. cit. S. 118 mitgeteilt, zitieren. 

A. P., Kaufmannsehefrau, 31 Jahre alt, hat im Laufe der zwanziger 
Jahre auf unbekannter Atiologie eine Mitralinsuffizienz und Stenose mit Dila- 
tation und anderen Folgeerscheinungen sich zugezogen. Von Zeit zu Zeit, 


in Intervallen von ca. 6—-10 Monaten, kommt eine Kompensationsstörung, die 
dem Digitalisinfus jedoch regelmäßig weicht. Mit ziemlich 30 Jahren erfolgt 


2s 99 a 


3. Geburt. Beide Kinder leben. Erste Geburt ging võllig glatt von statten, 
2. Gravidität zeitigte im 8. und 9. Monat infolge der mangelnden Herztätig- 
keit geringes Anasarca, intra partum aber, durch vorherige starke prophy- 
laktische Digitalisdosen keine Störung der Kompensation. Zwischen dieser 
2. und 3. Geburt hat das Herz jedoch bedeutend an Leistungsfähigkeit einge- 
bußt. Schon im 3. Monat, noch vor Beginn der Kindesbewegungen, stellten 
sich Kompensationsstörungen ein. Die übrigen 6 Monate waren schwere 
Leidensmonate für die Frau, die im 8. Monat ihren Höhepunkt in einer Weise 
erreichten, daß ernstlich an eine frühzeitig eingeleitete Geburt gedacht werden 
mußte. Digitalis wurde in außerordentlich hohen Dosen erforderlich, in letzter 
Zeit traten dadurch gastrische Störungen auf und das Pulver war verschossen, 
Die Wirkung war keine vollständige mehr (nur durch die Gravidität gesetzte 
Erhöhung des Blutdrucks). Die Geburt ging außerordentlich schwierig von 
statten, nur unter starken Coffein-, Strofantus- und Digitalisdosen war das 
Herz über die Geburtszeit hinwegzubringen, die Gefahr eines Shoks war 
während derselben naheliegend und der Mann auf die event. Folgen hin- 
gewiesen. 

Man denke sich diese Situation für die kreißende Frau, die Fa- 
milie derselben und den entbindenden Arzt! -Und da wagen es noch 
Moralprediger, Ärzte u. a. unser Streben zu verdächtigen! Wozu braucht 
da die Welt eine medizinische Wissenschaft, welchen Zweck hat sie 
sonst als den, das Wohl der Menschen in Augenschein zu nehmen? 
Wer da noch bei Anempfehlung von fakultativer Sterilität dem Arzte 
„unmoralische Handlungsweise“ entgegenschleudern will, ist jeglichen 
Mitgefühls bar. S 

Daß bei schwer herzkranken - Frauen, besonders während der 
2. Hälfte der Schwangerschaft, bisweilen sich Komplikationsstörungen 
einstellen, ja daß, wenn die Blutdrucksstörungen so hochgradig sind, 
daß Digitalis, Stronfantus etc. versagen, dann auch eine künstliche, 
frühzeitige Geburt hin und wieder vorgenommen werden muß, ist eine 
nur zu genügend bekannte Tatsache. Die Mehrzahl der Ärzte stellt 
sich in solchen Fällen auf den Standpunkt der Einleitung einer künst- 
lichen Frühgeburt. Welches Vorgehen aber vom Standpunkt der Hu- 
manität, des „sittlichen“ Arztes das richtigere ist, Neomalthusanismus 
oder event. spätere Frühgeburt, ob hier „die Praxis von anitikonzep- 
tionellen Mitteln irgend welcher Art nur der Lüsternheit dienen soll“, 
wie Zweifel meint, darüber überlasse ich jedem billig denkenden 
Leser sein Urteil! 

Daß 2.)schwere Lungenleiden, vorgeschrittenere Lungentuber- 
kulose, Lungengangrän, Lungenenpyeme, eitrige Pleüritiden, eine unbe- 
dingte „Indicatio causalis“ für N. darstellen, ist ganz von selbst einleuch- 
tend. Ob tuberkulöse Mädchen gravid werden sollen oder — in die soziale 


— 93 — 


Frage umgewandelt — heiraten sollen, ist ja noch sehr viel umstritten. 
Wenn Kirchner auf dem internationalen Kongresse zur Bekämpfung 
der Tuberkulose (Bericht von 1894) das Schlagwort geprāgt hat, daß 
jeder, der dazu berechtigt und mächtig ist, die Eheschließung eines Tuber- 
kulösen verhindern soll, so ist dies von seinem hygienischen, Stand- 
punkt aus sehr lobenswert, aber in die Praxis nicht umsetzbar, denn 
ich weise nur auf Naegelis Arbeit (Virchows Archiv, Band 160) 
hin, der im Züricher pathologischen Institut - fand, daß zwischen 14. 
und 18. Lebensjahre die Hälfte aller Leichen tuberculös, zwischen 18. 
bis 30. Lebensjahr fast jede Leiche tuberkulös war, und bei */, noch 
bestehende, bei ?/, ausgeheilte Tuberkulose fand. Wer soll da über- 
haupt noch heiraten® — Die Anschauungen aus meiner Studienzeit, 
daß jeder 3. Mensch Tuberkulose habe und jeder 7. Mensch daran 
sterbe, dürften auch heute noch Geltung haben. 

Ich will nicht auf meine diesbezügliche Stellung zum N. eingehen, 
meine aber, daß auch bei Lungenleiden von Fall zu Fall unterschieden 
werden muß, ob Praeventivverkehr stattfinden soll oder nicht. Der 
Status der Tuberkulose der Frau bildet die Entscheidung 
ob pro oder contra N. Wenn der Prozess noch nicht weit vorge- 
schritten ist, die Patientin noch im I. oder höchstens beginnenden Il. 
Stadium sich befindet, wenn noch keine Cavernen sich gebildet haben, 
der Kräftezustand und die Widerstandsfähigkeit der Patientin gute, der 
Auswurf noch keine Bazillen hat und besonders gute soziale Verhält- 
nisse vorhanden sind, halte ich den N. nicht für notwendig. Es muß 
dem Fein- und Taktgefühl des Arztes dies überlassen bleiben, denn 
gar verschiedene, nicht einzeln hier aufzuzählende Momente können da 
mitsprechen. Wenn aber die Erkrankung hochgradig fortgeschritten 
ist, Cavernen, Haemoptoen, Fieber, tuberkulöse Pleuritiden, schlechte 
Ernährungszustände, schlechte soziale Verhältnisse vorliegen, dann ist 
m. E. es dem Arzte nicht nur erlaubt, sondern es ist sogar Pflicht 
desselben, strengsten N. anzuempfehlen. 


Die Wichtigkeit des N. möge auch hier ein Fall e praxi erhärten: 


Eine Tischlersehefrau, 33 Jahre alt, mit hochgradigem beiderseitigen tuber- 
kulösen Lungenkatarrh, Nachtschweißen, jedoch noch ohne Fieber und mit 
relativ günstigem Kräftezustand, Mutter von 5 Kindern, übt seit einigen Jahren 
auf mein Anraten hin ehelichen Präventivverkehr mittelst Mensinga- 
‚schem Occlusivpessar. Auf Anraten einer guten Freundin, weil der Stahl- 
federring krank mache und das Zephirpessar sicherer sei, entfernte sie das 
Mensingapessar und benutzt letzteres. Eines Tages kommt Pat. zu mir mit - 
der Angabe des Ausbleibens der Menses zum zweiten Male. Eine innere Unter- 


— 94 — 


suchung ergibt Gravidität im 2. bis 3. Monat, gleichzeitig aber vollkommen 
gute Lage des Pessars. Die Herausnahme desselben zeigt jedoch, daß das 
Häutchen zerrissen. Zerknirscht verließ die Frau mein Sprechzimmer. Ich 
konnte ihr nicht helfen, gab ihr jedoch einen anamnestischen Bericht an die 
geburtshilfliche Leipziger Klinik mit {der Bitte um Begutachtung des Allge- 
meinzustandes, und — falls notwendig — Einleitung einer künsti. Frühgeburt. 
Nach mehreren Tagen wurde Pat. wieder entlassen ohne Vornahme einer 
solchen. Die ersten Monate verliefen, abgesehen von vielem Erbrechen und 
Abmagerung, relativ gut. Die Frau trug ihr Kind aus, jedoch in der zweiten 
Hälfte der Schwangerschaft stellte sich starkes Fieber ein, starke Schwäche, 
rapides Fortschreiten des Lungenprozesses. Geburt verläuft gut. Resultat: 
Ein außerordentlich elendes, allgemein tuberkulöses Kind, das nach mehreren 
Wochen stirbt. Die Frau verfällt 6 Wochen „post partum“ einer floriden, galop- 
pierenden Miliartuberkulose und folgt ihrem Kinde nach im Tode. Obgleich 
ich keinen Beweis habe, daß die Mutter bei nicht eintretender Schwanger- 
schaft einige Jatıre noch gelebt hätte, war doch der persönliche Eindruck der, 
daß die wieder eingetretene Schwangerschaft eine hochgradige Beschleunigung 
des Lungenprozesses herbeigeführt hatte. 

Derartige Fälle, wie vorliegender, könnte wohl jeder erfahrene Praktiker 
zu Dutzenden anführen. 

In genanntem Falle spielt das Drama noch weiter. Zirka !/, Jahre nach 
dem Tode der Frau kommt der Mann zu mir mit einer akuten Gonorrhoe, die 
heute noch nicht ausgeheilt ist, weil Patient sich längerer Behandlung ent- 
zog. Er steht jetzt, mit der nicht ausgeheilten Gonorrhoe — 1 Jahr zirka nach 
dem Tode der ersten Frau — vor der Wiederverehelichung, die mit einer sicheren 
gonorrh. Infektion der zweiten Frau mit all ihren Folgen beginnen wird. 


Solche Fälle erinnern mich so recht an die Mensinga’schen 
Worte: „Ist es human, einem schwachen Menschen helfen zu können 
und es nicht zu tun?“ Ist es human, zu sagen: „Du hast auf meine 
Worte nicht gehört, zur Strafe lasse ich Dich jetzt sterben!“ Ist das 
menschlich, ist das barmherzig? Ist diese medizinische Wissenschaft 
wirklich soweit entfernt von den anerkannten Lehren und dem Beispiel 
des Propheten von Nazareth?“ 

Daß unsere Anschauungen sich mehr und mehr Bahn brechen, 
dafür nur ein Beweis. Kaminer in „Krankheiten und Ehe“ Il, S. 277, 
dessen daselbst niedergelegte Anschauungen ich keineswegs in allen 
Punkten teile, sagt: „Wenn man die Gefahren, welche eine Tuberku- 
löse läuft, wenn sie schwanger wird, die engen Indikationsgrenzen der 
Einleitung des künstlichen Aborts und die Tatsache berücksichtigt, daß 
man von der Operation in vielen Fällen zwar Erfolg erwarten, niemals 
je aber mit Sicherheit wird voraussagen können, so wird man als 
eine hauptsächlichste Pflicht des Arztes seine Bestrebungen 
bezeichnen müssen, die Konception tuberkulöser Frauen mit 








— 95 — 


Hilfe aller der Wissenschaft zu gebote stehenden Hilfsmitteln 
zu verhindern.“ | 

Daß 3.) Diabetes mellitus in seinen schweren Formen eben- 
falls eine Indikation zur fakultativen Sterilität sein’ kann, erhellt schon 
aus dem Grunde, daß gerade im Zeugungsalter (bis ca. 45. Lebensjahre 
bei der Frau) ein Diabetes eine weit schwerwiegendere Erkrankung 
ist, als im späteren Lebensalter. Die Schwangerschaft bildet ja bis- 
weilen ein Moment für die Zuckerausscheidung (vide „Glycosuria gravi- 
darum!“) bei sonst von Zucker võllig freien Frauen. Jedenfalls aber 
hat eine Schwangerschaft beim Diabetes gravis, d. h. bei denjenigen 
Formen, deren Zuckerausscheidung mehrere °% beträgt, immer einen 
höchst ungünstigen Einfluß. Zeigt sich also in der Ehe bei der Frau 
nicht nur vorübergehend, sondern ständig Zuckergehalt, so trage ich 
kein Bedenken, selbst bei geringem Zuckergehalt, N. anzuraten, umso- 
mehr, als die Erfahrung gezeigt hat, daß milde Formen von Diabetes 
durch Schwangerschaft und das event. daran sich anschließende Stillen 
in schwere Formen übergehen können. Keinesfalls aber dürfte man 
soweit gehen, wie es geschieht, Mädchen in mittleren Lebensjahren 
wegen dieser Gefahr, vom Eingehen der Ehe abzuraten. Eine neomal- 
thusianische Ehe dürfte hier, im beiderseitigen Interesse, das richtigste 
sein, natürlich eine streng durchgeführte. Muß man doch hierbei be- 
rücksichtigen, daß auch bei der Frau der Diabetes, wenn auch keine 
Impotenz wie beim Manne, so doch oft eine Schwächung der Libido 
sexualis mit sich bringt. 

Auch Haemophilie von Seiten der Mutter — allerdings ist dieselbe 
weiblicherseits recht selten — erfordert selbstverständlich N., da sie 
ja eo ipso Verblutung intra partum herbeiführen würde. 

Daß 4.) hochgradige Beckenverengerungen, sogenannte 
absolute Kaiserschnittbecken (d. h. solche unter 7 resp. 6 cm Conj. 
vera) auch eine absolute Indikation für N. bilden, sollte man eigent- 
lich von vornherein annehmen. Jedoch ist dies nicht der Fall, und 
kann auch, wie ich selbst zugebe, nicht immer der Fall sein, weil hier 
nicht eine Krankheit sensu stricto vorliegt, auf welche die Gravidität 
irgendwelchen Einfluß haben könnte, denn selbst das engste Becken 
hat für die Mutter wie das Kind selbst solange keine Bedeutung, als 
die Geburt noch nicht begonnen. Erst mit diesem Momente beginnen 
die Schwierigkeiten, die jedoch durch den Kaiserschnitt (resp. bei 
totem Kind durch die Perforation) Abhilfe erfahren können. Becken- 
verengungen sind daher nur bedingte Indikation für den N. 


— 96 — 


Die Bestimmung, was hier eintreten soll, hat — nach Auf- 
klärung der Sachlage — nicht der Arzt, sondern das Ehepaar 
zu treffen. Liegt der dringende Wunsch seitens desselben vor, einen 
Nachkommen zu haben, so ist vom Praeventivverkehr abzusehen und 
beim Beginn der Geburt behufs Kaiserschnitt die Frau einer geburts- 
hilflichen Klinik zu überweisen. 

„Meines Erachtens würde hier beim ersten resp. zweiten Kinde 
der Kaiserschnitt das einzig richtige sein; zur Verhütung weiterer Gra- 
 viditäten ist, besonders bei schwächlichen Frauen, die fakultative Steri- 
lität den Ehelenten wenigstens vorzuschlagen. Keineswegs darf man 
aber soweit gehen, sechsmal (!) an einer Frau den Kaiserschnitt vor- 
zunehmen, an dem sie schließlich zu Grunde ging. (Archiv für Gynae- 
kol. 1885), oder wegen Gebärunmöglichkeit den künstlichen Abort 
einmal, aber nicht zweimal (Arch. für Gyn. XVII, 2) vorzunehmen. 
Mensinga bemerkt hierzu richtig: „Hat sich der Arzt wohl jemals 
die Hilflosigkeit und Trostlosigkeit solchen Daseins klar gemacht? 
Gereicht es ihm zum Ruhme, dieser ewigen Folter bis zum schmäh- 
lichen Ende nicht rechtzeitig abgeholfen, resp. rechtzeitig vorgebeugt 
zu haben?“ (Rohleder, loc cit S. 120). 

5.) Chronische Nierenleiden rufen bei der Frau während der 
Schwangerschaft: ungefähr dieselben Erscheinungen hervor, wie schwere 
Herzleiden. Beide schaffen Zirkulationsstörungen durch bedeutende 
Blutdruckserhöhung, beide können lebensbedrohliche, ja selbst tötliche 
Kompensationsstörungen hervorrufen. Durch ungenügende Tätigkeit 
der Nieren stellen sich Oedeme ein, welche ihrerseits wieder die Herz- 
tätigkeit stören und eine Inkompensation derselben hervorrufen hönnen. 
Es könnte hier nur die Frage aufgeworfen werden, bei welchen Graden von 
Nephritis fakultative Sterilität anzuraten sei. Ich bin der Ansicht, daß dies 
nicht allein von einem gewissen Eiweißgehalt abhängig zu machen sei, 
sondern von dem allgemeinen Kräftezustand der Frau, von der Beschaffen- 
heit des Herzens, besonders der Herzmuskulatur. Es ist dies von Fall zu 
Fall zu bestimmen, jedenfalls aber ist Praeventivverkehr anzuraten, 
wenn nicht allein Albumen, sondern auch Zylinder, Epithe- 
lien etc. im Urin gefunden werden, und jedenfalls darf man hier 
nicht zu ängstlich in der Bestimmmung des Zeitpunktes sein. Lieber 
zu früh als zu spät hierzu raten, denn man darf nicht vergessen, daß 
1. jede Schwangerschaft durch irgendwelche, noch unbestimmte Toxine 
‚und Noxen einen schädlichen Einfluß auf die Nieren auszuüben vermag 
(vide: die bekannte Schwangerschaftsnephritis) und vielleicht oft auch 


s= 07 c 


ausübt, der vielleicht blos deswegen nicht bekannt ist, weil bei den 
meisten Schwangeren nicht auf Eiweiß untersucht wird, und die be- ` 
kannte Fehlingsche Angabe, daß 5°% aller Graviden an Schwanger- 
schaftsnephritis leiden, ist zum mindesten nicht zu hoch gegriffen, daß 
2. eine Schwangerschaftsnephritis bisweilen, wie schon beobachtet, in 
eine chronische Nephritis übergegangen ist, daß 3. eine chronische 
Nephritis in graviditate zu einer Eklampsie ante resp. intra partum dis- 
ponieren kann, Gibt es doch Autoren, wie Fehling, die eine zu einer 
chronischen Nephritis tretende Gravidität für viel bedeutungsvoller halten, 
als eine zu einem Vitium cordis tretende, ein Ausspruch, der m. E. im | 
allgemeinen nicht gefällt werden kann. 

Auf Nierentuberkulose, Nierentumoren etc. als Indikation für fakul- 
“ tative Sterilität will ich hier, als zu selten für die allgemeine Praxis, 
nicht eingehen. 

6.) Sexuelle Erkrankungen, besonders Syphilis als Indi- 
kation für fakultative Sterilität. 

Noch vor einigen Jahren stand ich auf dem Standpunkt, daß 
hier nicht fakultative Sterilität, sondern eine kräftige antisyphilitische 
Kur anzuraten sei, heute jedoch stelle ich mich auf Mensinga’s Seite, 
der bei Syphilis der fakultativen Sterilität das Wort — redet und zwar 
einer vorübergehenden — und zwa rdann, wenn eine Infektion der Frau 
durch den Mann noch nicht stattgefunden, aus folgenden Gründen: 
‚Es ist bisweilen, (wenn auch leider meist nicht) möglich, eine Infek- 
tion der Frau durch den Praeventivverkehr mittels Condom (nicht 
Occlusivpessar, wie Mensinga will) zu verhüten, denn bisweilen kommt 
dem Arzte ein. „Ulcus durum“ zur Behandlung, wobei in der Zeit von 
der (extramatrimoniellen) Ansteckung bis zum Ausbruch des Ulcus 
kein sexueller Verkehr mit der Gattin stattgefunden, wenn auch dies 
zu den selteneren Fällen gehört. Bekanntlich ist die vielumstrittene Frage, 
ob ein mit Lues Infizierter heiraten darf oder, was für uns dasselbe 
sagen will, normalen Sexualverkehr ausüben darf, von den Autoren 
dahin beantwortet worden, daß nach gründlichster Behandlung mindes- 
tens 4 Jahre verflossen und die letzten beiden mindestens recidivfrei 
gewesen sind. Wir Alle wissen jedoch, daß diese Leute, wenn noch 
unverheiratet, dem Verkehr solange nicht entsagen, und wenn verheiratet, 
dem intramatrimoniellen Verkehr nicht entsagen, oder — dem extra- 
matrimoniellen sich zuwenden. Hier dürfte — 1., um den Patient ennicht 
auf Abwege gleiten zu lassen und 2., um die Gattin nicht in der Se- 
kundärperiode zu infizieren —, d. h. nach Abheilung des Ulcus durum, 

3 


— 98 — 


Praeventivverkehr mit Condom anzuraten sein. Ist die Frau jedoch 
‚schon infiziert, ist meist Neomalthusianismus überflüssig. 

-Daß auch die anderen geschlechtlichen Erkrankungen, wie Ulcus 
molle, Gonorrhoea acuta Paeventivverkehr im Interesse des anderen 
Teiles erfordern, ist selbstverständlich. Natürlich wird jeder Arzt nach 
Möglichkeit während dieser Erkrankungen überhaupt sexuellen Verkehr 
verbieten. Andererseits wird aber jeder Arzt auch wissen, daß in 
dieser Zeit das ärztliche Verbot nicht immer eingehalten wird. Ich 
selbst habe z. Z. einen akut. Gonorrhoepatienten von ca. 34 Jahren 
in Behandlung, der mein Gebot nicht befolgte und jetzt erst, nach 
Infektion eines Mädchens, nachdem ich die Libido des Kranken genau 
beurteilen kann, habe ich ihm strikt, wenn überhaupt, nur Coitus 
condomatus erlaubt. Ob er’s halten wird? 

Wie aber verhält es sich mit dem chronischen Tripper? 
Ich brauche nicht näher einzugehen auf die Statistik. Neißer hat 
zur Genüge gezeigt, daß unter den sogen. chronischen Tripperfällen 
es sowohl infektiöse wie nicht infektiöse Patienten gibt und daß weder 
das subjektive Befinden, noch sogar der klinische Befund entscheiden 
können, ob noch Infektiosität vorliegt oder nicht, sondern einzig und 
allein . der mikroskopische Befund. Der Arzt hat demnach die 
Verpflichtung, dem chronisch Tripperkranken so lange als 
möglich Abstinenz anzuraten und wenn Patient dies verwei- 
gert, nur den Praeventivverkehr mittels Condom zu ge- 
statten, so lange als noch Gonokokken nachweisbar sind. 

(Fortsetzung folgt.) 


Über die Folgen der Onanie. 


Von Dr. Moritz Porosz-Budapest. 


Obgleich es kaum jemanden gibt, der nicht in seinen Jugend- 
jahren der Sünde der Selbstbefleckung gehuldigt hätte, sind doch ihre 
von Vielen in düsteren Farben geschilderten Folgen nicht so häufig. 
Selbstredend waren jene, die diese Anomalie nicht lange und nicht 
in starkem Maße betrieben haben, den schädlichen Einflüssen nicht 
so sehr ausgesetzt, namentlich dann nicht, wenn sie nachher ein 
regelmäßiges sexuelles Leben beginnen und es regelmäßig fort- 
setzen konnten. Leider sind es viele, die mit der begonnenen Onanie 
nur deshalb fortfahren, weil sie kein regelmäßiges sexuelles Leben 


= 00: 


führen konnten. Sie konnten es nicht wegen der fehlenden Neben- 
umstände oder sie konnten es nicht, weil der Beginn des Coitus auf 
eine Zeit fiel, in der sein Verlauf schon Störungen gezeigt hat. 

Schon die Ärzte im Altertum waren der Ansicht, daß die Ona- 
nie auf das Rückenmark einen schädlichen Einfluß ausübt. In neuerer 
Zeit gibt es schon Mehrere, die die Ursache der Geisteskrankheiten 
der vorangehenden ÖOnanie zuschreiben. | 
| Beide Auffassungen sind irrig. Dafür gibt es keine allgemeine 
Regel. Aber auch dafür nicht, daß sie auch die körperliche Entwick. 
lung gehemmt hätte. 

Ich selbst, der ich oft Gelegenheit habe, die Folgen der Onanie 
zu behandeln, habe oft die Erfahrung gemacht, daß Einzelne trotz 
des weitgehenden Abusus nicht jene bekannten Folgen zeigen, die ich 
schon erwähnt habe. 

Es hängt, wie es scheint, von einer gewissen Disposition ab, 
wie und in welcher Richtung sich diese schädlichen Einflüsse geltend - 
machen. Die direkte Folge der Onanie sind Pollutionen, denen nach 
längerem Bestand die Defäkationsspermatorrhoe folgt. Manchmal bleibt 
das Stadium der Pollutionen ganz aus. Und gleichzeitig damit nehmen 
die Patienten beim Coitus die rasche Ejaculation wahr und schließlich 
bei geschwächter Erectionsfähigkeit die Impotenz. 

Mit der abnehmenden Potenz tritt das gesteigerte Wollustgefühl 
auf und mit der mangelhaft verlaufenden Coitusfähigkeit nimmt nach 
Beendigung des Coitus das Gefühl des Befriedigtseins ab. Sehr oft 
ist ein nicht beachtetes Symptom auch das häufige Urinieren. 

Der allgemeine Name dieser in großen Zügen skizzierten Symp 
tomengruppe ist die sexuelle Neurasthenie. Die Neurasthenie, welche 
sehr oft diese Symptome begleitet, ist zu einem herrschenden Begriffe 
geworden, und auch dann, wenn die eigentliche Neurasthenie fehlt, 
werden die aufgezählten Symptome als ihre Zeichen angesehen. 

Diese Symptome kommen in derselben Reihenfolge, in derselben 
Gruppierung, in demselben Maße auch nach Mißbräuchen vor, welche 
nicht durch die Onanie, sondern durch die Abusus des normalen Coi- 
tus zur Entwicklung gelangt sind. Deshalb sehe ich nicht in der 
Onanie, sondern im Abusus die Ursache der Folgen. Veränderungen 
sehe ich weder im Gehirn, noch im Rückenmark, sondern ich finde 
sie in der Tätigkeit der Prostatamuskulatur und deshalb gab ich 
dieser Symptomengruppe den Namen: Atonia prostatae. Wie der 
Patient diese Erscheinungen auffasst, welche Folgerungen er von der 

; 3t 


— 100 — 


artigen Erfahrungen zieht, hängt immer vom Individuum ab. Es hängt 
davon ab, ob er zur Zeit ermutigend getröstet worden ist, ob er die 
Weisung bekommen hat, was er zu tun oder was er zu unterlassen 
habe, oder ob ihm Schrecken eingeflößt worden ist, sei es mündlich 
‘oder durch die Lektüre von Büchern. 

Nur eines dieser Symptome beherrscht oft bei der Onanie die 
übrigen, und dieses ist das gesteigerte Wollustgefühl. Tritt es bei 
natürlichem sexuellen Leben auf, so werden ihm durch die Möglich- 
‚keit der Vornahme eines Coitus Grenzen gesteckt. 

Bei den Onanisten ist diese Grenze viel entfernter, denn sie 
brauchen kein anderes Individuum. Die nötige Einsamkeit finden sie 
leicht, wenn nicht anderwärts, so in diskreten Lokalen und abends im 
Bette. Diese Plätze können, ohne gesucht werden zu müssen, ge- 
funden werden, und die sich daran knüpfenden Erinnerungen tragen 
dazu bei, daß die Aufmerksamkeit auf die ohnehin gesteigerte Libido 
gelenkt wird. Die erweckte und durch die Phantasie auch unwillkür- 
lich gesteigerte Libido führt einen starken Kampf mit dem Willen, der 
besiegt die Gemütsruhe des Patienten mit sich reißt und sein seelisches 
Gleichgewicht stört. Die Selbstanklage lastet, von dem Gewissen nieder- 
gedrückt, auf dem ganzen Wesen des Patienten. 

Mit folgendem Fall möge dies näher beleuchtet werden: 

Ein 22jähriger Techniker kam mit dem verzweifelten und auf- 
richtigen Geständnis zu mir, er könne sich von der Onanie nicht los- 
sagen. Im Alter von elf Jahren lernte er dieses Verfahren von seinen 
älteren Spielgenossen. Er betrieb es mehreremal täglich, später machte 
er Pausen von höchstens 6—8 Tagen. Mit großer Anstrengung war 
er imstande, sich zu überwinden, daß er seit °/, Jahren nur jeden 
3. oder 4. Tag onanierte. Im Alter von achtzehn Jahren machte er 
den ersten Coitusversuch, der aber in Ermangelung einer Erektion fehl- 
schlug. Am nächsten Tage ist er doch „bei Inanspruchnahme der 
Phantasie kläglich gelungen“. Seither nahm er zweiwöchentlich, später 
wöchentlich einen Coitus vor. Der Verlauf des Coitus war verschieden. 
Oft wollte keine Erektion auftreten, machmal stellte sie sich rasch ein, 
aber nach maximum 8 Friktionen kam die Ejakulation. Das Wollust- 
gefühl ist minimal, die Ejakulation geht auf einmal, nicht stoßweise, 
vor sich. Die Libido ist gesteigert, die „kaum sichtbaren weiblichen 
Wadeln“ bringen ihn in Erregung. Defäkationsausfluß nahm er nicht 
wahr, aber in dem nach dem Stuhlgang aufgefangenen Urin waren 
unter dem Mikroskop Spermatozoen sichtbar. Pollutionen hatte er nur 





— 101 — 


selten, Blennorrhoe hatte er vor sieben Jahren, die aber ohne Kompli- 
kationen verlaufen ist. Er uriniert täglich 8—10 mal, in der Nacht 
1—2 mal. Das Urinieren endet tröpfelnd. Die Prostata ist klein und 
weich. Er ist ein bleicher, tief dreinblickender, schlanker, muskulöser, 
aber nicht fetter junger Mann. Er zeigt im Allgemeinen nicht die Zu- 
"rückgebliebenheit seiner körperlichen Entwicklung. 

Seine darauf bezüglichen Bemerkungen sind nur subjektiven Ur- 
sprungs. Daß sie auf andere keinen ähnlichen Eindruck machen, ist daraus 
ersichtlich, daß er als Soldat eingereiht worden ist. Zur Zeit kommt 
er seiner Militärpflicht nach. Seine geistigen Fähigkeiten zeigen keiner- 
lei Abnormität. Er ist vielmehr ein sehr vernünftiger, fleißiger und 
talentierter Mensch. Seine Prüfungen legte er mit ausgezeichnetem Er- 
folge ab und löste mehrere schwierige Fachprobleme selbständig. Bei seiner 
geistigen und körperlichen Intaktheit ist seine Gemütsruhe gestört. 
Er litt an Neurasthenie, in welche seine eigene Schilderung, die er 
bei Beginn der Behandlung zu Papier brachte, Klarheit bringt: „Ich 
fühlte einen Ekel gegen mich selbst, wegen meiner elenden, unüber- 
windlichen Leidenschaft. Die größte seelische Energie mußte ich in 
Anspruch nehmen, um diese häßliche Sünde ein oder zweimal unter- 
lassen zu können ... War ich allein, so machte ich mir darüber 
große Vorwürfe. Manchmal erfaßte mich die Wut und Verzweiflung, 
so daß ich mich selbst ohrfeigte und mein Haar raufte. In den Abend- 
stunden fühlte ich mich am elendsten. Beim Anblicke des Bettes 
erfaßte mich plötzlich eine höllische Furcht, weshalb ich mich, um 
„diese Geschichte“ zu vermeiden, spät zu Bett legte. Bis 12 Uhr 
nach Mitternacht las oder lernte ich, bis ich müde war. Dann fühlte 
ich Libido, die sich bis zum Maximum steigerte. Ich fing an zu zittern. 
Mein Athem stockte und ich warf mit wahnsinniger Eile die Kleider 
ab, ich löschte die Lampe aus und legte mich nieder. Ich fühlte einen 
Druck im Kopfe, ich verlor das Bewußtsein und, ohne an die Schäd- 
lichkeit zu denken, beging ich, sozusagen in Apathie, die „Sünde“. 
Die Ejakulation hielt ich, solange es ging, auf, in der Hoffnung, daß 
ich indessen einschlafe. Dieser Fall trat aber niemals ein. Während 
des Prozesses suchte ich passende Bilder. Nacheinander erschienen 
‘ die Bilder der Medien vor meinen geistigen Augen. In meinen früheren 
Jahren befaßte ich mich mit häßlichen, geschmacklosen Gestalten, 
später suchte ich mir junge, unschuldige Geschöpfe vorzutäuschen“, 
(Diese Bilder sah er in der Tat auf der Wand)“. Endlich stellte sich 
das Wollustgefühl ein. Einen Augenbiick heuchelte ich mir Ruhe vor. 


- 12 — 


Nachher fühlte ich. einen Seelenschmerz, den eine Feder niederzuschreiben 
nicht vermag. 

Ich warf meine Decke fort, begrub meinen Kopf in die Kopf- 
kissen und weinte bittere Thränen. Die brachten mir ein wenig Ruhe. 
Später erfafßte mich die erbittertste Wut. . Schluchzend riß ich alle 
Knöpfe von der Decke und den Kissen. Ich sprang einige Male vom 
Bett herunter, und zertrümmerte Alles, was mir in die Hände kam. 
Einmal war es eine wertvolle Vase, ein anderes Mal ein großer Spiegel. 
Einmal setzte ich mich zum Klavier und spielte um 2—3 Uhr nach 
Mitternacht die melancholischesten Lieder. Voller Entsetzen legte ich 
mich dann nieder und glaubte, ich wäre wahnsinnig geworden. In 
diesem Zustande hielt ich die Gedanken, die mich überraschten, für 
berechtigt. Mehr als einmal schien es mir, als wenn sich die Thüre 
geöffnet hätte und ein grauer Ritter in voller Rüstung eingetreten wäre. 
Er triefte von Blut. -Ich bat ihn inständigst, er möge mich entzwei- 
schneiden, aber er nickte verneinend. Mit den Worten: „Weil du ein 
Elender bist und keine Seelenkraft hast, leide!“ verschwand er. Ich 
hegte aber doch bessere Hoffnungen und faßte den Entschluß, es 
nicht mehr zu tun. Von der Ansicht geleitet, daß ‘an der Tatsache 
nichts geändert wird, wenn ich noch einmal diese Sünde begangen 
habe, fuhr ich damit noch lange Jahre fort, ohne daß sich mein Zu- 
stand: geändert hätte. Ich war von der Schlaflosigkeit sehr geplagt. 
Meine einzige Hoffnung war die, daß der Arzt hier Abhilfe schaffen 
könne, aber ich hatte keinen Mut, einen aufzusuchen. Unzählige Male 
war ich auf dem Wege zu einem Arzte, aber am Tore angelangt, 
machte ich kehrt. Schließlich bannte ich alle meine Gedanken, ich 
sah und hörte nicht, und bin sozusagen automatisch in den Ordina- 
tionssaal eines Arztes getreten. Alles war mir lästig, alles ekelte mich 
an. (Eltern und Verwandte hatte er nicht lieb). Nur der Wissen- 
drang hielt mich aufrecht. Ist mir ein wünschenswertes Buch in 
die Hände gekommen, weinte ich vor Freude. Bange Gefühle erfaßten 
mich, so oft ich an meine Zukunft dachte. In einem drückenden Ge- 
mütszustande trank ich, ohne viel Federlesens zu machen, eine Cyan- 
kalilösung, aber ganz erfolglos. Die Lösung war nämlich schlecht. 
Später las ich einmal in einem Lexikon, daß es nicht so arg ist, wie 
ich es bisher geglaubt habe. Von dieser Zeit an war ich ruhiger und 
nahm diese „Abscheulichkeit* mit weniger Furcht vor... .. (Er hatte 
zu den Medikamenten und zur kräftigen Nahrung großes Vertrauen 
und glaubte. so den „Stoffverlust ersetzen zu können; er nahm Pep- 


— 1033 — 


ton, Eisen, Arsen, Brom etc. ein). Ich nahm aber keine Veränderung 
an mir wahr, 

Ich bin ein Feind der Menschen, ein Hasser der Frauen geworden. 
Ich hielt jeden Menschen für meinen Feind. Eine gut gekleidete Frau 
erweckte Haß in mir... Abends zog ich Frauenkleider an, stellte 
mich vor den Spiegel und machte die tagsüber beobachteten Frauen 
lächerlich ... Zu Hause war ich der schauerlichste Mensch, in 
Gesellschaft dagegen sehr lustig, wenn auch die Übrigen ernst sind. 
Aber bald darauf setzte ich mich mit gerunzelter Stirne in einen Win- 
kei nieder, weil es mir eingefallen war, daß ich mich bald niederlege. 
Dieses Benehmen war meinen Bekannten nicht neu. Sie schickten 
mich nach Hause, denn sie sagten, ich habe einen „Rappel“ bekommen. 
In solchen Fällen war ich wieder empört und wollte mit aller Gewalt 
zeigen, daß ich keinen Rappel habe. Ich setzte mich nieder und 
studierte bis 4 Uhr Morgens . ... Ich war eingebildet und liebte Nie- 
manden, nur die kleinen Kinder, deren Unwissenheit und Aufrichtigkeit 
mir unendlich gefiel. Ich fand nicht in ihnen, was Selbstsucht ver- 
raten könnte. Wer mir wohlwollend entgegen kam, den betete ich 
an. Ich opferte ihm Geld und Zeit. Mit einem schlecht gekleideten 
Kollegen tauschte ich gute Kleider. Überdies hat sich mit mir noch 
vieles ereignet, aber das lasse ich weg“. 

Aus obigen Zeilen ist ersichtlich, wie sein Gemitszustand be- 
schaffen war. Seine Verzweiflung, seine Selbstqualen waren dem Um- 
stande zuzuschreiben, daß er seinen Zustand überschätzte. Hallucina- 
tionen, Verfolgungswahn ect. verraten diese Zeilen. Und die Ursache 
dieses Zustandes war nichts Anderes, als gesteigerte Libido. Auf die 
Mäßigung derselben war die Behandlung gerichtet. Ich elektrisierte 
die atonische Prostata, worauf er immer weniger urinierte. Später 
urinierte er 4mal täglich. Der Verlauf des allwöchentlich vorgenom- 
menen Coitus war länger, es waren 10—15—20, sogar ausnahmsweise 
35 Friktionen notwendig. Die Erektionen waren besser, das seelische 
Gleichgewicht war bald hergestellt. Er fühlte ein wohltuendes Gefühl 
in den Geschlechtsorganen. Der Anblick von Frauen brachte ihn nicht 
in Erregung, er blieb sogar „nach einem erfolglosen Sturm“ ruhig. 
Er schläft gut und schläft bald ein. Böse Gedanken plagen ihn nicht 
und er befaßt sich nicht mit seinem Leiden und nicht mit sich selbst. 
Seine Bekannten und Angehörigen nehmen wahr, daß er sich ganz ver- 
ändert hat. 

Seit Beginn der Behandlung onanierte er nicht, anfangs stellte sich 


— 104 — 


wohl Libido ein, aber ich munterte ihn: auf, daß es, wenn er auch 
1—2 mal noch onanieren sollte, keine schweren Folgen nach sich 
ziehe. Wie es scheint, hat er die kleine Libido überwinden können. 
Sechs Wochen lang behandelte ich ihn täglich, später seltener. Medi- 
kamente bekam er nicht. Im Sommer besuchte er die Schwimm- 
schule. Seit einem Jahre «fühlt er sich ganz wohl. 

Sein Leiden war hochgradige Neurasthenie, die -wegen der er- 
wähnten Symptome als sexuell bezeichnet worden ist. 

Die Onanie verursachte bei ihm keinerlei Veränderungen, weder 
am Körper, noch im Geiste, noch im Gehirne, noch im Rückenmark. 
Es war nur eine gestörte Gemütsstimmung vorhanden. Eine Verände- 
rung war nur in der Prostata nachzuweisen, nach deren Heilung alle 
Symptome verschwunden sind. (Fortsetzung folgt.) 


Eine Weihnachtsfeier im größten Dirnenkranken- 
hause Deutschlands. - 


Zugleich ein Beitrag zur Psychologie der Prostituierten. 


Von Dr. med. Wilhelm Hammer-Berlin. 


Die genaue Erforschung des Seelenlebens der Prostituierten ge- 
hört zu den Grenz-Aufgaben der Psychiatrie und der Dermatologie. 
Bietet doch eine genaue Kenntnis der Dirnenseele eine der Grundlagen, 
von denen wir ausgehen können, um einen festen Boden zu gewinnen 
zur Entscheidung der Frage: Sind Prostituierte geistig krank, sind sie 
Verbrecherinnen oder sind sie nützliche Mitglieder der menschlichen 
Gesellschaft? Die Beantwortung dieser Grundfrage dürfte dann mög- 
lich sein, wenn wir die Prostituierten in den verschiedensten Lebens- 
lagen beobachten, bei Ausübung ihres Gewerbes, im Krankenhaus, 
im Gefängnis — im Getriebe des Alltagslebens und beim Feiern der 
Feste. Erst, wenn wir verschiedene Aufnahmen haben, können wir 
den Versuch wagen, eine Gesamtschilderung des Seelenlebens dieser 
Menschenklasse zu geben. In Jiesem Sinne hoffe ich einen Beitrag 
zu Psychologie der Prostituierten zu liefern, wenn ich Wahrneh- 
mungen schildere, die ich als Arzt der größten deutschen Dirnenstation 
an einem der letzten Weihnachtsabende zu machen Gelegenheit hatte. 

Schon Wochen lang vor dem heiligen Abend richteten viele der 











- 105 — 


Mädchen an mich die bange Frage, ob sie bald geheilt seien, bald 
auf Freiheit kämen, ob sie wenigstens den Weihnachtsabend außerhalb 
des Zwangskrankenhauses verleben könnten. Alle Mädchen, die irgend 
als geheilt oder wenigstens als nicht ansteckend gelten konnten, wurden 
dann auch entlassen. Über hundert Mädchen jedoch mußten nach 
den strengen Bestimmungen, die in diesen Krankenhäusern gelten, zu- 
rückbleiben. Manche, die noch gehofft hatte, entlassen zu werden, 
brach daher bei der Untersuchung am Morgen des 24. Dezember in 
bittre Tränen aus. Doch bald gewann eine heitere Lebensauffassung 
die Oberhand und man konnte eine große Anzahl fleißig arbeitender 
Mädchen sehen, die die Wärterinnen im Putzen und Scheuern, im 
Reinigen und Säubern unterstützten. Neben den gewohnheitsmäßigen 
Arbeiterinnen, jenen fleißigen Mädchen, die vom ersten Tag ihrer Ein- 
lieferung an, bis zum Tage ihrer Entlassung ununterbrochen ange- 
strengt arbeiten, waren weniger geübte, zartere Hände zu sehen, die 
wenigstens kurz vor Weihnachten guten Willen bewiesen. Die Abend- 
visite der Ärzte fand an diesem Tage schon um 3 Uhr nachmit- 


tags statt. 


Es wurden nur zwei neue Kranke aufgenommen. Eine 52 
jährige Frau, die erst vor 2 Tagen als nicht mehr ansteckungsfähig 
entlassen war wurde von der Sittenpolizei wieder eingeliefert. Seit zwei 
Jahren befand sie sich in der gleichen Lage. Immer, wenn sie entlassen 
wurde, wurde sie sofort wieder eingeliefert, weil sie eine kleine granu- 
lierende Wundfläche an der Innenfläche der kleinen Schamlippe hatte, 
die nicht mehr heilte. Bei der schwächlichen abgemagerten Gestalt, 
den runzligen Gesichtszügen, der schmutzig verfärbten Haut war ein 
Männerverkehr wohl ausgeschlossen. Doch wurde sie immer wieder 
sofort nach ihrer Entlassung von der Sittenpolizei eingeliefert, die ge- 
treu nach ihrem Schema handelte. Eine Ueberweisung nach dem 
Siechenhaus, die der alten Frau längst angeboten war, lehnte sie stand- 
haft ab. Als zweite hatte die Sittenpolizei ein sechzehnjähriges Dienst- 
mädchen eingeliefert, die alleinstehend in der Reichshauptstadt sich eine 
leichte Erkrankung zugezogen hatte (Fluor purulentus e vagina). 

Nach Erledigung der Aufnahmen entfernten sich die Ärzte bis 
auf den diensttuenden Arzt. Die Wärterinnen schmückten die Bäume; 
auf allen vier Stationen des Frauenkrankenhauses wurde ein 2 m hoher 
Weihnachtsbaum reichlich mit Lichtern und Papierschmuck ausgeputzt. 
Die Mädchen wurden nach einem großen Saale im Il. Stockwerke ge- 
führt und etwa um t/a 6 Uhr trat der Anstaltsgeistliche ein. Mit ihm 


— 106 — 


zugleich betraten der Inspektor der Anstalt und einige Magistratsmit- 
glieder den Saal. Der Vorsitzende des Obdachkuratoriums war persön- 
iich erschienen. In der Nähe der Türen standen die Pflegerinnen in 
Ihren kleidsamen Waschkleidern. Auch nahe den Weihnachtsbäumen, 
die sich leicht entzünden konnten, hatten einige Platz genommen. 
Vorne dicht. in der Nähe des Geistlichen saßen die Freiwilligen, ge- 
schlechtskranke Mädchen, die von der Krankenkasse oder Armendirek- 
tion oder auf eigene Meldung hin in das Krankenhaus gekommen 
waren. In den mittleren Reihen befanden sich die von der Sittenpoli- 
zei eingelieferten Kontrollmädchen. Ganz hinten endlich waren die 
Fürsorgezöglinge untergebracht, jugendliche Gestalten im Alter von 14 
bis 21 Jahren, die neuerdings zur weiteren „Erziehung“ auf zwei bis 
sechs Jahre eingesperrt werden, wenn ihr Blut etwas stürmisch durch 
die Adern rolite. Beim Eintreten des Geistlichen verstummte die bis 
dahin lebhafte Unterhaltung. 
Durch den Saal ertönte das Lied; 


Es ist ein Reis entsprungen 
Aus einer Wurzel zart 

Wie uns die Alten sungen 
Von jesse kam die Art 

Und hat ein Blümlein bracht 
Mitten im kalten Winter 
Wohl zu der halben mache 


Die silberhellen Stimmen der Pisogne die durchweg gute 
musikalische Begabung haben, beherrschten den Gesang. 

Der Geistliche erhob sich und verlaß eine Stelle aus dem Weih- 
nachts-Evangelium. Anschließend daran hielt er eine kurze, markige 
Ansprache. 

Ich will, so führte der Geistliche aus, Euch Häite keine Bußpre- 
digt halten, sondern die frohe Botschaft christlicher Nächstenliebe ver- 
künden. Wir wollen Euch zeigen, daß es noch Herzen gibt, die Euch 
retten wollen aus dem Elend der Krankenhäuser, aus den Mauern der 
‘ Gefängnisse, daß es auch für Euch eine Erlösung gibt aus den Fesseln 
und Qualen der Sünde. .... 

Selten hat ein Geistlicher ein so dänkibares Publikum, wie hier. 
Die Mädchen weinten unaufhörlich. In allen Teilen des Saales hörte 
man schluchzende Stimmen. Selbst in den Augen der älteren Straßen- 
mädchen erglänzten Tränen, während die jüngeren, namentlich die 
Fürsorgezöglinge ununterbrochen laute Schmerzenslaute ausstießen. 





— 107 — 


| Nach einer Viertelstunde verstummte die Stimme des Geistlichen. 
Das Weinen und Schluchzen hielt noch an, als die letzte Strophe des 

angefangenen Liedes verklungen war. | 

Nun schritten die Herren vom Vorstande der Anstalt durch die Säle, 
in denen die Geschenke für die Mädchen lagen und dann verließen sie 
das Krankenhaus, Da ertönten zunächst leise, dann lauter anschwellend 
‘die Weihnachtsglocken von allen Berliner Kirchen. Die Pflegerinnen be- 
sorgten das Essen. Ich ging an die Betten der bettlägerigen Kranken, 
die nicht in den Saal hatten kommen können, weil sie zu krank waren. 

Dann durchschritt ich die Schlafsäle der Männer-Krankenstation. 
Die Männer feierten in anderer Weise wie die Frauen. In den Händen 
hatterı sie Teller mit Pellkartoffeln und Häringe, die es nach altem 
Brauche jeden Donnerstag abend im Krankenhause an der Fröbel- 
straße gab. Neben den Betten auf den Glastischchen standen die 
Geschenke der Verwandten, Ansichtskarten, Bücher, in den Tischen 
befanden sich eingeschmuggelte Würste und ähnliche Nahrungsmittel. 
Ein Patient las eifrig in Darwins „Entstehung der Arten durch ge- 
schlechtliche Zuchtwahl“. Die Pfleger waren erfreut über ihre Weih- 
nachtsgabe. in Höhe von 20 Mark und einigen Süßigkeiten und Nüssen. 
Besonders groß war die Freude derer, die erst kürzlich eingetreten 
waren und doch 20 Mark erhalten hatten. | 

Als ich auf die Frauenstation zurūckkehrte, zeigten mir viele 
Pflegerinnen eigene Christbäume, die sie für ihre Privatzimmer ge- 
schmückt hatten. Die meisten Mädchen hatten ihre Geschenke ge- 
schmackvoll aufgestellt. Sie erhielten alle die gleichen Weihnachts- 
teller mit einer Weihnachtsstulle, 8 bis 10 Äpfeln, zwei Honigkuchen, 
reichlich Nüssen, einer Tafel Schokolade. Außerdem erhielten sie ein 
Hemd, ein Paar Strümpfe, ein christliches Traktätchen, ein neues 
Testament, zehn Bogen Schreibpapier und zehn Briefumschläge. 
Hemden und Strümpfe hatten die Fürsorgemädchen im Laufe des 
Jahres unter der Anleitung tüchtiger Pflegerinnen angefertigt. Auf den 
einzelnen Tischchen standen noch die Privatgeschenke der Mädchen, 
Briefe der Eltern, des Bräutigams, der Freundin, ferner gehäkelte 
Decken und Körbchen, Obstsendungen und Ansichtskarten in großer 
Zahl und in mannigfacher Ausführung. Einzelne Mädchen hatten auch 
Püppchen angefertigt. Wenige waren noch immer traurig und ver- 
stimmt. Die Tochter eines Lagerverwalters, klagte mir, daß sie ihren 
Eltern den großen Schmerz bereitet habe, jetzt wo die Eltern den Tag 
der silbernen Hochzeit feierlich begingen. 


— 108 — 


Eine Witwe, die seit dem Tode ihres Mannes, seit 11 Jahren, 
zunächst Jahrelang in Magdeburger Freudenhäusern gelebt hatte, und 
nach 11 Jahren zum ersten Male erkrankt war, saß stumm auf ihrem 
Bett. Auf meine Frage weshalb sie nicht zur Feier gekommen sei, 
antwortete sie: Mit denen (den Geistlichen) habe ich nichts zu schaffen. 

Ein anderes Mädchen hatte Strumpfbänder gehäkelt und ein 
Kinderkleidchen angefertigt. 

Das neu angekommene sechzehnjährige Dienstmädchen hatte 
auch die geistliche Feier versäumt, in starrem Schmerze war sie in 
ihrem Zimmer geblieben. Sie gab auf Befragen langsam an, daß sie 
vor einem Jahre noch bei ihren Eltern in der Provinz den Weihnachts- 
abend verlebt habe. Heute seien beide Eltern tot, sie aber im Dirnen- 
krankenhause. i 

Viele Mädchen benutzten die Briefbogen, um an ihre Liebsten 
zu schreiben. Ein Mädchen der Fürsorgeabteilung schrieb eine An- 
sichtspostkarte an ihr dreijähriges Schwesterlein. 

Oft erklangen noch geistliche Lieder vor allem das: 

Stille Nacht, heilige Nacht, 
Alles schläft, einsam wacht, 
Nur das traute hochheilige Paar... 

Allmählich aber wich die ernste Stimmung. Anderthalb Stunden 
nach Beginn der Feier war die Unterhaltung schon teilweise recht frei 
geworden. Eine Pflegerin spielte auf einer Akkordzither weltliche Lieder. 
Einige Mädchen hatten die Jacken abgelegt und tanzten halb entkleidet 
Walzer. Ä | 

Die Weihnachtsfeier im städtischen Obdach fand für den Arzt 
einen recht ernsten Abschluß. 

Ich wurde zu einem gestochenen „Pennbruder“ gerufen, einem 
westfälischen Kaufmann, der mit einer Baarschaft von 84 Mark das 
städtische Asyl für Obdachlose in der Froebelstraße aufgesucht hatte 
und der das Renommieren nicht hatte lassen können. Als er einge- 
schlafen war, wurde er überfallen, seine Barschaft wurde ihm geraubt. 
Die Messerstecher waren verschwunden ; der Verletzte, dessen Schädel- 
knochen frei lagen, mußte genäht und verbunden werden. Dunkel- 
rotes Blut quoll aus der klaffenden Wunde und erstarrte mit den 
Haaren zu einer klebrigen Masse. Einige Blutbächlein rieselten über 
Stirn und Wangen des Verletzten. 

Im Krankenhause an der Froebelstraße feierte man Weihnacht. — 








— 109, — 


ll. Referate. 


H. Blokusewski (Niederbreisig a. Rh.) : Die Entwickelung der 
persönlichen Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten. (Monatsberichte 
für Urologie 1904, XI.) 

Im Altertume und im größten Teil des Mittelalters bestanden nur all- 
gemeine hygienische Maßregeln, erst im 13. Jahrhundert beginnt eine mehr 
persönliche Prophylaxe, die aber später, besonders auch zur Zeit der Syphi- 
lis-Epidemie (1495), teilweise durch die unsinnigsten Maßnahmen verdrängt 
wurde und erst im Anfang des 16. Jahrhunderts wieder zur Geltung kam, 
wobei die verschiedensten Mittel und zwar meistens als Waschungen, später 
als Einspritzungen empfohlen wurden. Aber auch die Entdeckung des Gono- 
coccus durch Neißer (1879) und die Erfolge Cred@’s zeitigten zunächst keine 
praktischen Resultate. Haußmann’s Verfahren 1885 (Einspritzung 2°/, Arg. 
nitr.) fand keine Nachahmer, wohl aber das 1895 veröffentlichte Ein- 
träufelungs-Verfahren des Verf., zumal in Verbindung mit anderen wich- 
tigen Maßnahmen (zweckmäfßiges Urinen, Berücksichtigung besonderer Stellen 
u. s. w.). Es folgte die 20°), Protargollösung Frank’s und — als zur Zeit bestes 
Mittel — Albargin, das sich nicht so leicht zersetzt und viel energischer wirkt 
(4%/, Albargin tötet entsprechend 20°), Protargol die Gonococcen in 5—10 
Sekunden, beides aber nur in wässrigen Lösungen, nicht als Gelatine, 
die nach Aufrecht fast 10 mal schwächer sich zeigte und dabei nicht so 
schnell und sicher in die Schlupfwinkel gelangt. Einzel-Apparate hält 
Verf. für zweckmäßig, besonders wenn sie wirklich luftdicht verschlossen 
sind, weil nur dadurch die Möglichkeit gegeben wird, daß die Lösung einer 
risch bereiteten gleichkommt. Von diesen Gesichtspunkten ist des Verf. 





- Sanitas-Olive konstruiert, die zur größeren Sicherheit 8°/, Albargin enthält. 


S A 


Zugleich wird ein Überblick nebst Abbildungen der sonstigen, im Handel 
befindlichen Apparate bezw. Mittel gegeben. 

Zweifelhafter ist die Prophylaxe der Syphilis, bei der noch immer der 
Condom bezw. die Einfettung die Hauptrolle spielt, letztere am besten mit 
den zugleich eine Schutzdecke bildenden Wachswaschseifen-Cremes, mit 
Formalin (Blokusewski 1.5; Viro 10%). 

Verf. resümiert, daß bei zweckmäßiger ärztlicher Empfehlung ohne in- 
dustrielle Reklamen der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten leichter 
sein und manche Mühe und Kosten zur energischeren Ausrottung der Syphilis 
verwandt werden könnte. R. 


Ludwig (Frankfurt a. M.): Zur Therapie der Leukoplakia ure- 
thralis. (Münch. med. Wochenschrift 1904, Nr. 39). 

Es handelt sich um 3 Fälle von chronischem Tripper, bei denen bei 
der endoskopischen Untersuchung weiße, weißgraue bis graubläuliche Ver- 
färbung der Urethralschleimhaut von verschiedener Größe (bis mehrere cm 
lang), ebenso von verschiedener Breite, 14 die halbe Circumferenz der 
Urethra einnehmend, von verschiedener Gestalt, rundlich, bandartig, aber 
immer scharf gegen die Umgebung abgegrenzt, gefunden wurde. Die Ober- 
fläche erschien glatt, spiegelnd, glänzend, in der Mitte der „Pars pendula“ nach 


—, 110 — 


dem bulbus zu sitzend. Unter Behandlung des Arztes (Dehnungen, Sondierung, 
kräftige Spülung, Massage) ließ L. die Pat. in der Zwischenzeit 3 > tgl. ein 
Heidelbeerdekokt (Vaccinium Myrtillus) einspritzen und zurückhalten. Im 
Laufe der Behandlung imbibierte sich der Farbstoff in die weißen Flocken, 
die namentlich am Rande bald bläulicher gefärbt erschienen; auch vom 
Rande her wurde die frühere weiße Verfärbung allmählich durchscheinender 
und dünner, die rote Schleimhaut erschien in Streifen, wuchs zusehends 
hinein, die Flocken wurden mehr und mehr eingeengt, kleiner, bis sie noch 
vor Beendigung der allgemeinen Tripperbehandlung gänzlich verschwunden 
waren. _ Steiner-Mannheim. 


Gregoir: Les polypes de l’ur&thre chez la femme. (Annales des 
Maladies des Organes Ge£nito-Urinaires, 1904, 3.) 

G. widmet diesen seltenen Erkrankungsformen eine interessante Studie. 
Da dieselben meistens am Meatus sitzen und anatomisch als stark vasculari 
sierte Papillome zu bezeichnen sind, so ist er der Ansicht, daß sie aus Ueber 
resten des corpus spongiosum entstünden, welche sich im Fötalzustand nicht 
blos am äußerten Ende des canalis genitalis, sondern auch an dem des 
canalis urinaris befindet. Den Anreiz zur Wucherung dieser Ueberreste gebe 
die Gonorrhoe ab, insbesondere Strictur. Wichtig für den Praktiker ist die 
genaue Beschreibung der Erscheinungen, welche die Harnröhren:Polypen 
machen. Die Patientinnen klagen über heftige Schmerzen bei der Harnent- 
leerung, bei Bewegungen, beim Coitus, sie müssen oft harnen, obgleich ihr 
Harn normal und ihre Blase gesund befunden wird. In der Ruhe hört sowohl 
der Schmerz als auch der Harndrang auf. Nur selten werden geringe Blut- 
beimengungen beim Urin bemerkt. Für die Prognose und die Therapie ist 
es von Wichtigkeit zu wissen, daß diese Polypen trotz Exstirpation sehr häufig 
— bis zu 8 Mal hat man es beobachtet — wiederkehren. Goldberg-Cöln-Wildungen. 


Hirt Willi: Die Diagnose der Haematurie. (Wien. klin. Rundschau, 
‚No. 31 u. 32.) 

Verfasser erörtert im ersten Teile den Wert der Anamnese, Urinunter- 
suchung, Inspektion und Palpation und betont gegenüber der relativ geringen 
diagnostischen Ausbeute dieser Methoden die ausschlaggebenden Resultate 
der instrumentellen Untersuchung insbesondere der Cystoscopie und des 
Ureterenkatheterismus. Im zweiten Teile werden sodann summarisch die 
wichtigsten Symptome derjenigen Erkrankungen besprochen, die zur Haema- 
turie führen. Es kommen hier insbesondere in Betracht für die Niere: Tuber- 
kulose, Nephrolithiasis, Tumoren, Traumen, in selteneren Fällen Nephritis im 
Sinne des „Morbus Brightii“ und schließlich das z. Z. viel erörterte und um- 
strittene Kapitel der sog. idiopathischen renalen Haematurien. — Von Blasen- 
erkrankungen gehen mit Haematurie einher z. T. dieselben Prozesse, wie bei 
der chron. Tuberkulose: Steine, chronische Cystitiden, Tumoren, Blasenhaemorr- 
hoiden und schließlich die seltenen Fälle von Blasenruptur. — Bei der Pros- 
tata kommen in Betracht: die Prostatahypertrophie, Tumoren, in seltenen 
Fällen Entzündungen und Steine. Die Harnröhre blutet bei den sehr seltenen 
Geschwulstbildungen (Fibrome Carcinome), bei Traumen mit heftigen Entzün- 
dungen. Dr. A. Seelig (Königsberg i. Pr.). 


— 11 — 


P. von Kubinyi: Entfernung eines von Blasensteinen umgebenen 
Gänsekieles aus der Harnblase (Il. Universitäts-Frauenklinik zu re) 
(Ctribl. f. Gynäkol. 1004, No. 46). 

Der Fall ist nach zwei Richtungen hin interessant: infolge von Harn- 
retention versuchte die Patientin, sich mit einem zu kurzen Gänsekiel zu 
katheterisieren, der infolgedessen in die Blase rutschte — andrerseits war 
die Ursache der Harnretention in einer Erkrankung der „Cauda equina“, resp. 
des „Conus medullaris“ gelegen. Aus letzterem Umstand resultierte die Tole- 
ranz der Blase, den spitzen und ziemlich großen Fremdkörper ein jahr lang 
ohne große Beschwerden in sich zu bergen. Die alarmierenden Symptome 
traten erst auf, nachdem eine konsekutive Cystitis, resp. Pericystitis einge- 
treten war. — Entfernung des von Blasensteinen umgebenen Fremdkörpers 
mit der Kornzange nach Dilatation der Urethra und Inzision des Orificium 
‚extern. derselben ohne Anästhesierung. | Schwab-Hamburg. 


Ill. Besprechungen. 





A. v. Koränyi (Budapest): Die wissenschaftlichen Grundlagen 
der Kryoskopie in ihrer klinischen Anwendung. (Moderne ärztl. Biblio- 
thek, herausgegeben von Karewski, Heft 1. Berlin, L. Simion, 1904. 1 Mk.) 

Koränyi bespricht in dem vorliegenden, 40 Seiten umfassenden Hefte 
in kurzer aber» praegnanter Weise die wissenschaftlichen Grundlagen der 
Kryoskopie, deren Bedeutung für die Nierendiagnostik ja auch den Urologen 
zwingt, sich mit ihr vertraut zu machen. Eine kurze physikalische Ein- 
leitung behandelt Van’t Hoff’s ‚Theorie der Lösungen, die Messung des 
osmotischen Drucks mittelst der Kryoskopie, die Methodik der Kryoskopie 
(wobei Verf. die bei Benutzung des Beckmann’schen Apparates zu beachten- 
den Fehlerquellen zusammenstellt und Anweisungen zu ihrer Vermeidung 
gibt, übrigens „für die Zukunft“ zum klinischen Gebrauch — an Stelle des Beck- 
mann’schen Apparates — Zickel’s „Pektoskop“ vorschlägt); es folgt dann als 
Hauptteil die Besprechung der physiologisch-pathologischen Grundlagen der 
klinischen Anwendung der Kryoskopie. Ein 70 Nummern umfassendes 
Literaturverzeichnis schließt das lehrreiche Heftchen. A. Freudenberg- Berlin. 


„Krankheiten und Ehe‘, von Senator und Kaminer herausgegeben 
und an dieser Stelle schon früher erwähnt, liegt jetzt vollendet als stattlicher 
Band von 828 Seiten vor und man darf sagen, daß mit Inhalt und Aus- 
stattung des Werkes der Lehmannsche Verlag in München Ehre einlegt. Von 
den 27 umfangreichen Arbeiten unsercr ersten Aerzte sollen nur diejenigen 
zur Besprechung gelangen, die in den Rahmen dieser Monatsschrift passen, 
während auf die anderen Beiträge als eine Fundgrube kondensierter Belehrung 
hingewiesen sei. Als erste Abhandlung betrachten wir: 

Die hygienische Bedeutung der Ehe, von Hofrat Prof. Dr. M. 
Gruber in München. Die Ehe dient dem Geschlechtsleben der Gatten und 
das Geschlechtsieben zu regeln, sollte jede Nation bestrebt sein, da in ihm 


ss 12: 


mit die Grundstütze einer dauernden geistigen und leiblichen Gesundheit der 
Völker liegt. Diese Regelung besorgt am besten die monogame Dauerehe, 
die am meisten hygienische, moralische und naturgemäße Institution zu ge- 
regelter Ausübung des Geschlechtsverkehrs. Die Ehe zeigt ihren vorteilhaften 
Einfluß in der Verlängerung des Alters der Ehegatten gegenüber den Unver- 
ehelichten, sie begünstigt die Nachkommenschaft in ihrer geistigen und 
körperlichen Güte und bietet nur dann Schädlichkeiten, wenn solche durch 
Krankheiten der Gatten oder durch deren unpassendes Alter bedingt werden. 
Die körperliche Gesundheit des Gatten als Erzeuger ist natürlich eine ge- 
wichtige Vorbedingung für die Erzeugung einer brauchbaren Descendenz, die 
ebenso durch zu große Jugend wie durch zu hohes Alter der Ehegatten be- 
einflußt wird und durch Krankheitsdispositipnen, die — wie Orth an gleicher 
Stelle ausführt — vererbt werden können. Von Bedeutung ist für die Nach- 
kommenschaft des weiteren die Zahl und Geschwindigkeit der aufeinander- 
folgenden Schwangerschaften, durch welche die Mutter entkräftet werden kann 
und geschwächt in der Fähigkeit, kräftige Kinder zu gebären, deren Zahl sich 
stets nach dem ökonomischen Verhältnissen der Gatten richten sollte. Die 
direkte kollaterale Vererbung betrifft im wesentlichen Geisteskrankheiten; 
andere Krankheiten, wie Syphilis und Tuberkulose, werden von Generation auf 
Generation vererbt und Alkoholmissbrauch, Morphinismus, entkräftende Krank- 
heiten und chronische Metallvergiftungen drücken in der ihnen eigenen Art 
den Nachkommen der damit Behafteten ihren Stempel auf. Die Inzucht 
ist zu vermeiden und ebenso die Kreuzung einander sehr unähnlicher Ras- 
sen, die Gattenwahl geschehe mit Bedacht, aber ohne zu-große Sorge um 
Degeneration und Vererbungen. Kein Mensch ist normal und wie sich in man- 
chen Ehen diese Anomalien steigern, nimmt ebenso auch in vielen Ehen 
die degenerative Vererbung ab. Von der Fortpflanzung auszuschließen sind 
degenerierte, chronische Kranke und Individuen, welche in ihrer körperlichen 
Entwicklung zurückgeblieben sind oder mangelhaft ausgeprägte Geschlechts- 
charaktere haben. Auch die Ascendenz der Gatten bedarf sorgfältiger Be- 
rücksichtigung. Der Arzt steht somit den werdenden Gatten beratend zur 
Seite, er gibt den Verehelichten seine Ratschläge und beobachtet in der Nach- 
kommenschaft die Entwicklung einer gesunden Generation. So liegt es bei 
ihm, Eheschließungen zu verhindern, Ehen zu scheiden, dem Kindersegen zu 
steuern und ihn ganz zu verhüten, kurz: er ist berufen, über die Hygiene 
der Ehe zu wachen. | Dr. Merzbach-Berlin. 


IV. Notizen. 


Herr Dr. Grünfeld-Wien (l., Schottenring 2) teilt mit, daß seine Arbeit 
„Zur Abhaltung populär-medizinischer Vorträge“ zuerst in No. 39 ff. der „Medi- 
zinischen Blätter‘ (Wien VIl., Mariahilferstraße 62) erschienen ist und daß er 
Kollegen, welche sich hierfür interessieren, gerne kostenlos Separata einsendet. 





Verantwortlich für die Redaktion: Dr. med. Karl Ries, Stuttgart. 
Für den Inseratenteil: Oskar Gottwald, Leipzig. — Druck von August Hoffmann, Leipzig-Reudnitz. 


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Heft 3. März 1905. Jahrgang Il. 
Inhaltsübersicht. 
l. Originalarbeiten: 
1. Dr. med. James Silberstein: „Über die Anwendung des Arhovins als 
Antigonorrhoicum.“ 


2. AH. O. Rohleder-Leipzig: „Der Neomalthusianismus.* (Schluß.) 

3. Moritz Porosz-Budapest: „Über die Folgen der Onanie“. (Schluß.) 
II. Notizen. 

Aufruf vom „Bund für Mutterschutz." 


I. Originalarbeiten. 


Über die Anwendung des Arhovins als Antigo- 
norrhoicum. 


Dr. med. James Silberstein. 


Zu den praktisch wichtigen und theoretisch interessanten Pro. 
blemen der Therapie gehört gewiß die Aufgabe, durch interne Verab- 
reichung bestimmter Stoffe den Harn so umzuändern, daß er imstande 
ist, gewisse im uropoetischen System vorhandene Infektionserreger in 
ihrem Wachstum zu hemmen oder ganz abzutöten. Daß diese Auf. 
gabe von hoher praktischer Wichtigkeit ist, erscheint bei der großen 
Verbreitung der Gonorrhoe klar, daß sie aber auch ein theoretisches 
Interesse bietet, ergibt sich daraus, daß im Verfolge derselben uns 
mancher Einblick in die Zersetzungsvorgänge einerseits, wie insbe- 


=, HR SE 


sondere auch in die eigentümlichen tierischen Synthesen gewährt wird. 
Bei den zahlreichen, nach dieser Richtung angestellten Versuchen hat 
sich herausgestellt, daß die meisten, intern eingeführten Phenole mit 
Schwefelsäure gepaart als unschädliche, aber auch der antiseptischen 
Kraft beraubte Verbindungen im Harne ausgeschieden werden. Erst 
durch Esterifizierung der Phenole mit aromatischen Säuren gelang es, wie 
das von Sahli eingeführte Salol (Salicylsäurephenolester) beweist, ein 
den praktischen Anforderungen entsprechendes Präparat zu erhalten. 
Wenn man von den verschiedenen balsamischen Stoffen, wie Copaiva,. 
Santal, Cubeben absieht, die wegen ihrer stark nierenreizenden Wirkung 
immer weniger verordnet werden, so ist in der Tat bis heute das Salol 
das einzige Präparat gewesen, welches man mit Berechtigung intern 
gegen Gonorrhoe sowie Blasenkatarrhe geben konnte. Nun hat uns 
ais synthetische Chemie eine Verbindung geliefert, die die Eigenschaften 
des Salols in erhöhtem Maße zeigt, das Arhovin. 

Das Arhovin ist ein Additionsprodukt des Diphenylamins und des 
Thymolbenzoësäureesters und stellt eine ölige, leicht bewegliche, farb- 
lose Flüssigkeit dar von aromatischem Geruche und würzig brennen- 
dem Geschmacke, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol, 
Äther, Chloroform. Die Selbstversuche, die ich bezüglich der Aus- 
scheidung des Arhovins gemacht hatte, ergaben folgendes: Nach 
Einnahme von 0,25 g. Arhovin läßt sich nach 15 Minuten im Harne 
eine Substanz nachweisen, welche durch Eisenchlorid bläulichgrün ge- 
färbt wird. Diese Reaktion nimmt an Intensität während der folgenden 
halben Stunde zu, um dann allmählich abzuklingen. Nach 2!/, Stun- 
den, von der Einnahme gerechnet, ist die Ausscheidung beendet. Über 
die Natur des ausgeschiedenen Körpers läßt sich bisher mangels ge- 
nauerer Analysen nicht Bestimmtes sagen, doch läßt sich per analo- 
giam vermuten, daß es eine Glykuronsäure resp. Paraamidophenolver- 
bindung sein dürfte. Die sonstigen Eigenschaften des an und für sich 
normalen Urins, wie Menge, Farbe, Reaktion werden nicht geändert, 
wohl aber beobachtete ich eine Hemmung der alkalischen Gährung. ' 
Zweifellos gibt der durch Arhovin veränderte Harn einen ungünstigen 
Nährboden für Mikroorganismen ab, wie übrigens von anderer Seite 
(Burchard und Schlokow) direkt durch Impfung des Harns mit 
Reinkulturen nachgewiesen wurde. Bei der hohen baktericiden Kraft 
der Componenten des Arhovins (Thymol wirkt z. B. in Lösungen von 
1:80000 noch wachstumshemmend auf Bakterien) kann dies nicht 
wundernehmen. | 





=. 115. = 


Über die Erfolge der Arhovinbehandlung liegen bereits zahlreiche 
Meldungen vor. Dieselben beziehen sich meistens auf die-Behandlung 
der akuten und chronischen Gonorrhoe, sowie auf verschiedene Formen 
der Cystitis. Die übereinstimmenden Berichte kommen dahin, daß der 
durch Bakterien und Eiterzellen getrübte Harn ziemlich rasch sich 
klärt, daß die Sekretion vermindert wird, daß fernet Gonokokken nach 
kurzer Behandlungsdauer schwinden. 

Meine eigenen Erfahrungen ersrecken sich zunächst auf 6 Fälle 
von Gonorrhoe, von denen ich einige kurz skizzieren will. 

Ein 24 jähr. Schlosser, vor zwei Wochen infiziert. Der Harn 
ist durch starke schleimig-eitrige Sekretion getrübt. fim Sediment sind 
Gonokokken nachzuweisen. Nach dreitägiger Darreichung von Arho- 
vin ist der Harn stark geklärt, die schleimige Sekretion beinahe voll- 
ständig unterdrückt. Die mikroskopische Untersuchung auf Gonokok- 
ken fällt negativ aus. Nach 14 tägiger Behandlung kann der Patient 
als gesund entlassen werden, da der Urin vollkommen klar abgeht und 
auch durch den Genuß von Alkoholicis nicht alteriert wird. 

Ein Kaufmann, 34 Jahre alt, leidet seit ‚mehreren Jahren an Go- 
norrhoe, welche sich im Vorhandensein von Tripperfäden im Harne 
äußert. Vor einigen Tugen trat eine Exacerbation des Prozesses auf. 
Zeichen von Urethritis pösterior: Harndrang, letzte Hlarnportion ge- 
trübt, Reaktion neutral. Im Sediment nicht näher charakterisierte 
Kokken. Auf Arhovin tritt in kürzester Zeit subjektive und Ren 
Besserung ein. 

Ein 26 jähriger Lehrer leidet schon drei Jahre an gonorrhoischer 
Urethritis, die jeder Behandlung bisher getrotzt hat. Die, wenn auch 
geringe, Schleimabsonderung, Tripperfäden im Urin, ein Gefühl von 
Prickeln nach der Miction sind die wichtigsten Symptome. Dazu tritt 
aber öfters’ Urindrang ein, der dem Patienten insbesondere während 
der Berufsstunden sehr unangenehm wird. In der letzten Zeit hatte 
der Patient sich selbst behandelt und Januet’sche Ausspülungen. ge- 
macht, hatte aber wahrscheinlich durch ungeschickte Manipulation 
(zu hohen Druck) seinen Zustand verschlechtert und eine akute Exa- 
cerbation des entzündlichen Prozesses hervorgerufen. Der Harn war 
in beiden Portionen getrübt, alkalisch. Die Untersuchung des Sedi- 
mentes ergab Rundzellen, plattenförmige und zylindrische Zellen mit 
blasenförmigen Kernen, zahlreiche Kokken, darunter auch intrazellu- 
läre Diplokokken. Ich riet dem Patienten zunächst zur Bettruhe, vorn’ 
jeder lokalen Behandlung abzusehen und verordnete : intern Arhovin- 


— 16 — 


kapseln. Nach drei Tagen war der Urin bedeutend klarer, namentlich 
die ersten Portionen und konnte leicht durch Filtration vollständig ge- 
klärt werden. Sediment war dementsprechend geringer. Nach einer 
Woche war der akute Zwischenfall erledigt und der status quo wieder 
hergestellt. ee | 

Eine 45. jähr. Frau klagt seit einigen Tagen über Brennen in der 
Harnröhre während und nach dem Urinlassen. Ausfluß soll vor vielen 
Jahren bestanden haben, dann aber geschwunden sein. Auch jetzt ist . 
nur eine geringfügige, schleimige Sekretion aus der geröteten Urethra 
nachzuweisen. Mikroskopisch keine Gonokokken nachzuweisen. Trotz- 
dem gebe ich intern Arhovin und lasse außerdem Arhovinstäbchen in 
die Urethra einführen, worauf die subjektiven Beschwerden nach einigen 
Stunden nachlassen. Diese Therapie muß jedoch über eine Woche fort- 
gesetzt werden, um dauerden Erfolg zu haben. 

Ähnlich verliefen noch zwei andere Fälle. Ich muß bemerken, 
daß das Arhovin gerade in den Fällen, welche einer lokalen Behand- 
lung schwer zugänglich sind, außerordentlich gute Erfolge aufweist. 
Der akute Harnröhrentripper wird ja von vielen Ärzten vielleicht mit 
Rccht als ein „Noli me tangere“ betrachtet, für dessen Heilung am besten 
die Bettruhe ist, solange aber diese Ansicht sich nicht allgemein Bahn ge- 
brochen hat, müssen wir froh sein, wenigstens ein Mittei zu besitzen, 
durch das wir die Virulenz der Gonokokken im akutesten Stadium 
schwächen können, um womöglich auf diese Weise ein Weitergreifen 
der Infektion auf die Blase und die Samenwege wie auch metastatische 
infektionen zu vermeiden. 

Bei der Cystitis habe ich mit dem Arhovin viermal gute Erfolge 
erzielt, während ein Fall nicht reagierte. Man muß aber wissen, daß 
das, was wir klinisch als Cystitis bezeichnen, anatomisch oft mit der 
Blasenschleimhaut gar nichts zu tun hat. Es kann eitriges Sekret aus 
der pars posterior in bie Blase regurgitieren und eine Cystitis vortāuschen, 
während die Blasenschleimhaut ganz intakt ist. Wenn aber diese selbst 
anatomisch verändert ist, Geschwüre oder polypöse Wucherungen zeigt, 
dann hat man sich von der internen Behandlung wenig zu versprechen 
und wird die externe, d. h. lokale Behandlung, in ihre Rechte treten. 

In meinen 4 Fällen handelte es sich durchwegs um frische, akute 
Formen mit alkalischem, trübem Harn, dreimal durch gonorrhoische In- 
fektion, einmal nach jungem Bier. In allen Fällen klärte sich der Harn 
"nach 1—5 Tagen ohne lokale Behandlung. Im letzten Fall (chronische 
Cystitis bei einem alten Manne) blieb die Arhovintherapie erfolglos. 





— 117 — 


Wo bei intakter Blasenschleimhaut ein Katheterismus notwendig 
ist (Apoplexie, Myelitis), ist trotz der peinlichsten Vorsichtsmaßregeln 
eine Einführung von Bakterien in die Blase schwer zu vermeiden. 

Bei häufig wiederholtem Katheterismus tritt daher fast immer 
eine Cystitis ein. 

Es ist daher angezeigt, wenn ein solcher schon unumgänglich 
notwendig ist, neben der Desinfektion des Katheters, vorheriger Aus- 
spülung der Urethra und sonstiger Reinlichkeit, auch die Desinfektion 
auf internem Wege vorzunehmen. Ich habe in einem solchen Falle 
(Myelitis mit Paraplegie und Biasenlähmung) intern Arhovin gegeben 
und konnte lange Zeit auf diese Weise eine intravesikale Harngährung 
verhindern. Es gilt natürlich hier dasselbe, was oben von der Cystitis 
gesagt wurde, daß, wenn einmal die Blasenschleimhaut schwer ge- 
schädigt ist, auch von dem Arhovin kein Erfolg mehr zu erwarten ist. 

Was nun die externe Anwendung des Arhovins anbelangt, so ist 
dieselbe von den physikalischen Eigenschaften, insbesondere den Lös- 
lichkeitsverhältnissen, wesentlich abhängig. Zu Pinselungen und Instil- 
lationen habe ich 1—5°, Lösungen in Alkohol mit Zusatz von Gly- 
zerin verwendet und zwar als Desinficiens und Desodorans. Ich habe 
unter dieser Behandlung mehrmals infektiöse Entzündung der Tonsillen, 
die einen grauen, schmierigen Belag zeigten, in wenigen Tagen schwin- 
den gesehen, ohne daß es zu Zeichen einer allgemeinen Infektion ge- 
kommen wäre. Auch Arhovineinträuflungen mit dem Guyon’schen 
Katheter bei Katarrhen der pars posterior sind zweckmäßig, nament- 
lich, wenn Silbernitrat nicht vertragen wird. Dagegen sind Blasen- 
spülungen wegen der Unlöslichkeit im Wasser schwer durchführbar. 

Die gynäkologische Praxis hat sich ebenfalls bereits das Mittel zu- 
nutze gemacht. Es ist angewendet worden bei Vaginitis, Cervicitis, 
Endometritis in Form von Vaginalkugeln, Tampons, Pinselungen oder 
kleinen Stäbchen aus Cakaobutter, die in den Cervixkanal eingeführt 
werden. Der früher getrübte, weiße Fluß wird mehr klar, schleimig, 
wird im ganzen geringer und auch die krampfartigen Schmerzen bei 
Endomietritis lassen nach. Was die Reizlosigkeit betrifft, wird das 
Arhovin von keinem der bekannten gleich starken Antiseptica über- 
troffen. 

Ich will nun kurz die Ergebnisse meiner und fremder Erfahrungen 
mit dem Arhovin zusammenfassen. Wir haben durch die Einführung 
dieses Präparates in die Therapie ein Mittel gewonnen, durch welches 
wir in die Lage versetzt sind, bei interner Darreichung* desselben dem 


BE — 


— 118 — 


Harn stark antiseptische Eigenschaften zu verleihen. Solange daher 
in die Harnwege eingedrungene Mikroorganismen keine starken anato- 
mischen Veränderungen ‚hervorgerufen haben, können wir durch große 
Gaben von Arhovin (1,5—2 g. p. die) die Infektion schwächen oder 
ganz coupieren. Die besten Erfolge erzielt man demnach in den frischen 
Fällen. Man kann die Gaben umso dreister geben, da sie eine schäd- 
liche Wirkung auf das Nierengewebe nicht ausüben. Die bei der 
akuten Gonorrhoe beliebten balsamischen Mittel, die bei einer sehr 
fraglichen antiseptischen Kraft eine große Reizwirkung auf die Nieren 
und Harnwege ausüben, sind ganz überflüssig geworden und zu ver- 
meiden. 

Ein anderes Gebiet, auf welchem ich in der letzten Zeit mit dem 
Arhovin gute Resultate erzielt habe, sind alle Stauungen und abnor- 
men fermentativen Prozesse des Magen- und Darminhalts. Ich behalte 
mir vor, auf diese Fälle in einem anderen Aufsatze des näheren ein- 
zugehen und will hier nur soviel bemerken, daß die Idee, das Arhovin 
bei Magen- und Darmgährungen zu verwenden, sehr nahegelegen ist. 
Das Thymol, welches doch ein Bestandteil des Arhovins ist und aus 
diesem im Verdauungskanal abgespalten wird, ist ja neben dem Men- 
thol ein in diesem Sinne vielfach angewendetes Mittel, das sich in 
kurzer Zeit in der Therapie eingebürgert hat. Nach den bisherigen 
Erfahrungen ist dasselbe auch von dem Arhovin zu erhoffen. 


Der Neomalthusianismus. 
Die facultative Sterilität in der ärztlichen Praxis. 
Von Dr. Rohleder-Leipzig. 
(Schluß.) 


ll. Der durch die Vererbungsgesetze bedingte Neomal- 
thusianismus. 


Nach Weismann’s vorzüglichen Forschungen („Ges. Aufsätze über 
Vererbung“, 1902) bezeichnet man als vererbt nur dasjenige, was dem 
Individuum durch die Keimstoffe (von W. Keimplasma genannt) 
bei der Zeugung mitgegeben worden ist, also männlicherseits durch 
das Sperma, weiblicherseits durch das Ovulum. Solche Mitgift von 
krankhaften Anlagen resp. Dispositionen durch das Keimplasma kann 
nun bei den verschiedenen infektiösen und nicht infektiösen Erkran- 





— 119 — 


kungen der Fall sein. Zur Prophylaxe, zur Verhütung solcher schweren 
Erkrankungen kommen für den Arzt vom neomalthusianischen Stand- 
punkt aus hauptsächlich folgende in Betracht: 

1. Schwere cn, wie Tuberkulose und 
Syphilis. 

Bezüglich der Erblichkeit der Tuberkulose sind z. Z. die Akten 
immer noch nicht geschlossen, besonders Koch stemmt sich gewaltig 
dagegen, daß aber die Disposition, auf Grund welcher die Tuberku- 
lose sich. entwickelt, durch gewisse pathologische Körpereigenschaften, 
auf welchen die Tuberkulose sich entwickeln kann, vererbt wird, wird 
wohl als gesichert angenommen. Riffel hat auf Grund einer Statistik 
(„Mitteilungen über die Erblichkeit und Infektiosität der Schwindsucht“. 
Braunschweig 1892) bewiesen, daB bis in die 5. Generation hinein die 
Nachkommen Tuberkulöser wieder tuberkulös sind und jeder viel be- 
schäftigte Arzt kennt aus seiner Praxis Familien, in denen die Tuber- 
kulose sich vererbt von Generation zu Generation. Wie unendlich oft 
sieht er die Neugeborenen mit den unverkennbaren Erscheinungen der 
Tuberkulose, wie oft erfährt er in der Anamnese eines Tuberkulose- 
falles die Lungenerkrankung der Eltern und Voreltern! Und wenn man 
heute schon. soweit geht, schwer Lungenkranken den Heiratskonsens 
zu verweigern, wie den Luetischen, muß der Arzt zum mindesten auch 
berechtigt sein, diesen Erkrankten den Präventivverkehr anzuraten, 


‘ein Vorgehen, welches bei weitem nicht so tief einschneidet in das 


soziale Leben wie ersteres. Genau wie früher bei Empfehlung des N. 
bei tuberkulöser Erkrankung der Mutter, halte ich auch hier im zweiten 
oder dritten Stadium der Tuberkulose bei einem der Er- 
zeuger (oder auch beiden) den N. für unendlich segensreich; hier 
wirkt der N. nicht allein hygienisch prophylaktisch, sondern indirekt 
allerdings auch sozial. Würden alle Ärzte bei schwerem, vorgeschrittenerem 
Stadium der Lungentuberkulose fakultative Sterilität der Eltern sich zur 
Pflicht machen, so würde ein gewaltiges Stück der sozialen Frage und 
Prophylaxe der Tuberkulose gelöst sein, denn daß gerade die schwäch- 
lichen skrofulösen und tuberkulösen unglückseligen Kinder der privaten 
wie staatlichen sozialen Fürsorge am meisten bedürfen und meist doch 
früher oder später im Kampfe ums Dasein unterliegen, ist sattsam be- 
kannt. Aber auch hier bildet der Stand der Erkrankung den 
Maßstab, ob „pro oder kontra“. Hämopto&, Cavernen, Nacht- 
schweifße, Abmagerung, Fieber eines: oder beider Eheleute sind m. E. 
eine absolute Indikation für N. 


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Bezüglich der Syphilis liegen die Gesetze der Vererbung viel 
klarer und werden hier wohl auch von nlemand bestritten (vide: Syphilis 
congenita, S. hereditaria), auch ist zur Genüge bekannt, daß die Lues 
sowohl vom Vater, als von der Mutter, als auch von beiden Eltern 
übertragen werden kann, denn auch die paterne Infektion per Sperma 
(die von Matzenauer u. A. noch geleugnet wird) gilt jetzt wohl für 
erwiesen. Die sicher konstatierte Erblichkeit berechtigt uns aber im 
Falle noch infektiöser und vererbbarer Lues eines oder beider Ehe- 
gatten, bei denselben solange fakultative Sterilität eintreten zu lassen, 
bis eine volle Ausheilung stattgefunden hat, tei gleichzeitig gründlicher 
Behandlung der Infiziertten. Und auch hier ist das Condom, nicht das 
Okklusivpessar, das einzig richtige Mittel des N. (denn durch Anwen- 
dung desselben kann eine event. Ansteckung des anderen Ehegatten 
wirklich verhindert werden, wie ich mehrfach gesehen). Aber abge- 
sehen von dieser Infektion eines Ehegatten, würde wahrscheinlich doch 
nur ein syphilitisches Kind die Folge des Normalverkehrs sein, denn, 
daß syphilitische Eltern von Syphilis gesunde Kinder zeugen können, 
ist zwar bekannt, ja, sogar frisch syphilitische Eltern, aber es sind 
dies doch außerordentliche Ausnahmen. Die größte Wahrscheinlich- 
keit spricht doch dafür, daß Abortus, event., — je nach der Dauer des 
Bestehens der Lues und der Behandlung — Frühgeburten, lebensunfähige 
oder faultote Kinder die Folge sein würden. jedenfalls besteht das 
Gesetz, daß, je jünger und frischer die Lues und je weniger sie be- 
handelt, desto wahrscheinlicher mit dem Erscheinen luetischer Früchte 
zu rechnen ist. Man könnte mir entgegnen, daß event. Frühgeburten 
im 8. Monat oder nach vollendetem 8. Monat den Eltern doch die 
Möglichkeit geben, das Kind durchzubringen und deswegen fakultative 
Sterilität nicht anzuraten sei. Dem ist zu entgegnen, daß — bei länger 
dauerndem, neomalthusianischen Verkehr und inzwischen stattgehabter 
Behandlung — die Wahrscheinlichkeit, später ein von Syphilis freies Kind 
zu bekommen, dann doch größer ist. Hier hat also, im Gegen- 
satz zu den anderen vererbbaren Erkrankuugen, nur ein vor- 
übergehender, nicht dauernder malthusianischer Verkehr 
Platz zu greifen und zwar so lange bis eine gründliche 
Ausheilung des einen resp. beider Eltern erfolgt ist. Auch 
hier ist eine intermittierende Fournier’sche Behandlung angezeigt, die 
von Fall zu Fall individuell zu beurteilen ist. Im allgemeinen sollte 
jedoch nicht unter 3 Jahren der: malthusianische Verkehr aufgehoben 
werden. 





2. Daß schwere Konstitutionskrankheiten, wie Diabetes, 
nicht nur, wie wir schon sahen, von Seiten der Mutter, sondern 
auch prophylaktisch im Interesse der Nachkommenschaft fakultative 
Sterilität erfordern, dafür möchte ich als besten Gewährsmann Senator 
nennen, der in seinem Abschnitt »Konstitutionskrankheiten und Ehe« 
(in „Krankheiten und Ehe“) sagt: „Die Nachkommenschaft ist durch 
die Zuckerkrankheit in doppelter Weise gefährdet, einmal dadurch, daß 
Kinder diabetischer Mütter oft zwar lebend, aber in schwächlich-elendem 
Zustande geboren werden, sodann wegen der Erblichkeit der Krank- 
heit“, die er auf 20°, schätzt und „für die Frage der Verheiratung 
und des Verhältnisses in der Ehe dürfte manchem Diabetiker doch die 
mögliche Übertragung seiner Krankheit auf die Nachkommenschaft 
nicht ganz gleichgiltig sein“. Um so mehr wundert es mich, wenn 
Senator die Entscheidung, ob wegen der Gefahr der Vererbung eine 
Konzeption verhütet werden soll, den Ehegatten überläßt. Nach meinem 
Dafürhalten ist der Arzt hier der einzig wahre Sachverständige und 
nicht allein für die Mutter, sondern auch für das Kind hat er den 
Eheleuten die Gefahr — bei schweren Fällen — auseinander zu setzen 
und schon im Hinblick darauf, daß im zeugungsfähigen Alter der Frau 
der Diabetes an und für sich, eben weil noch im jugendlichen Älter, ein 
schwererer ist und die Vererbungsfähigkeit wahrscheinlich auch größer 
ist, ist ärztlicherseits mit Entschiedenheit auf Präventivverkehr zu dringen, 
ohne erst die Entscheidung der Eltern abzuwarten. Für die event. 
negative Entscheidung ist der Arzt dann nicht verantwortlich in ihren 
Folgen. | 

Daß Hämophilie nicht nur für die Mutter, sondern auch für 
Nachkommenschaft eine Indikation für N. darstellt, geht daraus hervor, 
daß sie nach Grand idier’schen Untersuchungen außerordentlich’ erblich 
ist und zwar merkwürdigerweise meist mit Überspringung einer Gene- 
ration immer auf die männlichen Mitglieder, also vom Großvater auf 
den Sohn durch die Tochter, die selbst nicht hämophil zu sein braucht. 
Wir haben hier das seltene Beispiel, daß wir direkt auf ein Enkelge- 
schlecht prophylaktisch einwirken können. Grandidier stellte nach 
seinen in Tenna (Kanton Graubünden, Schweiz), dem bekanntesten 
Hämophilenort, angestellten Untersuchungen den Satz auf: Weibliche 
Mitglieder von Bluterfamilien sollen nicht heiraten, auch wenn sie nicht 
hämophil sind, sondern die männlichen. Daraufhin haben bekanntlich 
die jungen Mädchen Tenna’s beschlossen, sich nicht zu verheiraten. 
Mir ist nicht bekannt, ob dies streng durchgeführt wird. Meines Er- 


— 12 — 


achtens hat Ripke in seiner Dissertation mehr Recht, wenn er sagt: 
„Bluter sollen nicht zeugen“, statt „heiraten“. YVerheiratung ohne 
Zeugumg ist aber nur möglich durch Präventivverkehr, der hier 
allerdings bei der schwer drohenden Gefahr einer Verblutung seitens 
der Mutter schon ein doppelter sein müßte, Condom und Oc- 
clusivpessar. 

3. Sind schwere Nervenkrankheiten, Epilepsie, Hysterie 
und Geisteskrankheiten, Paralyse u. a. im Interesse der 
Nachkommenschaft eine Indikation für N. Mag die Epilepsie 
eine direkt vererbte Erkrankung sein oder mag es nur die neuro- 
pathische Disposition sein, welche den Nährboden für die sich 
später entwickelnde Epilepsie ist, soviel ist Tatsache, daß die Nach- 
kommen der Epileptiker sehr oft wieder epileptisch sind, nach Féré 
über die Hälfte, nach Bouchet unter 58:44. Diese Zahlen reden 
eine gebieterische Sprache und rechtfertigen unseren Standpunkt, in 
Fällen von schwerer Epilepsie fakultative Sterilität eintreten zu lassen. 
Auch bei der Hysterie ist die Disposition sehr oft vererbt, wie ja 
das Geschlechtsieben überhaupt auf die Entstehung der Hysterie 
großen Einfluß hat. Die schweren Formen der Hysterie sind ebenfalls 
Objekte für den N. Noch mehr Berechtigung haben natürlich die 
Geisteskrankheiten der Eltern. Mögen die Zahlen für die Erblichkeit 
der Geisteskrankheiten auch ungeheuer schwankende sein, man spricht 
bis zu 90°), so wissen wir doch aus der Ätiologie Geisteskranker, 
daß die Erblichkeit hierbei eine außerordentlich große ist. Sehr schwere 
Geisteskrankheiten, welche ein Eheleben unmöglich machen, führen ja 
durch Internierung des Erkrankten schon zur Trennung resp. Ehe- 
scheidung, sind also für unser Thema belanglos, ebenso unheilbare 
Geisteserkrankungen. Aber auch puerperale Psychosen, ja selbst 
Hysterie, die in der Ehe erst auftritt, geben uns die Berechtigung zum 
Präventivverkehr, nicht blos im Interesse der Mutter, sondern auch in 
dem der Nachkommenschaft. 

Zum Schluß möchte ich nur noch chronischen Alkoholis- 
mus und chronischen Morphinismus in fortgeschrittenen Stadien 
als Erkrankungen ansehen, welche uns zum N. im Interesse der Nach- 
kommenschaft berechtigen. Über die Verbreitung, die sonstigen Ge- 
fahren des Alkoholismus, besonders die sozialen Gefahren, auch für 
die Ehe, brauche ich hier keine Worte zu verlieren, sie sind bekannt 
genug. Auch darüber brauche ich nicht zu sprechen, daß chronische 
Alkoholiker gerade im Rausche mehr als dem anderen Ehegespons lieb 


— 123 — 


(meist der Frau), dem sexuellen Genuß zusprechen, ich brauche auch 
nicht daran zu erinnern, wie andere sexuelle Delikte Schändung, Not- 
zucht, Exhibitionismus u. v. a. gerade im Rausche, unter der Macht 
des Alkohois, von chronischen Alkoholikern begangen worden. Uns 
interessiert hier nur der Einfluß des chronischen Alkoholismus auf 
die Nachkommenschaft, der ein äußerst schädigender ist, nicht allein, 
daß Säufer meist mehr Kinder haben als Nichtsäufer, eben infolge der 
im Rausche erhöhten Libido sexualis. Auch die Nachkommen sind 
körperlich wie geistig bedeutend minderwertiger (vergl. die Vierteljahrs- 
zeitschrift: „Der Alkohol“, — Crothers: „Über den Einfluß der alkoho- 
lischen Heridität bei Kinderkrankheiten“ in den „New Yorker Medical 
News“ u. v. a.). Trinker erzeugen nicht allein wieder Trinker, sondern 
‚auch sonst verkommene Individuen, Prostituierte, geistig und sittlich 
Entartete, Epileptische, Idiotische. Schmidt-Monnard, der leider zu 
früh verstorbene Hallenser Kinderarzt, fand: unter in der schwachsinnigen 
Schule internierten Kindern 19%,! von Trinkern abstammend. Ich 
will nicht weiter eingehen auf den statistisch mehr als genügend ge- 
zeigten unheilvollen Einfluß des Alkoholismus auf die Nachkommen- 
schaft und dadurch wie Leppmann „Alkoholismus und Ehe“ (loc. cit.) 
zeigt, auch auf die Rasse. Auch hier wird der neomalthusianische 
Arzt nicht allein zum Hygieniker, sondern auch .zum Sozialpolitiker, 
der eine, und nicht die kleinste, Wurzel unseres sozialen Elends durch 
Einführung der fakultativen Sterilität in den alkoholischen Ehen (sit 
venia verbo) unterbindet. Daß auch hier der Neomaithusianismus bis- 
weilen überflüssig wird, weil durch allzugroße Störung des Ehelebens 
eine Ehescheidung die Folge ist, hindert uns nicht, solange die Ehe 
besteht, Präventivmaßregeln zu empfehlen. 

Für den chronischen Morphinismus gilt — mutatis mutandis — das- 
selbe, was ich für den chronischen Alkoholismus sagte, nur daß — 
Gott sei Dank — mit der Länge des Lasters, auch die Zeugungsfähig- 
keit abnimmt. Über die Nachkommenschaft der Morphinisten brauche 
ich nicht weiter zu. sprechen. Bleiben sie überhaupt am Leben, so 
sind es geistig so minderwertige, bedauernswerte Individuen, daß man 
auch von ihnen sagen kann, es wäre besser, sie wären nicht geboren. 
Und dies ist auch nicht zu verwundern, stehen sie doch vom Be- 
ginn der Befruchtung bis zur Ausstoßung der Frucht unter der Wir- 
kung des Giftes, wahrscheinlich schon unter der Wirkung desselben 
auf die Keimzellen. Soviel aber steht fest: hält man die unverhei- 
rateten Morphinisten für nicht ehefähig, so sind die verheirateten 


— 124 —ı 


nicht zeugungswürdig und fakultative Sterilität ist bei ihnen eine 
gute Tat. E 

Aus dem Bisherigen; hoffe ich, wird der Leser den Eindruck ge- 
wonnen haben, daß die Anwendung ‚des N. durchaus nichts unsitt- 
liches darstellt und daß der Arzt eben als solcher, als die staatlich 
zum Wohle der Menschheit, zur Hilfeleistung in Krankheitsfällen be- 
rechtigte und verpflichtete Person, das Recht auf Anwendung des N. 
hat, daß sie ihm zur „sittlichen Pflicht“ (Ferdy) werden kann und 
als gewissenhaftem Arzte werden muß, deren sittliche Begründung eben 
in unserer Stellung als „Arzt“ gegeben ist. Das „Wann“ er von 
dieser sittlichen Berechtigung Gebrauch machen darf, habe ich in vor- 
liegenden Zeilen zu skizzieren versucht. Wenn einzelne Ärzte, wie 
Mensinga, sich auf unseren Standpunkt stellen, und nicht Neomal- 
thusianisten, sondern nur Hygieniker sein wollen, den Begriff des 
Neomalthusianismus also nicht auf das medizinische Gebiet übertragen 
wissen wollen, sondern nur den der fakultativen Sterilität, so möchte 
ich dem entgegnen, daß in ihrem Wirken beide sich doch derselben 
Mittel bedienen, das Endresultat, „Verhütung der Zeugung“ doch das- 
selbe ist und dass der Arzt ungewollt oft, (zwar aus hygienischen 
Gründen handelnd, aber) doch zum Volkswirtschaftler „implicite“ wird 
(vide N. beim chronischen Alkoholismus, der Tuberkulose u. a.); ich 
behalte also den Kollektivrnamen Neomalthusianismus bei. 

Es erübrigt uns hier nur noch eine kurze Besprechung der 


Neomalthusianischen Mittel. 


Ihre Zahl ist Legion. Es kann nicht meine Aufgabe sein, all 
die ungeheure Zahl von Schwangerschaft verhindernden Mitteln, die 
nicht nur im wissenschaftlichen medizinischen Blättern, auch in fast 
jeder größeren Tageszeitung angepriesen werden, im ‚einzelnen zu 
skizzieren. Dies ist auch nicht nötig, da die meisten derselben, weil 
unbrauchbar unzuverlässig sind. 


Es sind I. natürliche. Il. künstliche. 

Die natürlichen Mittel sind meist recht unsicherer Art. Ich 
habe sie ausführlich loc. cit. besprochen. Hier will ich sie nur kurz 
erwähnen, es sind 

1. Die sogen.: „fakultative Sterilität ohne Verletzung 
der Sittengesetze“ (Dr. Capellmann, Aachen 1887), d. h. Ent- 
haltung vom Beischlaf für die dem Beginn der Menstruation folgen- 
den 14 Tage und die der nächsten Menstruation vorhergehenden 








— 125 — 


3—4 Tage, unsicher deshalb, weil nach Hensen’'s Untersuchungen 
kein Tag den befruchtenden Coitus ausschließt, abgesehen davon, daf 
die Vorschrift am grünen Tisch gegeben ist, in praxi absolut undurch- 
führbar ist und — wenn durchführbar, d.h. vom Ehepublikum aus- 
geführt, — unsicher ist bezügl. der Zeit, da oft die Periode HE maNle, 
regelmäßig 3wöchig u. v. a. ist. 

2. Ist das Stillen post partum natürlich völlig belanglos für 
das Eintreten oder Nichteintreten einer Schwangerschaft, abgesehen 
davon, daß, wenn über die Zeit — praeter propter über den 9. Monat 
hinaus gestillt wird, dem Kinde ein direkter Schaden zugefügt wird, 
weil dann die Milch für die Ernährung des Kindes absolut unzureichend 
wird. | 

3. Ist ein, in Europa — wenigstens in den Kulturstaaten — wenig 
“ oder gar nicht bekanntes Mittel künstliche Hervorbringung von 
Lageveränderungen des Uterus. Besonders wird das Verfahren, 
wie Ferdy (nach van der Burg) angibt, in. Ostindien und auf den 
Sundainsein geübt. Ich fand eine vortreffliche Schilderung dieser 
künstlichen Unfruchtbarmachung der Frau in holländisch Indien in dem 
Werke von H. Straatz: „Die Frauen auf Java, eine gynaekologische 
Studie,“ im 7. Kapitel. Er sagt: „Es war schon lange bekannt, daß 
die meisten Dukuns (van der Burg Do&koens, holländisch oe wird 
gleich u gesprochen. Verf.) ein Mittel besitzen, um Schwangerschaft 
zu verhüten, oder auch, um die Sterilität aufzuheben. Worin das- 
selbe bestand, konnte nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, da 
sie selbst sowie die Beteiligten das Geheimnis nicht verrieten. Auf 
vielen Umwegen ist es mir gelungen, dasselbe zu entdecken. Nach 
Aussage eines Kollegen sowie älterer Hebammen, sollte das Verfahren 
in „Umdrehung der Gebärmutter durch äußere Handgriffe“* bestehen. 
Es wird „Ankat prut“ (den Bauch wegnehmen) genannt, eine Bezeich- 
nung, die auch für das völlig unschuldige Streichen der Lendengegend 
gebraucht wird. Auf diese Weise ist niemals auszumachen, was die 
Dukun mit ihrem „Ankat prut“ im gegebenen Falle meint.“ Und weiter: 
„ich glaube mich zur Ansicht berechtigt, daß das Geheimnis der 
Dukun zur Erzeugung der Sterilität besteht in einer künstlich durch 
äußere Handgriffe bewirkten „Retroflexio uteri“. Von einer hochge- 
bildeten Dame (die s. zt. in Zürich Medizin studierte, dann längere 
Zeit in Soerabaya, einer der Hauptstädte Javas, weilte), wird mir eben- 
falls bestätigt, daß daselbst die Unfruchtbarmachung besonders der 
malayischen Frauen und „last not least“ — jungen Mädchen durch 


— 126 — 


Massagebewegungen (Herstellung irgend einer Uteruslageveränderung, 
Retro- oder Anteflexio) außerordentlich stark betrieben werde, wie ja 
überhaupt das ganze Geschlechtsieben in Holländischindien ein außer- 
ordentlich .offen, nackt, „sans gene“ sich zeigendes ist (vergl. Vedt, 
Het leven in Nederlandsch Indie). 

Die künstlichen Mittel sind, wie ich schon sagte, unzählbar. 
Den meisten derselben geht es wie den neueren Arzneimitteln, die 
nach kurzer Daseinsfrist wieder der wohlverdienten Vergessenheit an- 
heimfallen. Die bekanntesten sind entweder mechanisch oder chemisch 
konzeptionsverhütende Mittel. Die gebräuchlichsten und besten sind 
die mechanisch wirkenden: das Condom uud die Pessare. 

Das Condom, oder richtiger Condon (nach einem in London 
um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebenden Arzt) ist zur Zeit wohl 
immer noch am meisten verbreitet. jch habe (loc citato), im Anschluß 
an Ferdys Schilderung, die Herstellungsweise derselben gezeigt. Für 
außerordentlich wichtig für den ordinierenden Arzt halte ich, daß er 
seinen Patieinten ein möglichst zartes, dünnes, wenn auch teures Con- 
dom verordnet, denn: je dicker dasselbe ist, desto mehr Gefühls- 
Störungen „apud coitum“ verursacht es, desto schädlicher sind die Folgen 
des Praeventivverkehrs. Denn — das möchte ich hier gleich vorweg- 
nehmen — eine gewisse Schädlichkeit schließt jeder Praeven- 
tivverkehr in sich, die geringsten Schädlichkeiten haften 
aber dem mit dem dünnsten Condom ausgeübten an, aber 
bei weitem nicht die Schädlichkeiten, die dem „Coitus interruptus“ 
innewohnen, 

Die Schädlichkeiten des „Coitus condomatus« bestehen hauptsäch- 
lich darin, daß durch den Überzug die Reizungsgefühle, welche die 
Reibungen des Penis, besonders der Glans penis an den Vaginalkäm- 
men, den „Columnae plicarum“ hervorrufen, wegfallen und gerade diese 
Reibungen stellen ein sehr wichtiges Moment zur Steigerung der Libido 
sexualis bis zum Orgasmus dar. Durch Wegfall dieser Reibungen wird 
mindestens eine Verzögerung des Orgasmus, d. h. der Auslösung des 
Wollustgefühls, der Ejakulation, sowohl weiblicherseits wie männlicher- 
seits hervorgerufen und dadurch wieder ein größerer Verbrauch von 
Nervensubstanz notwendig (Näheres siehe meine Vorles.). Ferner be- 
deckt das Condom auch den Vorhautring (beim Übergang der Eichel 
auf das Corpus penis), der ganz entschieden zu oben genannter Rei- 
zung besonders bei der Frau viel mit beiträgt. Es leuchtet nun ein, 
daß, je dünner: das Condom ist, desto geringer die Gefühlsstörungen, 





— 127 — 


sowohl für Mann als für Frau sind. Die Stärke der Coecalkondoms 
(alias „Fischblasen“) schwankt nach Ferdy — praeter propter — von 0,01 
bis 0,03 cm., je dünner dieselben. sind, desto. unschädlicher sind sie, 
desto näher kommt der: Verkehr mit denselben einem normalen. Für- 
bringer: „Sexuelle Hygiene in der Ehe“ (Krankheiten und Ehe, I) tritt 
erst kürzlich wieder für die Gummicondoms ein, weil er meint, kaum 
Störungen oder gar schädliche Wirkungen von denselben vernommen 
zu haben. Demgegenüber aber mußte ich darauf hinweisen, daß die 
Störungen sich beim längeren Gebrauch dicker Gummicondoms in 
einer allmählig zunehmenden Nervosität, neurasthenischen Beschwerden, 
besonders sexuell-neurasthenischen Beschwerden zeigen, die von den Pati- 
enten absolut nicht als Folgen des „Coitus condomatus“ gedeutet werden, 
die Patienten haben keine Ahnung, daß ihre Neurasthenie damit in 
Verbindung stehen könnte. Ich verordne nur die dünnsten Coecalcon- 
doms, bei den nach den meinerseits an den Patienten beobachteten 
Erfahrungen die Schädlichkeiten auf ein Minimum reduziert sind, also 
weg mit den Gummicondoms. 

Desgleichen möchte ich vor den Eichelcondoms nur 
warnen, d. h. vor den kurzen, nur die Eichel umhüllenden Gummi- 
membranen, weil sie unsicher sind, weil sie „bei Retraktion des er- 
schlafften Penis“ (Ferdy) leicht abgleiten. 

Soviel ist sicher, daß bei der jetzigen vorzüglichen Qualität der 
Coecalcondoms der alte Ricordsche Ausspruch, daß das Condom „ein 
Panzer gegen das Vergnügen und ein SDIIRBEWERE gegen die Gefahr 
sei“, nicht mehr zu Recht besteht. 

Das 2. wichtigste Mittel ist das Hasse-Mensingasche Occlusiv- 
pessar. Ts besteht aus einer halbkugelförmigen Kautschukmembran, 
welche unten einen federnden Stahlring trägt. Der Ring kommt um 
das „Orificium uteri“ zu liegen und soll so dem Sperma den Weg zum 
Cervix verlegen, (Genaueres gibt: Mensinga, Facultat. Sterilität, T ei 
ID). Es ist, trotz mehrfacher Nachteile, deren größter ist, daß es, 
außer zur Zeit der Menstruation, immer getragen werden mul, dadurch 
leicht Fluor macht, besonders bei mangelhafter Reinigung, der selbst 
zur Endometritis führen kann, doch ein recht brauchbares Instrument. 
Verordnet daher der Arzt ein Schutzpessar, so hat er auch die Ver- 
pflichtung, gleichzeitig Ausspülung — am besten mit einem leichten 
Desinfektionsmittel — Borsäure etc. zu ordinieren. Am besten wird 
daher die Herausnahme, Reinigung und Wiedereinsetzung des Pessars 
vom Arzte vorgenommen, meinetwegen, wie er ein Hodgepessar, einen 


— 128 — 


Meyerschen- oder andern, die Lage der Gebärmutter corrigierenden 
Ring herausnimmt und reinigt, wenn nur die meisten Frauen sich 
nicht genierten darob. Ein anderes empfehlenswertes Verfahren hat 
eine Patientin von mir ausprobiert. Da sie weiß, dass bei ihrem Ehege- 
spons die Lust zum Coitus nur Abends oder Morgens früh, nicht 
tagsüber, eintritt, legt sie mechanisch jeden Abend vor dem Zubett- 
gehen das Condom ein und entfernt dasselbe morgens; Erfolg: letztes 
Kind ca. 7 Jahr. 

Fin weiterer Übelstand beim Meningapessar ist der, daß es all- 
mählich zu klein wird, nach einigen Jahren ein allmählig größeres 
Pessar ausgesucht werden muß. Ist das Pessar aber zu klein, so ge- 
währt es nicht genügenden Schutz, wie ich bisher 2 mal dadurch 
Befruchtung habe eintreten sehen. 

Einen absoluten Schutz gewähren die Pessare danach nicht, 
aber, wenn gut sitzend, doch einen recht großen. Übrigens gewährt 
auch ein Condom keinen absoluten, da — besonders die billigen — nicht 
„garantiert fehlerfreien“ leicht einreißen, nur mit dem Unterschiede, daß 
ein Zerreißen eines Condoms unmittelbar post coitum gesehen wird, 
ein allmählig nicht völliges Abschließen des Muttermundes durch ein 
Pessar nicht. 

Neuerdings habe ich mehrfach die sogenannten Zephirpessare 
probiert. Dieselben sind nach Mensinga’s mech. Prinzipe gebaute 
Membranen, die über den Muttermund gestülpt werden, doch haben 
sie keinen federnden Überring, statt dessen einen gummiartigen, steifen, 
(jedoch zusammendrückbaren) Rand von !/,—1 cm., der entschieden 
die Drucksymptome des Mensingaschen Pessars nicht hat, denn das 
Pessar hält sich nicht durch den Druck des Randes gegen die Scheide- 
wand, wie der federnde Stahlring des Mensinga es tut, sondern es 
iegt fest dem zapfenförmigen Muttermund an, wird gleichsam über den- 
selben darüberweggestülpt, ist gleichsam ein weibl, Eichelcondom. 
Demselben haften jedoch die Mängel an, daß es bei sehr flachen, wenig 
in die Scheiden hineinragenden Muttermunde nicht fest hält, nicht sich 
darüberstülpen läßt und zweitens die Membran viel zu dūnn ist. Es 
ist passiert, daß Frauen trotz bester Lage desselben — gravid wurden, 
bei Herausnahme zeigte es sich, daß die Membran durch den an- 
stoßenden Penis zerstört worden war (vide: oben cit. Fall). Meines 
Erachtens ist der Rand für die dünne Membran zu hart, resp. umge- 
kehrt die Membran für den Rand zu zart. Der Rand des Zephyrpes- 
sars — vereint mit der Gummiplatte des Mensingaschen Pessars — 





— 129 — 


dürfte eine höchst vorteilhafte Kombination sein; beide Pessare dürften 
dadurch nur gewinnen. 


3. Die sogenannten Intrauterinpessare als malthusianische 
Mittel darf ich wohl übergehen, da sie heute wohl ärztlicherseits, auch 
als die Uteruslage korrigierende Mittel, hoffentlich nie mehr verordnet 
werden, abgesehen davon, daß sie durch ihre Reizungen intra uterum 
Catarrhe und schwere Genitalstörungen hervorrufen, sind sie für uns 
auch völlig zwecklos, da sie keinen genügenden Schutz gewähren. 


4. Gehören zu den mechanischen Mitteln auch die sogen. 
Sicherheitsschwämmchen, die ich, um sie genügend zu charak- 
risieren, „Unsicherheitsschwämmchen“ genannt habe. Über sie kann 
ich wohl zur Tagesordnung übergehen. Auch die 


5. Hohlkugeln, die in der Gegend von Kärnthen und Steiermark 
noch gebraucht werden, sind natürlich unsicher. Das Prinzip der 
Hohlkugel hat neuerdings Hermann in seinem ÖOcclusivpessar zur 
Anwendung gebracht. 

ll. Die chemischen Mittel 


gehen alle darauf hinaus, durch Anwendung verschiedener, antikon- 
zeptioneller, meist antiseptischer Medikamente die Spermatozoen abzu- 
töten und so eine Befruchtung zu verhindern. Sie sind, bis auf cines, 
meist unsicherer Natur. Dies eine, das am meisten sichere, hat aber, 
soweit meine Erfahrungen gehen, noch nirgends Eingang gefunden, 
trotzdem es in der Anwendung so außerordentlich leicht ist. Es ist 
dies die Urethrophortube nach Dr. Strebel-München. (Vertrieb: Firma 
Steinmetz und Co., Köln a. Rh., Eifelst. 33). 


Das Mittel ist nicht genug zu empfehlen, es dient 1. zur Behand- 
lung der Gonorrhoe, 2. zur Prophylaxe derselben apud coitum und 3. als 
neomalthusianisches Mittel. Es besteht aus einer Zinntube mit be- 
sonderem Ansatz. In, Ermangelung einer langen Beschreibung will 
ich nur erwähnen, daß man denselben, je nach Bedarf, mehr oder 
weniger tief in die Harnröhre einsenken kann und durch Pressen den 
Tubeninhalt — unter Herausziehen des Ansatzes der Harnröhre langsam 
einverleibt. Natürlich hat dies im antineomalthusianischen Sinne „ante 
coitum“ zu geschehen, ist aber in kurzer Zeit ausführbar. Die ganze 
Tube nimmt außerordentlich wenig Platz ein und ist ebenso, wie die 
prophylaktischen Trippermittel (Phallokos etc.) leicht bei sich zu führen. 
Ich empfehle die Strebeil’sche Pastenmischung nur mit verstärktem 
Protargolgehalt, also: | 

2 


— 130 — 


Protargoli 2,0 (statt Strebe! 1,0) 
Glycer. 50,0 

Bol. alb, 25,0 

mf. pasta. 

Das Mittel ist auch insofern eins der besten, weil keine Gefühls- 
störung, wie bei den mechanischen Mitteln, verursacht wird, also der 
Coitus in normaler Weise abläuft. | 

2. Auch den‘von der Gesellschaft „Viro“ vertriebenen Protar- 
golcr&me zur Behandlung und Verhinderung der Gonorrhoe habe 
ich einigemale zwecks Erreichung fakultativer Sterilität verwenden lassen, 
kann jedoch noch kein abschließendes Urteil mir erlauben. 

3. Einen teilweisen Anklang haben die von Kleinwächter-Czer- 
nowitz angegebenen Vaginalsuppositorien gefunden; es sind dies 
Globula mit 10%, Borsäure- und Ölzusatz, um sie leichter zerschmelz- 
bar zu machen. Wie schon der Name sagt, werden sie in die Vagina 
eingeführt und natürlich „ante coitum“. Sie sind unsicher und nicht 
anzuraten. Denn erstens verliert die Borsäure einen Teil ihrer desin- 
` fizierenden Kraft in Öl, zweitens verhindert aber das Öl, daß das Anti- 
septicum in alle Schleimhautfalten kommt. Conceptionen bei Gebrauch 
des Mittels sind daher auch durchaus nichts seltenes. Man hat auch 
andere Medikamente (Chinin. muriat, Sublimat u. V. A. in entsprechen- 
der Konzentration den Gilobulis zugesetzt. Der Effekt ist derselbe. 
Eher kann man dieses Mittel noch als unterstützendes Mittel neben 
Condom resp. Mensinga gelten lassen. Es versagt auch, wie das fol- 
gende 3., oft schon aus dem Grunde, weil das Sperma direkt resp. 
fast direkt durch die Kontraktionen bei der Ejakulation an den während 
des Orgasmus bei der Frau ausgestoßenen Cristellenschen Schleim- 
strang gelangt und hiermit in den, wenn auch ad minimum geöffneten 
Muttermund resp. Cervixcanal gelangt, den genannten Schleimstrang 
als Gleitfaden benützend. | 

4. Die sogenannten Scheidenpulverbläser mit antisep- 
tischen Pulvern sind aus eben genannten Gründen ebensfalls höchst 
unzuverlässig, da, wie jedem Arzt sofort einleuchten wird, das Pulver 
unmöglich in alle Falten und Winkel der Schleimhaut eindringen 
kannn. 

5. Ebenso sind unzuverlässig Ausspülungen mittelst anti- 
septischen Flüssigkeiten „post coitum“, am besten wirken hier 
noch die sauren Desinfizientien, weil sie auf das alkalische Sperma 
lähmend resp. die Spermatozoen tötend wirken wie Chinin. mur; Acid. 





— 13) — 


mur., Acid. boric., Acid. salic. u. s. f. in einem entsprechenden Zusatz. 
Volkmann: „Die Lösung der sozialen Frage durch die Frau“ hält 
die Vaginalausspülungen mit Wasser als allein genügend zur Konzep- 
tionsverhinderung. Natürlich ist dies nicht der Fall, obgleich Wasser 
allein (also nicht die physiologische Kochsalzlösung) schon ein Gift 
für die Spermatozoen darstellt. Das Mittel scheitert auch oft an der 
Trägheit der Frau post coitum. Ich lasse bisweilen, um recht sicher 
zu gehen, trotz Anwendung eines mechanisch konzeptionsverhindernden 
Mittels, eine Spülung mit saurem Desinfiziens noch post coitum vor- 
nehmen, besonders ‘da, wo die Eheleute mir nicht die rechte Sorgfalt 
zu verwenden scheinen. 

Resumiere ich kurz, so bleiben also als beste konzeptions- 
verhindernde Mittel das Coecalcondom und das Occlusiv- 
pessar obenauf. Stößt bisweilen der Arzt bei den Patienten 
auf Widerstand gegen mechanische Mittel, so ist die Strebel- 
sche Urethrophortube das empfehlenswerteste Mittel. 

Es wäre nur noch meine Pflicht, eines — leider sehr verbreite- 
ten, vielleicht sogar des verbreitetsten — konzeptionsverhindernden 
Mittels zu gedenken, des „Coitus interruptus“. Aber wer die Ge- 
fahren und Schäden desselben kennt, wird wissen, dass ein Arzt nie- 
mals zu solchem raten kann, dass er im Gegenteil, wo er auf An- 
wendung desselben in der Praxis stößt, die Pflicht hat, von demselben 
abzuraten. Jedenfalls gehört er nicht in die Reihe der vom Arzt an- 
zuratenden neomalthusianischen Mittel, welche Anschauung außer 
Beard, „Sexuelle Neurasthenie“, (wohl dem einzigen Autor, der Coitus 
interruptus und Coitus condomatus auf eine Stufe stellt) — heutigen 
Tages kein Autor mehr teilt. 

Noch ein kurzes Wort über die Besprechung der näheren Details 
des Praeventivverkehrs mit den Eheleuten. Daß dies keine angenehme 
Sache ist, viel Takt- und Zartgefühl erfordert, wird jeder zugeben, ja 
daß diese Besprechung der Frau gegenüber meist unmöglich ist, außer 
in gewissen Fällen, wo, wie bei Säufern, ich sogar Einlegung eines 
Mensinga, bisweilen ohne Wissen des Potators, für richtig halte. Ich 
handle gewöhnlich derartig, daß ich, wenn ich bei einer Frau ein Leiden 
konstatiert, welches N. verlangt, derselben einfach mitteile: „Ihr Ge- 
sundheitszustand erfordert, daß sie keine Kinder mehr bekommen 
dürfen, wie dies zu geschehen hat, muß ich mit Ihrem Mann besprechen, 
senden Sie denselben mir zur Sprechstunde zu“, und mit diesem aller- 


dings ganz sans gene genau konferiere. Nur, wenn dieser mich er- 
2* 


— 132 — 


sucht, diese Besprechungen im Beisein seiner Frau zu geben, tue ich 
dies, mit möglichster Schonung des weiblichen Schamgefühls. 

Nach meinen Ausführungen überlasse ich dem Leser sein Urteil, 
über den: medizinischen Neomalthusianismus, ob er ein derartiges 
Vergehen darstellt, daß das Strafgesetzbuch dagegen sich hätte vor- 
sehen müssen(!), wie der verstorbene Gynaekolog Sänger in seiner 
Antrittsvorlesung als Professor noch anno 1892 zu Leipzig zu behaupten 
wagte! Autoren wie Fürbringer, Erb, Hegar, Eulenburg, 
Blumenreich, Stille, Freud, Otto, Thompson, Volkman, von 
Oefele, Ferdy, Drysdale, Schoondermark, -Kamp, Birbaum, 
Lepler, Kepler, — doch wer nennt die Namen — stehen als Ge- 
währsmänner auf unserer Seite. Ich schließe meine Deduktionen mit 
den Mensinga’schen Schlußworten: „Ich beanspruche aber fürjeden 
Arzt, der in Wahrheit Freund und Berater der Familie ist, 
das unveräußerliche Recht und die Pflicht, nach seinem ur- 
eigenen besten Wissen und Gewissen 'die Grenzen der Pro- 
genitur in jedem einzelnen Falle feststellen zu dürfen und 
danach zu verfahren“, denen ich nur hinzufügen möchte, 
wenn der Gesundheitszustand eines oder beider Ehegatten 
resp. die hygienische Rücksichtnahme auf die Nachkommen- 
schaft es erfordert. 


Über die Folgen der Onanie. 


Von Dr. Moritz Porosz-Budapest. 
(Schluß.) 


2. Der Fall des Rechtsadjunkten Dr. M. beleuchtet in sehr lehr- 
reicher Weise auch noch die Entwicklung einer Art von Perversität. 
Der 25-jährige Patient kam wegen seiner Impotenz zu mir. Er gab 
an, er hätte mit der Onanie im Alter von 12 Jahren begonnen, ohne 
daß er davon etwas gewußt oder gehört hätte. An einem heißen 
Sommertage entkleidete er sich bis aufs Hemd, und legte sich auf 
den Divan nieder. Er war unruhig, warf sich hin und her und spielte 
dabei mit dem mit Federn gefüllten, weichen Lederkissen. Das Kissen 
drückte er zufällig zwischen die Füsse, worauf eine Erektion mit an- 
genehmer Erregung folgte. Er suchte sehr gern die Gelegenheit, das 
tun zu können. Da dies aber nicht immer durchführbar war, fing er 
an zu masturbieren. Da er zwei Jahre später überhaupt schon keine 
Gelegenheit mehr hatte, das Spiel mit dem Kissen zu wiederholen, be 





— 133 — 


trieb er dann nur die Masturbation. Ejakulationen nahm er erst im 
Alter von 16 Jahren wahr. Aber 1--2 Jahre früher merkte er schon 
„irgend ein“ schleimiges Sekret. Anfangs wiederholte er sehr oft die 
Manipulationen. In den letzten Jahren onanierte er etwa dreimal 
wöchentlich bis zu seinem 23sten Lebensjahre. 

Er wußte; daß das, was er tat, gesundheitsschädlich ist, deshalb 
nahm er von seinem 18ten Lebensjahre an jedes halbe Jahr einen 
Coitus vor. Es trat dabei nach schwacher Erektion eine rasche Eja- 
kulation ein. Nicht nur die erfolglosen Versuche, sondern auch der 
Gedanke an einen Coltus brachte ihn in Aufregung. Er hatte gar 
kein Verlangen darnach. Nichtsdestoweniger war er dabei so nervös, 
daß ihm das Blut zu Kopfe stieg und daß er starkes Herzklopfen hatte. 
Hat man damals zu ihm gesprochen, so hat er davon nichts verstanden. 
Er konnte nicht percipieren. Auch dies trug dazu bei, daß er, so 
sehr er auch das Önanieren los zu werden wünschte, es nicht mit 
einem normalen Coitus ersetzen konnte. Ein unwiderstehliches Ver- 
langen trieb ihn dazu, wenn er sich nackt sah. Schon lange her 
hatte er ein Vergnügen, wenn er seinen nackten Körper bewundern 
konnte. Seitdem er aber zum Selbstbewußtsein erwacht ist und seine 
Handlungen zu begreifen verstand, mied er diese Gelegenheit. Des- 
halb traute er sich nicht einmal, allein zu baden. Auch später, als 
er schon das Verlangen nach Onanie zu überwinden im stande war, 
erweckte eine solche Gelegenheit immer eine allgemeine Erregung und 
Libido bei ihm. „Vielleicht bin ich an Leib und Seele so erregt, weil 
ich große Seelenkämpfe zu bestehen hatte, aus Furcht, daß ich nicht 
widerstehen werde können“. 

Im Alter von 23 jahren gab er einem Nervenpathologen das 
Ehrenwort, daß er niemals mehr onanieren werde. Aber der Seelen- 
kampf und die Seelenpein war nicht kleiner, als er schon dem Ver- 
langen nach Onanie zu widerstehen im stande war. Er versuchte, 
dem Rate eines Arztes Folge leistend, ohne ein Verlangen und einen 
Reiz zu haben, wöchentlich einmal zu coitieren. Mit diesen mehr 
oder weniger schlechten Versuchen fuhr er fort, bis er zu mir ge- 
kommen ist. Um diese Zeit nahm er manchmal in den Morgenstunden 
eine schwache Erektion wahr. Die Ejakulation erfolgte nach schwacher 
Erektion schon nach 2—3 Friktionen. Ab und zu machte er einen 
Versuch, den Coitus zu wiederholen, aber es ging nur schwer. Die Zahl- 
der Friktionen stieg dabei ein wenig. Erektionen traten aber nicht 
spontan auf. Zu diesen Wiederholungen sah er sich veranlaßt, weil 


— 134 — 


er keine Befriedigung fühlte. Nachher erfaßte ihn gewöhnlich eine 
hochgradige Gemütserregung. Diese Wahrnehmungen und der voll- 
ständige Mangel eines Wollustgefühls war auf sein Gemüt von sehr 
nachteiliger Wirkung. Solche Frauen waren ihm ekel. Er haßte sie, 
aber er machte, wie „von einer bitteren Medizin“ von dem Akte Ge- 
brauch, denn er hatte auch so wenigstens wöchentlich einmal ohne 
Schlaf und Erektion Pollutionen. Nachdem er das Onanieren aufge- 
geben hatte, wiederholten sich häufiger die Pollutionen, wöchentlich 
dreimal. Auch von den Pollutionen machte er sich großen Verdruß. 
Sie erinnerten ihn immer an seinen leidenden Zustand. Dieses Be- 
wußtsein brachte ihn zur Verzweiflung, daß er sich in letzterer Zeit 
immer mit Selbstmordgedanken befaßte. Er war verschlossen und 
verstimmt. Er mied jede Gesellschaft und traute sich nicht mit an- 
ständigen Frauen in ein Gespräch einzulassen. Auch intime Freunde 
hatte er nicht. Wenn er in einem Bureau arbeitete, hatte er zu sich 
selbst kein Vertrauen, so daß ihn seine Chefs für einen launenhaften 
Menschen hielten. Überdies verursachte ihm auch noch die materielle 
Lage seiner Familie große Sorgen, denn er fürchtete, daß er dem in 
ihm gesetzten Vertrauen nicht Genüge leisten können werde. Großen 
Kummer verursachte ihm der Gedanke, daß er nicht heiraten können 
wird. In seinen jüngeren Jahren lernte er rasch und leicht. Die Seelen- 
qualen der letzten Jahre beeinträchtigten seine Lernlust so sehr, daß 
er gar nicht im stande war, Etwas zu lernen. Als fleißigen und streb- 
samen Menschen verbitterte auch dieser Umstand ihn unendlich.. 
Seine traurige Zukunft schwebte ihm immer vor Augen. Ständige 
Zwangsvorstellungen verfolgten ihn. „Es gibt keine Stunde im Tage, 
in der ich nicht an meine Leiden denken würde“. Er fand in nichts 
Trost, nur die Rücksichten an seine Eltern, die Liebe zu ihnen flößte 
ihm Kraft ein, so daß er von dem Kaufe eines Revolvers Abstand 
nehmen konnte. Er hegte Befürchtungen, daß er sein letztes Examen 
niemals ablegen wird. Diese Angst schien ihm recht begrūndet zu 
sein, denn er fing schon oft an zu lernen, aber seine Zerstreutheit und 
Vergeßlichkeit erschwerten es ihm. Er verlor sehr oft seine Stellungen, 
weil er oft sehr wichtige Agenden vorzunehmen vergessen hatte. Er 
war überglücklich, wenn sein Chef Gelegenheit hatte, sich die Überzeu- 


gung zu verschaffen, daß er — wenn er in einem günstigen Gemüts- 
zustande eine Arbeit vornahm — eine tüchtige, ausdauernde Arbeits- 
kraft ist. | 


„Der bleiche, magere Patient mit etwas vernachlässigtem Äußern 


— 135 — 


erzählte stammelnd und mit Tränen in den Augen seine traurige Lebens- 
geschichte. 

Einen Defäkationsausfluß merkte er niemals, aber in dem nach 
einer Entleerung aufgefangenen Urin fand ich viel Sperma. Er uri- 
nierte täglich 7— 8 mal. Die Prostata ist flach und weich mit etwas 
konsistenteren Teilen, der rechtsseitige Lappen: ist .etwas erhabener. 
In dem nach der Untersuchung entleerten Urin war gesundes Prostata- 
sekret und Sperma vorhanden. 

Die Symptome boten das Bild der von mir beschriebenen Pros- 
tataatonie. 

Die gesteigerte Libido verursachte sehr oft bei ihm eine Urethro- 
rhoe, die namentlich dann sehr stark war, wenn er an einen Coitus 
dachte. 

Diese kurz skizzierten Umstände geben die Erklärung dafür, daß 
sich der Patient für „das elendste und unglücklichste Geschöpf der 
Welt“ hielt. Und wenn sich einmal das gute Herz eines Arztes ein- 
zugreifen veranlaßt sieht, so zählt dieses bedauernswerte Geschöpf 
zu jenen, die aufrichtiges Mitleid erwecken können. 


Die Ursache der hochgradigen Neurasthenie und seines kranken 
Gemütes fand ich in der Prostataatonie. Bei der Behandlung war nur 
darauf das Hauptaugenmerk gerichtet. 


Ich war bestrebt, auch bei ihm mit Hilfe des faradischen Stromes 
die Prostata zu tonisieren. 


Unter den ersten Symptomen zeigte sich eine gewisse sexuelle 
Ruhe. Die Harnentleerungen wurden seltener; schließiich urinierte er 
in 24 Stunden viermal, ausnahmsweise fünfmal. Die Libido nahm ab, 
aber wenn er coitieren wollte, fühlte er noch immer eine gewisse Un- 
ruhe. Der erste Coitus, den er nach achttägiger Behandlung vorge- 
nommen hat, war anhaltender und nachher zeigte sich nur einige 
Stunden lang der Reiz der sexuellen Gedanken. Nach Verlauf dieser 
Zeit erfaßte ihn eine gewisse Euphorie. Der Zustand näherte sich 
immer mehr der Heilung, so daß nach sechswöchentlicher Behandlung 
der Verlauf des Coitus ein vollkommener normaler geworden ist. Nur 
der Umstand bereitete ihm Verdruß, daß Erektionen noch nicht spon- 
tan aufgetreten sind. Später war er wohl schon auf keinerlei Mani- 
pulationen angewiesen, aber der Gedanke beunruhigte ihn noch, daß 
bei ihm — angeblich — ohne körperliche Berührung sich keine Erek- 
tion einstellt. 


— 136 — 


Er enthielt sich freilich der dem Akte unter normalen Umständen 
vorangehenden Liebkosungen. 

Anfangs war er noch in Ungewißheit über die endgültige Besse- 
rung seines Zustandes. Die verschiedenartigen Kuren, die er bisher 
vorgenommen hat, gaben ihm ab und zu die Hoffnung, daß sie von 
Erfolg begleitet sein werden. Aber bald kam er zur Überzeugung, 
daß weder die Wasserkuren, noch die vielen neueren und neuesten 
Medikamente, auf die er viel Geld ausgegeben hat, ihn von seinen 
Leiden nicht befreien konnten. Da aber nach achtwöchentlicher Be- 
handlung der gute Zustand noch immer angehalten hat, war er doch 
mit dem Resultate zufrieden. Ein Jahr lang sah ich ihn jede zweite 
oder dritte Woche. Das so plötzlich gekommene Glückseligkeitsge- 
fühl, welches ihn in erster Zeit so oft erfreut hat, nahm langsam ab 
und er gewöhnte sich an das Wohlbefinden und es erfaßte ihn eine 
ständige Ruhe. Er referierte der Reihe nach über die beobachteten 
günstigen Symptome. Seine Arbeitslust kam anfangs auf eine kurze 
Zeit, später auf eine längere zurück. Er fing an zu lernen, immer 
mit größerer Ausdauer. Auch die Libido war nicht gesteigert, er rief 
sie nicht umsonst hervor, auch der Anblick des nackten Körpers reizte 
ihn nicht mehr und er nahm mit Vergnügen wahr, daß die sexuellen 
Gedanken und die Erinnerungen an das Onanieren ihn keinerlei Seelen- 
kampf kostete. Diesen Zustand störten auch die Pollutionen nicht, 
die ganz ausgeblieben sind. Einige Monate später acquirierte er Blen- 
norrhoe, die anterior geblieben ist und er abstinierte mehrere Wochen. 
Während dieser Zeit stellten sich ein- oder zweimal bei ihm Pollutionen 
ein. Sie traten im Traume über einen normal verlaufenen Coitus auf 
und alterierten nicht sein Gemüt. Als er ungefähr ein Jahr später in 
eine Provinzstadt reiste, erklärte er sich mit aufrichtigem Danke für 
vollkommen geheilt. 

3. A. L., 25 Jahre alt, Buchhalter meldete sich bei mir wegen auf- 
getretener Impotenz und seines nervösen Zustandes. Er erzählte auf- 
richtig seine Lebensgeschichte. | 

Er fing als starker großer Junge im Alter von 12 Jahren auf An- 
raten seiner Kameraden zu onanieren an. Zwei Jahre lang betrieb er es 
täglich. Später 3—4 mal wöchentlich bis zu seinem 18ten Lebens- 
jahr. Um diese Zeit war er wegen eines Magenleidens zwei Monate 
bettlägerig. Mittlerweile gewöhnte er sich das häufige Onanieren ab. 
Er fühlte, daß diese Manipulationen gesundheitsschädlich sind, er 
kämpfte auch dagegen, aber er konnte es nicht aufgeben. Vor dem 


— 137 — 


Niederlegen erfaßte ihn eine große Angst, daß er nicht widerstehen 
wird können, und er hatte deshalb starkes Herzklopfen. Auch .dies 
beunruhigte ihn. Nach seiner Krankheit brachte er es doch so weit, 
daß er in wachem Zustande nicht onanierte.. Aber sobald er einge- 
schlafen war, beeinflußte das Bewußtsein nicht seine Taten. Sehr oft 
träumte er ganz gleichgültige Dinge, so z. B. turnte und rannte er 
und dabei onanierte er. Nach der Ejakulation erwachte er und kon- 
statierte die Spuren. Dieser Zustand verursachte ihm große Sorgen, 
aber er kämpfte auch dagegen, ohne zu einem Ärzte zu gehen. Er 
schämte sich. Er versuchte auch Hilfsmittel zur Verhinderung der 
Onanie in Anwendung zu bringen. . Aus dickem Pappendeckel machte 
er eine Hülle um den Penis, daß er mit ihm mit der Hand nicht in 
Berührung kommen könne. Später wickelte er eine Binde um den 
Penis und befestigte ihn an den Schenkel, damit eine Erektion nicht 
auftreten könne. Später machte er von kalten Umschlägen Gebrauch, 
aber alldies führte nicht zum Ziele. „Wahrscheinlich“ nahm er nach 
dem Einschlafen sofort den Akt vor. Unwillkürlich schaffte er die 
Hindernisse aus dem Wege und onanierte gegen seinen Willen. In 
solchen Fällen war er am nächsten Tage sehr gereizt. Müde und 
ohne Lust verrichtete er seine Arbeit. Sonst war er „ein verständiger, 
geistreicher Korrespondent“. Man hielt ihn im Allgemeinen für sehr 
jaunenhaft. Er vertrug sich auch mit seiner Familie nicht. Dies nahm 
er anfangs gar nicht wahr. Erst später fiel es ihm auf. Er las viel 
und vieles. Er befaßte sich mit politischen Fragen mit großer Vorliebe, 
und wenn er etwas gelesen hat, was nicht seinen Beifall hatte, plagten 
ihn Tage lang die wildesten Gedanken. Er dachte sehr oft an einen 
politischen Mordanschlag und erst später, als er ruhiger geworden ist, 
nahm er wahr, daß ihn das eigentlich gar nichts angehe. Aber bis 
er zu dieser Erkenntnis gekommen ist, verstrichen Jahre. Erst dann 
sah er ein, daß die Ursache der Erregung mehr in ihm liegt als in 
dem gelesenen Artikel. 

Im Kreise seiner Familie machte die Antipathie viel Verdruß, die er 
seiner kleinen Schwester gegenüber an den Tag legte. Das unordent- 
liche Essen, namentlich das Schmatzen des kleinen Kindes regte ihn 
immer sehr auf und deshalb hasste und verfolgte er das unschuldige 
Kind. Wenn es schmatzte und er es hörte, „wirkte es auf sein Gehirn. 
Er war aufgeregt, und in der Harnröhre trat ein Krampf auf, dem ein 
starker Harndrang folgte“. Wenn seine kleine Schwester af, beobachtete 
er sie aufmerksam und hatte große Angst, daß sie wieder schmatzen 


— 140 — 


nicht, weil er kein Verlangen darnach hatte. Seither verschlimmerte 
sich sein Zustand immer und er coitierte jede zweite Woche. 

Erektionen hat er weder in der Nacht, noch bei Tag, noch 
morgens. Wenn er einen Coitus vornehmen wollte, trat nach gewissen 
Reizen eine schwache Erektion auf, so daß sich die Ejakulation vor 
der Immission einstellte, die auch rascher erledigt war. 

Die Libido ist gesteigert. Sieht er eine schöne Frau, erfaßt ihn 
ein „innerer Reiz“, dessen sexueller Teil kleiner ist, als der allgemeine. 
Bei Berührung des Körpers, z. B. bei einem Händedruck, stellt sich 
bei ihm Urethrorrhoe ein. Sein Wollustgefühl ist sehr schwach. Dem 
Akt folgt nicht das Gefühl der Befriedigung. Er ist nachher körper- 
lich müde, aber sein Geist ist lebhafter. 

Pollutionen stellten sich nach dem Magenleiden etwa 3 Monate 
lang wöchentlich 2—3 mal ein. Sie blieben aber gänzlich aus, wenn 
er im Schlafe oft onanierte. Ein Defäcationsausfluß beobachtete er 
schon lange; ihm folgte immer ein unangenehmes Gefühl. Seit einem 
halben Jahre merkt er, daß er sich auch bei Miktionen einstellt. 

Er uriniert 6—7 mal täglich, aber in der Nacht nicht. Die Pros- 
tata ist größer, mit stellenweise konsistenten Teilen, welche die Spuren 
einer verlaufenen Entzündung zeigen. Der nach der Untersuchung ent- 
leerte Urin ist dicht, enthält viel Sperma, viel Epithelialzellen, wenig 
runde Zellen und viel Lecithinkörnchen. 

Der Inhalt des nach der Untersuchung entleerten Urins bestärkte 
mich in der Annahme, daß eine Prostataatonie ohne Prostatitis vor- 
handen ist. Die Behandlung bestand in der Faradisierung. der Prostata 
mit dem von mir konstruierten Prostatarektalelektrod. 

Der Heilungsprozeß nahm einen normalen Verlauf. Die ge- 
steigerte Libido nahm ab, der Defäcationsausfluß hörte nach und nach 
auf, das nach dem Stuhlgange sich bemerkbar gemachte Gefühl blieb 
aus, die Nervosität zeigte eine Besserung. 

Der wöchentlich vorgenommene Coitus nahm immer einen nor- 
malen Verlauf. Dieser Umstand übte auch auf sein Gemüt einen über- 
aus günstigen Einfluß. Zwei Wochen später konstatierte auch seine 
Umgebung, daß es ihm schon besser geht. Die Arbeitslust stellte sich 
wieder ein, auch die Ausdauer war anhaltender. Die sexuellen Reize 
nahmen ab und die Libido stellte sich unter normalen Umständen und 
Reizen ein. Nach 5 wöchentlicher Behandlung trat sie spontan auf 
und Ejakulationen erfolgten nach 29—30 Friktionen. Dem Coitus 
folgte Befriedigung und geistige Frische, und die körperliche Mattigkeit 








s JA = 


dauerte nicht länger als eine halbe Stunde.. Auch die Unruhe nahm 
ab, so daß er wieder lesen konnte. , 

1tj Jahre später ist er schon mit seinem Zustande vollkommen 
zufrieden. Seine Seelenenergie war schon so stark, daß er sich 
selbständig machte. Die Arbeiten verrichtet er normal. 

Dieser Fall ist ein interessanter Beweis dafür, daß die Folgen der. 
Onanie durchaus nicht so einheitlich sind, wie wir es in den Lehr- 
büchern finden. Die körperliche Verkümmerung ist keine unbedingte 
Folge des Uebels. Der Patient ist ein breitknochiger, wohlbeleibter 
junger Mensch mit einem Körpergewichte von 92 Kilo. Es ist wohl 
wahr, er war schon ein baumstarker Junge, als er zu onanieren an- 
fing. Daß die lokalen Veränderungen, die Atonie, die Ursache seiner 
schweren Neurasthenie war, rechtfertigt nicht nur, die nach der Be- 
handlung eingetretene Besserung, sondern auch der Umstand, daß 
sonstige Reize, wenn sie einen gewissen Grad erreicht haben, direkt 
auf die Harnröhre einen nachteiligen Einfluß geübt und einen Harn- 
drang hervorgerufen haben. Diese Empfindsamkeit kann man auch 
mit der gesteigerten Libido in Zusammenhang bringen. Die gesteigerte 
Libido war die Ursache der unüberwindlichen Leidenschaft. Daß diese, 
wie auch im ersten Falle, der Anblick der gewohnten Umstände, im 
Wege der Erinnerung ausgelöst hat, zeigt die Angst, welche ihn vor 
dem Schlafengehen erfaßte und Herzklopfen zur Folge hatte. Die 
Verzweiflung solcher Patienten wird dadurch gesteigert, daß sie ihr 
Leiden nicht erkennen, daß man ihnen nicht glaubt und sie verspottet. 
Ein wahrer Schlag ist für einen solchen Patienten das Bespötteln, die 
Nichtbeachtung, die Gleichgültigkeit, mit der der Arzt das Leiden be- 
handelt. Deshalb kann ich die Herren Kollegen nicht genug‘ aufmerk- 
sam machen, daß sie sich bei launenhaften jungen Leuten für ihr 
sexuelles Leben interessieren. Bei älteren Leuten gibt die Familie, der 
Broderwerb genug Anlaß, launenhaft und nervös zu werden. Junge 
Leute bleiben deswegen ihrer gesellschaftlichen Stellung zumeist davon 
verschont. 

4. A.Br., 29 Jahre alt, Beamter. Auch der Fall dieses Patienten 
enthält viel Lehrreiches. 

Er klagt, daß ihn seit seinem 14. Jahre häufige Pollutionen 
plagen. Im Alter von 12 Jahren fing er auf Anregung seiner Freunde 
zu onanieren an. Ein Jahr lang nahm er diese Manipulationen Tag 
für Tag vor. Um diese Zeit las er ein Buch über die Onanie und es 
kostete ihn große Anstrengung, bis er ein Jahr später die Manipula- 


— 142 — 


tionen einstellte. Während dieser Zeit hatte er oft Harndrang. Nach- 
dem er zu onanieren aufhörte, stellten sich Pollutionen ein. Bis dahin 
war er ein vorzüglicher Schüler, aber in dem Jahre der Selbstbefleckung 
fiel er durch. Als sich später Pollutionen einstellten, konnte er nichts 
begreifen und vergaß Alles. Er hatte ein schwaches Gedächtnis. Er 
lebte in steter Angst, daß er verspottet wird. Mit Niemanden konnte 
er sich befreunden und allerhand Krankheitssymptome nahm er an sich 
wahr. Er wechselte seine Laufbahn einigemal, keine gefiel ihm. Er 
war zerstreut und unaufmerksam, weshalb er von seinen Chefs oft ent- 
lassen worden ist. Er hatte Zwangsvorstellungen. Er hatte. Angst, 
daß „wenn er auf dem Trottoir geht, das Haus einstürzen werde“. 
Deshalb ging er in der Mitte der Fahrstraße. „Das Mittagsessen be- 
steht aus Speiseresten Anderer“. Er war immer traurig und zänkisch. 
Die hochgradige Erregung nahm im 20. Lebensjahre ab, aber dagegen 
trat „Tölpelhaftigkeit“ auf. Er kümmerte sich um nichts, er vernach- 
lässigte sich. Gereizt war er nur, wenn man ihn ärgerte. Am liebsten 
saß er in einem dunklen Zimmer. So lange es ihm nur möglich war, 
tat er es, | | 

Er coitierte zum ersten Mal im Alter von 15 Jahren und nahm 
bis zum achtzehnten Lebensjahre in Intervallen von 1—2 Wochen 
regelmäßig einen Coitus vor. Später coitierte er öfter auch 2—3 mal 
wöchentlich, um die Pollutionen zu vermeìden. Der Coitus verlief 
schlecht, aber er war noch durchführbar. Er heiratete im Alter von 
27 Jahren und coitierte wöchentlich, aber er hatte doch noch immer 
Pollutionen. Bald darauf hatte er im Laufe eines halben Jahres zwei- 
mal Blennorrhoeen acquiriert, die angeblich ohne Komplikationen ver- 
laufen sind. Der Harndrang war gesteigert, er stellte sich jede halbe 
Stunde ein; er urinierte bei unterdrückbarem Reize täglich 8—10 mal, 
in der Nacht 2—3 mal, in seltenen Fällen auch kein einziges Mal. 
Der Urin geht am Ende tröpfelnd ab. Erektionen stellen sich ab und 
zu ein, sie sind schmerzhaft und schwach. Beim Coitus treten woh 
Erektionen auf, aber sie erschlaffen sofort, so daß er, wenn er einige 
Tage vor den Pollutionen Ruhe hatte, nach 4—5 Friktionen ejaku- 
lierte. Ein anderes Mal brachte er es nicht einmal so weit, sehr oft 
ejakulierte er vor der Jmmission. 

Das Wollustgefühl pflegt annehmbar zu sein. 

Die Libido ist gesteigert. Er kann deshalb nicht ins Theater 
gehen. Der Anblick schöner Frauen oder pikanter Bilder reizt ihn so 
sehr, daß er darnach bemüfigt ist zu coitieren. Nach dem Coitus trat 


— 143 — 


bei ihm einigermaßen Ruhe auf; das Gefühl der Befriedigung stellte 
sich erst ein, wenn er ein kaltes Bad genommen hat. Manchmal war 
er auch darnach sehr erregt. Die Pollutionen traten im Alter von 
14—15 Jahren wöchentlich zweimal auf. Auch nach Beginn des Coi- 
tierens blieb es so, in letzterer Zeit traten sie am folgenden Tage noch 
in gesteigertem Maße auf. Anfangs hatte er Traumbilder, die bis zu 
dem Beginn des Coitus dauerten; in diesem Augenblicke pflegte er 
zu erwachen. Später stellten sie sich ganz ohne Traumbilder ein, SO 
daß er in der Früh, von Unwohlsein geleitet, die Spuren sucht. In 
solchen Fällen ist er „wie umgewechselt“ und es kostet ihm große 
Anstrengung ins Bureau zu gehen. In diesem Zustande ist er so 
konfus, daß er sich an die einen Tag zuvor verrichtete oder begon- 
nene Arbeit nicht mehr erinnert. Sein Gedankengang ist „abnormal, 
gelähmt, träge“. Er meidet die Menschen, seine Augen tränen und 
das verdrießt ihn sehr, denn er fürchtet, daß auch Andere seinen ver- 
störten Blick wahrnehmen. Er ist sehr schwach und hat Rücken- 
schmerzen. An Enuresis litt er nicht. Im Alter von 13 Jahren wurde 
er wegen des häufigen Harndranges behandelt. Man nahm eine Son- 
denkur vor und das war anfangs von einigem Erfolg begleitet. Gegen 
die Pollutionen bekam er tiefe Injektionen, Brom, Cornutin, Hypophos- 
phit, Hydrastis usw. Vom besten Erfolg war die Wasserkur, denn die 
Reizbarkeit nahm ab, und die EßRlust besserte sich. Seither nahm er 
oft kalte Bäder, die auf ihn eine beruhigende Wirkung übten. 

Die Prostata ist links flach, weich, rechts etwas konsistenter. 
Das nach der Untersuchung herauströpfelnde Sekret erwies sich als 
normales Prostatasekret, in dem viel gallertartige Teile und viele Epi- 
thelialzellen waren. 

Defäkationsausfluß nahm er nicht wahr. Mit Rücksicht auf 
seinen Zustand trachtete ich gar nicht zu solchem Urin zu kommen, 
um seine Aufmerksamkeit nicht darauf zu lenken. Ich wußte ja, daß 
auch Spermatorrhoe vorhanden ist. Um einen bessern Einblick in 
den Seelenzustand des Patienten zu bieten, sei hier ein Teil seiner 
Selbstbiographie mitgeteilt. 

.. , . im Alter von 27 Jahren war ich bei einer Fabrik in glän- 
zender Stellung .... Am Sonnabend der dritten Woche ging ich 
nicht in die Fabrik, sondern in’die Stadt (man mußte ?, Stunden gehen) 
Von da ging ich direkt zum Bahnhof und fuhr nach Fiume, wo ich 
drei Wochen lang herumschlenderte, ohne Ziel und Zweck, unbewußt, 
vielleicht bewußtlos. Ich ging am Meeresufer spazieren, mich der 


=, 444 = 


i 


Naturschönheiten freuend. Manchmal suchte ich auch Abbazia auf. 
Als ich einmal von dort nach Fiume zurückging, wollte ich mich ins 
" Meer stürzen, um meinen Leiden ein Ende zu machen. Ich ging 
aber dabei dumm, nervös und ungeschickt vor, so daß die Frauen 
meine Absicht merkten und um Hilfe riefen. Der Kapitän ließ mich 
binden und in Fiume angelangt übergab er. mich der Polzei. Von 
allen Seiten machte man mir Vorwürfe, daß ich als gesunder, junger 
Mann eine Narretei verüben wollte. Niemals taten mir Worte so wehe. 
Ich? Gesund? Ich?! Ich, dessen ganzes Leben eine Kette von Qualen 
‚und Leiden ist, ich, der eine gute Anstellung hat, der eine Zukunft 
vor sich hat, der alles hat, der glücklich sein könnte, wenn ich keine 
gebundenen Hände hätte, wenn ich arbeiten könnte, wenn die Pollu- 
tionen mir nicht die Fähigkeit zu denken nehmen würden, wenn mich 
die Pollutionen nicht von dort fortjagen würden, wo man arbeiten 
mußte... 


Man fragte mich auf dem Schiffe, was mir fehle... Ach, du 
lieber Gott! Ich konnte doch nicht sagen, daß ich an Pollutionen, 
Samenfluß leide. — Nun ja, an dem Sonnabend hatte ich Pollutionen. 


Deshalb ließ ich die Fabrik, die Stellung, mein alles in Stich, denn ich 
wußte, daß ich an diesem Tage eine große Arbeit zu erledigen habe, 
die Ruhe und Besonnenheit erheischt, aber ich fühlte, daß ich nicht 
im stande sein werde, zu arbeiten. 

Er wurde nach Bpest befördert. Hier faßte er endlich Mut und 
ging zum Direktor der Zentralkanzlei, einem guten Freunde seiner 
Familie. 

Er holte ihn wohlwollend aus, bis er die verhängnisvollen Worte 
stammelte: „Onanie — Pollution“. 

„Der Direktor war von damals an mein Vater, mein Erzieher, 
mein Arzt. Er war der Erste, der an mich die Frage richtete, ob 
ich nicht an Samenfluß leide. Ich zerschlug mich auch mit ihm. 
Wie konnte ich es mit ihm, der mein bester Freund war, ver- 
derben?“ — 

Er wurde später Soldat, aber er ging vom Dienste durch. Sein 
Benehmen ließ seine Vorgesetzten vermuten, daß sie mit keinen nor- 
malen Menschen zu tun haben. Man beurlaubte ihn. Er kam wieder 
in Stellung, die er aber verließ, kurz nachdem er eine bedeutende 
Gehaltserhöhung bekommen hat. Solange er Geld hatte, schlenderte 
er umher. Dann ging er aufs Land. Er irrte lange bei Tag und bei 
Nacht auf den Feldern umher: „leben konnte er nicht, sterben noch 





14 


viel weniger“. In einem äußerst vernachlässigten Zustande kam er 
zu seinen Verwandten ... . 

In seinem nervösen Zustande geriet er einmal in Streit. In dem 
hitzigen Wortgefechte beging er eine Majestätsbeleidigung, für die er 
zu dreimonatlicher Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. 

Die geschilderten klinischen Symptome und der Befund ließen 
auf eine Prostataatonie, die die primäre Ursache seiner schweren Neu- 
rasthenie war, folgern. Deshalb faradisierte ich seine Prostata mit dem 
Rektalelektrod. Während der 4!/, wöchentlichen Behandlung hatte er 
zweimal Pollutionen, die später ganz aufhörten. Der Verlauf des Coitus 
ist normal geworden. Die Libido nahm ab. Die Erektionen waren 
schon besser. Sein Allgemeinbefinden war befriedigend, ruhiger. Nach 
dem Elektrisieren war er frisch und munter, so daß es auch seine 
Kollegen merkten. Die erotischen Träume wiederholten sich nicht 
mehr. Er mußte zur Verhandlung seines Prozesses in eine Provinz- 
stadt reisen. Er wurde verurteilt und man sperrte ihn auch sofort 
ein. Sein Verteidiger verlangte von mir über seinen Zustand ein Zeug- 
nis, aber wie es scheint, wurde es gar nicht berücksichtigt. Seither 
habe ich ihn nicht gesehen. Über seinen Zustand habe ich keine 
weiteren Daten. Ä 

Auch dieser Fall bietet genügende Anhaltspunkte dafür, daß man, 
wenn man die Ursache der Nervosität eines jungen Mannes sucht, 
an bas sexuelle Leben nicht vergessen darf. Viel unverständliche Dinge 
werden verständlich, wenn wir unser Augenmerk auch darauf richten. 

Aus diesen Fällen ist auch das ersichtlich, daß die These, nach 
der die Onanie durch den Reiz auf die Rückenmarkszentren gefährlich 
wird, hinfällig wird. Die das Onanieren unterlassen, kommen durch 
die übermäßige Spermaproduktion zu Pollutionen. Zur Zeit ihres sel- 
tenen Auftretens können sie sozusagen als physiologisch bezeichnet 
werden. Erst später, wenn die Atonie der Prostata bezw. der Samen- 
blasensphinkteren beginnt, nahmen die schweren Folgen ihren Anfang. 
Die alltägliche Onanie müsse ja aus mehreren Ursachen auf die Zen- 
tren einen größern Reiz ausüben, als die Pollutionen, die von Traum- 
bildern begleitet werden, und die auch seltener kommen, als man die 
Onanie betreibt. Im fortgeschrittenen Stadium begleitet sie ja nicht 
einmal des Reiz eines Traumbildes und doch ist die Wirkung eine 
viel größere. je schwächer die Sphinkter spermatocystae sind, um so 
größer ist die Libido, um so mehr stört sie die Gemütsstimmung des 


Patienten. Nicht die Pollutionen rufen den Rückenmarksreiz hervor. 
3 


— 146 -- 


Sondern die Angst, die Sorgen, die das Gemüt des Patienten beun- 
ruhigen, führen zur sexuellen Neurasthenie. Ein solcher Neurastheniker 
— Siehe Fall 4 — leidet vielmehr unter der Befürchtung, daß auch 
Andere seinen Gemütszustand und seinen Blick als „gestört“ erkennen 
werden, als von dem zentralen Reiz, den die Pollutionen, deren Spuren 
er morgens erkennt, hervorrufen. Wenn man in dem zentralen Reize 
die Ursache suchen müßte, würde das Unterlassen der Onanie den Reiz 
mäßigen. Es geschieht aber gerade umgekehrt. 

Nach längerer Pause ruft die gesteigerte Spermaproduktion die 
Pollutionen hervor, die sich mit der Zeit oft wiederholen. Und die da- 
mit einhergehende Verschlimmerung der Potenz und die anderen kleine- 
ren Unannehmlichkeiten fesseln die Aufmerksamkeit des Patienten und 
bringen ihm die Bedeutung seines Leidens zum Bewußtsein. 

Die Einzige, was vielleicht auch auf die Zentren wirkt, ist die 
gesteigerte Libido. Als Gefühl macht sie den Patienten viel Unge- 
legenheiten, aber auch das ist fraglich. Und doch bildet dies nicht 
den Kem der Klagen des Patienten, sondern die Pollutionen, die 
ohne Erektionen und Traumbilder oft nur durch einen Zufall kon- 
statiert werden. Solche und ähnliche Fälle beleuchten einigermaßen 
jene Fälle, in denen die jungen Ehemänner nach mehrtägiger Ehe 
Selbstmörder werden — aus unbekannten Gründen. 

Ich will hier nur eines Falles gedenken. Ein Patient erzählte 
mir, der Umstand, daß ihn ein Kollege, der an ähnlichen sexuellen 
Störungen gelitten hat, von seiner Verlobung verständigte, hätte ihn 
ihm die Vermutung aufkommen lassen, er sei schon geheilt. Er be- 
neidete ihn, denn es war eine Liebesheirat und dazu hatte er auch 
noch ein großes Vermögen. Und doch schoß er sich am fünften 
Tage seiner Ehe eine Kugel in den Kopf. Niemand hatte eine Ahnung, 
warum er es getan. Er aber ahnte die Veranlassung. 

So schwer auch die aufgezählten Fälle sind, darf man doch nicht 
annehmen, daß die Foigen der Onanie immer so schwere sind. Jeden- 
falls ist die Individualität des Betreffenden für die Folgen von großer 
Wichtigkeit; davon hängt alles ab, wie der Patient die Pollutionen oder 
die Onanie auffaßt. Drei von den Patienten waren sogar zu Militär- 
diensten geeignet, ein Beweis, daß ihre körperliche Entwicklung keinen 
solchen Schaden erlitten hat, wie man es nach übermäßiger Onanie 
hätte erwarten dürfen, wenn man von theoretischem Gesichtspunkte 
ausgeht. Das Gemüt ist es, das den Patienten krank macht. Das 
unruhige Gewissen, die hoffnungslose Zukunft, die Geheimtuerei, stören 


= MR = 


das Gemüt des Patienten. Kümmert sich aber der Betreffende nich: 
viel darum oder er kann die Bedeutung nicht begreifen, bleibt die 
schwere Neurasthenie aus. Es gibt auch solche Fälle. 

Ein 32 jähriger Husaren-Kapitain erzählte mir, sein Kindermädchen 
hätte, als er 4 Jahre alt war, mit der Hand an seinem Penis mani- 
puliert. Der hervorgerufene Reiz war angenehm — ihm und dem 
Kindermädchen. Später nahm sie seinen Penis in den Mund, was ihm 
sehr wohl tat, deshalb verschwieg er die Sache. Im Alter von 
6 Jahren traten Erektionen auf, wenn ihn die Frauen in den Schoß 
nahmen und ihn liebkosten. Im Alter von 8 Jahren versuchte er auf 
Anraten seiner Spjelgenossen zu onanieren. Der Reiz war angenehm, 
deshalb onanierte er täglich einigemal. Im Alter von 9 Jahren pflegte 
noch das Kindermädchen, wenn sie allein waren, den Penis in den 
Mund zu nehmen. Später nahmen sie gegenseitig Masturbationen vor. 
Im Alter von 10 Jahren traten schon Ejakulationen auf. Die Scham- 
haare fingen schon im Alter von 8 Jahren zu wachsen an, so daß er im 
Alter von 10 Jahren ein vollkommen entwickelter Mann war. In diesem 
Alter reizte ihn der Anblick der Steigung Deckhengste oder mangelhaft 
gekleideter Bauernmädchen. Der Anblick letzterer löste einen solchen 
Reiz bei ihm aus, daß ihm „das Wort in der Kehle stecken blieb, 
ohne daß er vom Coitus nur eine Ahnung gehabt hätte“. Im Alter 
von 10 Jahren coitierte er zum ersten Mal, aber der wahrgenommene 
Foetor machte ihm die Sache ekel. Er spielte wohl gerne mit den 
Bauernmädchen, aber er hatte vor dem Foetor eine Höllenangst. Des- 
halb coitierte er nicht, sondern er onanierte bis zu seinem 14. Lebens- 
jahre. Nachdem er das Onanieren eingestellt hatte, traten Pollutionen 
auf. Auch noch im Alter von 16 Jahren traten sie wöchentlich 
2—3 mal, manchmal in einer Nacht auch mehreremal auf, obgleich 
er sehr oft coitierte. Im Alter von 16 Jahren fiel es ihm auf, daß die 
Potenz, von deren Unvollkommenheit er bisher nichts wußte, geschwächt 
ist, so daß er den Akt nicht wiederholen konnte. Im Alter von 
17 Jahren coitierte er 4 Monate lang täglich. Der Coitus verlief rasch, 
aber später schien sich der Verlauf gebessert zu haben. Vom 17. 
bis zum 24. Jahre lebte er sehr unregelmäßig. Er trank viel, er 
coitierte oft, aber ohne System. Nachher führte er 1 Jahr lang ein 
ordentlicheres sexuelles Leben. Im Alter von 25 Jahren heiratete er; 
drei Monate lang coitierte er täglich. Seine Frau wurde krank und 
er abstinjerte *”’, Jahr. Während dieser Zeit hatte er Pollutionen. Im 
Alter von 27 Jahren verkehrte er wöchentlich 1—2 mal mit Frauen, 

| 3* 


— 148 — 


aber er abstinierte auch Wochen iang. Im Alter von 29 Jahren coitierte er 
1}, Jahr lang wieder täglich. Später nahm er immer nur 1 —2 mal monatlich 
einen Coitus vor. Aber diese Akte ließen schon viel zu wünschen übrig. 

Morgens hat er niemals Erektionen; sie stellten sich manchmal 
in wachem Zustande ein. Beim Coitus trat erst nach längerer Zeit 
eine schwache Erektion auf, die während der Coiten noch schwächer 
geworden ist. Ejakulationen waren nicht rasch und periodisch; nach- 
her hörte die Erektion auf. Das Gefühl der Befriedigung trat nicht 
auf, denn das Wollustgefühl war sehr schwach, der Anblick einer 
schönen Frau reizt ihn wohl, aber es stellt sich weder Erektion noch 
Urethrorrhoe ein, manchmal erst nach längerer Zeit. 

Er uriniert täglich 5—6 mal, es endet tröpfelnd, aber man kann 
auch einen schwachen Nachspritzer wahrnehmen. Im Alter von 18 
Jahren hatte er eine 5 Jahre anhaltende Blennorrhoe. Während dieser 
Zeit hatte er 8 mal Epididymitis, 6 mal linksseitige, 2 mal rechtsseitige. 
Im Alter von 26 Jahren infizierte er sich mit Lues zusammen noch 
einmal und auch während dieser Zeit hatte er eine Epididymitis. 

Auf eine mäfig eitrige Prostatitis hinweisende Eiterzellen fand 
ich, aber Sperma nach einmaliger Untersuchung nicht. 

Obgleich er als leichtlebiger und leichtsinniger Offizier die be- 
kannten Perversitäten versucht hat, zeigte er dafür gar keine Neigung, 
sondern er gab dem normalen Coitus den Vorzug. Daß dieses fürchterlich 
kritische Vorleben bei ihm keine Veränderung hervorgerufen hat, ist 
dem Umstande zuzuschreiben, daß er ein lustiges Leben führte, an 
Reit- und Fechtübungen teilnahm und so seinen Körper stählte. So- 
lange er unmäßlig coitierte, wußte er gar nicht, daß die Potenz nicht 
normal ist. Dies fiel ihm erst dann auf, als er damit Maß zu halten 
anfing. Die aufgetretenen kleineren Impotenzstörungen fielen ihm auf, 
aber wie es scheint, hat ein neuerdings angeknüpftes Verhältnis seine 
Lage erträglich gemacht. 

Auch solche Fälle sind möglich — ut figura docet. 


Il. Notizen. 





Das von Dr. E. Graetzer-Sprottau verfaßte „Vademecum für die Kinder- 
praxis" hat der bekannte New-Yorker Kinderarzt Dr. Hermann B. Sheffield 
ins Englische übertragen. 

In der Arbeit von Dr. Jooß-München über „Keratosis der Harnröhre“ 
muß es am Schlusse heißen: 1% Suprareninlösung, statt 1°) Suprareninlösung 
(siehe Heft 1 dieser Monatsschrift). 











„| 


— 149 — 


Bund für Mutterschutz. 


Aufruf. 


Unsere Zeit läßt dem Kranken und Siechen mehr öffentliche Pflege 
angedeihen, als irgend eine frühere, duldet daneben aber Zustände, die 
erst den Niedergang des von Natur Gesunden zur Folge haben. Man 
empfiehlt Eheverbot für organisch Kranke und befürwortet Staats- 
prämien für Eheschließungen gesunder jugendlicher Personen, um den 
Bevölkerungszuwachs zu verbessern. Wir haben aber bereits heute 
einen trefflichen Nachwuchs, den wir nur kläglich zugrunde gehen lassen: 


Rund 180000 uneheliche Kinder 


werden jährlich in Deutschland geboren, nahezu ein Zehntel aller Ge- 
burten überhaupt. Und diese gewaltige Quelle unserer Volkskraft, 
bei der Geburt meist von hoher Lebensstärke, da ihre Eltern in der , 
Blüte der Jugend und Gesundheit stehen, lassen wir verkommen, 
weil eine rigorose Moralanschauung die ledige Mutter brandmarkt, ihre 
wirtschaftliche Existenz untergräbt und sie damit zwingt, ihr Kind 
gegen Bezahlung fremden Händen anzuvertrauen, — ein Zustand, dessen 
verhängnisvolle Konsequenzen jüngst wieder der Prozeß Wiese, Ham- 
burg, uns kraß vor Augen geführt hat. 

So sterben denn bereits in und vor der Geburt 5 °% der unehe- 
lichen Kinder gegen 3 %, des Reichsdurchschnittes, im ersten Lebens- 
jahre 28,5 %, gegen 16,7 %,, so daß überhaupt nur ein geringer Bruchteil 
zur Reife erwächst. Wie dessen weitere Entwicklung sich aber gestaltet, 
geht daraus hervor, daß von den als verwahrlost der Zwangs-Fürsorge- 
Erziehung übergebenen Kindern nicht weniger als 17 °% unehelich 
waren! Und während nur ein verschwindender Prozentsatz als militär- 
tauglich befunden wird, rekrutiert sich die Welt der Verbrecher, Dirnen 
und Landstreicher zu einem erschreckenden Teil aus unehelich Ge- 
borenen. So züchten wir durch ein unbegründetes moralisches Vor- 
urteil künstlich ein Heer von Feinden der menschlichen Gesellschaft. 
Dabei ist die Geburtenziffer an sich in Deutschland in relativem Rück- 
gang begriffen: Auf 1000 Lebende entfielen 1876 noch 41 Geburten, 
1900 nur noch 35'/,! Die sorgsame Erhaltung jedes gesund geborenen 
Kindes ist also in jeder Hinsicht ein Gebot rationeller Rassenhygiene 
und wichtig für die Erhaltung unserer Volks-Kraft und -Gesundheit. 

Man hat uun versucht, mit Kinderkrippen, Findelhäusern u. dergl. 
hier einzugreifen. Aber Kinderschutz ohne Mutterschutz ist 
und bleibt Stück werk; denn die Mutter ist die kräftigste Lebensquelle 
des Kindes und zu seinem Gedeihen unentbehrlich. Wer ihr Ruhe und 
Pflege in ihrer schwersten Zeit gewährt, ihr eine wirtschaftliche Existenz 
für die Zukunft sichert, sie vor der kränkenden und das Leben ver- 
bitternden Verachtung ihrer Mitmenschen bewahrt, der schafft damit 
auch die Basis für leibliches und geistiges Gedeihen des Kindes und zu- 
gleich einen starken sittlichen Halt für die Mutter selbst. Dies will der 

Bund für Mutterschutz: 


nude nn _ 


150 


Er will Heimstätten schaffen, in welchen alle gesunden und 
arbeitswilligen unehelichen Mütter willkommen sind, die den ernst- 
lichen Wunsch haben, ihre Kinder zu gesunden und nützlichen Menschen 
selbst zu erziehen. Tunlichst auf dem Lande oder in ländlichen Vor- 
orten der Städte sollen sie in gärtnerischer Bodenbearbeitung, in land- 
wirtschaftlichen Nebenbetrieben oder in gesundheitlich einwandsfreier 
gewerblicher Tätigkeit wirtschaftliche Selbständigkeit gewinnen, unter 
gleichzeitiger Fürsorge für eine zweckmäßige Pflege und Erziehung 
der Kinder, Gewährung von Rechtsschutz und ärztlicher Hülfeleistung. 
Die Erfahrung hat gezeigt, daß ein derartiges Vorgehen auch den 
Wünschen vieler Väter entspricht und dazu beiträgt, deren Beihülfe und 
Interesse für Mutter und Kind zu erhalten. Hand in Hand mit diesen 
Maßnahmen sollen ein umfassender gesetzlicher Mutterschutz, eine all- 
gemeine Niederkunftsversicherung u. ä. Ziele in Angriff genommen werden. 

Um diese Bestrebungen aber planmäßig und auf breitester Basis 
verfolgen zu können, ist die tätige Hülfe und Beteiligung weiter Volks- 
kreise unerläßlich. Deshalb richten die Unterzeichneten an alle ihre 
Mitbürger die dringende Aufforderung, durch ihre praktische Mitarbeit 
und finanzielle Unterstützung die Erreichung unseres Ziels zu sichern 
und zu beschleunigen. 


Dr. med. A. Blaschko, Berlin. 

Dr. phil. Hugo Boettger, M. d. R., 
Berlin - Steglitz. 

Dr. phil. Walter Borgius, Groß- 

- Lichterfelde. 

Lily Braun, Berlin. 

Ruth Bré, Hermsdorf a. Kynast. 

Gräfin Gertrud Bülow v. Denne- 
witz (Gisela v. Streitberg), Dresd. 

Dr. M. G. Conrad, München. 

A.Damaschke, Berlin. 

Hedwig Dohm, Berlin. 

Prof. Dr. Chr. v. Ehrenfels, Prag. 

Gch. Medizinalrat Prof. Dr. Erb, 
Heidelberg. 

Arbeitersekretär A. Erkelenz, Düs- 
seldorf. 

Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Eulen- 
burg, Berlin. 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Flechsig, 
Leipzig. 

Prof. Dr.Max Flesch, Frankfurt a. M. 

Prof. Dr. med. A. Forel, Zūrich. 

Prof. Dr. E. Francke, Berlin. 

Henriette Fürth, Frankfurt a. M. 

Dr. med. Agnes Hacker, Berlin. 

Dr. med. Wilh. Hammer, Berlin. 

Geh. Rat Prof. Dr. med. Hegar, Ex- 
zellenz, Freiburg i. B. 

Frau Syndikus Clara Hirschberg, 
Berlin. 

Prof. Dr. jur. Jos. Kohler, Berlin. 

Dr. med. Landmann, Eisenach. 

Maria Lischnewska, Spandau. 


Geh. Justizrat Prof.Dr. v. Lißt, Ber- 
lin- Charlottenburg. 

Amtsrichter Dr. Lucas, M. d. R, 
Langenselbold. 

Dr. med. Max Marcuse, Berlin. 

Dr. med. Mensinga, Flensburg. 

Gutsbesitzer u. Bezirksamtsassessor 
a. D. H. Meyer, München. 

Prof. Dr. Bruno Meyer, Berlin. 

Metta Meinken, Bremen. 

Klara Muche, Merxheim a. d. Nahe. 

Frl. Dr. med. Moesta, Leipzig. 

Landgerichtsrat Müller, M. d. R., 
Meiningen. 

D. theol. Friedrich Naumann, Ber- 
lin- Schöneberg. 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Neisser, 
Breslau. 

Dr. med. Franz Oppenheimer, 
Berlin- Wilmersdorf. 

Prof. Dr. med. Pelman, Bonn. 

Dr. med. Alfred Plötz, Berlin- 
Schlachtensee. 

Dr. phil. Heinz Potthoff, M. d. R., 
Berlin - Charlottenburg. 

Frau Dr.Rabinowitsch-Kempner, 
Berlin. 

Gabriele Reuter, Berlin. 

Dr. med. Carl Ries, Stuttgart. 

Adele Schreiber, Berlin- Char- 
lottenburg. 

Heinrich Sohnrey, Berlin - Steglitz. 

Prof. Dr. phil. W. Sombart, Breslau. 

Frau:Marie Stritt, Dresden. 





Dr. phil. Helene Stöcker, Berlin- Dr. phil. Bruno Wille, Friedrichs- 
Wilmersdorf. hagen. 
Irma v. Troll-Borostyani, Salz- Dr. med. L. Wilser, Karlsruhe. 


burg. Dr. phil. et med. L. Woltmann, 
Prof. Dr. jur. Max Weber, Heidelberg. Eisenach. 


Der Erwerb der Mitgliedschaft erfolgt durch formlose Anmeldung 
bei der Geschäftsstelle unter gleichzeitiger Übersendung eines — von jedem 
einzelnen nach seiner wirtschaftlichen Lage selbst zu bestimmenden — Jahres- 
beitrags, dessen Quittung als Mitgliedskarte gilt. Um möglichst weiten Kreisen 
die Teilnahme zu ermöglichen, werden Beiträge bis zu 1 Mk. herab entgegen- 
Ben, Doch bitten wir dringend alle besser situierten Freunde unserer 

estrebungen, diese durch Zuwendung reichlicher Mittel zu fördern. Im Hin- 
blick auf die Kosten der ersten Propaganda, sowie der ersten Einrichtung von 
Mutterkolonien werden einmalige größere Beiträge mit besonderem 
Danke angenommen. 

Ferner sind uns oesonders willkommen Meldungen von Freunden der 

Sache, welche bereit sind, die (sich bereits meldenden) ledigen Mütter mit 
ihren Kindern aufzunehmen, sie event. in ihrem Wirtschaftsbetriebe zu be- 
schäftigen oder ihnen sonst eine (sei es auch nur vorläufige) Unterkunft und 
Existenz zu beschaffen, ferner uns geeignete Siedelungsterrains nachzuweisen, 
Arbeitsgelegenheit zı vermitteln. 
Die Gründung von Ortsgruppen, Einsetzung lokaler Vertrauensper- 
sonen, Veranstaltung von Öffentlichen Versammlungen, Herausgabe eines 
Organs und sonstige propagandistische Tätigkeit durch Wort und Schrift 
werden in Kürze in Angriff genommen werden. 


Die Geschäftsstelle: Dr. Max Marcuse, Berlin W., Leipzigerstr. 24. 






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Heft 4. Aprit 1905. Jahrgang Il. 


ae 


/ 


l. Originalarbeiten: 

ans Pollock-Freiburg i. Br.: „Zur Technik der Endoskopie.“ (Mit einer 

bbildung.) 

2.!Benninghoven- Berlin: „Über Jodfersan bei Lues.“ 

3. | Julian Marcuse- Mannheim: „Zur Behandlung der Gonorrhoe.“ 

44 Ries-Stuttgart: „Bericht über den Il. Kongreß der Deutschen Gesell- 

schaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, München den 17. 

u. 18. Mārz 1905.“ 

. Steinborn-Thorn: „Einige dunkle Punkte in der gegenwärtigen Lehre 
von der Syphilis.“ 

6. M. Lavaux- Paris: „Über die Anästhesierung der Nieren und oberen 

Harnwege.“ 


ILS Referate: 


1. v. Reuß: „Ein Fall von orthotischer Albuminurie im Anschlusse an 
Nephritis.“ 

2. M. Thiemich: „Über den Einfluß der Kalisalze auf die Eiweißaus- 
scheidung bei Nephritis. 

3. L. Bolton Bangs: „Hematuria as a symptom of Hydronephrosis.“ 
Nephrectomy. Cure. i 

4. Max Petrenz: „Über multiple Adenombildung in Schrumpfnieren.“ 

5. France: „A Case of Criptorchidism.“ 

6. Rosenberger: „Presence of Tubercle Bacills in the Urine of Patients 
suffering with Pulmonary Tuberculoce.“ 

7. Georg Berg: „Styptol in der urologischen Praxis.“ 

8. R. Kaufmann: „Über Styptol und seine Anwendung bei Blutungen der 
Harnorgane.“ | 

9. Alfr. Götzl: „Die Behandlung der Enuresis mit epiduralen Injek- 
tionen.“ | 

10. Kornfeld: „Zur Ätiologie und Klinik der Bakteriurie.“ 


Inhaltsübersicht. 











— 154 — 


11. C, Polletzer: „Kreuzschmerz und Dysurie bei kranken Frauen.“ 

12. J. Straßdurger: „Der qualitative Nachweis des Zuckers im Urin.“ 

13. Emil Herrmann: „Beitrag.zur chirurgischen Behandlung der Bubonen.“ 

14. R. Lucke: „Zur Behandlung der Trippermetastasen des Mannes.“ 

15. C. Brehmer : „Über Gonococcensepsis der Meugeborenen.“ 

16. Galewsky: „Über lösliches Kalomel (Kalomelo!l).“ 

17. Löwenfeld: „Über sexuelle Abstinenz.“ 

18. v. Dühring: „Über Quecksilberwirkung.“ 

19. Unschuld: „Noch eine Mitteilung über Balsamum peruvianum.“ 

20. Lieven: „Therapeutische Notizen zur Syphilisbehandlung.“* 

21. Alfred Langen: „Kasuistische Beiträge zur Lehre vom Exhibitionismus.“ 

22. L. Tobler: „Über funktionelle Muskelhypertrophie infolge ‚exzessiver 
Masturbation.“ \ 

23. C, Hamburger: „Zum 8 218 des Reichs-Strafgesetzbuches.‘“ \ 

24. W. Zeuner: „Neuere Mittel zur Verhütung der Geschlechtskrakkheiten.“ 

25. „Berliner Dermatologische Gesellschaft.“ (Sitzungsberichte vom 10. Ja- 
nuar 05 und vom 14. Februar 05.) 


II. Besprechungen: 


1. Otto Mankiewicz: „Kunstbuch.“ 
2. Fr. Hißbach: „Neue Mittel und Wege zur Heilung der Xucker 
krankheit.“ 


l. Originalarbeiten. 


Zur Technik der Endoskopie. 


Von Dr. Hans Pollock-Freiburg i. Br. 
(Mit einer Abbildung.) 





Trotzdem manche Urologen den wirklichen Wert der Endosk 
pie gering anschlagen, hat diese Untersuchungsmethode in der Ur? 
logie doch festen Fuß gefaßt, und es sind eine ganze Anzahl von IP 
strumenten entstanden, welche die Technik dieses Verfahrens v 
besserten, sodaß jetzt sehr vollkommene, den weitgehendsten Ansprüch Ä 
genügende Apparate im Gebrauch sind. So wichtig wie ein gutdß 
Funktionieren des Instrumentes selbst, ist wohl auch die gute Reini d 







gung des Gesichtsfeldes, wenn man deutliche Bilder erhalten will. Ic 
glaube aber nicht, daß das jetzt gebräuchliche Tupfermaterial un 
seine Anwendung Anspruch auf Vollkommenheit machen können. Es 









dürfte wohl wenig Urologen geben, welche mit den Wattetupfer 
nicht einmal unangenehme Erfahrungen gemacht hätten, sei es, d 
dieselben sich leicht auffaserten und Reste davon in der Harnré 
zurückblieben, oder daß sie sich ganz von den Tamponträgern 


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— 155 — 


streiften. Geschieht es bei der Endoskopie des vorderen Harnröhren- 
abschnittes, so wird die Watte durch das Harnen leicht entfernt. Tritt 
dieser unangenehme Zufall aber bei der Untersuchung des hinteren 
Harnröhrenabschnittes ein, dann kommt es zu starken Reizerscheinungen 
und quälendem Harndrang, bis endlich die Watte die Harnröhre per 
vias naturales verlassen hat. ich selbst habe leider dreimal den Watte- 
tampon in der hinteren Harnröhre verschwinden sehen, ohne ihn mit 
der Fremdkörperzange wieder fassen zu können. Ich verwendete die 
von den meisten Autoren (Kollmann, Oberländer, A. v. Frisch, 
Joseph, Casper, Scholz u. A.) angegebenen Wattetupfer, die an 
einen, mit Gewinde versehenen Drahtstab angedreht werden. Um ein 
Abgleiten zu verhindern, ließ ich die Stäbchen vorn mit Widerhaken 
versehen, doch ohne Erfolg. Dann konstruierte ich mir einen Halter 
nach dem Muster des Sims’schen Schwammhalters und erhielt so 
ein Instrument, das dem Grünfeld’schen Tamponträger sehr ähnlich 
ist. (Ich fand G.’s Modell später in einem Katalog und wundere mich, 





daß dieses Instrument in keinem der modernen urologischen Werke 
erwähnt ist). Dieser Halter hielt nun die Watte fest, doch konnte 
er ein Auffasern derselben auch nicht verhindern, da die Watte ziem- 
lich locker gerollt sein muß, wenn sie gut aufsaugen soll, 

Ich suchte nun nach einem anderen Tupfermaterial. Durch das 
freundliche Entgegenkommen der bekannten Verbandstofffabrik Paul 
Hartmann (in Heidenheim in Württemberg) war ich in der Lage, ver- 
schiedene Arten von Tupfern ausprobieren zu können. Als besten Ersatz 
für die Wattetupfer fand ich eine Kombination von Gaze und Zellstoff- 
watte!), und zwar so, daß ein Röllchen von Zellstoffwatte mit einer Schicht 


Gaze überzogen ist. 
Diese Tupfer haben sich mir sehr gut für die Endoskopie be- 


1) Zellstoffwatte besteht aus der für die Papierfabrikation Verwendung 
findenden Cellulose. Diese wird durch Bearbeitung im „Holländer“ in eine 
Breimasse verwandelt und so auf einer einfachen Papiermaschine in poröse 
Form gebracht, die man im trockenen Zustand mehrfach über einander 
schichtet, bis die Dicke der Zellstoffwatte, wie sie in den Handel kommt, er- 


reicht ist. 





—— 16 — 


‘währt und dürften wohl auch für otologische und rhinologische Zwecke 
gut verwendbar sein. Sie sind 2 cm lang und haben einen Durch- 
messer von 0,5 cm, sodaß sie für die Tuben von 23 Ch. an gut passen. 
Den Tubus 21 Ch. habe ich nicht berücksichtigt, da ja nach den 
“Untersuchungen von Kollmann und Oberländer!) nur 2—3% 
von 300 untersuchten Patienten ein so enges orificium ext. hatten, 
daß der Tubus 23 nicht anwendbar war. In diesen Fällen würde ich, 
wenn eine Endoskopie nötig ist, immer die Meatotomie vorausschicken, 
da das durch den Tub. 21 gelieferte Bild doch nicht viel erkennen läßt. 

Die Zellstoffwatte-Tupfer haben folgende Vorteile: 

Sie saugen die Flüssigkeit im Tubus (Schleim, Blut, Gleitmittel) 
viel besser und schneller auf wie die gewöhnliche Watte. Dadurch 
‘wird das endoskopische Bild deutlicher. Matte, glanzlose Stellen, Epi- 
theldefekte, entzündete Littre’sche Drüschen werden besser erkennbar, 
unangenehme Lichtreflexe werden vermieden, Insbesondere werden 
die störenden Blutungen bei der Endoskopie der hinteren Harnröhre 
schnell beseitigt, zumal, wenn man den Tupfer etwas liegen läßt, da- 
mit er sich gut vollsaugen kann. Ein weiterer Vorteil ist der, daß 
die. Vorbereitung zur Endoskopie wesentlich verkürzt wird. Bisher 
mußte man sich die Tupfer unmittelbar vor der Endoskopie aus steriler 
Watte selbst herstellen und an die Drahtstäbe andrehen, wobei es 
wohl öfters vorkam, daß sich einige Tupfer beim Gebrauch als für 
den betreffenden Tubus zu dick erwiesen und unbrauchbar waren 
(übrigens bot dieses Andrehen der Watte eine zweifelhafte Garantie 
für die Asepsis).- Wurden die Tupfer aber schon an den Stäbchen 
befestigt sterilisiert, so lockerten sie sich leicht auf und mußten vor 
dem Gebrauch nochmals festgedreht werden. Diese Übelstände ver- 
meiden diese neuen Tupfer, da sie alle gleich dick sind und sich weder 
beim Sterilisieren noch während der Aufbewahrung auflockern. Sie 
werden, da sie immer gebrauchsfertig bereit liegen, vor der Endoskopie 
in den Haltern befestigt und zwar so, dafs die Branchen nur die halbe 
Länge derselben bedecken und das freie Ende der Gaze, welche mit 
keinem Bindemittel an der Zellstoffwatte befestigt ist, direkt unter eine 
der Branchen zu liegen kommt. : Dann wird der Ring des Halters vor- 
geschoben. Welche Anzahl von Tupfern für die Endoskopie nötig ist, 
hängt natürlich vom einzelnen Fall ab. Ich lege mir gewöhnlich 10 


1) Kollmann und Oberländer: Die chronische Gonorrhoe der männ- 
lichen Harnröhre. Teil I, (1901) S. 79. 





erg ze 


bis 12 Tupfer zurecht. Genügt aber diese Anzahl nicht, so lassen sie 
= sich schnell durch neue ersetzen. | 

Die Tupfer werden von oben genannter Firma in 2 Packungen 
in den Handel gebracht. Die eine Packung, welche sich für größere 
Polikliniken und Krankenhäuser eignet, enthält 1000 Tupfer und kostet 
3 M. Die andere Packung ist für solche Ärzte bestimmt, die sich 
einen größeren Vorrat nicht halten wollen. Es sind je 10 Tupfer 
(also gerade für eine Endoskopie ausreichend) in Filtrierpapier verpackt 
und sterilisiert, also gebrauchsfertig. In einem Karton sind 5 solcher 
Päckchen enthalten. In dieser Packung kosten 1000 Tupfer 7 M., doch 
sind die Kartons auch einzeln erhältlich. | 

Die von der Firma Franz Rosset (Freiburg i. Br.) hergestellten 
Tupferhalter unterscheiden sich von dem Grünfeld’schen Modell durch 
längere Branchen und massiven Griff und sind jenem vollständig gleich- 
wertig. Sie kosten 1.50 M. pro Stück, während das Grünfeld’sche 
Modell mit 2.50—3 M. bezahlt wird. 


Über Jodfersan bei Lues. 


Von Prof. Dr. Benninghoven-Berlin. 


Das Fersan erfreut sich infolge seiner hervorragenden Eigen- 
schaften und seiner besonders günstigen Wirkung auf die Verdauungs- 
organe bereits einer so großen Beliebtheit bei der Behandlung aller 
Arten von Anämie, daß es wohl nahe lag, es auch in denjenigen Fällen 
von Lues zur Anwendung zu bringen, welche mit auffallender Abnahme 
des Körpergewichts und gleichzeitiger Verminderung der roten Blut- 
körperchen einhergehen. Dies ist denn auch bereits von mehreren 
Seiten geschehen und zwar, wie berichtet wird, mit gutem Erfolge, 
Nachdem nun aber die Fersanwerke zu Wien neuerdings eine Kombi- 
nation des Eisens mit Jodkali in Form der Fersan-Pastillen auf den 
Markt gebracht haben, hielt ich es für angebracht, die Wirkung dieser 
Jodfersan-Pastillen bei Lues in meiner Praxis zu erproben, zumal ich 
mir aus der Kombination des Jodkalis mit Eisen und Phosphor (Be- 
standteile des Fersan) gerade bei Lues eine ganz besondere Wirkung 
. versprach. 

Wie aus den zahlreichen über Fersan erfolgten Veröffentlichungen 
hervorgeht, wird dasselbe aus frischem Rinderblut in der Weise ge- 
‚wonnen, daß durch einen komplizierten Prozeß das Eiweiß der roten 


— 158 — 


Blutkörperchen gespalten wird, wobei als Niederschlag ein phosphor- 
und eisenhaltiges Acidalbuminat entsteht. Letzteres wird im weiteren 
Verlauf des Prozesses mit Alkohol gewaschen, im Vacuum getrocknet 
und bildet dann das pulverförmige Fersan. Dieses enthält den Phos- 
phor vollständig, das Eisen fast ganz, organisch gebunden, und was 
das Wesentliche ist, ca. 90%, Acidalbumine. Das Fersan stellt nach 
dem Trocknen ein schokoladenfarbiges, braunes, geschmackloses Pulver 
dar, welches in Wasser löslich ist. 

Die genaue chemische Zusammensetzung des Medikamentes er- 
gibt sich aus folgender, an der allgemeinen Untersuchungsanstalt für 
Lebensmittel in Wien festgestellten Analyse: 


Wassergehalt 11,91 % 


Asche 4,56 % 
Phosphorsäure 0,1203 %, 
Eisen | 0,3724 °% 


Chlornatrium 3,83 Yo 

Gesamtstickstoff 13,315 % 

Acid-Stickstoff 0,2128 % 
Eiweiß-Stickstoff 13,1022%, = 81,89%, Eiweiß. 


Auf Trockensubstanz berechnet: 


Wasserlöslicher Anteil 96,90 %, 
Wasserlösliches Eiweiß 88,80 %. 


Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß das Fersan als ein ganz 
vorzügliches Nährmittel, aber auch als Kräftigungs- und nervenstärken- 
des Mittel ersten Ranges zu betrachten ist. Eine ganz besondere 
Wirkung entfaltet es daher bei allen schweren Fällen von Anämie, die 
mit nervösen Störungen einhergehen, wie dies bei vielen Fällen von 
schwerer Lues der Fall ist. Dies wird dann auch in den Berichten 
von Dr. Sigmund Kornfeld, Dr. J. Silberstein, Dr. Hönig- 
schmidt, Dr. Alfred Brunner hervorgehoben. Diese Wirkung des 
Fersans erklärt sich wohl einerseits aus seinem Gehalt an Phosphor, 
dann aber auch aus seiner Eigenschaft, den Magen unverändert zu 
passieren und erst im Darm vollständig zur Resorption zu gelangen. 
Noch eine Anzahl anderer Eigenschaften werden dem Fersan nachge- 
rühmt, wie ich mich überzeugt habe, mit Recht, die uns besonders 
bei seiner Benutzung in Fällen von tertiärer Lues wertvoll erscheinen 
müssen: Es hat keinen unangenehmen Geruch oder Geschmack und 
wird von den Verdauungsorganen, ohne unangenehme Wirkungen her- 








ge neu — Be 
ie 


— 159 — 


vorzurufen, ertragen. Es übt keinen Reiz auf den Darm aus und färbt 
den Stuhl nicht schwarz, ein Beweis, daß das in ihm enthaltene Eisen 
fast vollständig vom Körper resorbiert wird: Wenn wir alle diese 
günstigen Wirkungen des Fersan ins Auge fassen und gleichzeitig die 
anerkannte Heilwirkung des Jodkali bei tertiärer Lues berücksichtigen, 
so dürfen wir wohl von vornherein annehmen, daß eine Kombination 
beider Mittel, wie sie uns in den Jodfersan-Pastillen vorliegt, besonders 
wirkungsvoll sein müsse. Wenngleich das Jodfersan zweifellos auch 
in einer ganzen Reihe von anderen Krankheitsfällen: wie Skrofulose, 
Drüsenschwellungen, Bronchialkatarrhen etc. gute Dienste leisten wird, 
so beschränken sich meine Beobachtungen doch nur auf seine Wirk- 
samkeit bei Lues, und zwar beobachtete ich nicht nur Patienten im 
Spätstadium der Krankheit, sondern ich wandte das Medikament auch 
bei Patienten im Sekundärstadium in mir geeignet erscheinenden Fällen 
an und zwar hauptsächlich da, wo nach reichlicher Quecksilberzufuhr 
ein Aussetzen mit letzterem Medikament geboten erschien, oder wo 
sich die Patienten weigerten, auf weitere Quecksilberbehandlung ein- 
zugehen. In allen von mir behandelten Fällen handelte es sich um 
sehr anämische, deutliche luetische Symptome zeigende Patienten. Die 
von mir bei meinen Versuchen benutzten, zur Zeit im Handel befind- 
lichen Jodfersan-Pastillen stellen eine Kombination von vier Teilen Fersan 
mit einem Teil Jodkali dar, derart, daß jede Pastille 0,2 gr. Fersan 
enthält und 0,05 gr. Jodkali. Ich gab durchweg 4mal täglich 3 oder 
2mal täglich 6 Pastillen vor den Mahlzeiten und konstatierte, daß in 
einigen Fällen bereits nach 14 Tagen eine Zunahme der roten Blut- 
körperchen, Besserung des Allgemeinbefindens und eine Erhöhung des 


'Körpergewichtes stattfand, auch die luetischen Erscheinungen ließen 


in einer größeren Anzahl von Fällen auffallend rasch nach. Eine Be- 
lästigung des Magens (Aufstoßen, Erbrechen, Übelkeit) war nur in 
einem Falle zu konstatieren, und da handelte es sich um einen pota- 
tor strenuus, dessen Aussagen unzuverlässig waren. In den meisten 
Fällen wurden die Pastillen gern genommen und auch von alten Lu- 
etikern, die mit dem Gebrauch des Jodkali schon vertraut waren, 


„immer wieder verlangt, hauptsächlich wohl deshalb, weil die Jodkali- 


therapie bei Anwendung der Fersanpastillen viel leichter durchzuführen 
ist und weniger umständlich, weil leichter zu handhaben, wie bei Ver- 
ordnung des Jodkali in wässriger Lösung. Meine Versuche mit Jodfer- 
san erstrecken sich auf die Dauer von ca. 6 Monaten. Wenngleich ich 
also, da es sich um eine so chronische Krankheit wie die Lues handelt, 


— 160 — 


ein abschließendes Urteil noch nicht gewinnen konnte, so kann ich 
doch heute schon die Benutzung des Jodfersans bei tertiärer Lues an- 
gelegentlichst empfehlen. (zumal ich in. keinem einzigen Falle Jodakne 
oder sonstige Zeichen von Jodintoxikation beobachtete). Ich halte es 
auch in allen denjenigen Fällen für indiziert, in denen die Anwendung 
des Quecksilbers aus irgend einem Grunde kontraindiziert ist, oder 
wegen bereits vorhergegangener ausgiebiger Hg-Behandlung abge- 
lehnt wird. | 

Die Jodfersan-Pastillen sind in 2 Formen erhältlich: 

1) Jodfersan-Pastillen für Erwachsene; Zusammensetzung wie 
schon erwähnt Kal. jodat. 0,05, Fersan 0,2 und 

2) Jodfersan-Schokolade-Kinder-Pastillen; Zusammensetzung Kal. 
jodat. 0,02, Fersan 0,25. 

Die Jodfersan-Pastillen in Original-Kartons enthalten 100 Stück; 
Preis in Privatpackung 3 M., in Kassenpackung 2,50 M.; die Kinder- 
Pastillen, welche sehr angenehm schmecken und deshalb von Kindern 
gern genommen werden, sind in Schachteln a 50 Stück erhältlich; 
Preis in Privatpackung 2,50 M., in Kassenpackung 2,20 M. Während 
die Pastillen für Kinder wie Schokolade zerkaut werden, sind die 
Pastillen für Erwachsene so eingerichtet, daß sie bequem herunter- 
geschluckt werden können; es schadet aber auch nichts, wenn sie 
zerkaut werden, da sie keinerlei den Zätınen schädliche Stoffe ent- 
halten. Dosis: Je nach Indikation mehrmals täglich vor dem Essen 
3 Stück, u. zw. — je nach der Schwere des Falles —: 3—5 mal täglich. 
Höhere Dosen habe ich nicht angewandt, da ich mit der Wirkung 
zufrieden war. 

Zum Schlusse einige Krankengeschichten: 

1. Maschinenbauer M., seit 3 Jahren luetisch erkrankt, hat in der 
Zwischenzeit drei Schmierkuren (je 30 Kugeln A 4 Gr.) gemacht, 
außerdem im letzten Jahre mehrfach Merkolinthschurz getragen. Sta- 
tus am 15. April 1904: Außer mäßig geschwollenen Ing@einaldrüsen und 
zeitweilig sich einstellenden Placques der Mundschleimhaut keine wei- 
teren luetischen Symptome. Zur Zeit besteht ein kleines Geschwäür- 
chen am weichen Gaumen, von dessen Existenz Patient nichts weiß; . 
Herzuntersuchung ergibt nichts Anormales, der Patient ist jedoch 
sehr anämisch und klagt besonders darüber, daß ihm das Treppen- 
steigen schwer falle. Leistendrüsen beiderseits ziemlich stark ge- 
schwollen. Verordnung von essigsaurer Tonerde zum Mundausspülen, 
Ätzen des Geschwürs mit Chlorzink; Jodfersanpastillen 4 mal täglich 





3 Stück. Status am 29. April: Geschwür am weichen Gaumen ab- 
geheilt, Drüsen noch geschwollen ; Patient gibt an, seit Gebrauch der 
Pastillen kolossalen Appetit bekommen zu haben. Gesichtsfarbe be- 
deutend besser, Allgemeinbefinden ebenfalls. Status am 25. Mal: 
Patient fühlt sich sehr wohl, sieht gut aus und hat keine Klagen mehr; 
es bestehen keinerlei Symptome mehr, außer den noch mäßig ge- 
schwollenen Inguinaldrüsen, die aber auch sehr zurückgegangen sind. 

2. Ingenieur U., vor vier Jahren luetisch erkrankt und seit der 
Zeit noch nicht ohne luetische Symptome gewesen, laboriert seit ca. 
6 Wochen an starkem Haarausfall, weswegen er wieder ärztliche Be- 
handlung aufsucht. Die am 2. Mai vorgenommene Untersuchung er- 
gibt: Starke Nervosität, mäßige Herzerweiterung Puls 96, glandulae 
inguinales links deutlich geschwollen, rechts weniger; in den Hand- 
tellern und Fußsohlen beiderseits stark entwickelte Psoriasis luetica, 
starker Haarausfall. Patient, der sehr anämisch aussieht, klagt über 
starke Abnahme des Körpergewichtes, Appetitlosigkeit, Kopfweh, Angst- 
gefühle und vor allem über starken Haarausfall. Da er bereits 3 
Schmier- und 3 Inunktionskuren gemacht hat, alles nur mit keinem, 
oder nur ganz vorübergehendem Erfolg, lehnt er jede weitere Hg. Be- 
handlung ab. Verordnung: Lassar’sche Haarkur, Jodfersan 4 mal täg- 
lich 3 Pastillen, kräftige Diät. Schon nach 14 Tagen deutliche Bes- 
serung; Körpergewicht um 2 Pfd. zugenommen, Haarausfall geringer. 
Herztätigkeit ruhiger, Puls 90, Patient wird weniger von Kopfschmerzen 
geplagt. 5. Juni: Körpergewicht um 4 Pfd. zugenommen, kein Haar- 
ausfall mehr, keine Klagen über Kopfweh, die luetischen Erscheinungen 
in Handteller und Fußsohlen sind sehr zurückgegangen, auch die In- 
guinaldrüsen links sind etwas dünner geworden; dieselbe Medikation. 
Am 19. Juni: Sämtliche luetische ‚Erscheinungen bis auf die noch 
mäßig geschwollenen Inguinaldrüsen sind zurückgegangen, Puls 84 
kräftige Schläge; Patient hat wieder 2 Pfd. zugenommen und erklärt, 
er fühle sich ganz gesund. Die Gesamtzunahme des Körpergewichts 
in den 7 Behandlungswochen betrug 8 Pfd.; es wurden in dieser Zeit 
innerlich nur Jodfersan-Pastillen verordnet, irgendwelches Symptom von 
Jodintoxikation trat nicht auf, insonderheit keine Acne. Patient, der 
sich ganz wohl befindet, hat vor 8 Tagen auf mein Anraten eine 
zweite Jodfersan-Kur begonnen. 

3. Herr Dr. M. leidet seit 10 Jahren an Lues, hat alle Jahre 
mindestens eine Schmier- oder Inunktionskur durchgemacht; er klagt 
über beständiges Ziehen in den Muskeln, Kopfschmerz und mangel- 


— 162 — 


haften Appetit. Die Untersuchung am 15. Mai ergibt: Inguinal- und 
Elibogendrüsen deutlich geschwollen; auf dem linken Auge eine abge- 
laufene Iritis, im ganzen Gesicht anscheinend von Jodgebrauch her- 
rühreride Acnepusteln, die aber nach Angabe des Patienten, der nie 
KI genommen haben will, schon lange Jahre besteht. In der Mitte 
des m- brachialis links besteht ein wallnußgroßer, auf Druck schmerz- 
hafter Knoten, der offenbar luetischer Natur ist; Herztätigkeit sehr 
lebhaft, Puls 120; kolossale Anämie und Nervosität. Therapie: 4 mal 
täglich 3 Pillen Jodfersan, keine andere Medikation; nach 4 Wochen: 
bedeutende Besserung, das Ziehen in den Muskeln hat nachgelassen, 
die Induration am linken Oberarm hat abgenommen, das Aussehen ist 
ein besseres geworden, die Herztätigkeit ruhiger, Puls 110 Schläge. 
Weiterverordnung der Jodfersanpastillen. Patient stellt sich am 15. 
juli wieder vor, sieht blühend aus und erklärt, daß sein Allgemeinbe- 
finden ein tadelloses sei; auch die Acne, an der er Jahre lang gelitten, 
war verschwunden; die Induration am Oberarm ist kaum mehr nach- 
weisbar, die Inguinaldrüsen noch mäßig geschwollen. 

Weitere von mir behandelte 25 Fälle bieten nichts Besonderes, 
jedoch war die Wirkung des Jodfersans ausnahmslos eine solche, daß 
ich die Anwendung dieses Medikamentes nur empfehlen kann. Der 
Haupteffekt bei der Jodfersanbehandlung ist zweifellos die Kräftigung 
des Gesamtorganismus, gleichzeitig scheint es aber, als ob das Jod 
in dieser Verbindung seine spezifische Wirkung schon in viel kleineren 
Dosen entfaltet, wie dies sonst der Fall ist. Nach meiner Medikation 
4 mal täglich 3 Pastillen a 0,05 Kl erhielten die Patienten pro die 
0,6, pro Woche 4,2 Gr. jJodkali, also verhältnismäßig geringe Dosen; 
den Anhängern der hohen Jod-Dosen bei Lues steht es aber ja frei, 
Versuche mit größeren Quanten anzustellen, die vielleicht noch günstiger 
wirken. Daß die jodfersanpastillen auch bei Scrophulose, Drüsener- 
krankungen, Epididymitis, Bronchitis etc. gute Diense leisten werden, 
ist anzunehmen und möchte ich zu diesbezüglichen Versuchen hier- 
durch aufmuntern. 


Berlin, im Februar 1905. Benninghoven. 


— 163 — 


Zur Behandlung der Gonorrhoe. 


Von Dr. Julian Marcuse in Mannheim. 


Die erhöhte Aufmerksamkeit, die in der gegenwärtigen Periode 
ärztlichen Könnens und Handelns der Verhütung der Geschlechts- 
krankheiten geschenkt wird, und die ihren Ausdruck in einer sozial- 
hygienischen Propaganda weitesten Umfanges findet, ist wohl nicht 
zum mindesten zurückzuführen auf das Bewußtsein von der Ohnmacht 
der Therapie oder wenigstens der Schwäche derselben gegenüber dem 
charakteristischsten und verbreitetsten Typus der Sexualaffektionen, der 
Gonofrhoe. Und die Geschichte der Tripperbehandlung mit ihrer ex- 
zessiven Polypragmasie und Polypharmazie bestätigt aufs. Deutlichste 
die Schwierigkeit zu erreichender Erfolge und der absoluten Heilung 
dieses galanten Leidens, wie es die Erotik des 16. und 17. Jahrhunderts 
mit einem liebenswürdigen Beiklang von Sympathie getauft hat. Dieser 
Achtungsrespekt, so könnte man ihn fast nennen, war wohl auch 
Schuld an der Legende, daß die Trippererkrankung eine harmlose sei, 
ihre Infektion: nicht viel zu bedeuten habe und selbst bei rein exspek- 
tativem Verhalten eine allmähliche Ausheilung eintrete, eine Unter- 
schätzung, die ja längst ad absurdum geführt worden ist. Aber mit 
der Erkenntnis von der schweren Bedeutung des Leidens und seines 
ätiologischen Zusammenhanges mit der Sterilität der Frauen wuchs 
auch die Tendenz rationeller Therapie und zeitigte die massenhaften 
Präparate, die teils als innerliche, teils als äußerliche Medikation im 
Laufe der Jahrzehnte gekommen und — gegangen sind. Selbst die 
“ physikalische Therapie, die in einer so großen Reihe von Krankheits- 
gebieten ihre Souveränität in der Therapie geltend gemacht hat, ver- 
sagte gegenüber der Gonorrhoe und ist nur in Kombination mit 
einer medikamentösen bezw. externen Behandlung heranzuziehen. Ein 
wesentliches Moment dieser vielfachen Mißerfolge, das aber zugleich 
auch der Therapie gewisse Bahnen weist, ist das Mißverhältnis zwischen 
Wesen der Krankheit und Funktionsstörung: da letztere ja auf die 
Lebensäußerungen des Individuums im allgemeinen belanglos ist, wird 
die Erfüllung des einzig wirksamen Postulates, absolute Ruhigstellung 
des entzündeten Körperteiles, zu nichte gemacht, und in diesem Faktor 
liegt eine der hauptsächlichsten Ursachen des Überganges vom akuten 
in das chronische Stadium bezw. der Nichtheilbarkeit der Gonorrhoe. 
Ich nannte oben dieses Moment, dem, weil es vorherrschend ist und 
eine Tatsache bedeutet, Rechnung getragen werden muß, einen Finger- 


— 164 = 


zeig für die therapeutisch einzuschlagenden Wege und zwar in dem 
Sinne, daß Präparate in der Medikation herangezogen werden müssen, 
die in gewissem Grade sedativ, also im Sinne einer Ruhigstellung 
wirken und die Äußerungen des entzündlichen Stadiums, wie Schmerzen, 
eitrigen Ausfluß, Erektionen etc. aufheben. 

Als ein solches remedium hat die verschiedensten Phasen der 
internen Gonorrhoebehandlung das oleum santali ligni überdauert, das 
bekanntlich zu der Gruppe der Balsamica gehört, einer Gruppe, der 
man von Alters her in allen ihren_verschiedenen Repräsentanten einen 
gewissermaßen spezifischen Einfuß auf die Gonorrhoe zugewiesen hat. 
Allein das Sandetholzöl gehört zu den schlecht schmeckenden und die 
Magenschleimhaut reizenden ätherischen Ölen, und bekommt man es 
nicht von vornherein, selbst bei der Ordination von Gelatinekapseln, 
mit einem unüberwindbaren Widerwillen zu tun, so treten doch in 
vielen Fällen im Laufe der Zeit störende Begleiterscheimingen, wie: 
Dyspepsien, Brechreiz,” Appetitlosigkeit und dergleichen mehr auf. 
Dies veranlaßte, nach Ersatzmitteln zu suchen, und auf diesem Wege 
ist wohl die Geburt eines Präparates zu erklären, das in der letzten 
Zeit eine große Reihe von Publikationen gezeitigt hat und augenblick- 
lich wohl im Vordergrund des Interesses stehen dürfte, das ist das 
Gonosan. Es stellt eine Verbindung dar einer schon seit langem 
bekannten und auch periodisch gegen Gonorrhoe angewandten Pflanze, 
der Kawa-Kawa, mit Sandelöl und ist auf dem Wege hergestellt 
worden, daß von den in der Wurzel der Pflanze enthaltenen in- 
differenten Körpern die pharmakodynamisch wirksame Harzmasse 
isoliert und schließlich in Sandelöl gelöst wurde. Dieses so ent- 
standene und „Gonosan‘ genannte Präparat ist eine gelblich-grüne 
ölige Substanz von aromatischem Geruch, die in Kapseln zu 0.3 g. 
Inhalt in den Handel kommt. Davon entfallen auf das Kawaharz 
20%,, auf das Sandelöl 80%. 

Die erste wissenschaftliche Publikation über dieses neue Anti- 
gonorrhoikum stammt von Boß') her, der in 25 von 28 Fällen frischer 
Gonorrhoe vorzügliche Resultate, sowohl hinsichtlich der subjektiven 
Beschwerden wie des Krankheitsbildes an sich, damit erzielte. ° Die 
theoretische Erklärung, die er von der Wirkung des Gonosans gab, 
und die mir weniger glücklich erscheint, als die damit erzielten prak- 
tischen Resultate, ist folgende: Das Gonosan wirkt auf die durch den 


3) Deutsche Medizinalzeitung 1903, Nr. 98. 








— 165 —: 


Gonococcus entzündete Harnröhre dadurch, daß die in ihm enthaltenen 
Harzsäuren sich im Organismus mit Kali und Natron zu einer in 
Wasser löslichen Harzseife binden, welche — als harzsaures Kali gelöst — 
in den Harn übergeht. Dieser, stark gesäuert, wird hierdurch gleich- 
sam vor seiner Absonderung aseptisch gemacht. Wenn ein solcher, 
mit Harzsäuren stark gesättigter und durch Beschränkung der Flüssig- 
keitszufuhr sehr konzentrierter, Urin die entzündete Harnröhre passiert, 
so ist es erklärlich, daß er wie eine von innen mit einer antiseptischen 
Lösung unter hohem Druck gemachte Injektion wirkt, indem er 
den oberflächlich gelegenen Gonococcenrasen wegschwemmt und die 
noch zugänglichen Gonococcen vernichtet. Dagegen erscheint es 
fraglich, ob die in die Tiefe gelangten Gonococcen in ihrer Entwick- 
lung gehemmt werden, da sie von dem vorbeifließenden Urinstrom 
direkt nicht getroffen werden. Die .genauen mikroskopischen Unter- 
suchungen in Verbindung mit den günstigen Heilresultaten sprechen 
aber dafür, daß trotzdem durch Gonosan eine Abtötung der tief in den 
Lakunen, Drüsen und Krypten sitzenden Gonokokken erfolgt. Und 
zwar kommt dies auf folgendem Wege zu stande: Im sauren Magen- 
saft wird das Harz In Harzsäure umgewandelt; nach Absorption im 
Darmkanal gelangt sie in die Blutbahn und wird durch die Nieren aus- 
geschieden. Nun glaubt Boß, daf die Harzsäure die Eigenschaft be- 
sitzt, die Toxizität des patogenen Gonokokkus zu vernichten und zwar 
dadurch, daß sie erstens im Blute eine Hyperleucozytose hervorruft und 
zweitens dadurch, daß sie die phagozytische Energie der weißen Blut- 
körperchen erhöht. Hierdurch wird. die Wehrkraft des Organismus 
vermehrt, die ihn befähigt, leichter als unter gewöhnlichen Verhält- 
nissen seine Feinde zu eliminieren. Soweit die theoretische Deduktion, 
die in manchen Punkten zum Widerspruch herausfordert, aber, wie 
gesagt, gegenüber den greifbaren praktischen Erfolgen in den Hinter- 
grund tritt. Hatte Boß in seiner ersten Publikation noch die kom- 
binierte Behandlung der Gonorrhoe mit Einspritzungen und Gonosan 
befürwortet, so berichtete er in einer zweiten!) über 50 Fälle von 
frischem Tripper, die nur mit Gonosan und strenger Diät behandelt 
wurden und bei denen es in fast dreiviertel aller Fälle gelang, die Go- 
norrhoe zur Heilung zu bringen. Die äußerst geringe Zahl von Kom- 
plikationen, die er sah, veranlaßte ihn zu dem weiteren Schluß, daß 
die urethritis posterior in den meisten Fällen auf die Injektionsbehand- 


1) Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene 1904, Heft 2/3. 


Er 


— 166 — 


lung zurückzuführen wäre, da bei der internen Behandlung der Pro- 
zentsatz der Komplikationen bis auf 4 vom Hundert sinkt. Inzwischen 
ist eine große Reihe von Veröffentlichungen gefolgt, zahlreiche Be- 
obachter haben ihre Erfahrungen darüber niedergelegt und zwar sowohl 
hinsichtlich der ausschließlich internen wie der kombinierten Behand- 
lung sowie weiterhin bezüglich der Wirkung des Präparates auf akute 
und chronische Gonorrhoe bezw. auf die Hintenanhaltung dieser letzteren 
Komplikation. Was ersteren Punkt anbetrifft, die ausschließlich innere 
Medikation der Gonorrhoe mit täglich 6—10 Gonosankapseln, strenge 
Diät und Fernhaltung aller äußeren und inneren Reize, so haben da- 
rüber unter Anderen Friedländer?), Reißner*), Spitzer?), Schmidt‘), 
Kornfeld’), Saalfeld*) berichtet und zwar übereinstimmend mit teil- 
weise vorzüglichen Erfolgen sowohl hinsichtlich der Kürze der Heilungs- 
dauer wie des Fernhaltens von’ Komplikationen; über die günstige 
‘Wirkung des Gonosans als Adjuvars zur lokalen Behandlung gaben 
Benninghoven’), Lohnstein®), Merzbach’?) etc. eingehende Mit- 
teilungen. Ihr aller Votum, das bald nach der einen, bald nach der 
anderen Seite hin tendiert, im Prinzip jedoch zu analogen Schlüssen 
gelangt, ist dahin zusammen zu fassen, daß das Gonosan in der The- 
rapie des Trippers als ein bedeutungsvoller Fortschritt anzusehen ist, 
denn 

1) Es beseitigt die heftigen Beschwerden, das Brennen und die 
schmerzhaften Erektionen, — Erscheinungen, die bei der akuten Gonorrhoe, 
mag sie im vorderen oder hinteren Teile der Harnröhre lokalisiert sein, 
gewöhnlich auftreten. Selbst wenn Blasenentzündung sich hinzugesellt, 
beruhigt das Gonosan die Blasennerven und bringt die Dysurie zum 
Verschwinden. 

2) Die starke adstringierende und bakterizide Eigenschaft des 
Gonosans verhütet bei Innehaltung der Diätvorschriften ein Übergreifen 
des Prozesses auf den hinteren Teil der Harnröhre, wodurch Kompli- 
kationen und eine lange Dauer der Krankheit vermieden werden. 


1) Deutsche Ärzte-Zeitung 1903, Heft 12. 

2) Deutsche Medizinal-Zeitung 1903, No. 58. 

3) Allg. Wiener med. Zeitung 1903, No. 28. 

4) Les nouveaux medicaments 1903, No. 21. 

5) Therapie der Gegenwart 1904, Heft 8. 

6) Therapeutische Monatshefte 1903, Heft 12. 

1) Berliner klinische Wochenschrift 1903, No. 28. 
8) Allgemeine mediz. Centralzeitung 1903, No. 33. 
9) Münchener med. Wochenschrift 1905, No. 5. 





— 167 — 


3) Von den Balsamicis wird Gonosan am besten vertragen. Es 
greift den Magen nicht an, erzeugt keinen Widerwillen, kein Ekelge- 
fühl und ruft keine Nierenreizung hervor. Es kann somit wochenlang 
ohne Nachteil genommen werden. | 

Glänzende Vorteile mithin genügend, um zu eigenen-Beobachtungen 
zu veranlassen. Ich habe dieselben im Laufe des letzten Halbjahres 
an einer Zahl von 26 Fällen von frischer Gonorrhoe gemacht, von 
denen 16 nur mit Gonosan, blander Diät bezw. hydrotherapeutischen 
Maßnahmen (warmen und heißen Sitzbädern), .10 auch mit Injektionen 
von Protargol bezw. Kal. permanganicum behandelt wurden. Die Re- 
sultate dieser Versuchsreihe waren nun folgende: 

Von den ersteren 16 Fällen wurden sämtliche subjektiv wie ob- 
jektiv ausnahmlos sehr günstig beeinflusst, indem die Beschwerden 
und Reizerscheinungen in kurzer Zeit zurückgingen und der Prozeß 
nach durchschnittlich 5—6 Wochen abgelaufen war. Auf nähere De- 
tails eingehend, ist zu bemerken, daß vor allem schon innerhalb der 
ersten Behandlungswoche die Schmerzen beim Urinieren, der Harn- 
drang sowie die schmerzhaften Erektionen wesentlich nachließen bezw. 
beseitigt wurden, die Urinmenge an sich geringer — letzteres eine 
Folge der Flüssigkeitsreduktion — das trübe, dickflüssige Sekret heller 
und dünner wurde, also eine deutliche schmerzlindernde und sekre- 
tionsbeschränkende Wirkung auf eine Dosis von 4mal 2 Kapseln pro 
die. In diesen 16 Fällen kam es zu keiner, irgendwie ausgesprochenen 
oder manifesten Komplikation, von rasch vorübergehenden Sensationen 
peripherer Natur sehe ich bei Beurteilung ‚des Krankheitsbildes im 
streng-pathologischen Sinne ab. Die Medikation wurde bis zu Ende 
durchgeführt, die Patienten teilweise bereits nach 3—4 wöchentlicher 
(6 Fälle), die übrigen nach ca. 6 wöchentlicher Behandlung — im Durch- 


schnitt also nach 5—6 Wochen — als geheilt entlassen. 
Die weiteren 10 Fälle setzen sich zum Teil (4) aus solchen zu- 
sammen, deren Initialstadium ohne Behandlung verlaufen war — die 


Patienten hatten Sua sponte Injektionen gemacht —-, zum Teil (6) aus 
solchen, deren Krankheitserscheinungen nach 5—6 Wochen noch nicht 
abgelaufen waren. 

In diesen beiden Unterabteilungen der Gruppe Il wurde zu lokaler 
Behandlung, das heißt Injektionen, gegriffen und dieselbe mit der in- 
ternen kombiniert. Auch hier waren die der Einnahme der Gonosan- 
kapseln folgenden primären Erscheinungen solche im Sinne einer sub- 
jektiven wie objektiven Besserung, also Nachlaß der Schmerzen und 


— 168 — 


Parästhesien, des Harndranges und der Erektionen, verändertes Aus- 
sehen des Sekretes mit der Tendenz der Dissolution. Von Kompli- 
kationen sind in dieser Gruppe zu nennen: 3 Fälle von Epididymitis 
— bei zweien hiervon war der sichere Nachweis schädlichen Verhaltens 
zu erbringen — und 2 von Übergreifen des Prozesses auf die pars 
posterior. Diese letzteren beiden gehören zu der oben erwähnten 
Kategorie, bei der die Behandlung ohne ärztlichen Beistand mit aus 
der Apotheke bezogenen Zinklösungen begonnen und 8—14 Tage 
durchgeführt worden war. Mithin ist auch das Gesamtresultat der 
kurz skizzierten Gruppen persönlicher Fälle als ein außerordentlich 
günstiges zu bezeichnen, bestätigt es ja vollinhaltlich die von den zahl- 
reichen Beobachtern anderwärts gemachten Erfahrungen hinsichtlich 
der Einwirkung des Gonosans auf die Tripperinfektion. Auch die über- 
einstimmende Bestätigung nahezu aller Untersucher, daß das Gonosan 
leicht zu nehmen ist, keinerlei Magendarmstörungen oder Nierenreizungen 
verursacht und mithin sich auch darin wesentlich von dem Sandelholzöl 
unterscheidet, konnte von mir sanktioniert werden; kam es doch in 
keinem einzelnen Falle zu Äußerungen des Widerwillens oder unan- 
genehmen Geschmacksempfindungen oder anderweitigen störenden Be- 
gleiterscheinungen. Gereicht wurden die Kapseln, die verschieden an 
Zahl, je nach dem Stadium des Prozesses ordiniert wurden, als Mini- 
mum pro die 6, als Maximum 12, mit einer Tasse warmer Milch nach 
dem Essen gemäß den Angaben von Boß. Wenn dieser wie auch 
Merzbach in seiner Publikation sich gegen die Injektionsbehandlung 
per se aussprechen, wegen ihrer größeren und steigenden Gefahr der 
Komplikationsentwicklung, so ist dieser Standpunkt mit der Tendenz 
des zihil nocere als souveränstem Behandlungsprinzip im Allgemeinen 
nur zu acceptieren. Ob sich aber in praxi dieser Standpunkt wird 
durchführen lassen, ist eine andere Frage, die zu beantworten noch 
kaum möglich ist. jedenfalls dürfte ein derartiges therapeutisches 
Problem in dem Augenblicke der Realisierung näher sein, wo wir ein 
Mittel besitzen, das — abgesehen von Spezificis — lindernd auf den 
Entzündungsprozeß einwirkt sowie einen, auf die Gonococcen entwick- 
lungshemmenden Einfluß ausübt. Diese beiden Kardinaleigenschaften 
eines Äntigonorrhoikum müssen sich dann weiter vergesellschaften mit 
der Unschädlichkeit des Mittels, um den Anspruch auf ein .den Prozeß 
im Sinne der Besserung und Heilung beeinflussendes Präparat erheben 
zu können. Für das Gonosan sind, soweit sich die Literatur über- 
blicken läßt, diese Anforderungen sämtlich erfüllt und, was die eigenen 


— 169 — 


Wahrnehmungen betrifft, so ist die schmerzlindernde und sekretions- 
beschränkende Wirkung des Gonosan unzweideutig festgestellt worden. 
Daher läßt sich der Gesamteindruck, den die Anwendung dieses Mittels 
hervorruft, dahin zusammenfassen, dass wir in ihm ein durchaus un- 
schädliches, in seiner Wirksamkeit jedoch die bisher bekannten Bal- 
samica weit übertreffendes Präparat besitzen, dessen Gebrauch vor 
allem bei der akuten wie subakuten Gonorrhoe indiziert ist und in 
einer großen Reihe von Fällen — in Verbindung mit diätetischen 
Maßnahmen — zur Ausheilung der Tripperinfektion führt. 


Bericht über den Il. Kongreß der Deutschen Ge- 
sellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- 
krankheiten, München den 17. u. 18. März 1905'). 


Von Dr. Ries in Stuttgart. 


Der I. Kongreß der D. G. z. B. d. G. durfte sich einer regen 
Anteilnahme seitens der Ärzte, Juristen, Verwaltungsbeamten und einer 
großen Zuhörerschaft von Damen und Herren erfreuen. Die Regierungen 
beinahe sämtlicher größerer Bundesstaaten hatten Vertreter entsandt, 
desgleichen Stadtverwaltungen, Polizeibehörden, Landesversicherungs- 
anstalten, Ortskrankenkassen, Sittlichkeitsvereine und — last not least 
— in großer Anzahl, kampfbereit wie immer, waren die Führerinnen 
der deutschen Frauenbewegung erschienen. Als Vertreter des Württem- 
bergischen Medizinalkollegiums wohnte Medizinalrat Dr. Kohlhaas den 
Verhandlungen bei, die Stadt Stuttgart hatte Stadtarzt Dr. Hammer 
delegiert, ebenso war Ulm durch seinen Stadtarzt vertreten. 

Die D. G. z. B. d. G. zählt jetzt 4000 Mitglieder, Ortsgruppen 
bestehen 21, zahlreiche Behörden und Korporationen gehören als Mit- 
glieder der D. G. an, leider haben sich die ärztlichen Vereine bisher 
noch nicht entschließen können, in corpore beizutreten. 

Fasse ich das Resultat des Kongresses zusammen, so muß ich 
zwar bekennen, daß über die Frage, auf welche Weise man den Ge- 
schlechtskrankheiten am besten beikommt, eine volle Verständigung 
und Einigung naturgemäß nicht erzielt werden konnte, trotzdem wurde 
die Hauptaufgabe der D. G., „die Aufklärung weitester Volksschichten“, 
um ein Erhebliches gefördert. Freilich mußte man sich bei der großen 


1) Aus d. Württb. Med. Corr.-Blatt (Herausgeber Hofrat Dr. Deahna) 
2 


- 10 — 


‚Divergenz der Anschauungen und den vielfach unklaren Vorstellungen 
und Ansichten mancher Laienredner doch die Frage vorlegen, ob es 
ratsam ist, für die Zukunft Fragen, die noch so wenig geklärt und 
spruchreif sind, wie beispielsweise die der Kasernierung der Prostitution, 
vor der breiten Öffentlichkeit zu behandeln. Liegt doch gerade bei 
derartigen Fragen die Gefahr einer Abschweifung vom Tema, die Ge- 
fahr einer zu starken, ja beinahe ausschließlichen Betonung der mora- 
lischen und ethischen Seite der Frage nahe, während uns doch vor 
allem am Herzen’ liegen muß, möglichst bald eine Besserung und He- 
bung der Volksgesundheit zu erreichen, möglichst viele Opfer den 
Gefahren der Ansteckung zu entreißen und unseren Töchtern oder 
Schwestern das Glück zu gönnen, gesunde Männer heiraten zu können. 
Was ist uns mit der Bemerkung eines Mannes von der Bedeutung 
Grubers-München geholfen, der schlechtweg die Reglementierung und 
Kasernierung für wertlos erklärt, ohne uns positive bessere Vorschläge 
zu machen, der den Wunsch andeutet, der ledigen Mutter solle zwar 
geholfen werden, aber es hafte ihr mit einem gewissen Rechte ein 
Makel an. Dabei scheint der hochgeschätzte Hygieniker übersehen 
zu haben, daß doch wahrhaftig das uneheliche Kind einer solchen 
Mutter unschuldig genannt werden muß und daß bei Vorherrschen 
solcher Anschauungen einem unschuldigen Menschen schon von Geburt 
an ein Kainszeichen auf die Stirn gedrückt wird! Kein Wunder, daß 
die Vertreter der Sittlichkeitsvereine und die Führerinnen der Frauen- 
bewegung, sich auf das autoritative Urteil Grubers berufend, die au- 
‚ genblickliche Abschaffung der Reglementierung verlangten und allein 
von der Hebung des sittlichen Niveaus Besserung erhofften. Zutreffend 
bemerkte Prof. Wolff-Straßburg, „das Verlangen nach Aufhebung der 
Reglementierung mit der Begründung, .man könne ja doch nicht alle 
fassen, komme ihm gerade vor, als wollte man sagen, es darf von 
jetzt ab kein Dieb oder sonstiger Verbrecher mehr gefaßt werden, da 
man alle ja doch nicht bekommen könne.“ 

Glücklicherweise kam man, trotzdem die Meinungen weit aus- 
einandergingen, doch zu der Erkenntnis, daß man mit der Prostitution 
als einem unleugbaren Faktor zu rechnen habe, daß es also falsch 
wäre, die Prostitution zu bekämpfen, anstatt vielmehr die Ge- 
schlechtskrankheiten! 

Auf der Tagesordnung des Kongresses standen drei mit den 
Paragraphen 300, 180 und 184, 3 des R.-Str.-G.-B. in enger Verbindung 
stehende Fragen, deren Erörterung von seiten der Kongreßleitung im 





=. 17h == 


Hinblick auf die in den nächsten Jahren zu erwartende Novelle zu 
diesem Gesetzbuch mit Recht in den Vordergrund gestellt wurde. 

Zu Punkt 1 „Ärztliches Berufsgeheimnis und Geschlechts- 
krankheiten‘ hatte der Vorsitzende der Gesellschaft, Geheimrat 
Neißer, der sich zurzeit auf Java aufhält zwecks Erforschung der 
Syphilis, ein Referat eingesandt, welches auf der Tatsache fußte, daß 
die strikte Anwendung des $& 300, welcher die Verletzung des ärzt- 
lichen Berufsgeheimnisses unter Strafe stellt, besonders bei den Ge- 
schlechtskrankheiten dem Arzte oft schwere Konflikte und Unzuträg- 
lichkeiten bringe. Neißer und mit ihm Flesch-Frankfurt will daher 
für Fälle, bei denen aus der Aufrechterhaltung der ärztlichen Diskretion 
schwere Schädigungen dritter Personen oder der Allgemeinheit resul- 
tieren, ein Offenbarungsrecht, ja sogar eine Anzeigepflicht gesetz- 
lich zugebilligt haben. im Gegensatz zu den beiden medizinischen 
Referenten vertrat Justizrat Bernstein - München die Anschauung, 
daß eine fundamentale Änderung des bestehenden Rechtszustandes nicht 
angezeigt sei, vielmehr nur eine Ausdehnung der Schweigepflicht auf alle 
mit der Krankenpflege beruflich befaßten Personen und deren Hilfspersonal, 
also auf die Verwaltungsbeamten der Kankenhäuser, sowie die für die 
Verwaltnng der öffentlichen Invaliden-, Unfall- und Krankenversicherung 
geschaffenen Organisationen, der Lebensversicherung sowie der Armen- 
verwaltung., Diese Ausführungen fanden ungeteilten Beifall und ein 
Antrag, bei den zuständigen Instanzen eine Erweiterung des 8 300 im 
Sinne Bernsteins zu befürworten, fand einstimmige Annahme. — In 
der Diskussion tritt Chotzen (Breslau), der das Neissersche Referat 
verlas, für unbedingte Verschwiegenheit des Arztes ein mit der Ein- 
schränkung jedoch, daß die Einsetzung einer Behörde, an die von ge- 
meingefährlichen Erkrankungsfällen Anzeige gemacht werden könne, 
heilsam auf manche Kranke wirken könne. Frau Scheven (Dresden) 
befürchtet eine Benachteiligung der niederen Volksschichten durch Ein- 
führung einer Meldepflicht, Touton (Wiesbaden) warnt mit Recht vor 
der Meldepflicht, die nur dem Kurpfuschertum Vorschub leiste, und 
‚Ries (Stuttgart), der schon in einer im Jahre 1900 in dem Württ. Med. 
Cörr.-Bl. veröffentlichten Arbeit!) sich gegen diese Anzeigepflicht aus- 
sprach, wies auf die Schwierigkeiten hin, die bei Aufhebung des $ 300 
bei Geschlechtskranken Verheirateten erwachsen würden. Er hat sich 


1) Über die Anzeigepflicht bei Geschlechtskrankheiten (Württ. Med. 
Corr.-Blatt 1900). 





— 172 — 


bisher nicht für berechtigt gehalten, dem gesundgebliebenen Ehegatten 
von der Erkrankung des anderen Mitteilung zu machen, hat vielmehr 
nur dafür Sorge getragen, daß der gesund gebliebene Ehegatte und 
die Familie durch geeignete Maßnahmen vor Übertragung geschützt 
bleibt. Der Arzt, der anders handle, streue Zwietracht, in die Familie 
seines Patienten und gebe indirekt den Anstoß zur Ehescheidung, außer- 
dem werde die Zahl derer, die dem Arzte falsche Namen angeben, 
sich noch bedeutend vermehren. 

Dem 2. Beratungspunkt, der Kasernierung der Prostitution, 
lag eine von Kampffmeyer im Auftrag der D. G. z. B. d. G: unter- 
nommene und veröffentlichte Enquete zu Grunde, die sich auf die 
Wohnungsverhältnisse der Prostituierten in den deutschen Groß- und 
Mittelstädten erstreckte. Die Erörterungen sollten, wie dies der General- 
sekretär Blaschko ausführte, der Frage dienen, welche Schäden sich 
aus den heute bestehenden Wohnungsverhältnissen in Deutschland er- 
geben hätten, inwieweit dẹr § 180 des Str. G. B. und die aus ihm 
resultierende Rechtsprechung — auf der einen Seite ist das Bestehen 
zahlreicher Bordelle in Deutschland möglich, anderseits ist schon das 
bloße Vermieten an Prostituierte unter Strafe gestellt — an diesen 
Schäden schuld sei, welche Reformen nach dieser Richtung und welche 
Änderungen des $ 180 zu diesem Behufe erforderlich seien. Nach 
einstimmigem Urteil aller auf dem Kongreß vertretenen Richtungen — 
und deren waren viele — wurde die Aufhebung bezw. Abänderung 
des § 180 für die unerläßliche Vorbedingung jeder Reform auf dem 
Gebiete der Prostitutionsüberwachung erklärt! 

Der 1. Referent, Wolff-Straßburg, sprach sich zugunsten des 
Bordells aus, da er auf Grund einer langjährigen Erfahrung nach- 
weisen konnte, daß in Straßburg seit Durchführung einer strengen 
konsequenten Kasernierung der Prostitution die Fälle von Syphilis be- 
deutend an Zahl abgenommen haben. Außerdem vertritt W. die An- 
sicht, daß die Kasernierung die Straßen säubere und dadurch den an- 
ständigen Damen auf der Straße einen Schutz vor Belästigung gewähre, 
das Zuhältertum werde durch die Kasernierung unmöglich gemacht 
und eine möglichst frühzeitige Behandlung der erkrankten Prostitu- 
ierten werde ermöglicht. Nebenher muß natürlich in strengster Weise 
die geheime Prostitution verfolgt werden. 

R. A. Hippe (Dresden) ist begeisterter Anhänger der Bordelle, 
nur durch sie könne die Gesellschaft vor den Schädigungen der Pros- 
titution einigermaßen geschützt werden. Der $ 180, der Kuppelei- 





— 1733 — 


paragraph, der Handlungen bedrohe, an denen der Staat nicht das 
mindeste Interesse habe, müsse abgeändert werden! 

Der 2. Referent, Stachow (Bremen), ist, wie auch Fabry (Dort- 
mund), für sogen. Bordellstraßen. 

Gegen Bordelle spricht sich in seinem Referate aus Prof. v. 
Düring-Kiel, da die Polizei stets nur einen Bruchteil der Prostitu- 
ierten fassen könne, und die Gefahr, in den Bordellen angesteckt zu 
werden, durchaus nicht gering sei; vielmehr nach Ansicht vieler größer 
als irgendwo sonst. Die Zahl der Bordelle gehe überall da, wo sie 
gestattet seien, zurück. 

In ähnlichem Sinne sprach sich in ihrem Referate Frau Fürth 
(Frankfurt) aus; sie befürwortet an Stelle der Kasernierung die frei- 
lebende Prostitution, deren sanitäre Überwachung nicht polizeilichen 
Charakter tragen solle, sondern den der Krankenfürsorge. Staat und 
Gesellschaft dürfe nie die Hand bieten zu einer Vernichtung von 
Menschenleben, wie sie das Bordellwesen mit sich bringe, zumal durch 
die Institution der Bordelle der Mädchenhandel bedingt und erhalten 
werde. In der Tat ist letzteres Argument ein schwerwiegendes und 
wohl geeignet, manchen in seiner Anschauung über die Berechtigung 
der Bordelle schwanken zu machen! 

Trotz der schroffsten Gegensätze, die sich bei den Diskussions- 
rednern offenbarten, gab man doch allerseits — die Abolitionisten ein- 
gerechnet — zu, daß man mit den Prostituierten als einem „vorhan- 
denen Übel“ rechnen müsse und daß sie daher irgendwo wohnen 
müssen und zwar am besten so, daß sie einigermaßen unter den 
Augen der Polizei sich befinden. Natürlich konnte eine allgemeine 
Lösung dieser brennenden Wohnungsfrage nicht gegeben werden, viel- 
mehr herrschte die Anschauung vor, daß überall mit den lokalen Ver- 
hältnissen gerechnet werden müsse. Blaschko (Berlin) hält es 
für möglich, den Prostitutionsmarkt von der Straße wegzuschaffen und 
Wohnung und Betrieb der Prostituierten von einander zu trennen, 
ohne gleich zum Bordellsystem überzugehen. Blaschko betonte mit 
v. Düring und Frau Fürth die große Rolle, welcbe bei der Reform 
dieser Zustände die Wohnungsinspektion, die Beteiligung der Frauen 
an dieser, ferner die Erziehung der Prostituierten zu freiwilliger In- 
anspruchnahme der in Krankenhäusern und Polikliniken gebotenen 
Hilfe spiele; eine Ausdehnung der Krankenversicherung sei hierzu 
wünschenswert. 

Unter den vielen Diskussionsrednern sei nur noch Hammer- 


= 374. 


Stuttgart hervorgehoben, dét die Vorteile der Reglementierung und 
Kasernierung, speziell der Bordellstraßen, in klarer Weise beleuchtete 
und es für notwendig erachtet, daß man der Ausbreitung der Prosti- 
tution und der Geschlechtskrankheiten ebenso entgegentrete wie der 
Pest und der Cholera; von einer Hebung des sittlichen Niveaus allein 
sei nichts zu erwarten. Übrigens seien die Geschlechtskranhheiten in 
den letzten 25 Jahren zurückgegangen. 
| Bei der Beratung des 3. Punktes der Tagesordnung: „Straf- 
barkeit der Ankündigung von Schutzmitteln zur Verhütung 
von Geschlechtskrankheiten“ gingen die Wogen bedeutend glatter. 
Die beiden Referenten, Neustädter (München) und Bernhard (Ber- 
lin), ebenso wie die Diskussionsredner Lesser (Berlin), Ries (Stutt- 
gart) und Lion (Mannheim) sind der Ansicht, daß diese Mittel im 
Kampfe gegen die Geschlechtskrankheiten eine wertvolle Waffe sind, 
die zurzeit geradezu unentbehrlich ist. Selbstverständlich müßten. An- 
kündigungen indezenter oder schamloser Art auf Grund des $ 184' 
als „unzüchtige Schriften“ strenge bestraft werden. Die Art der An- 
kündigung muß eine delikate sein. Von dem Referenten Neustädter 
wurde für die Ankündiguug von Schutzmitteln und Heilmitteln eine 
von einer obersten Sanitätsbehörde (etwa dem Reichs-Gesundheitsamt) 
auszuübende Präventivzensur vorgeschlagen. | 

Der Kongreß, der von Prof. Lesser-Berlin in umsichtiger, vor- 
nehmer Weise geleitet, von dem unermüdlichen, hochverdienten General- 
sekretär Blaschko zusammen mit den Münchner Kollegen vorbereitet 
wurde, ergab ein befriedigendes Resultat insofern, als man auf dem 
Gebiete der Aufklärung, der Hauptaufgabe der D. G. z. B. d. G., wieder 
ein gutes Stück vorwärts kam und zu erwarten ist, daß durch den 
Kampf und Widerstreit der Meinungen mancher und manche zu frucht- 
barem Arbeiten an dem schwierigen Probleme angeregt wurde, so 
daß der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten ebenso erfolgreich 
verlaufen dürfte wie der gegen andere Volksseuchen. 








— 175 — 


Einige dunkle Punkte in der gegenwärtigen 
. Lehre von der Syphilis. 


(Herbsmann in Rostow am Don. Wratschebnaja gazeta 1904. 
No. 3. russisch.) 


Übersetzt von Dr. Steinborn-Thorn.!) 


„Die Geschichte der Syphilis zeigt uns, daß man mehr als 


-3';, Jahrhunderte brauchte, um die Lehre von dem syphilitischen 


Primäraffekt auf eine mehr oder weniger feste Grundlage zu stellen. „In 
keiner Disziplin, sagt Prof. Finger, hat man soviel Neigung zur Ver- 
allgemeinerung gezeigt, als gerade in der Syphilidologie, nirgends hat 
man den einzelnen Symptomen eine so übertriebene Bedeutung zuge- 
schrieben, als in der Lehre von der Syphilis. Welchem denkenden 
Arzte wird es einfallen, ein bestimmtes Symptom ausschließlich einer 
Krankheit zuzuweisen und ihr ganzes Sein in Abhängigkeit von diesem 
Symptom allein zu stellen? — Und doch haben sich die Koryphäen 
unserer Wissenschaft mit solcher Zähigkeit in das Symptom der Ver- 
härtung des Primäraffektes festgesetzt, als ob auf ihm die ganze dua- 
listische Theorie gegründet wäre, und haben sich die Gegner derselben 
eingebildet, daß jeder Beweis, der sich gegen die Verhärtung anführen 
ließe, die ganze Theorie umstoße. 

Ohne Ende erschien der Kampf und ist es noch bis heute. Man 
hat eine Anzahl von bisweilen gewagten Versuchen am Menschen ge- 
macht, es hat sich eine große Menge von klinischen Beobachtungen 
und deren kritischer Beleuchtung in der Literatur angesammelt; in der 
ungestörten Stille des Studierzimmers haben scharfsinnige Gelehrte 
immer neue und neue Theorien aufgestellt, um die alten abzulösen, 
die auch ihrerseits unter dem Drucke unvorhergesehener Ereignisse 


1) Die interessante und durchaus zeitgemäße Arbeit von Dr. Orlipski 
über „die Frage der Wertung der Anamnese in der Syphilisdiagnose“ in dem 
5. Hefte des I. Jahrganges dieser Zeitschrift veranlaßt mich, gleichsam als 
Ergänzung und Fortsetzung dieser Frage, obige Übersetzung zu liefern. So 
selbstverständlich die Behauptung erscheint, auf die in obenstehender Arbeit 
Dr. Orlipski immer wieder hinweist, daß nämlich das « und œ unserer diag- 
nostischen Weisheit allein der objektive Befund bleiben muß, so wird doch 
gerade dieser objektive Befund uns oft im Stiche lassen. Zum Beweise hier- 
für lasse ich die Ausführungen Herbsmann’s folgen, denen ich nur das Eine 
hinzuzufügen habe, daß alle von ihm angeführten Beispiele auch mir und 
wohl vielen Kollegen begegnet sind, und eine Aussprache darüber nur Vor- 
teile bringen kann. Dr. St. 


ua 


— 176 — 


wiederum in sich zusammenfielen, es entstanden verschiedene Lager 
von sich bekämpfenden Anhängern, die oft einen diametralen Stand- 
punkt vertraten; im Verlaufe von 3?/, Jahrhunderten waren die ver- 
einigten Kräfte vieler Forscher auf die Bearbeitung der Lehre von der 
Syphilis gerichtet, -- und dennoch begegnen uns noch heute in der 
täglichen Praxis recht zahlreiche Fälle, welche wir nicht genügend er- 
klären können, oder die nicht in das Bild hineinpassen, welches wir 
schon als unumstößliche Wahrheit annehmen zu dürfen glaubten. 
Wenden wir uns zu solchen Fällen. 

Es erscheint in unserer Sprechstunde ein Patient mit der Klage 
über eine Geschlechtskrankheit. Auf den ersten Blick erkennen wir 
einen mehr oder weniger deutlichen Gewebsdefekt am Penis; jedoch 
die Zeit des verdächtigen Coitus veranlaßt uns nicht, eine spezifische 
Krankheit anzunehmen. Wenngleich das Geschwür sich am Penis 
befindet, wenngleich es nach einem Coitus in Erscheinung getreten 
ist, so nimmt uns diese Tatsache noch nicht die Möglichkeit, daß der 
Defekt durch ein Trauma (z. B. Einschnitt durch ein Haar) entstehen 
konnte, oder gar als Folge eines gewöhnlichen Eiterbläschens, Furun- 
kels, ekzematösen Papel aufzufassen sei. Man könnte fast behaupten, 
daß wahrscheinlich viele, von uns als weiche Schanker bezeichneten 
Geschwüre einer unschuldigen Hautaffektion dieser Gegend ihren Ur- 
sprung verdanken. Durch Versuche von Charlot, Lichtenstein, 
Renzi, Bärensprung, Riccord, Kaposi und anderen ist erwiesen, 
daß eine Impfung mit gewöhnlichem Eiter Geschwüre erzeugen kann, 
deren Inhalt wieder mit Erfolg übergeimpft wurde. 

Bei der näheren Untersuchung des Geschwürs zur genaueren 
Bestimmung seiner Art erheben sich mehrere Möglichkeiten. Nehmen 
wir an, daß man nach dem äußeren Aussehen, nach der Zeit des Er- 
scheinens, ev. nach der verdächtigen Quelle der Infektion bestimmt 
eine venerische Krankheit vermuten dürfe, darf man in diesem Augen- 
blicke dem Patienten etwas Bestimmtes oder Beruhigendes sagen? 
Sollte das Geschwür sich kurze Zeit nach dem Coitus gezeigt haben 
(vergleiche Orlipski I. c.), sollte die Eiterabsonderung reichlich sein 
und das Geschwür sich weich anfühlen, so hat man dennoch keine 
wissenschaftliche Berechtigung, den Patienten mit der erfreulichen Er- 
öffnung zu beruhigen, daß er nur einen weichen Schanker habe, der 
zu weiteren Befürchtungen keine Veranlassung gäbe. Denn man weiß 
aus der Geschichte erstens, daß Syphilidologen, die ausgezeichnet be- 
obachtet haben, die Entwicklung syphilitischer Erscheinungen nach 














— 17 — 


einem sog. weichen Schanker beschrieben haben, zweitens muß man 
immer daran denken, daß ein „Chancre mixte“ vorliegen kann, der 
die Befürchtung aufkommen läßt, daß nach Abheilung des weichen 
auf dieser Stelle sich ein harter Schanker mit seinen verhängnisvollen 
Folgen entwickeln kann. | | 

Man stelle sich weiter einen Fall von zweifellos weichem Schanker 
vor, dem purulente Bubonen sich anschließen, der eine überaus leichte 
Übertragbarkeit besitzt, dem in der vorgeschriebenen Zeit keine Se- 
kundärerscheinungen gefolgt sind. Dürfen wir trotzdem mit voll- 
kommen beruhigtem Gewissen den Patienten vertrösten® Man denke 
dabei an die Worte Krafft-Ebing’s, der behauptet, daß eine Statistik 
seiner Kranken, d. i. Geisteskranken, ihn außerordentlich oft auf einen 
weichen Schanker in der Anamnese hinweist. (Vergl. die Ansicht 
Kaposi’s bei Orlipski I. c.) Diese Beobachtung veranlaßt ihn zu be- 
haupten, daß der weiche Schanker, wenn er auch den ganzen Orga- 
nismus infizieren kann, nicht immer Sekundärerscheinungen hervorzu- 
rufen braucht, später aber sein latentes Gift mit voller Kraft auf das 
Nervensystem wirft. Er hält den weichen Schanker für gefährlicher 
als den harten, weil der Kranke sich nach Konstatierung des letzteren 
der spezifischen Kur unterwirft und schließlich das Gift bis zu be- 


‚stimmten Grenzen neutralisiert; beim weichen dagegen entwickelt sich 


die weitere Krankheit ohne Hindernis und zerstört das Nervensystem. 

Erwähnung verdient in dieser Beziehung eine Arbeit von Kohn 
(„Zur Behauptung von der Quecksilberätiologie der Tabes,“ Berl. klin. 
Wochenschrift 1903, H. 10), die sich auf statistisches Material aus 
der Poliklinik von Prof. Mendel stützt. Diese Statistik zeigt unter 
anderem, daß von 85 Tabetikern 61 (d. i. fast ”/,) auf jeden Fall in 
der Anamnese ein venerisches Geschwür aufwiesen, daß weiter 35 
unter ihnen sicher Syphilis, 21 aber den weichen Schanker hatten. 
„Es fällt, sagt Kohn, die absolute Zahl der weichen Schanker und 
die Relativität zu den harten auf (21:35 = 3': 7). Die Häufigkeit 
des weichen Schankers im Verhältnis zum harten rechnet man im 
Allgemeinen auf 1: 10. Die bemerkenswerte Häufigkeit bei den Tabe- 
tikern läßt sich nur auf zweifache Weise erklären: entweder waren es 
nicht weiche, sondern harte Schanker; dann ist die Anzahl der Fehl- 
diagnosen auffallend, oder aber es waren in der Tat weiche Schanker, 
dann kann man behaupten, daß auch der weiche Schanker — viel- 
leicht eine noch nicht genügend bekannte Form desselben — in Zu- 
sammenhang mit der Tabes steht. 


— 178 — 


Nicht unerwähnt bleibe, daß nach meinen (Herbsmanns) Be- 
‚obachtungen die Fälle, welche mit späterer Entwicklung allgemeiner 
Syphilis enden, sehr häufig als kleine Geschwürchen anfangen, die 
sich 3—5 Tage nach dem verdächtigen Coitus zeigten, größtenteils 
in der Mehrzahl vorhanden waren und durchaus das Aussehen eines 
‚weichen Schankers hatten. Darunter befinden sich auch solche Fälle, 
bei denen lange Zeit nachher sekundäre Erscheinungen nicht auftraten, 
und erst nach Verlauf von mehreren Monaten erschien der Patient 
mit zweifellosen Symptomen der Syphilis. Man könnte hier vermuten, 
daß ein wenig intelligenter Patient, der sich nicht aufmerksam be- 
obachtet, durch die negativen Angaben des Arztes beruhigt, etwa auf- 
tretende Allgemeinerscheinungen (Roseola, Kopfschmerz, Reißen in den 
Röhrenknochen) mit Erkältung, Rheumatismus oder anderen weniger 
aufregenden Ursachen, die mit der Syphilis nichts gemeinsam haben, 
erklärf und daher versäumt, zur rechten Zeit eine rationelle Kur ein- 
zuleiten. Solche unangenehmen Überraschungen kann unter Um- 
ständen ein allzu optimistisches Verhalten den primären Erscheinungen 
gegenüber im Gefolge haben, besonders wenn dieselben eine seltene 
und atypische Form haben. Hierher gehören: 

1. Das indurative Oedem, welches man bei Weibern häufig an 
den großen und kleinen Labien, bei Männern an der Vorhaut und dem 
Skrotum findet. Lehrreich ist ein Fall, in welchem die rechte große, 
zum Teil auch die kleine Schamlippe deutlich verdickt war, braunrote _ 
Verfärbung aufwies und eine feste Consistenz hatte, die jedoch eine 
solche bei akuten Entzündungen übertraf, aber weniger hart als die 
typische, knorpelartige Verhärtung. Ein Gynäkologe, an welchen sich 
die Patientin gewandt hatte, riet ihr, hydropathische Fomente zu 
machen und schlug ihr vor, den „ÄAbsceß“ zu öffnen, indem er wahr- 
scheinlich annahm, daß eine Bartholinitis vorliege. Indessen war schon, 
als sie bei mir vorsprach, eine deutliche Roseola, und das indurative 
Oedem verschwand bald unter einer spezifischen Kur. 

2. Eine pigmentierte Induration wird bei Männern fast ausschließ- 
ich auf der „glans penis“ beobachtet, bei Weibern an der inneren Fläche 
der kleinen Schamlippen, im Scheideneingang und in der Scheide 
selbst. Nach 2—3 wöchentlichem Inkubationsstadium zeigen sich an 
den erwähnten Stellen eine oder mehrere kleine Erosionen, welche 
unregelmäßige, oft wie angefressene, scharfe Ränder haben; ihr Grund 
st braunrot und glänzend wie lackiert, die Sekretabsonderung sehr 
gering und wäfirig. Beim Befühlen der Erosionen erweist sich die 


ER an ER 


— 179 — 


Oberfläche manchmal als eine pergamentartige Verhärtung, das andere 
Mal ist sie noch dünner und kaum fühlbar., Heilt ein solches Ge- 
schwürchen, ohne eine Narbe zu hinterlassen, so deutet später nur 
ein rotes, kaum fühlbares Schüppchen die Stelle an, wo der oberfläch- 
liche, wenig typische Primäraffekt gesessen hat. 

3. Schließlich gehören hierher noch die Fälle, in denen die Ver- 
änderungen an der Infektionsstelle nichts Charakteristisches darbieten, 
in denen sie als einfache Erosionen oder Exkoriationen erscheinen und 
den Eindruck eines oberflächlichen, scheinbar unschuldigen Defektes 
machen. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich eines Falles von 
Sekundärerscheinungen, die sich durch hartnäckigen Widerstand gegen 
die Therapie auszeichneten. Der Kranke verhielt sich meinen Andeu- 
tungen gegenüber sehr skeptisch, indem er meinte, daß er noch nie 
in seinem Leben einen Schanker gehabt habe. Da ihm meine Diag- 
nose nicht imponierte, suchte er noch andere Ärzte auf, bekam aber 
immer dieselbe Antwort, sodaß er schließlich überzeugt wurde. Jetzt 
erst fiel ihm ein, daß er vor ca. 1!/, Jahren einen typischen Zoster 
gehabt habe, der aber von einem Venerologen als durchaus unge- 
fährlich dargestellt wurde, es sei nichts, es werde ohne Folgen 
vorübergehen. 

Nehmen wir einen anderen Fall. 

Nach dem äußeren, charakteristischen Aussehen, nach der In- 
kubationszeit, nach der verdächtigen Quelle, nach der typischen, knor- 
peligen Verhärtung wird mit Bestimmtheit der verhängnisvolle, syphi- 
Jlitische Schanker diagnostiziert. Steht mir in diesem Falle das Recht 
zu, dem Patienten kategorisch zu erklären, daß er an Syphilis leide? 
Wenn wir hierbei die klinischen Beobachtungen berücksichtigen, die 
dahin gehen, daß Schankergeschwüre vollständig den Charakter der 
Härte haben können und dennoch nicht immer Allgemeinerscheinungen 
im Gefolge haben, wenn wir weiter die neuesten anatomischen Unter- 
suchungen von Prof. Finger beachten, so müssen wir einräumen, daß 
von kategorischen Behauptungen nicht die Rede sein kann. Prof. 
Finger sagt Folgendes: „Ein Fehler, in welchen viele Anhänger der 
dualistischen Lehre, besonders bei den Franzosen, fielen und zum Teil 
noch heute fallen, besteht darin, daß sie der Verhärtung eine zu große 
Bedeutung zuschreiben und dieselbe mit dem syphilitischen Primär- 
symptom identifizieren. indessen ist das Primärsymptom doch nur 
eine Veränderung, welche am Orte des Eindringens des syphilitischen 
‘ Giftes unter lokalen Einflüssen sich entwickelt, während die Verhärtung 


— 180 — 


ein Symptom der Primärveränderung darstellt, ein Symptom, das un- 
geachtet der Krankheit fehlen kann; andrerseits aber kann es vor- 
handen sein, doch kann es durch andere Krankheiten und Umstände 
hervorgerufen sein. Daraus folgt, daß wir auf Grund nur eines ein- 
zigen Symptomes nicht behaupten dürfen, daß wir es mit ein und der- 
selben Krankheit zu tun haben. Die Verhärtung ist einerseits nicht 
ein beständiges Symptom des Primäraffektes, andrerseits kommt sie 
ausschließlich ihm allein durchaus nicht zu. Diese Tatsache bestreiten, 
hieße die Wahrheit zu Gunsten der Theorie beugen.“ 

Der typischen, knotenförmigen Verhärtung begegnen wir bekannt- 
lich besonders am Rande der Vorhaut, im Sulcus coron., an der Harn- 
röhrenmündung, an dem Rande der großen und kleinen Schamlippen, 
an den Brustwarzen, an den Mundlippen, — der pergamentartigen 
Sklerosis dagegen an der Eichel, an der inneren Fläche der kleinen 
Labien und am Scheideneingange selbst. Welche wichtige Rolle die 
lokalen Verhältnisse spielen, ist in Besonderheit in solchen Fällen sicht- 
bar, in denen der Primäraffekt im Sulcus coron. sitzt, dann aber auf 
die glans übergreift. Der Teil des Geschwüres, welcher sich im Sul- 
cus befindet, ist knopfartig, knorpelig, derjenige dagegen, der bis auf 
die Eichel reicht, nur eine pergamentartige Konsistenz aufweist, die 
häufig durch das Gefühl kaum zu konstatieren ist. 

Die pathologische Anatomie hat uns gelehrt, daß die Form und 
Entwicklung des Schankers von der Verteilung und Ausbreitung der 
Blutgefäße abhängt; letztere ist aber wesentlich verschieden in der 
Haut der mittleren Partien der Eichel von der in der Harnröhren- 
mündung, Corona und Sulcus glandis. Bei den Untersuchungen des 
Baues und der Verteilung der Gefäße fand Prof. Finger, daß gerade 
dieser Faktor eine wichtige Rolle für die Entstehung eines mehr oder 
weniger harten Genitalgeschwüres habe. Weiterhin ist durch Beobach- 
tungen festgestellt, daß an gewissen Stellen des Körpers, besonders 
an den Geschlechtsteilen, alle sich entwickelnden Erosionen und Exko- 
riationen unter Umständen einen deutlich verhärteten Untergrund haben, 
eine Tatsache, die ebenfalls in den anatomischen Verhältnissen der 
Blutgefäßverteilung ihre Erklärung findet. Hieraus folgt mit Notwendig- 
keit, daß die Verhärtung ein Symptom ist, das nicht immer den Pri- 
märaffekt begleitet und ihm allein eigentümlich ist, und daher auch 
nicht als ein pathognomonisches zu gelten berechtigt ist. 

Die erwähnten Untersuchungen Prof. Fingers gestatten üns zwar 
=- eine Erklärung, warum die Syphilis das eine Mal mit einem harten, 








— 1831 ° — 


das andere Mal scheinbar mit einem weichen Schanker ihren Anfang 
nimmt, sie geben uns jedoch keine Anhaltspunkte zur positiven Ent- 
scheidung darüber, ob wir es in dem einzelnen Falle mit einer syphi- 
litischen oder nichtsyphilitischen Infektion zu tun haben, ja sie warnen 
uns sogar mit dem Hinweise darauf, daß die so berühmt gewordene 
Verhärtung auch bei den unschuldigsten entzündlichen Erscheinungen 
vorkommen kann. Man darf also bei Gegenwart einer Verhärtung 
allein dem Kranken auf keinen Fall kategorisch erklären, daß er mit 
Syphilis behaftet sei, man rate ihm vielmehr, ruhig die weiteren Er- 
scheinungen abzuwarten, zu denen als die ersten die Bubonen zählen. 
Doch mit den indolenten Bubonen ist es eine eigenartige Sache. 
Entwickeln sie sich in jedem Falle? Bleiben sie immer indolent, ver- 
eitern sie nie? Sind sie immer der Beobachtung zugänglich? Sind 
sie immer für die syphilitische Infektion charakteristisch? | 
In der Mehrzahl der Fälle entwickeln sich natürlich typische 
Schwellungen der zugehörigen Lymphdrüsen, welche in frischem Zu- 
stande bei der Palpation das Gefühl von elastischen Kugeln, die prall 
mit Luft gefüllt sind, erzeugen. Doch sind auch Fälle bekannt, in 
denen die Drüsen erst längere Zeit nach Verheilung des Primäraffektes 
sich vergrößerten. Wir müssen daher unsere besondere Aufmerksam- 
keit auf die Patienten richten, bei denen sich ein in Heilung begriffe- 
nes Geschwür findet, ohne daß auch nur die geringste Reaktion von 
Seiten der Leistendrüsen sich zeigt. Ich habe mehrfach die Beobach- 
tung gemacht, daß die Schwellung der Drüsen recht spät (3—4 Mo- 
nate nach der Infektion) auftrat, und auf dem Fuße folgten ihr andere 
Allgemeinerscheinungen. Anderseits habe ich manchmal gesehen, daß 
bei scheinbar typischer Sklerose "schmerzhafte, vereiternde Bubonen 
entstanden. Eine weitere Abweichung von der Norm, die die Diag- 
nose noch mehr verschleiert, besteht darin, daß offenbar weichen 
Schankern mit nachfolgenden schmerzhaften, purulenten Bubonen sich 
dennoch die zyklischen, syphilitischen Erscheinungen anschlossen. 
Derartige Unregelmäßigkeiten_in dem normalen Verlauf der Krank- 
heit verlangen beim Diagnostizieren äußerste Vorsicht, jedenfalls zwingen 
sie uns, mit dem positiven Urteile bis zur völligen Aufklärung der be- 
obachteten Tatsachen zuzuwarten. Manches Mal ist die Drüsenschwel- 
lung nur gering, kaum fühlbar, und die Kranken sind oft der Meinung, 
daß sie derartige, unbedeutende Vergrößerungen schon lange vorher 
an sich wahrgenommen hätten. Der Charakter der Drüsenschwellung 
pflegt auch nicht beständig zu sein, sondern ist individuellen Schwan- 


— 182 — 


kungen unterworfen. Unter besonderen Umständen wird der Wert der 
Drüsenschwellung für die Diagnose, besonders in zweifelhaften Fällen, 
noch bedeutend herabgesetzt, wie z. B. bei stark entwickeltem Fett- 
polster, bei Veränderungen der Drüsen durch vorhergegangene Eite- 
rungen und bei Skrofulose. Bei Lokalisation des Primäraffektes am 
oberen Teile der Scheide, an der Portio vag. uteri schwellen überdies 
nicht die Leisten-, sondern die Bauchdrüsen, welche natürlicherweise 
der Palpation nicht zugänglich sind. 

Wenn nun der harte Schanker nicht immer Syphilis bedeutet, 
wenn der weiche Schanker nicht immer ohne Allgemeinerscheinungen 
verläuft, "wenn schließlich auch die indolenten Bubonen nicht immer 
unsere Zweifel entscheiden, so ist doch der Ausschlag — in den 
meisten Fällen die Roseola — das Schwert Alexanders, welches den 
gordischen Knoten löst. 

Leider kann auch der Ausschlag lange Zeit auf sich warten 
lassen, oder er tritt so schwach in Erscheinung, daß wir wiederum 
im Zweifel sind. Einen markanten Fall aus meiner Praxis will ich 
anführen! 

Ein junger, intelligenter Mann, Ingenieur von Beruf, acquirierte 
sich einen harten Schanker. In den ersten Tagen wollte er, wie das 
gewöhnlich zu sein pflegt, sich „eine Kugel durch den Kopf jagen“; 
doch bald zog er vor, Einreibungen zu machen, welche ihm ein Spe- 
zialarzt verordnet hatte. Nach 6 Touren entschloß er sich, die Allt- 
gemeinerscheinungen abzuwarten. Fast täglich besichtigte er seinen 
Körper, mit Peinlichkeit achtete er auf die geringsten verdächtigen 
Zeichen, um ja ein charakteristisches zu erfassen, an denen die sekun- 
däre Periode so reich ist. Es vergingen jedoch 8 Jahre, und der 
Patient hatte seine Syphilis bereits vergessen in der festen Überzeu- 
gung, daß die zuerst gestellte Diagnose falsch gewesen. Plötzlich 
bildete sich bei ihm nach einem jähen Schwindelanfall eine Hemiplegie 
aus, und gleichzeitig erchienen auf dem Kopfe und an anderen Teilen 
ulceröse Syphilide, die erst nach einer energischen Quecksilberkur 
verschwanden. 

Dieses Beispiel brachte mich auf recht trübe Gedanken. Man 
versetze sich im Geiste in die Lage des Arztes, an den sich der Ingenieur 
vielleicht einen Tag vor dem verhängnisvollen Anfalle gewandt hätte. 
Was hätte er dem Patienten auf die Frage nach seinem Zustande 
sagen können? Und solche Fragen sind doch nicht selten! Höchst- 
wahrscheinlich hätte er den Patienten gründlich untersucht; nachdem 


— i83 — 


er nichts gefunden, hätte er ihn vollständig beruhigt und ihm sogar 
beigestimmt, daß die frühere Diagnose nicht richtig gewesen, er also 
die 6 Inunktionen unnötig gemacht hätte. Am anderen Tage aber 
konnte er sich mit Gram im Herzen überzeugen, daß uns: nicht ein 
einziges Faktum zur Verfügung steht, welches mit unwiderlegbarer Sicher- 
heit in gegebenem Falle die bestimmte Erkennung dieser bösen Krank- 
heit ermöglicht. 

Es sei noch folgender Fall erwähnt: Vor 4 Jahren kam ein junger 
Mann mit 2 kleinen Geschwürchen am penis zu mir. Beide ulcera 
machten zunächst den Eindruck von weichen Schankern. Bald darauf 
heilte das eine Geschwür zu, während das andere etwas härter wurde 
und sich deutlich mit Pigment verfärbte; in den Leisten bildeten sich 
höchst charakteristische indolente Bubonen. Nach einem Consilium 
wurde dem Patienten erklärt, daß er an Syphilis leide. Trotzdem ver- 
suchte ich, das Auftreten der Roseola abzuwarten. Nach Verlauf von 
3 Monaten ließ ich den Patienten die erste Inunktionskur machen, 
trotzdem die Roseola nicht aufgetreten war. Nach einem weiteren 
halben Jahre machte der Patient die 2. Schmierkur ohne Rücksicht 
auf das Fehlen irgendwelcher Symptome. Seit dieser Zeit sind 4 Jahre 
verflossen, der Patient hat nie einen Ausschlag gehabt und fühlt sich 
vollständig gesund. Interessant ist vielleicht noch, daß ein Bruder 
des vorher Erwähnten sich mit einem Geschwür am Gliede vor 2!/, 
Jahren bei mir vorstellte. Dasselbe war 3 Wochen nach dem Coitus 
aufgetreten und hatte eine pergamentartige Konsistenz. In der Leiste 
war ein schmerzhafter Bubo, der so deutlich das Gefühl der Fluktua- 
tion hervorrief, daß ich mich entschloß, denselben zu inzidieren. Zu 
meiner Verwunderung entleerte sich nicht ein Tropfen Eiters, und man 
sah auf dem Grunde der Wunde nur die beiden Hälften der aufge- 
schnittenen Drüse, die in kurzem resorbiert wurde. Der Kranke be- 
sucht mich von Zeit zu Zeit zur Kontrole, doch habe ich bis jetzt 
weder Roseola noch andere Erscheinungen beobachten können. Der 
Vater hat angeblich Syphilis nicht gehabt, trotzdem er in jungen Jahren 
gestorben ist, die Mutter ist mit 60 Jahren bis heute völlig gesund. 

Solche und ähnliche Fälle versetzen den Arzt in eine peinliche, 
schwierige Lage. Wie sollen wir sie auffassen und verstehen? Lag 
wirklich Syphilis vor? Wenn es der Fall war, warum wurden keine 
deutlichen Erscheinungen der Sekundärperiode wahrgenommen? Nehmen 
wir an, daß die 2 Kuren genügten, um weitere Symptome zu verhüten, 
so erhebt sich die Frage, ob eine wirkliche Heilung eingetreten ist, 


2. 484, = 


oder ob die Krankheit vielleicht nach einer Reihe von Jahren schein- 
baren Wohlbefindens plötzlich mit ihrer ganzen Schwere wieder auf- 
treten wird? lst man andrerseits berechtigt, die Kuren fortzusetzen, 
ohne daß man dazu gezwungen ist? Warum sollte man den Kranken 
den sicherlich nicht angenehmen Kuren unterwerfen, wenn es absolut 
überflüssig wäre?“ So weit der russische Kollege. Nach einer Ab- 
schweifung über latente Syphilis, über die Heilbarkeit derselben und 
die parasyphilitischen Prozesse kommt er zu folgendem Ratschlage: 
Der Arzt hat die Pflicht, den Kranken nicht zu erschrecken, indem er 
ihm unvermittelt die ganze Wahrheit offenbart und ihn dadurch in 
die Arme der Verzweiflung drängt; er soll vielmehr eingedenk sein, 
daß er die einzige Stütze des unglücklichen Kranken ist, der ihn auf 
Grund seiner Wissenschaft und Erfahrung tröstet und der Heilung 
entgegenführt. Stets sollen wir Ärzte daran denken, daß, wo wir 
Zweifel haben, wir Syphilis vermuten, und umgekehrt, wo wir Syphilis 
diagnostizieren, wir Zweifel "haben sollen inbezug auf die Prognose. 
Da uns in dem Quecksilber und Jod äußerst zuverlässige, ja spezifische 
Heilmittel (jessner nennt sie „die einzigen Lichtpunkte in der Lehre 
von der Syphilis“. D. Ref.) zur Verfügung stehen, mit denen wir oft 
„für alle Eventualitäten“ günstig eingreifen können, so wird von unseren 
berechtigten Zweifeln nicht nur die“ Rettung der Gesundheit, sondern 
auch des Lebens unserer Patienten abhängen. 


Ueber die Anästhesierung der Nieren und oberen 
Harnwege. 


Nach einer Vorlesung, gehalten von M. Lavaux an der medizinischen Fakultät 
der Pariser Universität. 





Seit dem Jahre 1887 ist es uns möglich, Harnröhre und Blase 
durch lokal wirkende Anästhetica empfindungslos zu machen. Dagegen 
haben wir bis in die neueste Zeit kein Mittel zur Verfügung gehabt, 
welches auf indirekte Weise, d. h. innerlich gegeben, einen anästhe- 
sierenden Einfluß auf Niere und Harnleiter ausübte. Daß man direkt 
diese Organe, in ähnlicher Weise wie die Harnröhre, anästhetisch 
machen kann, ist ja wohl ausgeschlossen. Es war daher unser Be- 
streben, ein Mittel zu finden, welches, innerlich verabreicht, im stande 
wäre, einen starken anästhetischen Einfluß auf die oberen Abschnitte 
des Harnapparates bei seinem Ausscheiden aus dem Blute auszuüben, 








== 185. 


ohne daß es schädliche Nebenwirkungen, wle das Cocain, hervorruft. 
Bei diesem Suchen kamen wir auf ein Mittel, das unser Interesse um 
so ınehr erregte, als es auch eine energische, die Eiterung hemmende 
Wirkung ausübt. | 


Die Pflanze, welche diese fragliche Substanz liefert, ist schon 
seit langer Zeit bekannt. Es ist eine Pfefferart, der Piper methys- 
ticum, ein strauchartiges Gewächs, welches auf den polynesischen 
Inseln vorkommt. In der 9. Ausgabe des Werkes von Trousseau 
und Pideau, betitelt „Traité de T Herapeutigaeng et de matière médicale“ 
finden wir hierüber folgendes: 


Die Taitier und Bewohner Polynesiens bereiten mit der Wurzel 
von Piper methysticum ein berauschendes Getränk, welches sie Kava, 
Kawa oder Ava nennen. ' 


Über denselben Gegenstand berichtet Dorvault (1898) in seinem 
Werke „Officine ou répertoir général de pharmacie pratique“: 


Die frische Wurzel wird getrocknet und zur Bereitung eines Ge- 
tränkes verarbeitet, das von allen Insulanern mit Leidenschaft konsu- 
miert wird. Gleichzeitig dient dieses Getränk als Anticatarrhale und 
als sicher wirkendes Antigonorrhoicum. 


Im Jahre 1902 veröffentlichte Dr. Boss in Straßburg i. Els. eine 
interessante Arbeit „Über die Behandlung der Gonorrhoe mit Gonosan, 
einem aus Kawa und Sandelöl zusammengesetzten Antigonorrhoicum“. 
Wir entnehmen hieraus folgendes: 

Gonosan ist eine gelbgrüne, ölige, in Weingeist, Äther und Chloro- 
form lösliche Substanz von stark aromatischem Geruch, welche die 
aus der Wurzel von Piper methysticum (Kawa-Kawa) extrahierten 
Harze in reinem ostindischem Sandelöl gelöst enthält. 

Die Kawawurzel wird in ihrer Heimat (Polynesien) bekanntlich 
schon seit langer Zeit als ein Antigonorrhoicum verwendet. Sie ent- 
hält neben zwei indifferenten, kristallisierbaren Stoffen (Kawahin und 
Yangonin) ein wirksames Harzgemisch, welches sich nach einem von 
Lewin angegebenen Verfahren in zwei gut charakteristische Harze, 
das «- und B-Harz zerlegen läßt. 

Über die pharmakologischen Wirkungen dieser Harze äußert sich 
Lewin folgendermaßen: 

Bringt man ein Tröpfchen «-Harz auf die Zunge, so tritt die 
Empfindung des Taubseins sowie auch eine nachweisbare Herabsetzung 


der Empfindung ein, von der auch der Gaumen und alle sonstigen 
3 


Ramee aa: oo- 


— 186 — 


Teile der Mundhöhle, die mit dem Mittel in Berührung kommen, be- 
troffen werden. 

Das $-Kawaharz wirkt ähnlich wie das a-Harz, nur viel schwächer 
und weniger anhaltend. 

Bringt man ein stecknadelkopfgroßes Stück des Harzgemisches 
(@+-#-Harz) einem Tiere in das Auge, so tritt nach drei Minuten, 
oft schon früher, eine vollkommene Anästhesie der Cornea und Cun- 
junctiva ein. | 

Lewin gelang es, aus dem Harn nach Kawa-Gebrauch harzige, 
am Auge Anästhesie erzeugende Bestandteile zu extrahieren. Eine 
lokale anästhetische und beruhigende Wirkung konnte also in den 
Teilen des uropoetischen Systems, in welchen eine solche erwünscht 
ist, zustande kommen. Außerdem beobachtete Lewin an den Schleim- 
häuten, die mit Kawaharz direkt in Berührung kamen, eine eigenartige 
Ischämie, auf welche vielleicht die bei Gonorrhoe beobachtete Vermin- 
derung des Ausflusses nach Kawa-Gebrauch zurückgeführt werden kann. 
Bemerkenswert ist ferner, daß nach Rogers das flüssige Extrakt der 
Kawa diuretisch wirkt, was auch Lewin mit Sicherheit von diesem 
und anderen Kawapräparaten nachweisen konnte. 

Die anästhesierende Wirkung der Kawaharze wurde bald nach 
Lewin von Goldscheider bestätigt, während Dupouy, Sanne, 
Weinstein, Finger und andere Autoren über die vorzüglichen Erfolge 
des Mittels bei Gonorrhoe berichten, und zwar gestützt auf ein 
großes klinisches Material, zu dessen Bearbeitung in erster Linie die 
günstigen Erfahrungen der Eingeborenen der Südsee-Inseln angeregt 
hatten. ; 

Nachdem so die günstige Wirkung der Kawa von allen Unter- 
suchern festgestellt und bewiesen worden war, lag es nahe, sie neuer- 
dings therapeuthisch bei Gonorrhoe und Cystitis zu verwerten. 

Der chemischen Fabrik J. D. Riedel in Berlin ist es nun gelungen, 
die pharmakodynamisch wirksame Harzmasse («+-ß-Harz) nach Eliminie- 
rung des indifferenten Kawahins und Yangonins chemisch rein darzu- 
stellen und sie in ostindischem Sandelöl zu lösen. 

Das neue Präparat, welches mit dem Namen „Gonosan“ be- 
legt wurde, kommt in Kapseln in den Handel, von denen jede 0,3 g. 
Inhalt aufweist. Davon entfallen auf @&+3-Kawaharz 20%,, also 0,06 g., 
auf Sandelöl 80°%,, also 0,24 g. Der Inhalt der Kapseln ist eine durch- 
sichtige, gelbgrüne, ölige Substanz von scharfem, aromatischem Geruch, 
der die Kapseln durchdringt. 





j 


— 187 — 


Dieses neue Antigonorrhoicum hat' nach Boss große Vorzüge. 
Es übertrifft alle bisher bekannten Mittel an Wirkung und greift 
die Verdauungsapparate und Nieren nicht an. Er gelangt zu folgen- 
dem Schluß: 

1. Der Tripper verläuft ohne jede unangenehme Empfindung, ohne 
Brennen beim Urinieren, ohne Schmerz; 

2. Die Kawa wirkt diuretisch, klārt rasch den Urin und be- 
schränkt die Sekretion; . 

3. Bei besonderer Beobachtung der Diät — Vermeidung der 
Alkoholika und möglichste Beschränkung der Flüssigkeitszufuhr — 
bleibt unter Gonosan- Gebrauch die Entzündung in der Mehrzahl der 
Fälle auf den vorderen Teil der Harnröhre beschränkt. Hierdurch ge- 
lingt es, die Gonorrhoe in der vierten bis fünften Woche zur Heilung 
zu bringen und so eine Verkürzung des gewöhnlichen Ablaufes des 
Trippers herbeizuführen. . 

4. Bei Cystitis bewirkt Gonosan rasche Klärung des Urins und 
Beruhigung der Blasennerven. 

Dieses Antigonorrhoicum hat inzwischen die Aufmerksamkeit einer 
ganzen Reihe von Autoritäten auf sich gelenkt, welche mit dem Mittel 
ausnahmslos gute Erfolge erzielten. Benninghoven, Reifßner und 
Friedländer in Berlin, Spitzer in Wien, Küsel in Moskau, Meyer 
in Neapel, Sokal in Lemberg, Sarcany in Craiova, Zechmeister 
in Pola und viele andere haben durch eingehende Untersuchungen er- 
mittelt, daß Gonosan als ein ideales Antigonorrhoicum anzusehen sei, 
dessen Wirkung bei Gonorrhoe stets zuverlässig ist. 

Dagegen hat meines Wissens noch niemand die Wir- 
kung des Gonosans bei Entzündungen der oberen Harn- 
wege, also des Harnleiters, des Nierenbeckens und der 
Niere studiert. 

Indessen brachte Friedländer das Gonosan auch in Anwendung 
bei Erkrankungen, die nichts mit Gonorrhoe zu tun hatten. 

In einigen Fällen von Cystospasmus mit klarem Urin, ohne 
Gonorrhoe und ohne nachweisbare anatomische Veränderungen wurde 
das Gonosan, teils mit Erfolg, teils ohne Erfolg, angewendet. In einem 
Falle von Schmerzhaftigkeit nach dem Urinieren infolge Arrodierens 
des Blasenhalses durch Uratkonkremente blieb der Erfolg aus. Mehrere 
Fälle von Blasenkatarrh wurden sehr günstig beeinflußt, d. h. der Urin 
klärte sich, der Harndrang und die Schmerzen verschwanden. Als 
Hauptvorzüge des Gonosans stellt Friedländer die frappierende 


— 188 — 


anästhesierende und entzündungswidrige Eigenschaft in den 
Vordergrund. Daneben kommt ihm noch eine anämisierende und 


sekretionsbeschränkende Wirkung zu. (Schluß folgt.) 


Il. Referate. 


v. Reuß: Ein Fall von orthotischer Albuminurie im Anschluße 
an Nephritis. (Wiener med. Wochenschrift Nr. 14. 1904.) 

Es handelte sich in dem Falle R.’s um einen ca. neunjährigen weib- 
lichen Patienten, welcher mit Cystitis und Nephritis auf Prof. Escherichs 
Klinik lag. Der Harn des Mädchens enthielt damals hyaline und granulierte 
sowie Epithelzylinder. Geheilt entlassen, stellte es die Mutter zufällig nach 
einigen Monaten wieder vor, bei welcher Gelegenheit man wieder Eiweiß 
im Harn entdeckte. Im Spital behalten, zeigte es sich, daß der Harn 
des Kindes am Morgen stets von Eiweiß frei war, während der Tag- 
harn fast immer solches enthielt. Verf. spricht den Falt als orthotische 
Albuminurie an, welche vielleicht durch forcierte Bewegungen und durch ein 
nicht in völlig normaler Weise funktionierendes Zirkulationssystem zu er- 
klären wäre. Bemerkenswert ist, daß bei der orthotischen Albuminurie es 
sich stets um Serumeiweiß handelt und Nucleoalbumin, welches bei der 


cyklischen Albuminurie konstant gefunden .wird, bei dieser Erkrankung fehlt. 
Straschnow-Prag. 





M. Thiemich: Über den Einfluß der Kalisalze auf die Eiweiß- 
ausscheidung bei Nephritis. (Aus der Univers.- Kinderklinik in Breslau.) 
— Monatsschrift f. Kinderhikd., Februar 1905. = 

Th. hat die Angabe Bunges, daß die Kalisalze, wenn sie in reich- 
licher Menge die Niere passieren, dieselbe reizen könne, exakt nachgeprüft 
an einem 7jährigen Knaben, bei dem mehr als 2 Jahre lang eine starke Ei- 
weißausscheidung, zeitweilig mit erheblichen Blutungen im Harne, beobachtet 
worden war. Pat. wurde verschiedenen, hinsichtlich ihres Kalireichtums 
stark divergierenden Ernährungsarten unterworfen. Wie zu erwarten war, 
entsprach die renale Ausfuhr des Kalium der Einfuhr desselben mit der 
Nahrung: bei Milch- und Kartoffelkost die höchsten, bei rohen Eiern und 
Reis die niedrigsten Zahlen für KCI. Wenn nun die Kalisalze wirklich ein 
die Niere schädigendes Moment darstellten, mußte der kaliärmsten Nahrung 
(rohe Eier) der niedrigste, der kalireichsten (Kartoffel) der höchste Eiweiß- 
quotient entsprechen. Das war nun keineswegs der Fall. Allerdings trat 
bei der kaliarmen (aber nicht kaliärmsten) Reisdiät die geringste Eiweißaus- 
scheidung ein, aber bei der kalireichsten (Kartoffel-) Kost ergab sich der zweit- 
niedrigste Eiweißwert, und bei Fleischkost, welche an Kalireichtum nur un- 
bedeutend die Reiskost übertrifft, die größte, der Reisdiät um das Doppelte 
überlegene Eiweißausscheidung. 

Man sieht daraus, daß die Eiweißausscheidung bei chronischer Nephritis 
durch die Art der Ernährung beeinflußt werden kann, daß aber hierbei den 
Kalisalzen nicht die entscheidende Rolle zukommt. Grätzer-Sprottau. 








— 189 — 


L. Bolton Bangs, M.D. of New-York: Hematuria as a symptom of 
Hydronephrosis. Nephrectomy. Cure. (Medical News, February 11. 1905.) 
Außer Israel tun wenige Autoren der Haematurie als Symptom der 
Hydronephrose Erwähnung. Newman meint ausdrücklich, daß Hydronephrose 
bei Haematurie nicht beobachtet worden sei. 13 derartige Fälle sind in den 
letzten Jahren berichtet worden: 9 von Israel, 1 von Morris, 1 von Allingham, 
1 von Reclus und 1 von Albarran. | 
Verfasser beschreibt einen Fall bei einem 19jährigen Manne, bei dem 
die Prüfung mit Harris Separator ergab, daß die linke Niere die erkrankte 
sein mußte. (Blut im Urin, letzterer geringe Mengen von Eiter, hyaline 
Zylinder, keine Tubercelbazillen enthaltend, spez. Gewicht 1005, Harnsalze 
0,006, alkalisch reagierend, Flocken enthaltend.) . Die Haematurien waren 
intermittierend und verschieden in Quantität, jedoch nie ernstlich. Einmal 
wurden sie durch Erschütterungen in einem Wagen wesentlich vermehrt. 
Da keine Diagnose gestellt werden konnte, wurde eine Explorativ- 
incision gemacht, welche bestehende linksseitige Hydronephrose ergab. 
Nach der Operation wurde die exzidierte Niere dem Carnegielaboratorium 
zur Prüfung übersandt, welche subacute Pyelitis mit Destruktion des Epithels 
des Nierenbeckens mit teilweisem Granulationsgewebe fand. Die Pyramiden 
waren, ein Resultat der Hydronephrose, atrophisch. Die Arterien zeigten 
beträchtliche Endarteritis, führend zur Verengerung der Lumina der Gefäße. 
In der Cortex wenige Herde von Rundzelleninfiltration, aber keine Tuberkulose. 
Nach Israel sind Lageveränderungen der Niere die häufigste Ursache 
der Hydronephrose (entweder infolge abnormer Mobilität oder angeborener 
zu tiefer Lage der Niere). Patient erholte sich völlig post operationem, so 
daß er 1 Jahr nach derselben Antrag auf Lebensversicherung stellte. Verf. 
hält einen Patienten mit einer Niere für wohl fähig, normales Lebensalter 
zu erreichen. Rohlcder-Leipzig. 


Max Petrenz: Über multiple Adenombildung in Schrumpfnieren. 
(Inaugural-Dissertation, Würzburg 1904, 31 S.). 

Es handelte sich im beschricbenen Falle um das Auftreten von mul- 
tiplen adenomartigen Knötchen in allen Größen in einer sekundären Schrumpf- 
niere. Schon makroskppisch schienen die kleinsten Knötchen aus körnigen 
Überresten des nicht geschrumpften Nierenparenchyms hervorzugehen. Mik- 
roskopisch waren die Knötchen teils nach dem Typus des einfachen tubu- 
lösen Adenoms gebaut, teils zeigten sie den Typus des pseudopapillären 
Adenoms. Die Ademomschläuche zeigten ein an das Epithel der Sammel- 
röhren erinnerndes Epithel. M. 


France: A Case of Cryptorchidism. (Medical Record, Dec. 10. 
1904, p. 937.) 

Fall von doppelseitigem Kryptorchismus, Entwicklung eines großen 
Spindelzellensarkoms in dem einen Hoden, Operation. Das Interesse des Falles 
liegt darin, daß Patient trotz des doppelseitigen Kryptorchismus weder impotent, 
noch steril war. A. Freudenberg - Berlin. 


— 190 — 


: Rosenberger: Presence of Tubercle Bacills in the Urine of Pa- 
tients suffering with Pulmonary Tuberculoce. (American Medicine, 
Dec. 5, 1904). 

Rosenberger untersuchte den Urin von 25 an Lungen-, aber nicht Uro- 
genital-Tuberkulose leidenden Patienten mikroskopisch und durch Meer- 
schweinchen-Infektion auf Tuberkelbazillen. In 5 Fällen wurden ein paar 
isolierte, niemals in Häufchen liegende Bazillen konstatiert Von den in- 
fizierten Tieren starben 3, davon waren bei einem keine Bazillen in dem 
infizierten Urin konstatiert worden. Die überlebenden zeigten bei ihrer 


Tötung nach 3 Monaten keinerlei tuberkulösen Prozeß. 
A. Freadenberg - Berlin. 


Georg Berg: Styptol in der urologischen Praxis. (Zentralbl. f. 
d. Krankh. d. Harn- u. Sexualorg. XVI. Bd., 1. Heft. 1905.) 

R. Kaufmann: Über Styptol und seine Anwendung bei Blutungen 
der Harnorgane. (Deutsch. Med.-Ztg., No. 19. 1905.) 

Berg hat das Styptol zunächst in Fällen angewandt, wo die Patienten 
mit Harnblutungen zur Untersuchung kamen. Es genügten Gaben von 3—4 
Tabletten Styptol & 0,05 täglich, um in 1—2 Tagen das Aufhören der Blutung 
zu bewirken und die Untersuchung vornehmen zu können. Gute Dienste 
leistete ihm das Mittel auch in 3 Fällen von Urethrotomia interna bei starken 
Blutern, ferner in 2 Fällen nach der Lithotripsie. Er hält das Styptol für 
ein wertvolles internes Hämostatikum für die urologische Praxis. 

Auch Kaufmann berichtet über günstige Erfahrung mit Styptol; 
wie aus seinen Ausführungen ersichtlich ist, „nat das Styptol die Erwartungen 
bezüglich seiner blutstillenden Wirkung voll erfüllt.“ M. 


Alfr. Götzl: Die Behandlung der Enuresis mit epiduralen injek- 
tionen. (Aus dem Karolinen-Kinderspital in Wien). (Zentralbl. f. die ges. 
Therapie 1905, No. 1.) 

8 Fälle von reiner Enuresis, ohne jeden lokalen pathologischen Befund, 
wurden mit epiduralen Injektionen behandelt; injiziert wurde teils physiolo- 
gische Kochsalzlösung, teils solche mit !/g— 1°/,igem Kokainzusatz, und zwar 
in der Menge von 5—10 ccm. Nur in einem Falle zeigte sich evidenter 
Heilerfolg, und zwar schon nach der zweiten Injektion. Wiederholt wurden unan- 
genehme Nebenwirkungen (Brechreiz, Schmerzen etc.) beobachtet. 

G. hält diese Methode nur dann für indiziert, wenn alle anderen Mittel 
versagt haben. Grätzer - Sprottau. 





Kornfeld: Zur Ätiologie und Klinik der Bakteriurie. (Wiener 
med. Wochenschrift 1905, Nr. 11.) 

Nach Verfasser ist keineswegs jede nachweisliche Bakterienausschei-. 
dung durch den Harn zu verstehen, wie sie bei den Infektionskrankheiterg 
(Typhus, Tuberkulose, Scharlach u. a.) vorkommen kann. Nach dem heutigen! 
Stande des Wissens haben wir als Bakteriurie im engeren Sinne die Aus 
scheidung eines Harnes zu verstehen, der frisch entleert, massenhaft B 
coli förmlich in Reinkultur enthält, die sich durch eine opalisierende feinf- 








— 191 — 


staubförmig-wolkige Trübung kenntlich macht. Der charakteristisch fade, oft 
faulige Geruch macht die Kranken, die zumeist keine Blasenerscheinungen 
darbieten, auf die Anomalie aufmerksam. Eine Entzündung der Harnwege 
besteht nicht. Der Prozeß ist demnach von Cystitis strenge zu sondern und 
die Benennung Colicystitis fallen zu lassen. Nach K. entsteht die Bakteriurie 
durch Überwandern der Darmbakterien auf direktem Wege in die Blase. Die 
Bakteriurien bei Nephritis und Pyelitis gehören, streng genommen, nicht 
hierher, da dies auf dem Wege der Blutbahn entstandene deszendierende 
Bakteriurien sind, während die sogenannten Blasenbakteriurien niemals as- 
zendieren. Verf. ist der Ansicht, daß die Symptome der Bakteriurie (Fieber, 
Kopfschmerz, Schwindel, Erbrechen, Mangel der Appetenz), die oft sehr in 
den Vordergrund treten, leicht zu Verwechslungen mit chronischem Magen- 
Darmkatarrh, Magenatonie, Anämie, Nephritis, Pyelitis führen können und 
jede Therapie erfolglos bleibt, bis nicht die Grundursache aller Erschei- 
nungen, die Bakteriurie erkannt wird. Therapeutisch stellt K. vor allem die 
Instillationen in die Blase (Sublimat 1:5000 bis 1:3000) in den Vordergrund. 
Verf. kommt zu dem Schlusse, daß die reine gemeine Bakteriurie keine Cys- 
titis im exakten Sinne, kein Entzündungsprozeß ist, sondern eine, zur Ge- 
neralisierung neigende Anomalie der Harnveränderung ausschließlich durch 
das, in diesen Fällen nicht pyogene Bact. coli commune; die Bakteriurie 
wird leichter und öfter als jede andere Affektion im Bereiche des Harn- 
apparates zum Nachteile der Kranken verkannt. Straschnow-Prag. 


C. Polletzer: Kreuzschmerz und Dysurie bei kranken Frauen. 
(Wien. kl. Rundschau Nr. 43. 1904.) 

Im ersten Teil bespricht Verf. den Kreuzschmerz. Er fehlt fast bei 
keiner Erkrankung der inneren Genitalorgane; bes. häufig ist er bei Endo- . 
metritis, Perimetritis bei Tumoren, durch Druck auf das Kreuzbein bedingt. 
Besonders tritt er bei der sog. Koccygodynie in den Vordergrund. Schließlich 
erwähnt Verf. noch die Kreuzschmerzen bei Meteorismus gastrointestinalis. 

Im zweiten Teile wird die Dysurie, i. sp. der schmerzhafte Harndrang be- 
sprochen. Erkommt vor bei Erkrankungen der Vulva: bei Entzündungen, Traumen, 
der senilen Involution, Oedem, Elephantiasis, Ulcus durum, Lupus, Ulcus rodens 
und Neubildungen, häufig vergesellschaftet sich Dysurie mit Pruritus. Ferner 
erzeugen Erkrankungen der Urethra Dysurie, bes. wichtig sind hier die Ent- 
zündungen bes. Gonorrhoe, seltener sind Carunkeln, kleine Papillome und 
Stricturen. Daß Cystitis Dysurien erzeugen kann, ist selbstverständlich. Von 
Krankheiten der inneren Genitalien kommen hier in Betracht: Metritis und 
Endometritis, Vaginitis, Verlagerungen des Uterus, Tumoren des Uterus, 


Hämatometra etc. Sehr lästig ist bes. zuweilen der Perimetritis adhaesiva. 
A. Seelig-Königsberg i. Pr. 


J. Straßburger: Der qualitative Nachweis des Zuckers im Urin. 
(Nach W. S. Haines.) (Mediz. Klinik 1905, Nr. 6.) 

Durch einen amerikanischen Kollegen veranlaßt, empfiehlt St. die 
Zuckerprobe nach Haines, die in Amerika sehr beliebt ist. Sie beruht eben- 
so wie die Fehling’sche Lösung auf dem Prinzip der Reduktion, hat aber 


— 1932 — 


vor dieser den Vorzug, daß sie sich länger hält und durch die Verdünnung 
des Urins viele Substanzen, welche die Reaktion stören können, unwirksam 
macht. Die Zusammensetzung der Lösung ist folgende: 

| „Man löst 2,0 gr. reines schwefelsaures Kupfer in 15 ccm. destilliertem 
Wasser und fügt 15 ccm. reines Glycerin hinzu. Das Ganze wird mit 150 ccm. 
einer 5°/sigen Lösung von Kaliumhydrat gemischt.“ 

Von dieser Lösung werden 4 ccm. im Reagenzglas zum Kochen erhitzt, 
dann einige Tropfen Urin zugesetzt und wieder gekocht, worauf bei Vor- 
handensein von Zucker schnell ein roter bezw. gelber Niederschlag von 
Kupferoxydul bezw. Kupferoxydulhydrat entsteht. Bei geringen Mengen 
Zuckers dürfen höchstens 10 Tropfen Urin zugesetzt und 2 Minuten gekocht 
werden. 

Die Reaktion ist nach Haines noch genauer als die Trommer'sche 
Probe. Pollock-Freiburg. 


Emil Herrmann: Beitrag zur chirurgischen Behandlung der Bu- 
bonen. (Wien. kl. Rundschau Nr. 46.) 

H. hat an 61 Fällen die von ihm etwas modifizierte Somogsyische Me- 
thode (Injekton von 1°; Jodoformglyzerin in die Drüsen, nachdem durch eine 
kleine Stichöffnung der Eiter abgeflossen ist) angewandt und dabei vorzüg- 
liche Resultate erzielt, indem 

5 Fälle in 4 Tagen 


19 n „ 5 „ 

16 sno o» 6 „ 
9 n ” 7 „ 
7 „ „ 8 ” 
2 „9 9 n 
3 „ 9 10 


ohne Komplikation heilten. 
Das Verfahren ist indiziert, sobald Fluctuation nachzuweisen ist, auch 


Bubonen schankröser Provenienz bilden keine Kontraindikation der Methode. 
A. Seclig-Königsberg i. Pr. 


R. Lucke: Zur Behandlung der Trippermetastasen des Mannes. 
(Pharmakologische und therapeutische Rundschau No. 3, 1904.) Verfasser 
empfiehlt bei indirekten Complikationen, d.h. solchen, die nicht „der Ure- 
thretis posterior und ihrer Gefolgschaft" angehören, die Harnröhre zu be- 
handeln und zwar am besten mit hydrostatischen Druckspülungen (Collargol- 
wasser !/,—1°%o). A. Seelig-Königsberg i. Pr. 


C. Brehmer: Über Gonococcensepsis der Neugeborenen. (Deutsche 
“med. Woch., 1905, No. 2). 

Metastatische Erkrankungen sind bei der Gonococceninfektion des 
Auges entschieden selten, deshalb kann jeder neue Fall ein gewisses Interesse 
beanspruchen, vor allem, wenn, wie hier, die Diagnose durch die bakterio- 
logische Untersuchung gesichert werden konnte. Das Kind kam. 8 Tage nach 
der Geburt mit beiderseitiger schwerster Blennorrhoe zur Aufnahme in das 





— 193 —. 


Solinger Versorgungshaus. Bei der Mutter fand sich gonococcenhaltiger 
Scheidenausfluß und eine noch nicht lange bestehende Entzündung des linken 
Ellenbogengelenks. Nach einigen Tagen starb das Kind unter den Zeichen 
allgemeinen Kräfteverfalls, ohne Fieber; noch intra vitam hatten eine ent- 
zündliche Schwellung beider Fußgelenke und des linken Ellenbogengelenks, 
sowie Albuminurie und unreine Herztöne beobachtet werden können, im 
Bindehauteiter Gonococcen. Die Sektion ergab u. a. subpleurale und epicardiale 
Blutungen; Herzklappen intakt; seröse Pericarditis: Im Eiter des erkrankten 
Ellenbogengelenks fanden sich Gonococcen sowie andere, nach Gram nicht 
entfärbbarc Coccen: es hatte sich hier also um eine Mischinfektion gehandelt. 
Drucker-Stuttgart. 


Galewsky: Über lösliches Kalomel (Kalomelol). (Münch. med. 
Wochenschr. 1905 No. 11,) 

Kalomelol ist cin weißgraues Pulver, fast geschmack- und geruchlos, 
löslich in kaltenı Wasser 1:50. Reiz- und Giftwirkung treten nicht ein, da 
Sublimat aus dem Kalomelol im Gegensatz zu dem Kalomel nicht entsteht. 
Es enthält 75° Kalomel, die übrigen 25°% bestehen aus Eiweißsalzen 
(= 66° Hg). Aus diesem Kalomelol ist von der Chem. Fabrik v. Heyden 
das Ung. Heyden mitius, eine weißlich graue Salbe hergestellt worden, die 
30°. Hg enthält, die Wäsche und Unterkleidung nicht verunreinigt. Die 
Giftigkeit des Kalomelols verhält sich zu Sublimat und zu Kalomel wie 
3:01:05 (bei 3 g-. tritt erst bei Versuchstieren Erbrechen’ ein). Verwandt 
wurde es zu Schmierkuren, deren Wirkung um so schneller war, je leichter 
das Kalomelol Gelegenheit hatte, in offene Stellen der Haut einzudringen 
und resorbiert zu werden. Die Anfangsdosis von 5 gr. wird bald auf 10 gr. 
gesteigert. Die Wirkung ist eine milde. Von Einspritzungen wurde wegen 
der Schmerzhaftigkeit und der starken Infiltrate bald Abstand genommen. 
Dagegen wird die Pillen- resp. die Tablettenform gerühmt mit Opiumzusatz. 
Auch als Streupulver oder in Form von 2° Umschlägen hat es sich bewährt. 
Das Kalomelol-Salicyl-Seifen-Trisoplast u. K. pflastermull sind wegen ihrer un- 
auffälligen Farbe ein gutes Erweichungsmittel zur lokalen Behandlung. Kalo- 


melol empfiehlt sich zu milden Zwischenkuren und bei Hg-Idiosynkrasie. 
Steiner-Mannheim. 


Löwenfeld: Über sexuelle Abstinenz. (Zeitschr. f. Bek. d. G., 1905 
No. 5 und 6.) 

Löwenfeld beleuchtet dic Abstinenz bei Männern aus den gebildeten 
Stānden und kommt zu dem Resultat, daß sie nur unter gewissen Bedingungen 
die Bedeutung eines pathogenen Faktors gewinnen kann. Bei andauernden, 
krankhaften Zuständen liegt in der Regel eine Konstitutionsanamalie vor, die 
angeborene oder erworbene neuro-psychopatische Disposition, was besonders 


‚für die Angstneurose gilt. Die hygienischen Maßnahmen müssen den Zustand 


des Nervensystems und die Produktion der libidogenen Substanz berück- 
sichtigen; er lenkt die Aufmerksamkeit dabei auch auf Regelung des Stuhl- 
gangs. Entgegen Marcuse, hat der Arzt im allgemeinen, von Ausnahmen ab- 
gesehen, keinen genügenden Grund den Patienten, die direkt oder indirekt 


— 194 — 


infolge von sexueller Abstinenz von neuro- oder psychopatischen Störungen 
heimgesucht werden, den illegitimen Geschlechtsverkehr zu empfehlen. Zum 
Schlusse empfiehlt er den Liquor sedans bei sexueller Hyperaesthesie und 
anderen sexuellen Reizerscheinungen. Steiner-Mannbeim. 


v. Dühring: Über Quecksilberwirkung. (Münch. med. Wochen- 
schr. 1905 No. 13). 

Nach den verschiedenen Erklärungsversuchen des „Wie' der Hg-Wir- 
kung wendet sich D. zu Schades Auffassung, der die Wirkung des Hg 
auf die Gewebe als eine katalytische ansieht, indem er eine elektrische 
 Kräftewirkung als Ursache der Katalyse annimmt. Eine von Schade ange- 
führte Arbeit Waltors kommt zu dem Resultat, daß dem Jodkali und an- 
deren Jodverbindungen nur ein Effekt der von Schade beim Hg beobachteten 
Kräfte analoge Fähigkeit katalytischer Oxydationsbeschleunigung zukommt. 
Unter Katalyse ist nach Ostwald „die Beschleunigung eines langsam ver- 
laufenden chemischen Vorganges durch die Gegenwart eines fremden Stoffes“ 
zu verstehen. Bezügl. der näheren Details dieser Arbeit verweise ich auf 
den Originalaufsatz. Steiner - Mannheim. 


Unschuld: Noch eine Mitteilung über Balsamum peruvianum. 
(Münch. med. Wochenschr. 1905, No. 13.) : 

Verf. rühmt die guten Wirkungen des B. p. bei dem Mal perforant der 
Diabetiker. Steiner - Mannheim. 


. Lieven: Therapeutische Notizen zur Syphilisbehandlung. (Münch. 
med. Wochenschr. 1905, No. 13.) 
Zur Verhütung des Jodismus empfiehlt L.: 
Kaljodat 30,0 Ferr. citric. ammon. 4,0 Strychn. nitric. 0,02 
Elaeosacch. menth. pip. 5,0 Ag. flor. Aurant ad 120,0 
St. 1 Theel. in Wasser zu nehmen. 


Zur Regelung der Darmfunktion empfiehlt er das Aachener Trinksalz. 
Steiner - Marnheim. 


Alfred Langen: Kasuistische Beiträge zur Lehre vom Exhibi- 
tionismus. (Inaugural-Dissertation, Bonn 1903.) 

Verf. gibt die genauen Daten über 4 Fälle von Exhibitionismus. Die 
Beurteilung dieser Fälle bietet keine erheblichen Schwierigkeiten, ein Zweifel 
über die Genese des Exhibitionismus könnte höchstens im Fall 4 aufkommen. 
Daß 3 der 4 Kranken: Epileptiker sind, entspricht der von verschiedenen 
Seiten hervorgehobenen Beobachtung, daß Exhibitionismus auf dieser Basis 
am häufigsten vorkommt. Verheiratet war nur einer. In Fall 1, 2 und 4 
kam es zur Gerichtsverhandlung; den ausgestellten Gutachten wurde in An- 
betracht der oben betonten Klarheit der krankhaften Grundlage jedesmal 
durch Einstellung des Verfahrens Folge gegeben. Fall 3 gewinnt dadurch 
an Bedeutung, daß ausführliche Angaben des Kranken über seinen Zustand 
. vorliegen, an deren Glaubwürdigkeit kaum gezweifelt werden kann, da er 
nicht unter Anklage stand, also auch keinen Grund hatte, die Wahrheit zu 





— 195 — 


entstellen. Fall 4 wurde wegen gleichartiger Vergehen mit im ganzen 21/, 
Jahren Gefängnis bestraft; allem Anschein nach hat er auch bei diesen 
früheren Delikten schon unter dem Einfluss seines krankhaften Zustandes 
gestanden, sodaß er bei Hinzuziehung eines psychiatrischen Sachverständigen 
höchstwahrscheinlich schon damals freigesprochen worden wäre. M. 


L. Tobler: Über funktionelle Muskelhypertrophile infolge ex- 
zessiver Masturbation. (Aus der Universitātskinderklinik Heidelberg.) 
== Monatsschrift f. Kinderhikd., Februar 1905. = 

6jähriges, körperlich und geistig normal entwickeltes Mädchen ist 
sonst ganz gesund, nur fällt sofort ein Volumenunterschied der Beine auf, 
das linke erscheint durchwegs schmächtiger, als das sehr plastische rechte. 
Genauere Untersuchung ergibt, daß es sich um eine Hypertrophie des ganzen 
rechten Beines, die sich am stärksten an der Wade ausspricht, nebst leichter 
Kontraktur oder Retraktion der Wadenmuskulatur rechts handelt. 

Die Anamnese zeigte, daß das Kind seit Beginn des 2. Lebensjahres 
an eigentümlichen „Schmerzanfällen“ im Leibe leidet, wobei das rechte Bein 
von dem Kinde steif gehalten wird und stoßende Bewegungen ausführt. 

Pat. wird zur Beobachtung in die Klinik aufgenommen, wo sehr bald 
ein „Anfall“ beobachtet wird. Das Kind liegt bei freiem Sensorium da, mit 
gerötetem Gesicht, glänzenden Augen, die Haut etwas feucht. Unter der 
Decke sah man das rechte Bein zuckende Bewegungen ausführen. Nach 
dem Blosdecken bemerkte man folgendes: Die rechte Hand war mit krampf- 
haft gespreizten Fingern auf der Unterlage ausgestreckt, die linke Hand 
zwischen die Oberschenkel geklemmt, das rechte Bein im Hüft- und Knie- 
gelenk leicht gebeugt, der Fuß in extremer Plantarflexion; die Wadenmus- 
kulatur sprang athletenhaft vor, das ganze Bein fühlte sich bretthart an 
und führte in diesem Zustande kurze, reibende Bewegungen am anderen 
Beine aus. | 

Es handelte sich hier offenbar um einen exzessiven Grad von Mastur- 
bation, und die Hypertrophie war eine Arbeitshypertrophie, welche erklär- 
lich war, da nach Angabe der Mutter jene „Krämpfe“, welche mit dem 
äußerst energischen Kontraktionszustande der Muskeln einhergingen, oft Tag 
und Nacht ununterbrochen andaucrten. Es wurde ferner eine abnorme Fuß- 
stellung durch den dauernden Muskelzug eingenommen; die anhaltende ein- 
seitige Hyperfunktion führte dann zu einer ebenso einseitigen Hypertrophie 
und so sekundär zum Überwiegen der hinteren Unterschenkelmuskeln über 
die vorderen. So erklärt sich die Kontraktur der Wadenmuskulatur. 

Strenge Aufsicht, ein nachts zwischen die Unterschenkel geschnallter 
Sperraparat, hydrotherapeutische Prozeduren machten der Masturbation ein 
Ende; die Kontrakturstellung des Fußes wurde durch passive Bewegungen 
beeinflußt. — 

Als Beleg für das frühe Vorkommen der Masturbation im 1. Lebens- 
jahre führt T. noch folgenden Fall an: 7 monatlicher Säugling leidet seit 4 
Wochen an eigentümlichen Anfällen. Der rechte Unterschenkel legt sich 
bei vollständig gebeugtem Knie der Innenseite des Oberschenkels an. Der 
rechte Absatz wird fest in die Vulva eingebohrt, der rechte Fuß in der Knie- 


— 196 — 


kehle des linken Beines festgehalten. In dieser Stellung führt das Kind fast 
ununterbrochen kreisende und bohrende Bewegungen aus, wobei es von Zeit 
zu Zeit zu ausgesprochenem Orgasmus kommt. 

Auch hier war die Behandlung — leichte Fixation der Beine in ge- 
spreizter Stellung durch Umschlingen mit der Windel und Feststecken der- 
selben mit Nadeln — von Erfolg begleitet. Grätzer-Sprottau. 


C. Hamburger. (Augenarzt): Zum $& 218 des Reichs -Strafgesetz- 
buches. (Medizinische Reform 1905, Nr. 9.) 

Verf. bespricht die Broschüre der Gräfin Gisela von Streitberg: „Das 
Recht zur Beseitigung keimenden Lebens, 8 218 des Reichs-Strafgesetzbuches 
in neuer Beleuchtung“, in welcher die Verfasserin voll und ganz für das 
Recht, die Leibesfrucht zu beseitigen, eintritt. Inwieweit der Staat sich auf 
die Seite der Verfasserin stellen kann, ist nicht Sache der Ärzte zu unter- 
suchen. Wohl aber sollte diese Schrift dazu dienen, den Ärzten immer 
wieder ins Gedächtnis zu rufen, daß sie möglichst großherzig sein mögen 
bei der Beurteilung derjenigen Frauen, welche conzipiert haben und schwer 
krank sind. Schwindsüchtige Frauen insbesondere sollten keine Kinder 
haben. Die Abtreibung ist straffrei, wenn sie der Arzt zur Rettung des 
Lebens der Mutter für nötig erachtet. Daß die Vorsicht gebietet, das Urteil 
eines zweiten Arztes einzuholen und schriftlich niederzulegen, braucht nicht 
erst gesagt zu werden. Aber tief bedauerlich ist es, wenn die offiziellen 
Kundgebungen für diese brennende Frage nur eisiges Schweigen haben. Das 
Wort „und der Lebende hat Recht“ sollten sich diejenigen vor Augen halten, 
die über dem ungeborenen Säugling die schwindsüchtige Mutter vergessen, 
deren Existenz in der Familie eine Lebensfrage ist. Immerwahr-Berlin. 


W. Zeuner in Berlin: Neuere Mittel zur Verhütung der Ge- 
schlechtskrankheiten. (Deutsche Medizinische Presse, 1905, Nr. 3.) 

Ein Prophylaktikum, welches der Förderung der Reinlichkeit und Des- 
infektion entspricht, und außerdem äußerst handlich und leicht anwendbar 
ist, sind die „Amorkugeln“, die aus dünnwandigen, leichtlöslichen Gelatine- 
kapseln bestehen. Sie enthalten folgende wirksame Substanzen: 

Sapon oleacei 1,0 

Chinosol 0,005 

Acid. benzoici 0,1 
Hexamethylen tetramin 0,001. 

Die Anwendung der Amorkugeln ist höchst einfach; eine solche, die 
in kleinen Schachteln jedermann bei sich tragen kann, wird einige Minuten 
vor dem beabsichtigten Verkehr möglichst weit in die Scheide eingeführt. 
Durch die Körperwärme gelangt die Kugel hier leicht zur Lösung, und es 
bildet sich alsbald eine kaum wahrzunehmende, leicht schleimige, antisep- 
tische Flüssigkeit, welche beide beteiligte Personen in der bezweckten Weise 
sicher stellt. In ihrer Zusammensetzung, in der ovalen Form, in ihrer plas- 
tischen Beschaffenheit und in ihrem ‚geringen Volumen bieten die Amor- 
kugeln vor den bisher üblichen, sonstigen Präparaten dieser Art mancherlei 
unverkennbare Vorteile, und sie bedeuten daher einen erheblichen Fortschritt 








— 197 — 


auf diesem Gebiete. Sie sind in den Apotheken zu haben. Die Amorkugeln 
üben keinerlei nachteiligen Wirkungen auf die menschlichen Schleimhäute 
aus. Benutzt eine Frau die Amorkugeln öfters, so empfehlen sich selbst- 
verständlich Ausspülungen mit nicht zu warmem Wasser, wie überhaupt 
Reinlichkeit und desinfizierende Waschungen für Mann und Frau stets wün- 
schenswert sind. Abgesehen von ihrer desinfizierenden Wirkung, haben die 
Amorkugeln eine auffallende Einwirkung auf Spermatozoen, indem sie auf 
die meisten Spermatozoen sofort abtötend wirken. Die Amorkugeln geben 
also nicht nur gegen Gonorrhoe, sondern auch gegen Ulcus molle mit seinen 
Folgeerscheinungen und gegen Syphilis die Möglichkeit eines höchst er- 
wünschten Schutzes und haben außerdem eine vorzügliche antikonzeptionelle 
Wirkung. Immerwahr-Berlin. 


Berliner Dermatologische Gesellschaft. Vorsitzender: Lesser. 
Schriftführer: Bruhns. 

Sitzung vom 10. Januar 1905. 

1) Roscher stellt einen Fall vor, der infolge Lues Lähmungserschei- 
nungen darbot, die unter spezifischer Behandlung zurückgingen bis auf Hinken 
des linken Beines. Dieses muß als hysterische Lähmung auf luetischer 
Grundlage (Toxinwirkung) aufgefaßt werden. — Kromayer hält die Auf- 
fassung nicht für berechtigt, vielmehr hat hier das syphilitische Virus früh- 
zeitig direkt auf das Nervensystem gewirkt. Lesser und Bloch vertreten 
den Standpunkt des Vortragenden und betrachten den Fall als reine funktio- 
nelle hysterische Gehstörung ohne anatomische Grundlage. — R. demonstriert 
zweitens einen Fall von sekundärer Lues mit Meniere’schen Symptomen- 
komplex: Lähmung des VI., VII. und VIII. Gehirnnerven. Es bestcht noch 
eine Lähmung des linken Facialis und völlige Taubheit. Es handelt sich 
wohl um eine Drucklähmung infolge Periostitis intern. cranii. Die lange 
Dauer ist vielleicht durch Ossifikation bedingt. Prognose dubiös. 

2) Bloch a. G. berichtet über einen Fall von: gonorrhoischer Myelitis 
bei einem 23jährigen Mann: linkes Bein ist leicht spastisch paretisch, er- 
hebliche Herabsetzung der Muskelkraft des linken Beines, Steigerung der 
Reflexe links, Blase analgetisch paretisch (Harnträufeln), Erektionen sind 
fortgeblieben. Sitz der Myelitis wird in’s untere Dorsalmark verlegt. — Lipp- 
mann-Wulf vermißt die Angabe über Beschaffenheit des Urins. Vielleicht 
handelt es sich um Neuritis im Gebiet des Ischiadicus und daneben um 
Blasenspasmus infolge Urethritis poster. Wechselmann und Bloch ver- 
teidigen obige Diagnose. 

3} Hoffmann’s Demonstration betrifft einen Syphilitiker mit einer 
Pseudosklerose (indurierte Papel) am Ellbogen. 

4) Heuck zeigt einen Fall von Strabismus penis infolge plastischer 

Induration der Corpora cavernosa. 


Sitzung vom 14. Februar 1905. 
1) B. Markuse demonstriert a) eine Frau mit impetigoähnlichen sy- 
philitischen Efflorescenzen an der Lippe, die als Herpes begonnen hatten; 
daneben crustöse Syphilide am Körper, b) eine syphilitische Phlebitis im 


= 198 


Sekundärstadium der Lues, c) mikroskopische Präparate einer framboesi- 
formen Papel. Gegen letztere empfiehlt Blaschko Aufpinselung einer starken: 
Chromsäurelösung. Saalfeld schließt an diese noch eine 5°/Jeige Sublimat- 
lösung an. 2. 

2) Wechselmann zeigt 2 Fälle von Chancre bipolaire oder successif. 
(1 Schanker am Glied und I am Kinn). 

3) Blaschko empfiehlt einen neuen aseptischen Rasierpinsel; der 
Pinsel besteht aus Pflanzenfasern und ist auswechselbar. Blanck-Potsdam. 


Ill. Besprechungen. 





Otto Mankiewicz: Kunstbuch derinnen ist der gantze gründliche 
volkommene recht gewisse bericht und erweisung vnnd Lehr des Hartenn 
Reissenden Schmertzhafftigenn Peinlichen Blasen Steines verfasset vnnd be- 
schriebenn durch Georgium Bartisch vonn Koenigsbrück. Im Altenn 
Dreßden. 1575. — (Berlin W 30, Verlag von Oscar Coblentz. 1905.) 

Mankiewicz begründet die neue Herausgabe des 1575 von Bartisch 
vollendeten Kunstbuches über den Steinschnitt mit folgenden Worten: „das- 
selbe ist so originell geschrieben, auf der Erfahrung von vierteinhalbhundert 
Operationen in achtundzwanzigjähriger Tätigkeit aufgebaut und mit so vor- 
züglichen, vom Autor selbst angefertigten Abbildungen der Instrumente ver- 
sehen, daß ich eine dreihundertdreißig Jahre nach der Abfassung erfolgende 
Herausgabe im kulturhistorischen als auch im medizingeschichtlichen Interesse 
für geboten erachte.* — Wir können M. nur dankbar sein, daß er uns die 
Lektüre dieses hochinteressanten Buches ermöglicht hat. Wenn diese auch 
anfangs etwas schwer fällt, so liest man sich doch bald hinein und kann 
sich ein paar Stunden angenehm unterhalten. Einzelheiten aus dem Werke 
hervorzuheben oder herauszugreifen, verbietet uns die Ehrfurcht und die 
Zwecklosigkeit, auch erspart uns M. durch eine erläuternde Einleitung jeden 
weiteren Kommentar. Wer sich für dasselbe interessiert, möge es im 
ganzen lesen. Die Ausstattung ist eine würdige. Blanck-Potsdam. 


Dr. med. Fr. Hißbach: Neue Mittel und Wege zur Heilung der 
Zuckerkrankheit. Zweite, bedeutend vermehrte Auflage. (Leipzig, Modern- 
Medizinischer Verlag.) 111 S., Mk. 2.—. 

Das populär geschriebene Werkchen berichtet über Ursache und pa- 
thologische Merkmale der Zuckerkrankheit, über ihr Wesen, ihre Heilung, 
über Harnanalysen und bringt zum Schluß einen vierwöchentlichen Diätzettel 
für Zuckerkranke. Es macht einen sehr ungünstigen Eindruck, daß Verfasser 
im Text. alle die Mitte! besonders herausstreicht, die am Ende annonciert 
sind. M. 








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methodische Wiederholen der Schmierkur außerordentlich erleichternd. Normaldosis 
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lichkeit der Salbe Abpackung in Einzeldosen möglichst zu vermeiden. 


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nässenden Ekzemen, Intertrigo, Ulcus cruris, Verbrennungen. 


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| 2 = 3 Tiefenwirkung. 0,5 bis 1%yige Lösung zu den üb- 

| - | = ———7 lichen Injektionen, 15°/,ige Lösung zur Instillation 
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Für den Inseratenteil: Oskar Gottwald, Leipzig. — Druck von August Hoffmann, Leipzig-Reudnitz 


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Dr. med. Karl Ries in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 


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Heft 5. Mai 105.  .- . Jahrgangll. 


T 


MANINO EESLONE 
I. Originalarbeiten: 


1. Magnus Hirschfeld- Charlottenburg : „Ein seiläner Fall von Hermaphro- 
ditismus.“ 

2. Ries- Stuttgart: „Über Harnverhaltung‘“. _ 

3. M. Lavaux- Paris: „Über die Anästhesierung der Nieren und oberen 
Harnwege. “ (Schiuß.) 


Il. Referate: 


1. M. Chryssovergis: „Origine dyspeptique- des petits accidents du brigh- 
tisme.“ 

2. Prof. L. Jores: „Ūber die Arteriosklerose der kleinen nad 
und ihre Beziehungen zur Nephritis.“ 

. Widal et Javal: „Cure de dechloruration et albuminurie brightique.“ 

. J. Steinhardt: „Kasuistische Mitteilungen.“ 

. T. Pick: „Über Hemianopsie bei Urāmie.“ 

. J. Dzirne: „Über Behandlung der Nephrolithiasis, Hydro- und Pyone- 
phrose.“ 

. Fritz Poly: „Bestimmungen .der molekularen Konzentration des Blutes 
und des Urins bei doppelseitigen Nierenerkrankungen.“ 

8. A. Loeb und C. Adrian: „Rechtfertigt erhöhte molekulare Blut-Konzen- 
tration bei Nierenerkrankungen immer den Schluß auf ' Kranksein 
beider Nieren?“ 

9, Leopold Casper: „Zur Diagnostik und Therapie der Nierentuberkilöse: s 

10. Senator: „Über physiologische und pathologische Albuminurie.“ 
11. M. Bazy: „Sur une nouvelle variété dď'incontineñce nocturne d'urine.“ 

12. R. Kutner- Berlin: „Zur Behandlung der unfreiwilligen Harnentieerung." 

13. L. Stolper-Wien: „Die Behandlung der Enuresis bei Mädchen.“ 

14. G. E. Brewer- New-York: „A Report of Six Cases of Calculus in the 

Pelvic Portion of th& Ureter.“ 


a» Ww 


=) 


— 202 — 


15. Berthold Goldberg- Köln: „Die keimfreie Aufbewahrung weicher und 

“ halbweicher Katheter“ 

16. George Theodore Mundorff- New- York; I. „Report of a case of obstinate 
phosphatic diäthesis cured by systematic dilatations of the posterior 
urethra.“ — Il, „The Kollmann five-glass test.“ 

17. J. B. Studzinski : „Beitrag zur Kenntnis der Wirkung der Essentia antl- 
mellini composita bei Diabetes mellitus.“ 

18. Julius Baer: „Ūber die Einwirkung der Iyun SAATE AUSS NEIRUNE auf 
die Acidose.“ 

19. E. Rudeck: „Nachweis des Hamud durch kolorimetrische Be- 
stimmung nebst Eiweißmessung. = 

20. Max Fischer: „Über die Bedingungen, welche die Ausscheidung der 
Alkalien im Harn begünstigen.“ 

21. P. von Kubinyi: „Gefährliche Blutungen aus den Harnwegen während 
der Schwangerschaft.“ Ä 

22. Dr. Albrecht Frhr. v. Notthafft: „Über scheinbar mit der Prostata nicht 
- zusammenhängende, aber dennoch durch Prostatitis bedingte Schmerzen 
nebst einigen Bemerkungen über chronische Prostatitis.“ 

23. M. Mosny: „Polyarthrite puerperale de nature gonococcique.“ 

24. M, Menetrier: „Sur un cas de polyne@vrite blennorrhaglque terminée par 


la mort.“ 
25. P. Ravant et Darré: „Les réactions nerveuses au cours des herpis 
génitaux.“ l 4 


“6 


26. „L’urethrite staphylococcique par coit „ab ore“, 


II. Besprechungen: 
1. Prof. Henri Hartmann: „Organes Ge£nito-Urinaires de Phomme.“ 
2. Dr. Wilhelm Sternberg: „Die Judenkrankheit, die Zuckerkrankheit, eine 
Folge der rituellen Küche und orthodoxen Lebensweise der Juden?“ 


I. Originalarbeiten. 


Ein seltener Fall von on Hermaphroditismus. 
Beobachtet und beschrieben von Dr. Magnus Hirschfeld (Charlottenburg). 


l. Vorgeschichte. 

Franz K..wurde 1873 als jüngstes Kind eines Försters in West- 
preußen' geboren’ "und als Knabe getauft. Der Vater starb in hohem 
Alter an unbekannter Krankheit, die Mutter in ihrem 40. Lebensjahre, 
angeblich an Gehirnerweichung. Der Vater hatte mit 31 Jahren die 
damals 22 jährige Mutter geheiratet, und entstammten der 18 jährigen 
Ehe, welche nicht besonders glücklich, aber auch nicht unglücklich 
war, außer Franz noch 2 Söhne und eine Tochter. Die beiden älteren 
Brüder starben zwischen ihrem 20. und 30. Jahre, der eine an Magen- 
bluten, der andere an unbekannter Krankheit. 








— 203 — 


Die Eltern und Großeltern waren nicht blutsverwandt. Abge- 
sehen von der angeblichen progressiven Paralyse der Mutter sind weder 
bei den Vorfahren noch bei den Seitenverwandten Fälle von. Geistes- 
krankheiten, körperlichen Abnormitäten, Alkoholismus, Lues, Tuberku- 
lose oder anderen Leiden beobachtet worden, von denen man annimmt, 
daß sie zur Degeneration einer Familie führen. | 

Soviel unser Patient weiß, befinden sich in seiner Verwandtschaft 
keinerlei geschlechtlich absonderliche Persönlichkeiten, auch nicht auf- 
fallend weibliches Aussehen männlicher oder männliches Aussehen 
weiblicher Familienmitglieder. Er selbst ähnelt in hohem Grade seiner 
Mutter. 

Die Kindheit des P, bot wenig Besonderes; außer leichten Kinder- 
krankheiten war er stets vollkommen gesund, sodaß nie ärztliche Hülfe 
in Anspruch genommen zu werden brauchte. Er war auch nicht 
ängstlich oder schreckhaft, fühlte sich aber mehr zu Mädchen hinge- 
zogen, mied die wilden Knabenspiele und erkannte früh, daß er „anders 
war, als andere Kinder“, 

Anfangs im Elternhause erzogen kam er mit 12 Jahren in die 
Stadtschule und verbrachte von dieser Zeit ab nur mehr die Ferien 
bei den Eltern. Diese sowohl wie die älteren Geschwister wußten von 
seiner zwitterhaften Beschaffenheit, vermieden es aber, mit ihm darüber 
zu sprechen. In der Schule interessierten ihn besonders „Sprachen“, 
auch Geographie. Schwärmerische Jugendfreundschaften kamen nicht 
vor. Im 15. Jahre machte sich die Geschlechtsreife bemerkbar, es 
traten die pubes auf, gleichzeitig wuchsen die Brüste stark, während 
ein deutlicher Stimmwechsel nicht beobachtet wurde. Ein schwacher 
Bartflaum über der Oberlippe machte sich zuerst im 20. Jahre bemerkbar. 

Nach beendeter Schulzeit lernte P. Kaufmann. Mit 19 Jahren 
stellte er sich freiwillig zum Militär, um nicht bei der Aushebung in 
Anwesenheit der anderen Rekruten untersucht zu werden. Der Militär- 
arzt erklärte ihn für dauernd untauglich. 

Er nahm dann Stellungen als Buchhalter an, die er stets lange 
und zu großer Zufriedenheit seiner Vorgesetzten inne hatte. Augen- 
blicklich hat er einen Vertrauensposten inne, auf dem jährlich viele 
hunderttausend Mark durch seine Hände gehen. 


ll. Status praesens. 


“ 


a. Körperlicher Zustand. Patient suchte mich auf behufs 
Ausstellung eines Gesundheitsattestes, welches seitens einer Behörde 


— 204 — 


von. ihm erfordert wurde. Es hatte ihn große Überwindung gekostet, 
sich zu einem Ärzte zu begeben, und war schließlich seine Wahl 
auf mich gefallen, da er erfahren hatte, daß ich Personen seiner Art, 
die er als „Lebewesen letzter Klasse“ bezeichnete, besonderes Interesse 
entgegenbrachte. 

Das Auffallendste beim ersten Eindruck war, daß es fast unmöglich 
schien, über das Alter der sich vorstellenden Person ein Urteil zu fäl- 
ien. Man konnte ihn ebensogut für 17 wie für 40 Jahre halten. Er 
erzählte mir, daß er sehr häufig, wenn er Besucher seiner Firma herum- 
zuführen und ihnen Auskünfte zu erteilen hätte, von diesen während 
der Unterhaltung gefragt würde; „wie alt sind Sie denn eigentlich?“ 
worauf er dann humorvoll zu antworten pflege: „17 durch“ oder „17 
gewesen“. Sein Alter verberge er deshalb, damit die Leute ihm nicht 
zum Heiraten zureden. 


Patient trägt einen Anzug, der in keiner Weise von der bei Herren 
üblichen Tracht abweicht. 


Sein hellblondes Haupthaar ist kurz, struppig, ungescheitelt. In 
seinem zarten hübschen Gesicht findet sich ein spärlicher flachs- 
farbener Schnurrbart. 


Nachdem der: jetzt 32 Jahre alte, 1,69 m große und 148 Pfd. 
schwere F. K. sich entkleidet hat, zeigt sich ein prachtvoller weib- 
licher Körper. Der Brustumfang ist 90, der Hüftenumfang 98 cm. 
Die Mammae treten als zwei pralle volle Halbkugeln hervor. Die 
Brustwarzen sind ziemlich groß und von einem rosa gefärbten Warzen- 
hof umgeben, dessen Durchmesser 5 cm beträgt; in demselben sind 
einige Montgomerysche Knötchen deutlich sichtbar. Bei der Palpation 
fühlt man unter der Haut der Brüste ein Gewebe, das vom weiblichen 
Mammagewebe nicht zu unterscheiden ist. 


Die Haut ist sehr zart, rein und vollkommen glatt. Die Körper- 
linien sind abgerundet, namentlich die Schulter-, Oberarm-, Hüft- und 
Oberschenkelkonturen absolut feminin. Die Hände sind weich und 
zierlich (Handschuhnummer 7), die Füße klein. Das Fleisch fühlt 
sich teigig und schwellend an, die Muskulatur ist schwach entwickelt. 

Die Schritte sind klein und kurz, doch findet beim Gehen kein 
Drehen in den Schultern und Hüften statt. 


Patient kann nicht pfeifen. Es besteht keine Neigung zu kräf- 


tiger Muskeltätigkeit, Turnen, gymnastischen Spielen, aber auch nicht 
zum Tanz, dagegen zum Wandern und Radfahren. 











—: 205 — 


‘Der Atmungstypus ist costal. Der Kehlkopf tritt am äußeren 
Halse nicht hervor; die Stimmlage ist mittel; wie Patient angibt, ist 
sie durch Übung tiefer geworden. Die Sprache ist einfach, nicht ge- 
ziert; Neigung in. Fistelstimme: zu sprechen ist nicht vorhanden, eher 
das Gegenteil. | 

Der Gesichtsausdruck ist weder ausgesprochen männlich noch 
weiblich, jedenfalls aber mehr weiblich als männlich. Die schönen, 
blauen Augen haben einen ruhigen, sanften, leicht melancholischen 
Ausdruck. M 

Patient fühlt sich außer seiner Anormalität vollkommen gesund. 
Es bestehen keinerlei Störungen des Nervensystems, auch keine Migräne 
und Neurasthenie. Patient will auch nie blutarm gewesen sein und 
hat bisher niemals ärztlichen Beistand nötig gehabt. 

Die Untersuchung der Lungen, der Zirkulationsorgane, des Ver- 
dauungsapparates sowie die Analyse des Harns ergeben völlig gesunde 
Verhältnisse. 

b. Genitalapparat: Bei dem ersten Anblick der Genitalien 
kann man sich des Erstaunens nicht erwehren, was die Eltern und 
die Hebamme wohl veranlaßt haben mag, in diesem Falle einen Knaben 
zu diagnostizieren. 

Man muß jedoch berücksichtigen, daß die genitale Formation 
neugeborener Individuen viel leichter zu einem Zweifel und Irrtum in 
der Geschlechtsbestimmung Anlaß geben kann wie die definierte post- 
pubische Gestaltung. Bei den Neugeborenen kommen die sekundären 
Geschlechtszeichen außer Betracht, die charakteristischen Pubes sind 
nicht vorhanden; die unmittelbar post partum fest aneinander- 
geprefiten, die Nymphen überdeckenden grossen Labien sehen einem 
kryptorchistischen Scrotum, : bei dem die Raphe gewöhnlich eingesunken 
ist, zum Verwechseln ähnlich. Findet sich nun oberhalb dieser Bildung 
ein deutlich hervorstehender Bürzel, so wird der Laie leicht zu der 
Diagnose „Mann“ kommen, da er in einem wenn auch noch so kleinen 
Membrum virile das entscheidende Zeichen der Männlichkeit sieht und 
über das weibliche Analogon des Geschlechtshöckers Bere nicht 
unterrichtet ist. 

Die makroskopische und IMETOSKOBISENE Untersuchung ergab 
zur Zeit folgenden Befund; 

Die Schambehaarung ist typisch weiblich, Es sind zwei gut 
entwickelte Labia majora vorhanden. In die rechte Schamlippe läßt 
sich ein kleines, taubeneigroßes, in die linke ein haselnuß- 


— 206 — 


großes Gebilde vom Leistenkanal aus nach unten drücken. Die 
Berührung derselben ist mit Schmerzen verbunden. Es ist unmöglich, 
bei der Palpation zu beurteilen, ob es sich bei diesen Organen um 
Hoden, Eierstöcke (oder gar um ovotestes?) handelt. Beim Herunter- 
ziehen scheint es, als ob diese Gebilde mit einem bindegewebigen, 
runden’ Strang von geringem Durchmesser in Verbindung stünden, der 
sich weder wie ein vas deferens noch wie eine Fallopische Tube anfühlt. 

Zentralwärts von den großen sind die kleinen Schamlippen sicht- 
bar, die ca. 4cm lang sind und durch eine reichliche Anzahl von 
Schleimhautfalten auffallen. Streift man sie nach oben auseinander, 
so erblickt man einen Bürzel, der 2 cm breit und 1 cm lang ist. In 
der geschlechtlichen Erregung soll derselbe etwa !/, cm breiter und 
ein wenig länger werden. Dieser stumpfe Höcker zeigt keine Mün- 
dung eines inneren Kanals, dagegen an seiner Oberfläche eine nach 
unten verlaufende flache Rinne, an deren vaginalem Ende die Urethra 
_ mündet. Die unterhalb derselben gelegene hymeniose Öffnung der 
Scheide: ist für eine bleistiftdicke Sonde durchgängig. In einer Tiefe 
von 14 cm stößt diese Sonde auf den Grund des häutigen Kanals, - 
der keinerlei Vorwölbungen und Öffnungen zeigt, welche man als Portio 
und Muttermund ansprechen könnte. 

Die digitale Untersuchung per vaginam ist nicht möglich. Per 
anum fühlt man keine Prostata. Rectoabdominal ist keine Resistenz 
palpabel, die als uterus gedeutet werden könnte. Die Monatsregel 
war nie vorhanden, auch keine vicariierenden menses oder menstruelle 
Äquivalente. | Ä 

Patient gibt an, daß sich bei dem meist durch Masturbation 
herbeigeführten Orgasmus etwa 2 Gramm weißlichen Schleims ent- 
leeren, welche er für Samenflüssigkeit hält. Die zu zwei verschiedenen 
Malen ‘vorgenommene mikroskopische Untersuchung des Ejaculats ergab 
in bezug auf Samenfädchen ein negatives Resultat. Kollege Dr. M. 
Zondek, welcher die Untersuchung ausführte, berichtete mir: „Ich 
habe die schleimige, grau aussehende Flüssigkeit sofort nach Empfang 
frisch untersucht, einige Trockenpräparate gemacht und dieselben nach 
einiger Zeit gefärbt. Es zeigten sich beide Male Plattenepithelien, sehr 
groß mit verhältnismäßig kleinem, zentral gelegenem runden Kern, ferner 
Bakterien, amorphe Massen, geronnener Schleim. Spermatozoen 
waren nicht vorhanden.“ 

c. Der Geschlechtstrieb. Im: Gegensatz zu der bisexuellen 
Mischung der somatischen Geschlechtsmerkmale zeigt der Geschlechts- 





I 


— 207 — 


trieb keine Spur von Bisexualität, ist vielmehr wie bei einem normalen 
Weibe ausschließlich auf den Mann gerichtet. | 
Nach der Geschlechtsreife, die im 15. Lebensjahre eintrat, trat 


immer deutlicher ein lebhaftes sexuelles. Interesse für männliche Per- 


sonen hervor; für Mädchen und Frauen bestand niemals auch nur die 
geringste sexuelle Neigung. Der Gedanke, mit einem Weibe geschlecht- 
lich zu’ verkehren, ist ihm „widerwärtig*. 

Pollutionsträume hatten stets Berührungen mit Personen männ- 
lichen (Patient sagt „desselben*) Geschlechts zum Inhalt. Auf dem 
Theater fesselten ihn Herren mehr wie Damen. Patient fühlt sich von 
kräftigen, recht männlichen Typen angezogen; zarte, weibliche, nament- 
lich auch die meisten Homosexuellen lassen ihn kalt; uniformierte 
Stände, besonders Soldaten, ‚bevorzugt er. 
| Es ist ihm außerordentlich peinlich, wenn jemand seines abson- 
derlichen Baues gewahr wird. Vor allem meidet er deshalb auch die 
virileren Homosexuellen, die sich am ehesten zum Verkehr mit ihm 
bereit finden, weil die meisten von ihnen, wenn sie den Mangel des 
Membrum virile wahrnehmen, al sind, einige sogar „direkt 
grob“ geworden seien. | 

Neigung zu geschlechtsunreifen Personen sowie anderweitige sexu- 
elle Gefühlsanomalien bestanden nie. 

Die Art seines Begehrens ist weiblich passivisch: 

Er möchte succubus, der Geliebte soll incubus sein. Der Ge- 
schlechtstrieb ist stark, ein Akt konnte bisher aber nur selten (immer 
mit Männern) ausgeführt werden. Er fühlt sich daher unbefriedigt und 
unglücklich: wünscht daß, wenn dies möglich wäre, seine Natur ge- 
ändert würde. Wenn andere Männer und Frauen das geschlechtliche 
Thema berühren, kann er sich eines Neidgefühles nicht erwehren. 

Er hat Kinder gern; er verkehrt täglich in der Familie seines 
Chefs und es macht ihm besondere Freude mit dessen Kindern die 
ihn sehr lieb haben, zu spielen und zu musizieren, der Wunsch, ein 
eigenes Kind zu besitzen, ist aber garnicht vorhanden. 

d. Geistige Eigenschaften. Es überwiegen die männlichen 
Charakterzüge. Von seinem Gemüt sagt Patient, daß es weder hart 
noch weich sei, „ein undefinierbares Gemisch“. Starke Affekterreg- 
barkeit ist nicht vorhanden; Thränen fließen fast nie; er kann dagegen 
Jeicht zornig werden. Ehrgeiz, auffallende Selbstsucht sind wenig aus- 
gesprochen, jedoch starkes Mißtrauen. 


— 208 — 


Patient ist weder launenhaft, noch besitzt er Hang zum Aber- 
glauben und sagt von seiner Religiosität, sie sei gleich: null. 

Er hat- ziemlich starken Willen, keine Furchtsamkeit und ist von 
sittlichem Ernst und, großer Ordnungsliebe. Er liebt geistige nnd kör- 
perliche Arbeit, ist in Bezug auf seine Lebensbedürfnisse anspruchs- 
los; raucht nurvielundzwarstarkeCigarren, kann auch viel Alko- 
hol vertragen. Er besitzt ein ‚gutes Gedächtnis, hat viel gelesen und 
gelernt und ist von umfassender Bildung. 

In erster Linie interessiert ihn Politik; er ist ein großer Verehrer 
von Bismarck. Musik liebt er sehr. Er spielt selbst gut Clavier. Aus 
Plastik macht er sich nichts. Dagegen beschäftigt er sich gern mi} 
Blumenpflege. 

Es besteht nicht der geringste Drang, in Kleidern des 
weiblichen Geschlechtes zu gehen. Er hat weder Neigung für 
Schmuck, noch für Parfums, Puder u. dergl. Er liebt einfache Ge- 
wandungen, hohe Kragen, doch spielen die Kleidungssorgen keine Rolle 
in seinem Gedanken. Hang für weibliche Handarbeiten, Kochen, 
Putzen ist nicht vorhanden. | | 

Seine Schriftzüge sind groß und sicher und erwecken zweifellos 
den Eindruck, daß sie von einem Manne herrühren. 

Sein Grundtemperament ist heiter, doch hat sein Humor oft 
etwas Sarkastisches, namentlich wenn er über seine Person scherzt. 
So schrieb er mir einmal in einer von kaustischem Witz erfüllten 
Schilderung „was er bereits im Geiste über sich nach seinem Ableben 


in der Morgenpost las“. 
= il. Epikrise. 


Die Geschlechtsdiagnose läßt sich bei dem 32 jährigen, seit seiner 
Geburt als Mann lebenden Franz K. intra vitam nicht stellen, ja es 
erscheint sogar fraglich, ob es post mortem möglich sein wird, zu 
entscheiden, ob diese Person ein Mann oder ein Weib gewesen ist. 

Als Mann, wie die Behörden und seine Umgebung annehmen, 
kann er wissenschaftlicherseits bei der überwiegenden Anzahl weib- 
licher Geschlechtscharaktere, dem Mangel männlicher Keimzellen und 
dem ausgesprochen weiblichen Geschlechtstrieb nicht angesehen wer- 
den. Auch nicht als homosexueller Mann, unter welche Kategorie er 
sich zu rubrizieren geneigt ist. 

Aber auch dem weiblichen Geschlechte können wir ihn nicht zu- 
zählen, da er nicht nur niemals menstruiert hat, sondern auch zahl- 
reiche Geschlechtscharaktere zweiter und dritter Ordnung besitzt, welche 





— 209 — 


eine weit über .das. weibliche Stadium NER männliche Ent- 
wicklung aufweisen. Ä 

Auch für ungeschlechtlich kann man. ihn nicht erklären, da Ge- 
schlechtsstigmata in großer Fülle vorhanden sind, und der Geschlechts- 
trieb in vollkommener Ausbildung besteht. 

Ebensowenig ist er aber doppelgeschlechtlich, da aus der Ame- 
norhoe und Azoospermie hervorgeht, daß weder männliche noch weib- 
liche Fortpflanzungszellen produziert. werden. 

Die nachweisbaren Keimstöcke machen bei der Palpation den 
Eindruck rudimentärer Gebilde jedenfalls nicht normaler ovarlien: oder 
testes. Entweder dürfte es sich um funktionsunfähige größtenteils aus 
Bindegewebe bestehende Drüsen handeln, wie sie Virchow bei 
Zwittern beobachtet und beschrieben hat, möglicherweise aber auch 
um ovotestes, die, wenn sie auch nicht Eier oder Samen secernieren, 
so doch oviculares und testiculares Gewebe enthalten, ähnlich wie sie 
Salen und Garré und neuerdings Unger-Pick (in der „Berliner kli- 
nischen Wochenschrift“ vom 24. April d. ]. beschrieben) in Sektions- 
befunden geschildert haben. 

Der Patient, der sich erst nach großem Widerstreben zu den wieder- 
holten Untersuchungen entschlossen hatte, war nicht wenig enttäuscht, 
als ich entgegen meinem Versprechen ihm die Antwort schuldig bleiben 
mußte, ob er denn nun eigentlich ein Mann oder ein Weib sei, ihn also 
wie er in der ihm eigentümlichen Art meinte, „auf die Sektion vertröstete“. 

Für die sexuelle Psychologie und Physiologie ist der Fall in ver- 
schiedener Hinsicht beachtenswert; einmal zeigt er, daß ein vollkommen 
determinierter Geschlechtstrieb bei gänzlichem Mangel von Fortpflan- 
zungszellen bestehen kann; ferner sehen wir, im Gegensatz zu der 
Erfahrung, wie man sie bei femininen Homosexuellen so oft macht, 
trotz ganz weiblichem Geschlechtsempfinden ausgesprochene Antipathie 
gegen weibliche Gewohnheiten (Abneigung gegen weibliche Tracht und 
Beschäftigung, Vorliebe für Tabak, Alkohol etc.), eigentümlich ist auch, 
daß die sekundären und tertiären Geschlechtscharaktere in nahezu um- 
gekehrtem Verhältnis zu einander stehen, indem auf somatischem Ge- 
biet etwa zu 75°, weibliche und zu 25°, männliche, auf psychischem 
etwa zu 75°, männliche und zu 25%, weibliche Geschlechtszeichen 
mit einander verbunden sind. | 

Auffallend ist endlich auch so hochgradige Gynäkomastie und 
weibliche Beckenbildung bei gleichzeitigem Vorhandensein von Bart 
und männlicher Stimme. 


— 210 — 


Was die geistigen Eigenschaften betrifft, so ist es allerdings 
schwierig zu entscheiden, was angeboren und was durch Suggestion 
und Dressur angeeignet ist. Nur möchte ich betonen, da man Zwittern 
vielfach und wohl auch nicht mit Unrecht den Vorwurf gemacht hat, 
die Angaben über ihr Leben, ihre Triebe und Neigungen seien unzu- 
verlässig, daß in vorliegendem Falle dieser Einwand nicht berechtigt 
ist, indem die beschriebene Persönlichkeit nach Charakter, Stand und 
Bildung volles Vertrauen verdient und ich mich auch in vielfachen 
Zusammenkünften von ihrer Wahrhaftigkeit habe überzeugen können. 

Für die forensische Medizin bietet der Fall sowohl ein strafrecht- 
liches wie ein zivilrechtliches Interesse. Strafrechtlich insoweit, .als er 
die Frage nahelegt, ob diese Person, welche als Mann lebt und als 
solcher getauft ist, sich im Sinne des $ 175 R.S.G.B. vergeht, wenn 
sie mit einem Manne in geschlechtliche Beziehung tritt, weiter. auch, 
ob der normale oder homosexuelle Mann sich strafbar macht, wenn 
er mit einer derartigen Person eine imitatio coitus vollzieht. 

Zivilrechtlich zeigt der Fall recht deutlich, daß wie schon der 
jüngere Landau ausgeführt hat, in bezug auf Hermaphroditismus 
unser neues Bürgerliches Gesetzbuch keinen Fortschritt, sondern einen 
Rückschritt vollzog, als es die vernünftigen Bestimmungen :des alten 
preussischen Landrechts über die Zwitter gänzlich eliminierte, mit der 
apodiktischen Begründung, es gäbe keine Personen unbestimmten oder 
unbestimmbaren Geschlechtes. 

Unseres Erachtens sollte man unter die Personen zwitterhaften 
und zweifelhaften Geschlechtes nicht nur solche rechnen, die gleich- 
zeitig ovarien und testes besitzen, sondern auch solche, die keines 
von beiden besitzen, mit anderen Worten nicht nur solche, die so- 
wohl Mann als Weib sind, sondern auch solche, die weder Mann 
noch Weib sind. 

Wer sich für ähnliche Fälle interessiert, den verweise ich auf 
die ausgezeichneten, umfangreichen Arbeiten, welche Dr. von Neu- 
gebauer — namentlich in den „Jahrbüchern für sexuelle Zwischen- 
stufen* — über das Scheinzwittertum publiziert hat. 





— 211 — 


Ueber Harnverhaltung. *) 


Vortag. gehalten bei der ärztl. Landesversammlung in Ulm 
von Dr. Ries in Stuttgart. 


Wer einmal in seinem Leben, wenn auch nur auf kurze Zeit, in 
die äußerst unangenehme Lage kam, seine gefüllte Blase nicht ent- 
leeren zu können, sei es aus falscher Rücksichtnahme auf die Um- 
gebung, aus Schamhaftigkeit oder aus Unvermögen, der kann sich 


ungefähr einen Begriff machen von dem Zustand eines Patienten, der 


an kompletter Harnverhaltung leidet. Dieser Zustand ist so schmerz- 
haft und außerdem von einem solch entsetzlichen Angstgefühl begleitet, 
daß der Arzt stets eine dankbare Aufgabe darin findet, dem gequälten 
Patienten, der durch die ununterbrochenen schmerzhaften Anstrengungen, 
seinen Urin zu entleeren, geängstigt, laut aufstöhnt, so schnell als 
möglich Linderung zu verschaffen. Solche Patienten sind durch die 
Angst in Schweiß gebadet, sie fürchten jeden Augenblick, die Blase 
könne platzen; bei manchen treten sogar imaniakalische Erscheinungen 
auf — da gilt es dann, rasch und geschickt einzugreifen, ohne dem Pa- 
tienten Schaden zuzufügen. Der verhängnisvolle Blasentumor schwindet 
unter den Händen des Operateurs, der Erfolg ist ein augenblicklicher 
und unbestreitbar, wenn nach 24 stündiger Qual auf den Eingriff hin 
Erleichterung eintritt. 

Die Harnverhaltung stellt keine ausgesprochene selbständige Krank- 
heit dar. Sie ist keine Krankheit sui generis, vielmehr häufig nur Be- 
gleiterscheinung einer Krankheit, ein Symptom der mannigfachsten Er- 
krankungen lokaler und allgemeiner Art, ganz ähnlich wie der Ikterus 
und die Hämaturie keine selbständigen Erkrankungen, sondern Symp- 
tome sind. 

Wenn ich mir trotzdem erlaube, Ihnen heute über die Harnver- 
haltung zu sprechen, so leitet mich dabei der Gedanke, daß es für 
den Praktiker wertvoll sein muß, über ein bei gewissen Krankheiten 
sich häufig wiederholendes Symptom im Zusammenhang das Wich- 
tigste zu hören. — In ihrer akuten Form allerdings dürfte die Harn- 
verhaltung wohl mehr als Komplikation betrachtet werden, denn als 
Symptom, sie ist z. B. eine der häufigsten Komplikationen der Pros- 
tata-Hypertrophie. Ein Symptom der Prostata-Hypertrophie ist sie nur 


*) Aus d. „Württemb. Mediz. Correspondenzblatt.‘ (Herausgeber Hofrat 
Dr. Deahna). 





in ihrer inkompletten Gestalt, in ihrer akuten vollständigen Form be- 
ruht sie dagegen in der Regel auf akzidentellen Vorgängen, die nicht 
einmal immer etwas mit einer direkten mechanischen Behinderung des 
Urinabflusses zu tun haben. Eine derartige Behinderung wird am 
häufigsten dadurch erzeugt, daß durch die fortgesetzte Füllung der 
Blase die schon verlagerte und verschobene Blasenmündung der Harn- 
röhre noch weiter verschoben und verlagert wird; bei reichlichem Re- 
sidualharn und wenig suffizienter Blase gehört gar keine größere Steige- 
rung des Blaseninhaltes dazu, um völlige Harnverhaltung zu bedingen. 
Diese kommt daher oft wie ein „Dieb in der Nacht“ und über- 
rascht den Patienten nach ganz unbedeutenden Anlässen. Manchmal 
ist nur eine Verlängerung der Bettruhe, so daß mehr Urin als sonst 
in der Blase sich angesammelt hat, der Grund, daß der bis dahin noch 
leidliich spontan urinierende Patient plötzlich morgens beim Aufstehen 
zum Katheter greifen muß. 

Das Charakteristikum der Harnverhaltung ist das Unvermögen 
des Patienten, die Unfähigkeit, den Blaseninhalt willkürlich auf natür- 
lichem Wege zu entleeren. Die Störung kann dabei vorübergehend 
sein (akute Harnverhaltung), oder sie ist dauernd (chronische Harn- 
verhaltung), wenn nämlich bei gleichzeitiger Entleerung eines Teils des 
Harns, die unter Umständen der durchschnittlichen 24 stündigen Harn- 
menge entsprechen kann, eine verschieden große Menge Harn zurück- 
bleibt, während bei der akuten Harnverhaltung die ganze Harnmenge 
plötzlich zurückgehalten wird, oder höchstens nur ein geringer Teil 
tropfenweise entleert wird. 

Die chronische sowohl als die akute Harnverhaltung kann ent- | 
weder eine vollständige oder eine unvollständige sein. Während nun 
die Symptome der akuten und vollständigen Retention äußerst präg- 
nant sind, treten die Zeichen der chronischen Retention durchaus 
nicht immer klar und deutlich in die Erscheinung, sie entwickeln sich 
vielmehr schleichend und können jahrelang bestehen, ohne daß die 
Kranken Kenntnis davon haben, ja sie können selbst erfahrene Prak- 
tiker irreführen, und so werden leider gerade die Anfangsstadien, in 
denen noch Aussicht auf Besserung vorhanden ist, häufig übersehen. 
Und doch ist im großen und ganzen die chronische Harnverhaltung 
ernster zu nehmen als die akute. 

Die Kranken klagen im Anfang oft nur über Brennen beim Uri- 
nieren, oder sie müssen länger warten, bis der Harn abfließt; manch- 
mal klagen sie bloß über Schmerzen am Ende des Harnens oder "über 








— 213 — 


ein dumpfes Gefühl in der Blasengegend. Auch blutiger Harn kann 
das erste Anzeichen sein. | 

Im Anfange der chronischen Harnverhaltung sind also die Er- 
scheinungen von seiten der Harnwege oft so geringfügig, daß sie lange 
Zeit nicht beachtet werden, bis eine auffallende Verschlimmerung, 
manchmal eine plötzliche vollständige Harnverhaltung, zur Erkenntnis 
der Erkrankung führt. Es ist deshalb bei Klagen von seiten der Harn- 
organe unumgänglich notwendig, die Harnorgane in ihrer Gesamtheit, 
besonders auch die Blase vom Mastdarm her, zu untersuchen. Ich‘ 
möchte ferner den Herren Kollegen aus der Erfahrung heraus zu be- 
denken geben, daß monatelanges, anhaltendes, häufiges Urinieren den 
Verdacht nahelegen muß, daß der Patient Residualharn in der Blase 
zurückbehält. | 

Vorübergehende gesteigerte Frequenz des Harns, z. B. infolge 
von nervöser Erregung, bei akuter Gonorrhöe, bei Strikturen, akuter 
Prostatitis, Cystitis etc. wird uns kein Bedenken erregen, wenn aber 
dieses Symptom seit Monaten oder Jahren Tag und Nacht besteht, 
müssen wir an Residualharn denken und den Patienten daraufhin unter- 
suchen, und zwar mit dem Katheter, trotz des Bedenkens der Pa- 
tienten, die die Notwendigkeit des Katheterismus abweisen, da sie ja 
„eher zu viel als zu wenig urinieren“. Tatsächlich lassen ja solche 
Patienten täglich ebensoviel Urin wie durchschnittlich ein gesunder 
Mann, und dieser Umstand wird für viele Ärzte die Quelle des Irrtums, 
da sie glauben, es werde täglich das normale Quantum Harn entleert, 
daß also kein Harn zurückbleibe. Sie vergessen aber dabei, daß die 
Menge des entleerten Harns nur die Sekretionstätigkeit der Nieren an- 
zeigt, nicht aber die Austreibungskraft der Blase; es hat demnach die 
Unfähigkeit der Blase, sich zu entleeren, nichts mit der Menge des 
gelassenen Harns zu tun. 

Während also bei der chronischen, besonders der unvollständigen 
Harnverhaltung anfänglich die Störungen der Harnentleerung nicht 
stark hervortreten, sind die Störungen der Verdauung um so mar- 
kanter (Verwechslung mit Magen- und Darmerkrankungen, Karzinom; 
der Tumor der Blase wird häufig für ein Neoplasma gehalten). Diese 
Störungen, die erst eintreten, wenn die Gleichgewichtsstörung der 
Harnentleerung schon lange bestanden hat, faßt Zuckerkandl als 
Ausfallserscheinungen funktioneller Insuffizienz der Nieren auf, die unter 
der Harnstauung zur Entwicklung kam. Die Symptome entsprechen 
den Verdauungsstörungen, wie wir sie bei der Urämie aus anderwei- 


— 214 — 


tigen Ursachen beobachten, und die erhöhte molekuläre Konzentration 
des Blutes, die sich in Fällen dieser Art nachweisen läßt, spricht für 
die Retention von Stoffwechselprodukten, die zur Ausscheidung mit dem 
Harne bestimmt waren (Zuckerkandl). 

Solche Patienten klagen über vermehrten Durst, Trockenheit im 
Rachen,. Appetitlosigkeit, Verstopfung und Diarrhöe, bisweilen über Er- 
brechen... Das Allgemeinbefinden ist gestört, die Kranken magern ab 
und bieten in vorgeschrittenen Fällen das Bild ausgesprochenster Ka- 
chexie. Die Harnbeschwerden sind oft Jahre vor Eintritt der Ver- 
dauungsstörungen dagewesen, dann aber stillgestanden; sie sind häufig 
so geringfügig, daß die Kranken sie nicht beachten. Außer einer Dy- 
surie, event. einer Veränderung des Strahls, sind wenig Symptome 
vorhanden; auf der Höhe der Krankheit zeigt sich aber dann die In- 
continentia urinae, besonders bei Nacht. Neben den Verdauungs- 
störungen sehen wir häufig als Zeichen von renalen Veränderungen 
Polyurie, bis zu 3—4000 g in 24 Stunden (Verwechslung mit Diabetes 
insipidus). | 

Das Auftreten des unfreiwilligen Abfließens von Harn, die oben- 
erwähnte sogen, Incontinentia urinae führt ebenfalls oft zu Täuschungen. 
Während die. Klage des Pat., daß er seinen Urin nicht mehr bei sich 
behalten könne, daß er vielmehr unwillkürlich abgehe und seine Bein- 
kleider dauernd durchnässe, uns glauben läßt, die Blase sei leer, ist 
diese sogen. „Inkontinenz“ vielmehr ein Anzeichen dafür, daß die 
Blase überfüllt ist, daß eine Harnverhaltung besteht, und zwar Residual- 
harn von manchmal mehreren Litern (75jähriger Pat. mit unfreiwilligem 
Abgehen von Urin, entsetzlichem Harndrang, Residualharnı von 2 1). 
Der Urin muß alle 2 Stunden entleert werden. Die Täuschung rührt 
her von der schlecht gewählten Bezeichnung Incontinentia urinae, für 
die man besser „unfreiwilliges Harnen“ oder „Überfließen“ setzt. Die 
Bezeichnung Inkontinenz sollte nur für Fälle gebraucht werden, bei 
denen z. B. infolge zerebraler oder zerebro-spinaler Lähmung der Urin 
abfließt, sobald er aus dem Ureter kommt, wo also tatsächlich die 
Blase stets leer ist! Bei konstantem Zurückbleiben von Residualharn in 
einer Menge von etwa 150 ccm. ist es angezeigt, zu katheterisieren, 
denn je länger man den Gebrauch des Katheters hinausschiebt, um 
so bedenklicher wird die Krankheit. Eine etwaige Verschlimmerung 
schiebt man zu Unrecht dem Katheterismus zu, denn nicht er ver- 
schuldet die Verschlimmerung,, sondern die Tatsache, daß man bisher 
zu katheterisieren unterlassen hat. Bei der Autopsie solcher Fälle 





— 215 — 


zeigt es sich auch, .daß fast immer eine Pyelitis, Dilatation des Nieren- 
beckens und Degeneration des ae vorhanden war, die 
die Todesursachen abgaben. 

Wie oft täglich katheterisiert erden muß, richtet sich ach der 
Menge des Residualharns: im Anfang katheterisiert man bei 150 ccm, 
einmal in 24 Stunden, am besten abends vor dem Schlafengehen, bel 
größeren Mengen 2—3 mal; wenn die Fähigkeit, zu urinieren, ganz 
erloschen ist, muß der Katheter so oft eingeführt werden, als das 
Bedürfnis zum Harnen vorhanden ist. 

Durch den habituellen Gebrauch des Katheters sind nun bei aller 
Sorgfalt lokale Infektionen oft unvermeidbar. In günstigen Fällen ent- 
wickelt sich bloß Bakteriurie, in andern entstehen Infektionen der 
Blase, die gewöhnlich nicht auf dieses Organ begrenzt bleiben, sondern 
die oberen Harnwege ergreifen oder zu allgemeinen io die 
Veranlassung geben. 

Im allgemeinen wenden wir therapeutisch den Katheter dann 
an, wenn die Störungen der Harnentleerung ausgeprägt sind, wenn 
wir größere Mengen Residualharn nachgewiesen haben, schliesslich, 
wenn wir eine Überdehnung der Blase annehmen müssen. Selbst- 
verständlich muß der Katheter, und zwar am besten der weiche, mit 
großer Sorgfalt und Zartheit eingeführt werden. Der Nelaton ist selbst 
in ungeübten Händen ungefährlich und: kann deshalb mit der Zeit 
auch dem Patienten überlassen werden. Bei längerem Gebrauch des 
Katheters kann Urethritis, Epididymitis auftreten. 

Was die Behandlung der weichen Instrumente anbelangt, so 
ist es empfehlenswert, sie 5 Minuten in einer übersättigten Lösung 
von Ammon.’ sulf. zu kochen, während die Metallinstrumente in reinem 
Wasser gekocht werden können. Muß der Patient sich selbst kathe- 
terisieren, so ist es ratsam, dass er den Katheter nach dem Gebrauch 
und nach gehöriger Abspülung wagerecht in Sublimatlösung 1 : 1000 
legt. Dort soll er 24 Stunden. verbleiben, worauf er in einen sterlien 
Tupfer oder in ein frischgewaschenes Taschentuch eingerollt wird. Ich 
habe mit dieser Methode, die. ich von meinem verehrten Lehrer, Herrn 
Professor Casper, übernommen . habe, stets gute Resultate gesehen 
und kann ihm nur beipflichten, wenn er leugnet, daß das am Katheter 
sitzen bleibende Suplimat die Harnwege reize, zumal ja die Wände 
des Katheters mit einem Gleitmittel eingeschmiert werden, so daß 
das Sublimat an die Harnröhrenwände gar nicht herankommt. 
Casper empfiehlt, wenn man befürchtet, daß das Sublimat reize, 


— 216 — 


den Katheter vor dem Gebrauch mit abgekochtem Wasser zu über- 
gießen. 
Als Gleitmittel empfiehlt Casper das Hg. oxycyanatum in dem 
Verhältnis von 1:500, seine Gleitmasse (Katheterpurin) setzt sich 
folgendermaßen zusammen: 

Hg. oxycyanat. 0,246 

Glycerin 20,0 

Tragacanth. 3,0 

Ag. dest. sterilisat. 100.0. 

In neuester Zeit empfiehlt Strauß eine ihm noch besser er- 

scheinende Mischung von folgender Formel: 
Tragacanth. 1,5 
Tere cum Aq. frigida 50,0 
Adde Glycerin ad 100,0 
Coque ad sterilisationem Adde 
Hydrarg. oxycyan. 0,2 
` (oder Formalin 0,1). 

Diese Mischung haftet besser an den Instrumenten, sie hat die 
Konsistenz. eines dicken Öles und kann wie Öl auf die Instrumente 
mit nach unten gerichteter Spitze aufgegossen werden und macht sie 
ausserordentlich schlüpfrig. 

Gefährlicher und verantwortungsvoller wird der Katheterismus in 
den früher erwähnten Fällen, bei denen die Verdauungsstörungen vor- 
wiegen, bei denen ein unaufhörlicher Durst bei trockener Zunge und 
Mangel an Speichel, sowie eine besondere Schwierigkeit, Brot oder 
Fleisch hinunterzubekommen, vorliegt. Man wird sich deshalb hüten, 
in Fällen, in denen lange Zeit hindurch eine große Menge Harns 
zurückgehalten wurde, beim ersten Katheterisieren den ganzen Urin 
abzulassen, denn ein gewisses höheres Alter des Kranken, ein schon 
längeres Bestehen der Harnverhaltung erheblichen Grades begünstigen 
bei Harnverhaltung das Auftreten erschöpfender Blasenblutungen. Man 
nimmt daher bei solchen Kranken die Urinentleerung mit der aller- 
größten Vorsicht vor, besonders da man sich durch das leichte und 
klare Abfließen des Urins verleiten lassen kann, ein dickes Instrument 
zu nehmen. Der Urin stürzt dann zu rasch heraus, es tritt durch 
die veränderten hydrostatischen Verhältnisse im Harnsystem ein nega- 
tiver Druck ein, der imstande ist, eine bisher chronisch verlaufene 
Pyelo-Nephritis in eine akute umzuwandeln. (Guyon gibt dafür 
folgende Erklärung: „Die Blase ist schon normalerweise sehr reich an 








— 217 — 


Gefäßen, besonders an Venen, bei jeder Ausdehnung der Blase füllen 
sich diese sehr stark an. Die Biutüberfüllung der Blase bei ihrer 
Ausdehnung kommt hier, wie überall bei vermehrter Muskelarbeit, zu- 
stande durch die häufigen Versuche der Kranken, Urin zu lassen, wo- 
durch die Zirkulation auf reflektorischem Wege erhöht wird. Da aber 
die Ausdehnung der Blase für gewöhnlich nur in ganz allmählicher 
Steigerung vor sich geht, so haben hier wie bei jedem anderen Organe 
die Gefäße Zeit, mit ihr an Umfang, Inhalt, Ausdehnung und selbst 
an Dicke der Wandungen zuzunehmen. Außerdem sind hier noch’ 
stets mechanische Hindernisse für ein ausreichendes Zurückströmen 
des venösen Blutes vorhanden: die überfüllte und erheblich vergrößerte 
Blase wird nach vorn gegen den Schambeinbogen angedrückt und 
dadurch werden die Gefäße komprimiert, so daß es oberhalb des 
Hindernisses, d.h. innerhalb der Blase zu einer starken Stase kommt. 

Wenn also unter solchen Verhältnissen die Blase vollständig und 
rasch entleeert wird, so setzt man damit eine plötzliche Entspannung, 
welche zur Folge hat, daß ein neuer Blutzufluß von oft beträchtlicher 
Stärke nach der Blasenschleimhaut hin stattfindet. Daß es hierbei oft 
schon unmittelbar nach dem Ausfließen der letzten Tropfen Urin zu 
Blutungen kommen muß, ist leicht einzusehen. Aber auch wenn es 
nicht gleich zum Bluten kommt, so bietet doch die nach der plötz- 
lichen Entleerung nun erfolgende erhebliche Steigerung der Kongestion 
nach den Harnorganen die größte Gefahr dar. Bei alten Leuten sind 
meist die Nieren schon in Mitleidenschaft gezogen und funktionieren 
schlecht; unter dem Einfluß einer neuen Kongestionseinwirkung kann 
es daher zu den schwersten Zufällen und selbst zum Tode kommen, 
ohne daß eine Entzündung oder besondere Erkrankung der Blase auf- 
tritt, manchmal gehen die Kranken an der Zunahme der Verdauungs- 
störung, an erschöpfenden Diarrhöen, Kollapszuständen zugrunde. Man 
muß also vor allem darauf bedacht sein, in der Blase eine be- 
trächtliche Menge Urin zurückzulassen und die künstliche 
Entleerung der Blase in dem Momente zu unterbrechen, wo 
der im Anfang starke Strahl beginnt, ein schwächerer zu 
werden (Guyon). Es ist empfehlenswert, ein enges Instrument zu 
benützen, oder, wo dies nicht vorhanden, von Zeit zu Zeit den 
Katheter abzuknicken. Erst nach mehreren Tagen darf man bis zur 
gänzlichen Entleerung der Blase vorschreiten. Ratsam ist es ferner, 
den Pat. nur in horizontaler Lage zu katheterisieren, weil im Stehen 
die Entleerung zu schnell erfolgt. Manchmal ist es aber doch zweck- 

2 


mäßig, so häufig wie möglich den Urin, wenn er zersetzt ist und die 
Blase reizt, völlig aus der Blase zu entfernen; man wird dann an 
Stelle abgelassenen Urins eine bestimmte Menge Flüssigkeit, am. besten 
Borwasser, in die Blase einzuspritzen. 

Mitunter leitet der Befund eines chronischen Harnverhaltung auf 
das Bestehen eines sonst noch latenten Rückenmarksleidens hin, das 
sich nur durch das Bestehen einer. zentralen Blasenlähmung dokumen- 
tiert, wie solche auch bei der Myelitis und Meningitis beobachtet werden. 
Diese zentralen Blasenlähmungen, bei denen der Kranke den Harndrang 
psychisch nicht perzipiert, können entweder mehr die Muskulatur der 
Detrusoren oder jene der Sphinkteren betreffen, und es ist davon ab- 
hängig, ob es zu einer Verhaltung des Urins oder zu einem Harm 
träufeln kommt. Meist ist im Beginn dieser Lähmungen eine Harn- 
verhaltung ausgesprochen, da der. Sphinkter längere Zeit in Tätigkeit 
bleibt, als der Detrusor. „Ein Patient will heiraten, klagt aber, daß 
der Urin ihm seit einiger Zeit unwillkürlich abgehe; das will er. vor 
der Hochzeit noch in Ordnung bringen; er wurde längere Zeit arznei- 
los behandelt. Der Urin, den er zeitweise spontan lassen kann, und, 
der chemisch und mikroskopisch durchaus normal ist, kommt nur in 
ganz dünnem Strahl. Über der Blasengegend Tumor, bei der Ent- 
leerung der. Blase eutleert sich große Menge Urin. Keine Striktur, 
keine Prostatahypertrophie, dagegen Romberg, Pupillenstarre, Fehlen 
der Patellarreflexe* (Casper). 

Die Symptome der akuten vollständigen Harnverhaltung 
sind äußerst prägnant: fortwährend sich steigernder Harndrang, große 
Schmerzhaftigkeit, hervorgerufen durch fortgesetzte fruchtlose Kon- 
traktion der Blasenmuskulatur. Mit der zunehmenden Spannung 
steigern sich die Beschwerden, die Rranken stöhnen laut vor Schmerzen 
und Angst, es treten Aufregungszustände, ja Delirien ein. Alle Er- 
scheinnngen schwinden im Moment der Entleerung des Harns, die 
Patienten fühlen sich „wie im Himmel“. 

Die weitaus größte Mehrzahl der Harnretentionen ist durch ein 
. mechanisches Hindernis bedingt, welches in der Blase wie in der 
Prostata oder der Harnröhre gelegen sein kann. Es handelt sich dabei 
zunächst um organische Veränderungen der Wand durch Narbengewebe 
in Gestalt der Harnröhrenstriktur, dann um die Verlegung des Weges 
durch Steine, Fremdkörper, Geschwülste und endlich um die Kom- 
pression der Harnwege von außen her (Retention bei Geschwülsten 
der Frau, Kompression der Prostata durch seitliche Prostatalappen). 


— 218 — 








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Ferner entstehen die akuten Harnverhaltungen auch durch Störungen 
der Innervation bei intaktem Harnapparate, durch Einwirkung von 
Toxinen auf das Nervensystem, so z. B. bei der im Verlaufe von In- 
fektionskrankheiten auftretenden Harnretention, endlich können Fremd- 
körper, Steine, Blutgerinnsel, Geschwülste der Harnröhre Retention 
veranlassen. 

| Bevor ich nun die Harnverhaltung bei Strikturen bespreche, 
möchte ich kurz der Harnverhaltung während einer Gonorrhöe er- 
wähnen. Wenn die schmerzhaften Erscheinungen der Gonorrhöe 
nachgelassen haben und eine Besserung eingetreten ist, erlaubt sich 
häufig der Patient Exzesse in Baccho et Venere. Es entsteht eine 
‚entzündliche Schwellung im prostatischen Teil der Harnröhre, eine An- 
schwellung der Prostata selbst, welche den Kanal mehr oder weniger 
verschließt und die Entleerung der Blase verhindert (spastische Retention). 

Der Patient freut sich zuerst über das Sistleren des gonorrhol- 
schen Sekretes (wie bei der Epididymitis), aber der Urinstrahl wird 
immer dünner und bald tritt Unmöglichkeit ein, Urin zu lassen; da- 
gegen stellen sich heftige Schmerzen, Fieber und Schlaflosigkeit ein. 
Man wird mit Recht in einem solchen Falle erst den Versuch machen, 
durch warme Bäder, Opiate den Schmerz zu lindern, aber man hüte 
sich, zu lange zuzuwarten, da durch übermäßige Ausdehnung der Blase 
ihre Kontraktionsfähigkeit bedeutend geschädigt werden kaun, so daß 
manchmal daraus eine Atonie der Blase wird. Es ist deshalb die 
baldige Einführung eines Katheters zu empfehlen. 

Das Ereignis einer totalen temporären Harnverhaltug bei Strik- 
turen ist besonders bei älteren Leuten ziemlich häufig. Meist besteht 
die Striktur schon mehrere Jahre, ganz allmählich machen sich die 
Folgeerscheinungen der Striktur bemerkbar. Es kommt dann vor, daß 
solche Patienten seit Wochen oder Monaten nur noch mit Schwierig- 
keit urinieren, bis endlich eine unbedeutende Ursache (nicht selten ein 
Coitus) die vollständige Retention herbeiführt. | 

Ich möchte nun nachdrücklich darauf hinweisen, daß bei akuter 
kompletter Retention der Strikturkranken nicht so selten die expektative 
Therapie (heiße Bäder, Umschläge, Opiate) die Entleerung herbeiführt. 
Das unwillkürliche Drängen und Pressen wird gemildert, der Harn 
kann stärker abtröpfeln als vorher, ja er kommt vielleicht nach 2—3 
Tagen in einem Strahl, und es kann dann ein Instrument ohne 
-Schwierigkeit eingeführt werden. Ich warne jedoch davor, zu lange 
-zuzuwarten, da sonst die Gefahr für den Patienten zu groß wird. 


— 220 — 


Hat man mit der exspektativen Therapie keinen Erfolg, so lohnt 
es sich, bevor man ernstere Eingriffe vornimmt, folgenden altbekannten 
‚Versuch zu machen, der mir schon häufig gute Dienste geleistet hat: 
Man führt ein Bougie oder eine Metallsonde durch die Harnröhre bis 
in die Öffnung der Striktur hinein und läßt das Bougie dort einige 
Zeit liegen; ich habe dann schon häufig gesehen, daß nach. Entfernung 
‚des Instrumentes die Patienten imstande sind, ihren Harn entleeren 
zu können. Nan muß bei diesen Versuchen die größte Schonung 
und viel Geduld anwenden, dann wird man oft nach langem Bemühen 
‚die Freude haben, in die Striktur einzndringen und sie zu passieren. 
Wächst nun der Umfang der Blase trotz der Behandlung, findet man 
in der Blasengegend einen straff gespannten großen Tumor, welcher 
nahezu bis zum Nabel reicht, so heißt es schnell handeln. 

Es lohnt sich, zuvor noch einen Versuch mit Adrenalin zu 
‚machen, dessen vasostriktorische Eigenschaft wertvolle Dienste leisten 
‚kann, insofern es die entzündlichen und Öödematös veränderten Teile 
‚anämisch macht und dadurch manchmal eine Abschwellung bewerk- 
stellig. Nur wenige Tropfen einer Lösung von 1 :10000 genügen, 
um die stark gerötete Schleimhaut blaß zu machen. Auch erleichtert 
manchmal das Eindringen des Instruments das vorherige Einbringen 
von warmem sterilen Öl in die Harnröhre. 

Wir müssen. also jetzt versuchen, mit einem möglichst dünnen 
Katheter in die Blase einzudringen, und zwar am besten mit einem 
halbweichen (Seidengespinstkatheter.. Nun kommt es aber vor, daß 
‚die sehr dünnen Instrumente, trotzdem sie in die Blase eingedrungen 
‚sind, den Harn nicht aus der Blase herauslassen. Man schraubt dann 
auf das in der Blase liegende filiforme Bougie, bezw. den Katheter, 
einen Metallkatheter oder auch einen weichen Katheter, und läßt diesen 
-aufgeschraubten Katheter dem Bougie folgen (Maisonneuve). (Neuer- 
‘dings hat man Seidengespinstkatheter hergestellt, die vollkommen dem 
Le Fortschen entsprechen. Dieses Instrument läßt sich manchmal 
'durchbringen in Fällen, in denen der Le Fortsche Metallkatheter nicht 
passieren will.) — Ist nach langen Versuchen es ausgeschlossen, ein 
‚Insirument durchzubringen, so bleibt nur zweierlei, entweder die ex- 
.terne Urethrotomie oder die palliative Blasenpunktion. (Die Urologen 
‘und Chirurgen machen diese Operation heute nur in extremen Fällen, 
-denn es soll dem geübten Operateur eigentlich immer gelingen, ohne 
Punktion oder Urethrotomie zum Ziel zu kommen. Schon Thomp- 
son berichtet mit Stolz, daß er im Zeitraume von 30 Jahren. die 





— 221 — 


Punktion nur 3mal bei Rrostatahypertrophie und 4mal bei Retention 
infolge von Striktur gemacht habe.) . | | | 
l Ich. ziehe der Urethrotomie die Punktion vor, einmal weil sie ein- 
fach und leicht ist und wenn nötig ohne, Gefahr an demselben Tage 
wiederholt werden kann, sodann aber weil sie augenblicklich . Linde- 
rung verschafft und weil ich aus Erfahrung weiß, daß gar nicht selten 
“nach einer einzigen Punktion der Patient imstande ist, wieder spontan 
zu urinieren. Die feinen Stichkanäle der Blase verkleben sofort, und 
wenn die Blase entlastet ist, so gelingt es, falls nicht die Kranken von 
selbst Harn lassen können, ein Bougie durchzubringen und daran etwa 
das L&”Fortsche Verfahren anzuschließen. 

Bei der Prostatahypertrophie, die uns zum Schlusse jetzt noch 
beschäftigen soll, unterscheidet man bekanntlich 3 Stadien, die aller- 
dings ohne scharfe Grenze ineinander übergehen. Im ersten Stadium 
entleert der Kranke seine Blase noch vollständig, wenn auch die Ent- 
leerungen erschwert und häufiger als normal sind, im zweiten ist Re- 
tention vorhanden, im dritten Retention und dauernde Überdehnung 
der Blase. In diesem dritten Stadium ist meist die inkomplette Re- 
tention zu einer kompletten geworden, die Kranken können überhaupt 
keinen Harn mehr aus der Blase herausbefördern, oder höchstens noch, 
wenn die Blase übervoll ist. Sie lassen .dann sehr häufig Harn, in- 
dem sie immer das überschüssige Maß, das ihre Blase nicht mehr 
fassen kann, herauspressen. Daneben plagt sie die höchst unange- 
nehme Erscheinung der Inkontinenz, d. h. sie leiden an unfreiwilligem 
Harnabgang bei dauernd überfüllter Blase, einer Form von Harnver- 
haltung, die scheinbar keine ist und deshalb Ischuria paradoxa genannt 
wird. Thompson will diese Erscheinung besser „Überfließen der Blase* 
genannt wissen. Dabei machen sich nun die Kranken nafl, anfangs 
nur nachts, später auch bei Tag, wo sie ihre Unterkleider durchnässen. 

Die .Ausdehnung solcher Blasen ist oft ganz kolossal (ich sah 
bei 3 Patienten, darunter dem Vater eines Kollegen, Mengen bis zu 2 
und 3 L Urin) und trotzdem werden die Kranken davon oft nicht son- 
derlich.. belästigt, selten bestehen wesentliche Schmerzen, dagegen Po- 
Iyurie, die aus der Harnstauung und ihrer Rückwirkung auf die Nieren 
sich erklärt. Der Urin ist von geringem spezifischen Cewicht, meist 
sauer, blaß, mit geringem oder ohne Eiweißgehalt. Das Allgemeinbe- 
‘ finden hat schon erheblich gelitten, die Patienten sind gebrechlich 
und abgemagert, der Appetit kann jedoch erhalten sein, besonders 
wenn noch keine Infektion der Blase da ist. 


— 22 — 


Häufig wird nun dieser Zustand unangenehm unterbrochen durch 
das Dazwischentreten einer akuten kompletten Retention. Die 
Kranken, die bisher noch leidlich spontan urinieren konnten, bringen 
plötzlich keinen Tropfen mehr aus der Blase heraus, trotz größter An- 
strengung unter Zuhilfenahme der Bauchpresse und Anwendung von 
allerlei Medikamenten und Bädern. Der Zustand solcher Patienten ist 
schrecklich, es entstehen äußerst schmerzhafte Blasenkrämpfe, die 
Kranken springen jeden Augenblick zum Topf oder gehen‘ zu Stuhl, 
um ihren Drang zu befriedigen, doch immer vergebens. Ich behandelte 
vor ca. 2 Jahren einen 75jährigen Beamten, der total schwerhörig war 
und öfter an akuter Harnverhaltung, bedingt durch Prostatahypertrophie, 
litt. Der Patient suchte dann immer schon einige Zeit vor Beginn 
der Sprechstunde meine Wohnung auf, wo er, von Drang und Schmer- 
zen geplagt, In Zimmer und Korridor mit heruntergelassenen Hosen 
herumrannte, so daß ich schließlich, sobald er kam, meine Privatwoh- 
nung schleunigst schließen lassen mußte. 

Eine der häufigsten Ursachen dieser akuten Verhaltung bei Pros- 
tatahypertrophie ist in der Steigerung des bei vielen dieser Kranken 
schon von vornherein vorhandenen Kongestionszustandes der Becken- 
organe zu suchen. Ein plötzliches Wachstum der Protata kann nicht 
die Ursache sein, da ja diese Retentionen wieder zurückgehen. Nicht 
nur Exzesse in Baccho et Venere und Einwirkung der Kälte sind hier 
maßgebend, schon ganz unerhebliche Vorgänge, wie das Fahren in 
einem schlechten Wagen oder auf unebener Straße, Sitzen auf unbe- 
quemen Stühlen, geben die Ursache ab. Diese Harnverhaltung kann 
n allen Stadien der Prostatahypertrophie auftreten, manchmal so früh, 
daß man schon a priori annehmen kann, daß es noch nicht zu einer 
größeren Geschwulstbildung der Prostata gekommen ist, in andern 
Fällen ist eine solche Geschwulstbildung schon ausgesprochen vorhan- 
den. Immer aber ist zu berücksichtigen, daß die Hauptschwierigkeit 
für die Einführung des Katheters durch die Verlagerung des vesikalen 
Harnröhrenendes gegeben ist. 

Wenn solche akute Verhaltungen öfters auftreten, zeigen sich 
allmählich Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Widerwille gegen feste 
Speisen. Guyon nennt dießen Zustand Dyspepsia urinaria: infolge 
der Stauung reinigen die Nieren das Blut in mangelhafter Weise, ihre 
Fähigkeit, die Schlacken aus dem Blute zu entfernen, ist herabgesetzt. 
Durch diese Niereninsuffizienz entsteht jene Harnintoxikation, als deren 
Ausdruck die Dyspepsie zu gelten hat. 


— 223 — 


Die Behandlung der akuten Harnverhandlung bei Prostatahyper- 
trophie erfordert ein zartes Vorgehen. jeder Versuch von Gewaltan- 
wendung ist zu unterlassen, bei dem Katheterismus soll kein oder nur 
eine minimale Menge von Blut fließen. Daß der Katheterismus nach 
streng aseptischen Regeln vollführt- wird, brauche ich wohl nicht extra 
zu betonen. 

Über die Wahl des Instrumentes bei der: akuten Hameri 
infolge Prostatahypertrophie verschafft die Untersuchung der Harnröhre 
Klarheit: ist der Weg für die elastische Knopfsonde ohne Schwierig- 
keit durchgängig bis zur Blase, besteht also das Hindernis nur in der 
einfachen gegenseitigen Annäherung der hypertrophierten seitlichen 
Lappen oder in einer Herabsetzung der Kontraktilität der Blase, sa 
wendet man am besten den weichen Katheter (Nelaton) an. Ich habe 
bei den Harnverhaltungen, die ich zusammen mit Kollegen besonders 
auch außerhalb Stuttgarts gesehen habe, stets gefunden, daß viel zu 
wenig mit dem weichen Katheter experimentiert wird, daß dagegen 
die Herren Kollegen aus ihrem begreiflicherweise auf diesem Gebiet 
nicht kompletten Instrumentarium gezwungen waren, einen Metallka- 
theter zu wählen; der meist bezüglich Dicke und Krümmung nicht 
den Anforderungen ED die für eine Retention bei Prostatahyper 
trophie gestellt werden müssen. 

Erweist sich der gewöhnliche Nélaton als zu weich, so rate Ich 
direkt zu einem solchen mit Mercierscher Krümmung überzugehen. 
Vielfach erleichtert wird der Katheterismus in solchen Fällen durch 
vorherige Kokainisierung der vorderen und hinteren Harnröhre mit einer 
etwa 2°,,igen Kokainlösung, wobei ich allerdings nicht verhehlen darf, 
daß die Indoxikationsgefahr nicht gerade gering ist. Die Anästhesie- 
rung wird entweder mit der Gonorrhöespritze ausgeführt oder man 
nstilliertt mit den Guyonschen Kapillarkatheter 1 g einer 5°/,igen 
Kokainlösung tropfenweise durch die ganze Harnröhre: Ich benütze 
in neuerer Zeit mit gutem Erfolg Adrenalin, das rasch eine Anämie 
hervorruft und häufig eine Abschwellung der ödematös .durchtränkten 
Pars prostatica eintreten läßt. Recht rationell ist es, vor Einführung 
des eingefetteten Katheters in die Harnröhre wieder einige Gramm 
sterilen warmen Öls einzuspritzen, was nicht selten zur Folge hat, daß 
der Nelaton doch noch ‚passiert. Gelingt die Einführung des weichen 
Katheters nicht, dann soll man doch noch erst einen Versuch mit 
einem halbweichen Instrument machen, bevor man zum Metallkatheter 
übergeht, also mit einem Seidengespinstkatheter mit Mercierscher Krüm- 





— 224 — 


mung. Dieser Katheter trifft das entgegenstehende Hindernis nicht mit 
seiner Spritze, sondern mit seiner abgestumpften und schrägen unteren 
Fläche und ist dabei noch weich genug, um allen Krümmungen der 
Harnröhre folgen zu können. Zu achten ist darauf, daß der Schnabel 
stets nach oben sieht, damit eben die Spitze an der oberen Wand 
die ja die wenigste Abweichung zeigt, entlang gleitet. Überhaupt halte 
man an der Regel fest, sich stets an die vordere (sogen. chirurgische) 
Wand zu halten, welche nicht wesentlich verlagert ist. Hierdurch 
verhütet man, daß sich der‘ Katheterschnabei in der nach hinten dila- 
tierten Urethra fängt. 

Die englischen Katheter, denen man in heißem Wasser die 
gewünschte Krümmung geben kann, kann ich Ihnen nicht so warm 
empfehlen, da sie manchmal die ihnen gegebene Krümmung nicht be- 
halten, und ihre Einführung eine große Uebung voraussetzt. Dagegen 
empfehle ich, die Einführung des weichen und besonders des halb- 
weichen Katheters zu unterstützen durch die Einführung des Zeige- 
fingers in das Rektum. 

Gelingt es nach vorsichtig fortgesetzten Versuchen, die natürlich 
nicht zu lange ausgedehnt werden dürfen, nicht, mit den weichen 
oder halbweichen Instrumenten in die Blase zu gelangen, so bleibt 
nur der Metallkatheter übrig, der bei richtiger Handhabung und bei 
Wahl eines geeigneten Instrumentes wohl nur in den allerseltesten 
Fällen im Stiche läßt. 

In erster Linie darf grundsätzlich bei Harnverhaltung infolge von 
Prostatahypertrophie nur ein starker Metallkatheter benützt werden, 
etwa No. 23—25 der Charritreschen Skala. Mit einem starken In- 
strument überwindet man am leichtesten jedes Hindernis, besonders 
wenn schon Verletzungen durch vorausgegangene Versuche da sind, 
man vermeidet am besten dadurch falsche Wege, ein dicker Katheter 
dringt nicht so leicht in die Urethralwand ein, wie ein dünner, spitzer. 
Auch hier halte man sich wieder an die vordere Wand, wodurch 
man verhütet, daß sich der Katheterschnabel in der nach hinten 
dilatierten Urethra fängt, und endlich müssen die Instrumente sehr 
lang sein wegen des Hochstands der Blasenmündung der Harnröhre. 
Der Kranke wird am besten im Becken hochgelangert, damit der 
Katheter stark gesenkt werden kann, was wegen der starken Krümmung 
der Harnröhre durchaus nötig ist. Noch bleibt die Wahl. der 
Krümmung, die am besten eine große ist. Im allgemeinen soll die 
Krümmung einem Kreise von 10—11 cm im Durchmesser entsprechen. 





— 225 — 


Meist genügen Katheter, die beinahe rechtwinklig abgebogen sind. 
Wenn es mir stets gelungen ist, nach vielfachen Versuchen des be- 
handelnden Kollegen in die Blase einzudringen, so liegt der Grund 
dafür nicht etwa an meiner größeren Geschicklichkeit, sondern einzig 
an der Wahl der passenden Instrumente. 

Die größte Krümmung hat Brodie angegeben, auch dieses In- 
strument bewährt sich bei sehr starken Vergrößerungen mit beträcht- 
licher Verlängerung der Harnröhre recht gut. Vor kurzschnabligen 
Instrumenten nach Art der Steinsonden möchte ich Sie dringend 
warnen, ' da die Möglichkeit durchaus nicht ausgeschlossen ist, daß 
man mit einem solchen Instrument die Prostata durchbohrt. 

Müssen wir bei einem schon bestehenden falschen Weg kathe- 
terisieren, so nehmen wir am besten einen starken Metallkatheter und 
suchen uns mit seiner Spitze an derjenigen Harnröfirenwand zu halten, 
an welcher sich der falsche Weg nicht befindet. Ist bei wiederein- 
tretender Harnverbaltung in solchen Fällen von neuem ein Katheteris- 
mus nötig, so lassen wir lieber, als daß wir jedesmal wieder von 
neuem an dem falschen Weg vorbeikatheterisieren, einen Dauerkatheter 
in der Blase liegen, bis der falsche Weg geheilt ist. 

Da man einen Metallkatheter über Nacht in der Blase nicht 
liegen lassen darf, so nimmt man als Dauerkatheter einen Nelaton 
oder. Seidengespinstkatheter. Wenn diese nicht passieren wollen, so 
spannt man einen Nelaton auf einen Mandrin, dem man diejenige 
Krümmung gibt, welche der Metallkatheter hatte, der vorher passierte. 

Gelingt troiz aller angewandter Mittel der Katheterismus nicht, 
so bleibt nichts anderes übrig, als die Punctio vesicae, während der 
früher empfohlene forcierte Katheterismus, - weil gefährlich, verwerflich 
ist. Meistens gelingt nach einmaliger oder wiederholter Punktion der 
Katheterismus wieder. Die Blasenpunkfion ist ungefährlich uud ein- 
fach, so einfach, daß ich sie notgedrungen schon in der Sprechstunde 
mache. .Eine Verletzung des Bauchfells oder Darms ist bei dem 
Hochstand des Peritoneums ausgeschlossen. Die Methode der Punk- 
tion zu schildern, kann ich mir erlassen, da sie -Ihnen ja geläufig ist. 
Ich möchte nur auch dabei vor zu rascher Entleerung der Blase 
warnen. 

Es ist kein Zweifel, daß von allen Radikaloperationen zur Feilung 
der Prostatahypertrophie die galvanokaustische Diärese der Prostata 
nach Bottini, um deren Einführung in die Praxis sich Freuden- 
berg in Berlin sehr verdient gemacht hat, am meisten imstande ist, 


— 26 — 

in manchen Fällen dem Prostatiker die spontane Entleernng der Blase 
wiederzugeben, ohne daß die Gefahr des Eingriffes eine zu große wäre, 
doch sind: durchaus nicht alle Prostatiker für die Operation geeignet. 
Es werden im Gegenteil manche dadurch verschlimmert, und es ist 
notwendig, "für diese Operation enge Grenze zu ziehen. Es hieße den 
Rahmen dieses Vortrags überschreiten, wollte ich auf die Indikationen 
und Kontraindikationen der Bottinischen Operation heute eingehen, 
ich behalte mir vielmehr vor, dieses äußerst MIENNBe Thema ‚gesondert 
in einem Vortrage zu behandeln. 

Es war mir natürlich in der kurzen Zeit nicht möglich, Ihnen 
ein umfassendes Bild von der Harnverhaltung und ihrer Behandlung 
zu geben, ich mußte z. B. von vornherein auf die Schilderung der 
postoperativen Harnverhaltung bei der Frau nach chirurgischen Ein- 
griffen an den inneren Genitalien, wobei nach Untersuchungen von 
Tausig die Intensität der Harnverhaltung abhängig ist von der Aus- 
dehnung der Ablösung der Blase von der Umgebung, verzichten, ich 
konnte die Harnverhaltung infolge Retrofiexio uteri gravidi, ferner die 
bei Geschwülsten, Form- und Lageveränderungen der weiblichen Geni- 
talien vorkommenden Formen, die Harnretention nach schweren Ent- 
bindungen etc. nicht beschreiben, doch hoffe ich, meinen Zweck, Ihnen 
in knapper Form die praktischen Seiten der Harnverhaltung vors Auge 
zu führen, erreicht zu haben, indem ich die Ergebnisse einer nunmehr 
1Ojährigen Erfahrung auf diesem Gebiete verwertete, um Ihnen die 
einfachsten und zweckmäßigsten Methoden vor das Auge zu führen 
und zu empfehlen. Wenn Sie für Ihre Praxis aus meinen Ausfüh- 
führungen gelegentlich Nutzen ziehen könnten, so würde ich mich 
freuen. 


Literatur: 


tum 


ni, See Lehrb. der Urologie. 
. Nothnagel: Die nervösen Erkrankungen der Blase. 19. Bd. 2. Teil. 
3. Handbuch der prakt. Medizin (Ebstein und Schwalbe): „Die 
Krankheiten der Harnorgane.“ 
j. Englisch: „Über chronische Harnverhaltung.“ Sep,-A. a. Allg. 
Wiener med. Ztg. | 
R.Lucke: „Die chronische Harnverhaltung.“ G.Fischer. Jena 1903. 
6. C. Posner: Diagnostik der Harnkrankheiten. 
H. Thompson: Krankheiten der Prostata. 
P. Güterbock: Die Krankheiten der Harnblase. 


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— 227 — 


9. Handbuch der Urologie. Herausgeg. von A. v. Frisch und O. 
Zuckerkandl. Wien 1904. Hölder. 

10. A. Socin: Die Verletzungen und Krankheiten der Prostata. Aus 

„Deutsche Chirurgie“. Ferd. Enke. 1902. 

11. Handbuch der Therapie innerer Krankheiten. Heuga von 
Penzoldt u. Stintzing. 7. Bd. jena 1903. G. Fischer. 

12, L. Dittel: Die Striktur der Harnröhre. 

13. Guyon-Mendelssohn: Klinik der Krankheiten der Harnblase und 
Prostata. Berlin 1893. Aug. Hirschwald. 

14. H. Thompson: Die Krankheiten der Harnwege. 

15. Ultzmann: Krankheiten der Harnblase. | | 

16. C. Casper: Die symptomatische Bedeutung und. Therapie des 
Residualharns. Berl. Klinik. 1888. Heft 7. | 

17. Güterbock: Über die Störungen der Harnentleerung bei Prosta- 
tahypertrophle. Berl. Klinik. 1888. Heft 4. | 

18. Strauß: Über Gleitmittel und Katheter, Bougies etc. Monatsschr. 
‚für Harnkrankheiten und sex. Hygiene. 1904. Heft 1. 


Ueber die Anästhesierung der Nieren und oberen 
Harnwege, | 


Nach einer Vorlesung, gehalten von M. Lavaux an der medizinischen Fakultät 
der Pariser Universität. 


(Schluß.) 


L. Spitzer in Wien hat das Gonosan im ganzen bei 100 Patienten 
angewendet, und zwar bei 50 mit Urethritis acuta anterior, bei 30 
mit Urethritis totalis und bei 20 mit Urethrocystitis acuta hämorrhagica. 
Diese letzteren waren mit Absicht ausgesucht und betrafen jene Form 
der Erkrankung, die mit heftigem Harndrang einhergeht, und jene 
quälenden Schmerzen im Damme, -die der Therapie oft groe Schwie- 
rigkeiten bereiten. Bei såmtlichen Patienten wurde von Einspritzungen 
abgesehen und neben Diätvorschriften nur Gonosan verordnet. 

Von allen diesen Patienten konnte keiner während der Behand- 
lungszeit Bettruhe einhalten. Demnach war die gonorrhoische Er- 
krankung therapeutisch nur durch die innerliche Verabreichung des 
Gonosarıs beeinflußt. Auf Grund seiner Erfahrungen hebt 
Spitzer an erster Stelle die schmerzstillende Eigenschaft 
des Gonosans hervor. Die Schmerzen der Urethritis acuta anterior 


Da 





— 228 — 


sowohl, wie auch die quälenden Symptome am Mittelfleisch bei hämorr- 
hagischer Urethritis posterior hörten überraschend schnell auf. Als 
zweite Tatsache führt er den Umstand an, daß von den ersten 50 
Kranken mit Urethritis posterior nur 4 zur gewöhnlichen Zeit an Ure- 
thritis posterior, und von diesen 2 an Zpididymitis erkrankt sind. 

Sämtliche von den vorstehenden Autoren hervorgehobenen thera- 
peutischen Eigenschaften des Gonosans hat Saalfeld an seinem 
Material durchaus bestätigen und obendrein durch gemeirischaftlich mit 
Piorkowsky ausgeführte bakteriologische Untersuchungen feststellen 
können, daß das Gonosan in Bezug auf die Gonococcen bakterizid 
wirkt. So wurden virulente Gonococcenkulturen abgetötet, wenn sie 
während 5 Minuten mit Harn in Berührung gebracht wurden, der von 
mit Gonosan behandelten Patienten stammte. Desgleichen zeigte ein 
solcher Harn, in den Brutschrank gebracht, nach 3 Tagen keine Fäul- 
nis, während bei einem normalen Kontrollharn dieselbe schon nach 24 
Stunden auftrat. Die günstige Wirkung des Gonosans erklärt nun 
Saalfeld unter anderem auch durch diese bakterizide Wirkung, sowie 
auch durch die Tatsache, daß das Gonosan die den Tripper begleiten- 
den exzessiven Erektionen beseitigt, durch welche die lange Dauer 
einer Urethroblennorrhoe oft bedingt wird. Nach der Auffassung Saal- 
feld’s ist der Wert der sedativen Wirkung des Gonosans keineswegs 
durch die subjektive Erleichterung, welche der Patient nach der Be- 
seitigung der Schmerzen bei den Erektionen verspürt, erschöpft, sondern 
es kommt hier noch ein unmittelbar kurativer Effekt in Betracht, In 
der Tat sah er sich bei den von ihm beobachteten 75 Fällen nur 
zweimal genötigt, wegen der Erektion ein anderweitiges Sedativum zu 
verordnen. Vielleicht, führt Saalfeld aus, ist das Fehlen oder das 
seltene Auftreten von Erektionen bei seinen Patienten darauf zu be- 
ziehen, daß er, um einen vollen Erfolg zu erzielen, meist 10—12 Gono- 
san-Kapseln pro die verordnet hat. Alles in allem gelangt Saalfeld 
zu dem Schluß, daß die Einführung des Gonosans in die Gonorrhoe- 
therapie als ein bedeutender Fortschritt anzusehen ist. Das Mittel 
verringert bei der Urethritis gonorrhoica in kurzer Zeit die eitrige 
Sekretion und verwandelt sie in eine schleimige, setzt die Schmerz- 
haftigkeit des gonorrhoischen Prozesses herab und vermindert das 
Auftreten der im akuten Stadium der Gonorrhoe oft so schmerz- 
haften und die Heilung verzögernden Erektionen. Die mit Gonosan 
geübte innere Behandlung des Trippers genügt in vielen Fällen zu 
seiner völligen Heilung und hat vor der äußeren Behandlung den 


— 229 — 


"Vorzug, daß die Patienten, besonders die weniger intelligenten, vor 
Nachteilen bewahrt bleiben, die durch Injektionen verursacht werden 
können. | | | | 
Die in die Augen springende anästhesierende Wirkung des Gono- 
sans wird von allen Autoren anerkannt. Diese kommt dadurch zu 
stande, daß die im Gonosan enthaltenen Harze beim Umlauf durch 
den Organismus In Harzsäure umgewandelt und im Urin gelöst aus- 
geschieden werden. Beim Passieren desselben über Blase und Harn- 
röhre werden unzweifelhaft die in den Schleimhäuten eingebetteten 
Nerven gelähmt, wodurch eine Schmerzensempfindung sich nicht be- 
merkbar machen kann. Es handelt sich also um eine Anästhesie, die 
— analog der durch Cocainlösung bedingten — Er ist, nur daß 
das Mittel innerlich verabreicht wird. 

Wenn nun die Wirkung der Kawaharze sich im Bereich 
von Blase und Harnröhre geltend macht, warum soll sich 
die Anästhesie nicht auch im Harnleiter, im Nierenbecken 
und in der Niere selbst unter diesen Umständen entfalten 
können? Warum sollte das Kawaharz nicht bei Uretero- 
pyelonephritis die heftigen Schmerzen, welche den Kran- 
ken Tag und Nacht quälen, lindern können? Warum sollte 
man bei Nierenkoliken infolge von Steinablagerungen es 
nicht versuchen? Das sind die Fragen, die wir uns vorge- 
legt und deren BEANENDLLURE wir im folgenden geben 
wollen. 

Um sich genau über die Wirkung der Kawaharze zu unterrichten, 
war es notwendig, solche Patienten auszuwählen, deren Krankheits- 
symptome genau ausgeprägt und die bereits mit den bisher üblichen 
Mitteln behandelt worden waren. Indem wir nun an deren Stelle das 
Gonosan setzen, konnten wir genau die hierbei erzielten Resultate 
vergleichen und so ermitteln, ob das Gonosan vor den anderen Mitteln 
einen Vorzug hat. 

Im folgenden wollen wir nur einige wenige Fälle ae be- 
schreiben. 

Herr N., 60 Jahre alt, bis zum Jahre 1892 gesund, leidet seit 
‚einiger Zeit an Blasengriess. Da die Beschwerden sehr gering waren, 
zog er bis 1892 keinen Arzt zu Rate. Erst als heftige Steinkoliken 
auftraten, ließ er sich ins Spital aufnehmen, wo durch Lithotripsie 
im Monat Mai Uratsteine entfernt wurden. Nach wenigen Tagen konnte 
Patient wieder seine Arbeit aufnehmen. Während der ganzen Zeit 


ar 
2 u ger: peee 


— 230 — 


war das Befinden ein gutes bis zum April 1904. Der Urin wurde 
trübe; die Harnentleerung war äußerst schmerzhaft. Der zugezogene 
Arzt verordnete Terpentin, worauf sich der Zustand etwas besserte. 
Plötzlich trat eine Verschlimmerung ein, was den Patienten am 10. 
August 1904 zu uns führte. Wir konstatierten eine Pyelo-nephritis 
bedingt durch Konkremente und schwere Cystitis. Da Patient eine 
Operation ablehnte, wurden Blasenspülungen ausgeführt und ein diä- 
tisches Verhalten. angeordnet. Die Beschwerden des Blasenkatarrhs 
verringern sich etwas, dagegen keine Besserung der Pyelo-nephritis. 

Am 25. Oktober wird zum ersten Male gegen die heftigen Schmer- 
zen Gonosan verordnet. | 

Am 27. Oktober. lassen die Schmerzen nach. 

Am 29. Oktober empfindet Patient keine Beschwerden mehr. 
Er vermag Nachts mehrere Stunden ununterbrochen zu schlafen. Die 
Eiterung aus den Nieren läßt nach und der Urin klärt sich. 

Am 1. November Zunahme der Eiterung, bedingt durch Blasen- 
steine. Ä 

Am 10. November Lithotripsie unter Chloroformnarkose. 

Verlauf fieberlos. Am. 16. November verläßt Patient das Kranken- 
haus und begibt sich aufs Land. 

Bei diesem Kranken war die durch Gonosan erzielte 
Anästhesie der oberen und unteren Abschnitte des Harn- 
apparates auffallend. 

Vom 2. Tage an nach Gonosan-Verabreichung nahmen die 
Schmerzen deutlich ab und verschwanden gänzlich nach 7 Tagen. 
Da die Schmerzen den Patienten nicht plagten, war auch die Nacht- 
ruhe bedeutend besser geworden, so daß er mehrere Stunden ruhigen 
Schlaf hatte. Ebenso: ist die rasche Verminderung und das fast völlige 
Erlöschen der Eiterung eines der bemerkenswerten Resultate, welches 
wir mit dem Gonosan in üblicher Dosis erzielt haben. Diese auf- 
fällige Beschränkung der Sekretion ist unzweifelhaft auf die eigen- 
artige Ischämie zurückzuführen, welche zuerst von L. Lewin beobach- 
tet wurde. 

Jedoch noch eine andere Wirkung der Kawa muß hervorgehoben 
werden, d. i. die auf das Zentralnervensystem. Das Gefühl der Mattig- 
keit, das Schlafbedürfnis, das Rauschgefühl etc. — Erscheinungen, welche 
bei unserem Patienten nach Gonosan-Gebrauch auftraten — sind An- 
zeichen dafür, daß die nervosen Centren durch die Kawa direkt be- 
einflußt werden. Daß sich diese Wirkung bei unserem Patienten geltend 








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machte, die übrigens nicht den geringsten Schaden verursacht und 
rasch vorübergeht, ist wahrscheinlich. auf die funktionelle. Insufficienz 
der Nieren zurückzuführen. | 

2. Fall. Ein junger Mensch von 26 Jahren fühlt plötzlich einen - 
sehr heftigen Schmerz in der Lumbo-sacral-Gegend infolge Hebens. einer 
schweren Last. Patient verlegt die Schmerzen direkt in die Nieren. 
Die Untersuchung kann in Bezug auf die Nieren nichts ermitteln; wahr- 
scheinlich handelt es sich um eine Verletzung der Muskulatur in der 
Nachbarschaft der Nieren. 

Es werden täglich 8 Gonosan-Kapseln verabreicht. 

Am 2. Tage lassen die quälenden Lendenschmerzen nach und 

am 4. Tage sind sie vollständig verschwunden. Bei diesem Kranken 
trat keine allgemeine Kawa-Wirkung ein. Dagegen war auch in diesem 
Falle die lokale anästhesierende Wirkung, die sich auf die 
Nierengegend bezog, verblüffend. 
Um die anästhesierende Kraft zu erhöhen, erscheint es zweck- 
mäßig, den Gehalt an Sandelöl im Gonosan zu vermindern und den 
a+-ß Kawaharz zu erhöhen. Gegenwärtig werden von uns Unter- 
suchungen angestellt mit einem Gonosan das 40%, Kawaharz und 
60%, reines Sandelöl enthält. 

Über das Resultat soll später berichtet werden. 

Unser Schlußurteil lautet: 

In dem Gonosan besitzen wir ein vorzügliches inneres 
Anästheticum, das nicht bloß bei Entzündungen der Harn 
ölhre und Blase, sondern auch bei Erkrankungen des Harn- 
leiters, des Nierenbeckens und der Niere vortreffliche 
Dienste leistet. Das Hauptverwendungsgebiet des Gono- 
sans wird ja immer die Gonorrhoe bleiben, die unter dem 
Einflusse des Gonosans schmerzlos verläuft. Die Klagen 
über das furchtbare Brennen beim Urinieren, über die 
schmerzhaften Erektionen und Pollutionen sind seit der 
Einführung des Gonosans verstummt. Wir betrachten daher 
das Gonosan als eines der wertvollsten von allen neueren 
Medikamenten, das auch eine große soziale Bedeutung hat 
nsofern, als es uns eine sehr wirksame Waffe zur Bekämpf- 
ung der enorm verbreiteten Volkskrankheit, der Gonorrhoe, 
liefert. 


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Il. Referate. 


M. Chryssovergis: Origine dyspeptique des petits accidents du 
brightisme. | 


. Da beim morbus Brightii oft albumen fehlt oder in Intervallen auftritt, 
da ferner Albuminurie nicht immer für m. Br. spricht, so führte M. Dim- 
lafoy im Jahre 1883 den Begriff des brightisme ein, dem man alle solche 
Fälle subsumiert, die sich durch die sog. kleinen Zeichen des m. B. doku- 
mentieren. Zu diesen gehören z. B. Sehstörungen, Ohrensausen, Kopf- 
schmerzen, Schwindelanfälle, Dyspnoe, Wadenkrämpfe, Zuckungen, Nasen- 
bluten, Prurigo, Poly- und Pollakiurie, übergroße Empfindlichkeit gegen die 
geringsten Temperaturschwankungen. Chryssovergis weist nun nach, daß 
alle diese Zeichen auf gastrische Störungen zurückzuführen sind, ein Um- 
stand, der für die Therapie von Bedeutung ist. 

(Sem. med. 1904, No. 24.) Palm - Berlin. 


Prof. L. Jores: Über die Arteriosklerose der kleinen Organ- 
arterien und ihre Beziehungen zur Nephritis. (Pathol. Instit. des Her- 
zogi. Krankenhauses in Braunschweig.) (Virch. Arch. 178. Bd. 3.) 


: J. entwickelt seine Auffassung dahin, daß die Arteriosklerose der kleinen 
Arterien höchstwahrscheinlich keine einfache Folgeerscheinung der Nephritis 
ist, sondern in frühzeitiger Verknüpfung mit derselben den Ablauf der Nieren- 
erkrankung und ihren Ausgang wesentlich beeinflußt. Demzufolge verwertet 
er den Umstand, ob die Affektion der kleinen Arterien mit dem nephritischen 
Prozeß vergesellschaftet ist, mit zur Einteilung und Unterscheidung der Ne- 
phritisarten und erkennt folgenden Formen eine gewisse Wesensgemein- 
schaft zu: 

1. Fälle, welche klinisch unter dem Bilde der chronisch-parenchyma- 
tösen Nephritis verlaufen und in denen man anatomisch parenchymatöse 
Läsionen mit interstitiellen Wucherungen gemischt antrifft. 

2. Fälle von genuiner interstitieller Nephritis mit oder ohne Parenchym- 
läsionen, die ihren Ausgang gewöhnlich in rote Graunlarniere nehmen. 

3. Fälle, welche man bisher als arteriosklerotische Schrumpfniere 
schon bezeichnet hat. Schwab- Hamburg. 


Widal et Javal: Cure de dechloruration et albuminurie brightique. 


Widal und Javal sahen bei morbus Brightii einen günstigen Einfluß 
‚von der Entziehung des Na. Cl. und umgekehrt einen ungünstigen bei Zufuhr 
desselben; indem eine reichlichere Vermehrung des albumen eintrat. Die 
Milchdiät verdankt ihre Wirksamkeit nur dem geringen Salzgehalt der Milch. 
Aus demselben Grunde ist dem Brightiker auch der Genuß von Fleisch nicht 
zu versagen. 

(Sem. med. 1904, No. 30.) Palm - Berlin. 





— 233 — 


J. Steinhardt: Kasuistische Mitteilungen. (Archiv f. Kinderhlkd. 
Bd. 38 Heft 1 u. 2.) - | 

Die eine Mitteilung betrifft ein Nierensarkom bei einem 3!/,jährigen 
Knaben. Bei dem kräftigen Kinde entwickelte sich im Laufe eines halben 
Jahres ein Tumor, der den Leib vorwölbte, den Rippenbogen mindestens 
handbreit überragte und von fester Konsistenz war, Schmerzen aber nicht 
verursachte. Operation wurde verweigert, und der kleine Patient magerte 
rapid ab. Er starb unter starken Ödemen, und bei der Sektion fand man 
einen 13 Pfund schweren Tumor, der nur an einer Stelle noch nierenartiges 
Aussehen zeigte und sich mikroskopisch als Sarkom erwies. 

| | , Grätzer - Sprottau. 


T. Pick: Über Hemianopsie bei Urämie. (Wiener Klin. Wochen- 
schrift 1904, No. I.) | | 

Pick berichtet über einen Fall von Hemianopsie im Ablauf einer 
Amaurose, die bei einer früher gesunden Drittgebärenden nach einem künst- 
lich eingeleiteten Abort eintrat. Albuminurie war vorhanden. Näheres muß 
im Original nachgelesen werden, speziell auch Picks Ansicht über den 
zentralen Sitz der Laesion bei uraemischer Amaurose sei hingewiesen. 

Loeb - Köln. 


J. Dzirne: Über Behandlung der Nephrolithiasis, Hydro- und 
Pyonephrose (17 Fälle von Operationen an der Niere). (Urol. Monatsber. 
1904. No. 3 u. 4). 

In dieser sehr schönen ausführlichen Monographie, die zudem eine 
Übersicht über die Gesamtliteratur enthält, sind die modernen technischen 
Operationsmethoden einer ausführlichen und übersichtlichen Kritik unter- 
worfen, und wird uns ein reichliches Operationsmaterial vorgeführt; 
die Arbeit sei daher vor allem dem Urologen und dem Chirurgen zu einem 
eingehenden Studium empfohlen. Um nur einzelnes herauszugreifen, äußert 
sich Verfasser eingehend über die Bedeutung der Radiographie bei der An- 
wesenheit von Nierensteinen; und tritt dann mit ganzer Kraft für eine kon- 
servative Nierenchirurgie ein; eine Nephrotomie seieiner Nephrec- 
tolmie in den allermeisten Fällen vorzuziehen. Auch auf die interne Thera- 
pie bei Lithiasis geht Autor des näheren ein. Zwei Punkte will ich daraus 
hervorheben. Es sei einmal auf die Ansicht Rovsings hingewiesen, daß 
der Gebrauch großer Quantitäten alkalischer Mineralwasser nicht zur Ver- 
ringerung, sondern im Gegenteil zur Vergrößerung der Nierensteine führt. 
Nach Rovsings Meinung ist der Erfolg, der beim Gebrauch dieser Wässer 
erzielt wird, auf die gesteigerte Zufuhr von Flüssigkeit überhaupt zurückzu- 
führen, so daß er schon erreicht werden kann, wenn große Mengen abge- 
kochten Wassers genossen werden. 

Zweitens weist Verfasser auf ein weiteres therapeutisches Verfahren 
hin, nämlich auf die Behandlung der Nephrolithiasis mit Glycerin nach Her- 
mann. Das Glycerin wird nämlich per os genommen, innerhalb der ersten 
24 Stunden mit dem Harn im unveränderten Zustand ausgeschieden, es wirkt 
auf Concremente fast gar nicht lösend, es macht aber die Harnwege schlüpf- 
rig und darauf ist das leichtere Abgehen der Steine zurückzuführen. Es wer- 

3 


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den nach Hermann 50—130 g. Glycerin verabreicht, danach treten fast immer 
Schmerzen in der Nierengegend der erkrankten Seite auf, worauf in vielen 
Fällen die Ausscheidung von Harngries und Steinen erfolgt. Außer der stein- 
treibenden, komme dem Glycerin eine schmerzstillende Wirkung zu. Referent 


hat das Mittel vielfach versucht und kann es desgleichen bestens empfehlen. 
Loeb-Köln. 


Fritz Poly: Bestimmungen der molekularen Konzentration des 
Blutes und des Urins bei doppelseitigen Nierenerkrankungen (Aus 
der Mediz. Klinik. d. Univ. Würzburg. Dir. Geh. R. Prof. Dr. v. Leube). 
(Deutsche medizin. Wochenschr. 2. Juni 1904, No. 23 p. 838.) ° 

Poly untersuchte in 41 Fällen doppelseitiger Nierenerkrankungen die 
molekulare Konzentration von Blut und Urin. In urmäiefreien Fällen, sowie 
in den anderen während der urämiefreien Zeit war die Gefrierpunktserniedri- 
gung des Blutes d normal, d. h. sie schwankte zwischen 0,55 und 0,57. Bei 
ausgesprochener Urämie war eine erhöhte molekulare Konzentration festzu- 
stellen, d. h. ö schwankte von —0,58 bis —645. Ausnahmen von diesen Regeln 
waren jedoch zu konstatieren, indem bei 3 Fällen schwerer Urämie normale 
Gefrierpunktserniedrigung vorhanden war, wäsrend anderseits in 2 Fällen nach 
Ablauf der urämischen Erscheinungen die erhöhte Konzentration noch längere 
Zeit bestehen blieb. Für das Auftreten urämischer Erscheinungen kann 
somit die erhöhte Konzentration des Blutes allein nicht haftbar gemacht 
werden. 

Die kryoskopische Untersuchung des Urins ergab, daß A meist unter 
—1,0 bleibt und bei parenchymatöser Entzündung meistens niedriger ist als 
bei interstitieller; letzteres ist aber nicht in so charakteristischer Weise der 


Fall, daß daraus diagnostische Schlüsse gezogen werden können. 
i Hans Schwerin-Berlin. 


A. Loeb und C. Adrian: Rechtfertigt erhöhte molekulare Blut- 
Konzentration bei Nierenerkrankungen immer den Schluß auf Krank- 
sein beider Nieren? = Aus der Straßburger med. Klinik: Prof. Naunyn. = 
(Berl. klin. Wochenschr. No. 39. 1904.) 

Aus der Beobachtung der Verf. geht hervor, daß auch einseitige Nie- 
renerkrankung (bei Ausschluß irgend einer anderen Ursache und bei keines- 
wegs raumbeengender Größe der erkrankten Niere) mit Erhöhung der mole- 
kularen Konzentration des Blutes einhergehen kann, und daß es nicht an- 
geht, ohne weiteres bei nachweisbarer Erkrankung einer Niere und gesteiger- 
ter molekularer Blutkonzentration auch eine Erkrankung der zweiten Niere 
anzunehmen. M. 


Leopold Casper: Zur Diagnostik und Therapie der Nierentuber- 
kulose. (Deutsche mediz. Wochenschr. 1905 No. 3 p. 98.) 

In der Einleitung zu seinem Vortrag weist Casper auf die Wand- 
lungen hin, die die Ansichten über Entstehung und Behandlung der Nieren- 
tuberkulose besonders die verfeinerte Diagnostik in den letzten 10 Jahren 
erfahren haben. Für die Diagnose der Nierentuberkulose kommt natürlich 
die Untersuchung des Urins vor allem in Betracht. In 80°, seiner Fälle konnte Y 


o ER 





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C. Tuberkelbacillen im Ausstripräparate des Sedimentes nachweisen; in den 
übrigen gab das Kulturverfahren und die subculane und intraperjtoneale Imp- 
fung von Meerschweinchen die Entscheidung. Die probatorische Tuberkulin- 
njektion verwirft Verf. Ob das Vorhandensein der Tuberkelbacillen im Urin 
auf eine lokale Tuberkulose zurückzuführen list, oder ob eine sogenannte 
„Ausscheidungstuberkulose“ vorliegt, ist meist aus dem Allgemeinzustand 
des Patienten : zu unterscheiden. Im Zweifelsfalle entscheidet der Ureteren- 
katheterismus, ob die Bacillen nur von einer Niere stammen. Welche Niere 
erkrankt ist, läßt, wenn vorhanden, das Schmerzgefühl des Patienten erkennen. 
Dagegen ist die Palpation trügerisch, da die gesunde Niere durch Kompen- 
sation vergrößert sein kann. Nicht täuschen lassen darf: man sich ferner bei : 
der Cystoskopie durch das Vorhandensein von harmlosen Knötchen bei der 
sogenannten Cystitis granulosa, die leicht als miliare Tuberkel imponieren. 


Durch die Diagnose der einseitigen Nierentuberkulose ist meist die 
Indikation zur Nephrectomie gegeben, da der Prozeß in der Mehrzahl der 
Fälle weitergeht, meist zwar langsam, bisweilen aber sehr schnell. Nur 3 
Fälle von 60 hat C. zum Stillstand kommen sehen. Man kann daher sich 
allenfalls abwartend verhalten, wenn keine oder geringe Eiterung bei günsti- 
gem Ergebnis der Funktionsprüfung vorhanden ist. Als Contraindikation für 
die Operation ist allgemeine Tuberkulose, Diabetes, hochgradige Arterios- 
clerose und starker Marasmus anzusehen. Allerdings hat C. auch sehr elende 
Patienten die Operatiou gut überstehen gesehen. Von ausschlaggebender Be- 
deutung ist aber natürlich die Funktionsfähigkeit der zurückbleibenden Niere, 
die durch Ureterenkatheterismus festgestellt werden muß. Wie wichtig diese 
Untersuchung beweist C. durch eine vergleichende Statistik. Bei je ca. 130 
Nephrectomieen hatten diejenigen Chirurgen, die die funktionelle Diagnostik 
verwendet hatten, eine Operationsmortalität von 10°/o, die anderen von 21°'o. 
Von den Todesfällen waren bei ersteren nur 7,7°/o bei letzteren 22,7°jo durch 
Niereninsufficienz bedingt worden. Hans Schwerin (Berlin). 


Senator: Über physiologische und pathologische Albuminurle. 
(Deutsche medic. Wochenschr. 30. Jahrg. No. 50. p 1833.) 


Senator widerspricht der weitverbreiteten Ansicht, daß jede Albumi- 
nurie pathologisch ist. Es gibt eine Reihe von außergewöhnlichen Verhältnissen, 
unter denen auch bei gesunden Menschen erheblichere Eiweißausscheidung 
durch den Urin stattfinden kann, so bei anstrengender Muskelarbeit der unteren 
Extremitäten, bei Verdauung reichlicher Mahlzeiten, bei der Menstruation, 
nach kalten Bädern, psychischen Aufregungen, bes. sexueller Art. Dagegen 
ist nach Senator zweifellos pathologisch die sogenannte „orthostatische 
Albuminurie*. Ihr liegt, wenn nicht in allen, so doch in den allermeisten 
Fällen ein leichter Reiz oder entzündlicher Zustand in den Nieren zugrunde, 
der in Heilung übergehen, aber auch bis zu einer diffusen chronischen Ne- 
phritis sich weiter entwickeln kann. Die Ursachen für das Auftreten von 
derartigen physiologischen und pathologischen intermittierenden Albuminu- 
rien sieht Senator in einer angeborenen oder erworbenen Disposition, die 
zur Folge hat, daß es schon bei geringen Kreislaufveränderungen in 





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den Nieren, deren Vorhandensein S. für die verschiedenen Arten der inter- 


mittierenden Albuminurie nachweist, zu einer Eiweißausscheidung kommt. 
Hans Schwerin (Berlin). 


M. Bazy : Sur une nouvelle variété d’incontinence nocturne d’urine. 

M. Bazy berichtet über Fälle von pyelitis und pyelonephritis, in denen 
nächtliche Inkontinenz des Urins das Symptom bildete. 

An diese Tatsache soll man denken, wenn die Inkontinenz intermittie- 
rend auftritt und besonders dann, wenn bei trübem Urin nächtliche Polla- 
kiurie besteht. 

(Semaine méd. 1904 No. 44.) | Palm-Berlin. 


Prof. Dr. R. Kutner-Berlin: Zur Behandlung der unfreiwilligen 
Harnentleerung. (Zeitschrift für ärztliche Fortbildung. 1904. Nr. 22.) 
Verf. bespricht jene Fälle von unfreiwilligem, unbewußtem 
Harnabgang, die weder auf zentrale Ursachen zurückzuführen sind (plötzlich 
bei Shock, längere Zeit hindurch bei schweren Infektionen mit benommenem 
Sensorium oder chronisch bei Rückenmarkskrankheiten z. B. Tabes), noch 
auf lokale Erkrankungen (Strikturen der Harnröhre, Prostatahypertrophie), 
sondern bei welchen örtliche Anomalien der Muskulatur vorliegen. 
Es handelt sich hierbei um einen falschen Antagonismus von Sphincter 
vesicae (internus? D. Ref.) und Detrusor, bei welchem der erstere Muskel 
das Übergewicht über den letzteren gewinnt, der durch chronische Distention 
geschwächt ist. Diese kommt dadurch zu stande, daß Kinder infolge schlechter 
Angewöhnung, Erwachsene infolge von Nachlässigkeit oder äußeren Ursachen 
(Damen in Gesellschaften; Arbeiter an belebten Plätzen ohne Gelegenheit 
zur Harnentleerung; Kinder in der Schule, welchen der Lehrer das Austreten 
nicht gestattet etc.) den Urin sehr lange zurückhalten und sich so eine „ha- 
bituelle Harnverhaltung‘‘ angewöhnen. Durch die Untätigkeit des Detrusor 
entsteht ein chronischer Spasmus des Sphincter, der nur dann aufgehoben 
wird, wenn eine freiwillige Harnentleerung eintritt, oder wenn die durch die 
Dehnung gereizte Blase durch krampfhafte Kontraktionen des Detrusor ihren 
Inhalt entleert. Durch den Sphincterspasmus kann aber auch die freiwillige 
Entleerung der Blase sehr erschwert und schließlich unmöglich gemacht 
werden. 
Zu diesem Krankheitsbild gehört auch nach K. die Enuresis diurna et 
nocturna. Die E. nocturna erklärt sich leicht so, daß während untertags 
durch freiwillige Entleerungen noch für Entlastung der Blase gesorgt wird, 
diese nachts fehlt und durch große Ansammlung von Urin die Blase ge- 
zwungen wird, sich durch gewaltsame Entleerung Erleichterung zu verschaffen. 
(Nach des Ref. Ansicht muß aber auch eine größere Empfindlichkeit der 
Bl..senwände eingetreten sein, denn die bei der E. nocturna entleerten Urin- 
mengen sind häufig so gering, daß sie zu einer Überdehnung der Blase nicht 
führen können.) 
Als Therapie schlägt K. vor, die Patienten 2—3 stūndlich, ob Drang 
vorhanden ist oder nicht, ihre Blase entleeren zu lassen, wodurch der De- 
trusor gekräftigt wird, während der Spasmus des Sphincter durch Einlegung 








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von (stärkeren) Metallsonden beseitigt wird. Natürlich müssen die oben er- 
wähnten äußeren Ursachen beseitigt werden. Durch diese einfache Behand- 
lung will K. sehr gute Erfolge erzielt haben. 

(Ich habe vor kurzem bei einem 22jährigen Blechner eine schon viele 
Jahre bestehende Enuresis nocturna, in kurzer Zeit nur durch eine regel- 
mäßige, zweistündliche freiwillige Entleerung der Blase untertags und Ver- 


meidung von Flüssigkeitszufuhr für die Nacht beseitigt. D. Ref.) 
Dr. Pollock-Freiburg. 


L. Stolper (Wien): Die Behandlung der Enuresis bei Mädchen. 
(Halbmonatsschrift für Haut- und Harnkrankheiten Nr. 11.) 

Verf. empfiehlt die Sängersche Dilatation der Urethra als besonders 
wirksam und gibt eine Kasuistik von 10 mit Erfolg behandelten Fällen. Wenn 
diese Methode versagt, würde der Autor einen Versuch mit den epiduralen 
Injektionen nach Cathelin empfehlen. A, Seelig-Königsberg i. Pr. _ 


G. E., Brewer (New-York); A Report of Six Cases of Calculus in 
the Pelvic Portion of the Ureter. (The Cleveland Medical Journal, Nov. 
1904, p. 479.) 

Brewer vermehrt die, bisher nur geringe, Kasuistik von im Becken- 
teil des Ureters eingeklemmten Steinen um 6 eigene Beobachtungen. 2 da- 
von blieben unoperiert, 1 wurde mit Nephrectomie behandelt (mit nachträg- 
lichem Abgange des Steines durch die Urethra), 1 mit Sectio alta und 
Schlitzung des unteren Teils des Ureters, 2 mit extraperitonealer Incision 
oberhalb des Poupertschen Bandes. Von großem Wert für die Diagnose 
erwies sich die 'Roentgen-Untersuchung. A. Freadenberg-Berlin. 


Berthold Goldberg-Köln: Die keimfreie Aufbewahrung weicher 
und halbweicher Katheter. (Dtsch. med. Wochenschr. 1904, Nr. 7.) 

Die Katheter müssen entweder trocken oder in einer desinfizierenden 
Flüssigkeit keimfrei zum jedesmaligen Gebrauch aufgehoben werden. G. em- 
pfiehlt die Katheter, die Glasrohre zum Aufheben derselben, die Verschlüsse 
gesondert, die Katheter einzeln, frei und ohne jede Hülle, mit Hilfe von 
aseptischen Katheterglashaltern für eine Stunde im Wasserdampfapparat zu 
sterilisieren und danach die Katheter in den Rohren zu verschließen. Dieses 
Verfahren empfiehlt sich bei Kliniken und Spezialärzten, die viele Katheter 
gebrauchen. Der praktische Arzt oder der Prostatiker bedient sich lieber 
einer innen eingeschnürten und eingebuchteten mit 1—3°/, Borsäurelösung 
gefüllten Reagenzröhre zum Aufheben des oder der Katheter. In dieser 
Lösung halten sich die Katheter ziemlich lange steril. Kleine Abbildungen 
illustrieren die von G. angegebenen Behälter. Bernbard Schulze-Kiel. 


George: Theodore Mundorff (New-York): I. Report of a case of 
obstinate phosphatic diathesis cured by systematic dilatations of 
the posterior urethra. (The Medical News 1. X. 1904.) 

Der Fall von hartnäckiger Phosphaturie, über den Verf. berichtet, zählt 
zu der Klasse des „phosphatic diabetes“ (Tessier), er betraf einen 38jährigen 


u 238 — 


Mann, welcher 6—7 Jahre zuvor Gonorrhoe überstanden hatte. Interne Me- 
dikation (wir vermissen das Urotropin, Ref.) ohne Erfolg.  Dilatation der 
urethra posterior mittels Kollmann’s Dilatator brachte definitive Heilung. 
M. glaubt, daß vielleicht ein entzündlicher Zustand der hinteren Harnröhre 
bestanden hat, der durch Beteiligung des reichen Nervengeflechts zu der 
Neurasthenie und infolge funktioneller Störung der entfernt liegenden Niere 
zu dieser reflektorischen Sekretionsanomalie geführt haben kann. 

ll. The Kollmann five-glass test. (The Medical Record, 2. IV. 1904.) 

Verf. bespricht in einem kurzen Artikel den Wert der fünf Gläserprobe 
Kollmann’s und fügt zur Illustrierung drei PMEDNEREESNENEN bei. Neues 
bringt der Aufsatz nicht.  Blanck-Potsdam. 


J. B. Studzinski: Beitrag zur Kenntnis der Wirkung der Essen- 
tia antimellini composita bei Diabetes mellitus. (Deutsche medizinische 
Wochenschr. 30. Jahrg. Nr. 24 u. 25. p. 876 u. 920.) 

Ausführlicher Bericht über 3 mit Antimellin behandelte Fälle von Dia- 


betes. Ein Erfolg der teuren Medikation war nicht festzustellen. 
Schwerin-Berlin. 


Julius Baer: Über die Einwirkung der Glykuronsäureausschei- 
dung auf die Acidose. = Aus der Straßburger med. Klinik: Prof. Naunyn. = 
(Zeitschrift für klin. Med. 56. Bd. Heft 1 und 2, 1905.) 

Verf. kommt zu folgenden Ergebnissen: Giykuronsäureausscheidung, 
durch große Kampfergaben hervorgerufen, führt nicht zur Ausscheidung von 
Aceton und #-Oxybuttersäure. Wird ein Körper, der Giykuronsäureaus- 
scheidung in beträchtlicher Höhe hervorruft (es wurde nur Kampfer und 
Chloralhydrat untersucht) bei bestehender Acidose gegeben, so sinkt die 
Acidose unter Umständen recht bedeutend ab, gleichgültig, ob dabei mehr 
oder weniger N, mehr oder weniger Zucker ausgeschieden wird, oder die 
Ausscheidung beider gleich bleibt. Morphium läßt eine deutlich Beeinflussung 
der Acidose nicht erkennen. M. 


E. Rudeck: Nachweis des Harnzuckers durch kolorimetrische 
Bestimmung nebst Eiweißmessung. (Deutsche medizina Zeitung 1904, 
No.: 91.) 

Der Umstand, daß die Traubenzuckerbestimmung, besonders bei Be- 
funden unter 0,6°%, mit den verschiedenen Methoden selten völlig überein- 
stimmende Resultate liefert, veranlaßte den Verf., der Frage näher zu treten, 
ob nicht durch andere weniger umständliche Methoden bessere Resultate zu 
erzielen seien. Er stellte sich Traubenzuckerlösungen von verschiedenem 
Gehalt her und fixierte den nach Aufkochen mit Kalilauge gewonnenen 
Farbenton mittels Farbglas. Sein Zuckerkolorisator besteht aus 8 farbigen 
Glasstreifen und 4 graduierten Reagensgläsern, sowie einem Mattglasstreifen. 

Als Reagentien sind vorrätig zu halten: 1. Bleitierkohle. Ein Gemisch 
von 10% Cerussa plus 90°o Tierkohle. 2. 10% Kalilauge. 3. Bismutlösung. 
4,0 Natiumkaliumtartrat in 100,0 NaOH-(10%)-Lösung im Wasserbade mit 
2,5 Bism. subn. digeriert und filtriert: Diese Lösung hält sich jahrelang. Die 


— 239° — 


. angegebenen Gewichtsmengen sind genau innezuhalten. Des Vorgehen ist 
folgendes: A. Entfärben des Urins. Man füllt ein Reagenzglas bis Strich 1 
mit Bleitierkohle, bis Strich 4 mit Urin. Umschütteln und filtrieren. B. Quali- 
tativer Nachweis von Zuckerspuren. Man füllt bis Strich 1 Bismutlösung, 
bis Strich 2 filtrierten Urin und kocht einmal auf. Farbenunterschiede bei 
verschiedenem Gehalt an Zucker. C. Quantitative Bestimmung. Vergleichung 
der bei Behandlung nach B. erhaltenen Farbennüancen mit den Farbgläsern. 
Stark zuckerhaltiger Urin wird verdünnt. Der Kolorisator kostet 3,50 Mk. 
Die für die Zuckerbestimmung konstruierten Reagenzgläser lassen sich 
auch zur Eiweißbestimmung verwenden; ebenso kann Acetylessigsäure ap 
proximativ bestimmt werden. Die Einzelheiten eignen sich nicht zu kurzem 
Referat; da die Methode eine sehr einfache und deshalb gerade für den 
Praktiker wertvolle ist, kann das Studium der Originalarbeit nur empfohlen 
werden. l M. 


Max Fischer: Über die Bedingungen, welche die Ausscheidung 
der Alkallen im Harn begünstigen. (Inaugural-Dissertation, Würzburg 1903.) 

In der vorliegenden Arbeit ist dargetan: 1. Daß die Körperstellung 
einen wichtigen und nicht zu vernachlässigenden Einfluß auf die Reaktion 
des Harnes ausübt, so daß die Acidität des Harns ‚bei der horizontalen Lage 
heruntergeht. 2. Daß die Ausscheidung von Alkalien wie Natr. bicarb. etc. 
durch die gleichen Gesetze beeinflußt wird, wie das Auftreten oder Ausbleiben 
der alkalischen Reaktion in der Verdauungsperiode, nämlich durch die Körper- _ 
stellung. 3. Daß das warme und das kohlensaure Bad die Ausscheidung von 
Alkalien begünstigt. 4. Daß durch eine vertiefte Atmung sowohl unter 
gewöhnlichen Verhältnissen die Alkalienausfuhr größer wird, als auch ins- 
besondere die Ausscheidung künstlich eingeführter Alkalien erheblich be- 
schleunigt wird. 5. Daß bei nicht wesentlicher oder fehlender Schädigung 
der Nieren ein zu wenig oder zu viel in der Ausscheidung der Alkalien bald 
wieder reguliert zu werden scheint. M. 


P. von Kubinyi: Gefährliche Blutungen aus den Harnwegen 
während der Schwangerschaft (Il. Univ.-Frauenklinik zu Budapest, Hofrat 
Prof. Dr. Tauffer). (Ctrlbl. f. Gynäk. 1904. No. 48). 

Infolge von Ruptur eines Varix in der Blase war außer hochgradiger 
Anämie durch das angesammelte geronnene Blut ein Verschluß der Urethral- 
mündungen und dadurch eine Harnverhaltung entstanden, die erst nach Dila- 
tation der Urethra und Zerstörung der die Urethralöffnung verlegenden Blut- 
plazenta beseitigt werden konnte. Schwab-Hamburg. 


Dr. Albrecht Frhr. v. Notthafft: Über scheinbar mit der Pro- 
stata nicht zusammenhängende, aber dennoch durch Prostatitis be- 
dingte Schmerzen, nebst einigen Bemerkungen über chronische 
Prostatitis. (Archiv für Dermatologie und Syphilis, LXX. Band, 2. Heft.) 

In den meisten Arbeiten über Prostatitis wird das Moment des Aus- 
strahlens der Schmerzen betont, so daß dadurch der Anschein erweckt wird, 
als ob bei der chronischen Prostatitis ein Schmerzenskomplex vorhanden 


— 240 — 


wäre, der seinen Hauptsitz in und um die Prostata hätte und nur auch- 
gelegentlich in Nachbarbezirke mittels ‚Ausläufer irradiere. In Wirklichkeit 
können aber, wie Notthafft zeigt, diese Schmerzen ganz unabhängig von 
Prostata-Erscheinungen auftreten. So bringt er Fälle, in denen durch eine 
Prostatitis das mehr oder minder typische Bild einer Ischias, von Hämor- 
rhoiden, Kniebeschwerden, Blasenkatarrh vorgetäuscht wurde. Wiederum in 
anderen Fällen waren Schmerzen am Hoden und Samenstrang, an der Darm- 
beinschaufel, in den Hypochondrien und an anderen Punkten des Unterleibs 
vorhanden. Der Verf. betont die Notwendigkeit der rektalen Untersuchung, 
besonders bei chronischen Gonorrhoen, da ein negativer Prostata-Befund 
dabei geradezu zu den Ausnahmen zählt. Doch betont er, daß auf Grund 
einer einmaligen Untersuchung des Prostata-Sekrets nur bei positivem Er- 
gebnis eine Diagnose gestellt werden kann; bei negativem kann eine mehr- 
malige Wiederholung nötig werden. 


Was die Infektiosität einer Prostatitis betrifft, so hat Notthafft ge- 
funden, daß im 2. Halbjahr nach der Infektion der Gonokokkus nur mehr in 
73°/o der Fälle, im 3. Halbjahr in 50°, im 4. Halbjahr in 18%, im 3. Jahr 
nur noch in 6% zu finden ist; vom Ende des 3. Jahres finden sich keine 
Gonokokken mehr im Prostata-Sekret. Er pflichtet daher Goldberg bei, 
„daß wir, wenn eine Urethritis gonorrhoica ausgeheilt ist, und nur prosta- 
tische Prozesse bestehen, welche (wie Notthafft hinzufügt, mit Sicherheit 
zum mindesten 3 Jahre nach der Infektion liegen und) bei häufig wieder- 
holter Gonokokken-Untersuchung nie solche gezeigt haben, kein Recht haben, 
wegen einer Abnormität, deren Unschädlichkeit oft beobachtet wurde, deren 
Heilung aber uns meistens nicht gelingt, den Patienten zu einem kranken 
und heiratsunfähigen Mann zu dekretieren.“ Nur jene Formen sind bedenklich, 
in denen die Prostatitis zur Abscedierung führte. — Bei der Behandlung 
spricht der Verfasser den Ichthyol-Kiysmen und Ichthyol-Suppositorien jeden 
therapeutischen Wert ab. (Referent möchte jedoch den Jod-Jodkali-Suppo- 
sitorien das Wort reden). Im Vordergrund steht bei der Behandlung die 
Massage. Sie kann durch hydrotherapeutische und thermische Rektum- 
Behandlung unterstützt werden; es ist dabei aber stundenlange Durch- 
rieselung des Rektums mit Wasser von 40°C. nötig, um die Schmerzen auf 
Stunden oder Tage zu beseitigen. Sie verschwinden jedenfalls viel früher 
als die objektiven Veränderungen an der Prostata. 

Forchheimer-Würzburg. 


M. Mosny: Polyarthrite puerperale de nature gonococcique. 
(Sem. med. 1904, No. 52.) 


M. Mosny beobachtete bei seiner Patientin nach einer Entbindung 
eine infektiöse Polyarthritis. Die bakteriologische Untersuchung des eitrigen 
Gelenkinhalts ergab nichts; erst Kulturen erwiesen die Anwesenheit von 
Gonococcen. Zu bemerken ist, daß bei der Patientin bis dahin irgend ein 
Zeichen von Gonorrhoe nicht vorhanden war. Es handelt sich also um eine 
latente Gonococcen-Infektion, die durch die Geburtsarbeit wieder aufflammte. 

Paim«-Berlin. 











zu. Du = 


M. Menetrier: Sur un cas de polynevrite blennorrhagique ter- 


. minée par la mort. (Sem. méd. 1904, No. 25.) 


M. Mänetrier beobachtete bei einem 46jährigen Mann mit frischer 
Gonorrhoe paretische und schmerzhafte Erscheinungen, hauptsächlich an den 
unteren Extremitäten, nachher eine diffuse Amyotrophie und ferner ebenda 
eine veränderte tactile Sensibalität. Patient erlag einer Bronchopneumonie. 
Die histologische Untersuchung ergab degenerative Veränderungen in den 
betreffenden Nerven und chromatolyse der großen multipolaren Zellen der 
vorderen Hörner des Rückenmarks in der Lumbar- und Cervicalgegend. 

Paim-Berlin. 


P. Ravant et Darré: Les réactions nerveuses au cours des 
herpes génitaux. (Annales de Dermatologie 1904, No. 6.) 

Bei dem herpes genitalis, den Mauriac herpes neuralgique der Ge- 
schlechtsorgane nennt und der sich hauptsächlich durch nervöse Symptome 
vor oder nach dem Auftreten der Herpesbläschen auszeichnet, fanden die 
Autoren im liquor cerebro-spinalis, den sie durch Lumbarpunction gewannen, 
als celluläre Elemente Iymphocyten, seltner polynucleäre Zellen; Microben 
waren nicht vorhanden; albumine, wie bei meningitis, waren nicht nachzu- 
weisen. Inoculationen mit der Flüssigkeit bei anderen oder bei demselben 
Patienten ergaben keine Hautveränderung. Nach der Punktion trat eine 
Besserung der nervösen Symptome ein, die aber nicht lange anhielt 

Palm-Berlin. 


L’urethrite staphylococcique par cait ‚ab ore‘. (Semaine méd. 
1905, No. 4.) 

Aus der medizinischen Klinik in Nantes werden 3 Fälle von urethritis 
berichtet, die durch Einwandern des staphylococcus pyogenet albus ge- 
legentlich eines coitus buccalis in die Urethra entstanden. Die Erschei- 
nungen dieser urethritis waren die einer heftig auftretenden Gonorrhoe; 
Gonococcen wurden in dem Secret absolut nicht gefunden. Heilung trat in 
5 bis 6 Wochen ein. Bemerkenswert ist, daß in einem Falle die urethritis 
auf die Genitalien der Frau übertragen wurde mit der weiteren Komplikation 
von purulenter Endometritis und Salpingitis. Palm-Berlin. 


Ill. Besprechungen. 





Prof. Henri Hartmann: Organes Genito-Urinaires de Phomme. 
Avec 412 fig. dans le texte. (Paris 1904, Editeur Steinheil.) 


Kaum ein Jahr ist verflossen, seit die urologische Literatur durch 
Hartmann’s Travaux de chirurgie anatamo-clinique (Voies urinaires, Estomo) 
eine wertvolle Bereicherung erfahren hat und schon liegt uns ein neues 
Werk aus der Feder des gleichen Autors vor. Basierend auf seinen klinischen 
Vorlesungen über Urologie will Hartmann vor allem eine präcise Darstel- 


4 


— 242 — 


lung der Therapeutischen Indikationen geben und eine ausführliche Dar- 
stellung ihrer Ausführung. 

Es wird immer zuerst die normale und pathologische Anatomie des 
betreffenden Gebietes besprochen, sodann im engsten Zusammenhang mit 
derselben die Operationen. Stets ist das: wichtigste in klarer und über- 
.Sichtlicher Weise gegeben, Operationen untergeordneter Bedeutung sind am 
Schluß in kleinem Druck kurz angeführt. Jedem einzelnen Gebiet entsprechend, 
sind die einschlägigen Untersuchungsmethoden auf das eingehendste ge- 
schildert. 

Ganz außerordentlich wird das Verständnis der geschilderten Materie 
gefördert durch zahireiche Figuren im Text. Es sind fast alles Zeichnungen 
nach eigenen. Präparaten, z. T. auch Reproduktionen der in der Vorlesung 
verwendeten Wandtafeln. 

Sehr originell und zweckmäßig sind die es nicht wie ge- 
wöhnlich an einem in aufrechte Stellung gebrachten Objekt dargestellt, son- 
dern es ist jedesmal bei den topographisch-anatomischen Zeichnungen der 
Operation diejenige Lage gewählt, welche wirklich der Operation entspricht, 
so die Blasenoperationen bei erhöhter Beckenlage, die PMETENOPEZAHONER in 
Seitenlage usw. 

Das ganze Werk umfaßt 5 Abteilungen, die wieder in eine Reihe von 
einzelnen Kapiteln eingeteilt sind. 

Der erste Teil behandelt allgemein die chirurgische Therapie und die 
Untersuchungsmethoden der Harnwege. Im zweiten wird die Therapie der 
Hatnröhren, Vorsteherdrüsen und Blasenerkrankungen besprochen. 

Die Behandlung der Krankheiten der Niere, des Nierenbeckens und 
der Ureteren sind im 3. Abschnitt enthalten. Der 4. Abschnitt behandelt 
die Geschlechtsorgane. Die Bildungsanomalien und deren Behandlung ent 
hält der 5. Abschnitt. 

Das erste Kapitel behandelt Asepsis und Antisepsis bei der Behand- 
lung der Erkrankungen der Harnwege. Es wird die ungeheure Wichtigkeit 
derselben in das richtige Licht gesetzt und es wird auf die große Bedeutung 
des von Guyon aufgestellten Grundsatzes hingewiesen, daß das Vermeiden 
von Kongestionen im kleinen Becken, weiches die Empfänglichkeit für In- 
fektionen in beträchtlichem Maße vermehrt, fast ebenso wichtig ist, wie die 
Sauberkeit. Bei den alten Retentionisten, bei den Haemarthurikern, bei Men- 
schen, die an Anfällen von Nierenkolik leiden, kann der geringste Verstoß 
gegen die Gebote der Antisepsis und Asepsis verhängnisvoll werden. Ihr 
Gebot gilt ebensowohl für den Kranken, wie für den Arzt und seine Instru- 
mente. Ganz besondere Aufmerksamkeit verdienen die Gummi- und Seiden- 
instrumente. Sehr berechtigter Weise legt Hartmann ganz besonders Wert 
auf eine mechanische Reinigung des Innern. Er hat zu diesem Zweck in 
seiner Poliklinik eine praktische Vorrichtung angebracht, durch welche jeder 
weiche Katheter sofort nach dem Gebrauch mit einem starken Strahl heißen 
Wassers durchspült wird. Die außen mechanisch gereinigten Instrumente 
werden sorgfältig getrocknet und sodann nach der von Franck zuerst an- 
gegebenen Methode der Formaldehyd-Sterilisation sterilisiert. Hartmann 
bedient sich ausschließlich des äußerst praktischen Apparates von Hammo- 





— 243 — 


nic. Sodann wird die instrumentelle Untersuchung der Harnröhre und Blase 
besprochen. Es wird dabei auf die große Bedeutung der Palpation hinge- 
wiesen, welche es vor allen Dingen ermöglicht, sich über den Zustand der 
Wandungen dieser Organe ein Bild zu verschaffen. Die Untersuchungssonde 
ist so zu handhaben, daß sie ein wirkliches Palpieren ist und der Operateur 
muß sich in jedem Augenblicke genau Rechenschaft darüber geben, in wel- 
chem Abschnitt der Organe sich das Ende seines Instrumentes befindet. 
Vortreffliche anatomische Zeichnungen, besonders chematische Durchschnitte, 
erleichtern dem’ Studierenden das Verständnis dieser Dinge. Klar und präzise 
sind ‘die Vorschriften für das Handhaben der Sonde und des Katheters und 
in anschaulicher Weise wird alles durch ausgezeichnete erläuternde Zeich- 
nungen vor Augen geführt.. 

Ganz besondere Aufmerksamkeit ist der so wichtigen Frage der Wahl 
des geeigneten Instrumentes beim Prostatiker. gewidmet. Verschieden große 
und verschieden gekrümmte Enden müssen der so überaus vielgestaltigen 
vergrößerten Vorsteherdrüse entsprechen. Gleiche Aufmerksamkeit und Aus- 
führlichkeit widmet der Verfasser dem Gebrauch der Sonde bei Harnröhren- 
strikturen. Bei der Besprechung der Dilatatoren werden nur die älteren . 
Kollmann’schen Instrumente erwähnt. Bei der Frage der Harnröhrenin- 
stillationen vermißt man das, überhaupt wenig in Frankreich bekannte, wenn- 
gleich recht praktische Instrument von Ultzmann. 

Sehr erfreulicher Weise wird die große. Bedeutung der Urethroskopie 
und Cystoskopie voll und ganz — auch mit Berücksichtigung der neuesten 
Fortschritte dieser Methoden — gewürdigt. An Stelle der auch noch vom Ver- 
fasser empfohlenen Borsäurelösung zur Spülung und Füllung der Blase bei 
Cystoskopie, deren Wert in bakteriologischer Beziehung doch ein recht frag- 
licher ist, verdient das Hydrargyrum oxycyanatum eine erhebliche Beachtung. 
Im zweiten Kapitel wird die Behandlung der Harnröhren und Blasenerkrank- 
ungen besprochen. Waschungen, Einspritzungen, Instillationen und sonstige en- 
dourethralen Eingriffe zur Behandlung der akuten und chronischen Harn- 
röhrenentzündung werden ausführlich dargestellt. Für die Behandlung der 
Gonorrhoe empfiehlt Hartmann die Janet’sche Methode. Kurz erwähnt 
wenigstens wird auch das Protargol. Es dürfte darauf hingewiesen werden, 
daß beim Ersetzen des hypermangansauren Kali durch Protargol — oder besser 
noch durch Albargin — die Janet’sche Methode weit sichere und schnellere 
Resultate erzielt. Dem zur Behandiung der sekundären Infektionen empfohle- 
nen Sublimat ist das viel reizlosere Hydrargyrum oxycyanatum bei weitem 
vorzuziehen. Zur Feststellung der postgonorrhoischen Läsionen dürfte der 
Urethroskopie etwas mehr Beachtung geschenkt werden. Weiter folgt die 
Besprechung der Extraktion von Fremdkörpern nebst ausführlicher Schilde- 
rung und Darstellung der dazu nötigen Instrumente. Die interne Urethroto- 
mie wird — analog dem entsprechenden Kapitel in den „Travaux de chirurgie 
clinique® — ganz im Sinne der bekannten Guyon’schen Darstellung abgehan- 
delt. . Die Methoden der Divulsion und der Elektrolyse werden mit der ihnen 
gebührenden Kürze erwähnt. Bei der Besprechung der externen Urethroto- 
mie- und der Harnröhrenresektion wird der Frage der Vereinigung der Harn- 
röhren und Dammwunde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dem Vor- 


— 244 — 


schlag des Verfassers, die gesamten Weichteile des Perineums über der 
Dauersonde mit einer einzigen Naht zu vereinigen und die Hautwunde offen 

zu lassen, wird man höchstens für die auch schon von Guyon präzisierten | 
Fälle beistimmen, in welchen der Harnröhrenkanal in harte fibröse Massen 
eingebettet war. 

Im Anschluß an die Resektion scharf begrenzter Harnröhrennarben 
in geringer Ausdehnung, wie sie im Anschluß an Harnröhrenverletzungen 
gewöhnlich vorhanden sind, wird man die Dammnaht in mehreren Etagen 
vorziehen. Der Unterschied zwischen der nur zeitlichen und definitiven Er- 
Öffnung des Dammes wird durch sehr klare schematische Zeichnungen er- 
läutert. In den drei folgenden Kapiteln werden die drei Wege besprochen, 
auf welchen man zu den tiefer gelegenen Abschnitten der Harnwege gelangt, 
nämlich vom Damm, vom Mastdarm und vom Bauch aus. Jedes dieser Ka- 
pitel ist eingeleitet durch eine vorzüglich klare und durch. markante Zeich- 
nungen erläuterte topographisch-anatomische Beschreibung. Die Zeichnungen, 
welche die einzelnen Phasen der Operationen darstellen, weichen sehr er- 
freulicher Weise von der alten Tradition dadurch ab, daß der Körper immer 
in der Lage gezeichnet ist, in welcher er sich bei der Operation wirklich 
befindet. Die schwierigen Verhältnisse der Beckenfacie und ihre Beziehungen 
zur Vorsteherdrüse, besonders auch in operativer Hinsicht, erfahren eine | 
äußerst klare und verständliche Darstellung. 

Immer ausgehend von den jeweiligen anatomischen Betrachtungen, 
werden die Zerreißungen der Harnröhre, die operativen Eingriffe an den 
Cowperschen Drüsen, die verschiedenen Formen der Sectio perinealis, late- 
ralis, bilateralis, praerectalis und uraetrales besprochen. Die Bezeichnung 
Perineotomie umfaßt diejenigen operativen Eingriffe, bei welchen der Damm 
in seiner ganzen Ausdehnung durchtrennt wird ohne Verletzung der Ham- 
röhre, um diejenigen Gebilde freizulegen, welche in der prostatischen Lage 
enthalten sind. Diese Perineotomie bildet den ersten Teil aller operativen 
Eingriffe an der Prostata, wie Incision von Abszessen, Auskratzung tuber- 
kulöser Herde, Prostapectomie der von Delag&niere angegebenen sub- 
perenialen Prosperpexie, der Spermato- Cystostomie und der Spermato- 
Cystectomie, ferner der perinetoalen Cystostomie nach der Methode von 
Rochet. 

Ganz besonders ausführlich wird die Prostatectomie unter Beifügung 
der ausgezeichneten Proust’schen topographischen Zeichnung abgehandelt. 
Entsprechend seiner heute geringen Bedeutung, wird der rectale Weg ganz 
kurz behandelt. Eine geradezu klassische topographisch-anatomische Dar- 
stellung leitet das Kapitel der „Voie hypogastrique“ ein. Die heute ganz 
allgemein in die Chirurgie eingeführte Trendelenburg’ sche Beckenhoch- 
lagerung wird durch einige schematische Zeichnungen äußerst klar veran- 
schaulicht und im Anschluß daran werden Blasenpunktion, Sectio alta zur 
Extraction von Steinen oder Abtragungen von Blasengeschwülsten, die 
Cystostomie, die suprapubische Cysterkopie und die Cystopexie geschildert. 

Ganz besonders sorgfältig werden die wichtigen Fragen der Naht der Drainage, 
des Verbandes und der Nachbehandlung diskutiert. Der Besprechung der 
Totalexstirpation der Blase, der Sectio alta zur Vornahme des rectrograden 





— 245 - 


Katheterismus folgt die ausführliche Besprechung der suprapubischen Pro- 
statectomie, die ursprünglich auf die Empfehlungen von Mac-Gill und 
Belfield von Fuller ausgeführt worden ist. In den letzten Jahren ist sie 
besonders durch die Publikationen F. Reyer’s in weiteren Kreisen bekannt 
geworden. Es folgt dann eine durch zahlreiche Zeichnungen erläuterte Be- 
schreibung der Lithotripsie, bei welcher Hartmann das große Verdienst 
seines Lehrers Guyon in vollstem Maße würdigt. Kurz wird auch die 
Bottinische Operation geschildert, welche — gegenüber der Prostatectomie — 
von Tag zu Tag an Bedeutung verliert. Die drei folgenden Kapitel betreffen 
die Behandlung der Erkrankungen der Harnröhre, der Blase und der Vor- 
‚steherdrüse. Sie sind gewissermaßen aufgebaut auf den Grundlagen der 
vorhergegangenen topographisch-anatomischen Abhandlung. Die blutige und 
unblutige Behandlung der Stricturen, die Eröffnung und Drainage von Eiter- 
herden, die Behandlung der Cystitis, der Fremdkörper, Steine und Geschwülste 
der Blase, die Erkrankungen der Vorsteherdrüse werden prägnant und klar 
abgehandelt. Bei allen diesen Behandlungsmethoden dürfte der Empfehlung 
der Borsäure die des Hydragirum oxycyanatum vorzuziehen sein. 

Der dritte Abschnitt des Buches umfaßt die Behandlung der Erkran- 
kungen der Niere, des Nierenbeckens und der Ureteren. Seiner Bedeutung 
gemäß, ist das Kapitel Nierenuntersuchung besonders ausführlich gehalten 
Die verschiedenen Methoden der Nierenpalpation, der Lagerung des Beckens 
bei der Untersuchung, die funktionelle Nierenprüfung, die Kryoskopie und 
das für dieselbe so wichtige getrennte Auffangen des Urines beider Nieren 
werden an der Hand zahlreicher Zeichnungen eingehend erläutert. Für das 
getrennte Auffangen des Urines beider Nieren spricht Hartmann sich etwas 
zu ausschließlich zu Gunsten der von seinem Schüler Luys erfundenen 
Methode der endovesikalen Separation des Urines aus, wobei er anerkennt, 
daß in manchen Fällen auch der von Cathelin angegebene: Apparat seine 
Anwendung findet. Der Ureterencatheterismus verdient etwas weniger stief- 
mütterlich behandelt zu werden. 

Genügen die genannten diagnostischen Methoden nicht, so tritt die 
Punktion oder die probatorische Freilegung der Niere in ihr Recht. Eine 
Reihe von ganz vortrefflichen topographischen Zeichnungen erläutert den 
Weg, welchen das Messer des Chirurgen zu wählen hat, um zur Fettkapsel 
der Niere zu gelangen. In einem besonderen Kapitel wird die Nephrectomie 
und Nephrotomie behandelt; die. verschiedenen Arten der Schnittführung, 
sowohl bei der abdominalen, wie bei deı Iumbalen Vornahme der Operation 
werden ausführlich erörtert und durch zahlreiche schematische Figuren er- 
klärt. Es folgen statistische Zusammenstellungen über die Mortalität, 
welche die Vervollkommnung dieser Operationen in glänzender Weise illus- 
trieren. Im Anschluß an die Beschreibung des Nierensteinschnittes, der 
Nierenannähung und der Nephrotomie werden die verschiedenen Eingriffe 
an den Ureteren — wiederum gestützt auf ausgezeichnete anatomische Aus- 
einandersetzungen — ausführlich geschildert. 

Das sechste Kapitel umfaßt die Indikationen zur chirurgischen Be- 
handlung der Nierenkrankheiten. Perinephritischer Abszess, Nierenverletzungen, 
Nephroptose, Pyelonephritis und Pyonephrose, Nierensteine, renale und peri- 


— 246 — 


renale Fisteln, Néphrites médicales, Nierentuberkulose und Nierentumoren 
finden ihre Besprechung. Die beste Methode der Behandlung der Nieren- 
tuberkulose ist die möglichst frühzeitige -Entfernung der erkrankten Niere in 
allen Fällen, wo sie möglich ist. Der vierte und letzte Teil des Werkes um- 
faßt die Geschlechtsorgane. Unter der großen Zahl der zur Besprechung 
gelangenden Kapitel sei ganz besonders hingewiesen auf diejenigen, welche 
die Resection des Nebenhodens, ferner die Resection und nachfolgende Anas- 
tomose der Samenkanäle und die varicocele betreffen. Bei der Beschreibung 
der Operationen am Penis, z. B. der Epispadie, der Hypospadie und der 
sonstigen plastischen Operationen werden die zahlreichen ausgezeichneten 
schematischen und topographischen Zeichnungen dadurch ganz besonders 
klar, daß die durch die Incision eröffneten Partien rot gezeichnet sind. Die 
ausführliche Besprechung der Behandlung der Blasenectopie und der Harn- 
röhrenpenisfisteln bilden den Schluß des Werkes. 

Nur in einem Lande, in welchem das wichtige urologische Gebiet einen 
Gegenstand der Lehrtätigkeit in klinischem und akademischem Sinne ausmacht, 
konnte ein Werk, wie das vorliegende, entstehen und nur aus der Feder des 
langjährigen Leiters der operativen Arbeiten an der Anatomie, zugleich eines 
der hervorragendsten Chirurgen Frankreichs und Chefs der urologischen Klinik 
im Hospital Lawibirius, konnte die so überaus lehrreiche und instruktive Dar- 
stellung der operativ-therapeutischen Materie auf der Grundlage der anato- 
mischen Verhältnisse fließen. In der ihm eigenen schlichten und präcisen Dar- 
stellungsweise hat Hartmann die Aufgabe, ein chirurgisch-klinisches Lehrbuch 
der Urologie zu schaffen, glänzend gelöst. Jedes Kapitel zeigt uns den 
wissenden Anatomen, den erfahrenen Operateur und den ‚mit der Wissen- 
schaft fortgeschrittenen modernen Kliniker. Für den Praktiker wird das 
Werk in gleicher Weise wie für den Spezialisten ein Lehrbuch sein, welches 
mit Fug und Recht zu den besten gerechnet zu werden verdient. Der Text 
zeichnet sich durch grosse Einfachheit und Klarheit der Diction aus und 
vortrefflicher und würdiger Weise hat die Verlagsbuchhandlung das Werk 
ausgestattet. Die im Text gedruckten Figuren sind ganz vortreffliche Re- 


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Ernst R. W. Prank-Berlin. 


Dr. Wilhelm Sternberg: Die Judenkrankheit, die Zuckerkrank- 
heit, eine Folge der rituellen Küche und orthodoxen Lebensweise 
der juden? (Mainz, Joh. Wirth’sche Hofbuchhandlung. 1903. 70 Seiten.) 


Die rituelle Diät und die religiöse Kost veranlaßt nicht die Krankheit 
der Juden, die Zuckerkrankheit, und die Verletzung der diätetischen Religions- 
gesetze wird gar nicht durch die ärztliche Behandlung gefordert. Um die 
Häufigkeit des Leidens unter den Juden zu mindern, gebietet die Prophylaxe, 
in der geistigen und seelischen Diät fürsorglich zu sein, das psychische 
Trauma möglichst zu meiden. m. 





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u ge zu 


"e 


Verantwortlich für die Redaktion: Dr. med. Kari Ries, Stuttgart. 


Für den Inseratenteil: Oskar Gottwald, Leipzig. — Druck von August Hoffmann, Leipzig-Reudnitz 








Monatsschrift für Harnkrankheiten 
und sexuelle Hygiene. 


Unter Mitwirkung hervorragender Mitarbeiter 


herausgegeben 
von 


Dr. med. Karl Ries in Stuttgart, Kanzleistr. 1. 
Monatlich ein Heft. Preis des Jahrgangs (12 Hefte) M. 8.— (im Ausland M. 10.—) 
Zu beziehen durch die Post, alle Buchhandlungen des In- und Auslandes sowie 
direkt von der Verlagsbuchhandlung W. Malende, Leipzig, Johannisgasse 31. 


Heft 6. Juni 1905. Jahrgang Il. 





Inhaltsübersicht. 


I. Originalarbeiten: 
1. Dr. Otto Große-München: „Schutzmittel gegen Geschlechtskrankheiten." 
2. Dr. Freiherr von Notthafft-München: „Epilog zum zweiten Kongreß der 
deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten 
am 17. und 18. März in München.“ 
3. Dr. med. Wilhelm Hammer-Berlin: „Über Spracheigentümlichkeiten 
Berliner Prostituierter.““ 


ll. Referate: 
1. Baermann: „Die Gonorrhoe der Prostituierten.“ 
2. R. de Campagnolle : „Über den Wert der modernen Instillationsprophy- 
laxe der Gonorrhoe.“ 
3. Koßmann: „Darf der Arzt zum ausserehelichen Geschlechtsverkehr 
raten?“ 
4. Hirsch: „Darf der Arzt zum ausserehelichen Geschlechtsverkehr raten?“ 
5. Kampfmeyer: „Die Wohnungsmissstände im Prostitutions- und Schlaf- 
gängerwesen und ihre gesetzliche Reform.“ 
. Kade: „Kurpfuscherei und Geschlechtskrankheiten.“ 
A. Blaschko-Berlin: „Syphilis und Lebensversicherung.“ 
O. Mankiewicz-Berlin: „Die Prostatahypertrophie.“ 


esprechungen: 

. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie. Zehnte 
Versammlung. 

2. George M. Phillips and forty distinguished authorities: „Prostatic 
Hypertrophy from every surgical standpoint.“ 

3. Dr. Schuster: „Die Syphilis, deren Wesen, Verlauf und Behandlung, 
nebst kurzer Besprechung des Ulcus molle und der Gonorrhoe.“ 

4. J. K. Proksch-Wien: „Beiträge zur Geschichte der Syphilis.“ 

5. Ad. Alf. Michaelis: „Der Schmerz.“ 


IV. Notizen: 
„VIl. Deutscher Samaritertag.“ 


one 


— 


— 250 — 


l. Originalarbeiten. 


Schutzmittel gegen Geschlechtskrankheiten. 


Nach einem im ärztlichen Verein zu München am 9. Novbr. 1904 gehaltenen 
Vortrag von Dr. Otto Große, Spezialarzt für Chirurgie der Harnwege, München. 


Bis dat qui cito dat! — Das gilt auch von der Hülfe, die man 
von uns Ärzten gegen die verheerende Volksseuche der Geschlechts- 
krankheiten erwartet: schnelle und schnell wirkende Hülfe tut not. 
Und wo da vor Allem der Hebel anzusetzen ist, ergibt sich aus den 
einfachen Erwägungen, daß | 


1. überhaupt weit mehr Männer als Weiber geschlechtskrank sind, 


2. erstere in viel größerer, auch relativ größerer, Zahl freiwillig 
zum Arzt kommen, 


3. daß bereits bestehende Geschlechtskrankheiten beim Manne 
verhältnismäßig leichter zu heilen sind, — und 


4. einer Neuinfektion in einfacherer und wirksamerer Weise vor- 
zubeugen ist; daß schließlich 


5. Männer über all’ diese Fragen naturgemäß leichter zu unter- 
richten sind. 


Ich sage also: Bei unsern männlichen Patienten müssen wir 
unser Werk beginnen, durch Belehrung über Wesen, Erscheinungen, 
Verbreitung und Gefahren der Geschlechtskrankheiten einerseits und 
durch dringende Empfehlung zuverlässiger Schutzmittel andererseits. 


Hinsichtlich der Belehrung in der Sprechstunde erübrigen sich 
eingehende Erörterungen ; sie vollzieht sich in zwangloser Rede und 
Gegenrede zwischen Arzt und Patienten. Die Fragen intelligenter 
Patienten zeigen uns am besten, weichen unklaren Vorstellungen wir 
entgegentreten müssen, und die schlimmen Erfahrungen, die der Kranke 
am eigenen Leibe gemacht hat, lassen ihn ganz von selbst zum auf- 
merksamen und willigen Hörer werden. Wenn wir ihn aber so über 
Alles, was er wissen will und wissen soll, aufgeklärt haben, so wird 
seine letzte und Hauptfrage doch immer wieder die sein: wie kann 
ich eine nochmalige Ansteckung vermeiden® — Die Antwort kann nur 
lauten: Gehen Sie der Gefahr aus dem Wege; ist Ihnen dies aber 
nicht möglich, so wenden Sie ein sicheres Schutzmittel gegen die 


O İd 


— 257 — 


Ansteckung an. So erledigt sich m. E. der hüben und drüben mit 
scharfen Waffen geführte Streit, ob es „moralisch zulässig“ sei, solche 
Schutzmittel zu empfehlen. Der Letzte, der sich zu dieser Streitfrage 
in durchaus ;klarer und klärender Weise äußert, Carl Alexander), 
sagt sehr richtig: „Eine Generation läßt sich nicht in einem Tage oder 
in einem Jahre so umbilden, daß sie in ihrer Gesamtheit das Prinzip 
der Keuschheit bis zur Ehe wahrt, während die schnell bekannt wer- 
dende Anwendung von Schutzmitteln bald viele Tausende vor den 
Folgen des außerehelichen Verkehrs bewahren kann“. 


Von einem Schutzmittel ist nun selbstredend in erster Linie zu 
verlangen, daß dasselbe sicher, soweit dies nach dem heutigen 
Stande der Wissenschaft überhaupt möglich ist, gegen die Ansteckung 
mit Geschlechtskrankheiten schützt, und zwar gegen alle Geschlechts- 
krankheiten, sowohl gegen Gonorrhoe als gegen Syphilis und Ulcus molle. 


Die Forderung sicherer Wirkung begreift auch in sich, daß die 
anzuwendenden Substanzen, seien es Lösungen oder Mischungen, un- 
begrenzt haltbar sind. 


Zweitens muß ein Schutzmittel unschädlich sein, d. h. es darf 
keinerlei Reizerscheinungen, Brennen oder dergl., hervorrufen. 


Drittens ist peinlichste Sauberkeit erforderlich; jede Verun- . 
reinigung des Schutzmittels muß ausgeschlossen sein. 


Viertens muß das Mittel in praktischer und handlicher Form 
geboten werden und darf 


Fünftens nicht teuer sein. 


Wir wollen nun die bisher angegebenen Prophylaktica darauf 
prüfen, wie weit sie diesen Forderungen entsprechen. 

Was zunächst die Sicherheit des Schutzes gegen Ansteckung 
betrifft, so sind für die Beurteilung derselben in erster Linie natürlich 
exakte bakteriologische Versuche grundlegend, wie wir sie für die Go- . 
norrhoe aus der Neißer’schen Klinik, speziell in den schönen Arbei- 
ten von Schäffer?) und Steinschneider”) besitzen. Die Anordnung 


1) C. Alexander: „Sexualhygiene, Frauenproteste und Libido sexualis.“ 
(Monatsschrift für Harnkrankheiten und sexuelle Hygiene. 1904, Heft 4). 

2) Schäffer: Über Desinfektionsversuche an Gonokokken. (Verhand- 
lungen der deutschen dermatologischen Gesellschaft V. Kongreß, 1896). 

8) Steinschneider und Schäffer: Über die Widerstandsfähigkeit 
der Gonokokken gegen Desinfizientien und andre schädigende Einflüsse. 


(Verhandlungen der deutschen dermatologischen Gesellschaft. IV. Kongreß 1894). 
1* 


— 252 — 


dieser Versuche wurde stets so getroffen, daß die natürlichen Verhält- 
nisse möglichst genau nachgeahmt wurden, und wenn man sich auch 
nicht auf den einseitigen Standpunkt stellen wird, daß mit der Re- 
gistrierung der Desinfektionskraft eines Mittels auch direkt sein thera- 
peutischer Wert bestimmt ist, so entsprechen dennoch, wie Schäffer 
betont, die im Reagenzglas festzustellenden Zahlen den Erfolgen bei 
der praktischen Verwendung, und Vergleichwerte, welche bei derselben 
Versuchsanordnung gefunden werden, sind wertvolle Wegweiser für 
unser Vorgehen in der Praxis. Nachstehend gebe ich die von Schäffer 
nach seinen Versuchsergebnissen aufgestellte 


Vergleichsweise Zusammenstellung der wirksamsten anti- 
gonorrhoischen Medikamente. 


Überimpfung nach | 2'3 5 Tıe 10 s Min. 
a 


zahlreiche vereinz. 











A ee E e —— —n, 


Arg. nitr. 1 : 4000 einz. Kol. Kol. 0 0 
Argentamin 1:4000 | vereinz. Kol. 0 0 0 0 
. spärliche | sehr spärl. 
‚Argonin 1!/a%o Kol. Kol. 0 0 0 
Arg. nitr. 1:4000 mit zahlreiche vereinz. 0 0 
10 u. 20°, Glycerin priss. Kol. Kol. ` 0 
Hydrarg. oxycyanat. 
1: 3000 0 0 0 0 0 
zahlreiche | zahlreiche 'vereinz. 
0 
Ammon sulfoichthyol 29' Kol. Kol. | Kol. 0 0 


Ergänzend füge ich einige, der Arbeit von Neißer!) und Scholz 
über Gonorrhoe entnommene Daten bei: 


Protargol +/⁄4?0 — ziemlich zahlr.| — leinz. Kol.| — 
190 = spärlich = 0 
Sublimat :1000 a2 einige Kol. _ .11-2Kol.) _ 
mit Kochsalz 1:10) 1:2000 do 3-4 Kol. 


Zinc sulf 1:400 — reichlich — [reichlich | — 
Die für Prophylaktica bisher zur Verwendung gelangten Mittel 


sind hauptsächlich Argentum nitricum, Protargol und neuestens Albargin. 


1) Neißer und Scholz: Gonorrhoe. (Handbuch der pathogenen Mikro- 
organismen von Kolle und Wassermann. 13.u. 14. Lieferung. Jena 1903) 





— 253 — 


So enthalten die Blokusewski’schen Apparate 
Samariter 1: '2°%, Arg. nitr. in wäßriger Lösung, 
Samariter Il: 20%, Protargolglycerin, 
Samariter Ill: 8°, Albargin, 20%, Glycerin und 3:1000 Hydrargyrum 
oxycyanatum, | 
Amicus: 10% Albargin und 20°% Glycerin, 
Sanitas: 8°% Albargin und 15% Glycerin. 

Das Prophylaktol von Frank!) besteht aus Albargin mit einem 
Zusatz von Hydrargyrum oxycyantum 1:4000; letzterer hat, ebenso 
wie bei dem Samariter Ill, den Zweck, „die Methode auch auf diejenigen 
Fälle von Urethralinfektion auszudehnen, in welchen es sich nicht um 
das Eindringen von Gonokokken, sondern von anderen Mikrobien han- 


delt, die bekanntlich auch zuweilen die Ursache von Urethritiden 


werden können“. 

Bei den meisten anderen Apparaten kommt Protargol zur Ver- 
wendung, teils in wäßriger Lösung, auch mit Gilycerinzusatz, wie bei 
Radal und Phallokos, teils in salbenartiger Konsistenz, in einer Mischung 
von Wasser, Glycerin und Gelatine, wie beim Viro, teils endlich in 
Fett (Vaselin etc.) verteilt, wie bei der Stekelschen Urethrophortube, 
bei dem Prophylakticum von Steinmetz und bei dem Talisman 
von Weil. 

Die Wirksamkeit dieser chemischen Agentien ist — unter Vor- 
aussetzung frischer Zubereitung — ohne Weiteres zuzugeben, ja teil- 
weise in Hunderten von Fällen erprobt. Zwar sagt Blokusewski?) 
bezüglich der beim Viro verwendeten Masse: „Solche pastöse Zube- 
reitungen dringen auf keinen Fall so gut in die Falten der Harnröhren- 
schleimhaut, als wäßrige und — wenn sie auch infolge der Körperwärme 
ganz flüssig werden und wirklich überall hindringen sollten —, so liegt 
die Gefahr nahe, daß sie hierbei zugleich an ihrer Desinfektionskraft noch 
mehr einbüßen“. Doch dürfte dies Urteil wohl nur eine Vermutung sein, 
der ein logisches Substrat und vor allen Dingen der Beweis fehlt. Nur 
die letztgenannten drei Mittel müssen a limine als unbrauchbar zurückge- 
wiesen werden, da durch die Mischung mit Fetten, wie schon die be- 
kannten Experimente Robert Kochs dartun, die Antiseptika an bak- 
terientötender Kraft sehr starke Einbuße erleiden. 


1) Frank: Zur Prophylaxe des Trippers. (Allgemeine medizinische Cen- 
tralzeitung 1899, No. 5.) 

2) Blokusewski: Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten. (Derma- 
tologisches Centralblatt VI. 1903, No. 6.) | 


— 254 — 


Daß Schutzmittel von noch dichterer Konsistenz, wie z. B. die 
beinahe festen sog. Schutzperlen, die ebenfalls Protargol enthalten, 
nicht allein unsicher in der Wirkung, sondern leicht auch direkt ge- 
fährlich sind, hat* bereits Blokusewski!) nachgewiesen. 

Ein Prophylakticum soll nun aber nicht nur gegen Gonorrhoe, 
sondern auch gegen Syphilis und Ulcus molle Schutz gewähren, und 
in dieser Hinsicht verfügen wir leider nicht über so exakte wissen- 
schaftliche Grundlagen für unsre Maßnahmen, wie bezüglich der Go- 
norrhoe. Den Ausgangspunkt für alles in diesem Punkt zu Leistende 
bildet die eine feststehende Tatsache, daß die Lues sowohl wie das 
Ulcus molle nur an einer verletzten Stelle, an einer, allerdings oft nur 
sehr unbedeutenden, Continuitätstrennung — z.B. der obersten Hautschicht 
— vom Kranken auf das gesunde Individuum übertragen werden. Um 
einer solchen etwa vorhandenen Continuitätstrennung eine Deckung, 
eine Art Überzug zu geben und um andrerseits dem Entstehen von 
Einrissen, Schrunden und dergl. vorzubeugen, hat Neißer*) empfohlen, 
das Glied vor dem coitus einzufetten. Die Einreibungen mit grauer 
Salbe, die von Behrmann?) und danach von Richter‘), der die 
graue Salbe zugleich auch als Prophylakticum gegen Gonorrhe ansprach 
und eigens „prophylaktische Kerzen“ zur Einführung in die Harnröhre 
daraus herstellen ließ, vorgeschlagen wurden, sind mit Recht jetzt voll- 
kommen verlassen, da sie in vielen Fällen heftige Reizerscheinungen, 
Ödeme, selbst Herpeseruptionen hervorriefen, die dann ihrerseits eine 
syphilitische Infektion begünstigten oder sogar erst ermöglichten. Loeb’), 
der derartige Beobachtungen mitteilt, konstatiert demgegenüber die Un- 
schädlichkeit der einfachen Einfettung, trotz welcher er allerdings auch 
unter mehr als hundert Fällen einen sicheren Fall von luetischer In- 
fektion zu verzeichnen hatte. Genauere statistische Angaben zu dieser 
Frage liegen meines Wissens bisher nicht vor; jedenfalls müssen wir 
sagen, daß die Einfettung z. Z. das einzige und auch ziemlich sichere 
Mittel gegen die Ansteckung mit Syphilis und Ulcus molle darstellt. 


1) 1. c. 

2) Neißer: Über Versuche zur Verhütung der gonorrhoischen Urethral- 
infektion. (Deutsche Medizinalzeitung 1895, No. 69.) 

8) Behrmann: Dermatologisches Centralblatt 1900, Heft 6. 

4) Richter: Zur Prophylaxe der geschlechtliehen Krankheiten. (Der- 
matologisches Centralblatt 1902, Heft 5 und 6.) 

5) Loeb: Ein statistischer Beitrag zur Prophylaxe der geschlechtlichen 
Krankheiten. (Dermatologisches Centralblatt 1902, Heft 11.) 


~ 
Zn, 
gun = a 





— 255 -— 


Es sind daher neuestens den meisten der oben angeführten Appa- 
rate Fette, Seifen oder „Crömes“ in irgend einer Form — auf die 
Form als solche werde ich noch zurückkommen — beigegeben worden, 
wodurch sie erst zu wirklich rationellen: Schutzmitteln vervollständigt 
werden, während die übrigen, Phallokos, Radal, „Schutzperlen“, auf 
diese Bezeichnung keinen Anspruch haben. — Nur in einem Aus- 
nahmefalle könnte man mit scheinbarem Rechte ein nur gegen Go- 
norrhoe wirksames Prophylakticum als vollwertig gelten lassen, näm- 
lich für den Gebrauch desjenigen, der bereits eine Lues durchgemacht 
hat und somit nach der fast allgemein gültigen Auffassung gegen eine 
Neuinfektion immun ist. Dementsprechend gibt Blokusewski zu allen 
seinen Apparaten eine zweifache Gebrauchsanweisung: „a) für den, der 
Syphilis noch nicht gehabt hat, b) für den, der Syphilis bereits gehabt 
hat“. Für letzteren erklärt er die antigonorrhoische Einträufelung allein 
als ausreichend. Ich halte diesen Standpunkt für durchaus unbe- 
rechtigt, denn abgesehen davon, daß durch solche Vorschriften in 
die möglichst klar und präzis zu gebende Gebrauchsanweisung nur 
Verwirrung hereingetragen wird, ist es meines Erachtens 1. auch für 
den Syphilitiker nicht angezeigt, sich leichtsinnig der Infektion mit 
Ulcus molle, gegen die er doch nicht immun ist, auszusetzen, selbst 
wenn diese Erkrankung auch in der Regel verhältnismäßig harmlos 
verläuft, und 2. erfordert die Rücksicht auf das allgemeine Wohl 
dringend, daß ein Syphilitiker nicht nur darauf bedacht ist, seine eigene’ 
Person vor weiterem Schaden zu bewahren, sondern daß er auch nach 
Möglichkeit einer Übertragung seiner Krankheit auf andre, gesunde 
Individuen vorbeugt. 

Die Einfettung resp. der dadurch erzeugte Fettüberzug soll und 
kann also auf diese Weise nach beiden Seiten hin schützend wirken. 
Daß diese Schutzwirkung auf ganz rein mechanischen Verhältnissen 
beruht und von irgendwelcher spezifisch antiluetischen Kraft irgend 
eines Fettes nicht die Rede sein kann, liegt auf der Hand. Dem Fett 
Antiseptika, wie vielfach üblich, zuzusetzen, halte ich für voll- 
kommen überflüssig, zumal dieselben, wie bereits erwähnt, durch die 
Mischung mit Fett ihrer Wirksamkeit größtenteils verlustig gehen. 
Selbstverständlich wird man ein Fett wählen, welches sich nicht zer- 
setzen kann. Auf die Zusammensetzung der verschiedenen Cr&mes 
etc., zu welchen Lanolin, Wachs, Seife und Anderes verwendet werden, 
im Einzelnen einzugehen, erübrigt sich. | 

Während nun die Mehrzahl der Schutzmittel aus zwei ganz ver- 





— 256 — 


schiedenen Komponenten, einem antigonorrhoischen und einem anti- 
luetischen Agens, sich zusammensetzen, sind 2 Prophylaktica angegeben, 
bei denen ein und dieselbe Substanz als wirksam gegen Gonorrhoe 
und Lues proklamiert wird: der „Protektor“ von Feibes') und das 
Richter’sche?) „Schutzbesteck“. Ersterer, eine große Zinntube, ent- 
hält salicylsaures Quecksilber „in einem schleimigen Vehikel gelöst“, 
der Inhalt des Schutzbestecks besteht in einem Stück Byrolinseife, einer 
weißen Gelatinetube mit Borsäure, Talcum und Zinkoxyd und einer 
roten Tube, welche „Salbengrundlage, Vaselin, Paraffin usw. und '/, 
pro mille Sublimat, desgleichen Salicyl-Hydrargyrum und Hydrargyrum 
succinimidatum sowie kleinere Dosen von Hydrargyrum vivum und 
Resorcin“ enthält. Von vornherein muß es als eine, wenn ich so sagen 
darf, medizinisch-technische Unmöglichkeit erscheinen, 2 resp. 3 so 
differente Krankheiten, deren Übertragung in so durchaus verschiedener 
Art — hier nur von einer verletzten Stelle aus,. dort auf intakter 
Schleimhaut — zu Stande kommt, durch Anwendung eines Mittels, 
mag dasselbe aus noch so vielen Ingredientien bestehen, verhüten 
zu wollen, denn befindet sich das Mittel in wäßriger oder schleimiger 
Lösung, so wird es nach den obigen Ausführungen zwar vielleicht 
gegen Gonokokken, nicht aber gegen das luetische Virus Schutz ge- 
währen; ist es hingegen mit Fetten vermischt, so wird seine bakteri- 
cide Kraft beeinträchtigt und es gegen Gonokokken unwirksam sein. 
Es würde also das Urteil, daß diese beiden Prophylaktica nur „am 
grünen Tisch“ ausgeklügelt seien, nahe liegen, wenn nicht die Autoren 
eine ganze Reihe von Versuchen, sogar Selbstversuchen, für die Wirk- 
samkeit ihrer Mittel beibrächten. Daß derartige Versuche, zumal die 
auf Übertragung der Syphilis — deren eigentliches Wesen uns ja heute 
immer noch unbekannt ist — gerichteten, großen Schwierigkeiten begegnen, 
daß da manche offenkundige und manche vielleicht jetzt garnicht wahr- 
nehmbare Fehlerquelle kaum zu umgehen ist, bedarf des Hinweises 
nicht. Abgesehen hiervon aber, geht Richter auch in Verfolg seiner 
prophylaktischen Intentionen entschieden über das „primum non nocere“ 
hinaus, was schon allein der folgende Passus seiner Instruktion er- 
kennen lassen dürfte: „Um das Desinfiziens der roten Tube, der Ent- 
zündungstube, besser in die Urethra zu bringen, sind derselben zwei 


1) Feibes: Zur Verhütung von Geschlechtskrankheiten. (Die Kranken- 
pflege, Il, 1902/3, Heft 6.) 

2) Richter: Die Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten. (Dermatolo- 
gisches Centralblatt VII, 19034, Heft 3 und 4.) 





— 257 — 


Iyeine Glasansätze beigegeben, durch die eine Injektion der Desinfek- 
tionsmasse leicht, reinlich und reichlich, z. B. bis zum Bulbus urethrae, 
sich erreichen läßt. Ist die Salbe lawinehartig in die Urethra eirige- 
drungen, so ist sie so adhärent, daß sie noch am nächsten Tage in 
der Urethra nachgewiesen werden kann“. Zu einer Nachprüfung der 
Richterschen Versuche wird sich wohl — solange es noch Schutz- 
mittel gibt, die nützen ohne zu schaden — kaum jemand verstehen, 
der den Schlußsatz der Richterschen Arbeit gelesen hat: „— so rate 
ich, analog der Cohabitation, die Impfung höchstens bis in die Fossa 
navicularis zu bringen; bei sehr stürmischem Verlauf empfehle ich 
kalte Kompressen auf den Damm, beziehentlich einfach den vorderen 
Hemdenteil kalt feucht zu machen, dies noch, um alles das anzuraten, 
was auch ich bei der Impfung gemacht habe“. — Um spätere Wieder- 
holung zu vermeiden, möchte ich gleich hier erwähnen, daß dem viel- 
gestaltigen Inhalt des Bestecks natürlich auch eine höchst umständ- 
liche (laut Gebrauchsanweisung in fünf einzelnen Akten sich vollziehende) 
Anwendung entspricht (die ganzen Manipulationen sollen außerdem 
noch merkwürdiger Weise alle post coitum vorgenommen werden) 
und meine Ansicht dahin äußern, daß man so komplizierte und tief- 
eingreifende Prozeduren doch ohne Not niemandem zumuten sollte. --- 
Auf den „Protektor“ komme ich weiterhin noch zurück. 

Wenn nun aber auch, was es zunächst festzustellen galt, ein 
Prophylakticum, das frisch vorschriftsmäßig hergestellt ist, durchaus 
geeignet ist, seine Bestimmung zu erfüllen, so ist doch eine zweite, 
praktisch weit wichtigere Frage die: hat es dieselbe sicher prophy- 
laktische Kraft auch im Augenblick der Anwendung? Die Zeitdauer, 
die zwischen Fabrikation und Anwendung liegt, wird sich nie mit Ge- 
wißheit oder auch nur annähernd vorausbestimmen lassen, und daraus 
folgt die unabweisbare Forderung unbegrenzter Haltbarkeit, da der 
Abnehmer nicht der Gefahr ausgesetzt sein darf, ein infolge von Aus- 
trocknung oder Zersetzung völlig oder teilweis unbrauchbar gewordenes 
Etwas zu verwenden. — Ich verlangte kürzlich in einer hiesigen großen 
Apotheke Blokusewskis Tropfkelche „Sanitas“. Bei Öffnen des Kartons 
zeigte sich, daß der Inhalt der sämtlichen 6 kleinen Glaskelche einge- 
trocknet war; nur in dem engen Halsteil derselben saß ein minimaler 
ganz eingedickter Tropfen, der natürlich auch nach vorschriftsmäßiger 
Entfernung der beiden Wachsverschlüsse weder vor — noch rückwärts 
zu bewegen war. 3 Tage später erhielt ich in einer anderen Apotheke 
auf Nachfrage nach demselben Apparat einen Karton, in dem sich 


— 258 — 


vier vollkommen ausgetrocknete Kelche befanden; in 2 Kelchen war 
noch eine Spur gänzlich eingedickter Flüssigkeit. Hätte ich meine 
Nachfragen fortgesetzt, so würde ich zweifellos noch weit mehr der- 
artig unbrauchbarer Apparate angetroffen haben, denn eigentlich ist 
ja eine solche Austrocknung wäßriger Lösungen (mit oder ohne Gly- 
cerinzusatz), da es sich immer nur um sehr geringe Flüssigkeitsmengen 
handelt, nur ganz natürlich, und meine eignen Versuche zu Herstel- 
lung eines Schutzmittels, die ich mit flüssigkeitgefüllten Glasröhrchen 
begann, haben mich immer wieder diese Form als unverwendbar er- 
kennen lassen. 

Und wenn schon kein völliges Austrocknen der Lösung ein- 
tritt, so muß doch die stete Verdunstung von Wasser den Konzentra- 
tionsgrad fortwährend ändern und somit eine richtige Dosierung un- 
möglich machen. 

Überhaupt bieten für eine Konstanz der Lösungen grade die bis- 
her fast ausschließlich zur Anwendung gelangten Silberverbindungen 
die allerwenigsten Garantieen, da überaus leichte Zersetzlichkeit ihr 
hervorstechendes chemisches Merkmal ist. Vom Argentum nitricum 
ist dies jedem Kandidaten der Medizin bekannt. Betreffs des Protargol 
macht die dasselbe produzierende Elberfelder Farbenfabrik eigens da- 
rauf aufmerksam, daß jede Protargollösung stets frisch bereitet werden 
soll, da sich beim Stehen allmählich unter Auftreten dunkelbrauner 
Färbung eine Zersetzung vollzieht. Letztere Tatsache wurde, wie 
Schulze!) berichtet, auch an zwei, dem freien Handel entnommenen 
Blokusewskischen Tropfapparaten im chemischen Laboratorium von 
Dr. Mayer-Berlin nachgewiesen; es fand sich eine erhebliche Vermin- 
derung des Silbergehaltes.. Auch der Gelatinezusatz zur Protargol- 
glycerinlösung beim Viro kann nicht verhindern, daß sich dieselbe 
zersetzt; „bei den Virotuben“, sagt Blokusewski?), ist dieses sogar 
durch die Aufrechtschen Versuche bei Feibes?) festgestellt, weil 
die Wirkung nicht der 20°, Protargollösung entspricht, da es die Go- 
nokokken erst nach 2 Minuten tötete“. 

Das neuerdings verwendete Albargin ist ebenfalls nicht frei von 


1) Schulze: Zur Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten, speziell des 
Trippers. (Deutsche medizinische Wochenschrift’ 1902, No. 45.) 

?) Blokusewski: Prophylaxe der Geschlechtskrankheiten. (Dermato- 
logisches Centralblattt VII, 1903, Heft 1.) 

%) Feibes: Zur Verhütung der Geschlechtskranhheiten. (Die Kranken- 
pflege 1902 03, Heft 6.) 


— 259 — 


dieser unangenehmen Eigenschaft aller Silbersalze, und Blokusewski 
rechnet damit, wie aus der den Sanitas-Oliven beigegebenen Gebrauchs- 
anweisung hervorgeht, in der es heißt: „Die Olive ist absichtlich aus 
hellem Glase gefertigt, um sich von der Unversehrtheit des Inhaltes 
beim Einkauf selbst überzeugen zu können; indessen schütze man die 
Olive vor ‚greller Beleuchtung“. 

Es sind demnach vom Standpunkte der zu fordernden unbe- 
dingten Sicherheit als unbrauchbar auszuscheiden: 

1. alle Schutzmittel, die nicht sowohl gegen Gonorrhoe als gegen 
Syphilis und weichen Schanker Schutz gewähren, 

ferner, was die Gonorrhoevorbeugung anlangt, 

2. die Prophylaktica, die das wirksame Agens gegen Gonorrhoe 
in Fett verteilt enthalten, | 

3. diejenigen, die es in wäßriger Lösung (mit oder ohne Glycerin- 
zusatz) enthalten, und 

4. die aus Silbersalzen bestehenden Gonorrhoeprophylaktica. 

Auch der zweiten aufgestellten Forderung, daß die Schutzmittel 
unschädlich seien, entsprechen die aus Silbersalzen bestehenden durch- 
aus nicht. So sagt Schulze: „An die von Blokusewski gerühmte 
Reizlosigkelt der Silbersalpeterlösung möchte ich nicht glauben; schon 
Neißer hat 1895 dagegen Bedenken erhoben, Frank hat darauf einen 
Fall von Reizurethritis infolge 20%, iger Argentum nitricum-Lösung mit- 
geteilt. Auch ich habe kürzlich eine solche Harnröhrenentzündung in 
Behandlung bekommen“. Betreffs der Protargolwirkung zitiere ich 
Feibes'): „Der von verschiedenen Autoren aufgestellten Behauptung, 
daß die 20°, ige Protargolglycerinlösung in der Form einer Einträufe- 
lung nur ein ganz unbedeutendes Prickeln hervorrufe, kann ich nicht 
beipflichten, da diese nicht allein von mir, sondern auch von vielen 
meiner Klienten als stark reizend empfunden wurden“. 

Meine eigenen Beobachtungen stimmen hiermit vollkommen über- 
ein. Vom Albargin behauptet Bornemann, daß es nicht im Ge- 
ringsten reizend wirke; weitere Erfahrungen blieben abzuwarten. 

Die dritte Forderung: tadellose Sauberkeit wird nach dem Vor- 
gange von Frank?) am einfachsten und gründlichsten dadurch erfüllt, 
daß je eine Dosis des Prophylaktikums immer nur zu einmaligem 
Gebrauche bestimmt ist, denn bei öfterer Verwendung ist eine Verun- 


1) l c. 
2) i c. 


WE _ TE nu m er 


— 260 — 


reinigung auf keine Weise auszuschließen. Bei den Apparaten, bei 
welchen der zur Einführung in die Harnröhre bestimmte Teil wieder 
in die Lösung hineingebracht und darin aufbewahrt wird, ist die Ver- 
unreinigung des ganzen Apparates natürlich direkt gegeben, so bei 
Radal, Phallokos und Amicus. Bei den andern, zu mehrmaligem Ge 
brauch bestimmten, deren Spitze oder Ansatz jedesmal in die Urethral- 
mündung eingeführt wird, bei Samariter I, II und III sowie beim Pro- 
tektor, ist die absolute Reinhaltung dieser Spitze ein Ding der Un- 
möglichkeit; außerdem wird bei den mit Flüssigkeit gefüllten infolge 
der unvermeidlichen Aspiration von Sperma, Schleim etc. auch die 
Lösung selbst total verunreinigt. Alle diese Apparate sind somit vom 
hygienischen Standpunkt zu verwerfen. 

Nebenbei wird es in puncto Reinlichkeit gewiß angenehm emp- 
funden werden, wenn die gebrauchten Substanzen nicht etwa schwer zu 
beseitigende Flecke in der Wäsche zurücklassen, — ein Vorzug, den 
man den Silbersalzen wiederum nicht nachrühmen kann. 

Viertens muß ein Prophylakticum praktisch und handlich sein. 
Es muß bequem in der Tasche mitzutragen und selbst für den weniger 
Intelligenten und den manuell Ungeschickten einfach anzuwenden, — 
mit einem Worte: technisch vollkommen sein. 

Die antiluetischen Prophylaktica entsprechen dieser Anforderung 
bei allen Apparaten durchweg, denn sie werden meist in der einfachsten 
und handlichsten Form, in Tuben, geboten. Nur sollte auch hierbei 
im Interesse größtmöglicher Sauberkeit dem Frankschen Postulat 
nur einmaliger Verwendung Rechnung getragen werden. 

Schwieriger liegen die technischen Verhältnisse für die Prophy- 
laxe der Gonorrhoe. Da dieselbe wesentlich in einer Einspritzung 
(resp. Einträufelung) besteht, so ist die naturgemäfle Grundform der 
betreffenden Apparate in der Spritze gegeben. . Direkt der Spritzenform 
bedient sich Frank für sein Prophylaktol. Die kleine, mit Albargin- 
lösung gefüllte Glasspritze ist an der Spitze mit Lack verschlossen. 
Der Stempel wird durch einen Korkstöpsel gebildet, der beim Gebrauch 
‘ durch ein beigegebenes Glasstäbchen herabgedrückt werden soll, nach- 
dem der Lackverschluß durch Abkratzen entfernt ist. Letztere Schwie- 
rigkeit in Verbindung mit der ungleichmäfßigen Funktion des Kork- 
stempels „bedingen“, — ich schließe mich hier dem Urteil von Schulze‘) 
an — „nicht die für einen derartigen Apparat unbedingt notwendige 
Handlichkeit und Schnelligkeit der Manipulationen“. 


1) 1 c. 





— 261 — 


Als der Spritzenform nahestehend sind die Blokusewski’schen 
Tropfapparate „Samariter“ zu bezeichnen, während dem Amicus das 
Prinzip der Pipette zu Grunde liegt, ebenso wie dem Phallokos. Allen 
diesen Apparaten haftet der technische Mangel eines unvollkommenen 
Verschlusses an, da sich ein zuverlässig luftdichter Abschluß durch 
Gummi auf Glas ohne Anwendung starken Druckes nicht erzielen läßt. 
Die Folge hiervon ist die schon oben besprochene Verdunstung bezw. 
Zersetzung der betreffenden Lösungen. Daß Blokusewski in seinen 
neuerdings konstruierten, den hygienischen Anforderungen mehr ange- 
paßten Sanitas-Kelchen ' durch einen oben und unten angebrachten 
Wachsverschluß den gleichen Mangel nicht hat vermeiden können, be- 
‚weisen die bereits mitgeteilten Tatsachen. Allerneuestens ist nun „die 
Kelchform des Tropfapparates in eine handlichere Form — und zwar in 
eine Olive — umgeändert worden“, eine bohnengroße Glasperle, die nach 
oben und unten in je einen rundlichen Ansatz ausläuft, die beide in 
genau gleicher Weise, wie bei den Kelchen mit einer Wachskappe 
überzogen sind: —- gleiche Kappen, gleiche Übelstände! Und würde 
selbst durch das auf die Öffnungen geklebte Wachs ein regulärer Ver- 
schluß bewirkt, so bleibt dennoch die Handhabung dieser Apparate 
eine viel zu komplizierte, denn — ganz abgesehen von dem umständ- 
lichen Abkratzen der beiden Wachsverschlüsse — mit den physikali- 
schen Gesetzen des Hebers dürfte wohl nur der Gebildete vertraut 
sein; dem Ungebildeten, aber auch dem nur einigermaßen Ungeschick- 
ten, wird es trotz aller Gebrauchsanweisungen passieren, daß er den 
einen Wachsverschluß entfernt, ohne die andre Öffnung zuzuhalten, 
und dann gelangt der Inhalt, falls sich derselbe überhaupt in flüssigem 
Zustande befindet, natürlich niemals in die Harnröhre. Eine wirklich 
sichere Aufbewahrung so kleiner Quantitäten von wäßrigen, zersetz- 
lichen Lösungen in gläsernen Behältnissen würde sich einzig und allein 
durch Zuschmelzen der letzteren ermöglichen lassen, wie dies z. B. 
für die Aufbewahrung von Amylnitrit und anderen Medikamenten üblich 
ist. Durch das Abbrechen des zugeschmolzenen Endes vor dem Ge- 
brauch würden dann aber scharfe Ränder entstehen, welche die Bei- 
gabe besonderer Ansatzstücke zur Einführung in die Urethra erheischen 
würden, — kurz, das Resultat wäre wiederum eine höchst komplizierte, 
also unhandliche Konstruktion, und somit ist meines Erachtens die 
Idee, wäßrige Lösungen in gläsernen Behältnissen für Prophylaktica 
zu verwenden, ein für alle mal als technisch undurchführbar 
aufzugeben. — Darum bedeutet die beim Viro zum ersten Mal ge- 


— 262 — 


wählte Anwendung der Zinntube einen Schritt vorwärts. Die kleinen, 
mit einem abgerundeten Ansatzstück versehenen, antigonorrhoischen 
Tuben des Viro, deren jede nur zu einmaligem Gebrauche bestimmt 
ist, sind sehr einfach in der Anwendung und besonders handlich noch 
dadurch, daß jeder Verschluß scheinbar fehlt, also die Manipulationen 
des Öffnens der Tube in Wegfall kommen. Aber hier liegt zugleich 
auch der Fehler: es wird angegeben, daß der Verschluß durch ein 
Gelatinehäutchen gebildet werde; wenn es nun schon kaum recht 
möglich erscheinen will, einen solch subtilen Verschluß in stets ver- 
-Jäßlicher Qualität herzustellen, so ließ mich tatsächlich auch der Augen- 
schein . bei drei von den sechs Tuben eines Virobesteckes ein völliges 
Fehlen dieses Verschlusses konstatieren. Es dürfte somit der Tuben- 
inhalt — wie wir oben sahen 20°, Protargolgliyceringelatine — sehr 
leicht der Zersetzung, die ja auch direkt nachgewiesen wurde, oder 
der Eintrocknung exponiert sein. Bei der Fabrikation ergibt sich von 
vornherein schon die Schwierigkeit, einer Zersetzung des Protargol an 
den Zinnwänden der Tube vorzubeugen; in sinnreicher Weise wird dies 
durch Einhüllung der Schutzmasse in Ceresinpapier erreicht, — ein 
die Herstellungsarbeit immerhin unliebsam komplizierendes Moment. 

Die Art und Weise schließlich, in welcher die beiden Schutz- 
körper je eines Apparates zu einem Ganzen vereinigt oder vielmehr 
nicht vereinigt sind, ist durchweg keine sehr praktische. Bei Sama- 
riter und Amicus ist die Tube mit „Wachswaschseifencreme“ direkt 
an die Tropfapparate angeschraubt; bei den übrigen Propylakticis sind 
die verschiedenen Bestandteile in mehr oder minder großen Schachteln 
etc. auf unzweckmäßige Art zusammengepackt, sodaß man dem, ur- 
sprünglich auf Viro bezüglichen Ausspruch von Feibes beistimmen 
muß: „Es ist eine mißliche Sache, jemandem anzuraten, ein ganzes 
Arsenal von Schutzmitteln mit sich herumzutragen“. 

Daß sich außerdem durch solche besonderen Verpackungen, 
„Ausstattung“ genannt, die ohnehin nicht niedrigen Preise noch er- 
höhen, versteht sich von selbst. Wenn aber von unseren Schutz- 
mitteln das billigste um 1,50 Mk. (die andern kosten 2, 3 und das 
Richtersche 4 Mk.) verkauft wird, so ist, selbst wenn auch ein 
solches Schutzmittel für mehrmaligen Gebrauch eingerichtet ist, auf 
eine Massenverbreitung, die allein durchgreifende Erfolge zeitigen 
kann, nicht zu rechnen. 

Alles in Allem sehen wir also, daß bisher weder in wissenschaft- 
licher noch in technischer Hinsicht etwas voll Befriedigendes erreicht ist; 





A p M 


:— 263 — 


wir brauchen Schutzmitttel, die haltbarer, leichter herzustellen, leichter 
zu handhaben und — leichter zu bezahlen sind. Alle diese Desiderate 
weisen, mit den obigen technischen Erörterungen zusammengehalten, 
auf die ausschließliche Verwendung der Tubenform hin, deren Ge- 
brauch ja auch für vielerlei praktische Bedürfnisse des täglichen Lebens 
immer mehr an Terrain gewinnt, sodaß ihre höchst einfache Hand- 


habung eo ipso Jedermann bekannt und geläufig ist. Blokusewski 


spricht sich allerdings wiederholt über „die geringere Sicherheit der 
Tuben* aus, doch möchte ich dem entgegenhalten, daß es entschieden 
wichtiger und richtiger ist, eine Tube mit unzersetzlichem Inhalt 
zu konstruieren, bei der die Notwendigkeit, letzteren erst auf seine 
Beschaffenheit zu prüfen, fortfällt, als ein gläsernes Behältnis zu 
wählen, bei dem man zwar die Möglichkeit solcher Prüfung hat, aber 
gewärtig sein muß, so und so oft zersetzte oder eingetrocknete Lö- 
sungen zu finden. | 

Handelt es sich nun weiter um die Frage: was sollen wir an 
die Stelle der schwer haltbaren Silberverbindungen setzen? und sehen 
wir daraufhin noch einmal die Schäffer’sche „vergleichsweise Zu- 
sammenstellung der wirksamsten antigonorrhoischen Medikamente“ an, 
so finden wir unter denselben ein überhaupt unzersetzliches Mittel von 
hervorragend starker gonokokkizider Kraft, das Hydrargyrum oxycyan- 
tum. Schäffer bemerkt hierzu noch eigens: „Von andren, neuer- 
dings geprüften Mitteln sei nur das Hydrargyrum oxycyanatum erwähnt, 
das sich als sehr wirksames, die Silbersalze noch überragendes 
Desinfiziens zeigte; es tötete in einer Konzentration von 1:3000 die 
Gonokokken schneller, als die übrigen in Betracht kommenden Medi- 
kamente, während es nach den bisherigen Erfahrungen in der Mehr- 
zahl der Fälle noch in etwas stärkerer Konzentration vertragen wurde“. 

In letzterer Hinsicht habe ich nun weitergehende Versuche an- 
gestellt. Nachdem ich an mir selbst die Reizlosigkeit und Unschäd. 
lichkeit einer Lösung von Hydrargyrum oxycyanatum 1:1000 und so- 
gar 1:500 für die Harnröhre konstatiert hatte, machte ich in einer 
großen Reihe von Fällen Patienten, meistenteils sogar ohne daß sie es 
wußten, Injektionen einiger Tropfen von 1°, iger Lösung in die Fossa 
navicularis und den Anfangsteil der Harnröhre. Bei dieser Konzen- 
tration wurden niemals irgendwelche Reizerscheinungen oder auch nur 


‚ unangenehme Sensationen beobachtet. Nebenbei bemerkt, habe ich 


mit ausgezeichnetem Erfolg die gleiche Lösung dann auch zur Behand- 
Jung der Urethritis posterior, zu Injektionen in die hintere Harnröhre 


— 264 — 


benutzt, worüber ich an andrer Stelle zu berichten denke. Indem ich 
nun allmählich zu immer stärkeren Lösungen überging, konnte ich 
feststellen, daß solche bis zur Konzentration von 1:500 ausnahmslos 
gut vertragen wurden. Bei Verwendung dieser Konzentration traten 
bei zwei Patienten leichte, vorübergehende Reizerscheinungen, Brennen 
und Rötung in der Fossa navicularis auf. Demnach sind Lösungen 
von 1:1000, also dreimal so stark, als sie den Schäffer’schen Uhnter- 
suchungen zu Grunde gelegt wurden, die den für die Gonorrhoe-Pro- 
phylaxe zu stellenden Anforderungen vollauf entsprechen dürften, als 
völlig reizlos zu bezeichnen. 

Außer dieser, übrigens auch schon von Kopp!) und Schlösser 
hervorgehobenen Reizlosigkeit hat das Hydrargyrum oxycyanatum gegen- 
über den Silbersalzen noch einen wesentlichen Vorzug: Da seine Wir- 
kung sich nicht spezifisch auf die Gonokokken beschränkt, sich viel- 
mehr auch auf alle anderen Bakterien erstreckt, so bietet, es zugleich 
auch gegen die nichtgonorrhoische Urethritis Schutz. — Schließlich 
ist darauf hinzuweisen, daß dem Hydrargyrum oxycyanatum bei seiner 
desinfizierenden Wirkung ein grade für unsre Zwecke außerordentlich 
wichtiges Adjuvans zur Seite steht, seine Eigenschaft Eiweiß und ei- 
weißhaltige Substanzen nicht zu coagulieren. 

Die Unzersetzlichkeit der Lösungen, selbst in Berührung mit Me- 
tallen, ist heutzutage, wo das Hydrargyrum oxycyanatum in der Chirur- 
gie, hauptsächlich wegen seiner Eigenschaft, die Instrumente nicht an- 
zugreifen, das Sublimat fast verdrängt hat, allgemein bekannt. Auch 
bei der Berührung mit Zinn tritt, wie ich mich durch eigens ange- 
stellte Versuche überzeugte, weder eine Dekomposition der Lösung, 
noch eine Veränderung des Zinns ein. Ich legte leere Zinntuben 6 
und 8 Wochen lang in eine 1°/ „ige, dann in eine 2°/ „ige Lösung von 
Hydrargyrum oxycyanatum; bei Herausnahme der Tuben erwiesen sich 
sowohl diese als die Lösung vollkommen intakt. 
| Auf Grund aller dieser Erwägungen und Beobachtungen habe 
ich nun ein Gonorrhoeprophylakticum konstruiert, mit dem ich selbst- 
verständlich ein Prophylakticim gegen Syphilis und Ulcus molle kom- 
binierte. | 

Dieses neue Schutzmittel gegen geschlechtliche Ansteckung, im 
Gegensatz zu einem, wie es scheint, schon eingebürgerten Brauch, mit 


1) Kopp: Über neuere Mittel und Methoden zur Therapie und Prophy- 
laxe der Gonorrhoe des Mannes. (Münchener medizinische Wochenschrift 
1899, No. 31.) 














— 265 — 


einem deutschen Namen „Selbstschutz“!) STAND: besteht also aus 
folgenden zwei Teilen: Be 

1. einer ca. 3 cm. langen, kaum bleistiftstarken Tube mit weißem 
Verschluß, die das antigonorrhoische Prophylakticum: Hydrargyrum 
oxycyanatum 1:1000, enthält, 

2. einer etwa ebensogroßen Tube mit rotem Verschluß und dem 
antiluetischen, ebenfalls unzersetzlichen Fettgemisch, Lanolin und Vaselin 
ohne einen, wie dargetan, irrationellen und überflüssigen antiseptischen 
Zusatz, als Inhalt. | 

Während in technischer Hinsicht über die zweite Tube, die von 
ganz gewöhnlicher Beschaffenheit und nur zu besserer Unterscheidung 
mit einem roten Deckel versehen ist, nichts weiter zu bemerken bleibt, 
bereitete die Konstruktion der Spritztube ganz erhebliche Schwierig- 
keiten, die ich jedoch in dem nebenstehend abgebildeten Modell als 
glücklich gelöst betrachte. Die Abbildung, 
welche die beiden Tuben und ihre Vereinigung YuPYEiHstLskiiiuz 
zu einem Ganzen darstellt, entspricht etwa der na 
Hälfte der natürlichen Größe. Der Ansatz der a ban 
Tube ist in eine kegelförmige, oben glatt abgerundete Spitze ausge 
zogen, die sich — zur Vermeidung zu tiefer Einführung in die Harn- 
röhre — gegen den Körper der Tube stufenförmig absetzt. Um jede 
Verletzung der Harnröhre auszuschließen, ist die Verschraubung des 
— wie oben nachgewiesen, unentbehrlichen — Verschlusses in das 
Innere der Spitze verlegt, und zwar geschieht ‘die Verschraubung. 
nicht in einem präformierten Gewinde, sondern die kleine, dem Ver- 
schluß dienende, stählerne Schraube schneidet sich beim Hineindrehen 
die Schraubengänge erst selbst in das weiche Zinn hinein. Daß auf 
diese Art ein viel dichterer Verschluß erreicht wird, ist klar. 

Gleichwohl ist es natürlich unmöglich, in einer Tube dünnflüssige 
Lösung aufzubewahren, und so wurde die beim Viro und vorher schon 
bei andern, in Tubenform gelieferten Medikamenten, z. B. bei dem 
altbekannten englischen Honey-Jelly, bewährte Zubereitung der Schutz- 
masse mit Wasser, Glycerin und Gelatine auch hier gewählt.”) Daß 





1) „Selbstschutz“ wird hergestellt von der Adier-Apotheke, München, 
Sendlinger Straße 13. 

2) Nachtrag: Der patentamtliche Schutz für die Bezeichnung „Selbst- 
schutz‘ wurde abgelehnt; ich habe daher — in Ermangelung eines Besseren 
`— die Benennung „Schütze Dich“ gewählt. 

8) Auf gütiges Anraten des Herrn Geheimrat Neisser sind zu Höch 
2 


— 266 — 


ich die theoretischen Bedenken Blokusewskis betreffs dieser pastösen 
Masse nicht teilen kann, habe ich bereits erwähnt; es ist durchaus 
nicht einzusehen, warum diese nicht desinfizierend in alle Schleim- 
hautfalten dringen sollte, da ja schon einen Moment nach der Ein- 
führung in die Harnröhre eine ganz wie Wasser flüssige Lösung in 
derselben wirkt und der Zusatz einer so indifferenten Substanz wie 
Gelatine unmöglich die Desinfektion irgendwie alterieren kann. — Der 
für die Wirksamkeit gleichfalls irrelevante Zusatz von Glycerinum purissi- 
mum verursacht ein ganz leichtes, schnell vorübergehendes Brennen 
in der Harnröhre, — ein als Testimonium erfolgter Einwirkung für 
den Anwendenden vielleicht nicht unerwünschter Umstand. 

Was nun schließlich die Verbindung dieser beiden Tuben miteinander 
anlangt, so habe ich von einer ursprünglich intendierten festen Ver- 
einigung, die Sich übrigens auch technisch als schwer ausführbar er- 
wies, abgesehen, zumal da die Tuben ja auch getrennt zur Anwen- 
dung gelangen, und bin zur denkbar einfachsten Form gekommen, 
indem ich die beiden longitudinal aneinandergelegten Tuben durch 
einen mehrfach herumgewickelten Papierstreifen, dem auf der einen 
Seite die Gebrauchsanweisung, auf der andern eine kurze Information 
über Geschlechtskrankheiten und deren Verhütung, Warnung vor Kur- 
pfuschern etc., — also eine Art Merkblatt — aufgedruckt ist, zu einem 
handlichen, bequem in der Westentasche mitzutragenden Ganzen ver- 
binde. Eine dislocatio ad axin oder ad longitudinem der eingewickeiten 
Tuben wird durch die Länge des Papierstreifens, der zusammengerollt 
eine ganz feste Hülse bildet, vermieden. 

Die Gebrauchsanweisung ist höchst einfach: vor dem Coitus Ein- 
fetten der Glans, des Präputium und des Penis mit dem Inhalt der 
‚roten Tube, nach dem Coitus Injektion aus der weißen Tube, die ca. 
1 Minute einwirken soll; mit dem Rest Bestreichen der Taschen am 
Frenulum. Schließlich Waschung. 

Daß der ganze Apparat nur zu einmaligem Gebrauch bestimmt 
ist, versteht sich von selbst. Dem entspricht auch der billige Preis 
von 30 Pfennigen, der sich voraussichtlich späterhin noch herabsetzen 


lassen wird. 
Ich glaube somit, daß der kleine Apparat „Selbstschutz“, aus 


größerer Sicherstellung der gonokokkiciden Kraft des Präparates (vergi. oben) 
bakteriologische Prüfungen desselben vorgenommen worden. Da diese noch 
nicht zum Abschlusse gelangt sind, behalte ich mir vor, über ihre Ergebnisse 


in einem Nachtrage zu berichten. 








— 2607 — 


der Idee heraus, daß in der Praxis stets das Einfachste das Beste sei, 
konstruiert, allen an ein Prophylakticum zu stellenden Anforderungen, 
soweit sie heute überhaupt erfüllbar sind, entspricht, und hoffe, damit 
einen kleinen Teil zu dem großen Werke, an dem wir schaffen, bei- 
getragen zu haben. . ! 
Wenn ich vorher sagte, daß wir den Kampf gegen die Geschlechts- 
krankheiten in unsrer Sprechstunde, durch Belehrung, durch Empfeh- 
lung von Schutzmitteln beginnen sollen, so wollen wir über diesem 
Vorpostengefecht, wenn ich es so nennen darf, nicht die großen, leiten- 
den Gesichtspunkte für diesen Kampf aus dem Auge verlieren: die 
reformatorischen Bestrebungen zur Assanierung der Prostitution, zur 
Schaffung beßrer Wohnungs- und befirer Erwerbsverhältnisse und — 
noch weiter ausschauend — zur Ausmerzung verrotteter, spießbürger- 
licher Anschauungen, zur Erziehung einer neuen Generation in einer 
freieren, reineren, von naturwissenschaftlichem Geist getragenen Lebens- 
auffassung! — Nur so werden wir in unserm Kampfe siegen. 


Epilog zum zweiten Kongress der deutschen Ge- 
sellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- 
heiten am 17. u. 18. März in München. 

Von Privatdozent Dr. Freiherr von Notthafft-München. 


Die Welt schreitet vorwärts. Vor 50 Jahren wäre nicht nur 
dieser sondern überhaupt jeder Kongreß, welcher öffentlich sexuelle 
Fragen in populärer Form behandelt hätte, unmöglich gewesen. Man 
hätte einen groben Verstoß gegen die gute Sitte, eine direkte Scham- 
losigkeit in demselben gesehen, und die Veranstalter wären der öffent- 
lichen Verachtung, wenn nicht Verfolgung, preisgegeben worden. Die 
berufenen Führer des Volkes in gesundheitlichen Dingen, die Hygieniker 
und Ärzte, mußten schweigen oder taten es aus allerdings begreiflicher 
Scheu vor dem heiklen Stoff. Derweilen konnte das Übel in der Tiefe 
weiter fressen und ungeheuren Schaden anrichten. Heute schreiben 
wir alle Wissenschaft, Wahrheit und Aufklärung auf unsere Fahnen. 
Der törichten Vogelstraußpolitik, wie der um die Münchener sanitären 
Einrichtungen hochverdiente Rechtsrat Wölzl sagte, mußte einmal ein 
Ende gemacht werden. Die neue deutsche Gesellschaft zur Bekämp- 
fung der sexuellen Volksseuchen hat in der kurzen Zeit ihres Be- 
stehens sehr Tüchtiges geleistet, indem sie sich in populären Vorträgen 


— 268 — 


und Druckwerken an die breiten Massen gewendet und unbekümmert 
um Mißdeutungen Erkenntnis und Wissen verbreitet hat. 

Ob sie nicht manchmal zu weit gegangen ist? Wir möchten 
diese Frage nicht absolut verneinen. Was mit dem Sexus zusammen- 
hängt, ist wichtig und wert, bekannt zu werden. Es ist gut, wenn 
wissenschaftliche Kreise demjenigen Teil des Publikums, welcher auf- 
geklärt werden muß, die Möglichkeit bieten, sich belehren zu lassen. 
Aber es gibt auch noch andere Volkskreise, deren Gefühle Schonung 
verdienen, und welche es als drückende Belästigungen empfinden, 
wenn sie überall auf Schritt und Tritt in auffälligster Form an das 
Geschlechtliche erinnert werden. Es gibt sicher eine gewisse Grenze 
des Zulässigen, welche von der Klugheit und dem Gefühl für Wohl- 
anständigkeit gezogen ist; allerdings ist das keine scharfe Grenze und 
sie ist auch nicht für jeden leicht zu finden; das persönliche Gefühl 
spricht da mit, und manches, das sich auf der Grenze befindet, mag 
hüben wie drüben dazu gerechnet werden. Flucht in die Öffentlich- 
keit und Reklame dürfen aber nicht mit einander verwechselt werden. 
Bei so „anziehenden“ und „interessanten“ Themen, wie sie gelegentlich 
Veranstaltungen einer sich mit sexuellen Dingen befassenden Gesell- 
schaft zum Vortrag kommen, werden ‚weite Volkskreise schon in Kennt- 
nis gesetzt, wenn bescheidene Plakate mit diskreten Aufschriften und 
kurze Mitteilungen in der Presse an Stelle der Riesenaffichen und spal- 
tenlangen Artikel über die intimsten Vorgänge beim Sexualverkehr im 
politischen Teile der Zeitschriften treten. Gewiß mag manches Peinliche 
in der Reklame auf das Konto marktschreierischer, sensationslüsterner 
und profitgieriger Skribenten, Buchhandlungen und Einzelredner kom- 
men; deshalb hätte sich aber doch noch Vieles vermeiden lassen 
können. — Die ziemlich kläglich ausgefallenen Versuche einzelner 
Ultras, die bestehenden ethischen Anschauungen zu stürzen, wären wohl 
auch besser unterblieben; denn sie erschweren das Hineintragen der 
Aufklärung in den größeren Teil des Volkes, welcher sich seine mora- 
lischen Anschauungen nicht ohne Weiteres nehmen lassen will. Und 
gerade hier tut Aufklärung not; in den Kreisen, wo man der „freien 
Liebe“ Konzessionen macht, ist man auch über die Bedeutung der 
sexuellen Seuchen und der Belehrung über das und jenes vollkommen 
im Klaren. — So dankenswert es endlich ist, wenn durch Vorträge 
von Ärzten, Lehrern und anderen hierzu berufenen Leuten, die männ- 
liche Jugend über die Bedeutung und Herkunft der Geschlechtskrank- 
heiten und — meinetwegen — auch über ihre persönliche Vermeidung 











— 269 — 


aufgeklärt. wird, so wenig können wir uns mit öffentlichen Disputa- 
tionen vor Frauen über die Vorzüge der einzelnen Schutzmittel für 
Männer, so wenig mit dem Beschluß des Kongresses einverstanden 
erklären, künftighin auch an die Frauen und Mädchen (! !) Flug- 
blätter über Sexualkrankheiten und ihre Vermeidung zu verteilen. 
Überhaupt diese „Aufklärung“ der Frauen! Vor der Infektion hilft 
sie nichts, weil blinde Liebe und Heiratslust sie wertlos machen. 
Nach geschehener Infektion ist sie nur geeignet, Unfriede und Un- 
glück zu erzeugen. Wenn in der Ehe eine Infektion von Seite des 
vermeintlich gesünden Mannes erfolgt, so ist das schon schlimm genug; 
beide Gatten tragen schwer daran, die Frau durch das Leiden, der 
Mann durch Selbstvorwürfe.. Muß dazu da noch die Erkenntnis der 
Frau kommen, was ihr eigentlich fehlt, und von wem sie das Leiden 
hat?! In den letzten Jahren haben sich die Ehescheidungsprozesse 
wegen Infektion der Ehefrau doch ganz erheblich vermehrt, wie uns 
jeder Arzt und Richter bestätigen kann. Und nicht immer war die 
Sachlage so klar zu Ungunsten des Mannes wie die klagende Partei 
und der testierende Arzt angenommen haben. Wenn Flesch prinzi- 
piell forderte, daß zwischen Ehegatten keine Geheimhaltung über die 
Gesundheitsverhältnisse des anderen bestehen dürfe, so ist er damit 
viel zu weit gegangen. Mit vollem Recht ist ihm von Ries erwidert 
worden, daß die durch die Kundwerdung der Sachlage eintretende 
Verstimmung unter den Ehegatten viel schlimmer sei als die Krank- 
keit selbst, und jeder erfahrene Arzt wird sich dieser Behauptung an- 
schließen müssen. 

Gegenüber diesen Bedenken stehen die Anschauungen derjenigen, 
welche meinen, daß alle Leisetreterei von Übel sei, daß die Mahner 
zur Mäfligung reaktionären Tendenzen huldigen, daß das Wissen und 
damit die Gesundung der Menschen in geistiger und körperlicher Hin- 
sicht nicht nach den Opfern fragen könne, welche auf der Bahn des 
Fortschrittes zurück bleiben. Man kommt aber so zur Aufstellung des 
Satzes, daß der Zweck das Mittel heilig. Für den Gegner dieses 
Satzes gibt es zwei Möglichkeiten, denselben anzugreifen: Einmal, daß 
man den Zweck der ganzen Propaganda nicht der Opfer wert er- 
achtet. Das kann natürlich nur in dem Sinne gemeint sein, daß man 
das, soweit es sich voraussehen läßt, tatsächlich zu Erreichende — 
nicht das erstrebte Ideal! — als wenig bedeutend ansieht, eine von 
nicht unberühmten Leuten diskutierte Frage, welche wir jedoch nicht 
weiter erörtern wollen; zweitens, daß man das Mittel für ungenügend 


— 270 — 


anschaut. Wäre der Kongreß ein wissenschaftlicher i. e. S. gewesen, 
dann wäre dieser Kampf gegen das Mittel sinnlos. Denn die Wissen- 
schaft ist ebenso wie die Kunst sich selbst Zweck und ihre Forschungen 
sind berechtigt, auch wenn sie keinen handgreiflichen Nutzen, ja viel- 
leicht in den Augen mancher gelegenlich einmal Schaden stiften. 
Unser Kongreß war aber kein wissenschaftlicher (die Beteiligung von 
einigen ausgezeichneten Männern ändert an dieser Tatsache nichts), 
sondern ein populärer mit ausgesprochen propagandistischen Zwecken. 
Die Mitglieder der. Gesellschaft setzen sich aus allen Ständen zusam- 
men, zu den Beratungen kann jeder, gleichviel welche Vorbildung und 
Berechtigung mitzureden er hat, zugelassen werden; die geringe An- 
zahl gelehrter Vertreter, die große Anzahl von Nichtgelehrten, wie 
Frauen, Rechtsanwälten, Lizentiaten, Sittlichkeitsvereinlern, Kassenvor- 
ständen usw., die öffentlichen Disputationen und populären Vorträge, 
die laute Reklame und Anderes lassen den Kongreß als eine populäre 
Veranstaltung zu Propagandazwecken erscheinen. Er mußte deshalb 
auch so arrangiert werden, daß durch ihn eine tatsächliche Belehrung 
des Publikums zu Stande kommen konnte. Die Laien waren gekom- 
men, um einmal die Ergebnisse, den Standpunkt der Wissenschaft zu 
vernehmen. 

Und was haben sie erfahren? Über die Hauptpunkte konnte 
unter den Teilnehmern absolut keine Einigung erzielt werden; fast jeder 
Redner sprach immer das Gegenteil von dem, was sein Vorgänger 
gesagt hatte. Während Neißer in seinem Referat über Berufsgeheim- 
nis und Geschlechtskrankheiten eine Meldepflicht des Arztes bezüglich 
aller Kranken, aber ohne Namensnennung beantragte, war Flesch für 
Namensnennung an eine Sanitätskommission, Bohn für eine Nennung 
der Fälle, aber nicht der Namen, eine Frau Schewen gegen die 
Meldepflicht an die Behörde, dafür aber für eine solche „an die rich- 
tige Person“ (!!), während Bernstein, Chotzen und Hippe sich i. 
A. für das bestehende System der unbedingten ärztlichen Verschwiegen- 
heit aussprachen und es im Einzelfalle dem subjektiven Ermessen des 
Richters überlassen wollen, zu entscheiden, ob ein Arzt durch eine War- 
nung seine Pflicht verletzt oder eine höhere Pflicht erfüllt hat. Gegenr 
über Neißer, welcher der Meldepflicht der Ärzte keinen wesentlichen 
Einfluß auf die Kurpfuscherei einräumte, hoben Hippe u. A. hervor, 
daß hierdurch die Kurpfuscherei vergrößert wird. — Bei dem Thema 
„Bordelle und Bordellstraßen* sprachen sich Wolff, Stachow, v. 
Düring, Fabry, Hammer, Löw, Klausmann und Lesser fü- 





_- 21 — 


die Reglementierung aus, während Blaschko und Gruber ihr nur 
sehr bedingten Wert einräumten, Anita Augspurg und Dr. Sima- 
nowski gegen jede Reglementierung waren; Frau Fürth hinwiederum 
wollte zwar offenbar, Kontrolle und Wohnungsaufsicht, eine ärztliche 
Untersuchung dagegen nur für diejenigen Weiber, welche wegen Sitt- 
lichkeitsdelikten ergriffen oder sonst denunziert werden und für Per- 
sonen weiblichen Geschlechtes, welche der Behörde sowohl als krank, 
wie jeder Behandlung widerstrebend benannt sind. (Wie die Rednerin 
nach der von ihr geforderten Aufhebung der Sittenpolizei dieses mög- 
lich machen will, blieb allerdings ihr Geheimnis.) — Aber auch unter 
den Freunden der Reglementierung herrschte keine Einigkeit. Wolff 
rühmte der Kasernierung mit Recht nach, daß sie die Straße säubern, 
die Behandlung der Prostituierten und prophylaktische Maßnahmen 
erleichtere und das Zuhältertum verringere, was Frau Fürth leugnete. 
Ähnlich wie Wolff, zum Teil mit der Forderung des Aufhebens der 
Einzelwohnungen, sprachen sich Klausmann, Fabry, Hammer, 
Lesser, Löw, Hopf und Müller aus. Ein Herr Kohn bemängelte 
dagegen die von diesen Fachmännern gelieferten statistischen Nach- 
weise, daß in Metz, Karlsruhe und Straßburg die Kasernierung günstig 
gewirkt habe, und Frau Schewen berichtet das Gegenteil von Dres- 
den. Bohn und die obengenannten Gegner der Reglementierung sind 
natürlich auch gegen die Kasernierung, Frau Paulus aus dem Grunde, 
weil Buben in Kniehosen die Bordelle besuchen könnten (als ob dieses 
bei der einzelwohnenden Dirne nicht auch der Fall wäre!); v. Düh- 
ring und Gruber hielten die Kasernierung aus räumlich-technischen 
Gründen für unmöglich, und können ihr im Gegensatz zu den ge- 
genannten Lobrednern keine hygienischen und sittlichen Vorteile, nur 
Nachteile nachsagen. Ähnlich Frau Fürth. Während die Reglemen- 
tierungsgegner polizeiliches Verbot und Ignorierung empfahlen, wünschte 
Hopf sogar Lehrstühle für Prostitutionskunde, während Hippe das 
Leben in den Bordellen in ganz anziehenden Farben malte, hat Frau 
Schewen „nur der Menschheit ganzen Jammer“ in diesen Lasterhöhlen 
gefunden, und während Stachow den Zentralstraßen vor den eigent- 
lichen Bordellen den Vorzug gab, meinte ein Herr Kohn, daß Sta- 
chow’s Bericht selbst ein vernichtendes Urteil über das System der 
Kontrollstraßen ausspreche, (allerdings nur aus dem bedeutungslosen 
Grunde, weil durch die Kontrollstraßen diese Weiber ihrer Freiheit be- 
raubt würden, — Als Mittel gegen die Erwerbung von Krankheiten 
empfehlen Lesser und Gruber mit vollem Recht in erster Linie die 


— 272 — 


sexuelle Enthaltsamkeit des Unverheiratheten, Hellpach Kampf gegen 
die den Trieb anstachelnde Genußsucht; Blaschko verlangte dagegen 
Steigerung der Konsumfähigkeit der unteren Klassen und erwartete nicht 
viel von einem Ankämpfen gegen den Sexualtrieb, welchen er, wie 
ja aus seinen Schriften bekannt ist, als übermächtig darstellte, während 
endlich Frl. Helene Stöcker das Leben in seinem ganzen Umfang 
bejahen will und unbeschadet des Instituts der Ehe (!) für die „freie 
Liebe“ gleichgebildeter Menschen eintritt (!!) Wenn der Mensch sich 
selbst nicht mehr für böse hält, dann höre er auch auf, es zu sein. 
Wie die neue Ethik aussehen werde, wisse sie selbst noch nicht end- 
gültig, doch das Alte tauge auf jeden Fall nichts mehr, man müsse 
„die Prostitution veredeln* usw. Lesser mußte die Rednerin darauf 
aufmerksam machen, daß man sich nicht mit einem Schlage über die 
ethischen Anschauungen eines Volkes hinwegsetzen könne. — Hiermit 
ist die Aufzählung der Gegensätze und Widersprüche noch nicht er- 
schöpft. 

Es geht aber aus dem Gesagten schon klar hervor, daß dem 
Laien das positive Resultat der Beratungen gleich Null erscheinen 
mußte. Darüber waren sich schließlich auch die Kongreßteilnehmer 
selbst klar, und wenn Lesser und Blaschko gegen den laut werden- 
den Pessimismus protestierten und meinten, auf Kongressen sei die 
Debatte die Regel, der Widerspruch trage zur Feststellung der Wahr- 
heit bei, so erinnern solche Worte einmal an das bekannte, fran- 
zösische Wort »qui s’excuse, sS’accuse«, und dann beruhen sie auf 
einer Verwechslung der wissenschaftlichen Tagungen mit diesem populär- 
propagandistischen Kongreß. Dort geht aus dem Streit der Meinungen 
eine Aufklärung hervor, hier dagegen ist das unmöglich, weil Leute 
mit den verschiedensten Vorkenntnissen, Stellungen und Nebenabsichten 
sich nicht verstehen können und z. T. auch nicht verstehen wollen. 
Dort kommen die Zuhörer, um Meinungen zu hören, hier dagegen 
wollten sie die Wahrheit, die Lehren der Wissenschaft, Positives, end- 
gültiges Festes hören. So ist nun einmal der Laie! Sie mußten un- 
befriedigt nach Hause gehen. Und diese Enttäuschung wird sich dann 
rächen, wenn dieselben Leute in den Versammlungen der Naturheil- 
kundigen, „Schriftsteller“ und Kurpfuscher den gräulichsten Unsinn 
mit apodiktischer Sicherheit vorgetragen hören. Sie werden den Un- 
sinn nicht merken, wohl aber die Ausfälle gegen die Wissenschaft. 
Denn dem Laien imponiert Bestimmtheit, wie jeder Arzt bestätigen kann. 

Es liegt uns ferne gegen die deutsche Gesellschaft z. B. d. G. 











— 273 — 


zu polemisieren, zu allerletzt gegen ihre verdienten und wissenschaft- 
lich hochangesehenen Vorstände und Leiter, nur an diesem Kongreß 
üben wir Kritik. Will die Gesellschaft auch künftig Tagungen veran- 
stalten, so kann sie entweder hinter geschlossenen Türen nach dem 
Muster der wissenschaftlichen Kongresse sich versammeln und außer 
ihren Mitgliedern nur beschränkte Kategorien, wie Ärzte, Lehrer, Staats- 
und Gemeindebeamte zulassen. Besonders auf das Mitwirken der 
Letzteren ist großes Gewicht zu legen, weil es meist praktische Leute 
mit durch keine Vorurteile getrübter Erfahrung sind.) Sollen aber auch 
weiterhin derartige doppelgesichtige Versammlungen stattfinden, dann 
möge man nach dem Muster der sogenannten deutschen Katholikentage 
die Debatte in die geschlossenen Sitzungen verlegen, die Vorträge in 
die Öffentlichen Versammlungen, selbstverständlich nach vorsichtiger 
Auswahi der Themen und der Redner! Von den Differenzen erfährt 
dann die große Menge nichts, und die „Volksredner“ der öffentlichen 
Versammlungen dürften ihres Erfolges bei den Zuhörern hier wie dort 
gleich sicher sein. Dieses war — vom augenblicklichen Applaus 
abgesehen -— natürlich nicht der Fall, wenn man ein Frl. Helene 
Stöcker zu Worte kommen ließ, deren Zuneigung zur „freien“ Liebe 
schon aus ihren Schreibereien bekannt war, und welche der Vor- 
sitzende wie auch die referierenden „Münchner Neuesten Nachrichten“ 
sehr höflich darauf aufmerksam machen mußten, daß die Zuhörer für 
ihre Ideen noch nicht reif genug seien; der Vortrag Hippes war 
moralisch so bedenklich, daß Professor Gruber erklärte, er würde 
die Gesellschaft für gemeingefährlich betrachten müssen, wenn sie 
sich mit dem Redner identifiziere; Frauenrechtlerinnen und Sittlichkeits- 
vereine betrieben auf dem Kongreß ihre Sondergeschäfte, und ein 
Redner (Laie und Politiker) erging sich in unwahren und persönlichen 
Ausführungen gegen ein abwesendes Vorstandsmitglied, sodaß er in 
ebenso scharfer persönlicher Weise zurückgewiesen werden mußte. 
Über die Assanierung der Prostitution würden einheitliche An- 
schauungen herrschen, wenn das Wesen des Dirnentums weniger ein- 
seitig aufgefallt würde. Es ist nicht angängig, dasselbe lediglich mit 
Blaschko als Folge sozialer Übelstände zu betrachten. Es ist das 
große Verdienst von Lombroso, Tarnowsky, Tarnowskaja und 
Ströhmberg, welchen Charcot zum Teil vorgearbeitet hatte, die Ent- 
artung der Dirnen in körperlicher und seelischer Beziehung nachge- 
wiesen zu haben. Nach ihnen ist die Dirne mit wenigen Ausnahmen 
nicht das aus sozialer Not oder Moralmangel gefallene Mädchen, son- 


u DIE. 


dern eine Entartete, welche sich Pflichtgefühl und Sittlichkeitsbegriffe 
nicht in geeignetem Maße aneignen kann, sie ist demzufolge das Äqui- 
valent des männlichen Landstreicher- und Verbrechertums und unter- 
scheidet sich von diesem nur durch die Ausnutzung ihrer abnorm an- 
ästhetischen sexuellen Sphäre zur Erbeutung mühelosen Verdienstes; 
die Neigung zur Vagabundage und zum Verbrechen ist ihr mit ihrem 
männlichen Charakterergenossen gemeinsam. Die sozialen Verhält- 
nisse sind zum geringsten Teil direkte Ursache der Prostitution, d. h. 
der Überlassung des weiblichen Körpers an eine Vielheit von Männern 
gegen Entgelt; sie erzeugen direkt nur Lüderlichkeit und Verhältnis- 
wesen, indirekt dagegen Prostitution, indem sie das Milieu schaffen, 
in welchem die Entartung um sich greift. Die Prostitution ist daher 
unausrottbar, solange es degenerierte Weiber und eine Nachfrage von 
Seiten des Mannes gibt. Gegen die Degerieration sind wir ziemlich 
machtlos, die Nachfrage können wir vielleicht einschränken. Die De- 
generation ist bei Kulturvölkern und im Kulturzentrum .stärker als bei 
Naturvölkern, in den Städten stärker als auf dem Lande, in der Hefe 
des Volkes stärker als bei den oberen Zehntausend. Daraus erklärt 
sich die Ungleichmäßigkeit der Verteilung der Dirnen in den einzelnen 
Völkern, Städten und Ständen. Die höheren Stände steuern auch des- 
halb weniger zum Dirnentum bei als die unteren, das flache Land 
auch deshalb weniger als die Stadt, weil die Konzentration der Familie 
eine engere, die Freiheit des jungen Weibes eine geringere und vor 
allem keine Notwendigkeit vorhanden ist, hart um das tägliche Brot 
arbeiten zu müssen; das Drohnentum braucht hier nicht zum Ver- 
brechen und zur Prostitution zu greifen. In geringerem Maße herrscht 
die Prostitution aber auch bei vielen Naturvölkern, wo soziale Übel- 
stände nicht in Frage kommen können. Im Pfahlbauerndorf mag ein 
Halsband aus Glasperlen, eine Bronzefibel dieselbe Bedeutung gehabt 
haben wie heute ein Brillantencollier im Boudoir mancher Schönen. 
Wie stark die Prostitution im malayischen Archipel ist, kann man aus 
Waitz sehen; unter den Crow-Indianern sind fast sämtliche Frauen 
richtige gegen Entgeld für jeden Mann erkenntliche Prostituierte, bei 
einzelnen Stämmen Australiens wird jede Witwe zur Stammeshure, 
ja es kommen sogar eigene Kastrierungen zu diesem Zwecke vor 
usw. Im Einzelfalle ist allerdings hervorzuheben, daß die Zwangs- 
prostituierung und Polyandrie bei wilden Völkerschaften nicht gleich- 
bedeutend mit der freigewählten Prostitution kultivierter Völker ist. 
Ein einwandfreier Beweis ist dagegen die von jedem Volkskenner uns 








— 275 — 


bestätigte Tatsache, daß in jedem größeren Bauerndorf auch eine 
Dorfhure zu finden ist, welche, obwohl sie des Lebens Not nicht 
kennt, gegen Entgelt zu erhalten ist. In Orten mit ungefähr gleichen 
biologisch-sozialen Verhältnissen, muß sich, wenn die Prostitution eine 
Entartungserscheinung ist, dafür überall das gleiche Verhältnis der Dirnen 
zur Gesamtbevölkerung finden. Nach russischen Berichten ist dasselbe 
tatsächlich 5,6—6°/,.. Aus dieser großen Zahl von Dirnen in den 
Großstädten, ihrer Unverbesserlichkeit und ihrer Neigung zur Vaga- 
bundage ergibt sich, daß jede einseitige Förderung von Bordell oder 
Kaserne oder Bordellstraße oder Einzelwohnung ein Fehler ist. 

Auf dem Kongreß ist schon von Gruber, v. During, Fr. Fürth 
u. a. darauf hingewiesen worden, daß jede Beschränkung auf Bordelle, 
überhaupt auf Kasernierung aus räumlichen Gründen, wegen des Miß- 
erhältnisses von Dirnenzahl und Wohnungen scheitern muß. Wohin 
sollte man denn unsere schätzungsweise 3000 Prostituierten Münchens 
kasernieren® Für kleinere und kleinste Städte, in welchen die geheime 
und einzelwohnende Prostitution leicht polizeilich unterdrückt werden 
kann, empfiehlt sich das System, weil es weniger Opfer anlockt, das 
öffentliche Sittlichkeitsgefühl weniger beleidigt, kein Gift in.die Familien 
bringt und das Zuhältertum nicht züchtet. Die besonders von frauen- 
rechtlerischer Seite kommenden Einwände gegen dieses System sind 
nicht stichhaltig. Die entartete Dirne, dieses Drohnen- und Parasiten- 
tum im sozialen Körper, ist ein Schädling für die gesunde arbeitende 
Bevölkerung; sie hat daher ebensowenig wie die Strolche und Ver- 
brecher einen Rechtsanspruch auf eine für die anderen Menschen ge- 
fährliche Freiheit; sexuelle Scheußlichkeiten sind allen älteren Dirnen 
geläufig, ob sie frei oder interniert leben, und sittlich halbwegs noch 
zu bessernde Dirnen sind überhaupt nicht ins Bordell zu bringen; die 
finanzielle Abhängigkeit der faulenzenden Dirnen von ihren Wirten ent- 
wickelt sich ebenfalls bei den freiwohnenden nicht weniger. drückend 
als bei den kasernierten, kann bei ordentlicher Kontrolle hier sogar 
geringer werden. Der wichtigste Einwand wäre der, daß die Bordelle 
den Mädchenhandel entstehen lassen; die federation abolitionistique 
mit ihrem Sitze in Genf verbreitet beständig in der Presse derartige 
Alarmnachrichten; in Wirklichkeit ist es auf deutschem Boden unmög- 
lich, daß ein Mädchen ohne Ihr Wissen in ein Bordell verschleppt 
wird, und den Mädchenhandel nach fremden Ländern ohne ordent- 
liche Bordellpolizei können wir durch. Aufhebungen der Bordelle im 
eigenen Lande doch nicht beeinflussen! In der Regel spielt sich die 


— 276 — 


Sache übrigens weniger sensationell und dramatisch ab; sondern die 
Dirne verkauft sich selbst (oder wird von ihrer Gläubigerin, der Wirtin, 
verkauft) an ein Institut, wie sie bisher schon täglich sich zu ver- 
kaufen gewohnt war. — Ist aber die Kasernierung in den großen 
Städten nicht durchführbar, so muß man eben hier auch die vaga- 
bundierende Prostitution dulden, da ihre Unterdrückung durch Polizei- 
verbote erfahrungsgemäß und nach dem oben über die Naturgeschichte 
der Dirne Gesagten ein Ding der Unmöglichkeit ist. Dazu kommt 
noch, daß man wohl die Dirnen teilweise zwingen kann, ein gewisses 
Domizil aufzusuchen, aber doch nicht ihre Kunden; übereinstimmend 
wird von allen erfahrenen Seiten konstatiert, daß die Freudenhäuser 
immer weniger frequentiert werden. Andererseits ist aber auch ein 
Unterdrücken der Mädchenhäuser in den großen Städten nicht möglich; 
denn man kann keiner Wirtin verwehren, an mehrere Weiber zu ver- 
mieten, und so entsteht das moderne Bordell, welches es in jeder großen 
Stadt, wenn auch ohne (offizielles) Wissen der Behörde, massenhaft gibt. 
Man muß also in allen größeren Orten sämtliche Systeme der Prostitu- 
jerung nebeneinander dulden. "Damit ist aber nicht gesagt, daß man sie 
nicht polizeilich und hygienisch besser kontrollieren könnte, als dieses 
heute geschieht, und daß man den ärgerlichen Straßenskandal nicht ver- 
ringern könnte. — Die „Besserungsfähigkeit“ der Dirnen ist nach den 
traurigen Resultaten aller weltlichen und geistlichen Korrektionsan- 
stalten für gefallene Mädchen fast gleich Null, der Gedanke, durch 
Gestattung des Concubinats („freie Liebe“), Gleichstellung der unehe- 
lichen Kinder mit den ehelichen, Erleichterung der Eheschließung und 
Herabsetzung des Heiratsalterss beim Manne, Arbeiterinnenschutz und 
ähnliches direkt die Prostitution verringern zu können, ist eine Utopie. 
Indirekt sind natürlich soziale Besserungen, wie sie Blaschko, aller- 
dings einseitig, gefordert hat, von großem Wert, wenn sie mit einer 
Einwirkung auf den Mann zum Zwecke der Selbstzucht einhergehen. 
Dann wird die Nachfrage vermindert und die Prostituierung ist für 
die degenerierten Weiber nicht mehr lohnend genug; die soziale Hebung 
der unteren Volksschichten arbeitet der Entartung und damit der Ent- 
stehung sich anbietender Weiber entgegen. — Über den hygienischen 
Nutzen der Reglementierung herrschen dank der hier ganz versagenden 
und widerspruchsvollen Statistik auch in Ärztekreisen keine einheit- 
lichen Anschauungen. Man wird den Wert der heutigen Reglemen- 
tierung nicht zu hoch einschätzen dürfen; denn wir registrieren nur 
einen Bruchteil der Weiber und sind nicht im Stande, sie während 








er 


m. 21 =: 


der ganzen Dauer ihrer Erkrankung an der Ausübung ihres Berufes 
zu verhindern. Immerhin steht soviel fest, daß bei genügender Eru- 
ierung der geheimen Prostitution die Vorteile der Reglementierung schon 
bemerkbar werden, und daf eine Ausschaltung einer Anzahl Weiber 
während der Zeit höchster Infektiösität vernunftgemäß ist. Der Ein- 
wand, daß dann die übrigen geheimen und öffentlichen Dirnen stärker 
in Anspruch genommen und daher stärker infiziert werden, ist hin- 
fällig, weil diese auch sonst vorhanden sind, und mit sinkendem An- 
gebot auch diejenig€ Nachfrage, welche nur Anlockungsfolge ist, zu- 
rückgeht. — Die Forderung, weiblicher Redner, die Gesundheitsunter- 
suchung um der Schonung des Schamgefühles der Dirnen 
willen, nur durch weibliche Ärzte vornehmen zu lassen oder sie ganz 
aufzuheben, konnte nur aus einer absoluten Unkenntnis des Dirnen- 
charakters entspringen. Es ist der alte Fehler der abolitionistischen 
Kreise, in dem Manne den Verführer statt das Opfer der Prostitution 
und in der Prostituierten statt der Entarteten eine den gleichen sitt- 
lichen Motiven und Gefühlen wie die normale Frau zugängliche Ver- 
führte und vom Manne Verdorbene zu sehen. Man möge sich übrigens 
keiner Täuschung darüber hingeben, daß das gesamte Dirnentum 
höchstens bezüglich der Syphilis ungünstiger als andere leichtsinnige 
Weiber gestellt ist! Bezüglich der anderen Leiden ist erwiesen — 
und unsere eigene Sprechstunde lehrt es uns aufs deutlichste —, daß 
diese letzteren Frauen noch viel gefährlicher sind als die Dirnen. 

Den weiteren Beratungen des Kongresses wird man i. A. zu- 
stimmen können. Es zeigte sich keine wesentliche Geneigtheit, eine 
Meldepflicht des Arztes für Geschlechtskranke einzuführen. Der 8 300 
des Reichsstrafgesetzbuches, welcher den Ärzten Verschwiegenheit auf- 
erlegt, bleibt also ungeschmälert bestehen und soll eher noch ausge- 
dehnt werden auf alle anderen Berufskategorien, welche mit Kranken 
berufsmäßig zusammenkommen. — Allgemein ist man der Ansicht, 
daß der Kuppeleiparagraph 180, welcher schon das Vermieten an 
Dirnen für strafbar hält, korrigiert werden muß. — Eine alte Forderung 
war auch diejenige der Aufklärung der Jugend in den höheren Klassen. 

Aufklärung, das war überhaupt die Signatur der Kongrefforde- 
rungen. Und deshalb begrüßen wir auch diese Tagung, wenn wir 
auch nicht in allem Einzelnen mit derselben übereinstimmen konnten. 
Wir sind den wissenschaftlichen Rednern und speziell den beiden 
Vorsitzenden durchaus zu Dank verpflichtet. 


— 278 — 


Ueber Spracheigentümlichkeiten 
Berliner Prostituierter. | 


Von Dr. med. Wilheim Hammer-Berlin. 


Eine Nebenfrucht meiner jahrelangen Forschungen auf dem Ge- 
biete der Prostitution ist eine Sammlung sprachlicher Eigentümlich- 
keiten der Prostituierten. Während ich mit der Veröffentlichung der 
Hauptergebnisse meiner Erfahrungen als Gefängnis- und Dirnenarzt 
eines Schweizer Kantons, und als Arzt der größter Prostituiertenstation 
Deutschlands zu Berlin, sowie endlich meiner ärztlichen Beobachtungen 
auf der Station einer süddeutschen Bordellstadt erst beginnen werde, 
wenn ich unabhängig von einer jeden städtischen und staatlichen Be- 
hörde allein den Gesichtspunkt wissenschaftlicher Forschung im Auge 
behalten kann, will ich heute einige sprachliche Eigentümlichkeiten 
Berliner Dirnen schildern. Legen wir dieser Schilderung die Geschichte 
eines jungen Mädchens in Berlin zu Grunde, wie sie sich häufig er- 
eignet. Das Mädchen ist aus der Schule entlassen und besucht eine 
Freundin, von der sie weiß, daß sie der Prostitution ergeben ist. Diese 
Freundin „geht auf den Strich“. Das junge Mädchen läßt sich von 
der Freundin Anleitung geben, wie sie „strichen“ kann. Dabei ist die 
Jugendliche zunächst noch etwas zurückhaltend. Allmählich wird sie 
„kesser“. Um in der Nähe des „Absteigequartiers“ zu bleiben geht 
sie ständig innerhalb eines Häuservierecks dieselben Straßen „Sie geht 
Carrdö rum“. Sie „steigt“ zunächst bei einer Vermieterin „ab“. Weil 
ihr das jedesmalige Bezahlen einer oder mehrerer Mark zu teuer wird, 
mietet sie sich eine „Wohnung mit Kost“. Das junge Mädchen ist 
eine „Nutte“. Sie begibt sich in die Gegend der Passage, wo be- 
sonders für junge Mädchen eingenommene „Nuttenjäger“ ihr nach- 
stellen. Da sie viel Erfolge hat, erregt sie die Aufmerksamkeit eines 
„Polizeispitzels“ oder „Achtgroschenjungens“, dieser fordert sie auf 
mit in seine Wohnung zu kommen. Sie nimmt die Einladung an, 
‚sodaß dieser Ehrenmann später als Belastungszeuge für den unsitt- 
lichen Lebenswandel gilt. Er nimmt sie nicht mit, sondern beauftragt 
einen Kriminalbeamten mit ihrer Festnahme. Der Polizeispitzel hat sie 
daher „alle werden lassen“. Sie wird zur Wache geführt und von 
dort nach dem Präsidium. Hier wird sie in Haft behalten, von einem 
Fräulein Doktor, einer in der Schweiz ausgebildeten Dame untersucht. 
Sie kommt wieder „nach Zelle“, bis der Herr Doktor kommt. Dieser 
überweist das Mädchen nach dem Krankenhause „dem Froebeis“, „der 











— 279 — 


Palme“. Sie hat „Spitzen“ (condylomata acuminata) und „Sackratten“ 
(Phtiriasis). Nachmittags '/,3 Uhr fährt der Polizeiwagen „die grüne 
Minna“ vom Polizeipräsidium nach der Froebelstraße. Da sie jung 
ist, kommt sie- in den „Froebeischen Kindergarten“ d. h. in Fürsorge- 
abteilung. Hier wird sie sinnlich. Von 60 Mädchen masturbieren 
daselbst 57”. Am andern Morgen besteigt sie den „Tiroler“- (Unter- 
suchungsstuhi). Sie gehört zu den Arbeiterinnen und bekommt ein 
Sodaekzem, da ihre Haut an den Händen zart ist. Sie kommt nun 
abends herunter. Der diensttuende Arzt, zufällig derjenige, der die 
„Nutten“ am freundlichsten behandelt und daher „Nuttendoktor“ 
heißt, verordnet ihr „Achalinsalbe* (Unguentum diachylon Hebrae). 
In einigen Wochen hat sie Termin. Sie wird zu sechs Wochen Haft 
verurteilt, weil sie nach Ueberzeugung des Schöffengerichts gewerbs- 
mäßig Unzucht getrieben hat, ohne unter Polizeiaufsicht gestanden 
zu haben. Als Belastungszeuge tritt der Kriminalbeamte auf; außer- 
dem hat sie vor der Polizei ein Geständnis abgelegt meist oder wohl 
immer ohne zu wissen, daß sie das Recht hat, ihre Aussage zu ver- 
weigern. Von diesem Rechte, die Aussage zu verweigern machten die 
Ärzte des Froebelkrankenhauses auf höheren Wunsch keinen Gebrauch. 
Gleichzeitig ist beschlossen, sie auf mehrere Jahre in Fürsorgeerziehung zu 
geben. Wütend über die jahrelang andauernde Einsperrung bei ihrer sinn- 
lichen Veranlagung steht sie nachts auf, schlägt eine Fensterscheibe ent- 
zwei und läßt sich an einem Seile, das aus Betttuch geknotet ist zum 
Fenster herunter, um zu fliehen. „Sie türmt“, denn „jeder Vogel liebt 
seine Freiheit“, wird aber aufgegriffen und trotz ihrer Jugend von männ- 
lichen Hülfskräften „Bachulken“ in den Arrest, „Kahn“ oder „Kellers 
Festsäle* genannt, gesteckt. Bei Wasser und Brot und ohne Arbeit 
hat sie Zeit zu sinnlichen Gedanken. Ihre Gedanken begegnen denen 
einer Genossin, einer „Leidensgefährtin“, die „schwul“ (homosexuell) 
ist und daher schon lange „herumvoste* (poussiert), um das Mädchen 
zur lesbischen Liebe zu bringen. Die Leidensgefährtin hatte ihr schon 
lange einen Brief geschrieben, indem sie das junge Mädchen zur gleich- 
geschlechtlichen Betätigung aufforderte.. Der Brief wird heimlich be- 
fördert, ist also ein „Kassiber“. Durch diesen Kassiber wird ihr „die 
Freundschaft angetragen“. Sie antwortet in einem Kassiber, indem sie 
„die Freundschaft annimmt“. Wie sie aus den Arrest kommt, läßt 
sie sich die Liebesbetätigung der ‚Freundin‘ gefallen. Sie ist dem- 
nach ‚Mutter oder Muttchen‘, trägt jetzt zum Zeichen der Treue den 
„Mutterscheitel‘‘. Die Freundin ist „Vater‘‘, trägt den ‚„Vaterkragen‘, 


— 280 — 


einen aus Papier und alter Leinwand geschickt geformten Stehkragen. 
Die Mutter stickt den Namen in: die Leinwand. Oft hat der „Vater- 
kragen“ einen krawattenähnlichen Fortsatz „Schmießchen“. Der ‚Vater‘ 
trägt das Haar nicht im „Mutterscheitel‘‘;, sondern in Form der „Vater- 
tolle“, also üppig hochgekämmt. Die ‚Mutter‘ läßt sich von einem 
andern Mädchen den Hof machen. Der ‚Vater‘ macht nun seine 
„Vaterrechte‘‘ geltend, d. h. er haut sein „Muttchen‘“. Dieses „Mutt- 
chen‘‘ muß stillhalten; denn  ,Vaterzorn“ muß austoben; sonst kann 
es zu Totschlag kommen. Nachdem die Fürsorgeerziehung beendet 
ist, wird das Mädchen unter „Sitte“ gestellt. Sie erhält das „Bäcker- 
buch“, d. h. das Einschreibebuch und heißt jetzt „Tille“ oder ,Pro- 
destimierte‘‘ = Prostituierte. Sie verkehrt in eigenen Lokalen ,Ka- 
schemmen“ und ist den lesbischen Akt („Schiebung“‘) satt, gestattet 
daher einem Zuhälter („Bräutigam“, ‚Luden‘‘) die Annäherung. Sie 
ist jetzt seine „Liebste“. Den drakonischen Vorschriften der Polizei 
kann sie nicht folgen. Sie muß daher ins Gefängnis, d. h. sie „schiebt 
Knast“. Sie ist schwanger, „kippt“ jedoch (abortiert) oder gebiert 
(„legt ab“). Die „heilige Dame‘ = die Frau Pfarrer sucht sie zu über- 
reden in ein Stift zu gehen. Das lehnt sie ab, weil sie nichts von 
den frommen Schwestern im Stift. („Katalauern“) wissen will. Viel- 
mehr lernt sie nun allerhand „Freier“ (zahlende Männer) kennen. Diese 
. Freier sind teilweise überreizt. Sie werden nur noch durch besondere 
Fetische erregt und heißen je nach ihrem Fetisch „Naägelfreier, Stiefel- 
freier, Taschentuchfreier, Seidenfreier“. Einige wollen „Kaviar essen“, 
d. h. sie betreiben den Cunnilingus. Das Mädchen wird älter und 
wird durch Männer nicht mehr gereizt. Sie verkehrt abwechselnd als 
„Vater“ oder „Mutter“ in der lesbischen Art; diese „Schiebung“ nennt 
sie „69“ oder auch „66“ oder „68“. Endlich „macht“ sie sich sitte- 
frei, indem sie arbeitet, vielleicht als „Vermieterin“ oder „Straßen- 
verkäuferin“. Gelingt ihr das nicht, so nimmt sie in ihrem Alter den 
„Gifthaken“, d. h. sie sucht den Häuserkehricht oder Müll als „Natur- 
forscherin* ab nach verkaufsfähigen Abfällen. 








— 281 — 


Il. Referate. 


Baermann: Die Gonorrhoe der Prostituierten. (Zeitschrift f. B. 
d. G. 1903 Il.) | i 

Jadassohn hat im Einklang mit den Neisser’schen Vorschlägen 
die mikroskopische Untersuchung der Prostituierten auf Gonococcen bei .der 
Kontrolle als einen der wichtigsten Faktoren für die Gonorrhoe-Prophylaxe 
charakterisiert. Nach B.'s Ansicht ist es meistenteils unmöglich, die Gonorr- 
hoe der Prostituierten aus klinischen Erscheinungen sicher zu diagnostizieren. 
Der plötzliche, große Anstieg der bei der Kontrolle konstatierten Gonorrhoe- 
fälle überall da, wo an Stelle der klinischen Untersuchung die mikroskopische 
getreten ist, dürfte wohl der am wenigsten abzuweisende Beleg für die Not- 
wendigkeit der mikrosköpischen Diagnose sein. Ohne dieselbe kann weder 
für die Infektiosität noch für die Harmlosigkeit eines Cervikal- oder Urethral- 
ausflusses ein sicheres Urteil abgegeben werden. Zur Erreichung der Assa- 
nierung muß eine sorgfältige, mikroskopische Untersuchung in allen Teilen 
des Reiches einheitlich hei dem ständig fluktuierenden Prostitutionsmaterial 
durchgeführt werden. B. hat in 14 Tagen 393 Prostituierte auf Gc. unter- 
sucht; es gelangten täglich 35 Prostituierte zur Untersuchung, was eine Zeit 
von 1!/, St. in Anspruch nahm. Die 140 Präparate, der Urethra und dem 
Cervix mit einem stumpfen Metalllöffel entnommen (2 Ausstrichpräparate), 
erforderten zur mikroskopischen Untersuchung 5 Stunden. Als Ansiedlungs- 
punkte der Gonococcen sind bisher bezeichnet worden: Urethra, die Schleim- 





‘drüsen an der äußeren Urethralöffnung, Vulva-Vagina, Bartholinische Drüse, 


Cervix, Endometrium, Tuben, Rektum. Die gonorrh. Vaginitis bei Prosti- 
tuierten, deren Vaginalschleimhaut durch die häufigen Kohabitationen und 
Irrigationen sehr widerstandsfähig gemacht wird, ist eine Erkrankung, die : 
bei der Kontrolle unberücksichtigt bleiben darf. Dagegen verdient die Bar- 
tholinitis ein höheres Interesse bei der Kontrolluntersuchung, die nach einzelnen 
Autoren 33°’/» ausmachen. Eine 1—2 mal monatlich stattfindende Untersuchung 
der Rektalschleimhaut mit dem Speculum und gleichzeitiger Anfertigung von 
mikroskopischen Präparaten ist unbedingt indiziert: Die Infektionsgefahr für 
den Mann ist von seiten der Urethra eine größere als von der des Cervix, 
weil das Sekret des letzteren selbst bei reichlicher eitriger Beimengung eine 
ziemlich kohärente, kompakte Masse darstellt, die zu einem Eindringen in die 
fossa navicularis wenig geeignet erscheint —, das Urethralsekret, aus zelligen 
Elementen zumeist bestehend, bietet diesen Hinderungsgrund nicht, ferner 


wird es stets neu auf den Introitus deponiert und während der kurzen Er- 


öffnung der männlichen Urethrallippen in die fossa gepreßt. Der Untersuchung 
des Cervix gehe stets eine energische Reinigung des äußeren Muttermundes 
mit Alkohol voran, das Präparat werde möglichst hoch am Cervikalkanal ge- 
wonnen, Präparate mit reichlichem Bakterienbefund stammen stets vom 
äußeren Muttermund und sind diagnostisch nicht verwertbar, nur der Gono- 
coccus vermag ascendierend zu gedeihen. Die Uterusgonorrhoe ist lediglich 
als solche, ohne Berücksichtigung reaktionsloser Adnexerkrankungen, in Be- 
handlung zu nehmen. Nach B.’s Untersuchungen dürfte nach dem IV. Kon- 
3 


— 282 — 


trolljahre eine leichte relative Abminderung der Zahl gonorrh. puellae statt- 
haben, zurückzuführen auf die geringere Frequentierung und auf die bessere 
Orientierung in der persönlichen Prophylaxe. Jedenfalls aber ist sie nicht 
so bedeutend, daß man eine seltenere Kontrolluntersuchung älterer Prosti- 
tuierter ableiten könnte. 


Einzig und allein darf nach B. für die Prostituierte der Gonococcen- 
befund maßgebend sein, alle übrigen Erscheinungen, wie chronische, nicht 
infektiöse Urethritis, chron. Cervikalkatarrh sind belanglos. Ein großer Teil 
der Prostituierten bleibt von einer rasch eintretenden Reinfektion verschont 
als Durchschnittszahl der Behandlungstage rechnet B. 37 Tage. 


Die meisten Prostituierten kommen bereits gonorrhoisch infiziert unter 
Kontrolle, Lues acquirieren sie erst im 1.—2. Kontrolljahre, das 2.—4. Kon- 
trolljahr (20.—22. Lebensjahr) ist daher das gefährlichste. Die ambulatorische 
Behandlung genügt bei chron. Prozessen mit spärlichem Gonococcenbefund 
und ist auch insofern angebracht, als dadurch eine zu häufige Internierung 
vermieden werden kann. Steiner - Mannheim. 


R. de Campagnolle: Über den Wert der modernen Instillations- 
propyhylaxe der Gonorrhoe. (Zeitschrift z. B. d. G. Bd. Ill, No. 1, 2 u. 3.) 


Zunächst gibt Verfasser einen Überblick über die Geschichte und die 
Entwickelung des Instillationsverfahrens, indem er mit Sänger beginnt, der 
trotz Begründung der Autoprophylaxe 1884 nirgends Erwähnung findet und 
nach Hinweis auf Haussmann 1885 sich zu dem weiteren Ausbau des 
prophylaktischen Verfahrens durch Blokusewski und R. E. W. Frank 
wendet, denen sich Welander anreiht. Nach kurzer Schilderung der ver- 
schiedenen Apparate und Technik geht Verf. auf seine eigenen Instillationen 
. mit 20°/o Protargolglycerinlősung — wobei er bald Glycerin bei Seite ließ — 
und 10°% Albarginlösung über. Für die Versuche waren nicht nur Tripper- 
kranke, sondern auch Personen, bei denen sich noch irgendwelche Erschei- 
nungen des „postgonorrhoischen Symptomenkomplexes“ zeigten, ausge- 
schlossen. Neben der Ausnutzung der praktischen Apparate, sollte nach 
Möglichkeit der unzersetzte Zustand einer richtig und frisch zubereiteten Lö-, 
sung, sowie der hygienische Gebrauch derselben gewährleistet werden. 


Während er sich anfangs an die so bestechend einfache Gebrauch 
vorschrift Franks hielt, der unmittelbar nach der Cohabitation ohne vor 
gegangene Urinentleerung 2—3 Tropfen instillieren ließ, griff er bald auf de 
alten, von Blokusewski angefochtenen Gebrauch zurück, unter zeitweiligem: 
Bedecken des Orificiums mit dem Finger zu urinieren, um den Druckstrahl: 
zu erhöhen und auch bei geringerer Harnmenge deren Druck wirksamer zu, 
machen. Auch warnte er — im Gegensatz zu beiden Autoren —, mehrere In-, 
stillationen-rasch aufeinander folgen zu lassen, dieselben vor 24 Stunden zu 
wiederholen. Für die Untersuchungen verwertbar waren von 132 Männern 
in 3 Jahren die Erfahrungen von 76. Im ganzen acquirierten 9 Männer tro 
der Prophylaxe eine Gonorrhoe; davon kamen nur 6 Infektionen für den Ve 
in Betracht. 

Wie ist es zu erklären, daß der praktische Erfolg nicht hielt, was d 








— 283 — 


so sorgfältig ausgeführten Frank’schen Versuche am lebenden Menschen 
versprachen® Darf die Überimpfung (Frank) einfach gleichgesetzt werden 
mit der natürlichen Übertragung? Ist es gleichgiltig, ob das infektiöse Ma- 
terial in die kollabierte Urethra des schlaffen Gliedes gebracht wird, oder 
ob die Gonococcen wie beim natürlichen Akte eine ad maximum entfaltete, 
kongestionierte, hyperämische Mukosa antreffen? Darf man das Gesund- 
bleiben ohne weiteres den Instillationen zuschreiben? Was schützt diese 
Männer?, — gibt es eine Immunität? Alle diese Fragen werden eingehend 
“ erörtert und lohnt es sich, diese Erörterung sowie den ganzen Aufsatz im 
Originale durchzusehen. 

Diesen negativen (6) stehen positive (67) Resultate — keine Infektion 
gegenüber; hiervon haben 4 mit notorisch tripperkranken Frauen verkehrt, 
bei 17 kann die größte Wahrscheinlichkeit einer unreinen Cohabitation ange- 
nommen werden. Die Untersuchungsergebnisse decken sich mit den Resul- 
taten der Statistik von R. Loeb, die ein Jahr zuvor veröffentlicht wurden. 
Verf. faßt seine Erfahrungen dahin zusammen, daß er — im Zusammenhalt mit 
den statistischen Ergebnissen R. Loebs — die Schutzkraft der mit Miktions- 
schutz kombinierten Instillationsprophylaxe nicht eben als eine hohe be- 
zeichnen zu können glaubt, wohl aber als eine so beträchtliche, daß man 
diese Kombination, vorausgesetzt, daß dem Verfahren keine Nachteile anderer 
Richtung anhaften, empfehlen könnte. 

Damit hat Campagnolle den Übergang zum Il. Abschnitte gefunden, 
dessen Leitmotiv ist, Primum, non nocere, was aber leider nicht erfüllt wird 
durch die irritative Wirkung, die mit der Häufigkeit der Instillationen steigt 
und wohl von keiner Harnröhre auch bei mäßigem Gebrauch reaktionslos 
vertragen wird. Es besteht eine sehr variierende Disposition zu diesen che- 
mischen Reizen, eine auffällig schwankende Irritabilität. Als zur Irritabilität 
disponierende, im Patienten selbst gelegene Momente sind in erster Linie 
vorausgegangene Urethritiden, welche Fadenbildung hinterlassen haben, zu 
nennen, vor allem natürlich überstandene Tripper, aber eben so sehr nicht. 
gonorrhoische (extragonorrhoische) Urethritiden, wie unsere Instillationskatarrhe 
selbst, ferner konstitutionelle Anomalien oder Erkrankungen, chronische Kon- 
gestivzustände der Harnröhre.. Das Resultat der Reizung ist bei variabler 
Schmerzempfindung eine neue spezielle Form von traumatischer Urethritis. 
Ihre wichtigsten und konstanten Merkmale sind das Fehlen von Inkubation 
und der typische, negative Befund von Mikroorganismen. Es gibt akute, 
rasch abklingende und chronische, prognostisch ungünstige Fälle mit Neigung 
zu außerordentlicher Verschleppung und geringer therapeutischer Beinfluß- 
barkeit. Der Prozeß kann übergreifen auf Posterior und Prostata und Infil- 
trationsherde setzen. Außer dieser Bedeutung der irritativen Urethritis als 
selbständiger Erkrankung liegt seine weitere auch darin, daß die durch sie 
gesetzten entzündlichen Veränderungen der Urethralmukosa diese zu einem 
außerordentlich günstigen, geradezu präparierten Termin für eine (sei es trotz 
neuerlicher Instillation oder ohne diese) akquirierte, aufgepfropfte Gonorrhoe 
‚gestalten. Die Inkubation und Prodomalzeit ist dann wesentlich abgekürzt; 
der Verlauf des Trippers selbst verzögert mit Neigung zu Rezidiven und 
Komplikationen. 

3% 





284 — 


Es besteht ferner die Gefahr, daß nicht verheilte Tripper für Reiz- 
katarrh gehalten und weiter verbreitet werden. 

Der Ill. Abschnitt ist gewidmet den bisherigen Publikationen über Re- 
sultate der Instillationsprophylaxen von R. Loeb, Michels, v. Dithmar, 
Blokusewski, Jesionek, Feibes, Welander, Benario, wobei er be- 
merkt, daß das Verfahren bei der Marine eine Praeabortivbehandlung ist, 
wendet sich dann zu den anderen Formen der Desinfektionsprophylaxe des 
Trippers, spez. den Injektionen, die sich durch das prolongierte Verfahren 
des Vorzugs einer hohen Kontaktsicherheit, des Nachteils größerer Schleim- 
hautirretation erfreuen. 

Zum Schlusse erörtert Campagnolle die Gesämintaronhnläke, die 
eine Kombinationsprophylaxe gegen Lues und Tripper sein müßte, tritt warm 
ein für die Benutzung der Condome, die bis heute noch den besten Schutz 
gewähren, bespricht die neueren Versuche (Strebel, Feibes, Richter), die 
eine doppelte Prophylaxe mit „einer“ Schutzwaffe anstreben. Das Ideal‘ 
einer Gesamt-Kontaktprophylaxe wäre, eine völlig indifferent fettartige Sub- 
stanz zu finden, die — in die fossa gebracht — stark genug adhärent wäre, 
um durch die Ejakulation nicht fortgerissen, löslich genug, um durch den 
Harnstrahl, teilweise wenigstens, ausgespült zu werden. Steiner-Mannheim. 


Koßmann: Darf der Arzt zum außerehelichen Geschlechtsver- 
kehr raten? (Zeitschr. z. B. d. G. 1905, Nr. 4.) 

Dieser Frage, die Marcuse dem männlichen wie dem weiblichen Ge- 
schlecht gegenüber bejaht, verhält sich Koßmann ablehnend gegenüber 
— vom Standpunkt des Gynäkologen. Die Insulte, die durch sexuelle Enthal- 
tung gesetzt werden, werden gedacht als nemomechanische, neuroctermische 
und psychische. Diese müßten paralysiert werden können durch die unwill- 
kürliche Pollution und durch den durch Masturbation herbeigeführten will- 
kürlichen Samenerguß. Eine Retention dieser Sekrete müßte zu einer Schä- 
digung führen, was K. von der Hand weist, da auch bei den in Abstinenz 
gehaltenen Haustieren Neurosen nicht beobachtet werden. Die Gesundheits- 
störungen sind bei den vermeintlich Abstinenten nicht Folge der Abstinenz, 
sondern der Masturbation, wenn sie auch negiert wird. Bei der Frau wird 
weder durch Coitus noch durch Masturbation eine Druckverminderung im 
Uterus oder Eierstock herbeigeführt, sondern einzig und allein durch Men- 
struation und Ovulation. 

Es resultieren noch die psychischen Störungen durch Abstinenz, die 
in vereinzelten Fällen vorkommen, die aber durch Ausübung des vom Arzt 
empfohlenen Coitus keine Herabminderung erfahren, eher eine Steigerung 
durch den sich häufig nachträglich einstellenden Ekel, namentlich bei reli- 
giös veranlagten Gemütern. Dazu gesellen Sich der Verzicht auf Heirat, die 
gesellschaftliche Ächtung im Falle des Ruchbarwerdens, die Abhängigkeit vor 
ev. Mitwissern und die Furcht vor Konzeption und die bei eingetretener Kon- 
zeption erfolgenden Abtreibungsversuche. Es gibt kein sicheres und unge- 
fährliches Schutzmittel für die Frau. Coitus ohne Konzeption führt fast 
regelmäßig zur metritischen Vergrößerung .des Uterus und zur Hyperplasie 
des Uterus. Dazum kommt noch die Infektionsgefahr. 








— 285 — 


Es muß darauf hingewirkt werden, die Stärke des Geschlechtstriebes 
herabzusetzen, und die hemmenden Momente zu stärken. SteiserMannheim. 


Hirsch: Darf der Arzt zum außerehelichen Geschlechtsverkehr 
raten? (Zeitschr. z. B. d. G. 1905, Nr. 4.) . 

Nach Hirsch rechtfertigen weder theoretische Überlegung noch prak- 
tische Anwendbarkeit den Satz, daß es dem Arzte erlaubt ist, dem unver- 
heirateten Weibe den Geschlechtsverkehr zu raten. Seine Ausführungen 
decken sich mit denen Koßmanns, wobei H. die anerkennenswerte Frage 
aufwirft, ob der Arzt seinen nächsten weiblichen Verwandten den Coitus un- 
bedenklich empfehlen würde. Steiner-Mannheim. 


Kampfmeyer: Die Wohnungsmißstände im Prostitutions- und 
Schlafgängerwesen und ihre gesetzliche Reform. (Zeitschr. z. B. d. G. 
1905, Nr. 5 u. 6.) | 

Die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten eines Bezirkes hängt aufs 
Engste mit der Ausdehnung der kontrollierten und geheimen Prostitution des 
Bezirkes zusammen. Das Schlafgängerwesen hat keinen nur irgendwie er- 
heblichen und feststellbaren Einfluß auf die. Geschlechtskrankheiten. Die 
Maßnahmen müssen sich auf die eigenartigen Wohnungsmißstände der Pros- 
tituierten der deutschen Groß- und Mittelstädte beziehen. Diese müssen 
darin gipfeln, die Wohnung der Prostituierten in einen möglichst sanitären 
Prostitutionsbetrieb zu verwandeln, das Wohnen der Prostituierten möglichst 
wenig auffällig zu gestalten und ihm jeden öffentliches Ärgernis erregenden 
Charakter zu nehmen. Es gelingt aber keineswegs, in allen Großstädten die 
Prostituierten in eine Anzahl von Häusern oder in eine Reihe von Unzuchts- 
straßen hineinzudrängen. Selbst die kontrollierte Prostitution macht sich 
schon außerhalb der dem Prostitutionsbetriebe überwiesenen Häuser und 
Straßen geltend, geschweige denn die geheime Prostitution. Es muß ein 
Wohnungsgesetz geschaffen werden für die Prostituierten, bei dem die Woh- 
nungspflege von der allgemeinen Polizeitätigkeit zu scheiden ist, das unge- 
fähr folgende Bestimmungen enthält: 

„Mietwohnungen, die von Prostituierten bewohnt werden, dürfen sich 
nicht in der Nähe von Kirchen, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden 
befinden und sind möglichst außerhalb der verkehrsreichen Straßen und 
Plätze zu legen. Die an Prostituierte vermieteten Wohnungen dürfen nicht 
in anstößiger oder nur aufsehenerregender Weise das Prostitutionsgewerbe 
in die Öffentlichkeit treten lassen. Prostituierte dürfen nur in Einzelwoh- 
nungen oder in Familienhaltungen ohne Kinder und Minderjährige aufgenom- 
men werden. In den Wohnungen der Prostituierten dürfen nur ältere Per- 
sonen (über 40 Jahre) Handreichungen und Hausdienste verrichten. Den 
Prostituierten muß stets ein eigenes, von der Familienhaushaltung getrenntes 
Zimmer mit eigenem Bett und ausreichenden Einrichtungen für die Reinlich- 
keitspflege zur Verfügung stehen.“ 

Eine eingehende sozial- und sanitätsstatistische Untersuchung brachte 
den Nachweis, daß das Schlafgängerwesen keinen entscheidenden Einfluß auf 
die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten hat. Ein völlig unkotrolliertes 


— 286 — 


Schlafgängerwesen kann aber immerhin eine solche ermöglichen, deshalb 
fördert Kampfmeyer auch hierfür Wohnungsordnungen mit genauer Be- 
grenzung der Anzahl der aufzunehmenden Personen, Ausschluß der verschie- 
denen Geschlechter und Vorbestrafter, sowie eine Regelung der hygienischen 
Vorschriften für die Vermieter, Abweisung von Personen mit ansteckenden 
Krankheiten. SteinerMannheim. 


Kade: Kurpfuscherei und Geschlechtskrankheiten, (Zeitschr. z. 
B. d. G. 1903, 11.) 

Für den Beginn des Gewerbebetriebes eines krankenbehandeinden 
Nichtarztes müßte polizeiliche Genehmigung eingeholt werden. Die Reklame 
und briefliche Behandlung müßte verboten werden. Wenn durch das mit 
Strafandrohung zu unterstützende Verbot der öffentlichen Anpreisung der 
Heiltätigkeit auch eine Reihe annoncierender Ärzte getroffen werden würde, 
so könnte dies nur mit Genugtuung begrüßt werden. Der Nichtarzt müßte 
ein von der Aufsichtsbehörde zu kontrollierendes Journal führen über seine 
Patienten, deren Angaben über ihre Krankheit, seine Diagnose und Therapie 
sowie Dauer der Behandlung. Steiner-Mannheim. 


A. Biaschko-Berlin: Syphilis und Lebensversicherung. (Allge- 
meine Wiener medizinische Zeitung Nr. 9—12, 1904.) 

Nach kurzer Erörterung der Verbreitung der Geschlechtskrankheiten, 
— nach ihr erwirbt sich durchschnittlich ein junger Mann nach fünf Jahren ein- 
mal eine Gonorrhoe und in demselben Zeitraum jeder zehnte junge Mann 
Syphilis — wendet sich der Verfasser zu der Frage der großen Bedeutung der 
Syphilis für die Lebensversicherung. Trotzdem es noch zur Zeit an dem er- 
forderlichen Material zur exakten Beantwortung fehlt, versucht B. die wich- 
tigsten Fragen zu beleuchten, auf welche es der Lebensversicherung bei der 
Syphilis ankommt. Es sind dies: 1) Wie groß ist der Prozentsatz der Sy- 
philitiker unter den Versicherten: a) zur Zeit der Versicherung (jeder fünfte 
Versicherungsnehmer ist syphilitisch), b) wie oft wird Syphilis nach stattge- 
fundener Versicherung erworben? Die folgenden Fragen beschäftigen sich 
mit der Prognose der Syphilis: 2) In welchem Prozentsatz der Todesfälle 
überhaupt muß Syphilis als Todesursache betrachtet werden? 3) In wie 
vielen Fällen ist die Syphilis als direkte nächste, in wie vielen als indirekte 
(begünstigende) Todesursache anzusehen? 4) In wie vielen Fällen wird die 
Lebensdauer durch die Syphilis abgekürzt? 5) Um wieviel wird durchschnitt- 
lich die Lebensdauer durch eine voraufgegangene Syphilis abgekürzt? 6) Unter 
welchen Formen gibt sich der lebensverkürzende Einfluß der Syphilis kund? 
7) Von welchen Momenten hängt der mehr oder minder schwere Verlauf der 
Syphilis im Einzelfalle ab? 8) Läßt sich aus gewissen Anzeichen der mehr 
oder minder schwere Verlauf der Erkrankung mit Wahrscheinlichkeit vor- 
hersagen ? 

Die Statistik der tertiären Syphilis ist — ganz abgesehen davon, daß sie 
aus mehrfachen Gründen unbrauchbar ist — schon deswegen für die Lebens- 
versicherung nicht verwertbar, weil sie sich nicht mit der Lebensdauer be- 
schäftigt. Hier würde vor allem eine statistische Bearbeitung der Akten der 











— 287 — 


Lebensversicherungsgesellschaften notwendig sein. Verf. bespricht kurz die 
vornehmlichen totbringenden Krankheitsformen der Syphilis (bezüglich der 
Tabes teilt er den Erbschen Standpunkt) d. s. Tabes, progressive Paralyse 
und Aneurisma Aortae. „Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Prozent- 
satz der durch Syphilis bedingten oder mitbedingten Todesfälle unter den 
Versicherten allermindest zu 5°/,, unter den großstädtischen Versicherungs- 
nehmern wahrscheinlich sehr viel höher, auf 8 oder: gar 10°, beziffert.“ 
Die Lebensverkürzung durch die Syphilis gibt B. auf 4—5 Jahre an (appro- 
ximativ).. — Die siebente und achte der obigen Fragen läßt sich aus ver- 
schiedenen, von B. erörterten Gründen nicht strikte beantworten. Zum 
Schluß der zu weiteren Forschungen anregenden Ausführungen geht Ver- 
auf die Frage ein, wie sich die Lebensversicherungen den Geschlechts- 


kranken, besonders Syphilitikern, gegenüber zu verhalten haben. 
Blanck-Potsdam. 


O. Mankiewicz- Berlin: „Die Prostatahyperthrophie‘. (Neuere 
Anschauungen über ihre Aetiologie und Behandlung). (Medizinische Klinik 
1905, Nr. 8.) 

Nach Erwähnung der bisherigen Ansichten über die Aetiologie der 
Prostatahypertrophie, bespricht Verfasser die neuen Arbeiten, welche die Ent- 
stehung dieser Affektion auf die chronische Entzündung der Prostata zurück- 
führen. Ausgehend von den Befunden, welche Finger für die chronische 
Gonorrhoe der hinteren Harnröhre angegeben hat, zeigt M. an der Hand 
einer Arbeit von Ciechanowski, wie sich die Hypertrophie der Prostata 
aus der chronischen Entzündung derselben entwickelt. 

Die produktiven Bindegewebsprozesse, welche ihren Sitz im Stroma 
haben und konstant herdförmig auftreten, führen bei ihrer Lokalisation um 
die Hauptausführungsgänge der Drüsen zur Verengerung und zum Verschlusse 
derselben, was eine Stauung des Drüseninhaltes und eine Vergrößerung der 
Drüsenräume zur Folge hat. Diese Vergrößerung wird gesteigert durch gleich- 
zeitige endoglanduläre Prozesse, welche katarrhalischen oder katarrhalisch- 
eitrigen Karakter haben. Daraus wird geschlossen, daß die Vergrößerung 
der Vorsteherdrüse fast ausschließlich auf die Erweiterung der Drüsenräume 
zu beziehen ist; ferner — da die meisten Fälle von chronischen Entzündungs- 
prozessen durch Gonorrhoe bedingt und bei diesen Entzündungen der Prostata 
sehr häufig sind und da auch die mikroskopischen Befunde von C. bei 
Prostatahypertrophie mit denen bei chronischer Gonorrhoe ziemlich überein- 
stimmen —, so ist der Zusammenhang der Prostatahypertrophie mit der chro- 
nischen Gonorrhoe „als sehr -wahrscheinlich“ anzusehen. Diese Ansichten 
Ciechanowski’s werden gestützt durch Arbeiten von Virchow, Rot- 
schild, Daniel Laurence, während Rovsing denselben widerspricht, da 
nur etwa 10°, seiner an Prostatahypertrophie leidenden Patienten Gonorrhoe 
gehabt haben. (Hier vermißt Ref. den Hinweis auf die Urethritis posterior 
und Prostatitis, verursacht durch andere Bakterien, wie sie neuerdings öfters be- 
schrieben wurden und die jeder Urologe kennt. Ferner ist die Urethritis posterior 
mit Colliculitis seminalis und Prostatitis chronica, wie sie bei Sexualneuras- 
thenikern infolge von Onanie, Coitus interruptus und Excessen in venere 


— 288 — 


sehr oft gefunden werden und lange bestehen, nicht erwähnt). Wichmann 
erkennt als Aetiologie die Entzündung der Prostata nur für vereinzel- 
te Fälle an. 


M. wendet sich dann zur Besprechung der neueren Therapie, wobei er 
die vesicale Methode der Prostatectomie nach Freyer und die perineale 
Methode eingehend bespricht. Über einen Nutzen, welche die Therapie aus 


dieser neuen ERATURE i der Aetiologie zog, berichtet M. nichts. 
Dr. Poliock-Freiburg i. B. 


Il. Besprechungen. 





Verhandlungen der „Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie“. 
Zehnte Versammlung. Würzburg, 3.—6. Juni 1903. Herausgegeben von 
M. Hofmeier und J. Pfannenstiel. (Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1904.) 


Aus den Verhandlungen, die sich bekanntlich der Hauptsache nach 
mit Tubargravidität und Prolaps befaßten, ist für die Leser der „Monatsschr. 
f. Harnkrankheiten“ folgendes hervorzuheben: 


Franz (Halle) hat bei einer. Frau, bei der wegen Carcinoms Totalex- 
stirpation des Uterus nötig wurde, 41/; Monate nachher Jmplantation des 
Ureters in die Blase vorgenommen. Die Blase wurde nach Freilegung des 
Ureters hochgezogen, fixiert, eine Öffnung gemacht und der Ureter, durch 
dessen Ende ein Faden gelegt war, mit diesem so eingenäht, daß die Nadel 
bis gerade oberhalb der Blasenschleimhaut durchgeführt wurde; über dem 
Ureter wurde dann die Blase noch durch einige Knopfnähte, die den Ureter 
‚ nicht mit faßten, zu einem Kanal vereinigt. Die Pat. starb an Pneumonie, und 
die Einpflanzungsstelle des Ureters wurde mikroskopiert; es zeigte sich keine 
Spur entzündlicher Veränderung. ' Die Mündungsstelle zeigt sich jedesmal 
nur als ein kleines, der Ureterpapille, ähnliches Grübchen, die Jmplantation 
macht jedesmal, wie auch Stöckel in der Diskussion betont, eine vorüber- 
gehende Hydronephrose. Asch legt nur zwei Fadenzügel durch das Ureter- 
ende und zieht sie durch die Blase zur Urethra heraus, nachdem die Blase 
oder Scheide über der Jmplantationsstelle vereinigt sind. 


Baisch (Tübingen) spricht über „Aetiologie und Prophylaxe 
der postoperativen Cystitis“. Sie hat bisher viel zu wenig Beachtung 
gefunden. Gegenwärtig stehen sich zwei Anschauungen bezüglich der Ätio- 
logie gegenüber, nämlich die, daß einerseits die Einschleppung infektiösen 
Sekretes durch den Katheter, andererseits die Immigration der Darmbakterien 
(Bact. coli) die Ursache sein soll. B. suchte nun möglichst die bei der 
Cystitis vorkommenden Bakterien festzustellen und zu indentifizieren. Dabei 
ergab sich Folgendes: Meist beginnt die Cystitis am 4., 5. oder 6. Tag p. op.; 
in den Plattenkulturen fand sich vorwiegend Staphyloc. albus, seltener 
aureus, fast nie Colibacterium; dies tritt erst nach einigen Tagen auf, wenn 
weiter katheterisiert wird, die Staphyloc. treten mehr und mehr zurück und 
endlich handelt es sich nur um Reinkulturen von Bact. coli; letzteres ist 





— — — | = —— —— he iai G =- a _ 5 


— 289 — 


nicht der Erreger, sondern die Coliinvasion stellt eine sekundäre Einwanderung 
dar. Dasselbe scheint auch für die Pyelonephritis zu gelten. Die Cystitis- 
erreger sind also in erster Linie Staphylococcen; diese sind regelmäßige Be- 
wohner der Harnröhre bei den operierten Frauen, ebenso wie Bact. coli. 
Für Entstehung der Cystitis ist aber noch ein weiteres Moment nötig, das 
Trauma und zwar in erster Hinsicht die bei gynäkologischen Operationen 
oft unvermeidlichen Zerrungen und Ablösungen der Blase. 


Was nun die Prophylaxe angeht, so sind die mit dem Katheter un- 
vermeidlich eingebrachten Keime durch Injektion desinfizierender Lösungen 
unmittelbar nach jedem Katheterismus abzutöten. Die Abtötung gelingt 
nicht immer, aber die Lösungen üben einen Reiz aus, wodurch bald spontane 
Urinentleerung ausgelöst wird; damit ist eine wesentliche Bedingung für die 
Entstehung des Blasenkatarrhs ausgeschaltet. Zur Injektion am Abend des 
Operationstages werden 20 ccm 20/, Borglycerins verwendet und zwar ge- 
schieht die Einspritzung ohne vorherige Katheterisation mit Nelaton-Katheter 
und Stempelspritze in die volle Blase; fast regelmäßig tritt nach 5—10 Mi- 
nuten Entleerung ein. Nicht von Erfolg begleitet ist die Methode nach der 
eingreifenden Wertheim’schen Operation. Vogel-Aachen. 


George M. Phillips and forty distinguished authorities: Prosta- 
tic Hypertrophy from every surgical standpoint. Edited and compiled 
by S. C. Martin. (The Ajod Company, St. Louis.) 


Das vorliegende Buch soll den Arzt mit den modernen Ansichten über 
das Wesen, Ursache und Behandlung der Prostatahypertrophie vertraut 
machen. Dazu hat der Herausgeber eine Umfrage bei 40 der bedeutendsten 
Chirurgen und Spezialärzte Amerikas veranstaltet. Zur Beantwortung lagen 
14 Fragen vor: 1. Welchen Anteil hat die Beschäftigung an dem Entstehen 
der Prostatahypertrophie®? 2. Welche Menschen erkranken am häufigsten, 
die plegmatischen oder nervösen, die mageren oder fetten® 3. Ätiologie der 
Krankheit? 4. Welche Dienste leistet das Cystoskop für die Diagnose und 
welches Instrument verdient den Vorzug? 5. Welchen Einfluß haben Ge- 
wohnheiten, insbesondere Alkoholismus und Constipation auf die Entstehung 
der Krankheit? 6. Für welche Fälle eignet sich die palliative Behandlung 
und worin besteht diese? 7. Erfahrungen mit der Ligatur des Vas deferens? 
8. mit der Kastration? 9. mit der Bottini’schen Operation? 10. mit der 
suprapubischen Drainage? 11. mit der Prostatectomia suprapubica® 12. mit 
der Prostatectomia perinealis? 13. Operation der Wahl? 14. Komplikationen 
während und nach der Operation? — Wir versagen es uns, alle Ärzte nament- 
lich anzuführen, die Beiträge geliefert haben, wir nennen nur ohne jede Aus- 
wahl: Morris, Murphy, Park, Fuller, Otis, Beck, Ferguson, East- 
man, Guiteras, Lewis, Valentine etc. Eine kurze Einleitung über die 
Anatomie und Physiologie der Prostata führt in das interessante Büchlein 
ein. Die Lektüre gewährt reichlichen Gewinn für den Leser und es wäre zu 
wünschen, daß ähnliche Umfragen über aktuelle Fragen der Medizin auch in 
anderen Ländern veranstaltet und in Buchform einem größeren Leserkreis 
zugänglich gemacht würden. Solche Unternehmen würden für die Vertiefung 


— 290 — 


der ärztlichen Bildung von großem Werte sein und theoretische Fortbildungs- 


kurse ergänzen und z. T. ersetzen. — Ausstattung und Druck lobenswert. 
Blanck - Potsdam. 


Dr. Schuster: Die Syphilis, deren Wesen, Verlauf und Be- 
handlung, nebst kurzer Besprechung des Ulcus molle und der Go- 
norrhoe. 4. Auflage. (Berlin 1903. Verlag von Richard Schoetz.) 

In diesem Jahre erschien die vierte Auflage der bekannten Arbeit über 
die Syphilis, ihr Wesen und Behandlung. Es würde sich erübrigen, bei den 
vielen, besonders in letzter Zeit erschienenen Arbeiten über dieses Thema 
auf dieses Werk hinzuweisen, wenn wir nicht gerade eine so ausgezeichnete 
sachliche und eingehende Darstellung der uns interessierenden Krankheit 
vor uns hätten. Die sehr lesenswerte verdienstliche Arbeit entstammt der 
Feder eines Kollegen, der, aus dem Schatze seiner über 30 jährigen Erfahrung 
schöpfend, in gründlicher Darstellung uns ein anschauliches Bild über das 
Wesen der Syphilis entwirft. Nachdem der Verfasser das S. virus und sein 
Auftreten in Europa einer Besprechung unterworfen, den Standpunkt des 
Unitarier und Dualisten in Kürze gewürdigt, geht er auf den Verlauf der 
primären Affektion über, den er in klarer und sehr verständlicher Weise be- 
schreibt. Besonderen Dank verdient der Autor durch seine Darstellung der 
Nervensyphilis, der er als dem „Brennpunkt der Nervenkrankheiten* einen 
breiteren Raum widmet und so dadurch das Werk zu einem besonders wert- 
vollen macht. Am Schlusse des Ganzen bringt der Verfasser eine ver- 
gleichende Zusammenstellung der Symptome der vier großen Gehirnrücken- 
markskrankheiten: Tabes, Multiple Herdsclerose, progressive Paralyse und 
disseminierte syphilitische Neubildungen. Durch eine kurze und doch ver. 
ständliche Beschreibung des Ulcus molle und der Gonorrhoe, besonders des 
von ihm vertretenen Standpunktes über die Behandlung des gonorrhoischen 
Rheumatismus, mit der er das Werk schließt, hat der Verfasser auch in 
dieser Hinsicht dem Wissensdurste des studierenden Arztes genügt. Die 
Arbeit ist in jeder Hinsicht zu iii Chrzelitzer-Posen. 


J. K. Proksch-Wien: Beiträge zur Geschichte der Syphilis. (Bonn, 
P. Hanstein’s Verlag. 1904.) 

In der vorliegenden Arbeit gliedert der berühmte Wiener Historiker 
seine Beiträge zur Geschichte der Syphilis in drei Abschnitte. In dem 
ersten, „Die Syphilis-Endemieen und die Epidemie“ betitelten, behandelt der 
Verfasser die drei, als Radesyge, Skerlievo und Spyrokolon bekannten Ende- 
mieen des XVIll. und XIX. Jahrhunderts, da „zum Verständnis der ältesten 
Syphilographen überhaupt und besonders zur richtigen Beurteilung der von 
einigen erwähnten Epidemie zu Ende des XV. und anfangs des XVI. jahr- 
hunderts zwar die genauere Kennthis der gesamten einschlägigen Literatur, 
vorzüglich aber die über die bisher sogenannten Syphilis- Endemieen im 
XVIII. und XIX. Jahrhundert von eminentester Wichtigkeit ist.“ Wenn es 
noch vor nicht mehr als 50 Jahren möglich war, — und dies sucht P. an der 
Hand der Literatur nachzuweisen — daß die Syphilis-Endemieen dadurch be- 
standen haben, weil Ärzte, Beamte und Laien die Syphilis mit allen erdenk- 








— 291 — 


lichen Exanthemen vermengt haben, so ist es doch nicht unmöglich anzu- 
nehmen, daß bereits vor mehr als 400 Jahren die Syphilis-Epidemie auf die 
gleiche Weise entstanden sein kann. Demnach „hat die Syphilis - Epidemie 
in Wirklichkeit niemals existiert; obwohl sie seit mehr als 400 Jahren bis 
auf den heutigen Tag in der einschlägigen Literatur vieltausendmal be- 
schrieben oder doch erwähnt wird.“ — Der zweite Abschnitt handelt über 
„die Semiotik der ältesten Syphilographen.“ Wie wenig es berechtigt ist, an 
der Hand der ältesten Syphilographen zu der Annahme zu gelangen, daß 
die Krankheit zu jener Zeit einen ganz außergewöhnlichen Charakter gezeigt 
habe, sucht Verf. durch eine summarische Betrachtung der damals allgemein 
geltenden Symptomatologie, insbesondere der von Paracelsus beschriebenen, 
zu beweisen. „Es ist durchaus unwissenschaftlich, anzunehmen, daß sich die 
Syphilis zu Ende des XV. und anfangs des XVI. Jahrhunderts unter anderen 
Formen gezeigt habe, als gegenwärtig.“ — Im dritten Abschnitt schließlich 
ergeht sich P. über „die Sage vom amerikanischen Ursprunge der Syphilis.“ 
Da „bei dem amerikanischen Ursprunge der Syphilis der Hauptgrund des 
Irrttums in der Unkenntnis oder in der zu beschränkten und unrichtigen Auf- 
fassung des Entwicklungsganges beruht,“ sucht diesen der Verf. in mög- 
lichster Kürze und Objektivität darzustellen. Die Einzelheiten müssen im 
Original nachgelesen werden. Das Verzeichnis der benutzten Literatur ist 
angefügt. Blanck-Potsdam. 


Ad. Alf. Michaelis: Der Schmerz, ein wichtiges diagnostisches 
Hilfsmittel. (Leipzig 1905, Verlag der Monatsschrift für Harnkrankheiten 


und sexuelle Hygiene, W. Malende. Preis 3 Mark.) 


Inhaltsangabe: 

Einleitung. Der Schmerz in poetischer und philosophischer Beleuch- 
tung; seine teleologische Bedeutung und Stellung zu der belebten Natur. 
Dichterische Umkleidungen, philosophische Sinnsprüche und ärztliche Aus- 
sprüche über den Schmerz. — I. Zur Physiologie des Schmerzes. All- 
gemeine Vorbemerkungen. — Was ist Schmerz? — Wie und wo entsteht der 
Schmerz? — Hat der Schmerz eine bestimmte Qualität? — Die Ursache des 
Schmerzes. — II. Pathologisches über den Schmerz. Diagnostik des 
Schmerzes. — Charakteristik der verschiedenen Schmerzformen. — Schmerz- 
Prognosen. — Ill. Semiotik. Spezielle semiotische Betrachtung der ein- 
zelnen Schmerzarten: 1. Kopfschmerz. 2. Haarschmerz. 3. Hinterhauptschmerz 
(Nackenschmerz). 4. Ohrenschmerz. 5. Augenschmerz. 6. Gesichtsschmerz. 
7. Mundhöhlenschmerz. 8. Zahnschmerz (und Zahnfleischschmerz). 9. Zungen- 
schmerz. 10. Schlundschmerz. 11. Halsschmerz. 12. Brustschmerz. 13. 
Brüsteschmerz. 14. Herzschmerz. 15. Magengrubenschmerz. 16. Bauch- 
schmerz. 17. Rückenschmerz. 18. Kreuzschmerz. 19. Mittelfleischschmerz. 
20. Harnröhrenschmerz. 21. Mastdarmschmerz. 22. Knieschmerz. 23. Waden- 
schmerz. 24. Fußschmerz. 25. Fingerschmerz. 26. Gelenkschmerz. 27. 


_ Gliederschmerz. 28. Wehenschmerz. 29. Wachstumsschmerz. 30. Adipositas 


dolorosa. — Erklärung einschlägiger Fachausdrücke. 
In drei Teilen behandelt Verfasser den Schmerz, für den Leidenden 
meist die unangenehmeste Krankheitserscheinung, für den Arzt ein wichtiges 


— 292 — 


Hülfsmittel zur Erkennung der vorliegenden Krankheit. : Im I. Teile behandelt 
Michaelis die Physiologie, im zweiten Teile die Pathologie, im dritten die 
Semiotik des |Schmerzes. Der letzte ist für den Arzt der wichtigste Teil. 
Alle bekannten Schmerzarten werden eingehend beschrieben vom Kopfschmerz 
bis zu den Zehenschmerzen und ihre Bedeutung für die Krankheitserkennung 
eingehend gewürdigt. So bildet das Buch eine wertvolle Ergänzung zu den 
bestehenden Lehrbüchern der Diagnostik, in denen die sogenannten objektiven 
Methoden über die subjektiven, auf Gefühlsangaben des Kranken beruhenden, 
stets überwiegen. Das eine tun, das andere nicht lassen, dürfte hier die 
beste Richtschnur für den Arzt abgeben. Neben einer gründlichen Kenntnis 
der objektiven Untersuchungswege, wird eine genaue Bekanntschaft der 
Schmerzarten dem Arzte ein gutes Hülfsmittel zur Erkennung krankhafter 
Störungen sein. War doch die eingehende Bekanntschaft der Klagen des 
Kranken das wichtigste Erkennungsmittel der alten Ärzte von Hippokrates 
bis Hufeland, an deren Sprachweise die Schrift Michaelis vielfach erinnert. 
Trotz der Reichhaltigkeit der dreißig Kapitel, in denen die verschiedensten 
Schmerzarten abgehandelt werden, ist in der Arbeit der Zusammenhang zwi- 
schen Liebesleben und Schmerzempfindung nicht besprochen. Ein Abschnitt 
Schmerzgeilheit fehlt. — Alles in allem: ein eigenartiges Werk, wie es auf 


dem deutschen Büchermarkte meines Wissens bisher noch nicht existierte. 
W. Hammer-Berlin. 


IV. Notizen.. 


VII. Deutscher Samaritertag. Bei der Tatsache, daß zwei der be- 
deutenden Ärzte Deutschlands, die Herren Professoren von Esmarch und 
von Bergmann, auf dem am 1. und 2. Juli in Kiel stattfindenden Samariter- 
tag Vorträge halten und ihre Erfahrungen mitteilen werden, durfte man schon 
erwarten, daß der Versammlung das größte Interesse entgegengebracht 
würde. Die zahlreich eingegangenen Anmeldungen zum Samaritertag sind 
denn auch ein Beweis dafür. Zugleich geben sie ein schönes Zeugnis dafür 
ab, daß trotz unserer materiellen Zeit, in gewissem Sinne wohl auch „als 
eine natürliche Reaktion auf dieselbe“, Bestrebungen praktischer Menschen- 
liebe noch immer einen guten Boden finden. Und wenn letztere von so 
sachverständigen. Männern geleitet und gefördert werden, so ist auch der 
Erfolg gesichert, wie er in der stetig wachsenden Bedeutung des Deutschen 
Samariter-Bundes zum Ausdruck kommt. — Wir wünschen, daß die ersprieß- 
liche Tätigkeit des Deutschen Samariter-Bundes, die sowohl auf dem Gebiete 
der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, als auch auf dem der Krankenpflege bis- 
her schon so viel Nützliches, zum Teil ganz neue Einrichtungen geschaffen 
hat, auch weiterhin von gleichen Erfolgen begleitet sein möge. 











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Heft 7. Juli 1905. | Jahrgang Il. 





Inhaltsübersicht. 


I. Originalarbeiten: 


1. 
2; 


3. 
4. 


Dr. Robert Lucke-Magdeburg: „Über Novargan.“ 

Dr. Josef Barabäs: „Die Behandlung der Bubonen nach der Porosz’- 
schen Methode.” 

Dr. M. A. Stern: „Über sexuelle Neurasthenie." 

Dr. Blokusewski- Niederbreisig a. Rh.: Erwiderung auf Dr. Große’s 
Arbeit „Schutzmittel gegen Geschlechtskrankheiten.“ (Jahrgang Il, 
Heft 6 dsr. Ztschrft.) 


Il. Referate: 


1. 
2, 


3. 


Fr. Rosenbach: „Zur pathologischen Anatomie der Gicht.“ 

M. Löhlein: „Über Fettinfiltration und fettige Degeneration der Niere 
des Menschen.“ 

Alexander Raphael: „Über eine empfindliche Methode zum Nachweis 
von Gallenfarbstoff im Harn.“ 


. C. Strzyzowski: „Eine praktisch leicht ausführbare Harnprobe bei 


Diabetes.‘ 


. O. Moritz: „Zur Kenntnis der Eiweiskörper im nephritischen Urin.“ 
. W. v. Grot: „Zur Kasuistik der Penisverletzungen.‘ 
. P. A. Baratynski: „Zur Frage von der nachfolgenden Behandlung der 


Harnblasenwunde beim hohen Steinschnitt.“ 


. G. Nicolich-Triest: „Über die verschiedenen klinischen Formen der 


Prostatahypertrophie und über ihre Behandlung.“ 


. Follen-Cabot: „The Cystoskope as an aid in genitourinary surgery.“ 
. Dr. Mortier: „Die spät auftretenden Erscheinungen der Prostatahyper- 


trophie.“ 


. Dr. Julius Vogel-Berlin: „Praktische Ergebnisse aus dem Gebiete der 


Nierenerkrankungen.“ 


. Karl Bartscht: „Ein Beitrag zur Lehre vom Koma diabetikum als 


Säureintoxikation.“ 
1 


Ill. 


IV. 


13. 
14. 


15. 
16. 


17. 
18. 


19. 
20. 


21. 


22. 


23. 


24. 


25. 
26. 


27. 


— 298 — 


F. Hirschfeld-Berlin: „Zur Prognose des Diabetes.‘ 

C. Posner und L. Rapoport: „Prostatasekret und Prostatitis. Ein 
Beitrag zur Entzündungsfrage.“ 

Langstein: „Beiträge zur Kenntnis des Diabetes mellitus im Kindesalter.“ 
A. Freudenberg-Berlin: „Ein neues Ureterenkystoskop für den Kathe- 
terismus eines oder beider Ureteren.‘“ 

J. Wallerstein: „Über die fistula urethrae penis congenita vera.“ 

Max Dapper: „Über die Behandlung des Diabetes mellitus mit dem 
Geheimmittel „Djoeat‘. 

A. Hermann: „Zur operativen Behandlung des Kryptorchismus.“ 

D. N. Rosnatowski: „Beitrag zur Frage der totalen Exstirpation der 
Prostata.“ 

Dr. Tada Urata: „Experimentelle Untersuchungen über den Wert des 
sogen. Cr&ede’schen Tropfens.“ 

M. N. Moskalew-Kiew : „Experimentelle Überimpfungen von Gonococcen 
auf kleine Laboratoriumstiere und serotherapeutische Versuche. 

C. Ströhmberg: „Die Abnahme der Gonorrhoe bei den Dorpater Prosti- 
tuierten seit dem Jahre 1898. 

Dr. Karl Flügel-Frankfurt a. M.: „Über Rectalgonorrhoe bei Vulvova- 
ginitis infantum.“ 

Svoboda: „Ein Fall von Hermaphroditismus bei einem Kinde.“ 
Thimm-Leipzig: „Vasenol — eine neue Arznei — Mittelgrundlage für 
Salben, Pasten und Injektionsflüssigkeiten.“ 

P. I. Tichomirow- Kasan: „Über einen Fall von multipler Neuritis sy- 
philitischen Ursprungs.“ 


Besprechungen: 


1. 


Ja 


Jos. Englisch (Wien): „l. Ūber Praeputialsteine.“ 

Derselbe: „ll. Über eingelagerte und eingesackte Steine der Harnröhre.“ 

Derselbe: „Ill. Über eingesackte Harnsteine. Steine des prostatischen 
Teiles der Harnröhre.“ 

Derselbe: „IV. Über Pfeifensteine.“ 

Derselbe: „V. Eingesackte Steine der Harnblase.“ 


. Dr. Georg Flatau: „Die Tabes dorsalis.“ 
. Katharina Scheven: „Denkschrift über die in Deutschland in Bezug auf 


das Bordellwesen bestehenden Verhältnisse und über seine sittlichen, 
sozialen und hygienischen Gefahren.“ 


. Magnus Hirschfeld: „Das Ergebnis der statistischen Untersuchungen 


über den Prozentsatz der Homosexuellen.“ 


5. Magnus Hirschfeld’s „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen‘, 
6. 
7. v. Frisch und Otto Zuckerkand!: „Handbuch der Urologie.‘ 


Paul Richter: „Die Entwicklung der Dermatologie in Berlin“. 


Notizen: 
Dr. Wolff- Metz: „Verwendung des Gonosan bei Urogenital- speziell der 


Biasentuberkulose“. 














— 299 — 


I. Originalarbeiten. 


Ueber Novargan. 
Von Dr. Robert Lucke in Magdeburg. 


Über die Abortivbehandlung der Gonorrhoe mit Novargan habe 
ich im vorigen Jahre in dieser Monatsschrift berichtet und nach wie 
vor kann ich das Verfahren nur empfehlen. Ich will noch hinzufügen, 
daß selbstverständlich die Aussichten auf Erfolg um so geringer werden, 
je mehr Zeit seit der Infektion verstrichen ist und daß Fälle, die auch 
einige Zeit nach der Ansteckung noch geringfügige Sekretion zeigen, 
durchaus nicht gute Ansichten für die Abortivbehandlung bieten, wie 
man von vornherein anzunehmen geneigt ist. Wie nämlich die Er- 
fahrungen mit Novarganinjektionen gezeigt haben, sind diese Fälle über- 
- haupt die am wenigsten zur Novarganbeeinflussung paßenden. Fälle 
dagegen, die sehr schnell stärkere Reizerscheinungen in der vorderen 
Röhre bekommen, werden natürlich, wenn sie auch sonst wohl geeignet 
sind zur Novarganabortivbehandlung, doch sehr leicht die Fortsetzung 
der Kur unmöglich machen. In solchen Fällen kann man mit schwächeren 
Lösungen von 5°, an beginnen. Im übrigen sei erwähnt, daß ich stets 
die Flüssigkeit in der Röhre zurückhalten und etwas verstreichen lasse. 

Was nun die Verwendung des Novargan zu Injektionen beim 
akuten Tripper anlangt, so ist auch für diesen Zweck das Mittel zu 
brauchen, wenn man nicht außer Acht läßt, daß es etwa im Durch- 
schnitt 30%, aller Fälle sein mögen, die zur Novarganbehandlung un- 
geeignet sind; ungeeignet insofern, als sich bald Reizerscheinungen 
(Schmerzen in der U. anterior, frühzeitige Trübung auch des Il. Harns 
und, dieser folgend, Reizerscheinungen, wie bei Urethritis posterior acuta 
bekannt) einstellen. Es sind durchgängig Fälle, die urethroskopisch 
nachher die sog. weiche Infiltration Oberlaenders darbieten. Diese 
Feststellung halte ich für ganz wertvoll. Im übrigen rate ich so zu 
behandeln, daß mit !/, % Lösung begonnen und allmählich mit der Kon- 
zentration gestiegen wird. Ich kann da auf die bekannten Vorschriften 
Neissers und seiner Schüler für Protargol verweisen, nur ist öfters eine 
Steigerung über '/,°% nicht nötig und nicht nützlich. Wie man sich 
im Einzelfail zu stellen hat, läßt sich nur aus dem Fall selbst ersehen. 
Unterwirft man die oben angeführten Fälle nicht oder doch nur mit 


größter Vorsicht der Novarganbehandlung, so wird man vorzügliche Er- 
1 $ 





— 300 — 


fo'ge erzielen, insbesondere sehr zufrieden sein mit der Seltenheit der 
Urethritis posterior, deren mit hochgradigen Reizerscheinungen einher- 
gehende Form so gut wie nicht vorkommt. — In der IV. Woche ist es 
ratsam, zwischen die Novarganinjektionen andere einzuschieben. Dazu 
eignen sich z. B. Arg. nitr., Ichtharpan und Hydrogenium peroxydatum- 
Injektionen, anfangs natürlich in schwachen Lösungen. Namentlich die 
mit letztgenanntem Mittel sind recht empfehlenswert, aber freilich ist 
das reine Wasserstoffsuperoxyd von Merck unangenehm teuer. Wenn 
nun, was in der Regel nicht mehr als 4—6 Wochen erfordert, Gono- 
coccen dauernd nicht mehr zu finden sind, so ist der Fall als von der 
Gonorrhoe geheilt anzusehen, dagegen findet man ihn durchaus nicht 
sicher urethroskopisch normal, mit andern Worten: es kann eine Urethritis 
ohne Gonococcenbefund zurückgeblieben sein. Ob diese U. unbedingt 
in jedem Falle einer Behandlung im Oberlaender’schen Sinne unterworfen 
werden sollte, ist schwer zu sagen, jedenfalls bin ich durchaus ent- 
fernt zu glauben, daß jede Röhre, die urethroskopisch krank ist, wo 
aber Gonococcen nicht nachweisbar sind, doch noch — wie Oberlaender 
will — gonorrhoisch krank und infektionsfähig ist. Den exakten Beweis 
für diese Ansicht ist Oberlaender durchaus schuldig geblieben. Bei der 
von ihm beliebten Behandlung des akuten Trippers mit Adstvingentien hat 
man allerdings leicht einmal das Vergnügen, nach einer Dehnung die vor- 
her nicht mehr gesehenen Gonococcen wieder auftreten zu sehen. 
Aber sobald man erst dehnt, wenn 14 Tage lang auch ohne jede 
Therapie keine Gonococcen mehr aufzufinden waren — und das erlaubt 
uns die Novarganbehandlung, — so wird man vergebens durch Dehnungen 
sich bemühen, Gonococcen mobil zu machen, trotzdem das Urethroskop 
die Röhre verändert zeigt. Damit halte ich diese grundsätzlich wich- 
tige Frage zu Ungunsten Oberlaenders für entschieden. Er sagt „(Die 
chronische Gonorrhoe der männlichen Harnröhre“, Teil I. Leipzig 1901, 
S. 3): „Man hat von bestimmter Seite den Gedanken gehabt, durch 
die sogenannte bactericide Methode der Behandlung eine definitive 
Heilung jeder akuten Gonorrhoe zu stande bringen zu wollen. Es waren 
das ja ganz plausibel erscheinende Gedanken, welche man am Mikros- 
kop und Brutschrank mit Hilfe von industriellen Chemikern zu Papier 
brachte, Gedanken, welche aber von denen, die jahrzehntelange Er- 
fahrungen in der Behandlung der chronischen Gonorrhoe hatten, von 
vornherein in der Praxis als absolut unhaltbar erkannt und zum Teil 
auch gekennzeichnet wurden.“ jede akute Genorrhoe kann man, wie 
wir gesehen, allerdings nicht mit Novargan zur Heilung bringen, man 


ee 


— 301 — 


mußte der individuellen besonderen Reizbarkeit wegen, die wie gesagt, 
die Harnröhrenschleimhaut dem Mittel gegenüber nicht so selten zeigt, 
zu schwache Lösungen anwenden, dagegen ist die Mehrzahl der Fälle 
von akutem Tripper durch Novargan im Sinne der Unfähigkeit, weiter 
Gonococcen zu übertragen, heilbar. Und gesetzt, es wären die öfters 
zurückbleibenden urethroskopisch nachweisbaren Veränderungen wirklich 
noch gonorrhoisch-infektiös, kann sie denn Oberlaender in jedem 
Falle beseitigen? Kann er dauernd, nicht bloß für einige Monate, 
die Harnfilamente beseitigen? Nach anderen Maßnahmen, u. a. Prostata- 
massage, bringen Spülungen von hinterer Röhre und Blase mit Arg. 
nitr. die Fäden in der Regel zum Verschwinden, aber auf wie lange? 
Und das wiederholt sich nicht bloß 2 oder 3 Mal, sondern beliebig oft. 

Es wäre wirklich sehr wünschenswert, wenn O. und seine 
Schüler einmal statistisch nachwiesen an einer lückenlosen Reihe von 
Fällen, wie viel harte Infiltrate sie dauernd geheilt, in wie viel Fällen 
sie dauernd alle Filamente beseitigt haben. Unter ‚dauernd‘ soll bei 
letzteren Fällen nur verlangt werden: '/, Jahr, es soll also der so lange 
gänzlich unbehandelt gebliebene Fall bei mehrfacher Untersuchung — 
auch nach Reizen, wie starkem Biergenuß — fadenfreien Morgenharn haben. 
Erst wenn O. dieser Nachweis als die Regel gelungen wäre, würde 
er ein Recht haben zu behaupten, daß der Effolg seiner Arbeit über 
allen anderen Methoden steht; bis jetzt ist es noch so, daß die bak- 
tericide Therapie, namentlich mit Novargan bei richtiger Anwendung, 
d. h. Anpassung, als gut -zu bezeichnen ist, daß etwa nach ihr ver- 
bliebene urethroskopische Veränderungen nicht eo ipso als gonorrho- 
isch-infektiös erwiesen sind, daß endlich O. durchaus nicht in so 
vielen Fällen, wie nach seinen Behauptungen scheinen muß, Dauer- 
erfolge in seinem Sinne erzielt. | 

Es ist bisher nur vom Novargan beim akuten Tripper gesprochen, 
hat es auch einen Wert beim chronischen? Das ist nicht der Fall, 
und ich muß abraten, es dabei zu benutzen. Ebensowenig hat es 
eine Bedeutung für die hintere Harnröhre, sein Feld ist die eigentlich 
akute Urethritis anterior gonorrhoica, bei dieser aber scheint es mir 
das z. Z. beste Mittel zu sein. Bemerkt sei noch, daß ich verschiedene 
Novarganpräparate in der Hand gehabt habe, deren Reizwirkung auch 
verschieden war. Ich will hoffen, daß es der Fabrik möglich ist, ein 
dauernd gleichartiges Präparat zu liefern. 

Zum Schluß sei die Feststellung betont, daß verschiedene Fälle 
eine verschiedene Reizempfindlichkeit gegen Novargan zeigen, daß es 


| L a 


Fälle größter und geringster Empfindlichkeit gibt, je größer die Em- 
pfindlichkeit, um so geringer die Eignung zur Novarganbehandlung 
oder — anders ausgedrückt: — um so schwächere Lösungen sind nötig. 
Man könnte natürlich auch im Falle größter Empfindlichkeit so 
schwache Lösungen nehmen, daß die Behandlung durchführbar wäre, 
es würde dann aber die keimtötende Wirkung zu schwach sein. Deshalb 
ist bei Fällen, die auch '/,°/, Lösung nicht vertragen, die Novargan- 
behandlung ohne Wert. ‚Eines schickt sich nicht für alle.‘ 


— 302 — 


Die Behandlung der Bubonen nach der Porosz’- 
schen Methode. 


Von Dr. Josef Barabäs, emer. Spitals-Sekundararzt. 


Unsere Bubonenliteratur kann durchaus nicht als unfruchtbar 
bezeichnet werden. Wenn wir nur in der Literatur der letzten andert- 
halb Jahre Umschau halten, so finden wir drei Abhandlungen, in denen 
eine neuere Anwendung und die hervorragenden Eigenschaften dreier 
verschiedener und alter Medikamente empfohlen wird. Porosz!) lenkt 
die Aufmerksamkeit auf das Acid. nitric., Hermann?) auf 10 °/, iges 
Jodoformglycerin, Erdély?) auf das Cuprum sulfuricum. Alle em- 
pfehlen ihr Verfahren andern Behandlungsmethoden gegenüber sehr 
warm. Wenn wir auch die älteren Jahrgänge der heimischen und aus- 
ländischen Literatur überblicken, so finden wir unzählige Artikel, in 


denen als einzige und beste Methode ihr eigenes Verfahren — pallia- 
tiv, abortiv, operativ — empfohlen wird. 
Nehmen wir den allerbesten Fall ann — hier können wir nicht 


nur von der Bubonenbehandluug allein, sondern auch von der allge- 
meinen Therapie sprechen — daß diese Publikationen nicht dem Triebe, 
aufzufallen, sondern einer innern Überzeugung zuzuschreiben sind, so 
sehen wir doch, daß das als beste verschrieene und die schönsten 
Resultate erzielende Verfahren bald mit den anerkannt schlechten in 
Vergessenheit geraten ist. Suchen wir aber die Ursache, finden wir 


1) M. Porosz: Die Behandlung der Bubonen und Abscesse mit 2-5 
0jyigem Acid. nitr. (Archiv f. Dermatol. u. Syphilis, 1903.) 

2) E. Hermann: Einige Worte über die chirurgische Behandlung der 
Bubonen. (Bpesti Orv. Ujsäg, Nr. 1, 1904.) 

3) J]. Erdély: Die Behandlung der Bubonen mit Cuprum sulfuricum. 
(Orvosti Hetilap Nr. 40, 1904.) 


FE E ee 


— 303 — 


sie einerseits darin, daß die geschmacklose und übertriebene Reklame 
mit neueren Medikamenten in uns schon 4 priori Mißtrauen erweckt, 
andererseits darin, daß die praktischen Ärzte nicht immer Gelegenheit 
haben, — wenn sie schon dazu Lust hätten — sich durch eigene 
Beobachtungen und Versuche über die Brauchbarkeit des Verfahrens 
Überzeugung zu verschaffen und die überzeugendste, auf eigener Er- 
fahrung beruhende Kritik über die Zweckmäßigkeit des Verfahrens zu 
veröffentlichen. 

Aus dem Gesagten folgt, daß der keine überflüssige, ja sogar 
von vielen als nutzlos betrachtete Arbeit verrichtet, dem Gelegenheit 
geboten war, das neue Verfahren zu versuchen und zu kontrollieren 
und der die gewonnenen Resultate publiziert. Nach meiner Ansicht 
sind sogar diese späteren Publikationen — sie mögen positiver oder 
negativer Richtung sein — berufen, das Verfahren einzuführen, oder 
zu verwerfen, denn in den Beobachtungen Anderer spielt die Be- 
‚fangenheit, die Subjektivität, die in der medizinischen Literatur sehr 
krankhafte Answüchse gezeitigt haben, keine Rolle. 

Die lange Reihe von Behandlungsmethoden ist nicht nur bei der 
Behandlung reifer Bubonen bekannt, die heute nur chirurgisch behan- 
delt werden. Unzählige Methoden kennt man von der Exstirpation 
sämtlicher Lymphdrüsen, von der physiologischen Kochsalzlösung bis 
zur Anwendung der verschiedensten chemischen und desinfizierenden 
Lösungen, von der Anwendung der ältesten antiseptischen Mittel, 
Gazes, Salben etc. bis zu den in neuester Zeit in Verkehr gebrachten. 
Und wenn wir trotz alledem neuere Verfahren bezw. Modifikation in 
der Literatur immer wieder verzeichnet finden, so können wir dies 
nur dem Umstande zuschreiben, daß bisher das der Öffentlichkeit 
übergebene Verfahren gewisse Mängel hat, daß man gewisse Unan- 
nehmlichkeiten nicht klinieren konnte. Kurz und gut, man konnte 
nicht ganz den Anforderungen entsprechen, die man an eine erfolg- 
reiche Behandlung nach jeder Hinsicht stellt. 

Zu diesen Detailfragen zählt auch die möglichst kurze Unter- 
brechung der Arbeitsfähigkeit, eventuell ihre Erhaltung, wonach man 
bei der ambulanten Behandlung strebt. Man ist gezwungen, sie um 
jeden Preis zu erhalten, schon wegen der im großen Publikum als 
unumstößlich vorherrschenden Ansicht, daß die sexuellen Krankheiten 
in gewissem Maße ein Schandmal bilden, und die Folge davon ist, daß 
Jedermann bestrebt ist, sie nach Tunlichkeit zu verheimlichen. Solche 
Detailfragen sind ferner, die Herabsetzung der Dauer des Heilprozesses 


— 304 — 


auf ein Minimum, eine Mäßigung der Schmerzen, ein möglichst ein- 
faches Verfahren etc. 

Es sind kaum anderthalb Jahre, daß die schon erwähnte Publika- 
kation von Porosz erschienen ist. Der ungewöhnlich einfache und 
objektive Ton des Ganzen, der von jeder Lobhudelei Abstand nimmt, 
erweckte mein Interesse, obgleich das Ganze nur eine Modifikation eines 
altbekannten und auch von mir oft angewendeten Verfahrens — aber 
mit schöneren Resultaten — ist. Ich faßte sofort den Entschluß, daß 
ich bei meinen Fällen mit seiner Methode einen Versuch machen werde. 

Mit meinen Resultaten bin ich vollkommen zufrieden und wenn 
ich jetzt wieder die Aufmerksamkeit der Kollegen auf sie lenke, so tue 
ich es, weil sie, wie es scheint, ganz in Vergessenheit geraten ist. 
Weder in den später erschienenen Artikeln, noch durch mündliche Er- 
kundigung konnte ich eine Spur dieses einfachen und wertvollen Ver- 
fahrens entdecken. Das Verfahren ist folgendes: Der zur Operation 
fertige, reife Bubo und seine Umgebung, kurz die ganze Jnguinalgegend, 
wird in üblicher Weise desinfiziert, wie dies auch vor anderen Opera- 
tionen zu geschehen pflegt. 

Die Hauptsache ist, daß die Desinfektion auf je größerer Fläche 
erfolge, daß die unrasiert gebliebenen Haare nicht bis zur Wunde reichen 
und keine neue Infektion erfolge. Während wir die Hände waschen, 
bedecken wir die steril gemachte Fläche mit Sublimat-Gaze. Dann 
suchen wir den weichsten Teil des Bubo und machen mit einem spitzen 
Bistouri einen ?/,—1 cm. langen Schnitt. Durch die Öffnung pressen 
wir den nicht selbst hervorbrechenden Eiter mit schwachem Druck 
heraus. Dann drücken wir die Spitze einer, mit 2— 3—5 -igen Acidum- 
nitricum-Lösung gefüllten Tripperspritze in die Wunde und beachten bei 
der Injektien der Flüssigkeit, daß die Ränder der Wunde an der Spritze 
eng anliegen, denn sonst fließt die Lösung neben ihr heraus und wir 
erreichen nicht den Zweck. Das Wesentlichste ist ja dabei, daß die 
so eingeführte Flüssigkeit bis an die äußersten Punkte der eiternden 
Drüse gelange und ihre bisher unbekannte, aber wohltuende, heilsame 
Wirkung ausübe. 

Wenn die Flüssigkeit nicht zwischen den Wundrändern und der 
Spritze zurückfließen kann, was geschieht dann? Die unter großem 
Drucke eingeführte Flüssigkeit sucht sich nach jeder Richtung einen 
Weg und zwar in erster Reihe dort, wo der Widerstand am geringsten 
ist. Einen solchen Locus minoris resistentiae bilden die dünnen, even- 
tuell nur kapillargefäß-dünnen Wege, Kanälchen, die sich im weichen 


ui m = nt 
m 


— 305 — 


Gewebe bei Eiterungen nach allen Richtungen erstrecken und die die 
Eiterung oft lange Zeit verschleppen, die Vernichtung dieser Herde ist 
infolge des kleinen Umfanges zumeist kaum möglich, aber die einem 
großen Drucke ausgesetzten Gänge füllen sich mit der Lösung und die 
Wirkung kommt auch hier zur Geltung. 

Schon beim ersten Verbandwechsel, den man schon am nächsten 
Tage vornehmen soll, merkt man, daß die Eitermenge abgenommen 
hat und daß ein seröser Sekret vorhanden ist, in dem sich weißes, 
käseartiges Gerinsel befindet, dann wird der Verband jeden zweiten 
Tag gewechselt, das Verfahren noch 1—2-mal wiederholt. Das genügt, 
daß die Heilung einige Tage später eintritt, wenn auch der Patient am- 
bulanter behandelt wird. 

Das Verfahren ist, wie wir sehen, im Großen und Ganzen das- 
selbe, welches Welander in den 90er Jahren empfohlen hat und das 
er mit 5—10 %,-iger Lapislösung vorgenommen hat. Man suchte sie 
wegen der unangenehmen Eigenschaften mit anderen Mitteln zu ersetzen. 
Man kann sich darüber auch nicht wundern, denn es ist sehr unan- 
genehm. In einigen Fällen machte auch ich Versuche damit, aber ich 
stellte sie ein, ehe ich die Behandlung mit Acidum nitricum gekannt habe. 

Bei meinen Fällen ging ich in der oben beschriebenen Weise vor 
und obgleich ich nur 17 Fälle hatte, so glaube ich doch, man könne 
auch von dieser geringen Zahl gewisse Folgerungen ziehen, wenn sie 
auch nicht nach jeder Hinsicht unumstößlich sind. Unter so wenig 
Fällen, kommen nicht die verschiedenen Formen vor und können auch 
nicht vorkommen, doch der Umstand wieder, daß es nicht ausgewählte 
Fälle sind, sondern nur nach einander vorgekommene Formen, die alle 
nach diesem Verfahren behandelt wurden, verleiht den Beobachtungen 
trotz der geringen Anzahl einen gewissen Erfahrungswert. 

Dieses Verfahren erprobte ich als Sekundararzt eines Spitals an 
dem Krankenmaterial der Anstalt und diesem Umstande ist es zuzu- 
schreiben, daß ein überwiegender Teil der Patienten, mit Rücksicht, 
daß dazu Gelegenheit war, wenigstens die ersten Tage im Bette zu- | 
brachte; aber auch bei den ambulanter behandelten Fällen ist ebenfalls 
ein solch guter Erfolg aufzuweisen. In keinem einzigen Falle war es 
notwendig, auf eine andere Behandiungsmethode zu übergehen. Alle 
Fälle heilten rasch und schön und deshalb hat die Publikation der 
Krankengeschichten keinen Sinn und keinen Zweck. 

Eine stärkere Lösung als eine 2 °/, -ige benutzte ich nicht in einem 
einzigen Falle. Es war auch nicht notwendig. Ob aber bei hartnäckigen, 





— 306 — 


chancrösen Fällen nicht eine stärkere Lösung not tut, weiß ich nicht, 
denn ich verfüge darüber über keine Erfahrungen. Ich gestehe auf- 
richtig, — obgleich auch Porosz warnt, den scharfen Löffel zu 
benützen —, daß ich in vier bis fünf Fällen von dem scharfen Löffel 
Gebrauch machte. Es ist eben eine konservative, verknöcherte Ansicht, 
die zwischen den Bubonen und Abscessen und dem Volkmann’schen 
Löffel auch heutzutage in uns Relationen erhält. Ob ich außer den 
quälenden Schmerzen der Patienten Etwas erreicht habe? Darauf kann 
ich ruhig antworten: das nicht, eher eine Verschlimmerung des be- 
stehenden Zustandes. 

Der Heilungsprozeß dauerte nicht länger als 8—10 Tage. Einen 
fixen Termin kann man nicht feststellen, denn von vielen Umständen 
(Größe, Vernachläßigung etc. der Bubonen) hängt die Heilung ab. Je 
kleiner die eitrige Drüse und geringer das zu Grunde gerichtete Ge- 
webe ist, je geringer die Vertiefung ist und je weniger die Umgebung 
infiziert ist, um so rascher stellt sich die Regeneration, die Heilung ein. 

Ich hatte einen Fall, bei dem ich am fünften oder sechsten 
Tage schon keinen Verband anlegte, denn auch die Wundränder waren 
schon vereinigt. Über die Dchnittlinie legte ich einen Sparadrapstreifen. 
Daraus zu folgern, daß immer so rasch Heilung eintritt, wäre unver- 
nünftig, denn daß die Destruktion des Gewebes eines nufßgroßen oder 
noch größeren Bubo in demselben Zeitraum ersetzt werde, wie die 
eines haselnußgrofßen, ist rein unmöglich, wenigstens unter normalen 
Verhältnissen daß auch dann äußere und innere Ursachen vorhanden 
sein können, die auch solche veränderte Verhältnisse hervorrufen 
können, ist ebenfalls zweifellos, aber diese Fälle müssen anders be- 
urteilt werden. 

Aus dem früher Gesagten ist ersichtlich, daß alle statistischen 
Daten, die bei den verschiedenen Verfahren angeführt werden und bei 
denen der Heilungsprozeß auf eine Minimaldauer reduziert sind, dem 
Auge wohl sehr gefällig sind und nicht angezweifelt werden können, 
aber es ist rein unmöglich, sie als Direktive anzunehmen; aber nicht 
deshalb, weil der kontrollierende Arzt schon seltener den hohen Prozent- 
satz des früher erzielten schönen Erfolges erreicht. Die Hauptursache 
liegt aber darin, daß, da die beginnenden und vernachlässigten, kleinen 
und großen Fälle nicht klaffisiziert sind, die ganze Berechnung einem 
Zufalle überlassen ist, und so können mit demselben Verfahren einmal 
sehr günstige, ein anderes Mal ganz ungünstige Resultate erzielt werden. 

All dies in Betracht genommen, unterließ ich bei meinen Fällen 


=. eu 


— 307 — 


die Publikation der Heilungsdauer. Und wenn ich früher doch 8 bis 
10 Tage erwähnt habe, sagte ich es mit Bezug auf meine Fälle, unter 
denen kein schwererer Fall vorgekommen ist. - 

Größere Schmerzen habe ich in keinem Falle wahrgenommen, 
wenn ich von den bei dem Auslöffeln absehe, der Einschnitt selbst 
verursacht bei Fluctuationen keine Schmerzen; er bringt eher Er- 
leichterung, denn die hyperämischen Weichteile werden den großen 
Druck los, den der ausströmende Eiter früher auf sie ausgeübt hat. 
Die unter schwachem Drucke befindlichen Bewegungen von den ge- 
sunden Geweben zu den kranken Teilen verursachen wenig Schmerzen, 
obgleich die Schmerzen von der Sensibilität der Patienten abhängen. 

Das einzige schmerzhafte Moment ist, wenn wir die Acidum- 
nitric. Lösung hineinpressen und eventuell auf die Weichteile einen 
größeren Druck ausüben, als sie zuvor ausgesetzt waren, zu dem ge- 
sellt sich noch das Brennen der Lösung. Dieses brennende Gefühl 
dauert aber nur eine, höchstens zwei Minuten und das ist schon ein 
wesentlicher Vorteil den anderen Mitteln gegenüber, z. B. dem Cuprum 
sulfuricum gegenüber, das solche Schmerzen verursacht, daß auch der 
das Verfahren zu allererst empfehlende Erdely zur Stillung der heftigen 
Schmerzen Morphin benutzte. Ein besseres Resultat als mit dem 
Acid. nitric. konnte aber nicht erzielt werden. 

Länger anhaltende Schmerzen verursacht auch die Jodoform- 
giyzerinemulsion. Aber nicht nur diesen Nachteil hat das von So- 
mogyi!) noch im Jahre 1898 eingeführte Verfahren, sondern auch 
den, daß Jodoform einen penetranten Geruch hat, weshalb wir es 
auch dann entbehren müßten, wenn es auch das allerbeste Verfahren 
wäre. Ja sogar von der giftigen Wirkung des Jodoforms hat es auch 
den Nachteil, daß es beinahe so dicht ist wie Syrup und in die engen 
Gänge nicht so leicht hineingepreßt werden kann, wie das Acid. nitric. 
Das Resultat war bei Somogyi: 6% Heilung nach mehr als zwei 
Wochen, während bei Herm ann sämtliche Fälle innerhalb 10 Tagen 
verheilt waren. Die guten Erfolge bringt er selbst damit in Nexus, 
daß das Krankenmaterial aus lebenskräftigen, aktiven Soldaten be- 
standen hat. 

Die Einteilung der Fälle nach der Schwere finden wir nirgends, 
so auch nicht bessere Resultate als die bei unserem Verfahren. In 


1) B. Somogyi: Beitrag zur Behandlung der Bubonen. (Pester Med.- 
Chirurg. Presse Nr. 25, 1898.) 


— 308 — 


Betracht genommen, daß auch noch heute in der Behandlung des Ulcus 
molle das Cuprum sulfuricum und das Jodoform als Specificum eine 
Rolle spielt, war es rationell, sie auch bei der Behandlung der Bubonen 
zu versuchen. Aber wenn wir in Betracht ziehen, daß wir dieselben 
Resultate auch ohne Nachteile erzielen können, wäre die Beibehaltung 
des Verfahrens weder logisch, noch rationell. 

Die Eiterbildung hörte in meinen Fällen prompt nach der ersten 
Einspritzung auf. Nach der Qualität der Fälle wiederholte ich sie 
noch ein- oder zweimal jeden zweiten Tag. Da war schon nur 1 bis 
2 Tropfen dünner Sekret vorhanden. War noch eine Höhle vorhanden, 
so führte ich einen in dieselbe Flüßigkeit getauchten Gazestreifen ein, 
sonst aber nichts. In allen Fällen legte ich einen in eine Burow- 
Lösung getauchten nassen Verband an, der auf die Entzündung 
mäßigende Wirkung ausübte. Das heute schon sozusagen obligate 
Sublimat unterließ ich in diesem Falle ganz, abgesehen davon, daß 
ich vor der incision die Haut desinfiziert habe. Die oberflächliche 
koagulierende Eigenschaft erhält weiter die Eiterung, als wenn wir 
mit steriler trockener Gaze solche Höhlen auswischen, wie dies meine 
wenigen, vergleichenden Beobachtungen beweisen. 

Was die von diesem Verfahren abgeleiteten Folgerungen betrifft, 
können wir ruhig sagen, daß es gefahrlos, geruchlos ist, geringe 
Schmerzen verursacht, nach einigen Tagen Heilung hervor- 
ruft und auch ambulanter vorgenommen werden kann. Kurz 
und gut, es ist ein Verfahren, das einige gute Eigenschaften hat, die, 
wenn eine oder andere in manchen Fällen unwesentlich zu sein scheint, 
sie doch oft unentbehrlich sind. Es ist nicht eine das eigene Ver- 
fahren in den Himmel erhebende Phrase, sondern Wahrheit, wenn 
Porosz sich äußert: „Ein praktischer Arzt kann ein einfacheres, 
sichereres Verfahren nicht wünschen. Die Patienten können aber 
rascher, als so nicht geheilt werden.“ Andere können ein anderes, 
vielleicht besseres Verfahren haben, das kann nicht angezweifelt werden. 
Ich aber freue mich, damit einen Versuch gemacht zu haben und 
ich glaube, daß auch Andere Nutzen davon ziehen werden. 


— 309 — 


Ueber sexuelle Neurasthenie. 
Von Dr. M. A. Stern. 


Unter dieser Bezeichnung verstehen wir denjenigen verschiedenen 
Symptomenkomplex, dem wir bei vielen Personen begegnen, die von 
dem normalen sexuellen Leben abweichen. Wenn auch der Coitus 
interruptus, von dem wir hier hauptsächlich sprechen, ein ätiologisches 
Moment der gewöhnlichen Neurasthenie darstellt, so habe ich doch in 
Anbetracht des Umstandes, daß bei derartigen Kranken solche Symp- 
tome angetroffen werden, denen wir bei anderen Neurasthenikern nicht 
begegnen, beschlossen, diese Art Neurasthenie als selbständige Unter- 
art zu beschreiben. 

Gewöhnlich beschreiben die Neuropathologen unter der, Bezeich- 
nung „sexuelle Neurasthenie“ hauptsächlich Symptome von Seiten der 
Geschlechtsorgane. Ich aber habe bei den nachstehenden Ausführungen 
Abweichungen von Seiten des Gesamtorganismus im Auge. Diese Ab- 
weichungen sind außerordentlich verschieden, können verschidene Er- 
krankungen vortäuschen und dadurch, wie wir aus den nachstehenden 
Beispielen ersehen werden, einen unerfahrenen Arzt irre führen. Über 
sexuelle Neurasthenie im weiten Sinne des Wortes (meiner eigenen 
Auffassung entsprechend) begegnen wir in den gangbarsten Lehrbüchern 
(Eichhorst, Strümpell, Mering) nur einzelnen Andeutungen; aus- 
führlichere Angaben kann man in den Werken von Hammond, Eulen- 
burg, Fürbringer, Krafft-Ebing usw. finden. Indem ich im Laufe 
der letzten 6 Jahre eine ziemlich grofle Anzahl von Personen, die einer 
Konzeption vorzubeugen suchten und dadurch vom normalen sexuellen 
Leben abwichen, in Behandlung hatte, habe ich eine bedeutende An- 
zahl von mehrfach kontrollierten Beobachtungen gesammelt und be- 
schlossen, versuchsweise nach Kräften ein vollständiges Bild dieser 
Modekrankheit zu geben. 


Ätiologie. 

Heutzutage, wo der Kampf ums Dasein sich außerordentlich zu- 
gespitzt hat, wo auf sämtlichen Arbeitsgebieten das Angebot die Nach- 
frage bedeutend übersteigt, wo die zum Leben notwendigsten Gegen- 
stände, namentlich in den großen Zentren, außerordentlich teuer sind, 
suchen die Menschen mit allen möglichen Mitteln einer Konzeption 
vorzubeugen. Während aber die armen Frauen aus ökonomischen 
Gründen dieses Ziel anstreben, tuen es die reichen, um ihre schlanke 





— 30 — 


Figur, ihre Schönheit zu erhalten. Fast in sämtlichen Kulturländern 
wird eine stets progressierende Verringerung der Geburten in den in- 
telligenten Schichten der Bevölkerung konstatiert. So hat Dr. George 
Engelmann in .den letzten Jahren bei den Frauen der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika eine immer mehr zunehmende Sterilität fest- 
gestellt. Im 18. Jahrhundert gab es in Amerika nur 2 °/, sterile 
Frauen, während die mittlere Fruchtbarkeit der verheirateten Frauen 
5 Geburten betrug. Heutzutage ist die Fruchtbarkeit der Frauen in 
Amerika geringer als derjenigen in sämtlichen übrigen Kulturländern 
des Erdballes, die Franzosen ausgenommen. In St. Louis beträgt die 
Zahi der sterilen Frauen in den arbeitenden Klassen 21 °,, in den in- 
telligenten Klassen 24%, (!). Die geringste Fruchtbarkeit wird bei 
Frauen festgestellt, die höhere Bildung genossen haben. Im Gegenteil 
ist die Fruchtbarkeit der Emigrantinnen größer; sie beträgt bei den 
irischen Frauen beispielsweise 3,5—4,2 °%,, bei den deutschen 3,4 bis 
6%. Die immer zunehmende Sterilität der Frauen bringt Engel- 
mann nicht mit einer gonorrhoischen Erkrankung der Geschlechts- 
organe In Zusammenhang, sondern führt sie auf die Anwendung von 
mechanischen und chemischen antikonzeptionellen Mitteln zurück. Aus 
diesem Grunde hat in Amerika auch die Zahl der Aborte zugenommen, 
und zwar kommen auf 27 Geburten 10 Aborte, was 37%, ausmacht.') 

Eine gleiche Verringerung der Geburten wird auch in Deutsch- 
land wahrgenommen, wenn man nach den Tabellen urteilen darf, 
welche die ‚Deutsche Hygienische Abteilung‘' auf der letzten Ausstellung 
zu Paris ausgelegt hatte”): so kamen in dem Zeitraum von 1871 bis 
1880 auf 1000 Personen 40,7 Geburten, während in dem Zeitraum 
von 1891—1897 diese Zahl auf 37,5 gesunken ist. Die Statistik er- 
örtert die Ursache dieser Erscheinungen nicht; es unterliegt aber 
keinem Zweifel, daß unter den Ursachen die Präservative eine nicht 
geringe Rolle spielen. In Frankreich ist die Verringerung der Zahl der 
Geburten eine allgemein bekannte Tatsache. Diese gefahrdrohende 
Erscheinung wird dort in verschiedenen Versammlungen besprochen, 
‚als Stoff für viele wissenschaftliche und belletristische Werke verwendet 
(man denke nur an den berühmten Roman von Zola „Fecondite“) 
und selbst im Parlament erörtert. Es sind verschiedene Maßnahmen 
in Vorschlag gebracht worden, wie: Bestrafung der Junggesellen, Prä- 
miierung der Eltern für jedes Kind usw. Es liegen mir genaue sta- 
tistische Erhebungen über diesen Gegenstand in Rußland nicht zur 
Hand (es werden auch solche kaum vorhanden sein); ich hatte aber 














— 3il — 


Gelegenheit, in manchen Ortschaften Personen zu befragen, welche 
die Geburtsregister führen, und diese Personen haben die von Jahr zu 
Jahr progressierende Verringerung der Geburten konstatiert. Überall 
wird dem sogenannten Zweikinder-System gehuldigt, d. h. dem Be- 
streben, unter keinen Umständen mehr als zwei Kinder zu haben. 
Dieses Bestreben dringt selbst in die kleinsten Orte Rußlands. Jeden- 
falls bin ich persönlich ziemlich häufig von Personen verschiedener 
Nationalitäten und Bevölkerungsschichten mit Bitten überschüttet 
worden, „etwas gegen Kinder zu empfehlen“. Da solche Personen bei 
den Ärzten meistenteils kein Entgegenkommen finden, ersinnen sie 
selbst verschiedene Methoden, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Von 
‘diesen „Methoden“ ist der „Coitus interruptus oder reservatus“, der auch 
ganz richtig als „Onanismus conjugalis“ bezeichnet wird, am gang- 
barsten. Dieses Übel muß, wenn es mehr oder minder längere Zeit 
geübt wird, auf die Gesundheit von Männern sowohl wie von Frauen 
in hohem Maße schädlich einwirken, indem es bei jedem einzelnen 
Individuum bald das eine, bald das andere Organ wählt und haupt- 
sächlich -auf einen event. vorhandenen „Locus minoris resistentiae“ 
einwirkt. ; 

Es entsteht ein außerordentlich verschiedenartiges Krankheitsbild, 
dessen einzelne Formen ich im Nachstehenden besprechen will. 


Symptome. 

Von Seiten des Magens kann man bei Personen, die an sexueller 
Neurasthenie leiden, sämtliche Erscheinungen der sogenannten „ner- 
vösen Dyspepsie“, wie: Appetitlosigkeit, schlechten Geschmack im 
Munde (bitterer Geschmack oder das Empfinden von Säure), bisweilen 
Aufstoßen, Sodbrennen, Erbrechen, Übelkeit, Schmerzen in der Magen- 
grube etc. vorfinden. Von wirklichen Magenkatarrhen unterscheidet 
sich diese Dyspepsie dadurch, daß sie fast in gar keinem Zusammen- 
hang mit dem Verdauungsakt bezw. der Qualität der Nahrung steht, 
sowie durch das Fehlen von pathologischen Veränderungen von seiten 
der mechanischen und chemischen Magenfunktion. Bei leerem Magen 
klagen die Patienten über Schwäche, Schwindel, Ohrensausen, nach 
dem Essen über Druck in der Magengegend, bisweilen Schläfrig- 
keit und Herzklopfen. Dabei bestehen Verstopfungen, bei manchen 
Verstopfungen, die mit Diarrhöen abwechseln, Auftreibung des Ab- 
domens usw. Alle diese Erscheinungen nehmen nach Exzessen so- 
wie nach Aufregungen zu, während die Untersuchung des Magen- 


— 312 — 


inhaltes keine Veränderungen ergibt. Die Schmerzen in der Magengrube 
sind bei solchen Patienten bisweilen so intensiv, daß sie Verdacht auf 
Magengeschwür erwecken, was auch in der nächstfolgend zu schildern- 
den Beobachtung der Fall gewesen ist. | 

1. Fall. N. K., 32 Jahre alt, im 6. Jahre verheiratet, hat 2 Kinder. 
Der Patient versichert, niemals ernstlich krank gewesen zu sein, be- 
sonders niemals an venerischen Krankheiten gelitten zu haben. Er 
klagt über außerordentlich heftige Schmerzen in der Magengrube, die 
bisweilen mehrere Tage lang anhalten, ohne auch nur für eine einzige 
Minute aufzuhören. Diese Schmerzen hatten sich zum ersten Mal vor 
2 Jahren eingestellt, ohne daß der Patient irgend eine Ursache anzu- 
schuldigen wüßte. Diätfehler sind nicht vorgekommen: der Patient 
hatte stets gesunde frische Hauskost; er ist in diesen 2 Jahren nirgends 
gereist und vermag sich nicht zu erinnern, irgendwo etwas verdächtiges 
gegessen zu haben, bevor die Schmerzen zum ersten Male aufgetreten 
sind. Während des ersten Schmerzanfalls waren Anzeichen von Magen- 
störung nicht vorhanden: weder Erbrechen, noch Diarrhöe, noch Auf- 
stossen. Trotzdem hatte der Patient damals ein Abführmittel zu sich 
genommen, jedoch ohne daß danach Linderung eingetreten ist. Die 
Schmerzen hatten damals 3 Tage lang angehalten, dann für 3 Wochen 
aufgehört, worauf von Seiten des Magen-Darmkanals auch nicht die 
geringsten Erscheinungen beobachtet wurden, welche für einen Magen- 
katarrh hätten sprechen können. Mit der Nahrungsaufnahme standen 
diese Schmerzen in gar keinem Zusammenhang; im Gegenteil: nach 
der Nahrungsaufnahme fühlte der Patient, als ob die Schmerzen nach- 
ließen. Der Patient war in Behandlung vieler Aerzte; manche diag- 
nosticierten Magenkatarrh, verordneten Mineralwässer und Diät, aber 
ohne Erfolg. Der eine Arzt schöpfte auf Magengeschwür Verdacht, 
trotzdem die Untersuchung des Mageninhalts nach dem Probefrühstück 
keine Anhaltspunkte dafür ergab; es fand sich nur eine unbedeutende 
Steigerung der Salzsäurequantität. Nichtsdestoweniger verordnete dieser 
Arzt Karlsbad und entsprechende Diät. Der Patient hatte die. vorge- 
schriebene Flaschenzahl Karlsbader Wasser getrunken, ohne jedoch irgend 
eine Erleichterung verspürt zu haben; im Gegenteil, die Schmerzen 
haben sogar zugenommen. Nicht mehr Nutzen hat die Konsultation 
dreier Professoren der nächstliegenden Universitätsstadt ergeben. Als 
der Patient mich konsultierte, konstatierte ich Folgendes: Der Patient 
ist übermittelgroß, mager „Haut und Knochen“. Wangen eingefallen, 
blaß; Temperatur normal, Puls 90, regelmäßig, von mäßiger Füllung. 


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— 313 — 


Von Seiten des Herzens und der Lungen nichts abnormes. Zunge leicht 
belegt, feucht. Abdomen eingefallen. Bei der Palpation Schmerzhaftig-- 
keit bei Druck auf die „Regio epigastrica“; in anderen Teilen des Ab- 
domens ist bei der Palpation Empfindlichkeit nicht wahrzunehmen. 
Bei der Perkussion mit dem Hammer wird Schmerzhaftigkeit in einem 
gewissen Punkte in der Magengrube konstatiert. Leber und Milz nicht ver- 
größert. Bei Druck auf einige Wirbel des mittleren Teiles der Brust- 
wirbelsäule wird Empfindlichkeit festgestellt. Von Seiten der Harnorgane 
besteht nur frequenter Harndrang. Der Harn selbst ist jedoch rein, 
ohne Niederschläge, enthält weder Eiweiß noch Zucker. Dasselbe Er- 
gebnis zeigen die Analysen, welche mir der Patient vorgelegt hatte, 
und welche auf Anordnung der konsultierten Ärzte in der Universitäts- 
stadt ausgeführt worden sind. Haut- und Knie-Reflexe etwas gesteigert, 
Kremasterreflex leicht herabgesetzt. Gang frei, sicher. Beim Stehen 
mit geschlossenen Augen ‚tritt Schwankung nicht ein. Pupillen gleich- 
mäßig, reagieren auf Licht normal. Syphilissymptome nicht vorhanden. 

Wenn auch die Acidität des Magensaftes nicht gesteigert war (die 
vom Patienten vorgelegten, in der Universitätsstadt ausgeführten Analysen 
zeigten gleichfalls nur unbedeutende Steigerung der Salzsäuremenge im 
nach einem Probefrühstück gewonnenen Mageninhalt), wenn auch in der 
Anamnese weder Bluterbrechen (der Patient erinnerte sich nur, daß er 
vor ca. 1 Jahre einmal Pflaumen gegessen hatte, worauf Erbrechen 
eingetreten und in den erbrochenen Massen „etwas rotes, blutähnliches“ 
enthalten war, was aber auch die Häutchen der roten Pflaumen gewesen 
sein konnten), noch blutiger Stuhl, noch irgend welche andere Erschei- 
nungen von Magengeschwür (Obstipationen, Kopfschmerzen, Zunahme 
der Schmerzen in der Magengrube nach dem Essen usw.) vorhanden 
waren, schöpfte ich doch auf Magengeschwür Verdacht und schlug 
dem Patienten die bei Magengeschwür übliche Behandlung vor: aus- 
schliessliche Milchdiät für die ersten 14 Tage und leichte Fleischdiät 
von der dritten Woche nebst Zusatz von Vichy zur Milch; hierauf große 
Dosen Bismut subitr. (bis 10,0 auf einmal in !/, Glase Wasser), welche 
der Patient auf nüchternem Magen nahm, bald auf der rechten Seite 
(das Geschwür wurde in der Nähe des Pylorus vermutet), bald auf 
dem Rücken liegend, in welcher Lage er 15 Minuten verbrachte. Wismut 
bekam der. Patient ca. 4 Wochen: in den ersten 14 Tagen täglich, 
dann einen Tag um den anderen. Nach dem Wismut wurde salpeter- 
saures Silber verordnet. In dieser Form wurde die Behandlung 6 Wochen 
lang fortgesetzt. Der Patient erfüllte alle Vorschriften in der sorgfäl- 

2 





zes, il 


tigsten Weise, enthielt sich vom Coitus, trotzdem die Schmerzen be- 
“ deutend schwächer waren als zuvor. Nach dieser Behandlung fühlte 
sich der Patient ca. 1 Monat lang vollständig gesund; die Schmerzen 
verschwanden vollständig; er wurde etwas voller, die Gesichtsfarbe 
besserte sich. Ich war schon von der Richtigkeit meiner Diagnose 
überzeugt (es sind nämlich Fälle beschrieben, in denen man bei der 
Sektion ein Magengeschwür fand, trotzdem zu Lebzeiten eine ge- 
steigerte Ausscheidung von Salzsäure nicht vorhanden gewesen war), 
als die Schmerzen plötzlich ohne jeglichen vorangegangenen Diätfehler 
und ohne jegliche sonstige wahrnehmbare Veranlassung sich in der 
Magengrube wieder eingestellt haben, und zwar in noch größerer Inten- 
sität als vor der Behandlung. Die Schmerzen waren so heftig, daß 
der Patient sich buchstäblich wie ein Bogen krümmte, sich vom Bette 
auf den Fussboden stürzte und sich auf diesem wälzte, schrecklich 
schreiend, wenn auch der Patient im allgemeinen ein sehr geduldiger 
Mensch war. Das Gesicht war während des Anfalls blass und ent- 
stellt. Die Schmerzen strahlten nach dem Rücken, nach dem unteren 
Teil des Abdomens und nach den Hypochondrien aus. Ich erprobte 
am Patienten sämtliche schmerzstillenden Mittel, äußere sowohl (Kata- 
plasmen, Eis, Wärmeflaschen, Alkoholumschläge, Senfteig, Wannenbäder, 
Reibungen etc.), wie auch innere (sämtliche Narkotica, manche An- 
tineuralgica, Pyramidon, Exalbin), Nervina usw., aber nichts half. Zu- 
nächst linderten innerliche Morphiumgaben für eine gewisse Zeit die 
Schmerzen, dann aber hörte das Morphium fast vollständig zu wirken 
auf. Der Patient, der mit der Pharmacie etwas zu tun hatte, bekam 
leicht das Mittel und nahm es in Dosen, welche die pharmakologischen 
Dosen übersteigen. Aber selbst in diesen hohen Dosen wirkte das 
Mittel entweder garnicht oder nur für kurze Zeit. Bemerkenswert ist, 
daß die Morphium-Derivate (Dionin und Heroin) auch nicht den ge- 
ringsten schmerzstillenden Einfluß auf den Patienten ausübten. Die 
Schmerzen hörten weder am Tage noch des Nachts auf. Nur nach 
bedeutenden Morphiumdosen verfiel der Patient in Schlummer ; er sprang 
aber nach '/, bezw. 1 Stunde unruhigen Schlafes wieder auf. Während 
eines solchen heftigen Anfalls von Gastralgie spritzte ich dem Patienten 
0,01 Morphium ein; die Schmerzen liefen für 2 Stunden nach, stellten 
- sich dann aber mit früherer Vehemenz wieder ein. Aus Befürchtung, daß 
‚der Patient Morphinist werden könnte, suchte ich die Morphium-Injek- 
tionen zu umgehen, den Patienten einzuschüchtern, jedoch . zog dieser 
einen Feldscher hinzu, der ihm 2—3 mal täglich Morphiumeinspritzungen 





_ 2 


machte. Schliesslich bewaffnete sich der Patient selbst mit einer Mor- 
phiumspritze und begann Injektionen selbst zu machen, indem er die 
Morphium-Dosen immer mehr und mehr steigerte. 


Literatur. 
1. The Lancet, 20. Juli 1901. | 
2. Gazette medicale de Paris, 1900, Septembre. 
(Fortsetzung folgt.) 


Erwiderung auf Dr. Otto Große’s Arbeit 
„Schutzmittel gegen Geschlechtskrankheiten“. 
(Jahrgang Il, Heft 6 dsr. Ztschrft.). 


Von Dr. Blokusewski -Niederbreisig a. Rh. 


So sehr ich jede zweckmäfige Neuerung auf diesem Gebiete im 
allgemeinen Interesse begrüße, kann ich doch nicht einige wichtige 
Punkte unwidersprochen lassen. Meinen „Samariter* und „Amicus“ 
übergehe ich, zumal besonders der erstere sich seit 10 Jahren genügend 
bewährt und eingebürgert hat, und will nur meine „Sanitas-Oliven“ 
verteidigen. 

1. Große sagt S. 261: „Die Idee, wäßrige Lösungen in gläser- 
nen Behältnissen zu verwenden, ist ein für alle Mal als technisch un- 
durchführbar aufzugeben“ und zwar sowohl auf Grund seiner eigenen 
Versuche, als auch seiner Erfahrungen mit meinen Kelchen und Oliven, 
„gleiche Kappen, gleiche Übelstände!“ 

Allerdings trockneten meine Kelche ein und zwar, weil sie nur 
auf einer Seite eine Wachskappe hatten, auf der anderen aber einen 
Wachspfropfen, der sich beim Erkalten zusammenzog, also nicht fest 
schloß. Da ich diesen Fehler bald bemerkte, ersetzte ich sie durch 
die Oliven, deren beide Enden Wachskappen hatten, die — im Gegen- 
satz zu einem Pfropfen — sich beim Erkalten noch enger um die Spitze 
legen. Gegen etwaige Lädierung des Wachses kam ein elastischer 
undurchdringlicher Überzug. Dieser Verschluß ist so hermetisch, daß 
ich neuerdings sogar jeden Glyzerinzusatz fortlassen konnte. Eine 
Zersetzung durch Licht ist durch entsprechende Verpackung (Blech- 
schachtel) vermieden. 

2. Gegen die, S. 261 aufgezählten, Schwierigkeiten der Manipu- 
lation bemerke ich: Beide Verschlüsse werden durch leichtes Abknipsen 


(Fingernagel) entfernt und der Inhalt fließt nicht ohne Weiteres heraus, 
2* 


=, 316 = 


sondern erst nach Hineinstecken der einen (kürzeren) Spitze in die 
Harnröhre in Folge Ansaugung durch die immer etwas feuchte 
Schleimhaut. Übrigens sind die Oliven jetzt handlicher, insbesondere 
durch Verlängerung des zum Halten bestimmten Endes. 

| 3. Große mißversteht (S. 263) meine Ansicht, denn ich habe 
mich nie gegen die „Sicherheit der Tuben“ ausgesprochen, sondern 
gegen die darin enthaltenen pastösen Mittel, weil diese sich zersetzen 
können, ohne daß man es direkt merkt (Aufrecht bezüglich der Viro- 
Tuben) und weil sie nicht so leicht die in den Falten und Buchten ver- 
steckten Gonokokken erreichen können, ganz abgesehen davon, daß 
sie nicht im Moment, wie Große S. 266 angibt, im Wasser gelöst 
sind, (zumal — bei der niedrigen Temperatur dieser Stellen — zu ihrer 
Lösung immerhin Zeit gebrauchen). Bei dieser Ansicht muß ich vor- 
läufig bleiben, so lange mich nicht die in Aussicht gestellten mikrosko- 
pischen Untersuchungen eines anderen belehren. Sollte sich Hydrarg. 
oxyc. überhaupt bewähren, so liegt kein Grund vor, es nicht in flüssiger 
Form zu bringen, zumal ja die Empfindlichkeit der Silberpräparate 
fortfällt. 
4. Große's Forderung eines Einzelapparats auch gegen Lues dürfte 
wohl zu weit gehen, da man dabei doch nicht direkt mit infektiösem 
Material in Berührung kommt. Über die Technik seines Apparats kann 
ich nicht urteilen, da ich leider die von ihm avisierten Muster noch 
nicht erhalten habe. Jedenfalls nimmt er mehr Raum in Anspruch 
als die meinigen. 

5. Wenn Große die Billigkeit seiner Apparate so sehr hervorhebt 
(S. 262), so muß ich doch bemerken, daß da meine Apparate, sogar 
die Oliven trotz Handarbeit, noch billiger von der Firma Gebrüder 
Bandckow (Berlin S. W. 61) abgegeben werden. 

Auf die übrigen weniger wichtigen Forderungen und Ausstellungen 
Große’s kann ich wegen Raummangel nicht eingehen. Daß mein 
Samariter Il */ go Hydrarg. oxyc. enthalten soll (S. 253), ist wohl nur 
ein Druckfehler. 

Schließlich will ich noch auf diejenigen Autoren hinweisen, 
die umfassende Versuche angestellt haben, ohne eigene Apparate zu 
empfehlen, und die flüssige Medikamente in Betracht ziehen, nām- 
lich: Campagnolle (Bd. Ill, Heft 1—3 der „Zeitschrift für Geschlechts- 
krankheiten“) und Feistmantel (Wiener Med. Wochenschrift 1905, 
No. 13—17), der als Regimentsarzt '/, Jahr lang bei ca. 700 Mann- 
schaften und Offizieren der Budapester Garnison die verschiedenartig- 








= sl = 


sten Kontrollversuche angestellt hat und Offizieren von allen Apparaten 
eigentlich nur die meinigen empfiehlt (Amicus und Oliven); jedenfalls 
legt aber auch er den Hauptwert auf flüssige Medikamente, und zwar 
auf Albargin. 
Zur Richtigstellung. . 

Auf S. 282, Zle. 10 von unten (Referat von Steiner über Cam- 
pagnolle’s Arbeit: Wert der modernen Installationsprophylaxe der Go- 
norrhoe) muß es heißen statt: von Blokusewski „angefochtenen“: 
„angegebenen“ Gebrauch, weil BI. gerade der Autor dieser Art 
des Urinierens ist. 


II. Referate. 


Fr. Rosenbach: Zur pathologischen Anatomie der Gicht. (Pathol. 
Inst. zu Berlin). (Virch. Arch. 179. Bd., H. 2). 

Durch histologische Untersuchung von zwei zur Sektion gekommenen 
- Gichtfällen bestätigt R. die gegen die Ebstein’sche Theorie — nach welcher 
die Gewebsnekrose in den Uratherden das Primäre und Wichtige, die Kry- 
stallisation das Sekundäre sei — erhobenen Einwände: zunächst, daß Krystalle 
sich im gesunden Gewebe bilden können, ohne daß eine Nekrose des Ge- 
webes zustande kommt, sodann, daß die Krystallisation als der primäre Vor- 
gang und die Nekrose als das Endresultat einer schädigenden Einwirkung 
der Krystalle angesehen werden müsse, und teilt die Befunde von gichtischen 
Knoechenveränderungen mit, die dieselben sind, wie die in anderen Organen: 
Ablagerung von Uratkrystallen in den Knochenkörperchen und in der Knochen- 
substanz und Ablagerungen im Knochenmark mit starker Nekrosebildung. 
Das Markgewebe reagiert auf die Krystallbildung durch die Wucherung eines 
derben fibrösen Gewebes, welches durchsetzt ist von Lymphozyten und zahl- 
reichen Riesenzellen, die wohl auch hier als Fremdkörperriesenzellen anzu- 
sehen sind. Die Substanz des Knochens selbst geht Veränderungen ein, die 
zur völligen Nekrose und zu einer Art Auflösung der Knochengrundsubstanz 
führen, die nach Ansicht des Verfassers nur durch eine chemische toxische 
Wirkung von seiten der Harnsäure erklärt werden kann. Schwab-Berlin. 





M. Löhlein: Über Fettinfiltration-und fettige Degeneration der 
Niere des Menschen. (Path. Inst. z. Leipzig) (Virch. Arch. 180. Bd., H. 1). 

Um durch histologische Untersuchungen einen Beitrag zum Ausgleich 
der „maximalen Differenz”, die in der Beurteilung der Nierenverfettung zwi- 
schen den Resultaten des Morphologen und des Chemikers bestehen, zu 
liefern und zwar ausschließlich an der Hand von Beobachtungen an mensch- 
lichen Nieren,untersuchte L. das Material des Pathologischen Instituts zu 
Leipzig während der letzten Jahre und kommt dabei zu folgenden Sätzen: 

Die Verfettungsprozesse der -menschlichen Niere zerfallen nach mor- 
phologischem, chemischem und klinischem Gesichtspunkte in zwei Haupt- 


— 38 — 
gruppen, für die ohne Nachteil die Bezeichnungen der herkömmlichen No- 
'menklatur „Fettinfiltration“ und „fettige Degeneration‘ beibehalten werden 
können. 

Die „Fettinfiltration“ der Niere (von Hansemann) besteht in einer, 
chemisch durch die Vermehrung des Fettgehaltes (Landsteiner und Mucha) 
nachweisbaren Anhäufung von (ausschließlich) aus „Fett“ bestehenden Tröpf- 
chen in den Epithelien der Tubuli. Diese Anhäufung betrifft entweder 
das Gesamtparenchym oder doch bestimmte, morphologisch zusammenge- 
hörige Abschnitte desselben nahezu gleichmäßig; doch bestehen im einzelnen 
konstante Unterschiede in der Art der Fetteinlagerung zwischen den ver- 
schiedenen Teilen des Kanälchensystems. Die Epithelien erfahren dabei keine 
bis zum Untergang und zur Abstoßung führende Schädigung. Das Zwischen- 
gewebe des Organs bleibt in den reinen Fällen dieser Art auch bei den 
höchsten Graden der Verfettung entweder ganz oder doch nahezu völlig frei 
von Fett. Albuminurie tritt in diesen Fällen nicht auf. 

Die fettige Degeneration wird durch das herdförmige Auftreten 
stark lichtbrechender Substanzen im Parenchym, bsonders in der Rinde 
charakterisiert. Dabei findet sich — neben Fett — regelmäßig Protagon, 
dessen Auftreten nach Orgler’s chemischen Untersuchungen lediglich auf 
eine Auskrystallisation zurückzuführen ist. Die Epithelien erfahren dabei 
eine schwere Schädigung, die sich unter anderem hauptsächlich in dem 
Untergang und der Desquamation von Epithelzellen ausspricht. Das Zwischen- 
gewebe enthält in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ebenfalls mehr 
oder weniger reichlich Mengen von Fett und fettähnlicher Substanz (Resorp- 
tionserscheinung). In den hierhergehörigen Fällen besteht Albu- 
minurie. 

Ob die Verfettung der Niere bei der Phosphorvergiftung eine Sonder- 
stellung einnimmmt, muß offengelassen werden. Dieser Prozeß ist nach dem 
histologischen Befund wie nach dem Ergebnis der chemischen Analyse 
(Landsteiner und Mucha) als eine Fettinfiltration höchsten Grades zu 
betrachten. Zur Entscheidung der Frage, ob in irgend einem Stadium der 
Phosphorvergiftung degenerative Veränderungen und Sichtbarwerden von 
Protagon in den Nierenzellen vorkommen, ist das untersuchte Material nicht 
ausreichend. 

Klinisch nimmt die Phosphorniere insofern eine Sonderstellung ein, 
als — namentlich in früheren Stadien dieser Vergiftung — Albuminurie fehlen 
kann, während sie in den anderen Fällen beobachtet wird. Schwab-Berlin. 


Alexander Raphael: Über eine empfindliche Methode zum Nach- 
weis von Gallenfarbstoff im Harn. (St. Petersburg, medizin. Wochen- 
schr. No. 14, 1905.) 

Mit einer demnächst erscheinenden Arbeit über die Jodabsorbierende 
und Jodabschaltende Kraft verschiedener pathologischer Harne beschäftigt, 
hat Verfasser auch eine Reihe von icterischen Harnen untersucht und ist 
dabei zu einer für den praktischen Arzt sehr brauchbaren Methode zum 
Nachweis von Gallenfarbstoff gelangt. Als Reagentien dienen die zur Diazo- 
reaktion benutzten Lösungen: 1., Acid. sulfur. 5,0, Acid. mur. pur. 50,0, Ag. dest. 


ae O 


— 319 — 


100,0 und 2., Natr. nitros. 0,5; Aq. d. 100,0. Je nach der Reihenfolge geben 
diese Lösungen verschiedene Farbenreaktionen: bei Mischung von 2—3 Tropfen 
der zweiten mit 5 ccm. der ersten Lösung und 5 ccm. Harn tritt bei Gegen- 
wart von Gallenfarbstoff eine Amethystfärbung der Flüssigkeit ein, die bald 
in Kirschroth übergeht. Nach 24 Stunden nimmt die Intensität der Färbung 
zu. Bei Mischung von 2-3 Tropfen der zweiten Lösung mit 5 ccm. Harn 
und nachfolgender Hinzufügung von 5 ccm. der Sulfonalsäurelösung, wird die 
Flüssigkeit bei vorhandenem Gallenfarbstoff gelbgrün, nach 24 Stunden wird 
auch diese Flüssigkeit kirschrot. Verfasser glaubt weiter beobachtet zu 
haben, daß bei durch bösartige Geschwülste bedingtem Icterus in jedem Falle 
das Roth bläulicher ausfällt, als bei gutartigem Icterus. S. Prißmann-Libau. 


C. Strzyzowski: Eine praktisch leicht ausführbare Harnprobe 
bei Diabetes. (Wratscheb. Gaz. No. 3, 1905). 

Fügt man zu einem zuckerhaltigen Urin 5°/, Formalinlösung hinzu, so 
tritt in vielen Fällen bei gewöhnlicher Zimmertemperatur nach 24—48 Stun- 
den eine glänzende Grünfärbung ein, die desto intensiver ist, je mehr der 
Harn gewisse anormale Stoffwechselprodukte, wie Aceton, Essigsäure usw. 
enthält. Bei erhöhter Temperatur (5060) tritt die Färbung ein wenig früher, 
bei niedriger Temperatur (0—10°) etwas später ein. Bei den leichten Dia- 
betesformen kommt diese Reaktion öfters nicht zur Beobachtung; ihr Vor- 
handensein spricht entschieden für eine weitere Erkrankungsform mit ge- 
wöhnlich böser Prognose. Das bei dieser Reaktion erhaltene Pigment, dessen 
chemische Formel noch nicht festgestellt ist, hat alcalische Eigenschaften; 
Chloroform ist sein bestes Lösungsmittel. S. Prißmann-Libau. 


O. Moritz: Zur Kenntnis der Eiweißkörper im nephritischen 
Urin. (St. Petersburger medizin. Wochenschr. No. 9, 1905). 

Der Zusatz des Esbach'schen Reagens bewirkt mitunter eine starke 
. Trübung des Urins, ohne daß die Eiweißkörper völlig ausgefällt oder durch 
diese Methode quantitativ bestimmbar werden. Dabei handelt es sich tatsächlich 
um echte Eiweißkörper. Verfassers Untersuchungen ergeben nun, daß die 
betr. Reaktion in den meisten Fällen ein Charakteristikum einer febrilen 
Albuminurie ist und man aus derselben schließen kann, daß Patient infek- 
tiös erkrankt ist (lobäre Pneumonie, Typhus abdominalis etc.). Alle febrilen 
Albuminurien geben jedoch diese Reaktion nicht, dagegen ließen sich in 
allen Fällen, bei denen die Reaktion vorhanden war, Cylinder — hyaline so- 
wohl wie epitheliale — und mit Leukocyten besetzte, daneben freie Epithelien 
und Leukocyten nachweisen. Es liegt demnach eine parenchymatöse Nephri- 
tis vor, die eine unbedingt gute Prognose gibt: geht Patient nur nicht an 
der Infektionskrankheit zu Grunde, so erholen sich seine Nieren in kürzester 
Frist. Diese Reaktion ist demnach prognostisch von Bedeutung. Bei der 
croupösen Pneumonie kann diese Reaktion auf der Höhe des Fiebers bei 
Verminderung der Chloride oft ein differentialdiagnostisches Merkmal sein. 
Zu dieser Variante der Esbach’schen Reaktion kommt es, wenn neben 
einer reichlichen Menge von spezifischen Albumosen echte Eiweißstoffe im 
Urin vorhanden sind (Nucleoalbumin, Fibrinoglobulin). Weiter führt Verfasser 


— 320 — 


aus, daß auch nach seinen Erfahrungen bei der parenchymatösen Nephritis 
ein kleiner bis mittelgroßer Eiweissquotient, während bei der Schrumpfniere 
grosse Eiweissquotienten vorhanden seien. Diese Untersuchung büsst den 
diagnostischen Wert ein, sobald Kompensationsstörungen auftreten. Letztere 
Behauptung sucht Autor durch mehrere angeführte Krankengeschichten zu 
illustrieren. S. Prißmann-Libau. 


W. v. Grot: Zur Kasuistik der Penisverletzungen. (St. Petersb. 
medizin. Wochenschr. No: 6 und 7, 1905). 

Verfasser macht zunächst kurze Mitteilungen über die Verletzungen 
des Penis im Allgemeinen und berichtet des Weitern über einige von ihm 
im Stadtkrankenhause zu Riga beobachteten einschlägige Fälle. Besprochen 
werden sowohl die subkutanen (Fracturen und Quetschungen), als auch die 
offenen Verletzungen (Stich-, Schuss-, Riss- und Schnittwunden), im Ganzen 
recht seltene Erscheinungen. Zur Gruppe der offenen Penisverletzungen ge- 
hören die vom Verfasser behandelten 4 Fälle. Im ersten Falle war Patient 
von einer Kreissäge an den Beinkleidern erfasst worden, und es war die Penis- 
haut bis auf das innere Präputialblatt von der Radix an zirkulär abgerissen 
worden; zugleich fehlte am Scrotum ein Stück Haut, und es war eigentlich nur 
die hintere Srcotalhaut intakt. In 2. Sitzungen wurde eine plastische Dek- 
kung vollführt. Im zweiten Falle fand sich an der Radix auf dem dorsum 
penis eine zackige Wunde, welche das linke corpus cavernosum völlig, das 
rechte zum grossen Teil durchsetzt. Harnröhre intakt. Im dritten Falle be- 
fand sich 2 fingerbreit von der Radix eine an der Rapte beginnende, von 
links verlaufende, fast zirkulöse Schnittwunde. Die Wunde umfasst 2/, des 
Penis. Beide Schwellkörper sind quer durchschnitten. Auch hier Harnröhre 
intakt. Eine noch schwerere Verletzung weist der letzte Fall auf. Der Penis 
ist fast total um ®/, abgeschnitten, die beiden Teile desselben sind nur durch 
einen schmalen Hautstreifen und ein Teilchen linken heilen Schwellkörpers 
in Zusammenhang geblieben. Die von einem Landarzt genähte Wunde mußte 
wegen Harninfiltration geöffnet werden. Dazu gesellte sich bald eine aus- 
gedehnte- Phlegmone, die vielfach inzidiert werden mußte. Nach Ausheilung 
aller Wunden blieb eine Harnröhrenfistel nach, zwecks Schließung weicher 
Pat. das Hospital aufsuchte. Seit der vor 2!/s Monaten erfolgten Verletzung hat 
Patient keine Erektionen gehabt. Auch in diesem wie in den andern 3 Fällen 
hat Verfasser eine restitutio ad integrum erreicht, so daß nach seiner Über- 
zeugung die Ansicht Boyer’s, Benard’s, Vidal’s und Nelaton’s, welche 
bei Durchschneidung von ?/s der corpora cavernosa zur Amputation rieten, 
da fast immer eine Gangraen eintrete, eine irrige sei. Das Wichtige zur Er- 
langung eines guten Resultates liegt nach Verfassers Meinung in der exakten 
Blutstillung und sorgfältigen Naht des Septums und der Tunica albuginea 
und hängt nicht von der Güte des Falles als solchem ab. Prißmann-Libau. 


P. A. Baratynski: Zur Frage von der nachfolgenden Behandlung 
der Harnblasenwunde beim hohen Steinschnitt. (Russ. Wratsch.No.8, 1905.) 
An der Hand von 35 selbstbehandelten einschlägigen Fällen, von denen 
4 in Kürze mitgeteilt werden, kommt Verfasser zum Schluß, daß bei einem 





— 321 — 


Urin von mittleren Eigenschaften (neutraler oder schwach alkalischer Reak- 
tion) und bei Bestehen einer leichten Cystitis eine energische Behandlung der 
letzteren unbedingt indiziert ist. Tritt eine Besserung des Blasenkatarrhs ein, 
so ist eine Blasennaht sehr zweckentsprechend. Bei stark entwickelter Cystitis 
und alkalischem Urin ist eine offene Wundbehandlung bei weitem zweck- 
dienlicher. S. Prissmann-Libau. 


G. Nicolich-Triest: Über die verschiedenen klinischen Formen 
der Prostatahypertrophie und über ihre Behandlung. (Wiener Klin. 
Wochenschrift. 1904, No. 50.). 

Verf. gibt in vorliegender Arbeit einen kurzen Überblick über die 
verschiedenen, durch Prostatahypertrophie erzeugten Krankheitsformen und 
die neusten Behandlungsmethoden derselben und führt folgendes aus: Nicht 
jede Prostatahypertröphie führt zu Beschwerden, und sah Verf., daß enorme 
Vergrößerungen oft gar keine Beschwerden verursachten, während gering- 
fügige Vergrößerungun der Vorsteherdrüse solche im Gefolge hatten. Er 
führt diese scheinbar paradoxen Differenzen darauf zurück, daß es haupt- 
sächlich darauf ankommt, welcher Lappen der Prostata vergrößert ist, und 
zwar ist es gewöhnlich der hypertrophierte Mittellappen, der die Beschwer- 
den verursacht. N. weist bei der Besprechung der objektiven Symptome 
darauf hin, daß gewöhnlich der vergrößerte Mittellappen der Rektalunter- 
suchung entgeht, und es auch Fälle von Hypertrophie der Seitenlappen 
mit endovesikaler Entwicklung gibt, welche gegen das Perineum hin blos 
eine minimale Vergrößerung konstatieren lassen. In diesem Falle ist die 
Kystoskopierung die einzige verläßliche Untersuchungsmethode. Was die 
subjektiven Beschwerden betrifft, so sind diese gewöhnlich in ihren An- 
fängen bei jedem Kranken gleich. In diesem ersten Stadium muß der Kranke 
öfters urinieren, anfangs nur nachts, später auch bei Tage, speziell in den 
ersten Morgenstunden. Bei vielen Kranken bleibt das Krankheitsbild immer 
auf diese Symptome beschränkt — sie gelangen nie zur Harnretention; sie 
urinieren mit Schwierigkeit, aber entleeren die Blase. Leider ist dieser 
günstige Verlauf nicht so häufig und früher oder später‘ verstärken sich die 
Symptome und der Kranke tritt in’s zweite Stadium ein. Der Harn wird nicht 
mehr im Strahle, sondern tropfenweise entleert. Der Kranke kann nicht mehr 
im Bette urinieren, sondern muß zu diesem Zwecke aufstehen und oft knien; 
die Blase wird nicht mehr ganz entleert und nach einer mehr oder weniger 
Jangen Dysurie kann der Kranke ohne bekannte Ursache oder oft nach einer 
Erkältung oder einem Diätfehler nicht mehr seinen Harn entleeren. Andere, 
nicht gerade seltene Komplikationen sind Cystitis, Hämaturie und phospha- 
tische Blasensteine. Was die Behandlung anbelangt, so will Verfasser nur 
zwei Methoden derselben ausgeübt wissen. Den Katheterismus, welcher — unter 
antiseptischen Kautelen ausgeführt — oft schon nach kurzer Zeit das Hindernis 
beseitigt, und die Prostatektomie, welche N. in allen Fällen, wo durch Kathe- 
terismus das Leiden nicht behoben wird, oder wo infolge Cystitis Pyelo- 
nephritis droht, indiziert erscheint. Verf. geht derart vor, daß er nach 
Ausführung der Prostatektomia transvesikalis die Blase mit viel Jodoformgaze 
dilatiert und gleichzeitig auch damit deren Wände komprimiert. Die Gaze 


— 322 — 


hat aber außerdem noch den Zweck, den Harn zu absorbieren und nach aussen 
zu befördern. N. sah von dieser seiner Methode recht gute Resultate und 
empfiehlt sie auf’s angelegentlichste. Straschnow-Prag. 


Foltlen Cabot (M. D. of New-York): The Cystoskope as an aid in 
genitourinary surgery. (Medical News, January 21, 1905.) 

Verf. praepariert jeden Patienten durch eine vorhergehende Behandlung 
wie für Cystoskopie, wie Sonden, Ausspülungen der Blase, mindestens 1 Woche 
vorher. Bei chroniseher Cystitis sind Blasenspülungen unbedingt erforder- 
lich, um den zähen Blasenschleim, welcher bei der Beleuchtung stört, zu 
entfernen. 

Cystoskopie ist schwer, lange Erfahrungen, grosse Geduld und viel 
Zeit sind erforderlich, ferner güter Gesichtssinn und ein vollendetes Farben- 
.unterscheidungsvermögen, bei ruhiger leichter Hand 1°;, -ige Cocainisierung 
der Blase mittelst Weichgummikatheter (!/s Unze) geht der Cystoskopie voraus. 


Verf. gebraucht das Bischoff’sche Cystoskop, wie er überhaupt, be- 
sonders zur Ureterenkatheterisation das direkte Beleuchtungscystoskop be- 
vorzugt. Sehr richtig ist ferner, vorher genau das Blasenvolumen zu be- 
stimmen. (6—8 Unzen), besonders wenn Patient unter allgemeiner Anaes- 
thesie steht, um nicht durch Überdehnung eine Blasenruptur hervorzubringen. 
Die Ureterenöffnungen in der Blase variieren bei normalen Individuen sehr 
verschieden. 

Die Cystoskopie wird mit Erfolg verwandt 


1., beiSteinen, besonders, wenn sie in Divertikeln etc. eingelagert sind, 
bei sehr kleinen Steinen etc. Bei Steinen im Ureter kann vermittelst ‚der 
Kelly'schen Methode (mit Wachs bezogenen Kathetern,) derselbe oft entdeckt 
werden, auch bei Steinen im Nierenbecken versagt die Methode gewöhn- 
lich nicht. 


2., bei Neubildungen der Blase, (hier grösste Vorsicht, um keine 
lebensgefährlichen Blutungen hervorzurufen.) 


3., bei Fremdkörpern in der Blase. 


4., bei Tuberkulose der Urinwege (hier besonders bei Tuberkulose 
des unteren Teils der Harnwege) ist Cy